14. Koboldstum
Harry stieg auf und folgte den Anleitungen von Natalija. Unter ihnen sahen, die vom Mond beschienen, Baumwipfel wie Brokkoli oder Petersilie aus. Nach einiger Zeit hatten sie die Stelle erreicht und beiden wurde bewusst, dass die kampferprobten Zentauren, nicht umsonst geflohen waren.
„Auf Harry den Unsichtbarkeitszauber! Wir wollen doch nicht abgeschossen werden."
„Stimmt und vor tieffliegenden Eulen sind wir bei dem Lärm sicher."
Da war eine weite Lichtung, aber die Gegner standen sich nicht gegenüber, so war es sehr unübersichtlich. Hinter Bäumen versteckten sich die Angreifer, einige andere hinter umgestürzten Baumstämmen. Nur der Mond und die Sterne beleuchteten die Szene, hin und wieder ein Blitz aus einem Zauberstab. Bei diesen Lichtverhältnissen war Natalija ganz klar im Vorteil. Sie berichtete Harry über die Lage am Boden und beschrieb die Stellungen der Gegner.
Die Kobolde waren in der Überzahl, aber wie schon beim Kampf im Bankhaus, waren die Mittel nicht gleichwertig. Außer ihren spezifische Zaubersprüche setzten einige auch mittelalterliche Armbrüste ein. Sie waren definitiv die Angreifer, denn sie hatten einen Ring um die Lichtung gezogen auf der sich ein paar Ruinen und einen mit Palisaden umgebenen Platz befand. Von oben sah der geschützte Platz wie eine Mine aus. Überall lagen große wuchtige, aber beschlagene Steine herum, als wären sie aus einer alten Stadtmauer herausgebrochen worden.
Leise summte Natalija eine Melodie, welche Harry sofort erkannte. Sandy hatte sie gesungen, als die Hauselfen über den Turm im Wald berichteten. Dies war also ein Eingang zu der Kammer des Schreckens. Ihm wurde sofort bewusst, dass er handeln musste. Die Todesser suchten nach einem Weg nach Hogwarts, wenn sie nicht schon in der Kammer waren. Sie konnten nicht den Durchgang öffnen, sprachen sie doch kein Parsel, aber er konnte es. Die Hauselfen hatten ihn doch gewarnt, als er mit dem Minister in die Kammer des Schreckens wollte. Was sollte er tun?
Harry zog seinen Zauberstab, Natalija lehnte sich aber gegen ihn und er musste den Besen korrigieren.
„Was willst du tun? Gegen Einzelne und dann gegen wen? Welche Reaktionen gibt es da unten, wenn einer umkippt? Wem hilfst du damit, es könnte sein, dass die Kobolde nach einem solchen Erfolg übermütig werden?"
Sie war doch nicht die Draufgängerin, nein sie war besonnen. Wenn er eine, oder zwei Gestalten ausschaltet, würde es nicht auffallen und wenn, dann könnten die Kobolde unvorsichtig werden, angesichts ihres vermeintlichen. Nanda und die Anderen konnte er auch nicht rufen, es gab keinen Einsatzplan und die genauen Koordinaten kannte er auch nicht. „Ich muss aber etwas unternehmen, irgendetwas, damit sie aufhören."
„Wer die Kobolde, welche wegen ihres alten Turms und ihren Geheimnissen kämpfen, oder die Todesser, welche sich verteidigen. Sich und ihren Auftrag einen Zugang nach Hogwarts zu finden? Wer sagt nicht, dass die Kobolde aus diesem Zugang auch Profit schlagen wollen. Hogwarts könnten sie drohen, da sie seinen Geheimnissen zu nahekommen?"
„Ich muss aber!"
„Nur weil dich ein paar alte staubige Zentauren gesehen haben, musst du hier nicht als Held enden! Überlege dir was Großartiges, etwas Beeindruckendes, damit beide Seiten sich fürchten. Wie seinerzeit in der Bank."
Harry dachte nach, er stieg mit dem Besen auf, so sahen sie den ganzen Bereich. Plötzlich sackte der Besen ab, dass sich Natalija krampfhaft am Besen festhielt, obwohl Harry sie auch sicherte. Jetzt stoppte Harry den Besen, sie sahen über die Lichtung hinüber auf den Berg aus Erde und Steinen, welcher wohl von den Grabarbeiten stammte. „Ich habe eine Lösung", flüsterte er ihr zu. „Ich werde den Berg dort in Bewegung setzen, er wird langsam anfangen sich zu bewegen und allen wird klar sein, dass er unaufhaltbar ist?"
