„Wäh, hier bist du aufgewachsen? Mein Beileid!", meinte Draco süffisant zu Sirius, als sie vor dem (noch nicht für alle sichtbaren) Haus Nummer 12 standen. Sirius reichte Dumbledores Zettel rum, und sobald er merkte, dass sie das Haus sehen konnten, zog er sie schnell herein.

Remus, der gerade aus der Küche kam, erblickte Sirius und starrte ihn verblüfft an, bevor er ihm in die Arme fiel. Schnell löste er sich wieder und rümpfte die Nase. „Du solltest schleunigst unter die Dusche, mein Freund! Und was essen! Und schlafen! Du siehst grauenvoll aus!"

„Natürlich, Mama! In welcher Reihenfolge?" Sirius drehte sich zu den anderen um. „Dieses Haus hat fünf Stockwerke, in jedem sind sieben Zimmer. In welches Stockwerk wollt ihr?"

Sie sahen sich an. „Ich denke, das vierte und fünfte Stockwerk wäre am Besten. Da sind wir am ehesten unter uns und stören den Orden nicht.", meinte Echonebel schließlich. Die Anderen nickten zustimmend. Sie gingen nach oben und teilten sich die Zimmer auf. Harry und Shira schliefen zusammen, Yael und Draco ebenso. Zedernflug, Nachtschatten, Finn und Yumaq teilten sich zu viert ein großes Zimmer. Nur Sirius blieb in seinem alten Schlafzimmer im zweiten Stock.

Nachdem sie geduscht hatten, fielen sie alle todmüde von dem Kampf, der Trauer und der langen Nachtwache ins Bett.

. - . - . - . - .

Am Nachmittag wachte Sirius auf und ging nach unten. Er hielt es für klüger, die Ordensmitglieder auf die neuen Hausbewohner vorzubereiten. Als er jedoch in die Küche kam, blieb er entgegen seinen Absichten erst mal stehen und ergötzte sich ein paar Minuten an dem Anblick, der sich ihm bot.

Kingsley und Tonks saßen sternhagelvoll am Küchentisch. Sie hatten mehrere Flaschen vor sich stehen, in denen dem Geruch nach wohl Feuerwhiskey gewesen sein musste. Jetzt waren sie jedenfalls leer. Die beiden Auroren waren mit den Köpfen auf der Tischplatte eingeschlafen und schnarchten um die Wette.

„Das machen sie jeden Tag", meinte Remus, der hinter Sirius auftauchte. „Spätestens am Nachmittag sind sie blau."

Sirius hob eine Augenbraue. „Gibt es auch einen Grund dafür oder machen sie das einfach so, weil sie gerade nichts besseres zu tun haben? So wie zum Beispiel arbeiten?"

„Sie wurden gefeuert."

„Bitte was?"

„Nachdem du festgenommen wurdest – oh, da fällt mir ein, du musst mir noch sagen, wie du es geschafft hast, zu entkommen – , wusste das Ministerium, dass Kingsley die Tibetgeschichte erfunden hat. Und als Tonks versucht hat, ihn rauszuhauen, wurde sie auch rausgeschmissen."

Sirius fühlte sich, als würden ihm die Eingeweide herausgerissen. „Sie wurden gefeuert – wegen mir? Oh scheiße, jetzt wundert mich gar nichts mehr, dass sie sich besaufen! Wie kann ich – "

„Sie besaufen sich nicht, weil sie wegen dir gefeuert wurden, sondern weil sie sich Sorgen um dich gemacht haben und Schuldgefühle hatten, weil sie dir nicht helfen konnten. Beide haben dich sehr gerne, weißt du."

„Da du nicht mitmachst, soll ich jetzt daraus schließen, dass du dir keine Sorgen gemacht hast?"

Lachend duckte er sich unter Remus' Kitzelfluch weg und ließ einen Riesenschwall eiskaltes Wasser auf Tonks und Kingsley herabbrausen. Die Beiden waren auf einen Schlag hellwach und nüchtern.

Und stocksauer.

