14. Kapitel
Allein
Harry erhob sich langsam und sah wie Lupin, Tonks, Charlie und Goldana angelaufen kamen.
„Harry, bist du in Ordnung?", Remus Lupin ließ sich neben Harry in den Schnee fallen. Harry ließ sich von ihm auf die Beine helfen und wollte sofort zu Ron laufen, doch Lupin hielt ihn fest. Harry wehrte sich mit Leibeskräften und schlug wild um sich. Lupin lockerte seinen Griff.
„Warte, Harry, bleib hier.", sagte Remus leise.
Tonks, Goldana und Charlie waren über Rons Körper gebeugt. „Nein, Ron, nein. Wach auf, verdammt wach auf!", Charlie schüttelte Rons leblosen Körper. Goldana und Tonks hielten Charlie fest und zogen ihn ein Stück bei Seite. Charlie ließ sich auf die Knie fallen und begrub sein Gesicht in den Händen.
Harry riss sich aus Lupins Griff los und rannte zu Ron. Neben Ron ließ er sich auf den Boden fallen. „Mensch Ron, mach doch keinen Scheiß!"
Harry sprang auf und rief: „Nun los doch, schnell! Wir müssen ihn ins St. Mungos bringen! Was steht ihr denn alle nur so rum?" Harry schaute wie ein Wahnsinniger von einem zum anderen. „Charlie, verdammt steh auf!" Harry zerrte an Charlies Arm, doch dieser schüttelte nur mit dem Kopf. „Seid ihr denn alle verrückt geworden? Wir können Ron doch nicht einfach hier liegen lassen, es ist viel zu kalt. Er wird sich noch den Tod holen!" brüllte Harry, ganz außer sich.
„Er ist schon tot, Harry!" brüllte Charlie zurück und sprang auf die Beine. „Tot, Harry, verstehst Du!"
„Nein, das darfst du nicht sagen, du mieser kleiner..."
„Harry!", Lupin hielt Harry fest, der sich grade auf Charlie stürzen wollte, „Nicht, Harry. Beruhige dich. Charlie hat Recht."
„Nein hat er nicht!" Harry riss sich erneut los und lief zu Rons Körper. Er trommelte mit seinen Fäusten auf Rons Brustkorb. „Steh auf, Ron. Steh auf. Zeig ihnen, dass es Unsinn ist, was sie sagen! Komm schon, Ron."
Harry hielt Rons Körper an den seinen gepresst, „Nein, Ron, nein nein nein... du kannst mich doch nicht allein lassen.."
„Harry, komm. Steh auf, wir müssen von hier weg. Komm schon.", Lupin zog Harry sanft von Rons Körper weg.
Tonks belegte Rons Körper mit einem Schwebezauber und langsam zog die kleine Gruppe wieder los in Richtung Fuchsbau.
„Wie sollen wir das Mum sagen?" fragte Charlie mit zitternder Stimme. „Sie wird... das kann sie nicht... oh mein Gott.. oh gott..."
Harry ging dicht neben Rons schwebenden Körper und ließ ihn keine Sekunde aus den Augen.
Sie schienen schon eine Ewigkeit durch den dunklen Wald zu laufen, bis endlich die Lichter des Fuchsbaues in Sicht kamen. Harry blieb wie angewurzelt stehen.
„Harry, komm weiter.", sagte Lupin.
„Ich kann nicht, sie sind doch grad alle so glücklich und es ist Weihnachten. Wir können da nicht hin... Nicht so.", stammelte Harry.
„Harry? Ron? Seid ihr das? Mum ist schon total sauer, weil sie solange das Abendessen warm halten musste.", Ginnys Stimme näherte sich der Gruppe.
Charlie ging ihr entgegen und Harry wäre am liebsten abgehauen.
„Ginny, warte ich muss mit dir reden, ich komme zu dir!", rief Charlie ihr entgegen, seine Stimme zitterte.
„Charlie? Was denn los? Nun kommt doch endlich. Mum dreht gleich durch!", antwortete Ginny.
Harry lief nun doch Charlie hinter her und gemeinsam erreichten sie Ginny.
„Nun kommt doch endlich. Wo sind denn die anderen?", Ginny schaute von einem zum Anderen.
„Ginny, wir wurden...",Harrys Stimme erstarb, er brachte es nicht über sich.
„Harry und Ron wurden von Todessern angegriffen. Sie haben Ron umgebracht..", sagte Charlie leise.
Ginny starrte sie an und schüttelte ungläubig den Kopf.
„Ich konnte ihm nicht helfen. Es tut mir so leid, Ginny, es tut mir so leid.", Harry wollte Ginnys Hand nehmen, doch sie ging einen Schritt zurück.
