„Orks", rief Legolas angewidert.

Seine Ohren hatten bereits das leise Stampfen und Lachen ausgemacht. Boromir lief auf die Holztür gefolgt von Gandalf zu und sichtete die Lage. Gerade noch rechtzeitig konnte er seinen Kopf wegdrehen, sonst hätte ihn wohl ein Orkpfeil getroffen.

Während ich den Raum nach einem geeigneten Kampfplatz absucht, hörte ich wie Gandalf mit einer mächtigen Stimme rief: „Wer kommt hier her, um Balins, des Herrn von Moria, Ruhe zu stören?"

Es ertönte nur näherkommendes Gelächter. Aragorn begann mit den anderen nun das Tor mit herumliegenden Holzstücken und alten Waffen zu verrammeln. Die Hobbits hatten sich weiter hinten im Raum um Frodo positioniert und ich stieg auf eine der circa 1,5 Meter hohen Emporen, welche sowohl links als auch auf der gegenüberliegenden Seite des Grabes waren. Mit dem Licht konnte ich von hier aus meine silbernen Pfeile besser abschießen als im kommenden Getümmel.

Gimli stand auf dem Sarkophag und rief rasend, dass sie nur kommen sollen. Ein Zwerg in Moria sei noch nicht zu Staub zerfallen. Aragorn und Legolas warteten mit gespannten Bögen zusammen mit Boromir und Gandalf, welche beide ein Schwert in der Hand hielten im Halbkreis vor Gimli. Die Hobbits hatten ebenfalls ihre Schwerter gezogen und in Frodos blau glühendem erkannte ich Stich wieder, welches Bilbo damals in einem Trollhort gefunden hatte. Ich zog einen Pfeil aus meinem Köcher und spannte die Sehne.

Das Holz der Tür begann unter dem Schlagen der Orks zu splittern und sobald sie sichtbar wurden, schossen wir Pfeile auf sie ab. Die Tür hielt nicht lange stand und die ersten Orks liefen uns entgegen. Immer wieder spannte ich die Bogensehne, zielte und traf eine der widerwärtigen Kreaturen.

Wir kämpften verbittert: Aus dem Augenwinkel sah ich wie Sam einige mit seiner Bratpfanne niedersteckte und Gimli schlug einfach auf alles ein was nicht rechtzeitig in Deckung ging.

Ich schoss gerade einen Ork endgültig in den Tod, als mich ein anderer am Bein packte und herunter ziehen wollte. Ein grüner Pfeil rettete mich und ich nickte Legolas kurz dankbar zu.

Erneut griff ich in meinen Köcher und bemerkte, dass nur noch zwei Todesbringer in ihm waren. Ich zog beide hervor, spannte den ersten ein und schoss auf einen Ork, während ich leise murmelnd den Satz auf dem Köcher heraufbeschwor: „Mors solum cum arma depelletur!". Zugegeben das letzte Wort war geschrien.

Erneut schoss ich und traf einen Ork der gerade Legolas mit einer Keule niederstrecken wollte. Dieser versuchte jedoch einen anderen von Sam fern zu halten. Es war das pure Chaos und eigentlich konnte es nicht mehr schlimmer werden-eigentlich. Ich zog gerade einen Dolch, warf ihn auf einen Ork zu, der leider einen halben Meter zu weit rechts stand wodurch ich noch einen Pfeil nachschicken musste, da begann die Erde zu beben und mehrere der Viecher führten einen angeleinten Bergtroll hinein. Wild um sich schlagend zerstörte er mit seiner Keule die Tür und hatte unser aller Aufmerksamkeit.

Er machte vor nichts halt und wollte gerade Sam niedertrampeln. Ich schoss einen Pfeil auf ihn ab, jedoch verfehlte ich das eigentlich anvisierte Auge und das Geschoss zischte an ihm vorbei. Aragorn und Boromir hatten derweilen die Eisenkette des Trolles gepackt und zogen ihn mit aller Kraft von dem am Boden niedergeworfenen Sam weg.

