Disclaimer: Die Charaktere und das Universum gehören mir nicht – ich will sie nicht, es reicht meine Fantasie daran auszuleben – Danke JKR!

Dank: Vielen Dank an meine Beta Nici Cavanaugh. Sie hat wieder einmal quasi „über Nacht" gearbeitet. Ich habe sie verloren und quasi wieder gefunden und freue mich über nichts mehr als das! Danke Nici!

Anmerkungen: Ich habe euch versprochen es wird irgendwann weitergehen mit der Geschichte, auch wenn es tatsächlich 8 Monate gedauert hat wieder einen „Stift" zur Hand zu nehmen. Falls auch nur noch ein oder zwei Leser übrig geblieben sind, so widme ich dieses Kapitel euch und eurer Geduld, danke dass ihr noch dabei seid und gebt mal ein kurzes Lebenszeichen von euch und Feedback ob ich's noch kann oder ob ich den Stift nicht lieber wieder ganz weit weg schleudern sollte. :-)

Kapitel 14 – Das blonde Mädchen

Hermine war fest entschlossen auch heute Mittag die große Halle zu meiden und den Lunch auszulassen. Sie packte eifrig ihre Sachen zusammen und wollte gerade das Klassenzimmer für Verwandlungen verlassen, als Professor McGonagall sie zu sich rief

Durch ihre runden Brillengläser musterte die ältere Professorin Hermine streng, und es dauerte einige Sekunden, bis sie schließlich das Wort an sie richtete.

„Ihr Stundenplan, Miss Granger. Professor Snape hat mich informiert, dass Sie ihn am ersten Abend des neuen Schuljahrs nicht erhalten haben."

Hermine nickte eifrig und streckte dankbar ihre Hand nach dem von ihr den ganzen Tag herbei gesehnten Stück Pergament aus.
Sie hatte den Vormittag damit verbracht sich durchzufragen, wo welche Kurse um welche Uhrzeit stattfanden. Das war nicht so leicht und ziemlich nervenaufreibend in einem riesigen Schloss wie Hogwarts, welches Poltergeister wie Pieves beherbergte, für die es keinen größeren Spaß geben konnte als falsche Hinweise an Erstklässler und Schüler wie Hermine auszustreuen und damit zu irritieren und Chaos in den Klassen auszulösen.

Als sie den Stundenplan ergriff, entging Hermine nicht Professor McGonagalls Blick, der ihren Ringfinger streifte und die erstarrte Schlange daran prüfend begutachtete.

Hermine spürte Wärme ihre Wangen hinauf kriechen, wie schon den ganzen Tag, wenn sie an die Ereignisse des Morgens dachte, oder selbst den mystischen Ring betrachtete.
Schnell zog sie die Hand zurück und verstaute den Plan so umständlich wie möglich, den Blick stur auf den Boden gerichtet, in ihrem Ranzen.

"Auf Wiedersehen", murmelte Hermine zwischen halb geschlossenen Lippen hervor und wollte sich gerade zum Gehen wenden, als McGonagall einhakte.

"Wieso begleiten Sie mich nicht zum Speisesaal, Miss Granger."

Hermines Kopf arbeitete schnell um nach einer Ausrede zu suchen, doch sie wusste nichts Einfallsreicheres zu sagen als „Ich habe keinen Hunger, Professor McGonagall, und ich wollte eigentlich schon einige Hausaufgaben machen. Arithmantik war heute sehr anstrengend und ..."

"Papperlapapp", schnappte die Hauslehrerin sie mitten in ihrem Satz an.
„Sie werden essen!" Mit bestimmendem Blick fuhr sie fort: "Professor Snape hat mir gegenüber verlauten lassen, dass Sie des Öfteren in den letzten Wochen Mahlzeiten ausgelassen haben. Wir wissen alle, Miss Granger, dass es momentan schwer für Sie ist. Doch wir brauchen Sie bei Kräften in Zeiten und vor allem bei Herausforderungen wie diesen. Sie helfen Professor Snape nicht, wenn Sie in typischer Teenage-Mädchen Manie anfangen Nahrung zu verweigern und sich selbst erst recht nicht."