„Hast du Wühlmäuse entdeckt, die du vergrößern willst?"
„Nein, halte dich gut fest, notfalls müssen wir auch verschwinden!"
„Er hob seinen Zauberstab und ein Stein, ein kleiner runder Stein setzte sich in Bewegung, ihm folgten immer mehr und mehr. Sie rissen bereits kleine Äste mit sich, bis die Kämpfer darauf aufmerksam wurden. Der Weg bis zur Lichtung war lang, aber das Rollen war hörbar. Ein anderer Fluch entzündete die Palisade der Todesser, was diese zur Flucht aus dem Stollen veranlassten. Der Erdrutsch wurde lauter, Grollen kündigte das Unheil an. Natalija schaute auf Harrys Zauberarm, der über dem Wald Kreise beschrieb, leise flüsterte er den Zauberspruch. Die Steine und Tannenzapfen folgten seinem Willen und verstärkten die Lawine.
„Was ist das für ein Spruch?"
„Später, erst müssen wir mal sehen, ob sich das so entwickelt wie ich möchte."
Natalija schwieg, sie spürte die Anspannung von Harry und ahnte, welche Konzentration es benötigte, ständig dafür zu sorgen, dass die Lawine weiter rollte.
„Übernehme den Besen!" Sie folgte seiner Anweisung und hoffte, dass das auch so einfach ging. Sie sausten etwa, so ein zwei Meter in die Tiefe, bis der Besen ihr folgte. Natalija grinste, sie hatte den Besen unter ihren Willen gebraucht.
Am Anfang waren seine Bewegung hektisch und der Besen schwankte stark, erst, als alles rollte wurde es ruhiger.
Nachdem die Lawine die Lichtung durchquert hatte, war alles nun leer, kein Lebewesen war mehr zu sehen, alle waren geflüchtet. Natalija klopfte sich gegen ihre Ohren, als ob sie so den Lärm der Lawine herausbekommen würde. Sie hörte zwar besser als die Sterblichen, aber sie war auch geräuschempfindlicher. Sie flog nun einen großen Bogen über der Lichtung und war stolz, dass er ihr den Besen weiterhin überlies.
Harry hatte das kurze Zögern von Natalija gespürt, als ob sie darauf wartete, dass er seinen Besen wieder übernahm. Ein Anführer muss auch delegieren können und somit Vertrauen schenken. Für den Maharadscha war das immer ganz wichtig, dass er es in jedem Gespräch wiederholte. Nun konnte er es mal richtig anwenden.
Er lauschte: keine Schreie, dies zu wissen war im wichtig. Er war sich sicher, dass er im Notfall das Notwendige fertigbringen würde, aber hier Verletzte zurück zu lassen würde er sich nicht verzeihen. Über der ganzen Szene schwebte das Todessersymbol, was ihn nicht störte. Er wusste es und die Todesser, wie auch die Kobolde waren sich im Klaren, dass die Lawine nicht natürlichen entstanden war. Die Wesen im Wald hatten sicherlich beobachtet, was geschah und sie machten sich ihre Gedanken. Unter ihnen war alles ruhig geworden. Verkohlte Palisadenteile und die Steine der Ruinen ragten aus der Menge an Steinen, Äste und Erde heraus. Langsam senkte sie seinen Besen nach unter.
„Los zeig dich", forderte ihn Natalija auf. „Dahinten sind die zwei Zentauren wieder, die sollen wenigsten wissen, wer hier ganze Arbeit geleistet hat. Harry wurde kurz sichtbar, er war schon etwas stolz auf sich. „Bane, ich habe die Reste des Koboldsturms gefunden!"
Diese Worte, Worte des Übermutes, bestätigten einem weiteren Beobachter, dass er seine Position in der magischen Welt überdenken musste. Es waren die Worte eines Menschen, dem seine Stärke bewusst war. Wie er diese Lawine ausgelöst hatte, war Draco unklar, nicht aber, dass der Zugang unter den Ruinen des Turmes zur Kammer Salazar Slytherins verschüttet war. Die Gefahr, welche für ihn bestanden hatte, war gebannt. Vorsichtig, mit dem Zauber der Auroren belegt, der sein Aussehen der Umwelt anglich, wartete er darauf, dass Harry endlich den Abflug machte. Er wollte nicht, dass er ihn erkannte.
