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"Du denkst mich zu lieben? Du kennst mich nicht! Das ist alberne Schwärmerei!", tat er ihr Geständnis unwirsch ab. Noch nie hatte irgendjemand ihn einfach so geliebt. Selbst seiner Mutter war es schwer gefallen.

„Ich habe die letzten Jahre damit verbracht dich kennen zu lernen. Ich habe mit allen Menschen, denen du jemals begegnet bist, gesprochen und alle waren sich hübsch einig, was dich betrifft!"

Er hörte ihr zu. Was hatte sie herausgefunden? Bestimmt nicht genug um ihn zu kennen. Innerlich nagte die Neugierde an ihm. Hermione war in ihrem Lernverhalten immer sehr gründlich vorgegangen. Sie hatte versucht über ein Thema so viel wie möglich herauszufinden und sie war die einzige Schülerin die er jemals hatte, die alle Schulbücher bereits bevor der Unterricht begann, gelesen hatte.

Sie drehte sich um und stieg die Treppe hinab. Scheinbar war das für sie nicht der richtige Ort um sich zu unterhalten und er musste ihr recht geben. Immerhin bestand die Gefahr, dass sie Liam aufweckten und es gab noch zu vieles das sie klären mussten, bevor er sich seinem Sohn stellen konnte.

Abwartend folgte er ihr die Stufen hinab in ihr Wohnzimmer. Sie sprach kein Wort und ließ ihn im Dunkeln über das was sie über ihn wusste und er hasste es zu warten.

„Und?" Eigentlich sollte es ihm egal sein, was sie dachte über ihn zu wissen. Jedenfalls schien es sie nicht von ihrem Vorhaben abgeschreckt zu haben ihn zu verführen.

In ihrem kleinen Wohnzimmer blieb sie stehen und drehte sich zu ihm um. Hier dominierte die Farbe gelb. Die Wände waren in einem freundlichen Gelbton gestrichen. Auch hier hatte sie Zeichnungen von Liam aufgehängt. Auf der dunkelbraunen Ledercouch lag eine bunte Decke. In einer Kiste entdeckte er weitere Spielsachen für Liam. Hermione hatte hier für sich und ihren Jungen ein Zuhause geschaffen.

„Es fielen Wörter wie Rücksichtslos, Ungerecht, Gemein, Hartherzig … ich könnte die Liste ewig fortführen."

Er hatte hart an seinem Ruf gearbeitet, ihre Worte überraschten ihn nicht wirklich. Es dennoch zu hören, weckte unangenehme Gefühle in ihm. Er war alles was sie ihm an den Kopf warf und noch vieles mehr. Es gab nur ein Ziel in seinem Leben – Voldemort für immer zu vernichten. Dumbledore gab ihm schon sehr früh zu verstehen, dass es nicht seine Aufgabe war Voldemort zu töten. Seine Aufgabe war es Lilys Sohn, Harry, zu beschützen und vorzubreiten.

„Aber es gab auch noch andere Meinungen."

Andere Meinungen? Wer würde für ihn sprechen? Er kannte niemanden.

„Du bist klug und gebildet. Besitzt einen messerscharfen Verstand. Du bist treu und würdest für einen Freund alles geben und tun. Was du tust, tust mit aller Kraft und Leidenschaft. Es gibt keine halben Sachen in deinem Leben!"

Hatte zuvor noch ein Zögern in ihrer Stimme gelegen, so sprach sie jetzt voller Leidenschaft und Bewunderung. Vielleicht lag doch etwas Wahres daran das sie dachte sie würde ihn lieben? Misstrauisch und etwas unsicher beäugte er sie. Sie war hübsch und in der Schule ausgesprochen klug gewesen.

Für sie könnte es bestimmt nicht schwierig sein, einen passenden Partner zu finden und eine Familie zu gründen. Wie schwer ihm das fiel diese Tatsache nur für sich einzugestehen. Niemals wollte er irgendetwas für jemand anderen empfinden. Kein bisschen. Diese Welt hatte lange Zeit nichts für ihn übrig gehabt und genauso dachte er es ihr zu danken. Warum nur kam sie bei ihrer Partnerwahl ausgerechnet auf ihn?

„Du hättest dir einen Mann suchen, heiraten und Kinderkriegen können.", schlug er ihr trocken vor.