Hermine starrte ihre Hauslehrerin entsetzt an, während sie wie motorisch gesteuert anfing ihr aus der Tür hinaus Richtung Speisesaal zu folgen. Ihr Kopf brauchte einen Moment um alle soeben erhaltenen Informationen zu filtern.

- Professor Snape erzählt Professor McGonagall, dass ich nicht esse?
- Woher weiß er, wann und wie viel ich esse?
- Herausforderungen wie diese?
WAS WEISS SIE?
- TEENAGE-MÄDCHEN MANIE? Mein Name ist doch nicht Lavender!

In Hermines Kopf schrieen Fragen, und noch lauter schrieen Protest, Scham und Empörung um die Wette. Doch die Kombination aus alledem machte sie so stumm wie die in Hogwarts so bekannte Alleswisserin Hermine Granger wohl schon lange nicht mehr gesehen worden war.

Und bevor sie noch die richtigen Worte gefunden hatte um McGonagall aufzuklären, dass sie keine nahrungsverweigernde Zimtzicke mit Pubertätsproblemen wie Liebeskummer war und Professor Snape keine Probleme machen wollte, waren sie auch schon im Speisesaal angekommen.

Bevor Hermine noch fragen konnte, was Professor McGonagall alles wusste, saß sie schon auf ihrem Platz am Gryffindortisch vor den vielen goldenen Tellern und Schüsseln, die sich wie von Zauberhand mit Leckerein füllten.

Und bevor sie noch eine Antwort darauf gefunden hatte, WAS Snape genau zu McGonagall gesagt hatte, schaufelte sie sich schon abwesend etwas Huhn und Reis auf den Teller, überhaupt nicht wahrnehmend, dass Ron und Harry sie wie unabsichtlich nicht beachteten.

So bekam sie natürlich auch nicht mit, wie Minerva McGonagall, Dumbledore in einer jugendlichen Art wie man sie so gut wie nie bei ihr beobachten konnte, zuzwinkerte.
Es war ein Zwinkern das besagte ‚Auftrag ausgefüllt – das Mädchen isst und ist abgelenkt.'

-o-

Am nächsten Morgen versuchte Hermine erst gar nicht der Großen Halle aus dem Weg zu gehen. Sie war den Abend zuvor früh ins Bett gegangen und obwohl sie gedacht hatte, ihre vielen, herumwirbelnden Gedanken würden sie nie zur Ruhe kommen lassen, war sie eingeschlafen, kaum hatte ihr wilder Lockenkopf das Kissen berührt.
Demnach war sie auch früh aufgewacht und hatte die morgendliche Ruhe im Schloss genutzt um noch vor dem größten Andrang, und vor allem vor dem Gryffindor-DUO, wie sie bitter bei sich dachte, in der Großen Halle ein paar Bissen zu sich zu nehmen.

Nun saß sie mit einem halbwegs umfangreichen Frühstück im Bauch im Unterricht und hob ausnahmsweise nicht bei jeder von Professor Flitwick gestellten Fragen die Hand; sie war viel zu abgelenkt und in sich selbst gekehrt.
Seit dem Überfall in ihrem Elternhaus schon, war ihr Durst nach Lernen etwas in den Hintergrund gerückt, doch seit gestern schien endgültig jeder Funken Konzentration aus ihr gewichen zu sein.
Das brachte Hermine aus dem Konzept, denn diese Situation kannte sie nicht und sie wusste auch nicht recht damit umzugehen. Um sich dazu zu zwingen, dem Unterricht, der sich gerade mit dem schwarzen Kobolddonnerstag im Jahre 1689 beschäftigte, weiter zu folgen, brachte sie schließlich mit einem Wink ihres Zauberstabes ihre magische Feder, die wie von selbst alles Gesagte mitstenographierte, zum Stillstand und beugte sich selbst über das Pergament. So verbrachte sie die Zeit und kratzte Buchstabe für Buchstabe mit einem Muggelbleistift auf die braune Papierrolle, was der Lehrer während der Stunde von sich gab, ohne auch nur zu merken, was sie da eigentlich die ganze Zeit niederschrieb.

