„Ich will nicht", wehrte Bennett sich dagegen, Rokkos Wohnung zu verlassen. „Aber Bennett, ich habe es dir doch erklärt: Lisa und ich hatten die letzten Wochen Urlaub. Wir müssen wieder zur Arbeit." – „Ich will nicht in den Kindergarten. Da kenne ich niemanden und…" – „Du wirst dort lauter nette Kinder kennen lernen", versuchte Lisa den Jungen zu beruhigen. Bennett hielt in seinem Tobsuchtsanfall inne. „Und wenn nicht?" – „Doch, ganz sicher", versprach Lisa und hoffte inständig, Recht zu behalten. „Fenja darf hier bleiben", stellte Bennett vorwurfsvoll fest. „Wir haben so schnell keinen Krippenplatz für sie gefunden", erklärte Rokko. „Wenn es dir im Kindergarten nicht gefällt, dann ruft die Kindergärtnerin mich an und ich komme dich abholen", erklärte Lisa. „Aber das ist ganz sicher nicht nötig", fügte Rokko hinzu. Ihm war anzusehen, dass es ihm missfiel, dass Lisa Bennett diese Option eröffnet hatte. „Habt ihr mir ein Frühstück für den Kindergarten gemacht?", wollte Bennett plötzlich wissen. „Ja. Es ist ein Apfel drin und eine halbe Banane, ein Wurstbrot und ein Schokoriegel", lächelte Lisa ihn an. „Okay, ich probier das mit dem Kindergarten mal. Du passt gut auf Fenja auf?", fragte er Lisa mit kritischem Blick. „Großes Indianerehrenwort."

„Im Kindergarten war es total toll. Ich habe mit einem Bagger gespielt und mit den Jungs gerauft und…", plapperte Bennett beim Abendessen. „Ich glaube…", senkte er die Stimme. „… Berlin wird auch ohne Mama und Papa schön." Rokko und Lisa tauschten betretene Blicke. „Ich dachte, es würde richtig doof werden, aber… ich habe sie heute das erste Mal nicht vermisst", erklärte Bennett weiter. „Ma-ma", unterbrach Fenja plötzlich das Gespräch. „Ma-ma", wiederholte sie und zeigte dabei auf Lisa. „Ma-ma", sagte sie erneut und freute sich ganz offensichtlich. „Sie hat Mama gesagt", staunte Lisa. „Ja, und sie sagt es zu dir", stellte Rokko gerührt fest. „Ich habe ja auch viel Zeit mit ihr verbracht. Ich bin mir nur nicht sicher, ob das so richtig ist", gab Lisa zu bedenken. Ihr war auf einmal ganz warm ums Herz. Dieses kleine Mädchen sagte ‚Mama' zu ihr und trotzdem fühlte es sich nicht richtig an. „Ma-ma!", plärrte die Kinderstimme erneut. „Li-sa", sprach die junge Frau ihr vor. „Ma-ma", wiederholte Fenja. „Li-" – „Lass sie ‚Mama' zu dir sagen", entschied Bennett ruhig. „Sie kann sich nicht mehr richtig an unsere Mama erinnern. Es ist so, als hätte sie nur dich zur Mama gehabt. Ich glaube, unsere Mama hat nichts dagegen – wenn es Fenja glücklich macht, dann hätte sie nichts dagegen." Eine einzelne Träne lief über Lisas Wange. „Ich bin mir ganz sicher, dass Andrea das so gewollt hätte", flüsterte Rokko ihr mit brüchiger Stimme zu. „Ihr hättet euch ganz sicher gut verstanden. Du bist Fenja eine großartige Mutter. Es ist okay, wenn sie ‚Mama' zu dir sagt." Lisa war nur zu einem gerührten Nicken fähig. „Onkel Rokko, bringst du mir das Lied von Elvis bei, damit ich es morgen im Kindergarten vorsingen kann?"