Hallo ihr Lieben! In diesem Kapitel gibt Marcus so Einiges über ihn preis, aber auch Katie erlebt etwas Neues. Wieder geht es hauptsächlich um Marcus' schulische Probleme. Das, was er in diesem Kapitel erlebt, kennen wir wahrscheinlich alle. Vielen Dank für zwei neue Reviews. Über Rückmeldungen aller Art freue ich mich immer sehr.


14. Zeichen und Wunder

Marcus saß in der hintersten Ecke der Bibliothek am Fenster zu den Ländereien von Hogwarts und dachte schon seit geraumer Zeit darüber nach, sich hinauszustürzen. Er wurde noch wahnsinnig hier. Seit Stunden hielt er sich mit seinen Verwandlungshausaufgaben auf, doch er bekam es einfach nicht hin. Es war zum Verrücktwerden. Sein Vater hatte recht, er war einfach zu dumm für diese Welt, ein verdammter Squib, ein Verlierer. Er würde es nie zu etwas bringen, weil er ein dämlicher Versager war. Das war doch alles eine große Zeitverschwendung. Seufzend sog er die muffige, staubschwere Luft der Bibliothek ein, während er finster Löcher in die Buchregale vor ihm starrte. Dicht an dicht standen dort so einige dicke Wälzer, in die er noch nie einen Blick geworfen hatte. Er war einfach nicht für die Theorie geeignet. Wenn er so darüber nachdachte, war er in der Praxis genauso wenig brauchbar. Das war doch alles Drachenmist. Er war einfach zu nichts zu gebrauchen.

„Hey Flint." Katie grinste ihn breit an, dann schob sie umstandslos seine Bücher beiseite, um sich auf die Tischkante zu setzen. Ihre Leggins hatte ein Loch, durch das er einen neuen blauen Fleck sehen konnte. Besorgt strich Marcus darüber.

„Na, mit wem hast du dich angelegt?", fragte Marcus möglichst locker und zupfte am Saum ihres ehemals wohl schwarzen T-Shirts.

Katie zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung, wo die Flecken immer herkommen...", murmelte sie und sah zur Seite. Irritiert runzelte Marcus die Stirn. Gerade wollte er nachhaken, da entdeckte sie seine Notizen für Verwandlung. „Wie läuft's mit den Hausaufgaben? Wollen wir eine Runde fliegen?"

Marcus warf einen sehnsüchtigen Blick aus dem Fenster, schüttelte dann aber den Kopf. „Ich muss erst den Aufsatz fertigschreiben." Er sollte dringend vernünftig bleiben.

Katie kaute nachdenklich auf der Unterlippe, während sie die wirren Notizen überflog. „Es läuft nicht so, hm?", mutmaßte sie schließlich.

Marcus hasste sein Leben. Resigniert ließ er seine Stirn auf die Tischplatte knallen, dann schüttelte er den Kopf. Wieder einmal bekam Katie mit, was für ein Versager er eigentlich war. Na toll. Da konnte er doch eigentlich direkt gleich selbst mit ihr Schluss machen. Er war viel zu dumm für ein so cleveres und unabhängiges Mädchen wie sie. Was wollte sie denn überhaupt mit ihm? Sie verschwendete ihre Zeit mit ihm, dem Versager.

Als Katie anfing, beruhigend seine Haare zu streicheln, erstarrte er im ersten Moment zur Salzsäule. „Armer Marcus", sagte sie tröstend. „Kopf hoch, du schaffst das. Ich glaub' an dich."

„Ich hab' deine netten Worte nicht verdient", grummelte Marcus die Tischplatte an. „Ich bin einfach zu blöd für den Drachenmist..." Als ihm bewusst wurde, was er da gesagt hatte, stöhnte er auf. „Vergiss' es." Merlin, sie durfte ihn einfach nicht für einen Versager halten. Das tat der Rest von Hogwarts schon.

Katie hörte sofort auf, ihn zu streicheln. „Red' dir den Quatsch nicht auch noch selbst ein, Flint", befahl sie energisch. „Du bist toll und du schaffst das schon. Ich weiß das genau."

Marcus drehte seinen Kopf zur Seite. Nun lag er mit der Wange auf der Tischplatte. „Letztes Jahr hat das ja auch schon so super geklappt", murrte er sarkastisch.

