A/N: Okay, so hier ist der zweite Teil;) Ich weiß nicht, wann ich wieder zum Schreiben komme, Klausurenphase steht an und ich weiß nicht, ob ich vor August, wieder genug Zeit habe, um mehr als die englische Übersetzung zu schaffen.

Vielen Dank an Mel, für die stetigen Reviews, danke, dass du dich trotz Schlafdeprivation gemeldet hast;) (und mich wegen Wickham beruhigt hast;)

Kurze Anmerkung: Lizzie ist ein bisschen heiß/kalt in diesem Kapitel, bitte hasst sie nicht dafür, was sie mit Darcy anstellt, sie macht es nicht, um ihn wirklich zu verletzen, es ist mehr so ein Kontrollsache...

und ach ja... Darcy hat jede Menge schmutziger Gedanken in diesem Kapitel... Ich hab sie nicht ausgeschrieben, weil sie selbst mich zum Erröten bringen, aber ja... vielleicht kriegt ihr sie ja;)

Soundtrack: ALLES von My Chemical Romance;)

Disclaimer: Wenn mir P&P gehören würde, dann hätte Charlie deutlich mehr Rückgrat;)


Kapitel 14: Vom Regen und Ertrinken

Es regnete wie bei der gottverdammten Sintflut, als sie schließlich Jane's und Charlie's Appartementkomplex erreichten.

„Ich glaub, ich hab noch einen Regenschirm irgendwo im Auto herumliegen", meinte Darcy und begann hinter seinem Sitz nachzusehen.

„Sei nicht so ein Weichei, Darcy!", rief Lizzie aus, nicht im Traum daran denkend, tatsächlich auf so etwas banales wie einen Regenschirm zu warten. „Oder haben die Aliens dich auf Zuckerbasis gezüchtet?" Die vergangenen halbe Stunde, in der sie den Professor dazu gezwungen hatte, sich das komplette Danger-Days-Album anzuhören, hatte ihrer Stimmung, trotz der jammernden Kommentare seitens des Fahrers, mehr als gutgetan.

„Nett", erwiderte der Professor, doch seine folgenden Worte wurden vom Knallen der Beifahrertür übertönt, als Lizzie kurzerhand ausstieg.

„Miss Bennet!", rief er, doch Lizzie marschierte einfach mit weit ausgebreiteten Armen durch den Regen, ihr Gesicht gen Himmel gerichtet und strahlte.

„Miss Bennet!" Sie hörte das Knallen der anderen Autotür und dann war er neben mir, eine Hand über seinen Kopf gehalten, während der Regen von seinen Lippen perlte.

„Es regnet!" Sie strahlte, ein atemberaubendes, unglaublich glückliches Lachen. „Guck es regnet!"

„Ich sehe es", knurrte Darcy und sah zweifelnd zum Himmel, der nun seine Schleusen geöffnet hatte, doch Lizzie lachte bloß und begann sich im Kreis zu drehen, ihre nassen Haare ein dunkler Wirbel um ihren Kopf.

„Komm!", rief sie. „Das macht Spaß!" Sie zog ihre Schuhe aus und planschte mit bloßen Füßen durch die tiefen Pfützen, die zu beider Seiten der Straße entstanden. „Sieh!" Sie kickte eine Ladung Wasser in seine Richtung, lachte wie eine verdammte Verrückte, als er halb zurück wich und begann eine neue Serie von Pirouetten.

„Miss Bennet, es ist kalt", begann Darcy von neuem. „Es regnet, Sie sind klitschnass und Sie haben gerade Blut gespendet."

„Danke für die Info, Darcy!", rief Lizzie über ihre Schulter hinweg, während sie durch eine weitere Reihe von Pfützen planschte.

„Miss Bennet, was soll das?" Er hatte das provisorische Dach mittlerweile aufgegeben und verschränkte nun die Arme vor der Brust in Missbilligung.

„Es regnet", erwiderte Lizzie fröhlich, als wäre es eine Art von Erklärung.

„Das hab ich begriffen", versetzte Darcy. „Die Frage ist eher, was genau tun Sie inmitten des Regens?"

„Tanzen." Sie lachte. „Es regnet, Darcy."

„Es regnet an durchschnittlich 145 Tagen im Jahr in dieser Stadt", gab Darcy zurück, seine Augen fixiert auf Lizzie's lachendes Gesicht.

„Oh, hallo Wikipedia!", rief sie aus und winkte. „Ich hab dich gar nicht erkannt, alter Freund!"

„Roboter, Aliens und jetzt Internetseiten?", fragte Darcy und schüttelte leicht den Kopf. „Finde den Fehler in dieser Aufstellung", fügte er murmelnd hinzu und wischte sich entnervt die Regentropfen vom Gesicht.

Ein Lachen. „Ich fass es nicht, dass du Wikipedia auswendig gelernt hast, Darcy."

„Wer sagt, dass ich die Infos aus einer Online-Enzyklopädie gezogen habe", erwiderte er trocken. „Schon einmal etwas von Reiseführern gehört, Miss Bennet?"

„Du vergleichst dich mit einem Reiseführer?"
Darcy stöhnte, doch Lizzie lachte bloß. „Selbsterkenntnis ist eine Tugend, Professor!", rief sie, bevor sie durch eine weitere Ansammlung von Pfützen lief. Gott sei Dank war diese Straße so gut wie ausgestorben, doch die rigide Haltung des Professors und sein missbilligender Gesichtsausdruck ging auch ihrer guten Laune irgendwann auf den Keks.

Sie drehte sich zu ihm um. „Darcy!" Er sah auf. Sie kam näher. „Hast du schon mal im Regen getanzt?"

„Ich tanze nicht sonderlich häufig."

Sie verdrehte die Augen. „Ja, das war mir klar", erwiderte sie. „Aber wir reden hier über einen Tanz im Regen, nicht den Walzer beim Debütantinnenball."

„Warum nehmen Sie an, dass ich Erfahrungen mit Debütantinnenbällen besitze?"

Lizzie zog eine Augenbraue hoch und sah ihn fragend an.

„Na gut, hab ich", gab er grummelnd zu und stemmte seufzend die Hände in die Seite. „Was hat das mit dem zu tun, was Sie hier anstellen?"