Als sie jedoch Sirius sahen, fiel ihnen synchron die Kinnlade herunter.

Sirius beugte sich zu ihnen und setzte eine saure Miene auf. „Was soll denn das hier? Ihr macht hier ein Saufgelage und denkt nicht mal daran, den Hausherrn einzuladen? Habt ihr eigentlich eine Ahnung, wie sehr ich mich darauf gefreut habe, hier mit Remus und euch einen auf unser Wohl zu trinken? Und ihr fangt einfach ohne uns an!"

Die Beiden sahen ihn schuldbewusst an und stammelten eine Entschuldigung. Remus und Sirius konnten sich bei diesem Anblick nicht mehr halten und platzten. Sie lachten so laut, dass die Exauroren ihre Gesichter verzogen und sich die kühlen Flaschen an die Stirn hielten, um ihre Kopfschmerzen zu lindern.

Immer noch lachend wandte der Falke sich ab. „Ich braue euch dann mal einen Anti-Kater-Trank!"

Er verließ die Küche und ging in den Keller, wo der Orden ein Tränkelabor auf die Beine gestellt hatte. Es gab dort alle Zutaten für gängige Tränke. Als er jedoch den Raum betrat, lief er direkt Severus Snape in die Arme. Der Mann sah ihn überrascht an, bevor sein Gesicht wieder den üblichen kalten, abweisenden Ausdruck annahm, den er immer mit sich herumschleppte.

„Black, sieh an. Ich hatte doch tatsächlich damit gerechnet, dass du nicht mehr aus dem Ministerium raus kommst. Bedauerlicherweise scheine ich mich da getäuscht zu haben.", raunte ihm der Tränkemeister höhnisch zu.

Sirius ging auf die Spötteleien nicht ein. „Gibt es hier zufällig Anti-Kater-Trank? Tonks und Kingsley schauen nicht aus, als ob ihnen ihr letztes Sauggelage besonders gutgetan hat."

„Für dich nicht, du Köter!", fauchte Snape.

Sirius seufzte und ging nicht weiter auf Snape ein. Er suchte sich die Zutaten zusammen und braute den Trank, für den man gerade mal eine Viertelstunde brauchte. Snape stand die ganze Zeit mit verschränkten Armen im Raum und beobachtete ihn. Er wollte wohl sicher gehen, dass sein geheiligtes Labor nicht in die Luft flog.

. - . - . - . - .

„Puh! Danke, Sirius, jetzt geht's mir besser. Also, wie bist du entkommen?", fragte Kingsley, nachdem er und Tonks ihre Kopfschmerzen los waren.

„Eigentlich verdanke ich das dir. Du hast Adams damals in unsere Obhut gegeben, nach dem Kampf in Hogsmeade. Während er genesen ist, hat er erkannt, dass ich unschuldig war. Gestern Abend hat er ein Stärkungsmittel in die Spritze eingefüllt statt des Anti-Magie-Serums."

Kingsley grinste. „Schau an, eine 180-Grad-Wende. Wenn alle Auroren so findig wären wie er, würden wir wahrscheinlich eine richtig starke Einheit stellen. Aber was ist, wenn sie ihn mit Veritaserum befragen, ob er dich befreit hat?"

„Dann haben sie Pech gehabt. Ich hab ihm auf seine Bitte hin die Erinnerung daran aus seinem Gedächtnis gelöscht. Natürlich nicht ohne sie vorher noch in einem Fläschchen aufzufangen." Sirius holte das Fläschchen mit Daves Erinnerung aus der Tasche. „So kann er sie wieder zurücknehmen, wenn es ungefährlich ist."

In diesem Moment kam Harry herein. „Sirius, du hast einen Brief bekommen. Von Gringotts offenbar."

Der Angesprochene hob eine Augenbraue, öffnete den Brief, den Harry ihm reichte, und las ihn.

„Ah, die Kobolde haben anscheinend Wind davon bekommen, dass Bellatrix nicht mehr unter den Lebenden weilt. Sie hat kein Testament hinterlassen. In einem solchen Fall erbt automatisch der älteste männliche Verwandte ersten Grades das Vermögen. Ich muss sofort hin."