Katie verdrehte die Augen, gab ihm aber trotzdem einen kleinen Kuss auf die Wange. „Letztes Jahr hattest du mich noch nicht", bestimmte sie. „Ich bin tapfer und mutig genug für uns beide." Mit einem Blick über die Schulter stand sie auf. „In einer halben Stunde bin ich zurück mit Percys Hausaufgaben. Aus denen werden wir bestimmt schlauer als aus deinen Notizen."

Entmutigt hob Marcus seinen Kopf. „Der Streber überlässt mir doch nie im Leben seine Hausaufgaben. Das kannst du vergessen", gab er zu bedenken. Dann seufzte er resigniert, denn eine andere Erkenntnis traf ihn sofort. „Außerdem bringt mir das rein gar nichts. Wenn ich dieses Jahr meine Abschlussprüfungen bestehen will, muss ich den Drachenmist irgendwie in mein Flubberwurmhirn bekommen. Da bringt mich das Abschreiben auch nicht weiter."

Katie fuhr sich durch die wirren Haare. „Mensch, Flint", entfuhr es ihr. „Sei doch nicht so pessimistisch. Zusammen bekommen wir das hin. Versprochen. Jetzt hör' auf, so ein Gesicht zu machen. Schreib' doch zuerst einen anderen Aufsatz, bis ich wieder da bin." Sie gestikulierte zum Fenster. „Oder schau' dir einfach die Wolken an. Du brauchst dringend eine Pause." Behände sprang sie auf die Beine. „Warte hier. Ich beeil' mich." Weg war sie.

Jemand näherte sich dem Regal, hinter dem Marcus saß, aber er sah nicht auf. Die Schritte klangen sowieso schnell wieder ab. Katie war eine Kriegerin, dachte er anerkennend. Sie würde im Gegensatz zu ihm nie aufgeben, sondern immer kämpfen. Von ihr konnte er vermutlich noch eine Menge lernen. Allein ihre Charakterstärke und die Leichtigkeit, mit der sie die Probleme ihres Lebens bewältigte, bewunderte er. Er dagegen war einfach nur schwach, dumm und zu nichts zu gebrauchen, wie sein Vater so gern betonte. Seufzend zog er sein Geschichtsbuch heraus, um den Mittelteil seines Aufsatzes für nächste Woche zu schreiben. Wenigstens wurde er in Geschichte immer besser, seitdem er sich Mühe gab, in jeder Stunde irgendwelche Notizen zu machen. Der tote Scheiß war wenigstens halbwegs logisch und konsequent.

Wie Katie wohl Percy dazu bekommen wollte, den Aufsatz herauszurücken? Percy mochte zwar Schulsprecher sein, aber sozial war er deshalb keineswegs eingestellt. Ganz davon abgesehen konnten sie sich auch kein Stück leiden, also hätte er keinen Grund, nett zu sein. Sie würde schon wissen, was sie tat. Hoffentlich log sie ihren Kumpel nicht allzu offensichtlich an. Er checkte die Jahreszahlen erneut, dann nahm er ein paar Änderungen an seinem Aufsatz vor. Inzwischen dröhnte sein Kopf wie die Musikanlage der Schicksalsschwestern. Mühsam konzentrierte er sich auf ein weiteres Kapitel in seinem Schulbuch, obwohl er sich ständig fragte, ob die halbe Stunde inzwischen um war.

Wieder näherten sich Schritte. Marcus konnte zwei weibliche Stimmen hören, die aufgeregt miteinander tuschelten. Ärger im Anmarsch, dachte er resigniert, sah aber trotzdem auf. „Was wollt ihr?", raunzte er Angelina und Alicia an. Die beiden hatten ihm gerade noch gefehlt. „Katie ist nicht hier."

Die beiden tauschten undefinierbare Blicke aus. Als Alicia nickte, antwortete Angelina: „Wir wollen nicht zu ihr, sondern zu dir." Die beiden standen mit verschränkten Armen vor ihm. Alles an ihnen strahlte Feindseligkeit aus. Na klasse. Sein Tag verlief wie gewohnt perfekt.