„Entspann dich", forderte sie ihn auf. „Werd locker, das hier ist keine Pinguin-Veranstaltung. Das hier soll Spaß machen, Darcy. Du kennst das Wort doch, oder?"

„Was genau soll an einem Tanz im strömenden Regen Spaß machen?", fragte Darcy sie ein wenig verwirrt. „Es ist nass und kalt und – Ihre Lippen sind blau."

„Meine Lippen sind blau." Sie grinste. „Guter Themenwechsel, Darcy." Sie begann von einem Bein auf's andere zu hüpfen, Plitsch Platsch durch die Pfützen und die Bewegung und der dichte Regen ließen ihr Sichtfeld ein wenig verschwimmen.

„Das war kein Themenwechsel!", rief Darcy aus. „Ihre Lippen sind blau und ihre Füße-"

„Sind rot?" Sie grinste. „Wow, Darcy, an dir ist wirklich ein Poet verloren gegangen. Deine Lippen sind so blau und deine Füße so roooot, Ach ich glaub' ich bin gleich toooot!"

„Nein, Sie sind barfuß, Miss Bennet!" Er klang regelrecht verzweifelt. „Und sie hüpfen in der Mitte einer öffentlichen Straße umher, wo Gott weiß was herumliegen könnte."

„Ja und dir könnte gleich ein Ziegel auf den Kopf fallen", gab sie zurück. „Nicht dass mir das etwas ausmachen würde, also entspann dich." Sie drehte eine Pirouette.

„Es regnet", erwiderte er trocken und sie hielt inne.

„Oh mein Gott, er hat's kapiert!", rief sie aufgeregt aus und schlug die Hand vor den Mund. „Dann komm!" Sie streckte beide Hände aus, wie um ihn zum Tanzen aufzufordern, zog sie jedoch zurück, bevor er sie ergreifen konnte und tanzte den Bordstein herunter.

„Es regnet, es regnet, die Erde wird nass! Mach mich nicht nass, mach mich nicht-" Weiter kam sie nicht, denn in dem Moment wurde ihr von hinten ein übergroßer, dunkler Mantel übergestülpt und ehe sie es sich versah, hatte man sie umgedreht und sie machte Blickkontakt mit Darcy's, dunklen, brodelnden Tiefen.

Ihr Atem ging schneller, flacher, hektischer.
„Keine Panik", versuchte er sie zu beruhigen. „Sehen Sie? Ich fass sie nicht an, okay?" Er deutete auf seine Hände, die den Mantel festhielten, sie festhielten, aber keinen Körperkontakt machten.

„Atmen", forderte er sie auf und sie nickte, pumpte Sauerstoff in ihre Blutbahnen. „Alles ist gut." Auch er atmete auf, als sie sich schließlich ein wenig entspannte.

„Wir gehen jetzt hinein", informierte er sie. „Ganz egal wie viel Spaß Ihnen ihre Regentänze machen, Spielzeit ist jetzt vorbei und wir gehen jetzt hinein, verstanden?"

Ein trotziger Ausdruck zog über ihr Gesicht und sie öffnete den Mund, um zu protestieren, doch eine einzige, hochgezogene Augenbraue von Darcy brachte sie zum Schweigen.

„Dann nimm wenigstens dein Monstrum von Jacke wieder zurück", verlangte sie bissig und händigte ihm das Kleidungsstück mit spitzen Fingern aus, bevor sie barfuß in Richtung Eingang stakste.

Der Professor seufzte und hob auch noch ihre Schuhe auf, die wie vergessen am Straßenrand lagen und folgte ihr ins Haus.

„Sagen Sie... Diese Berührungssache... beschränkt die sich nur auf ihre Handgelenke oder auf ihren gesamten Körper?", fragte Darcy als sie zwei Minuten später zusammen im Auszug standen. Auf gegenüberliegenden Seiten natürlich.

Die verspiegelten Wände beschlugen und Lizzies nasse Haaren hinterließen Abdrücke auf der Scheibe, als sie sich mit verschränkten Armen dagegen lehnte – sie hatte die Schuhe immer noch nicht wieder angezogen, trotz der wiederholten Ermahnungen des Professors.

„Es ist mir völlig egal wo", erwiderte Lizzie, ohne ihn anzusehen. „Fass mich an und du hast eine ganze Reihe weniger dieser hübschen, weißen Zähnchen."
„Warum überrascht mich dieser Hang zur Gewalt nicht?", fragte der Professor, scheinbar rhetorisch, doch Lizzie beschloss ihn mit einer Antwort zu beehren.

„Weil es in dein vorgefertigtes Bild von mir passt", erwiderte Lizzie. „Ankerheuristik."

„Sie unterstellen mir Vorurteile?" Er klang fast beleidigt.

„Du unterstellst mir einen Hang zur Gewalttätigkeit", gab sie zurück. „Also sei froh, dass es nur bei Vorurteilen geblieben ist."

Sie schwiegen und nur das Summen des Fahrstuhls leistete ihnen beiden Gesellschaft, bis Lizzie's Handy anfing wie verrückt zu klingeln.

„Wollen Sie da nicht rangehen?", fragte Darcy und sah auf Lizzie's Tasche.

„Nein", erwiderte diese und starrte stur geradeaus.

„Nein?" Da war er wieder. Der Papagei.

„Nein."

„Warum nicht?" Oh, er begann das Spiel zu verstehen und tatsächlich Fragen zu stellen.

„Weil logisch geschlossen, es wahrscheinlich eine von vier Personen ist, mit denen es entweder unsinnig ist jetzt gerade zu telefonieren oder einfach nicht von mir erwünscht." Sie seufzte und warf ihm einen kurzen Blick zu. „Entweder ist es Jane, was ein Telefonat überflüssig macht; meine Mutter, mit der ich jetzt garantiert nicht sprechen möchte; der Typ von Rosings Hospital, der mich für seine kleine Freakshow rekrutieren möchte; oder Charlotte, die mich zwingen will, genanntem Rekrutierungstypen von Rosings Hospital zuzuhören. Alles keine Optionen, okay?"

Darcy sah sie an. „Collins", sagte er schließlich mit gerunzelter Stirn.