„Werden die Kobolde dich nicht verraten?", fragte Harry verwirrt.

„Nein. Sie kümmern sich nicht darum, wen das Ministerium geächtet oder zum Verbrecher erklärt hat. Sie sind neutral."

Er glättete seine Haare mit einem Zauber, färbte sie dunkelblond und machte einen Pferdeschwanz daraus. Dann warf er sich einen Kapuzenumhang über. Da er den Tropfenden Kessel meiden wollte, flohte er in die Nockturngasse, in das Gasthaus Zum bissigen Werwolf.

. - . - . - . - .

Das Verlies, das Bellatrix Lestrange gehört hatte, war voll mit Schätzen aller Art. Gold, Schmuck, edelsteinverzierte Waffen, wertvolle Gegenstände, Bücher, seltene Artefakte, kostbare Möbel – ein Schatz, wie er im Buche steht. Lange betrachtete Sirius die Schwerter und Dolche. Vor allem ein Dolch fiel ihm auf. Er war koboldgearbeitet und besaß einen goldenen Griff. Der Knauf bestand aus einem Smaragd, der genau dieselbe Farbe wie Harrys Augen hatte. Die Klinge aus Damaszenerstahl steckte in einer grün-gold verzierten Scheide.

Sirius nahm den Dolch in die Hand und zog ihn. Diese Waffe wäre ein wunderbares Geschenk an Harry, da dieser zwar ein Schwert besaß, das einem vor langer Zeit getötetem Werfalken gehört hatte, aber es konnte ja nicht schaden, ihm auch noch den Dolch zu vermachen. Je mehr Verteidigungsmöglichkeiten er hatte, desto besser.

Er wollte schon gehen, als sein Blick auf einen goldenen Trinkpokal fiel, der auf einem kleinen Ebenholztischchen stand. Er hatte zwei Henkel und eingeritzt in die Seite war ein Dachs inmitten von hohem Gras und Blättern, der einen Blick über die linke Schulter nach hinten warf [ . ]. Sirius runzelte verwundert die Stirn. Der Dachs war das Symbol Hufflepuffs. Was machte der Kelch von Helga Hufflepuff in Bellatrix Lestranges Verlies? Wie war er hierhergekommen? Er nahm ihn in die Hand und musterte ihn eingehend. Mit diesem Kelch stimmte was nicht, aber er konnte es nicht greifen. Irgendeine dunkle Aura umgab ihn.

Sirius beschloss, später darüber nachzudenken und machte sich wieder auf den Weg nach oben. Den Trinkpokal und den Dolch nahm er mit.

. - . - . - . - .

Harry konnte nicht einschlafen. Er warf sich von einer Seite zur anderen, ohne Ruhe zu finden. Schließlich gab er es auf.

Leise, um Shira nicht zu wecken, stand er auf, zog sich eine Jogginghose und ein T-Shirt an und verließ das Zimmer. Eine Weile stromerte er durchs Haus, bis er schließlich in der Bibliothek Licht brennen sah. Wer war da? Es war halb 2 in der Nacht.

Er trat ein und erkannte, dass es Sirius war, der ein großes Buch aufgeschlagen vor sich liegen hatte. In der Hand hielt er den Trinkpokal aus Gringotts, den er am Nachmittag angeschleppt hatte. Als er Harry bemerkte, sah er auf.

„Kannst du nicht schlafen?"

„Nein. Es ist so viel passiert . . . Aber du schläfst ja auch nicht."

„Ich bin nicht mehr müde. Ich hab ja am Tag etwas geschlafen, wie wir alle."

Harry lachte. „Aber du sahst schon ziemlich erschöpft aus. Dabei warst du nicht länger wach als wir", Sirius' Miene verdüsterte sich etwas, „ . . . oder?"

„Vermutlich etwas länger", gab sein Pate widerstrebend zu.

Harry bemerkte, das Sirius das Gespräch um das Ministerium offenbar vermeiden wollte. Aber aus eigener Erfahrung wusste er, dass man so etwas nicht in sich hineinfressen sollte.