Nach dieser Manier zog sich Vormittags-, wie auch Nachmittagsunterricht wie abgekauter Kaugummi in die Länge. Sie wechselte kaum ein Wort mit irgend jemanden, wurde auch selbst nicht sonderlich beachtet und war nach ein paar zu sich genommenen Bissen zum Mittagessen auch schnell wieder aus der großen Halle verschwunden.
Schließlich, nach schier unendlich langer Zeit war es endlich soweit, dass Hermine noch ein letztes Mal ihre Schuluniform zurechtrückte und die Tür ihres Zimmers öffnete, um sich pünktlich auf den Weg in die Kerker zu ihrem ersten, vereinbarten Treffen mit ihrem Verlobten zu machen.

Kaum hatte sie den Passwort-Zauber über ihre geschlossene Zimmertür gelegt, kam plötzlich ein zierliches, weißblondes Mädchen um die Ecke gelaufen.
Es war dasselbe Mädchen, das noch vor zwei Tagen abends weinend von Malfoys Räumen weggelaufen war, schoss es Hermine ins Gedächtnis.

Was bist du nur für eine Schulsprecherin, sogar das arme Mädchen hast du über deinen eigenen Firlefanz vergessen – dabei solltest du für die Schüler da sein
, schalt sie sich.

Sofort waren die Sorgen und die Wut wieder da, die sie Sonntagnacht verspürte, als sie die Kleine so bitterlich weinen gesehen hatte. Was Hermine allerdings wunderte, war, dass sich das blonde Mädchen erneut zielstrebig auf Malfoys Tür zu bewegte.

Das durfte Hermine nicht zulassen. Sie kannte das Mädchen zwar nicht, aber sie hatte genug Erfahrung mit diesem widerlichen Frettchen Malfoy, um zu wissen, dass er ungesund für seine Umwelt war. Sie musste einfach eingreifen...

„Hallo", sagte Hermine vorsichtig, als die Blonde bei Malfoys Tür angekommen, die Hand schon zum Klopfen erhoben hatte.

Das Mädchen drehte erschrocken den Kopf, scheinbar hatte sie Hermine bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht bemerkt gehabt.
Ihre Augen waren rot umrandet und geschwollen, man merkte ihnen und dem blassen Gesicht des Mädchens gut an, dass sie geweint hatte. Ihre Züge verwandelten sich jedoch sofort in eine abwesende Maske, als sie bemerkte wer sie da angesprochen hatte.

„Hallo" antwortete sie nicht sehr freundlich, doch mit so einer jugendlichen und unschuldigen Piepsstimme, dass man es ihr nicht übel nahm. Sie wollte sich nicht weiter stören lassen und wandte sich ab, doch Hermine unterbrach sie erneut.

„Ich möchte dich nicht belästigen, aber wenn ich dir irgendwie helfen kann, tue ich das gerne", sagte sie. „Ich weiß, ich war bei der Verkündung nicht anwesend, aber ich bin Schulsprecherin und ich bin gerne für alle Schüler da, die Probleme oder Sorgen haben."

„Danke", krächzte das Mädchen. Man hörte ihrem gepressten Tonfall an, wie sie sich zusammennehmen musste, um neue Tränen zurückzuhalten.

Malfoy muss ihr wirklich übel mitgespielt haben, dachte Hermine voller Mitleid und trat mit der besorgten Miene einer großen Schwester einen Schritt näher an das Mädchen heran.

„Danke", wiederholte das Mädchen noch mal, „aber ich komme schon zurecht. Ich möchte zu Draco, er ist auch Schulsprecher."

Hermine trat entschlossen zwischen die Tür und das blonde Mädchen.
„Hat er dir etwas angetan? War er gemein zu dir? Erpresst, oder beschimpft er dich? Wieso gehst du zu ihm zurück, nachdem du das letzte Mal weinend fortgelaufen bist?"
Sie sah das Mädchen eindringlich an. „Ich weiß wie gemein Slytherins und speziell die Gang rund um Malfoy sein können, aber du darfst dich nicht unter Druck setzen lassen, du darfst dich nicht beschimpfen oder erpressen lassen. Ich kann dir helfen ..."

In diesem Moment ging die Tür in Hermines Rücken auf und sie ahnte Unheil, als sie Malfoys kaltschnäuzige Stimme hinter sich hörte.
„Granger, dürfte ich erfahren was du vor meinem Zimmer machst."