„Verpisst euch", versuchte Marcus es ein letztes Mal. „Im Gegensatz zu euch versuche ich hier, meine Freizeit sinnvoll zu nutzen." Wenn diese nervigen Weiber weiterhin so laut waren, riefen sie außerdem noch Madam Pince auf den Plan.

Sofort griff Angelina nach Alicias Arm, doch diese schaute ihre Freundin nur an. Sie flüsterte etwas, das verdächtig nach „Arschloch" klang. Wieder steckten die beiden ihre Köpfe zusammen und tuschelten hektisch.

Als die beiden einfach nicht leiser wurden, ließ Marcus seufzend seine Feder fallen. Mit finsterer Miene runzelte er die Stirn. „Was habt ihr Hühner? Spuckt's schon aus, dann lasst mich in Frieden." Wieder lief jemand nahe am Regal vorbei. „Beeilt euch damit, bevor Wood hier noch auftaucht und eine Szene macht", fügte er resigniert hinzu.

Alicia schnaubte, doch Angelina schüttelte den Kopf. „Wir müs... wollen uns für unser Verhalten vor ein paar Tagen entschuldigen", erklärte sie höflich distanziert. Alicia nickte dazu, sah aber aus, als wollte sie ihn stattdessen lieber mit ihren Blicken erdolchen.

Fassungslos schaute Marcus von der einen Jägerin zur anderen. „Wieso?!", entfuhr es ihm überrumpelt. Das war doch ein Scherz.

„Hnngh", entfuhr es Angelina verzweifelt. Hilfesuchend stupste sie Alicia an. Diese strich sich ihr Shirt glatt, dann antwortete sie mit aufgesetzter Ruhe: „Himmel, mach' es uns doch nicht so schwer. Wir entschuldigen uns dafür, dass wir dich eine Niete und ein sarkastisches Arschloch genannt haben. Nimmst du die Entschuldigung an?" Sie stützte ihre Hände auf dem Tisch ab, während sie sich erwartungsvoll vorbeugte.

Ungläubig runzelte Marcus die Stirn. „Wozu? Weil ihr es so wunderbar ernst meint? Geht einfach und lasst mich in Ruhe", forderte er sarkastisch. Das roch doch förmlich nach Katies Intervention. „Außerdem habt ihr mich neulich nicht Arschloch genannt", fügte er noch hinzu, allein schon, damit die beiden bemerkten, dass es ihm aufgefallen war. Genervt hielt er sich das Geschichtsbuch vor sein Gesicht, um zu signalisieren, dass das Gespräch beendet war.

Wieder tuschelten Alicia und Angelina aggressiv miteinander. Merlin, die gaben wohl nie auf. Womit hatte Katie ihnen nur gedroht? Alicia sagte schließlich: „Wir meinen es wirklich ernst. Hör' auf, dich darüber lustig zu machen. Nimmst du die Entschuldigung nun an oder nicht?"

Seufzend ließ Marcus das Buch sinken. „Nur unter der Bedingung, dass ihr mir verratet, wie Katie euch dazu gebracht hat. Dann erzähle ich ihr sogar höchstpersönlich, wie nett ihr euch entschuldigt habt."

Die beiden tauschten einen einzigen Blick, dann zuckte Alicia mit den Schultern. „Gar nicht. Das war unser eigener Entschluss. Wenn wir uns nicht entschuldigen, dann erzählt sie uns überhaupt nichts mehr aus ihrem Liebesleben", erklärte Alicia mit einem kleinen Lächeln.

„Aha", machte Marcus irritiert. Das verstand doch kein normaler Mensch.

„Es ist so ein Gryffindor-Ding", erklärte Angelina herablassend. „Wir sorgen uns umeinander. Ich erwarte nicht, dass du so etwas verstehst, Flint."

Mit einem finsteren Blick wandte Marcus sich ab. So etwas war ihm zu blöd. Darauf würde er nichts erwidern.

In diesem Moment kehrte Katie zurück. „Was macht ihr denn hier?", fragte sie ihre Freundinnen verwundert. Schon beinahe automatisch streckte Marcus seinen Arm nach ihr aus, als sie sich neben ihn stellte. Sanft strich er über ihren Oberschenkel und sie schenkte ihm ein kleines Lächeln.