„Manchmal hilft es . . . darüber zu reden. Was haben sie mit dir gemacht?"

„Sie haben alles probiert", flüsterte Sirius nach einer langen Pause und starrte ins Leere. „Ihre Methoden waren brutal." Er sah Harry nachdenklich an und schüttelte dann den Kopf.

Harry war starr vor Entsetzen. „Aber . . . gibt es keine Gesetze dagegen? Selbst die Zaubererwelt muss doch erkennen, dass Folter gegen die Menschenrechte verstößt!"

Sirius lächelte bitter. „Die Zaubererwelt beachtet genau dieselben Menschenrechte wie die europäische Muggelwelt, Harry. Aber diese Rechte gelten, wie der Name schon sagt, nur für Menschen. Nicht für Werfalken, nicht für Zentauren oder Vampire, nicht für Wassermenschen, Kobolde, Hauselfen, Riesen oder andere denkende und fühlende Zauberwesen. Und auch nicht für Werwölfe, obwohl die ja biologisch Menschen sind."

„Aber . . . du hast mir gesagt, dass sie dir nichts tun können."

„Das war gelogen", sagte Sirius tonlos. „Ich hatte große Angst, aber ich wollte dir um jeden Preis dieses Schicksal ersparen. Es stimmte aber, das sie mich nicht umgebracht hätten. Egal, lassen wir das. Es ist vorbei. Vergangenheit." Er klang, als versuche er vor allem sich selbst zu überzeugen. „Ich wollte den Hochlandclan nicht verraten und was ich ihnen von Voldemort hätte erzählen können – dass er zurück ist – hat natürlich auch keinen interessiert. Sie wollten nur wissen, wo sich die Todesser aufhielten, und das konnte ich ihnen leider nicht sagen.

Ist ja jetzt auch egal. Ich hab rausgefunden, was mit dem Kelch los ist."

Harry sah ihn gespannt an. „Und?"

„Das hier", er hob den Trinkpokal hoch, „ist ein Horkrux." Harrys verwirrte Miene richtig deutend, erklärte er, was das war.

„Horkruxe sind schwärzeste Magie. Sie gehören zum Bereich der Seelenmagie. Man spaltet seine Seele – indem man einen Mord begeht – und schließt den einen Teil dann in einem Gegenstand ein, zum Beispiel einem Trinkpokal." Er sah Harry vielsagend an und wedelte mit dem Kelch herum. „Dadurch ist ein Teil der Seele an die Erde gebunden, ergo: man kann nicht sterben."

„Weißt du, von wem dieser Horkrux ist?"

„Es gibt einen Analysezauber dazu. Diesen Horkrux hat Lord Voldemort hergestellt."

Harry ging ein Licht auf. „Also deshalb ist er nicht gestorben in jener Halloweennacht!"

Sirius nickte langsam. „Ja, das wird der Grund sein."

„Wie kann man Horkruxe zerstören?"

„Es gibt zwei Möglichkeiten, Basiliskengift und Dämonsfeuer. Dies sind die einzigen bekannten Mittel, die so zerstörerisch sind, dass der Horkrux sich selbst nicht wiederherstellen kann. Es ist umgekehrt wie bei Lebewesen. Wenn ein Mensch stirbt, bleibt die Seele unversehrt. Wenn du aber den Kelch hier mit einem Basiliskenzahn durchbohrst, bleibt der Kelch ganz und nur das in ihm eingeschlossene Seelenstück wird zerstört."

„Das heißt, wir können Voldemort erst vernichten, wenn wir diesen Horkrux plattgemacht haben."

„Ja. Dämonsfeuer ist supergefährlich, da kann furchtbar viel schiefgehen, deshalb würde ich Basiliskengift vorschlagen. Du hast doch in der Kammer des Schreckens den Basilisken getötet. Reife Leistung übrigens. Wir müssen uns dort nur noch bedienen. – Wie kommt man überhaupt in die Kammer?"