Hermine trat einen Schritt zurück und drehte sich zur Tür, sodass sie nicht nur in die kalten, grauen Augen von Draco Malfoy starrte, sondern auch mit ihrem Körper das kleinere und schmalere blonde Mädchen abschirmte. Du wirst ihr nichts tun, du Feigling. Immer auf die Kleineren, das hättest du wohl gerne, dachte sie entschlossen.

„Ich halte dieses Mädchen von einem großen Fehler ab", sagte sie herablassend.

Draco wirkte leicht irritiert, seine Augen suchten die nähere Umgebung ab und erst da bemerkte er das verstörte Mädchen hinter Hermine.
Irgendetwas in seinem Blick veränderte sich, seine Augen schmolzen zu halboffenen Schlitzen und seine Stimme war wesentlich schärfer als zuvor.

"Rein mit dir", zischte er dem weißblondem Mädchen mit den rotunterlaufenen, wasserblauen Augen scharf zu. Erst dann wandte er sich wieder an Hermine.
"Ich rate dir, Granger" - sein Ton war so gehässig, dass man hätte Gänsehaut bekommen können, wenn man nicht so wie Hermine seine Verabscheuung und seinen Hass schon jahrelang gewohnt gewesen wäre - „halte dich aus meinen Angelegenheiten heraus, sonst blüht dir etwas."

Hermine merkte wie ihre Hände leicht zitterten, ob vor Wut, oder ob doch etwas Angst dabei war, konnte sie in diesem Moment nicht sagen.
Sie lehnte sich nach vorn und flüsterte, so leise, dass es das blonde Mädchen, das gerade hinter Draco mit gesenktem Kopf in sein Zimmer schlüpfte, aller Wahrscheinlichkeit nach nicht mehr hören konnte.
„Ich warne dich, du mieses Frettchen. Lass das Mädchen in Ruhe. Ich habe sie schon vorgestern weinend und schluchzend hier gesehen. Ich melde dich dem Schulleiter, du mieser Typ. Du wirst dich hier nicht an Jüngeren vergreifen. Ich will gar nicht wissen, was du mit ihr machst – Lass.Sie.Sofort.Gehen!" Die letzten Worte betonte sie drohend langsam.

„Verzieh dich, Schlammblut", spuckte Draco ihr als einzige Antwort entgegen.

„Sag das noch einmal, du inzuchtgeschädigte Reinblutdegeneration", fauchte Hermine in einer ihr unbekannten Emotion zurück.
Es schien so als hätte sie sich nicht mehr so unter Kontrolle wie früher. Ihre Nerven waren nach den Geschehnissen der letzten Wochen einfach nicht mehr so belastbar wie sonst, und eine tief schlummernde Aggression in ihr schien lauernd zu erwachen und es nur darauf anzulegen, es diesem Typen wieder einmal zu zeigen. Es wäre nicht das erste Mal, dass du dir ein paar gesunde Muggelohrfeigen von mir fängst, knurrte sie in ihren Gedanken.

Bevor die Situation jedoch weiter eskalieren konnte, hörte Hermine etwas hinter sich, dass ihre ganze Wut zum Verrauchen und ihre ganze Welt zum Beben brachte.

„Miss Granger, Mister Malfoy. Dürfte ich gnädigst erfahren, was hier vorgeht?"
Seine Stimme war warm wie Samt und doch kühl wie Metall. Sie war so leicht wie eine Feder und traf doch so präzise wie eine Peitsche.

Hermine brauchte sich nicht umdrehen, um Snapes Augen auf sich zu spüren. Und selbst wenn sie seine Stimme nicht erkannt hätte … das abscheulich breite Grinsen, das sich auf Malfoys Gesicht ausbreitete, sagte alles.

Der dunkle Zaubertränke war aufgetanzt um seinen Lieblingszögling zu beschützen, ätzte eine fiese Stimme in ihr.
Vielleicht beschützt er doch auch seine Verlobte, sagte eine andere, leise Stimme in Hermines Kopf, doch sie ging in dem sarkastischen Gelächter der anderen unter.

"Professor Snape", sagte Draco höflich, während Hermine noch immer zu ihm nach vor gelehnt dastand und sich keinen Millimeter rührte, rühren konnte, so gespannt fühlte sie sich.

