Kapitel 13: Erkenntnis
„Sei gewarnt, du Wanderer finsterster Nacht.
Mit diesem Buch ist dir Unheil zugedacht.
Beschreitest du den Weg ein einz'ges Mal.
Erwarte wenig Freud, doch sehr viel Qual.
Die Toten du zu deinen Freunden machst.
Du, der du die Bande mit der Welt zerbrachst.
Sei gewarnt, du Wanderer, der du verflucht.
Wer Leben schafft, wird heimgesucht."
Hermine wusste nicht genau, als was Abel nun eigentlich angestellt worden war. Am Anfang war er hauptsächlich im Krankenflügel mit Madam Pomfrey anzutreffen gewesen und dann schön langsam war er dort überhaupt nicht mehr zu sehen. Er wuselte ständig irgendwo durchs Schloss. Von einem Eck ins andere und von Arbeit war nichts mehr zu sehen. Vielleicht hatte Madam Pomfrey Abel aber auch raus geschmissen.
Heute hatte er sich Hagrid ausgesucht und wuselte ihm hinterher. Es war erstaunlich zu sehen wie beide je einen großen Weihnachtsbaum hinter sich her den Hügel von Hogwarts hoch zogen. Offensichtlicher ging es wohl nicht mehr, dass Abel seine übermenschliche Kraft so zur Schau stellte. Auch wenn es ihm weitaus mehr Mühe kostete als Hagrid, der ab und an stehen blieb um auf seinen Freund zu warten.
Die Gryffindor wusste nicht, wie viel Hagrid über Abel wusste, aber er schien zumindest zu wissen, dass Abel kein Mensch war. Und wie zu erwarten störte sich der Liebhaber gefährlicher Tier wenig daran. Wieso auch? Abel war ein Grimm, was Hagrid vermutlich sogar wusste wenn man bedachte wie sehr Harry Hagrid schon von Anfang an gemocht hatte. Zum Ende ihres zweiten Schuljahres hatte Hermine sogar gedacht, dass er in dem riesigen Mann eine Art Onkel oder gar Vater sah.
Hermine beobachte mit einigem Amüsement als es Abel unerwarteter Weise ausrutschte und sich selbst im Tiefschnee begrub. Hagrids dunkles und herzliches Lachen schallte über die ansonsten stillen Ländereien. Auch die Musterschülerin konnte sich ein Kichern nicht verbeißen als Abel wieder auftauchte und eine gesunde Portion Schnee auf dem weißen Haarschopf sitzen hatte.
Es war ungewöhnlich für Abel, dass er tollpatschig war. Normalerweise hatte der Nekromant einen äußerst sicheren Stand. Aber mit dem Schnee war Abel plötzlich mürrischer und vor allem schläfriger geworden. Daraus resultierte, dass er oftmals äußerst unfreiwillig den Abgang probte und z.B. Treppen runter sauste. Aufgrund seiner außergewöhnlichen Reflexe waren ihm Verletzungen bisher allerdings erspart geblieben.
Hagrid packte Abel an der Rückseite von dessen Kragen und warf ihn über seine Schulter bevor der Kleinere sich wieder am Weihnachtsbaum versuchen konnte. Allerdings schien es Abel nicht zu gefallen, dass man ihn trug und er sträubte sich wie es nur ging. Der Größere schien sich allerdings auch nicht von seinem Vorhaben abbringen zu lassen und hielt den Weißhaarigen gekonnt fest während er gleichzeitig seinen Baum weiter zog. Jemand wie Hagrid, der gefährliche Tiere liebte, wusste vielleicht nicht unbedingt alles über seine Lieblinge aber er besaß definitiv die Kraft ihnen seinen Willen aufzuzwingen. So musste sich Abel nach mehreren vereitelten Flucht versuchen geschlagen geben.
Hermine grinste und machte sich auf den Weg zum Eingangsportal um Abel und Hagrid in Empfang zu nehmen. Sie hatte sich vor kurzem wieder mit dem Nekromant vertragen. Auch wenn er es ihr mit seinem betrunkenen Zustand schwer gemacht hatte. Ihr Zorn, weil er sich ihr nicht anvertraut hatte und sie selbst praktisch über eine dritte Person von seiner Veränderung erfuhr, war schon lange verraucht. Aber auch wenn es ihm wirklich Leid tat, dass er ihr so wenig vertraut hatte, er hatte die Strafe in Form ihrer Ignoranz wirklich mehr als verdient.