„Wie bitte?", fragte Lizzie mit höflicher Verwirrung.

„Der Typ von RosingsHospital. Sein Name ist Collins."

„Oh", machte Lizzie. „Das kann sein. Er wiederholt immer seinen Namen, als sei er James Bond oder so etwas, aber ich hab ihn in meinem Kopf schon „seltsamer Rekrutierungstyp" getauft und der Name bleibt."

„Und was will er von Ihnen?" Darcy starrte Lizzie direkt an.

„Wer bitte?" Sie war immer noch höflich und die hochgezogene Augenbraue war wie eingemeißelt auf ihrer Stirn.

„Collins. Was will er von ihnen?"

„Mich rekrutieren", seufzte Lizzie und lehnte ihre Stirn gegen die Spiegelscheibe. „Er bietet mir einen Job bei Rosings an, aber ich hab bereits dank meines Stipendiums mein Praktikum dort und bin leider nicht daran interessiert meine Seele dauerhaft zu verkaufen." Sie stöhnte, als das Klingeln aufhörte, nur um zwei Sekunden später von neuem zu beginnen. „Hartnäckiger, kleiner Idiot", murmelte sie und schloss entnervt die Augen.

„Was genau war eigentlich Miss Lucas' Teil der Wette?", fragte Darcy urplötzlich, als hätte ihn die Frage wie ein Blitz getroffen.

Lizzie grinste, halb gegen den Spiegel versteckt, während die Wassertropfen über ihren gesamten Körper rannen und ihre Kleidung an ihrer Haut klebte.

„Sie hat gewettet, dass du schwul bist", erklärte sie mit einem süffisanten Grinsen. Darcy's Mund klappte auf.

„Nur weil ich momentan keine Freundin oder wahnsinnige Verlobte habe, heißt dass noch lange nicht, das ich schwul bin!"

„Ach, entspann dich, Darcy. Wir sind da alle schon gewesen, haben es alle schon mal gemacht, es ist kein großer Deal." Lizzie zuckte mit den Schultern und setzte ein Pokerface auf. „Aber wenn du Bilder von deinem Lover hast, dann gib sie mir. Ich krieg meine 50 Pfund wieder, wenn ich Charlotte Fotos liefere."

Darcy sah sie völlig entgeistert an, während Lizzie bloß grinste.

„Ich bin nicht schwul!", schrie er beinahe, gerade in dem Moment, in dem sich die Fahrstuhltüren öffneten und das Innere von Jane's und Charlie's Appartement entblößten.

„Danke für die Info, Darcy!", rief Lizzie über ihre Schultern hinweg und marschierte, barfuß und klitschnass hinüber zu Jane und Charlie, die am Küchentisch saßen und die beiden entgeistert beobachteten.

„Hallo, meine Lieben!" Sie machte einen Knicks und ihre tropfenden Haare und Kleidung bildeten kleine Wasserpfützen zu ihren roten, bloßen Füßen.

„Lizzie!", rief Jane aus und sprang auf, die rote Decke, die sie um ihre Schultern geschlungen hatte, fiel zu Boden und ehe sie es sich versah, hatte Jane ihre Arme um sie geschlungen und drohte sie vor lauter Liebe und Zuneigung zu ersticken.

„Argh", machte Lizzie und tätschelte unkoordiniert Jane's Schulter.

„Lizzie", wisperte ihre Schwester und drückte sie noch fester. „Oh, Lizzie, Lizzie, Lizzie, was machst du bloß? Warum rufst du mich nicht an, wenn es dir so schlecht geht?"

„Urgh, Jane, mir geht's gut", bekam Lizzie heraus und warf Charlie einen fragenden Blick zu, doch der blonde Freund ihrer Schwester zuckte bloß hilflos mit den Achseln.

„War es das Datum?", fragte Jane und rubbelte ihre Schultern. „Hat es dich daran erinnert? Oh Lizzie, es tut mir so furchtbar leid!"

Lizzie erstarrte, ihre Arme kamen halb hoch, um ihre Schwester zu beruhigen und ihre Augen fanden Darcy.

„Du hast es ihr gesagt", zischte sie mit einem Blick, der besagte „Du bist so was von tot". „Du bevormundendes kleines -" Es gab da einen Haufen von Beleidigungen, die sie ihm gerne an den Kopf geworfen hätte, doch in Anbetracht der Umstände (und der Gesellschaft) beschränkte sie sich auf ein gezischtes „Petze!".

„Lizzie...", schalt Jane. „Was soll das? Was war denn los an dem Tag mit dir? Darcy sagte -"

Darcy", sie sprach das Wort mit ätzender Süße aus, „hat keinen Plan von was er da redet! Ich war müde gewesen und bin in seiner Vorlesung beinahe eingeschlafen, tut mir leid, wenn das gegen sein Ego ging."

„Lizzie..."

„Jane, ich krieg keine Luft!"

„Oh, Okay..." Sie ließ sie los und Lizzie konnte endlich wieder atmen. Sie warf dem Professor einen weiteren, drohenden Blick zu, den er bloß ausdruckslos erwiderte.

„Oh, du bist ja nass!", rief Jane dann aus, als sie sich ihre eigenen durchnässten Ärmel ansah.

„Ist das so offensichtlich?", fragte Lizzie mit einem schiefen Lächeln.

„Warum bist du nass?!"

„Öhm, es regnet draußen?"

„Du bist barfuß."

„Ich hab getanzt", sagte Lizzie stolz und hob ein paar Strähnen ihrer Haare prüfend an. „Aber Darcy ist ein Spielverderber und hat mich zum Aufhören gezwungen."

Jane ließ einen Laut hören, der halb Wimmern, halb Lachen war und flüsterte Darcy ein „Dankeschön" zu, das der Professor mit einem Nicken des Kopfes annahm.

„Das hab ich gehört!", rief Lizzie aus der Küche, wo sie sich eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank holte.

„Du träumst schon wieder", gab Jane zurück und hob die Decke auf.

„Ne", erwiderte Lizzie und schloss den Kühlschrank. „Darcy ist hier, das kann also maximal ein Albtraum sein." Jane und Charlie sahen sich unbehaglich an, während Darcy die Hände zu Fäusten ballte.