Harry grinste bei der Erinnerung daran, wie Ron Lockhart in das tiefe Loch gestoßen hatte. „Kennst du das Klo von der Maulenden Myrte? Es ist im 2. Stock."

„Kenn ich, ja. James hat Lily da mal eine Falle gestellt, um sie dazu zu bringen, ihm ihre Liebe zu gestehen. Aber das ist eine andere Geschichte. Was hat das Klo mit dem Eingang der Kammer zu tun?"

„Der Eingang befindet sich hinter einem der Waschbecken. Nur ein Parselmund kann die Kammer öffnen, und zwar indem er auf Parsel „Öffne dich!" sagt.

Sirius' Augen weiteten sich. „Du bist ein Parselmund?"

„Ja. – Was ist? Ich bin kein Schwarzmagier!", meinte Harry beunruhigt, denn Sirius starrte ihn immer noch mit aufgerissenen Augen an.

„Ja . . . nein . . . ich meine, darum geht's nicht. Du kannst gar kein Parselmund sein."

Jetzt riss Harry die Augen auf. „Wieso nicht?"

„Weil du nicht von Salazar Slytherin abstammst. Diese Fähigkeit ist superselten, Voldemort ist der einzige Parselmund unserer Zeit. Voldemort . . . warte mal. Die Verbindung zwischen dir und ihm . . ."

Jetzt fiel es Harry siedend heiß wieder ein. „Ja klar! Ich bin ein Parselmund, weil Voldemort einer ist. Er hat gewisse Fähigkeiten von sich auf mich übertragen, als er versucht hat, mich zu töten. Das hab ich nämlich Dumbledore auch gefragt, nachdem wir aus der Kammer zurück waren. Er hat diese Fähigkeit auf mich übertragen!"

Sirius hörte ihm aufmerksam zu. „Das würde alles erklären. Aber wenn das so ist, dann bist du jetzt kein Parselmund mehr. Die Verbindung ist ja erloschen, als du ein Falke wurdest, weißt du noch?"

Harry erinnerte sich. „Im Augenblick der ersten Verwandlung eines Werfalken werden die Auswirkungen sämtlicher Krankheiten und Verletzungen, die dieser jemals gehabt hat, vollständig getilgt. Deshalb brauchst du keine Brille mehr, deshalb ist auch deine Narbe, die von Voldemorts Todesfluch kommt, verschwunden – ich wage sogar zu behaupten, dass sich damit deine mysteriöse Verbindung zu Voldemort in Wohlgefallen aufgelöst hat. Das hast du damals gesagt. Und diese Aussage hat sich bestätigt. Ich bin zwar froh, dass die Narbe und die Schmerzen weg sind, aber wenn ich kein Parselmund mehr bin, wie zur Hölle sollen wir jetzt in die Kammer kommen?"

„Hm. Wie seid ihr denn da wieder rausgekommen?"

„Fawkes hat uns getragen. Das war gar nicht so einfach für mich. Wir mussten uns alle aneinander festhalten und ich musste ja auch noch das Schwert von Gryffindor irgendwie mitnehmen . . ." Er lächelte erinnerungsschwer.

Sirius dagegen sah auf. Er hatte die Geschichte von Harry lediglich mal sehr grob umrissen erzählt bekommen und wusste eigentlich nur, dass Harry einen Basilisken getötet hatte, den Ginny unter dem Einfluss von Tom Riddles Tagebuch auf die Schule losgelassen hatte. „Das Schwert von Gryffindor? Wie ist das Schwert von Gryffindor in deine Hände gelangt? Ist es zu dir gekommen, weil du in höchster Not warst?"

„Ja. Fawkes hat mir den Sprechenden Hut gebracht, und ich habe das Schwert aus dem Hut gezogen. Damit konnte ich dann den Basilisken töten."

„Hast du ihm das Schwert ins Maul getrieben oder ihm an einer anderen Körperstelle die tödliche Wunde beigebracht?"

Harry war überrascht von der Frage. Was tat das zur Sache? „Ich habe ihn mit dem Schwert ins Maul getroffen. Dabei ist einer der Zähne in meinem Arm stecken geblieben. Erst dachte ich, ich wäre todgeweiht, aber am Ende war es ein Segen, dass ich den Zahn hatte, so konnte ich Tom Riddles Tagebuch zerstören. Und Fawkes hat die Wunde ja dann geheilt."