„Sie haben sich bei mir entschuldigt", antwortete Marcus pflichtbewusst. Er schenkte Angelina einen letzten finsteren Blick, dann wandte er sich demonstrativ wieder Katie zu.

„Hä?", machte Katie mindestens genauso irritiert wie Marcus vorhin.

„Dir zuliebe", erklärte Angelina wie aus der Pistole geschossen. „Wir wollen nicht, dass du uns weiter ausschließt, Katielein."

„Genau", fügte Alicia hinzu. „Wir wollen alle schmutzigen Details hören."

Marcus schnaubte, doch Katie stürzte sich mit einem glücklichen Seufzer in die offenen Arme ihrer Freundinnen. „Gryffindor", murmelte er irritiert, während er beobachtete, wie sie sich fest umarmen ließ. In den nächsten Minuten stellte er fest, wie es war, vollkommen vergessen zu werden. Die drei machten es sich auf seinem Tisch gemütlich, während sie begeistert miteinander kicherten und tuschelten. Es war unfassbar. „Keine Details aus unserem Sexleben", neckte er Katie, die sofort knallrot wurde.

„Waaas?", fragte Alicia aufgeregt nach. Ihre Augen glitzerten vor Begeisterung. Merlin, war die neugierig.

Katie dagegen schenkte Marcus sofort die Aufmerksamkeit, die ihm gefehlt hatte. Sie verpasste ihm einen festen Klaps auf den Hinterkopf. „Blödmann!", beschwerte sie sich grinsend. Er nutzte die Chance, um sie wieder näher an sich heranzuziehen. So fühlte sich das schon viel besser an. Wie durch Zufall strich dabei seine Hand über ihren Po und blieb dort liegen. „Finger weg, Flint", forderte sie, machte aber keine Anstalten, seine Hand wegzunehmen. Nach einem kleinen Seitenblick auf ihr zufriedenes Lächeln ließ er seine Finger dort, wo sie waren. Stattdessen schenkte er lieber Alicia einen provozierenden Blick.

Das hätte er sich allerdings sparen können, denn Alicia hatte nur Augen für Katie. „Hattet ihr wirklich schon Sex?", fragte sie aufgeregt. „Wie war's?"

Marcus verzog das Gesicht, doch Katie antwortete immer noch lächelnd: „Der foppt dich nur, weil du so neugierig bist." Alicia sah fast ein bisschen enttäuscht aus, stellte er verwundert fest. „Aber ohne T-Shirt sieht er echt heiß aus", fügte Katie noch grinsend hinzu. Ihre Wangen färbten sich sofort wieder rot.

„Hey, ich bin noch anwesend", beschwerte sich Marcus fassungslos, aber auch ein bisschen geschmeichelt. Die Mädchen ignorierten ihn gekonnt, stattdessen kicherten sie um die Wette. Das konnte echt nicht wahr sein. Überrumpelt und total verlegen rieb er sich mit der Hand über den Nacken.

Katie wand sich grinsend aus seinem Griff, dann steckten die Freundinnen erneut die Köpfe zusammen. Dieses Mal standen sie zwar nahe genug am Regal, dass er nichts mehr verstehen konnte, aber er hatte eine Ahnung, worüber sie sprachen. Immer wieder sahen sie verstohlen zu ihm hinüber und das Gekicher ging erneut los. „Das ist echt nicht zu fassen", kommentierte Marcus ungläubig, während die Hühner offensichtlich über seinen Körperbau tuschelten. Beim besten Willen konnte er sich nicht entscheiden, ob ihm diese Art der Aufmerksamkeit nun peinlich sein oder schmeicheln sollte. „Soll ich mich vielleicht ausziehen, damit ihr wisst, worüber ihr redet?", fragte er nach einer erneuten Kicherflut sarkastisch nach. Es fühlte sich auf jeden Fall verdammt ungewohnt an.

Alicia nickte begeistert, bekam aber sofort einen Schlag auf den Arm von Katie. „Meiner", betonte sie besitzergreifend.