Seine Versöhnungsversuche, die immer in Streit endeten, waren Beweis genug, dass es ihn wirklich fertig gemacht hatte, dass sie ihn derart ignorierte. Hermine würde allerdings auch lügen würde sie sagen, dass sie es nicht genossen hätte als er ihr aus Verzweiflung schon fast jeden Wunsch von den Augen ablas.
Was den Zwischenfall mit Alkohol anging, so hatte sie sich wieder beruhigt, nachdem Abel sich aufrichtig und vor der ganzen Schule bei ihr entschuldigt hatte. Die Gerüchte, dass sie ein Liebespaar waren wurden damit erstickt und den Schülern verboten Abel Alkohol jedweder Art zu geben. Allerdings hatte sie kurz nach dem Zwischenfall ernsthaft darüber nachgedacht Abel zu kastrieren.
Für heute hatte sie jedoch noch einen Termin.
Abel hatte ihr versprochen ihr alles zu erzählen und damit Draco und Luna dass auch mitbekamen hatten sie den heutigen Abend vorgesehen. Der Ort war allerdings von Abel festgelegt worden und der hatte sich für den Astronomie Turm entschieden. Deswegen hatte sie nicht nur ihren Mantel sondern eine Decke über dem Arm hängen.
Unten im Eingangsbereich warteten bereits Luna und Draco, ebenfalls mit Mantel und Decke bewaffnet. Luna hatte die Augen geschlossen und schien konzentriert, als würde sie angestrengt lauschen. Draco dagegen schien irgendwie nervös als er sich zu ihr drehte.
„Was macht ihr?", fragte Hermine als sie näher kam.
„Frag Luna." Draco zuckte für einen Moment und sah zurück zu der Blonden. „Aber wenn du schon mal dabei bist sag ihr, dass sie aufhören soll. Es macht mich nervös."
Luna lächelte etwas hinterhältig bevor sie die Augen öffnete und Hermine ihre Aufmerksam ganz Hermine schenkte. „Guten Abend Hermine. Wie war dein Tag?"
„Lehrreich wie immer. Was machst du?"
„Du erinnerst dich doch zu Abels Ausführung darüber, dass Draco eine Nymphenaura hat."
„Sicher. Was ist damit?"
Luna lächelte und schloss ihre Augen erneut und erneut zuckte Draco zusammen. „Wenn ich meine Augen schließe kann ich die Aura spüren fast so als würde ich sie anfassen können mit einer Art Geisterhände."
„Egal wie du sie anfasst, lass es bitte. Draco scheint deine Berührung zu spüren."
Blaue Augen bohrten sich in den Nacken des Slytherin als Luna ihn musterte. Sein Gespür war gering, kaum mehr als das eines Menschen, aber die Berührung seiner Aura spürte er wie Eisfinger auf der nackten Haut. Es war unangenehm und er fühlte sich in seiner Intimsphäre verletzt. Nicht, dass Luna oder Hermine das begreifen konnten, schließlich besaßen sie keine eigene Aura.
Das Portal öffnete sich und Draco war erleichtert als die beiden Mädchen zu Hagrid wandten. Dieser zog den Weihnachtsbaum vollständig in die Vorhalle bevor er Abel auf den Boden setzte als wäre er eine Art Hunde- oder Katzenbaby. Wobei Hundebaby wohl passender war schließlich war ein Grimm eine magische Hundeart.
Abel schien zu schmollen und ein wenig in seinem Stolz verletzt kam allerdings sofort auf die Füße und verabschiedete sich mit einem beleidigtem Blick von Hagrid, der einfach nur grinste.
Die Mine des Nekromanten wurde nur wenig heller, als er zu seinen Freunden trat. „Seit ihr fertig?"
„Da hat aber jemand schlechte Laune.", kommentierte Luna und lächelte, ehe sie kurz nachdenklich wurde und ihre Augen schloss. Keinen Augenblick später änderte sich Abel Gesichtsausdruck von Schmollen auf Schock und… Verlegenheit. Obendrein begann er ein wenig zu zittern und lief rot an. „Abels Aura ist wesentlich stärker und sie fühlt sich komplett anders an."