Der Bergtroll drehte sich brüllend um und schleuderte Boromir, welcher noch immer die Kette hielt, auf die andere Seite des Raumes. Ein Ork wollte die Gunst der Stunde nutzen und Boromir eliminieren, doch ich schoss einen weiteren Pfeil von der Empore ab und durchlöcherte dessen Schädel.

Derweilen hatte Gimli irgendetwas auf den Troll geschleudert und musste nun immer wieder in Deckung vor der Keule dessen gehen. Dieser bemerkt nicht, dass er dadurch ein paar Orks zertrümmerte.

Legolas kämpfte nun ebenfalls mit mir auf der Empore und ich schoss mit ihm fast zeitgleich einen Pfeil auf den Bergtroll, damit dieser Gimli nicht mehr tyrannisierte. Dadurch wurde er aber auf uns aufmerksam und schleuderte die Eisenkette direkt auf uns zu.

Die Kette traf mich zwar nicht direkt sondern prallte auf dem Boden ab, doch als der Troll die Kette auf eine Säule peitschte, trafen mich einige Gesteinsbrocken trotz des weggetreten Kopfs an der Schläfe und mir wurde kurz schwarz vor Augen. Fast augenblicklich klarte mein Blick jedoch wieder auf und ich sah den Elb auf dem Rücken des Monsters zwei Pfeile in dessen Kopf versenken. Er sprang von dem Rücken ab und ich besann mich wieder auf den Kampf. Mein Schädel brummte, doch noch im gleichen Atemzug schoss ich mit einem meiner Pfeile einen Ork ab.

Der Troll schlug nun wie im Wahn um sich und zertrümmerte die gegenüberliegende Empore, auf der gerade Frodo, Merry und Pippin waren. Die drei wurden auseinander gerissen und der Troll fasste Frodo als neues Ziel. Ich konnte nur sehen wir dieser sich hinter einer Säule vor seinem Jäger versteckte und dann verzweifelt nach Aragorn schrie.

Ich schoss und schoss und glaubt, es würden weniger werden. Da hörte ich ein leises Röcheln von der anderen Seite und sowohl Aragorn als auch Sam schrien entsetzt Frodos Namen und in mir erwachte die Erkenntnis, etwas Furchtbares müsse geschehen sein. Ich ließ meinen Bogen auf den Boden fallen und begann mit einem der beiden noch übrigen Dolche auf einen Ork einzustechen. Dunkles Blut spritzte um mich, bis ich von dem nun leblosen Geschöpf abließ und mich auf ein weiteres stürzte.

Wir waren wenige tote Orks später wieder allein in der Kammer und ich rannte zusammen mit den anderen zu Frodo. Dieser lag bewusstlos auf dem Boden und hatte eine Lanze in der Brust stecken. Aragorn krabbelte auf ihn zu und drehte ihn um. Schwer atmend richtete sich dieser auf und ich konnte kaum glauben, dass er nicht tot war.

„Du müsstest tot sein! So ein Sperrstoß hätte einen wilden Eber umgebracht!", sagte Aragorn, ebenfalls vollkommen verwundert.

„An diesem Hobbit ist mehr dran, als zunächst scheint.", erwiderte Gandalf. Frodo öffnete einen Knopf seines Hemdes und offenbarte wieso er nicht bereits ins Reich der Toten eingegangen war: Er trug ein silbernes, reichverziertes Kettenhemd und ein leises „Mithril!" von Gimli bezeugte die Beschaffenheit des Lebensretters.

Erneute Trommelgeräusche zwangen uns, uns von dem prachtvollen Anblick des Mithrilhemdes los zu reißen. Ich griff nach meinen Dolch, welcher unweit von Frodo lag, packte ihn zusammen mit den anderen beiden wieder weg und lief dann zu meinem Bogen. Auch die anderen hatten sich kurz wieder ausgestattet und wir liefen durch das Loch, welches der nun tote Bergtroll geschlagen hatte, wieder nach draußen.