Sirius sah ihn lange an. Harry konnte förmlich hören, wie er nachdachte.

„Also . . . dieses Tagebuch hat Ginny manipuliert, ja?"

„Ja."

„Und du hast es mit dem Zahn zerstört?"

„Ja.", sagte Harry wieder, verwirrt, wohin die ganze Fragerei führen sollte.

Wieder überlegte sein Pate. „Weißt du was ich glaube, Harry? Das Tagebuch war auch ein Horkrux."

Harry dachte darüber nach. Das Tagebuch hatte eigenständig gehandelt, ohne das Zutun eines Menschen hatte es Ginny manipuliert, ihn in die Kammer gelockt und den Basilisken gerufen.

„Einer von Voldemort dann aber. Kann ein Mensch mehrere Horkruxe herstellen?"

„Das geht", meinte Sirius. „Es macht die Seele furchtbar instabil, schon einer allein, bei mehreren ist es noch schlimmer, aber es ist möglich."

„Warte mal. Mir ist da gerade ein Gedanke gekommen. Kann es nicht sein, dass diese Verbindung zwischen Voldemort und mir daran lag, dass ich auch ein Horkrux war, seit dem Tag, da Voldemort versucht hat, mich zu töten? Ich bin mir sicher, dass es keine Absicht von ihm war, aber dieser Horkrux in mir wurde folglich zerstört, als ich meine erste Verwandlung hatte. Moment mal, als der Basiliskenzahn in meinem Arm steckte, hätte der Horkrux in mir doch zerstört werden müssen. Andererseits . . . Fawkes hat mich ja kurz darauf geheilt . . .", sinnierte er.

Sirius nickte langsam. „Gut möglich, dass es genau so war. In dem Fall wäre dann quasi die Verwandlung in einen Werfalken das Mittel der Zerstörung des Horkruxes gewesen. Also haben wir schon drei Wege der Vernichtung." Er grinste.

Harry blieb ernst. „Aber trotzdem, wie kommen wir in die Kammer, um einen Zahn zu holen?"

„Das brauchen wir gar nicht mehr. Eine Sekunde, ich bin gleich wieder da." Harry sah auf, doch Sirius war schon rausgegangen. Kurz darauf kam er wieder zurück, in den Händen einen herrlichen Dolch haltend. Den schönsten Dolch, den Harry je gesehen hatte.

Sirius reichte ihm die Waffe. „Diesen Dolch habe ich in Bellatrix Lestranges Verlies gefunden. Er wurde von Kobolden hergestellt. Kennst du die Eigenschaften von koboldgearbeiteten Waffen?"

Harry überlegte kurz. Merlin hatte ihm einiges über die Magie der magischen Völker erzählt und darüber, was sie damit machen konnten.

„Ein koboldgearbeiteter Gegenstand wird niemals schmutzig und nimmt nur auf, was ihn stärkt. Aber was hat das mit dem Schwert von Gryffindor zu tun? Wurde es von Kobolden hergestellt?"

Sirius nickte.

„Das heißt, es ist . . . es ist mit Basiliskengift getränkt? Weil ich es ihm ja ins Maul getrieben habe und nicht sonst wohin. Das Schwert von Gryffindor kann Horkruxe zerstören!", frohlockte Harry.

„Weshalb wir auch nicht mehr genötigt sind, die Kammer des Schreckens zu betreten.", ergänzte Sirius.

Grinsend sahen sie sich an. Harry senkte den Blick auf den kostbaren Dolch. „Und der hier? Mit was ist der gestärkt?"

„Das obliegt deiner Entscheidung."

„Meiner?"

„Ja. Du kannst zum Beispiel Gift von Pfeilgiftfröschen nehmen oder Drachenfeuer . . . Die Frage ist nur, woher du das nimmst. Südamerika ist weit weg, aber das sollte für Werfalken kein Hindernis sein. Rumänien ist näher."