Sie war sich nicht sicher, was sie fühlen sollte. Sollte sie beschämt sein am zweiten, offiziellen Tag als Schulsprecherin schon in einen Streit mit dem zweiten Schulsprecher erwischt zu werden, mit dem sie laut Schulordnung partnerschaftlich und demokratisch zusammenarbeiten sollte?
Sollte sie sich in einer misslichen Lage von dem Mann ertappt fühlen, dessen Nähe sie schon den ganzen Tag gemieden hatte und zu dem es sie doch hinzog um Antworten zu bekommen, Verständnis zu suchen, sich Unsicherheiten zu stellen?
Oder sollte ihr das alles hier vielleicht überhaupt nicht unangenehm sein, weil alle Schuld bei Malfoy lag, auch wenn es sicherlich so gut wie unmöglich war, dass diesen Fakt gerade das Oberhaupt des Hauses Slytherins interessierte?

Kurz schoss ihr die Prophezeiung durch den Kopf, ging durch ihre Gedanken, dass auch sie angeblich für Slytherin sein sollte ... das Gift hinweg spülen. Welches Gift wohl wirklich gemeint war? Doch dann schüttelte sie entschlossen den Kopf , straffte die Schultern und drehte sich, sich für die letzte Variante entscheidend, um, um Professor Snape in die Augen zu blicken.

Es war als drücke es ihr alle Luft aus den Lungen, als er vor ihr stand und mit diesen Augen, schwarz in schwarz, auf sie herabblickte.
Ihr war als würde ihr Ringfinger brennen, als spürte sie seinen Ring noch deutlicher als ohnehin schon den ganzen Tag zuvor. Doch sie brauchte nur Sekunden, um das alles zu verdrängen und ihre Stimme in halbwegs festem Ton zu erheben.

„Professor Snape", versuchte sie so sachlich wie möglich anzufangen, „ich habe wiederholt gesehen wie ein junges Mädchen - es dürfte sich um eine Erstklässlerin handeln - mit hängenden Schultern und eingezogenem Kopf zu Draco Malfoys Zimmer geschlichen ist. Sie weint oder hat Angst, und da ich weiß wie ..." - sie warf einen Blick in Malfoys kaltgraue Augen - „einige Slyth... äh" - sie musste sich korrigieren - „Schüler so sind, wollte ich dem nachgehen. Ich glaube, er erpresst das Mädchen oder tut ihr sonst etwas an."

Wieder stieg dieses leichte Übelkeitsgefühl in Hermine hoch. Sie wollte ehrlich gesagt gar nicht wissen, was so alles in Malfoy steckte. Ihm war wirklich nur das Schlimmste zuzutrauen.

Snapes Gesichtszüge wirkten maskenhaft und man konnte nicht erkennen, was er von ihrem Vortrag gehalten hatte. Sein Blick wandte sich kommentarlos ab und schwenkte zu Draco. Hermine konnte sich nicht erklären wieso sie sich auf einmal so leer fühlte, wo sie das samtene Schwarz seiner Augen nicht mehr im Visier hatte

„Sir", sagte Draco wie auf einen stummen Befehl reagierend, „Granger spinnt."

Wer genau hinhörte, konnte Hermines Zähneknirschen hören, doch sie war trotz ihres in letzter Zeit zu Ausfällen neigenden Temperaments zu klug, um nun eine Bemerkung fallen zu lassen.

Es war neuerlich Snape, der barsch die Stille unterbrach.
„Zabini", bellte er ungeduldig, „rauskommen."

Hermine wirbelte herum. Blaise war auch da? Wie hatte sie das übersehen können? Noch schlimmer für die arme Kleine, echote es in ihrem Kopf.

Doch statt Blaise Zabini, trat das blonde Mädchen aus dem Zimmer. Ihre Augen waren noch geröteter als zuvor und dicke Tränen bahnten sich einen Weg über ihre runden, jungen Wangen.

„Können Sie mir die Situation vielleicht erklären", kam es gedehnt und etwas ungeduldig von Severus Snape, und Hermine war fast verwundert, dass er nicht ganz ohne Nachfragen zu Malfoys Gunsten entschied.
Langsam dämmerte ihr auch, woher ihr das Mädchen bekannt vorkam. Bei der Eröffnungszeremonie des Hutes war sie als letztes aufgerufen worden. Ziakon Zabini, eine SLYTHERIN, Hermine wollte sich am liebsten selbst ohrfeigen.