Ein warmes Gefühl machte sich in Marcus breit. Er musterte Katie, wie sie die Hände in die Hüften stemmte und ihre Freundin anfunkelte. Das breite Lächeln auf ihrem Gesicht gefiel ihm dabei am besten. Sie sah glücklich aus, das war schön, dachte er zufrieden. Als sie ihn anlächelte, erwiderte er ihr Lächeln scheu. Sofort kam sie zu ihm herüber, um ihm kleine Küsse auf die Lippen zu geben. Sie drängte sich immer näher an ihn, bis er mit dem Stuhl zurückrutschte, dann saß sie auch schon auf seinen Schoß. Zufrieden schlang sie die Arme um ihn und drückte ihn fest an sich. Sie roch so gut, dachte er, als ihr Lilienduft ihn umgab. Er schloss kurz die Augen, damit er den Moment genießen konnte, falls sie sofort wieder aufspringen wollte. Dieses Mal blieb sie aber sitzen, bis ihre kichernden Freundinnen näherkamen. Sie schlang ihren Arm um seine Schulter und streichelte seinen Nacken. Es fühlte sich unglaublich gut an, doch seine Zufriedenheit verbarg er lieber hinter einem neutralen Gesichtsausdruck. Schließlich vertraute er Katies Freundinnen immer noch nicht, da durfte er keine Schwäche zeigen.

Die drei Gryffindor redeten in einem unglaublichen Tempo durcheinander über Küsse und Dates und ihn. Marcus war beeindruckt von der Schnelligkeit, denn er bekam nicht mehr als das grobe Oberthema mit. Manchmal redeten sie sogar alle drei gleichzeitig, aber sie schienen sich trotzdem gegenseitig zu verstehen. Es war beängstigend effizient. Anscheinend hatten sie ein paar Tage aufzuholen. „Wie hält das Wood bloß mit euch aus?", fragte Marcus mit sarkastischem Unterton. „Wahrscheinlich seid ihr der Grund, aus dem er immer so schnell aggressiv wird", vermutete er.

Die drei Gryffindors starrten ihn eine Sekunde lang fassungslos an, dann prusteten sie laut los. „Was ist?", fragte Marcus irritiert. „Warum lacht ihr?" Er hasste es, wenn ihm etwas scheinbar Offensichtliches entging.

Katie beruhigte sich als erste wieder halbwegs. „Genau dasselbe behauptet er auch immer", erklärte sie mit einem breiten Lächeln.

„Oh", machte Marcus. Plötzlich hörte er, wie sich energische Schritte näherten. Drachenmist. „Pince ist im Anmarsch", warnte er, während er gleichzeitig Katie von seinem Schoß schob. Schnell griff er nach seiner Tasche, in die er hastig seine Hausaufgaben hineinstopfte. „Weg hier. Ihr seid zu laut."

Kichernd liefen die Mädchen in alle Richtungen davon, doch Katie zog ihn umstandslos hinter sich her. „Schneller", flüsterte sie über ihre Schulter, die Abenteuerlust stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben. „Hier entlang." Eine Gruppe erschrockener Ravenclaws stob auseinander, während sie durch die Bücherregale zu Arithmantik sprinteten. Ein Bücherwagen stand im Weg, aber Katie schob ihn rabiat beiseite. Er quietschte ein wenig und ein Buch fiel herunter, das sich lauthals beschwerte. Kichernd machte Katie eine scharfe Rechtskurve. Marcus folgte ihr, ohne zu zögern, bis sie abrupt sie vor einer Backsteinwand zum Stehen kamen. Grinsend sah sie über ihre Schulter, dann zeichnete sie mit ihrem Zauberstab ein Dreieck auf die Wand. Natürlich kannte sie schon wieder einen Fluchtweg aus diesem Labyrinth. Sie war einfach unglaublich. „Komm' schnell", flüsterte sie, während sie ihn schon in den dunklen Geheimgang zog. Die Backsteinwand schloss sich hinter ihnen, wie als wären sie nie dagewesen.

„Merlin, das war knapp", schimpfte Marcus erleichtert. Er folgte ihr langsam durch den dunklen Geheimgang. „Warum kennst du dich eigentlich so verdammt gut aus in diesem Schloss?"

Er konnte Katies zufriedenes Lächeln in der Dunkelheit erahnen. „Fred und George", sagte sie leichthin. Sie führte ihn zielsicher durch ein Gemälde wieder in die offiziellen Gänge von Hogwarts. „Wohin jetzt?", fragte sie. „Ich hab' Percys Aufsatz dabei und eine grobe Ahnung, wie der Zauber funktioniert. Zu meinem Schlafsaal können wir nicht, denn dann fliegt meine Tarnung auf." Sie zögerte kurz, dann nickte sie entschlossen. „Wir gehen in deinen Schlafsaal", verkündete sie.