„Dankeschön", knurrte er und ließ ihre Schuhe mit einem „Klong" auf den Boden fallen. Er warf Charlie einen Blick zu, der besagte „Frag bloß nicht" und drehte sich um. „Ich geh mich umziehen", verkündete er und zog die Tür zum Gästezimmer mit einem Knall hinter sich zu.

„Was für ein Sonnenschein", kommentierte Lizzie und ignorierte die Gesichtsausdrücke von Jane und Charlie. „Und wie geht es euch so?", fragte sie, während sie sich aus ihrer klitschnassen Jeansjacke schälte.

Die beiden sahen sich betreten an und Lizzie fing die Bewegung auf. „Was ist los?", fragte sie, ihre Stimme plötzlich besorgt. Ihre Augen fielen auf den Küchentisch.

„Was ist passiert?", rief sie aus und deutete auf den Teller mit Sushi und die beiden Rotweingläser.

„Warum soll etwas passiert sein?", fragte Charlie, während Jane sich auf die Unterlippe biss.

„Ihr esst Sushi!" Lizzie's Hände zuckten, während ihre Augen von Charlie zu Jane flatterten. „Es gibt immer nur Sushi für Jane, wenn etwas passiert ist."

Sie sah beide erwartungsvoll an und Charlie's Blick driftete zu seiner Freundin, kurz gefolgt von Lizzie's.

„Es ist nichts...passiert", brachte Jane mühsam hervor. „Gar nichts", fügte sie hinzu, bevor sie in Tränen ausbrach und aus dem Raum flüchtete. Als die Tür zum Schlafzimmer zuknallte, zuckten beide zusammen, doch anstatt direkt hinter ihrer Schwester her zu eilen, kam Lizzie, kleine, klitschnasse Lizzie mit dem verschmierten Augen-Make-up, Charlie gefährlich nahe.

„Was hast du getan?", fragte sie drohend, ihre Augen zu Schlitzen zusammengezogen. „Was hast du getan, Charlie", forderte sie ihn erneut auf, als er ihr nicht sofort antwortete.

„Was, ich...Ich...Ich hab nichts getan!", stammelte Charlie ein wenig verängstigt. „Sie ist völlig durcheinander nach Hause gekommen und wollte mir nicht sagen, was los ist!" Seine Stimme schraubte sich zunehmend in die Höhe. „Ich schwöre dir Lizzie, ich weiß nicht, was passiert ist!"

Er klang verzweifelt, aber Lizzie hatte in ihrem Leben schon viele verdammt gute Schauspieler getroffen. Sie kniff die Augen zusammen. „Ich weiß, wir hatten dieses nette, kleine Gespräch noch nicht und ich dachte zunächst es wäre überflüssig, weil, tja, du mir eher... harmlos erschienst, aber-"

„Lizzie, ich hab nichts -"

„Lass uns das ein für alle Mal klar stellen", unterbrach sie ihn, ihre Stimme drohend. „Brich meiner Schwester das Herz, nur ein klitzekleines Bisschen und ich sehe persönlich dazu, dass du kastrierst, ermordet, wiederbelebst und dann den Haien zum Fraß vorgeworfen wirst, capitó?"

Charlie sah sie aus großen Augen, doch dann verhärtete sich sein Kiefer und er ballte die Fäuste.

„Lizzie, ich weiß nicht, was zur Hölle dich dazu bewegt hat zu denken, dass ich auch nur in der Lage wäre, Jane wehzutun und ich lass es dir durchgehen, weil ich familiäre Loyalität sehr gut nachvollziehen kann." Er stand auf. „Aber ganz ehrlich, halt dich da raus, weil ich keiner von diesen Typen bin und diese, wie auch immer gutgemeinte Drohung nicht notwendig ist."

Lizzie starrte ihn an, versuchte Hinweise dafür zu finden, dass er ihrer Schwester nur ein Haar, nur ein Einziges gekrümmt hatte, doch nur blitzblaue Ehrlichkeit blinzelte sie an und sie nickte.

„Gut", erwiderte sie und lächelte. „Du hast bestanden, Charlie."
Der blonde Typ stieß einen Seufzer aus. „Gott sei Dank", meinte er. „Du bist wirklich furchteinflößend, Lizzie."

„Das ist mein, Job." Sie warf einen Blick auf die zugeschlagene Schlafzimmertür und seufzte. „Ich kümmere mich darum", erklärte sie und verschwand, immer noch nass, immer noch barfuß im Flur.

„Jane", sie klopfte zögernd an die Tür zu Jane's und Charlie's Schlafzimmer, bevor sie sie öffnete und hinein schlüpfte. Ihre Schwester saß im Schneidersitz auf dem großen Doppelbett mit der dunkelroten Tagesdecke, eine Packung Kleenex neben ihr.

„Jane, was ist los mit dir?", fragte Lizzie besorgt und wischte ein paar verloren gegangene Strähnen blonder Haare aus dem Weg, die blauen Augen ihrer Schwester waren rot unterlaufen und geschwollen.

„Janie..." Sie beugte sich leicht zu ihr hinab, versuchte so wenig schmutzig zu machen, wie irgend möglich, was bei dem Zustand ihrer Kleidung eher schwierig war.

„Es ist...nichts", schluchzte Jane, die Hände vors Gesicht gepresst.

„Du warst nie besonders gut im Lügen", sagte Lizzie sanft. „Komm schon, sag mir, wem ich die Eier abschneiden soll."

Das brachte Jane zum lachen. „Du musst niemandem die... Eier...abschneiden", brachte sie heraus, das arme Kind hatte mittlerweile einen Schluckauf.

„Wirklich nicht?", fragte Lizzie amüsiert. „Es macht Spaß , weißt du?"

„Das kann ich mir... vorstellen." Selbst tränenüberströmt und mit einer vogelnestartigen Frisur sah Jane Bennet immer noch aus wie ein Engel. „Du hattest schon immer.. eine eher... gewalttätige Ader."

„Ob du's glaubst oder nicht, aber du bist nicht die Erste, die mir das heute erzählt", scherzte Lizzie gutmütig.