„Wieso ich?"

„Ich habe den Dolch für dich mitgenommen. Der Smaragd hat die selbe Farbe wie deine Augen. Ich glaube, das war kein Zufall." Sirius sah ihn ernst an. „Es würde mich etwas beruhigen."

„Wow. Vielen Dank!"

Sirius grinste. „Kein Thema. Wir sind quitt, sobald er dir das Leben gerettet hat!"

In diesem Moment kam Harry ein Gedanke. Er setzte sich wieder hin und massierte sich die Schläfen.

„Mir kommt das ein bisschen komisch vor: Warum sollte Voldemort ausgerechnet Hufflepuffs Trinkpokal in seinen zweiten Horkrux verwandeln? Er war in Slytherin und zu allem Überfluss auch noch dessen Erbe, er hatte mit Hufflepuff doch überhaupt nichts am Hut. Also wenn schon, dann richtig, dann von allen Gründern einen Gegenstand in einen Horkrux verwandeln. So denkt er; so weit kenne ich ihn. Er macht keine halben Sachen.

Außerdem . . . hätte er sich doch mit zwei Horkruxen sowieso nicht zufriedengegeben. Ich bin mir sicher, dass, wenn mehr als zwei Horkruxe möglich sind, er auch mehr gemacht hat. Morde hat er ja genug begangen. Die Frage ist in wie viele Teile er seine Seele gespalten hat, wahrscheinlich irgendeine Zahl, die ihm wichtig ist . . ." Er hörte auf zu reden, als er sah, dass Sirius ihn voller Entsetzten anstarrte.

„Harry, wenn du mit deiner Vermutung richtig liegst, und davon bin ich überzeugt, dann haben wir ein gewaltiges Problem. Die könnten überall sein, in jedem Land der Welt, vergraben oder getarnt . . . Wir sollten mit jemandem reden, der Voldemort gut gekannt hat. Es ist wichtig, dass wir mehr über seine Vergangenheit herausfinden. Was ihm wichtig war, Orte, die ihm bedeutsam erschienen . . . Dabei stoßen wir sicher auf potentielle Horkruxe und Verstecke sowie auf eine Zahl, die für ihn eine symbolische oder anders geartete Bedeutung haben könnte. Und die Idee mit den Gründerartefakten sollten wir auch weiterverfolgen."

„Was für Gründerartefakte gibt es denn noch?" fragte Harry konzentriert.

„Jeder Gründer hatte einen Gegenstand, der zu ihm gehörte, der sozusagen sein Zeichen, sein Symbol war. Bei Helga Hufflepuff war es der Trinkpokal hier. Gryffindor ist auch klar – das Schwert. Das kann aber kein Horkrux sein, es ist in Hogwarts, das hätte Albus sicher bemerkt. Ravenclaw besaß ein Diadem. Der Legende nach hatte es die Macht, die geistige Fähigkeit des Trägers zu vermehren. Es ist seit langer Zeit verschollen, schon zu Lebzeiten Rowena Ravenclaws. Das muss aber nichts heißen: Riddle ist bedauerlicherweise sehr intelligent, er könnte Nachforschungen angestellt und es gefunden haben.

Slytherin besaß den Erzählungen nach ein Medaillon. Mein Bruder Regulus hatte ein Buch über Slytherin, da ist auch ein Bild von dem Medaillon drin. Er wollte es mir früher immer zeigen, aber ich hab mich für slytherin'sche Dinge überhaupt nicht interessiert und abgelehnt. Irgendwann hat er aufgegeben. Vielleicht finde ich das Buch noch. Es müsste hier irgendwo sein."

Er ging zu den Regalen, in denen Bücher über berühmte Zauberer und Hexen standen. Nach einer Weile stieß er einen Triumphschrei aus und zog ein Buch heraus. Salazar Slytherin stand in silbernen Lettern auf dem grünen Einband.

Er legte das Buch auf den Tisch und schlug das Inhaltsverzeichnis auf. „Mal sehen . . . Geburt . . . Ausbildung . . . Gründung von Hogwarts . . . Beziehung zu den anderen Gründern . . . da, Symbole . . . Schlange . . . Medaillon! Seite 332."