„Ähm", machte Marcus überrumpelt. Das würde niemals gutgehen. Adrian und Terrence würden ihr die Hölle heiß machen.

Katie zog ungeduldig an seinem Ellenbogen. „Komm' schon, sei kein Frosch." Er zögerte immer noch, deshalb seufzte sie. „Merlin, Marcus. Ich verspreche hoch und heilig, nichts in die Luft zu jagen. Sei doch nicht immer so misstrauisch. Ich bin doch nicht dein Feind."

Perplex setzte Marcus sich in Bewegung. „Es kann sein, dass Pucey da ist", gestand er vorsichtig, lenkte sie aber dennoch durch den Kerker.

Katie lachte. „Keine Sorge, mit dem werden wir schon fertig", verkündete sie, doch er hatte nicht das Gefühl, dass sie seine Bedenken sonderlich ernst nahm. „Sei ein bisschen mutig, o großer Slytherin", forderte sie ihn auf. Sie schob ihre Hand in seine und grinste ihn frech an. Ihre Schulter streifte seinen Arm. Er hatte in der Minute verloren, in der er die Abenteuerlust in ihren Augen ignoriert hatte. Grummelnd blieb er vor dem versteckten Eingang zum Gemeinschaftsraum stehen.

„Verdammtes Weib", murrte Marcus finster. „Du bringst mich noch um den letzten Rest meines Verstands. Halt' dir die Ohren zu." Sie tat wie geheißen, worauf er das Passwort flüsterte. Zum Glück war der Gemeinschaftsraum weitestgehend leer.

Sofort drückte sich Katie neugierig an ihm vorbei und sah sich um. „Ganz schön grün hier", kommentierte sie übermütig. Seufzend folgte Marcus ihr. Sie war eh nicht aufzuhalten.

Als Draco aus einer Sesselgruppe auftauchte und Katie den Weg versperrte, ahnte Marcus schon das nahende Unheil. „Was macht die denn hier?", fragte er mit einer ordentlichen Portion Abneigung in der Stimme. Katie dagegen sah noch milde amüsiert aus.

Marcus legte eine Hand besitzergreifend zwischen Katies Schulterblätter. „Die gehört zu mir, Malfoy", raunzte er Draco an. „Kümmer' dich um deinen eigenen Kram."

Draco tat einen Schritt auf ihn zu. „Also stimmt es wirklich, dass du was mit der da hast?" Er schnaubte abfällig. „Du hast echt keinen Geschmack."

Marcus runzelte die Stirn. „Und wenn ich mit Wood persönlich schlafen würde", verkündete er gefährlich leise. „Selbst das ginge dich einen Scheiß an." Wütend stieß er ihn ein Stück zurück. „Zisch' ab, du verwöhnter kleiner Stinker."

Draco sah inzwischen zumindest etwas eingeschüchtert aus. „Wenn ich das meinem Vater erzähle, dann... dann...", drohte er mit einem kleinen Zittern in der Stimme.

Marcus atmete tief durch, um nicht loszubrüllen. Er griff Draco vorn an seinem teuer aussehenden Hemd und zog ihn nah an sich heran. „Wollen wir beide wieder gemeinsam ins Badezimmer? Deine Visage sieht so aus, als sei sie lange nicht mehr ins Klo getunkt worden." Er tätschelte Draco fest die Wange, sodass der Kleine zusammenzuckte.

„Nein... nein...", bettelte Draco mit weinerlicher Stimme. „Lass' mich los, ich sag' gar nichts, wirklich nicht."

Eine erste Träne lief über Dracos Wange, als Marcus ihn angewidert losließ. „Davon gehe ich aus, kleiner Pisser." Wimmernd ergriff Draco die Flucht.

„Komm'", murmelte Marcus und schob Katie die Treppe hinunter zu seinem Schlafsaal. Sie war erstaunlich still, das war ungewöhnlich, doch er dachte sich nichts dabei.