Harry verschwand, aber die Todesser kamen wieder, er hörte ihre Stimmen. Blaise Zabanini war auch der dabei. Er hatte ihn mit seinen Bemerkungen erst auf die Gedanken gebracht, dass sein Plan gefährdet war. Wenn der dunkle Lord, über den Zugang des Koboldsturmes an das versteckte Gold der Kobolde gekommen wäre, würde sein Vater nie freikommen. Sie, die Malfoys wären für Voldemort überflüssig geworden, da er ihr Geld nicht mehr brauchte. Auch die Kobolde schienen an den Platz des Geschehens zurückkehren zu wollen. Er hörte das Knacken von Ästen, oder waren es irgendwelche wilden Tiere. Langsam ging der den Weg, einen kleinen Trampelpfad, zurück, den er genutzt hatte, um zur Lichtung zu gelangen. Waren Tiere die Ursache dafür gewesen, oder war es die Strecke, welche Blaise immer nutzte, um hier seinem Herrn zu dienen? Egal er musste weg. Der Antiapparierschutz war noch nicht aufgehoben, oder schon wieder ausgesprochen worden. Seine Schritte wurden schneller, nur zurück nach Hogwarts, der Wald wurde immer unheimlicher. Ein Knurren, vermutlich ganz in der Nähe, beschleunigten ihn noch mehr. Ein Fehler, wie er wusste, aber der Fluchtinstinkt war stärker. Ein Blick in den Nachthimmel beruhigte ihn etwas, kein Vollmond, also auch keine Werwölfe.
Eine kleine Anhöhe musste er noch schaffen, um endlich an den Rand des Waldes zu gelangen. Nichts, kein Ende in Sicht, hatte er sich verlaufen? Der Zauberstab in seiner Hand kreiselte wie eine Kompassnadel, die Richtung stimmte. Wenigstens etwas Glück. Er sah nach vorn, doch wieder raschelte es. Durch ein Spalier von Baumstämmen erkannte er ihn der Ferne ein Geschöpf, vor dem er wirklich Angst haben sollte. Zu sehr hatte er es vor Jahren geärgert und er wusste, dass es nachtragend war. Schnell wandte er sich seinem Weg zu. Er wusste ja nicht, dass er schon seit der Lichtung beobachtet wurde. Zwei Augenpaare verfolgten ihm, eines besorgt und das von Harry nur interessiert. Er sah, dass mehr Mondlicht in den Wald eindrang, wurde er wieder schneller, er übersah die kleine Grube, welche er sich merken wollte, weil sie so unscheinbar war.
Wer sich überwand das warme Bett zu dieser Zeit zu verlassen wurde belohnt. Nicht dass materielle Reichtümer winkten, nein es war etwas für die Seele. Hier in diesem abgelegen Teil Schottlands waren alle Menschen, welche ein Faible für die Natur hatten davon hingerissen. Die Sonne war kurz davor ihre Strahlen, über die nachts doch noch stark abgekühlte Landschaft zu senden. Über den Niederungen lag wie eine dicke, flauschige Decke der graue Nebel. Begrenzt war dieses Bild durch einen dichten Wald. Dieser wirkte am Horizont wie ein dunkles Band. Aus dem Nebel ragten einzeln stehende Bäume, manchmal Baumgruppe oder kleineren Erhöhungen in der Landschaft. Ja auch die Reste einer alten Burg hoben sich dunkel von der Umgebung ab.
Für Betrachter, die mit einer seltenen, sehr unbekannten Fähigkeit ausgestattet waren, war das Ganze um ein mannigfaches beeindruckender. Statt der Ruine erkannter er eine großartige mit Türmen bewehrte Schlossanlage.
Auf einem dieser Türme stand eine schlanke Gestalt, die für diesen Anblick heute nicht interessierte. Besorgt versuchte er, Bewegung zu erkennen. Er wusste genau, dass es beinahe unmöglich war, aber trotzdem versuchte er es. Immer wieder sandte er einen großen schwarzen Vogel aus, der nach einem weiten Bogen wieder zurückkam.
Severus Snape schreckte auf, was aber nur jemand erkannte, wer mit ihm vertraut war. Ein junger Mann materialisierte sich neben ihm. „Komm Severus, wir haben Draco auf dem Heimflug gefunden, nun braucht er etwas Ruhe um das Erlebte zu verarbeiten. Er irrte durch den Wald, komm mit und rette du ihn!"