Um uns krochen überall Orks aus Löchern und verfolgten uns, doch keine 50 Meter weiter hatten sie uns bereits umzingelt. Wir stellten uns Rücken an Rücken in einen Kreis auf doch die Situation war aussichtslos. Immer mehr unserer Feinde kamen und ich konnte schon bald das Ende des Belagerungsringes nicht mehr sehen. Sie kreischten und lachten und in ihren widernatürlichen Augen konnte ich die Lust nach unserem Fleisch lesen. Mir wurde schlecht bei dem Gedanken auch nur von ihnen berührt zu werden.

Doch etwas stimmte nicht. Unter den Orks machte sich Panik breit und die ersten begannen zu fliehen. Nach und nach waren fast alle verschwunden und ich wandte mich verwundert zu den anderen um. Meine geschädigten Augen reichten aus, um zu erkennen, was die Orks in die Flucht geschlagen hatte: Etwas kam auf uns zu, so hell, dass es die Decken der Halle in gleißendes Licht tauchte. An Gandalf gewandt fragte Boromir, was das für eine neue Teufelei sei.

Dieser antwortete zögerlich: „Ein Balrog. Ein Dämon aus der alten Welt. Ein Feind, gegen den ihr nichts ausrichten könnt. Lauft! Schnell!"

Auf seine Aufforderung hin rannten wir auf eine Öffnung hin. Ich sprang einige Treppenstufen hinab und folgte den anderen. Wir gelangten in eine weitere Halle, doch diese war anders. Es führte nur eine halbzerstörte Treppe über einen tiefen, bodenlosen Abgrund und die Wände waren nicht wie zuvor geschmückt sondern bestanden aus nacktem unregelmäßigem Stein. Wir gingen die Treppe hinab bis wir zu einer Stelle kamen, an der die Stufen weggebrochen waren.

Wir mussten stoppen und Legolas gefolgt von Gandalf sprang über den Abgrund hinweg. Dann folgte Boromir mit Merry und Pippin unter dem Arm. Durch die Kraft, welche Boromir aufwand, um sich ab zu stoßen brach gut ein weiterer Meter der Treppe in die Tiefe. Mir war klar, dass ich nicht so weit würde springen können.

Auch Sam stand zweifelnd neben mir, als mich ein Paar Hände packte und auf die andere Seite schmiss. Ich flog durch die Luft und war unfähig auch nur einen Ton von mir zu geben, zu überrascht war ich. Aragorn mich doch glatt geworfen hatte. Im nächsten Moment umfingen mich auch schon ein weiteres Paar Hände und ich erkannte überraschend Boromir als meinen Fänger. Ich bedankte mich leise bei ihm und ging wenige Stufen hinab, um denen auf der anderen Seite Platz zum Springen zu machen.

Er hatte mir gegenüber sehr unfreundlich seine Meinung zum Thema Helfen kund getan, doch besaß er so viel Anstand, dass er seine Drohung in dieser wirklich brenzligen Situation nicht erfüllte.

Auch Sam wurde von Aragorn geworfen. Nur Gimli weigerte sich und sprang selber, jedoch landete er so knapp, dass Legolas ihn am Bart festhielt und zurück zog, damit er nicht der Treppe hinterher stürzte.

Nun standen nur noch Aragorn und Frodo auf der anderen Seite doch erneut brach die Treppe weg. Der Abstand zwischen uns und den beiden betrug nun gut fünf Meter und der Balrog kam näher. Das Tor durch welches wir eben noch gekommen waren, zeigte Risse auf und von der Decke fielen dicke Brocken ab. Einer dieser zertrümmerte die Treppe hinter den beiden. Sie waren nun auch vom Rückweg abgeschlossen. Die Säule, die die Treppe stützte begann auch nachzugeben und Aragorn und Frodo lehnten sich nach vorne in der Hoffnung so das nun lose Teilstück zu uns dirigieren zu können. Beide standen schwankend da und ich hielt vor Anspannung den Atem an.

Ich wollte es nicht glauben und anfangs hielt ich es für eine Täuschung doch die beiden Gefährten bewegten sich auf uns zu! Immer schneller rutschte die Treppe in unsere Richtung und als der Abstand gering genug war, sprangen beide zu uns.