„Der Krieg hatte uns alle verändert. Den einen mehr und den anderen weniger. Ich war mit Ron Weasley zusammen und er wollte mich auch heiraten, aber ich wollte nicht. Danach hatte ich nur kurze, belanglose Beziehungen. Nichts von Dauer, was mich zur Überzeugung brachte, dass ich unfähig bin eine längere Bindung einzugehen."

Scheinbar hatten sie doch etwas gemeinsam. Auch er war nicht dazu fähig eine Beziehung einzugehen. Nicht das er große Versuche in diese Richtung unternommen hätte. Irgendwie war dafür nie die richtige Zeit, oder die richtige Frau da gewesen.

„Professor McGonagall gab mir in meinem dritten Schuljahr einen Zeitumkehrer und naja den Rest kennst du bereits!"

Eigentlich müsste er vor Wut auf sie zerspringen, aber das klang alles so absurd, dass er nicht sagen konnte, was er wirklich fühlte. Er würde abwarten und es herausfinden. Der Krieg. Voldemorts Krieg hatte durchaus die Macht Menschen für immer zu verändern. Wer sollte das besser wissen als er? Wenn er daran dachte, was er alles getan hatte. Nein, sie hatte nicht wirklich Ahnung davon wer er war.

Sie glaubte es zu wissen, aber sie hatte nur an seiner Oberfläche gekratzt. Tiefer war sie nicht gekommen und noch war er sich nicht klar darüber ob das gut oder schlecht war. Wenn sie alles über ihn wüsste, würde sie dann immer noch glauben in ihn verliebt zu sein? Ein absolut lächerliches Gefühl. Liebe! Verächtlich stieß er die Luft aus. Dennoch war er entschlossen zu bleiben und einen Platz in ihrem und in dem Leben seines Sohnes einzunehmen.

„Wir werden heiraten!", kam es bestimmt von ihm.

Für ihn war damit die Angelegenheit geregelt. Für sie scheinbar nicht. Verneinend schüttelte sie ihren Kopf. Er spürte den Zorn in sich hochsteigen. Warum nur weigerte sie sich?

„Du hast gesagt, du liebst mich und wir haben einen Sohn.", zählte er sachlich auf. Für ihn waren das Gründe genug. Was verlangte sie noch mehr?

„Was fühlst du für mich, oder für deinen Sohn?", fragte sie ihn.

Diese Frage musste kommen. Alle Frauen waren im Grunde gleich. Sie wollten Liebesschwüre, Komplimente und Wörter für die Ewigkeit. Ein einfacher, ehrlich gemeinter Heiratsantrag genügte ihnen nicht.

Er begehrte sie, dass hatte ihm der Kuss in ihrer Küche bewiesen, aber was er sonst für sie empfand, wusste er nicht. Jedenfalls war es keine Wut mehr. Die war zwischen dem Kuss und dem Besuch im Zimmer seines Sohnes endgültig verraucht und einer gewissen Neugierde gewichen. Er wollte Hermione kennen und verstehen lernen und er wollte seinen Sohn aufwachsen sehen.

In gewisser Weise bedeutete sie ihm etwas, aber was genau, das musste er erst herausfinden. Wieder trat er dicht an sie heran und ehe sie ahnen konnte was er vorhatte, fing er eine Strähne ihres Haares ein und ließ es durch seine Finger gleiten. Unwillkürlich hatte sie den Atem angehalten umso dann tief Luft zu holen. Severus verwirrte sie und brachte sie ganz durcheinander.

„Du solltest es in meiner Gegenwart immer offen tragen. Es regt meine Fantasie an!"

In ihrer Nähe fiel ihm das Denken schwer und ließ nur Platz für einen Gedanken. Sie zu küssen und zu lieben. Nur diesmal stand er nicht unter dem Einfluss eines Zaubertranks. Er strich mit den Lippen über ihre Schläfe.

„Wir werden heiraten! Sag ja!", flüsterte er schmeichelnd.

Zufrieden verzog sich sein Mund zu einem Lächeln, als sie völlig überrumpelt ihre Zustimmung gab. Voldemort war tot und er brauchte eine neue Aufgabe. Da kam ihm eine Frau, die seine Sinne zum Erwachen brachte, genau recht. Sie würde sein Leben gründlich durcheinander wirbeln, aber genau darauf freute er sich. Aufregung. Sie brachte Aufregung in sein Leben. Aufregung, das musste er widerwillig zugeben, ihm durchaus gut tat. Er fühlte sich noch nie so lebendig, wie jetzt.

„Ich denke es wird an der Zeit einige gemeinsame Erinnerung auffrischen, findest du nicht?"