„Schön Luna", beeilte sich Hermine zu sagen, „Jetzt hör auf Abel scheint das nicht wirklich zu mögen."
Luna öffnete die Augen und sah in Abels rotes Gesicht, das dem Haar der Weasleys in nichts nachstand. „Was ist los?"
Abel schüttelte nur den Kopf und beeilte sich weg zu kommen. Draco dicht auf den Fersen. Die Mädchen sahen sich etwas verwirrt an als die beiden Jungs fast schon vor ihnen, oder besser Luna, flüchteten. Besonders Abel Reaktion war für sie verwunderlich gewesen.
Hermine zuckte mit den Schultern und sie rannten den Jungs hinterher, die sich schnellen Schritts zum Astronomie Turm bewegten ohne auch nur daran zu denken auf sie zu warten. Doch irgendwie schafften sie es doch die Anderen einzuholen.
Noch bevor sie allerdings fragen konnten was los war drehte sich Abel zu ihnen um, erneut schmollend und noch immer etwas verlegen wirkend. „Ich würde es bevorzugen, wenn du es in Zukunft unterlässt meine Aura derart stark zu berühren, Luna."
Die Jüngste blinzelte verwirrt. „Was hab ich getan?"
„Eine Aura ist praktisch die ‚nackte Existenz' einer Person. Mit deinem Versuch meine Aura zu spüren hast du sie mehr als nur gespürt, sondern ‚berührt' und meine Intimsphäre verletzt."
Als die Worte Luna richtig bewusst wurden wurde sie ebenso verlegen wie die Jungs und lief rosa an. Vor allem hatte sie es bei Abel ‚und' Draco gemacht. Auch Hermine konnte nicht umhin peinlich berührt drein zu blicken.
„Tut mir leid.", meinte die Blonde schließlich. „Wird sicher nicht mehr vorkommen, jetzt wo ich weiß, was ich eigentlich tue."
Abel seufzte nur und drehte sich zum letzten Treppenaufgang der auf die Plattform des Astronomie Turms führte. Die Schüler zogen ihre Mäntel an und folgten ihrem Freund nach oben. Keiner von ihnen bemerkte den Schatten, der ihnen hinterher huschte ohne auch nur ein kleines Geräusch zu verursachen.
Oben angekommen wurden die drei Schüler von zwei gemütlich aussehenden Sesseln und einer halbrunde Couch überrascht in deren Mitte ein schwaches aber angenehm warmes Feuer brannte. Die beiden Mädchen wickelten sich sofort in ihre Decken und beschlagnahmten die Couch, wo sie sich eng aneinander kuschelten. Draco, der keine Decke hatte nahm den Sessel, der dem Feuer am nächsten war, und Abel warf sich quer über den Letzten.
„Nett hergerichtet.", lächelte Hermine und sah in den bewölkten Himmel. Es würde bald wieder zu schneien beginnen.
„Das war nicht ich.", gestand Abel und sah auf das Feuer. „Ich habe ein paar Hauselfen und Sirius um Hilfe gebeten… Schließlich kann ich nicht zaubern."
„Ach so…?" Hermine stockte. „Was?"
„Ich kann nicht zaubern. Zumindest nicht wie ein Mensch oder eine Hauselfe. Meine Magie ist dafür nicht geschaffen. Ich dachte Luna und Draco haben dir bereits gesagt, dass meine Gene und Magie rezessiv sind."
„Ja schon, aber…" Hermine war einen Moment sprachlos. „Ich habe bisher nicht so darüber nachgedacht. Mir kam gar nicht in den Sinn, dass du deine menschliche Magie verloren haben könntest. Vor allem weil du so ein Sprüchewissen hast."
„Welches auch nicht meines ist. Aber eins nach dem Anderen. Ich möchte erst einige Punkte klar stellen." Abel richtete sich, entgegen seiner Gewohnheit, in seinem Sitz auf stellte beide Beine auf den Boden und stützte sich mit den Ellenbogen auf den Oberschenkeln ab. „Meine Magie ist seit dem Weihnachten in unserem ersten Schuljahr rezessiv. Damals haben wir versucht Nicolas Flamel zu finden und ich bin mit Hilfe meines Tarnumhangs in die Verbotene Abteilung eingebrochen."