Als Marcus die Tür zum Schlafsaal schwungvoll öffnete, wurde er wieder einmal von seinem Lieblingsmitbewohner überrascht. In einem riesigen Berg Spielkarten saß Miles mit Cedric am Fußboden. Die beiden pokerten offensichtlich um ein paar Flaschen dubiosen Alkohol, zwei Rollen Pergament und mehrere Haufen Sickel.

„Hey Marcus, hey Bell", begrüßte Miles die beiden mit stark nebeligem Blick.

„Uhhh... Katie... warum schaust du so entsetzt?", fragte Cedric besorgt, kicherte aber gleichzeitig munter vor sich hin. Irritiert musterte Marcus den Hufflepuff. Irgendetwas stimmte hier doch nicht.

„Kleine Auseinandersetzung mit Malfoy", erklärte Marcus, wandte sich aber vorsichtshalber Katie zu. „Alles cool? Hab' ich etwas falsch gemacht?" Ihrem Blick nach zu urteilen, lag tatsächlich etwas im Argen. Uh oh. Perplex dachte er darüber nach, was er eben zu Draco gesagt hatte. Da war doch nichts Schlimmes dabei gewesen.

Cedric, der ihm anscheinend wieder emotional voraus war, sprang auf und zog die zappelnde Katie in eine knochenbrechende Umarmung. „Hmm, Marcus kann echt furchteinflößend sein. Komm', lass dich trösten. Er ist harmlos, viel bellen, wenig beißen."

Marcus runzelte die Stirn. Dass Cedric Katie so nahe war, sah er gar nicht gern. Zum Glück schien es ihr ähnlich zu gehen, denn sie wand sich aus seiner Umarmung. „Boah Cedric, du stinkst wie eine Bahnhofsnutte. Geh' weg."

Miles lag dagegen kichernd am Boden mit den Beinen in der Luft. „Hat er den kleinen Draco wieder zum Weinen gebracht, Kittykatie?", fragte er nach.

Katie warf ihm einen irritierten Blick zu. „Ja...", gestand sie, dann warf sie Marcus einen entschuldigenden Blick zu. „Er hat mir ein wenig leid getan."

Marcus schnaubte, während sich Miles dem nächsten Kicheranfall hingab. „Wenn Marcus ihn nicht regelmäßig zum Heulen bringen würde, würde seine Nase unter der Decke kleben vor lauter Arroganz", erklärte Cedric die Situation grinsend. „Das ist nicht das erste Mal, dass die beiden aneinander geraten. Meistens kriegt sich der kleine Malfoy aber direkt wieder ein."

„Außerdem hat er schon seit den letzten drei Trainingseinheiten nicht mehr geweint", fügte Miles hinzu, als er sich wieder beruhigt hatte. „Marcus wird weicher, seitdem er dich hat."

„Das stimmt doch gar nicht", erwiderte Marcus empört, als seine Qualitäten als furchterregender Käpt'n in Frage gestellt wurden.

Miles dagegen wurde schlagartig ernst. Mit glasigen Augen schaute er zu Cedric, der sich ihm sofort gegenüber setzte. „Draco ist ein toter Junge. Ein Todesser-Junge. Todesser-tot", erklärte Miles leicht lallend. „Tot, tot, tot..." Cedric nahm ihn seufzend in die Arme.

In den Augen der beiden glitzerten Tränen, stellte Marcus überfordert fest. Irgendwie kam er nicht so richtig mit. Hilfesuchend wandte er sich an Katie. „Äh", machte er überrumpelt.

„Okay, das reicht", verkündete Katie rabiat. „Aufstehen." Sie zerrte an Cedrics Pullover, doch der Hufflepuff bewegte sich keinen Zentimeter. „Marcus, hilf' mir doch bitte." Ohne größere Schwierigkeiten zog er die beiden hoch, dann schaute er Katie erwartungsvoll an. „Na ab unter die Dusche mit ihnen. Die sind total breit, obwohl Cedric morgen ein Spiel hat!"

Das erklärte Einiges, dachte Marcus säuerlich.


Das nächste Mal gibt's eine Menge Action, aber Näheres will ich nicht verraten. Ich hoffe, ihr freut euch schon. Solange ihr wartet, könnt ihr mir ja ein Review dalassen. :-)