Das blonde Mädchen schien einige Momente zu brauchen, um seine Stimme wieder zu finden, dann stotterte sie leise, sodass man sich anstrengen musste, sie zu verstehen, „Es war wieder so ein", sie pausierte und ein neuer Tränenschwarm quoll aus ihren Augen, „...Vorfall, Sir. Ich wollte mit Draco reden und dieses Mädchen", sie zeigte auf Hermine, die anfing sich unwohl in ihrer Haut zu fühlen, „wollte mich nicht zu ihm lassen und redete davon, dass er mir etwas antun könnte."

Einen Moment lang herrschte völlige Stille im Schulsprecherkorridor, und danach hörte man am lautesten das entsetzte Stöhnen der Gryffindors aus der Großen Halle, als mit lautem Geklimper fünfundzwanzig Kristalle aus dem Uhrglas mit dem Wappen des Löwen fielen.

"Und noch einmal zehn Punkte Abzug für das Versäumen unseres Termins in meinen Büro", donnerte Snapes Stimme durch den Gang.

Hermine wusste nicht, wo sie hinschauen sollte. In das erzürnte Gesicht von Severus Snape, in die schadenfrohe Visage von Draco Malfoy oder in das tränenbefleckte Antlitz von Ziakon Zabini, die bei genauerer Betrachtung mehr Angst vor Hermine als vor Draco zu haben schien.

Ich glaube, ich werde verrückt, murmelte Hermine in sich hinein. Das darf doch alles bei Merlin gar nicht wahr sein.

"Ich erwarte Sie in fünfunddreißig Minuten in meinem Büro, Miss Granger. Dann ist es Schlag neunzehn Uhr, und ich denke eine gute Stunde Verspätung dürfte genug Spielraum für eine Retterin aus Leidenschaft und hochgelobte Gryffindor sein", zerbiss Snape die eiserne Stille mit scharfen Ton. „Und Sie, Miss Zabini", wandte er sich an das blonde Mädchen, „kommen erst einmal mit mir mit und erzählen mit von dem erwähnten Vorfall."

Mit diesen Worten wandte er sich mit wehender Robe von der kleinen Schülergruppe ab und entfernte sich schnell in Richtung Treppe. Die kleine Zabini stolperte ihm mehr schlecht als Recht hinterher.

Hermine fand sich nun mit Malfoy allein im Korridor vor und wusste nicht, was sie tun sollte. Sie wollte sich einfach abwenden und bis zum verabredeten Zeitpunkt in ihr Zimmer zurückkehren. Sie konnte weder Malfoy noch sonst irgendjemanden im Moment ins Gesicht schauen. Nicht nur, dass sie sich ungerecht behandelt fühlte, sich für ihren Irrtum schämte und sich über Snape ärgerte, der sie trotz seiner neuen Rolle ihr Gegenüber so bloß gestellt hatte, sie war auch verwirrt und verstand nicht ganz, was hier gerade vorgefallen war.
Sie wollte ihre Gedanken aufarbeiten.

Doch als sie sich grußlos abwendete und den Passwortzauber von ihrer Zimmertür entfernen wollte, spürte sie zwei große Hände von hinten kommend ihre Handgelenke umklammern, sodass ihr vor Schreck der Zauberstab aus der Hand fiel.
Die schrecklichen Bilder von dem Tag des Überfalls kamen ihr in Erinnerung und in ihrem Kopf schrillte eine Alarmglocke, als sie jemand mit Gewalt umdrehte und mit soviel Schwung gegen die Wand presste, dass ihr Kopf gegen das harte Mauerwerk schlug.

Schmerzenstränen brannten in ihren Augen, doch Hermine bemühte sich krampfhaft ihr Blickfeld wieder in den Fokus zu bekommen.
Schließlich, als es ihr gelang, sah sie in Dracos hassverzerrtes Gesicht.

„Hat das miese Schlammblut nicht erreicht was es wollte?", höhnte seine Stimme. „Ich hatte eigentlich nicht vorgehabt, jemanden zu belästigen, aber wenn es mir schon unterstellt wird, vielleicht sollte ich meinen Ruf dann nachkommen."