„Mich wundert es ehrlich gesagt schon seit einiger Zeit, dass du kein Slytherin gewesen bist.", kommentierte Draco hier.
Abel grinste den Blonden kurz an. „Ich hatte die Wahl zwischen Gryffindor und Slytherin, aber das können wir ein anderes Mal besprechen. Zurück zum eigentlichen Thema:
Wie gesagt bin ich in die Verbotene Abteilung eingebrochen und dank Mrs. Norris beinahe von Filch erwischt worden. Auf meiner Flucht hab ich es dann irgendwie geschafft ein Buch zu ‚entführen', das beschlossen hatte mich zu verraten indem es aus dem Regal viel. Danach bekam ich meine äußerst zahlreichen Anämie-Anfälle, die auf die genetische Regression hinwiesen."
„Und was war nochmal der Auslöser der Regression?", fragte Hermine daziwschen.
„Wie sich später herausstellte war dieses eine Buch ein sogenanntes ‚Buch des Erwachens'. Ein magisches Werk, das es Menschen mit nicht-menschlichen Vorfahren ermöglicht das Erbe eben jeder Vorfahren anzunehmen. Aus dem Blut, das das Buch von seinem Besitzer zieht schreibt es die Seiten damit die sich verändernde Person sich auch mental mit seinen neuen Kräften anfreunden kann.
Ich hielt das Buch ehrlich gesagt lediglich für ein Werk über Nekromantie. Es war faszinierend zu lesen und je mehr ich las desto weniger konnte ich verstehen, warum die Zauberer Nekromantie als dunkle Magie ansahen. Ich dachte es wäre einfach nur eine andere Art der Magie, die sich ein jeder nutzbar machen konnte. Das wir alle gleich sind. Und das war der Fehler."
Abel schwieg einen kurzen Moment, sei es um einen dramatischen Effekt zu erzielen oder um seinen Freunden eine kurze Pause zu gönnen wusste keiner. Vielleicht gönnte er sich auch selbst eine Pause.
„Die Nekromantie gehört den Nekromanten, einem völlig eigenständigen Volk. Welchen Namen mein Volk ursprünglich trug weiß ich selbst nicht da der Name nicht bis zur heutigen Zeit überlebt hat. Auf jeden Fall ist ihre Natur nicht mit der eines Menschen vergleichbar. Hermine und Draco haben es im Grenzland gesehen, dass ich kein eigenes ‚Lebenslicht' besitze oder es sich zumindest nicht zeigt."
„Wessen Licht war es dann, dass sich dann in deine Brust… bohrte?", fragte Hermine.
„Ginnys" Abel sah in den Himmel und es fing wie auf Kommando an zu schneien. „Meine Regression begann im ersten Jahr am Ende des Zweiten war sie so gut wie vorbei. So gut wie, weil ich zumindest noch immer als Mensch von mir dachte und nicht wusste was eigentlich Sache war. Vorlaut und arrogant sah ich mich über den Dingen stehen. Ich dachte, ich hätte Kontrolle. Ich dachte, ich hätte es verstanden.
Aber es ist nie so einfach, wie es auf den ersten Blick scheint.
Ich habe den Basilisken erschlagen und wurde vergiftet. Zu allem Überdruss reagierte mein Körper auf die Vergiftung mit einem Anämie-Anfall. Der letzte Schritt für meinen Körper, aber mein Verstand war noch nicht so weit. Auch wenn ich endgültig jedwede ‚Menschlichkeit' verloren hatte begriff ich es nicht. Mein Gehirn, ich, begriff nicht, dass ich kein Mensch mehr war.
Und Ginny starb. Tom ließ mich zurück mit ihr und ich wollte sie so unbedingt retten. Ich hatte es Ron versprochen und wenn ich wegen des Giftes eh sterben würde… Ich wollte ihr mein Leben überlassen. Ein Leben, von dem ich nicht wusste, dass es nicht menschlich war.
Es kam zum Rückstoß und in diesem Moment folgte mein Verstand und ich begriff wo der Fehler gewesen war. Aber es war zu spät.