„Oh", machte Jane. „Darcy? Du weißt Lizzie, du solltest wirklich netter -"

„Ja, ja, bla, bla, Ägypten ist ein warmes Land." Lizzie verdrehte die Augen. „Lenk nicht vom Thema ab, Janie. Was hat dir deine Spitzenunterwäsche heute verdreht?"

Unwillig oder nicht, die letzte Bemerkung brachte Jane vollends zum Lachen. „Es ist nichts", sagte sie erneut, als sie sich wieder beruhigt hatte. „Alles halb so wild."

„Jane..." Auch Lizzie bekam die große Schwester-Nummer hin, wenn gefragt und ihre hochgezogene Augenbraue war beinahe filmreif. „Charlie hat dir Sushi besorgt, der arme Kerl ist ganz krank vor Sorge."

„Ich dachte, er hätte Todesangst, dass du ihm die Kronjuwelen klaust", erwiderte Jane mit einem Lächeln.

„Nur für zwei Sekunden und das ist nicht der Punkt, Schwesterlein. Was. Ist. Los?"

Jane seufzte und verdrehte das Taschentuch in ihren Händen. „Es ist der Direktor", sagte sie schließlich leise. „An meiner neuen Schule. Er ist... seltsam..."

„Was heißt seltsam?", fragte Lizzie scharf. „Hat er dich angefasst, Jane? Soll ich seine Eier abschneiden?"

„Nein!", rief Jane aus. „So ist es nicht. Er... er macht... er ist.. seltsam. Ständig macht er Andeutungen über ihn und...mich und dass wir uns mal...treffen sollten.. und er... er beobachtet mich immer...", gab sie schließlich zu. „Es ist ein bisschen gruselig."

„Ein bisschen?", wiederholte Lizzie. „Weiß der Typ, dass du einen Freund hast, Jane?"

„Ja", sagte Jane. „Ich hab's schon beim Vorstellungsgespräch erwähnt und immer wenn er etwas in diese Richtung andeutet, fang ich an von Charlie zu erzählen und wie toll er ist, aber er scheint es einfach nicht zu begreifen."

„Vielleicht muss Charlie einfach mal bei deiner Schule auftauchen, dem Typen einen Realitätscheck verpassen, du weißt schon." Sie wedelte mit der einen Hand in der Luft herum.

„Das geht nicht", sagte Jane leise. „Ich kann es Charlie nicht sagen."

„Aber wieso nicht?", fragte Lizzie entgeistert.

„Weil diese Eifersuchtssache ein ständiges Thema zwischen uns beiden ist. Er mag es nicht, wenn fremde Männer Interesse an mir zeigen... er... er ist sehr unsicher... das ist einer der Gründe, warum ich nach London gezogen bin."

„Du bist für einen Typen in eine ganz andere Stadt gezogen, nur damit er nicht mehr eifersüchtig ist?", wiederholte Lizzie. „Das ist..." Fucked up, kam ihr in den Sinn, doch Jane war schneller.

„Liebe", sagte sie leise. „Das ist Liebe."

Lizzie sah ihre Schwester an, Erwiderungen, die von „Das ist nicht Liebe, das ist Abhängigkeit" bis hinzu „Wie verdammt unsicher muss ein Typ sein, um einen ganzen Umzug zu verlangen, nur um seinem Ego keinen Knacks zu verpassen?" reichten, brannten auf ihrer Zunge, doch ein Blick auf Jane zeigte ihr, dass keiner von diesen Anne-inspirierten Sätzen jetzt etwas taugen würde.

„Du könntest Darcy fragen", schlug sie vor, einen Arm um die Schultern ihrer Schwester geschlungen, trotz ihrer immer noch nassen Klamotten.

„Darcy?", wiederholte Jane perplex. „Warum sollte ich Darcy fragen?"

„Nun, du könntest ihn fragen, ob er dich von der Schule abholt. Der Professor kann ziemlich furchteinflößend sein und wenn dein Direktor ihn sieht, macht er sich vielleicht vom Acker."

Jane sah sie erstaunt an. „Du vertraust ihm."

„Das hab ich nicht gesagt", verteidigte sich Lizzie und runzelte die Stirn.

„Doch, doch natürlich!", rief Jane aus, plötzlich so aufgeregt wie ein kleines Kind. „Du magst ihn!", kreischte sie und warf die Arme in die Luft.

„Tu ich nicht!", verteidigte sich Lizzie, die die Panik in sich aufsteigen spürte. „Ich erkenne nur, dass der Typ ein paar anständige Qualitäten besitzt, ganz egal wie nervig er ist."

„Oh, du magst ihn", versicherte Jane ihr mit einem süffisanten Grinsen, das all die Tränenspuren aus ihrem Gesicht wischte. Lizzie stöhnte nur.

„Allerdings solltest du dich vielleicht bei ihm entschuldigen", schlug Jane vor. „Du hast ihn vorhin einen lebenden Albtraum genannt. Und eine Petze."

„Das war beabsichtigt."

„Es ist trotzdem nicht nett und es ist insbesondere nicht förderlich, wenn du ihn um einen Gefallen bitten willst", erinnerte ihre Schwester sie.

„Nein, du willst ihn um einen Gefallen bitten", stellte Lizzie klar. „Es war bloß meine Idee."

„Lizzie..."
„Ja, gut, ich mach's", grummelte Lizzie in Janes Schulter.

„Braves Kind", meinte Jane. „Das ist sehr hilfreich, beachtet man, dass du ihn magst!"

„Jane!", rief Lizzie aus, doch ihre Schwester lachte bloß.

„Ja genau, erzähl du mir, was ich zu tun hab, während du es noch nicht mal schaffst deinem Freund reinen Wein einzuschenken", schalt Lizzie sie und stand auf. „Du musst es Charlie sagen", ermahnte sie Jane, die sie mit großen Augen ansah. „Früher oder später wird er es eh herausfinden. Außerdem sind Lügen in einer Beziehung wie Termitenbefall, irgendwann stürzt alles zusammen."

Jane sah sie immer noch an. „Wow", sagte sie nach einer Weile. „Wann bist du so weise geworden, kleine Schwester?"

Lizzie zwinkerte. „Seit ich zu viel Zeit mit Anne verbringe. So ein Zeug färbt ab."