„Wa...warum...warum sagt ihr so was?", Ginny sprach zwar ganz leise, aber ihre Stimme wirkte dennoch ein wenig schrill. Tränen standen in ihren Augen, „Ihr meint das Ernst, nicht, ihr meint das wirklich ernst." Sie machte noch einen Schritt zurück. „Harry, das kann nicht sein! Er kommt doch gleich, oder?" Harry schüttelte den Kopf. Ginny schrie kurz auf, als hätte Harry sie geschlagen. Harry schlang die Arme um sie. Ginny wollte sich aus seinen Armen befreien, aber Harry hielt sie fest. „Ginny, es tut mir leid. Ich wollte nicht, dass... sie haben...ich konnte nicht." Harry und Ginny klammerten sich an einander fest, als hätten sie Angst, dass einer ohne den Halt des anderen untergehen könnte. Charlie und die Anderen waren indessen weiter gegangen und betraten nun den Fuchsbau.
Harry und Ginny hörten mehrere Schreie und das Klirren von herunterfallenden Geschirrs. „Nein!" schrie Ginny auf, wie unter Qualen. Harry drückte sie noch enger an seinen Körper. Sie schienen eine Ewigkeit so da zustehen. Beide zitterten und schluchzten bis sich Harry langsam aus der Umarmung löste. „Komm, Ginny, lass uns reingehen." Ginny taumelte und Harry legte einen Arm um ihre Hüfte.
Vor der Tür zum Fuchsbau saß Hermine auf dem Boden. Die Knie an ihren Körper gezogen und ihr ganzer Körper bebte. Als sie Harry und Ginny kommen hörte schaute sie auf.
„Warum? Harry, sag mir warum?", schluchzte sie und Harry und Ginny ließen sich neben ihr auf den Boden fallen und weinten mit ihr.
Irgendwann stand Ginny auf und ging ins Haus. Harry wollte nicht rein gehen, er wollte nicht die Blicke der Anderen spüren und er wollte auch keine Fragen beantworten. Am liebsten hätte er seine Sachen gepackt und wäre gegangen.
Die Tür wurde vorsichtig geöffnet und Hermines Mutter trat heraus.
„Hermine, Harry, kommt rein, bitte, es ist furchtbar kalt hier draußen.", sie legte beiden eine Hand auf die Schulter und langsam erhoben sich Harry und Hermine.
Fred und George saßen allein in der dunklen Küche, während alle anderen im Wohnzimmer saßen. Harry ließ sich auf einen Stuhl am Küchentisch fallen und legte den Kopf auf die Tischplatte. „Mum und Dad sind oben. Sie haben Ron in sein Zimmer gebracht." sagte Fred mit tonloser Stimme. Harry reagierte nicht darauf.
„Harry?", Tonks stand neben ihm, „Ich habe hier deinen Besen und deinen Zauberstab."
Harry schaute auf: „Wo ist Rons Sauberwisch?"
Tonks schaute ihn erstaunt an, „Ich habe ihn dort neben die Tür gestellt."
Harry stand auf, holte den Besen und lief die Treppe hinauf. Alle schauten ihm verwirrt nach.
Er stieß die Tür zu Rons Zimmer auf. Mrs. Weasley kniete neben Rons Bett und weinte laut. Mr. Weasley saß am Fußende von Rons Bett, den Kopf in seine Hände gestützt.
„Rons Besen,", sagte Harry atemlos, „ er braucht doch seinen Besen!" Harry hastete zu Rons Bett hinüber und legte den Besen an Rons Seite. Dann stand er neben Mrs. und Mr. Weasley und kam sich reichlich dumm vor, als ihm bewusst wurde, was er grad getan hatte.
„Es tut mir leid... ich dachte nur...", seine Stimme wurde zu einem Schluchzen.
„Danke, Harry.", sagte Mr. Weasley leise und schaute ihn aus roten Augen an. Harry schüttelte den Kopf, wandte sich um, um den Raum zu verlassen.
Langsam stieg Harry die Treppe runter. Auf den letzten Treppenstufen saßen Linda und Neville. Harry ließ sich ebenfalls auf der Treppe nieder.
„Müssen wir nicht jetzt irgendetwas machen?", fragte Harry leise. Neville drehte sich zu Harry um und schüttelte langsam den Kopf.
„Professor McGonagall hat eine Eule ans Ministerium geschickt, die wollten jemanden schicken, der herkommt.", antwortete Neville. Harry nickte und stand auf. Er hatte nicht die Ruhe um irgendwo zu sitzen und tigerte durchs Wohnzimmer und in die Küche und wieder zurück.