Wäre es ein normales ‚Ritual' gewesen wäre Ginny ‚einfach' als Untote oder Widergänger wiederaufgestanden, aber ich wollte ich mein Leben geben. Mein Leben flutete zurück und ich wurde verflucht oder besser von Ginnys untotem Wesen vergiftet. Sie kehrte zurück als die, die sie war und ich wurde anstatt ihrer ein Widergänger."
Erneut wurde Abel still. Seine drei Freunde sahen genau, dass es ihn auf eine subtile Art verletzte darüber zu reden. Er brauchte diese kurzen Momente um Mut zu fassen und um nachzudenken, wie er weiter erzählen konnte.
Hermine tat es vor allem Leid, weil sie ja diejenige gewesen war, die darauf beharrt hatte alles wissen zu wollen. Ihre Ungeduld hatte Harry, hatte Abel tief verletzt. Mit einem Mal schämte sie sich für ihren Wissensdurst und ihre Neugier. Auch mit Sorge, konnte sie diese Wunden, die Abel sich gerade selbst aufriss, nicht entschuldigen. Sie hatte ihm mehr als nur Unrecht getan.
„Der Zahn des Basilisken hat mir geholfen." Abel riss Hermine aus ihren eigenen Gedanken. „Er hat den Hunger unterdrückt und… Ich habe mir erneut eingeredet Kontrolle zu haben. Und nur einen Moment war ich unvorsichtig und meine Arroganz ließ mich in die nächste Katastrophe stolpern. Ich denke ihr alle habt von den Umständen meines ‚Verschwindens' gehört. Sirius hat mich damals gerettet. Eine Schuld die ich wahrscheinlich niemals begleich kann.
Ein Jahr später kam ich dann zurück nachdem Dumbledore mich aufgespürt hatte. Ich dachte es würde helfen. Ich dachte ich könnte helfen und die Gefahr bannen. Erneut diese dumme Arroganz, die diesmal Draco und euch beiden zu Last viel. Ich Schulde euch ebenso viel, dass ich es nicht zurück zahlen kann. Kein Danke und keine Entschuldigung wären genug. Nichts könnte meine Taten entschul-"
Abel wurde regelrecht abgewürgt als sich eine weinende Hermine um seinen Hals warf. „Du Dummkopf!"
Verwirrt sah der Weißhaarige auf den Haarbuschen und dann zu den anderen Beiden, die ihn ansahen als wäre er der größte Idiot, der je auf der Erde herum gelaufen war. Was hatte nun schon wieder falsch gemacht? Er hatte sich doch nur entschuldigt, dass er sie alle hier mit rein gezogen hatte.
Draco klärte ihn auf. „Du nennst es Arroganz. Ich sage, du bist naive und treudoof. Dein Charakter hat sich nur um artgerechte Gedanken erweitert. Du bist noch immer genau der Gryffindor, den ich vor über drei Jahren in der Winkelgasse traf. Wer hätte gedacht, dass deine scheinbare Intelligenz auf artgerechtes Verhalten zurückzuführen ist."
Abel tat etwas, dass er seit langer Zeit nicht mehr getan hatte. Er biss sich auf die Unterlippe und schluckte den wütenden und wenig schlagfertigen Kommentar. Er hatte ein derartiges Duell seit Ende ihres ersten Schuljahrs nicht mehr verloren. Draco konnte sein Come-back feiern.
Luna kicherte. „Keiner gibt dir wirklich an irgendwas die Schuld. Ich glaube auch Sirius nicht. Die Art und Weise auf die er dich ansieht lässt eher darauf schließen, dass er sich Sorgen macht, weil du dir alles allein aufbürdest. Kein Mensch den ich kenne Abel, hat je ein schlechtes Wort über dich verloren."
Der Nekromant antwortete darauf indem er vorwurfsvoll zu Draco sah.
„Sie mich nicht so an! Ich hab ja wohl schlecht über dich geredet, weil ich es dir für die eine Bloßstellung heimzahlen wollte und weil mir auf Dauer das Streiten mit dir Spaß gemacht hat.", verteidigte der Blonde. „Der Einzige, der das ernst nahm, war Weasley. Du hast es bemerkt und auch die Slytherins wussten, dass ich dich nur geärgert habe."