Der Professor starrte seinen Schüler an, nein er war nicht nur Schüler, sondern sein Patenkind. Nicht, dass die Eltern ihn dafür ausgewählt hatten. Nein dazu hatte er sich selbst ernannt, aus Liebe zu seiner Mutter.
Er kannte die Berichte von Hagrid an Dumbledore, von den Streitigkeiten zwischen den Todessern und den Kobolden um den sogenannten Koboldsturm. Heute Abend hatte der Direktor eine Nachricht von Firenze erhalten, dass es zum Kampf kommen wird. Zufrieden, dass seine Schüler in der Schule waren und Arthur Harry mit Natalija zu sich eingeladen hatte, überließ der es dem Ministerium für Ordnung zu sorgen."
Severus Snape ahnte, dass der Alte sich wieder in eine falsche Sicherheit wiegte. Harry konnte immer und überall auftauchen und bei seinem Glück, war er immer dort, wo es brenzlig wurde. Heute bestätigte sich seine Gewissheit wieder.
Was war mit dem Kampf, das Feuer hatte er gesehen und ein undefinierbares Grollen gehört. Wie viele Unschuldige sind wohl gnadenlos niedergemetzelt worden und ausgerechnet der Sohn der Malfoys sollte überlebt haben? Harry James Potter, Sohn der geliebten Lilly und des verhassten James bot ihm die Chance an, den Sohn der Malfoys zu retten und damit vor dem dunklen Lord gut da zu stehen. Er überlegte wohl zu lange. Harry Arm legte sich um seine Schulter und er stand plötzlich alleine im Wald, unweit vor dem, in einem Erdloch kauernden Draco Malfoy. Severus wusste, dass er nicht allein war, seine wahren Freunde würden ihn, vor den wilden Wesen im Wald schützen.
„Sir! Eine Kreatur, ich denke, es war dieser schreckliche Hypogreif, von diesem Hagrid hat mich in die Höhle getrieben.
„Gewiss Draco, es ist wichtig zu wissen, wer einen in eine solche Lage gebracht hat. Nicht aber die Tatsache sollte man erkunden, sondern den Weg dorthin! Warum sollte dich dieses Tier jagen, der Mensch steht nicht auf seiner Speisekarte, aber sie sind nachtragend. Vielleicht kennt das Tier dich noch! Welches du unnötigerweise gedemütigt und beleidigt hast?"
Snape trat vor und reichte Draco die Hand, welcher sie gerne annahm. Kurz darauf standen sie nebeneinander.
„Antiaparierzauber!", bemerkte Draco leise.
„Pass auf!"
Für den jungen Malfoy sprach der Zauberer viel zu laut, er unterbrach ihn aber nicht, denn auf Hogwarts lernten sie nicht, wie man ein Antiaparierzauber aussprach, noch wie man ihn aufhob. Snape war zufrieden, konnte er doch beide Parteien etwas beibringen, etwas was notwendig war. Wichtig als Wahrsagen oder sonstiger Firlefanz.
Trotz, der frühen Uhrzeit, versammelten sich der engere Kreis, welcher auf Hogwarts lebte, im kleinen Salon auf Black Castle. Dobby hatten den Auftrag von Harry schnell ausgeführt, lediglich Felicitas lies sich entschuldigen. Severus war schneller gewesen und hatte sie in seine Kerker gerufen. Er hatte einige Tränke aufgestellt, die er nun, da er sich um Draco kümmern musste, nicht mehr hüten konnte. Harry war kurz bei ihr gewesen und von der Aktion berichtet, sie versprach ihm, gleich nachzukommen.
Nun saß Harry gähnend im Kreis seiner Freunde, nur bei dem Bericht war er etwas lebendiger, das meiste aber berichtete Natalija. Von ihm stammten dafür die Einschätzungen.
„Harry, du hast diesem Malfoy, schon wieder geholfen!", Ron ärgerte sich darüber. „Er ist und bleibt ein Todesser."
„Vielleicht", warf der alte Bibliothekar ein, „nein eigentlich ganz sicher, zahlt sich so etwas aus. Wir dürfen den jungen Mr. Malfoy nur nicht mit unserem Wissen darüber provozieren!"