„Oh", machte Jane. „Wie geht's Anne? Haben Sie und Wentworth sich wieder versöhnt?"

Lizzie schnaubte. „Gott, nein! Die Rabenprinzessin ist stur und stolz wie ein alter Esel und Anne dreht langsam aber sicher durch. Sie sagt zwar, dass alles in Ordnung ist, aber diese ständigen Treffen mit Lou und Hetty und der Rabenprinzessin im Tau nagen an ihren Nerven. Jetzt wollen die Groveland-Zwillinge Wentworth auch noch mit nach Lyme über die Weihnachtsferien nehmen und ich weiß nicht, wie Anne das aushalten will, aber sie sagt, es sei alles Tutti-Frutti." Lizzie verdrehte die Augen. „Und sie sagt, ich wäre die Königin im So-tun-als-ob."

„Wirst du mit ihnen mitfahren?", fragte Jane plötzlich, ihre Gesicht ängstlich.

„Wohin? Nach Lyme?" Lizzie legte den Kopf schräg. „Vielleicht, ich bin mir noch nicht sicher, ob ich die Anne/Wentworth-Dynamik aushalte, wenn sich die beiden vor dem 24. nicht wieder einkriegen."

„Du kommst über Weihnachten nicht nach Hause?", fragte Jane, ihre Stimme ein wenig erstickt. „Mum und Dad..."

„Nicht jetzt, Janie", sagte Lizzie angespannt und ballte die Hände zu Fäusten.

„Aber, Lizzie-"

Jane..."

„Lizzie, du warst die letzten Weihnachtsferien schon nicht zu Hause und auch sonst kommst du nie-"

„Jane, jetzt nicht!" Lizzie's Stimme war scharf geworden und Jane zuckte unwillkürlich zurück. „Es tut mir leid", sagte Lizzie deutlich leiser. „Aber ich will das jetzt nicht mit dir ausdiskutieren, kümmere dich um deine Probleme, in Ordnung? Ich geh jetzt ins Badezimmer."

„Aber Lizzie-"

„Bis nachher."

Sie schloss die Tür hinter sich und atmete tief durch.

„Miss Bennet." Seine Stimme erschreckte sie für eine Sekunde lang und es dauerte eine Weile bis sich ihr Herzschlag wieder beruhigt hatte.

„Darcy..." Sie starrte ihn an. Er hatte sich umgezogen, trug Jeans und ein hellgraues, langärmliges Baumwollshirt, seine Haare waren wild und immer noch feucht vom Regen, aber die Tatsache, dass er barfuß war, stellte Dinge mit ihrem Körper an, über die sie noch nicht mal nachdenken wollte.

Er stand ihr gegenüber, keinen Meter von ihr entfernt und sah sie besorgt an.

„Darcy, ich-", setzte Lizzie an, wurde aber unterbrochen, als er eine Hand ausstreckte und beinahe ihre Schulter berührte.

„Sie haben ein Tattoo", bemerkte er und starrte auf die Stelle, wo die schwarzen Linien unter dem dünnen, weißen Tank-Top über ihre Haut krochen.

„Ich weiß", sagte sie und wich ein Stück zurück, bis ihr Rücken die Wand berührte.

„Was ist es?", fragte er und er schien ehrlich neugierig.

Sie biss sich auf die Lippe. „Ein Tattoo", sagte sie dann und beobachtete seine halb ausgestreckte Hand mit Vorsicht.

Er bemerkte ihren Blick und ließ sie fallen. „Es tut mir Leid", sagte er dann und drehte sich um.

„Darcy!" , rief sie ihm ein wenig atemlos hinterher. Er drehte sich halb um. „Wegen vorhin..." Sie machte eine vage Geste mit der einen Hand. „Es tut mir leid", sagte sie leise und er nickte.

„Das wusste ich", sagte er ein wenig kryptisch. Sie löste sich von ihrer Wand und zog eine Augenbraue hoch.

„Ach ja?", fragte sie. „Ich bis vor zwei Minuten nämlich nicht."

Sie ging an ihm vorbei in die Küche, verpasste sein Kopfschütteln und das feine Lächeln um seine Mundwinkel, als er ihr folgte.

„Hey, Charlie!", rief sie dem blonden Mann, der ein wenig verloren in der Küche herumwerkelte, zu. Er sah auf und sie an wie die Erlösung, die Heilige Mutter Gottes und David Beckham in einer Person an.

„Wie geht es ihr?", fragte er, eifrig wie ein junger Welpe.

„Besser", sagte Lizzie. „Aber ihr zwei solltet definitiv reden." Charlie nickte, immer noch eifrig, immer noch wie ein Hundewelpe, während Darcy sie still beobachtete.

„Charlie...", meldete sich dann eine zaghafte Stimme vom Türrahmen und alle drei Anwesenden wirbelten herum, nur um Jane mit verweintem Gesicht dort stehen zu sehen.

„Jane!", rief Charlie aus, Freude und Erleichterung klar sichtbar auf seinem Gesicht, als er sie schnell in die Arme schloss.

Lizzie wendete den Blick von diesem eher übelkeiterregenden Beispiel für häusliches Glück ab und begann an ihrem Wasser zu nippen.

„Also ihr habt dann wohl keine Lust mit mir heute loszugehen?", fragte sie locker in die Runde. „Es gibt 'n Clubkonzert in Central London. Charlotte und Craig sind blöd und wollen nicht dahin und ich hatte irgendwie gehofft, ich könnte euch beide bewegen."

„Ich glaub, wir bleiben heute hier", sagte Charlie mit Blick auf Jane, die sich mit geschlossenen Augen gegen seine Brust geschmiegt hat.

Lizzie nickte in Resignation. „Kein Problem", sagte sie seufzend. „Dann nehm ich einfach die U-Bahn."

„Ich fahre Sie", meldete sich dann plötzlich Darcy's Stimme von schräg gegenüber und ihr lief es heiß und kalt den Rücken hinunter.

„Oh, Nein-", wollte sie ausrufen, doch Darcy's entschlossene, Jane's ernste und Charlie's überaus glückliche Miene zeigten ihr, dass sie aus dieser Misere heute wohl nicht wieder herauskommen würde.