Er schlug die Seite auf. „Das müsste es sein." Eine Zeichnung von dem Medaillon wurde sichtbar. Es war goldbraun mit silbernen Rändern und eine grüne Schlange wand sich in S-Form [ . ].

Harry betrachtete das Bild eine Weile und sah dann Sirius an, um ihn etwas zu fragen, stockte aber. Sirius starrte regungslos auf das Bild.

„Alles in Ordnung?", fragte Harry leicht besorgt.

„Komm mit!" Sirius sprang auf und lief aus dem Raum. Harry sah ihm verwundert hinterher, folgte ihm dann aber.

Er fand ihn im Keller; Sirius stand vor einer der Türen, als Harry die Treppe runter stürzte und beinahe in ihn hineinlief.

„Was ist da drin?"

Sirius sah ihn aufgeregt an. „Ich hab das Haus ausgemistet, wie du weißt, und sämtliche Sachen, die noch nicht kaputt waren, in diesen Raum geschafft. Unter diesen Sachen war ein Medaillon. Ein identisches Abbild von dem im Buch."

Harry fiel die Kinnlade herunter. War es möglich, dass . . . ? Konnten sie so ein Glück haben?

Sirius öffnete die Tür und betrat, gefolgt von Harry, den Raum. Zielstrebig trat er auf eine mit Schlangen verzierte Kommode zu und zog die oberste Schublade auf, die bis an den Rand gefüllt war mit Schmuck. Eine Weile wühlte er herum, dann zog er ein Medaillon heraus. Es sah genauso aus wie das auf dem Bild in dem Buch.

Sirius ließ es vor Harrys Nase hin und her baumeln. Harry schnappte es sich und sah es genau an. „Specialis revelio!"

Der Zauber enthüllte die Horkruxeigenschaften des Medaillons.

Sie gingen rauf und setzten sich wieder an den Tisch in der Bibliothek.

„Ok, zwei Horkruxe haben wir", fasste Sirius zusammen. „Über Ravenclaws Diadem und Voldemorts Vergangenheit müssen wir mehr herausfinden.

Er stand auf und hielt Harry die Hand hin. „Und wir brauchen das Schwert von Gryffindor."

Harry schlug ein. „Ich hab eine Überraschung für dich."

Sirius hob eine Augenbraue.

„Ich hab die Animagustransfiguration fertig."

. - . - . - . - .

Lichtfalken:

Harry – Morgenstern (m): goldenes Gefieder, lange schwarze Haare, grüne Augen, 15 Jahre

Draco – Silberschweif (m): silbergraues Gefieder, blonde lange Haare, graue Augen, 15 Jahre

Shira – Schneesturm (w): strahlend weißes Gefieder, schwarze Locken und getönte Haut, braune Augen, 16 Jahre

Yael – Feuerflügel (w): braunes Gefieder mit rötlichen Flügeln; Shiras zweieiige Zwillingsschwester, 16 Jahre

Sirius – Nachtstern (m): nachtschwarzes Gefieder, lange schwarze Locken und graue Augen, 35 Jahre

Sternennacht (w): schwarzes Gefieder mit vielen einzelnstehenden weißen Federn, schwarze Haare und braune Augen, 116 Jahre

Rubinherz (w): braun-weiß gesprenkeltes Gefieder, rote Haare und blaue Augen, 243 Jahre

Zedernflug (w): hellbraunes Gefieder, dunkelbraune Haare und braune Augen, 487 Jahre

Nachtschatten (m): schwarzes Gefieder, schwarze Haare und graue Augen, 503 Jahre; Zedernflugs Gefährte,

Yumaq (14) und Finn (7), deren Kinder, noch Menschen

Sonnenuntergang (w): orange-braunes Gefieder, kastanienbraune Haare und grüne Augen, 737 Jahre

Echonebel (m): grauweißes Gefieder, dunkelblonde Haare und hellbraune Augen, 925 Jahre