„Die Idee war genial! Steinchen für Steinchen folgt dem vorher gerollten. Du musstest ja ständig daran denken, die Massen in Bewegung zu halten!"
„Wenigstens, bis sie mal anfängt, von alleine zu rollen", ergänze Luna Neville.
„Werden die Kobolde nicht sauer sein?"
„Kann schon sein", pflichtete Harry Hermine bei. „Sie haben aber auch nichts verloren. Sollten da unten Verstecke von ihnen sein, falle diese den Todessern nicht mehr in die Hände. Benötigen sie etwas ganz dringend, können sie ja mit mir sprechen, vielleicht kommen wir über die Kammer des Schreckens zu ihren Schätzen."
Er nickte den anderen müde zu. „Entschuldigt mich heute im Unterricht, ich brauch jetzt meine Ruhe."
„Nein! Ich sage Nein!" Die verärgerte Stimme von Natalija hallte durch die edlen Räume von Black Castle. „So nicht, du kannst dich doch jetzt nicht verkriechen, du musst hinstehen und allen, besonders dem Ministerium, klar machen, dass du solche Machenschaften im Verbotenen Wald nicht willst."
„Natalija!", wehrte Harry. „Sie werden wieder nichts tun, soll ich mir wegen, ein paar dummen Antworten mich mühsam wach halten?"
„Ja!", konterte diese. „Egal wie anstrengen der Einsatz, auch mental, war, du musst ihnen zeigen, dass du jetzt nicht am Ende bist. Wenn jemand dich beobachtet, der muss weiter melden, dieser Einsatz hat ihm nichts ausgemacht! Du musst durch Hogwarts schlendern, mit den Leuten sprechen. Du musst heute Morgen am Unterricht, und sogar am Frühsport teilnehmen, dann bekommst du den notwendigen Respekt und nicht als Held der sich krankgemeldet hat."
Alle sahen die zornige Vampirin überrascht an, ja sie hatte Temperament, das wussten sie. Heute war sie aber ganz besonders in Fahrt, alle Argumente von Ginny, Harry den freien Tag zu gönnen, hatte sie abgeschmettert.
Ein paar Türen auf dem Flur flogen zu und Felicitas stürmte ins Zimmer. „Dich hört man ja durch das ganze Haus."
„Gut, dass du dich auch mal aus der Giftküche hierher bemühst. Harry meint, dass er nach der Tat in Kur gehen kann, dabei muss er gerade jetzt präsent sein. Zeigen, dass das Ganze spurenlos an ihm vorübergegangen ist, an uns übrigens auch, sonst denken manche die Unterstützung bröckelt!"
„Ich habe deine Argumente, ja schon im Flur gehört!", bemerkte Felicitas beschwichtigend. „Harry was meinst du?"
„Schieb mir mal das „Hallo Wach" über den Tisch, ihre Argumente haben etwas für sich."
„Harry sieht aber total fertig aus! So kann er nicht unter die Menschen!", bemerkte Hermine besorgt.
„Sollte er aber", erwiderte Natalija bestimmt. „Ginny, du kennst dich doch mit Puder und Cremes aus, richte ihn etwas her oder er bekommt eine magische Maske. So ein Illusionszauber, wie der, mit dem ich meine Zähne verberge, würde niemand auffallen."
„Wartet bitte erst die Wirkung vom „Hallo Wach" ab", mahnte Felicitas, „dann braucht er keine Farbe im Gesicht."
Betroffen beobachteten Nanda und Severus von einem Turm aus, wie die Schüler ihren morgendlichen Sport betrieben. Ron rannte mit den Schnellsten voraus und Harry unterbrach den Dauerlauf viel zu oft mit irgendwelchen, nicht kräftezehrenden Lockerungsübungen.
„Da hilft nicht noch so viel ‚Hallo Wach'", bemerkte der Inder nachdenklich, das ist eine fußkranke Truppe."
„Gerne würde ich noch faul und bequem hinzufügen." Nanda grinste Severus Snape an. Ihm konnte niemand etwas vor machen, weder in seinen Fachgebiet, in der Schwarzen Magie oder im täglichen Training. Er war eben topfit, wie seine Kollegen aus der Einheit. Er hatte ihn vor Wochen eingeladen und er nahm täglich am Training der Einheit teil, das fehlte Harry und dem Rest.
„Sie werden es nicht gern hören", bemerkte Nanda nachdenklich, „aber jede Verzögerung könnte Leben kosten."