Sie war am Arsch. Aber so was von. Warum musste dieser Typ sie auch immer überall hinfahren wollen?

Die Bässe jagten das Adrenalin mit der Geschwindigkeit einer Gewehrkugel durch ihre Adern, wiederholten das Stolpern, Poltern, Abbrechen immer und immer wieder, während die kreischende Stimme des Leadsängers ihre Gedanken erstickte.

Sie hatte kein Gefühl für Zeit, es konnte ein Herzschlag vergangen sein, der verfickte Bruchteil einer Sekunde, seit sie geflohen war. Es konnte schon eine Ewigkeit her sein. Zeit war vollkommen unwichtig, die Nacht war der Augenblick, in dem man so tun kann als ob. Die Illusion verschwand und ging erst mit dem Sonnenaufgang.

Sie war betrunken. Nicht high, nicht völlig unzurechnungsfähig, aber ernsthaft angetrunken und es verwandelte ihre Umgebung in noch mehr Chaos, in noch mehr Farbflecken aus Körpern und Lichtern, noch mehr dröhnendes Durcheinander aus verfremdeten Songtexten, die in abgehackten Sätzen den Weg in ihren Kopf fanden.

Sie wusste, was sie tat. Das war das Verrückte an der ganzen Sache.

Sie wusste wie und warum, verdammt, sie konnte sogar das Wann bestimmen. Sie konnte sich selbst diagnostizieren, wusste, dass sie weglief, verdrängte, kompensierte. Fuck, sie konnte jedes Wort aus dem Buch auswendig und doch half es nicht. Sie war in einem Kreislauf gefangen und sie hatte noch nicht die Resignation erlernt, die mit dem Buddhismus kam. Well, Fuck.

Es war eine schräge Mischung aus der Tafel Schokolade in deinem Kühlschrank, von der du wusstest, dass du sie nicht essen solltest und dem überwältigenden Drang irgendwie, nur bloß zu überleben. Sie war verloren, hungrig und gefangen, sie hatte keine Ahnung, was sie anders machen kann.

Der einzige Trost war, dass es bald aufhören würde. Die Musik, die Hyperaktivität, das verdammte Gefühl auf eine gott beschissene Art high zu sein.

Der ziehende Schmerz in ihren Beinen.

Sie konnte sich selbst vorhersagen, ihr Körper war wie ein verdammtes Pendel, schwang vom tödlichen Schweigen in die Hyperaktivität, vom Erinnern ins Vergessen.

Die Welt um sie herum begann sich zu drehen, die Menschen, die Gesichter, sie machte den Mund auf, um zu schreien, doch dann waren da Arme um sie herum, die sie hielten, hochhoben, festhielten.

„Ich hab dich", murmelte eine Stimme nahe an ihrem Ohr und dann wurde sie gegen einen Körper gepresst, sie verlor das Gleichgewicht und fiel zurück, nur um gleich wieder aufgefangen zu werden.

„Ich hab dich, Elizabeth", wisperte die Stimme, männlich, tief, beruhigend in ihr Ohr und sie kroch näher in die Wärme. „Alles wird gut."

Die Musik wurde leiser, Kälte schlug ihnen plötzlich entgegen und sie drehte den Kopf, so dass ihre Nase in seiner Brust vergaben war, während er sie nach draußen trug.

„Du riechst gut", murmelte sie und seufzte. Er lachte, Darcy lachte!

„Das ist gut zu wissen", meinte er und drückte sie ein wenig enger an sich.

„Wirklichgut", wisperte sie.

Er brachte sie zu seinem Auto, setzte sie sanft auf dem Beifahrersitz ab. Ihr Kopf sackte gegen die Fensterscheibe, da waren Geräusche, Autotüren, die geöffnet und geschlossen wurden, das Geräusch eines startenden Motors.

„Wo bringst du mich hin?", murmelte sie gegen das alkoholinduzierte Lallen an.

„In Sicherheit", erwiderte Darcy und der Motor heulte auf.

Sie lachte, dieses halb vergessene, selbstironische, betrunkene Lachen. „Und wo ist das?", fragte sie und ihr Kopf prallte erneut gegen die Glasscheibe. „Ich hätte gerne die verdammte Adresse."

Der Motor heulte wieder auf.

„Wie geht es dir?", fragte Darcy nach einer Weile und irgendetwas an diesem Satz und der Art, wie er ihn aussprach stimmte nicht, aber sie war nicht klar genug, um eine Antwort zu finden.

„Einfach wundervoll", erwiderte sie, ihre Augen geschlossen.

Sie schwiegen, der Motor röhrte und sie fühlte sich zum ersten Mal seit Tagen wieder sicher.

„Nicht einschlafen!", drang Darcy Stimme an ihr Ohr. „Komm schon, bleib bei mir..."

„Wa-", brachte sie heraus, hob halb den Kopf und blinzelte in das rötlich-blaue Licht der Stadtbeleuchtung. „Was willst du, Darcy? Ich bin müde."

„Du kannst gleich schlafen, in Ordnung? Aber bleib jetzt wach, wir sind gleich da."

„Ich bin müde", quengelte sie.

„Zwei Minuten noch. Jetzt bleib bei mir. Elizabeth... Lizzie, komm schon!"

Sie stöhnte, wieder begann sich alles zu drehen und sie wollte nichts anderes als in dieses segensreiche Koma abzudriften, dieses warme, weiche Schwarz, das sie lockte und rief.

„Lizzie, was ist mit deinem Tattoo?", rief Darcy plötzlich und sie spürte wie eine Hand ihre Schulter schüttelte. „Das auf deinem Rücken? Was ist da drauf?"

„Phönix", murmelte sie, presste ihre Stirn gegen das kühle Glas.

„Ein Phönix.. Warum ein Phönix?" Er klang ein wenig panisch und sie wollte ihn dafür ärgern, provozieren, kitzeln, doch ihr fiel keine Bemerkung ein.

„Weil sie aus der Asche wieder auferstehen", murmelte sie. „Sie brennen, aber sie sterben nicht."

„Gut, welche Farben?" Farben? Nach welchen Farben fragte er sie denn jetzt?

„Schwarz", murmelte sie. „Blau und Rot."