Er lehnte sich ganz langsam zu ihr nach vorne bis sie seinen widerlichen Atem am Schlüsselbein spüren konnte. Sie versuchte, sich nicht zu wehren, sie war wie gelähmt. In ihrem Kopf spielten sich die Albträume vom Überfall wieder und wieder in einer Endlosschleife ab – sie sah erneut die Todesser in den schwarzen Roben, ihre Mutter wimmernd am Boden, sie spürte wie der Stoff ihres Rockes über ihren Beinen zerbarst und sie eiskalte Hände am Boden festhielten.
Hermine war nicht fähig zu schreien oder sich zu wehren, sie war gefangen in ihrem eigenen Trauma, in ihrem Horror, welcher der realen Welt entsagte, und sie spürte nur wie in Trance, wie seine Hände sich anfingen zu bewegen, wie sie zuerst ihre Wange anfassten, dann über ihre Schultern glitten und schließlich wieder zurück zu den Handgelenken fanden und über Hermines Finger strichen.
Doch als dies geschah, passierte etwas sehr Seltsames.

Der platinfarbene Schlangenring wurde brennend heiß und plötzlich ging eine grüne Eruption von ihm aus, mit einer Kraft, so groß, dass sie Draco an das andere Ende des Korridors und damit von Hermine fortschleuderte.

Die Bilder, die Hermines Augen verschleiert hatten, verzogen sich rasch und sie starrte nun beinahe perplex auf den Ring an ihrer Hand. Was war das gewesen?
Der Schreck über Malfoys Annäherungsversuch, genauso wie über diese kleine wellenartige Explosion aus dem Nichts heraus, lies sie so geschockt sein, dass sie den Moment verpasste vor Malfoy zu fliehen. Denn dieser hatte sich schon wieder aufgerappelt und stakste nun wütend auf sie zu.

„Was zum Teufel …?", schnaubte er wütend, als sein Blick dorthin fiel, wo auch Hermines ruhte – auf den Ring.
Der Satz blieb ihm im Halse stecken, und als Hermine endlich aufsah, erblickte sie nur noch, wie er drei Schritte zurücktrat, die Hände erhoben als hätte er sich eben verbrannt.

"Es tut mir Leid", stotterte er, den Blick nicht von der erstarrten Schlange wendend, „es tut mir Leid, was eben vorgefallen ist. I-ich, ich wollte dich doch nur erschrecken, weil du so einen Blödsinn gedacht hast. E-es, äh", er räusperte sich, „es wird nicht mehr vorkommen." Seine Stimme war plötzlich gar nicht mehr tief und bedrohlich, eher quäkend und verängstigt.

Er wandte sich von ihr ab und stürzte blitzschnell in sein Zimmer, dessen Tür noch immer offengestanden hatte. Ein Rumms und ein Knall änderten diesen Zustand. Hermine stand nun wieder alleine in dem verlassenen Flur und verstand die Welt nicht mehr.

Wie gerne wäre sie in ihr Zimmer gegangen und hätte nachgedacht. Über falsche Verdächtigungen, die Albträume des Überfalls, den ängstlichen Blick, den ihr das blonde Mädchen zugeworfen hatte, Snapes gewaltigen Punkteabzug, die Eruption des Ringes und über Malfoys widerliche Berührungen.
Doch sie musste in den Kerker ... Wie ein Roboter setzte sie sich motorisch in Bewegung - sie wollte nicht schon wieder zu spät kommen. Als sie am Ende des Korridors angekommen war, stoppte sie, um sich kurz gegen die Wand zu lehnen.

Nur kurz von dem Schock eben erholen, murmelte sie mit zitternden Gliedern, aber kaum war der Gedanke fertig in ihrem Kopf formuliert, begannen ihr die Tränen in die Augen zu schießen.
Es war einfach alles zu viel, zu viel, viel zu viel in den letzten Wochen.
Sie ließ sich auf die erste Stufe der Treppe sinken und gab ihren Tränen freien Lauf. Sie wollte nur unter die Dusche und sich waschen. Sie wollte die Bilder, seine Finger und ihre Tränen wegwaschen. Aber sie würde nie aufhören, sich schmutzig zu fühlen - sie hatte es nach dem Überfall schon versucht.
Und der einzige Mensch, von dem sie sich halbwegs verstanden und bei dem sie sich halbwegs beschützt fühlte, saß in den Kerkern und verachtete sie.

to be continued …