Kapitel - 14
Wie konnte dieser Mann sich einfach an eine verheiratete Frau heranmachen? John verstand nicht, wie Liv dies zulassen konnte, war sie doch sonst so darauf bedacht, den Bund fürs Leben zu heiligen. Auch wenn sie ihn jetzt gebrochen hatte, diesen Vorsatz. Aber laut kalifornischem Recht waren Elliot und sie Mann und Frau und ein Ehepaar verbrachte nun auch einmal Zeit mitsammen im Bett, und dies nicht nur um zu schlafen.
John trat langsam die Treppe hinab. Er konnte diesem Schauspiel nicht länger beiwohnen, er musste es unterbrechen. Inzwischen lag Liv auf dem Bauch und Terry Bennet cremte ihr den Rücken ein. Was sollte als nächstes kommen? Die Vorderseite? So hatte er es sich nicht vorgestellt. Dass es nicht einfach werden würde mit diesen beiden Menschen unter einem Dach, auf so wenig Raum, war ihm von Anfang an bewusst gewesen, dass ihre künstlich erhöhten Barrieren bald fallen würden ebenso, sie konnten nun einmal nicht ohne einander. Sie waren für einander bestimmt. Meistens auf jeden Fall.
Als er am Strand neben ihr angekommen war, schreckte sie hoch, setzte sich züchtig auf und starrte aufs Meer hinaus. John hatte stets gewusst, dass es mehr als eine sexuelle Spannung zwischen ihnen gab, seitdem sie das erste Mal in einen Club gegangen waren, wusste genau, was sie hier spielte und in seinem Gesicht konnte sie ablesen, dass ihm ihr Verhalten keineswegs zusagte.
Am liebsten wäre es John gewesen, wenn er sie am Arm hätte hereinzerren können, doch was sollte dies bringen? Dass sie sich nun auch noch gegen ihn stellte? Nein, sie Liv würde jemanden brauchen, der auf ihrer Seite stand - spätestens, wenn sie nach New York zurückkehren würden, was früher oder später der Fall sein würde. Im Moment sah es eher nach früher aus. Den passenden Kontakt hatten sie geknüpft, es konnte sich nur noch um wenige Tage bzw. Treffen handeln, bis ihnen das Angebot unterbreitet werden würde.
„Lilly, kommst du bitte?", fragte John und stand direkt hinter ihr.
„John?", fragte sie verwundert und blickte auf.
„Telefon für dich"; sagte er kalt und hoffte so, sie ins Haus locken zu können.
Sich entschuldigend nahm Olivia tatsächlich ihr Handtuch und ging zurück ins Haus – wo allerdings kein Anruf auf sie wartete. John schloss die Balkontüre hinter und versicherte sich, dass alle Fenster geschlossen waren bevor er ihr seine Meinung zu dem Thema sagte.
„Es geht dich nichts an", fauchte sie ihn an.
„Und wie es mich etwas angeht. Du benutzt ihn."
„Ich ihn? Wer glaubst du, dass du bist?", schrie sie ihn mittlerweile an. „Er ist verheiratet. Wenn er nach Hause kommt, dann hat er Frau und Kinder. Ich komme nachhause und niemand wartet auf mich. Er weiß dies und nutzt es aus. Es gefällt ihm zu wissen, wie …"
„Wenn du es nicht wolltest, hättest du nicht mit ihm schalfen müssen. Es gehören immer zwei dazu. Nur riskiert er seine Ehe, seine Kinder mit all dem und das weißt du all zu genau. Es ist einfach, sich auf etwas einzulassen, wenn man nichts riskiert." Er starrte sie kurz an. „Du weißt wie er reagieren würde, er würde dir deinen Job lassen, würde die Abteilung wechseln, weil er genau weiß, dass dir sehr viel an Sex Crimes liegt."
„Aber John …"
„Nichts so Liv. Glaubst du etwa, dass all das für ihn einfach ist? Ihm gehen seine Kinder ab. Du gehst in den Clubs mit anderen Männern mit und sobald ihr hier nicht einer Meinung seid, gehst du und …"
„Was?"
„Machst etwas Dummes." Und sie wusste, auf was er anspielte – das Joggen. Sie war gut im Weglaufen, war es immer schon gewesen.
Sie stand nur da und starrte auf den Boden. John wusste genau, was in ihr vorging. Er war etwas zu weit gegangen. Ohne nach Worten zu suchen, schritt er auf sie zu, nahm sie in den Arm und strich ihr über den Rücken, als langsam ihre Tränen in sein Hemd flossen.