„Blau? Warum Blau?" Er riss das Steuer herum und ihr Kopf prallte erneut gegen die Scheibe. „Au", murmelte sie und suchte sich etwas, um sich festzuhalten.

„Tut mir leid." Sie spürte seine Hand auf ihrer Schulter. „Warum das Blau, Elizabeth?"

„Sei nicht so eine Nervensäge, Darcy", beschwerte sie sich und wischte seine Hand weg.

Er lachte. „Warum das Blau?", wiederholte er und bog um eine Kurve.

„Weil es hübsch aussieht. Besonders als Veilchen um dein Auge."

Wieder das Lachen. „Elizabeth..."

Sie stöhnte und hielt sich den Kopf. „Schatten", murmelte sie.

„Wie bitte?"

„Schatten, du Papagei!", schrie Lizzie gerade zu und sprang beinahe aus dem Sitz. Zu dumm, dass der Sicherheitsgurt sie festhielt.

Wieder das körperlose Lachen. „Beruhige dich, wir sind da", erklärte er und dann endlich, endlich, endlich hielt der Wagen an.

„Wo sind wir?", grummelte Lizzie, als er die Beifahrertür öffnete und sie vorsichtig heraushievte. Sie fiel praktisch in seine Arme und versuchte das Ziehen in ihrer Brust zu ignorieren, als sie seinen Geruch einatmete.

„In Sicherheit", sagte er erneut und sie blinzelte, versuchte die Häuser zu erkennen, doch keines von ihnen kam ihr bekannt vor.

„Warum machst du das?", fragte sie ihn, ihre Augen halb geschlossen. Er hielt sie fest.

„Ich könnte dich dasselbe fragen", erwiderte er und wischte wirre Haarsträhnen aus ihrem Gesicht. Ihr Gesicht leuchtete im Licht der Straßenlaterne.

„Versuch es nicht", murmelte sie halb gegen seine Brust.

„Was?", fragte er und hob ihr Kinn hoch, ihre Lider flatterten. „Was meinst du, Lizzie?"

„Mich verstehen. Versuch es nicht."

„Warum nicht?", er runzelte die Stirn. Seine Hände fühlten sich warm auf ihrer Haut an.

„Weil ich es selber nicht tue." Sie seufzte und taumelte nach vorne. Er fing sie auf.

„Vielleicht kann ich es ja", meinte er und seine Finger strichen über ihre Wangenknochen. „Verstehen, wenn du es nicht schaffst..."

„Nein", sie schüttelte vehement den Kopf und fiel fast aus seinen Armen. Die kalte Nachtluft wirbelte ihre Haare um ihren Kopf und ließ sie frösteln. Sie trug immer noch bloß ihre Jeansjacke.

„Warum?"

„Weil Angst davor hab, was du finden wirst."

Sie fiel nach vorne, nicht länger in der Lage ihr Gleichgewicht zu halten. Sie war müde, so müde. Er fing sie auf und sie vergrub ihr Gesicht in der Grube seiner Schulter. Dann waren da Arme um ihre Schultern und welche, die ihre Knie auffingen. Dann eine Veränderung in der Atmosphäre, andere Temperatur und Gerüche, als er die Tür aufschloss und in den Hausflur trat.

„Du bist verrückt", murmelte sie, ihre Hände um seine Arme und Schultern geschlungen.

„Wie bitte?" Er war noch nicht mal außer Atem und er trug sie die verdammten Treppen des Appartementkomplexes hoch, wo auch immer sie hier auch waren.

„Du bist verrückt", erklärte sie deutlich lauter. „Verrückt! Ein Alien. Alien!", schrie sie in die Dunkelheit hinein und sie hörte ihn weiter lachen, während er sie die Treppen hochtrug.

„Wo sind wir?", fragte sie, als sie vor einer Tür ganz oben schließlich anhielten. Er drehte den Schlüssel im Schloss um und stieß die Tür auf.

„Bei mir zu Hause."

Er sah sie an. „Darcy-", protestierte sie, zu müde, zu betrunken, um mehr Widerstand zu zeigen. Er hob sie wieder hoch und sie fiel wie ein nasser Sack gegen ihn.

„Schhh", machte er. „Schhh."

Sie spürte, wie er sich durch die Wohnung bewegte, Türen aufstieß und dann wurde sie abgelegt. Weich, glatt, kühl. Sie seufzte.

Da war Bewegung um sie herum, ihre Schuhe fielen zu Boden und sie hörte wie Darcy etwas auf dem Nachttisch platzierte.

„Hier ist Wasser und Aspirin", sagte er leise und strich ihr die Haare aus der Stirn. „Schlaf einfach, Lizzie. In Ordnung?"

„Darcy?" Ihre Stimme war heiser und kaum hörbar. Er sah auf, starrte sie eindringlich aus diesen dunklen Augen an.

„Geh nicht", wisperte sie, ihre Augen groß und flehend in der Dunkelheit. „Bitte, Darcy, geh nicht."

„Ich bin nicht weit weg", sagte er leise und deutete zur Tür. „Nur auf der Couch im Wohnzimmer."

„Geh nicht", wisperte sie und griff nach seiner Hand. „Bitte geh nicht!"

Er sah sie an, gespalten, unentschlossen, er sah ihre Hand auf seiner an und seufzte gequält.

„Okay", sagte er leise, setzte sich vorsichtig neben sie auf das Bett, doch anstatt wegzurutschen, kam sie näher, kletterte halb über seinen Oberkörper und vergrub ihr Gesicht in seiner Schulterbeuge, ihre Hand griff nach dem weichen Baumwollstoff seines Shirts.

„Geh nicht", wisperte sie. „Geh nicht, geh nicht, geh nicht!"

Er seufzte leise. „Das werde ich nicht."


A/N: So Lizzie hat ein Tattoo, wenn ich demnächst mal Zeit hab, werd ich versuchen, es zu zeichnen, vielleicht benutz ich es auch als Titelbild... Gedanken dazu? Zum Ende? Dazu das Darcy schwul ist (oder nicht;)oh und Jane und Charlie? Ich mag Charlie mit ein bisschen mehr Rückgrat;)

Anyway: Gedanken zum Kapitel wären super;)