Wieder vereint rannten wir die Treppe weiter hinab. Stufe für Stufe und immer wieder rutschte ich über die bröselnden Kanten herab. Ein Blick nach unten zeigte mir einen bodenlosen Abgrund durchbrochen von Feuer die unter uns loderten. Wir erreichten eine weitere Halle, laut Gandalf die zweite von Alt-Moria und plötzlich begannen wieder die Trommeln zu schlagen. Die Halle war ebenfalls erfüllt von Feuer und hinter der heißen Brunst zeichneten sich die Umrisse vieler hundert Orks ab. Legolas versuchte ein paar von ihnen zu erwischen, doch plötzlich hielt er im Lauf inne.

„Der Balrog", wisperte er leise und auch Gimli verbarg mit den Händen sein Gesicht vor Angst als er ‚Durins Fluch' erblickte. Das Wesen, welches uns bereits zuvor verfolgt hatte war nun hier und bereits so nah, dass ich es grob erkennen konnte: Es war groß, fast 4 Meter und von kräftiger Statur. Zudem sah es so aus, als würde es von innen heraus glühen und entfachte mit jedem Schritt, den er auf uns zu kam, mehr Feuer in der Halle.

„Zu der Brücke, sie ist nicht mehr fern! Schwerter nützen hier nichts!", befahl uns Gandalf und wir rannten zu dem Tor am Ende der Halle.

Dort erstreckte sich eine offene Fläche erneut umgeben von kahlen, hohen Wänden. Eine schmale Brücke zeichnete sich in der feuerbeschienenen Umgebung ab und wir hielten direkt auf sie zu. Im Gänsemarsch passierten wir den Geländer losen und zudem nur gut einen Meter breiten Übergang und verweilten an einer Tür. Dahinter führten Treppen nach oben. Gandalf stand in der Mitte der gebogenen Brücke mit seinem Stab in der einen und dem Schwert in der anderen Hand. Aragorn und Boromir verharrten tapfer am Fuße dieser und wollten auch nach mehrfacher Aufforderung Gandalfs nicht das Feld räumen. Mit wachsendem Entsetzen bemerkte ich das Näherkommen unseres Feindes bis er schließlich mit glühenden Augen vor der Brücke stand und seine Peitsche drohend knallen ließ. Hinter ihm schlug etwas auf und ab als hätte er Flügel.

Er wollte einen weiteren Schritt tun, da sprach Gandalf mit einer Stimme, die ich noch nie an dem alten Mann gehört hatte: „Ich bin ein Diener des geheimen Feuers, Gebieter über die Flamme von Arnor! Du wirst nicht bestehen. Das dunkle Feuer wird dir nichts nützen! Flamme von Udûn! Geh zurück zu den Schatten. Du kannst nicht vorbei!"

Bei dem letzten Satz stieß er mit seinem Stab auf den Boden, leichte Funken sprühten und ich meinte etwas im Bauch zu spüren, als hätten seine Worte eine Welle der Macht herauf beschworen.

Der Balrog gab sich unbeeindruckt dieser Worte, falls er sie verstanden hatte und wollte einen Schritt wagen, doch stieß Gandalf erneut mit seinem Stab auf den Boden und rief: „Du kannst nicht vorbei!"

Wieder spürte ich diese Welle, doch schwächer als zuvor und der Balrog betrat die Brücke. Gerade wollten Aragorn und auch Boromir zu Gandalf laufen und ihn unterstützen, da schlug dieser ein drittes Mal auf den Boden, so heftig, dass sich Risse bildeten und der Balrog mit einigen Metern der Brücke in die Tiefe fiel. Ich atmete auf, doch plötzlich verschwand unser Retter aus meinem Blickfeld. Bei genauerem Betrachten bemerkte ich, dass er sich an die Kante klammerte. Aragorn rannte auf ihn zu, um ihm zu helfen, aber es war zu spät.

Mit einem ‚Flieht, ihr Narren!' auf den Lippen stürzte Gandalf, der Mann, welchem ich damals in Mittelerde als erster begegnet war und der als einer von Wenigen über mich Bescheid wusste, stürzte hinab ins Bodenlose und in den Tod.