John erkannte, dass sie sich in eine Situation katapultiert hatte, in der sie sich selbst nicht wohl fühlte.
Drei Wochen waren vergangen seit dem letzten Vorfall. Man besuchte zwar am Wochenende immer noch den Club, unterhielt sich gut, lernte neue Leute kennen und schließlich wurde ihnen ein Mädchen vorgestellt, obwohl der Begriff „vorstellen" stark übertrieben war.
Brown-Fennagan war eines Abends mit einer schwarzen Mappe in den Club gekommen und hatte Elliot gefragt, ob er immer noch Interesse hätte an einem jungen Mädchen. Liv sah ihn verwundert an und er kommentierte dies nur so, dass sie schließlich auch nicht jünger werde und er etwas für das Auge brauchen würde. Natürlich tat Olivia anfänglich entrüstet, suchte aber am Ende das Mädchen aus – eine blonde Russin, angeblich 15 Jahre alt. Innerlich ekelte es Liv vor der Vorstellung, dass ein erwachsener Mann sich an einem Mädchen wie diesem vergehen könnte. Sie sah unschuldig aus, mit ihren großen blauen Augen. Angeblich stammte sie aus der Gegend des Ural Gebirges. Elliot unterzeichnete einen Scheck, noch am selben Abend, über die Hälfte der ausgemachten Summe – 15 000 Dollar. Nicht sehr viel für ein Menschenleben. Außerdem bekam er einige Unterlagen – Gesundheitsdokumente und ähnliches in Russisch und Englisch.
Nachdem sie wieder zuhause angekommen waren, mit den Unterlagen, ging Olivia ohne Umwege direkt in die Küche und schüttete sich einen vierfachen Wodka in ein Wasserglas und lehrte dieses in einem Zug hinunter, stütze ihre Hände an den Rand der Abwasch und ließ den Kopf hängen.
„Liv?", sagte Elliot und schritt langsam, nachdem er sich von Schuhen, Socken und Sakko befreit hatte, zu ihr hinüber und legte ihr die Hand auf die Schulter. „Wir sprengen den Ring."
„Aber du weißt nicht, wie viele in diesem Moment bereits in irgendwelchen Zimmern eingesperrt leben und vielleicht niemals gefunden werden."
„Liv, seit etwas optimistisch. Wir tun unser bestes, wirklich."
In der letzten Zeit waren sie sich mehr und mehr aus dem Weg gegangen, hatten zwar gemeinsam gegessen und ihre Pflichten erfüllt, doch Olivia investierte viel Zeit in das Vorbereiten ihres Unterrichts und Elliot trainierte mehr und mehr. Nachts teilten sie ein Bett, jeder schlief auf seiner Seite. Doch was Olivia nicht wusste war, dass Elliot sie nächtens beobachtete, Stunden ihr Gesicht studierte, die langen Wimpern.
Mehr und mehr sah er ein, dass er einen Fehler begangen hatte, doch war er der Ansicht, dass er es nicht rückgängig machen konnte. Doch empfand er mehr für sie, vermisste sie stets, wenn sie nicht im selben Raum mit ihm war und seine Eifersucht brodelte, sobald sie mit einem anderen Mann sprach, jemand sie berührte. Sie hatten einen unausgesprochenen Deal - Liv ging nicht mehr mit Männern mit, sie schlief mit niemandem außer mit Elliot und dies war auch weniger geworden. Abgesehen davon, sobald es vorkam, sah sie ihn dabei nicht mehr an – auch wenn es für beide ein wunderbares Erlebnis war.
Olivia versuchte immer an etwas anderes zu denken, aber sobald seine Arme sie an der Hüfte berührten, sah sie nur noch sein Gesicht vor ihrem geistigen Auge. Sobald sie irgendjemand angriff, hatte sie stets die Hoffnung, dass es seine Hände waren, seine Finger, die über ihren Hals strichen, seine Lippen, die sie hinter dem Ohr küssten.
Außerdem wusste sie seit einigen Tagen, dass diese Verbindung ein Resultat hervorgebracht hatte, eines, mit dem man erst einmal leben können musste. Eines, das alles verändern würde.
A/N: Sommerpause! Egal was das System sagt, im Moment habe ich wenig Zeit – Freizeitstress ;) Aber keine meiner Stories bleibt unvollendet, gebt mir nur etwas Zeit! Lg, Buck