„Hast dir aber viel Mühe gegeben es für Ron echt aussehen zu lassen.", nörgelte Abel bevor er die weiterschluchzende Hermine wie einen besonders kuschligen und geliebten Teddy drückte.
Zwischen ihren Schluchzern entkam der Braunhaarigen ein leichtes Lachen. „Er hat sich noch nie sonderlich Mühe gegeben andere Leute zu verstehen. Er ist eine sehr subjektive und oberflächliche Person, die gar nicht erst versucht Sachen zu verstehen, die ihm gegen den Strich gehen. Deswegen hasst er dich auch jetzt so. Er kann und will nicht verstehen warum du ‚Harry Potter' so ähnlich ist und dass Ginny dir gegenüber so anhänglich ist, ist mehr als nur Öl aufs Feuer. Er ist ein Idiot. Genau wie du!"
„Was mich zu einem Punkt bringt, der mich schon lange verwundert.", schaltete sich Draco ein. „Seit ich deinen Haarreif gewisser Maßen beschlagnahmt habe ist deine Ähnlichkeit mit ‚Harry Potter' nicht mehr zu übersehen. Wie kommt es eigentlich, dass bisher keiner begriffen hat, dass du Harry Potter bist. Die Lehrer wie die Schüler."
„Ein Wort: Dumbledore." Abel grinste verstohlen als er weiter mit Hermine kuschelte und sie beruhigend über den Rücken streichelte.
„Warum frag ich überhaupt?"
Dracos Kommentar ließ Luna und Hermine erneut lachen und Abel lächelte glücklich. Alles war wieder in Ordnung. Hoffte er zumindest. Er musste sich erst noch um Tom kümmern.
Eben jener saß kaum drei Meter von Abel entfernt hinter der Tür zur Plattform. Dank eines Abhörzaubers, der ihn einige verunglückte Versuche gekostet hatte, hatte er alles mit anhören können. Und sein Gehirn verarbeitete gerade die Wichtigste aller Informationen:
Harry James Potter und Abel Luke Arkshayd waren ein und dieselbe Person.
Warum…? Selbst wenn Dumbledore sie alle verzaubert hatte, warum hatte er es nicht gemerkt? Was hatte ihn abgehalten das offensichtliche zu sehen?
Tom kam auf die Füße und stolperte die Treppe hinunter während die Freunde ihren Smalltalk fortsetzten.
Was hatte ihn aufgehalten?
Ginnys Gesicht sprang vor sein inneres Auge, aber er verstand nicht. Sie war schuld, ja. Aber warum? Nur Abel wusste warum und er würde es heraus finden.
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Kurz vor Sperrstunde stieg Hermine durch den Durchgang zum Gryffindor Gemeinschaftsraum. Sie hatte rotunterlaufene Augen und fühlte sich müde und erschöpft. Zugleich verspürte sie aber auch eine innere Ruhe und Gelassenheit sowie Zufriedenheit.
Sie lächelte. Alles war wieder im Lot. Sie würden die Sache gemeinsam mit Abel durchstehen und sich gegenseitig unterstützen. Alles würde wieder wie früher werden. Naja, zumindest fast. Aber sie wollte nicht derart pingelig sein.
Hermine sah mit einem Lächeln auf und bemerkte die Unruhe im Gemeinschaftsraum. Überall wurde getuschelt und geflüstert, wild gestikuliert und gedeutet. Der Musterschülerin war sofort klar, dass etwas passiert war. Gut oder schlecht wusste sie nur noch nicht.
Sie lief zu Lavender, die mit den anderen aus ihrem Schlafraum vor der Treppe zu eben jenen standen. „Lavender? Was ist los?"
Die Mädchen sahen sie verwirrt und verständnislos an. „Weist du es den noch nicht?"
„Würde ja wohl sonst nicht fragen. Ich war bis eben mit Freunden unterwegs. Also was ist passiert?" Sorge spiegelte sich in Hermines roten Augen.
Lavender verzog ihr Gesicht in Mitleid und antwortete wie gefordert. „Wir wissen nicht warum, aber… Ginny liegt im Koma."
Cliffhanger! Yes!
