Also, so ganz ohne SSHG wäre unser Kalender ja auch nicht vollständig, oder? Ihr bekommt heute also endlich mal wieder etwas, das unsere Shipperherzen zum Schmelzen bringt und idiotische Grinsen auf unsere Lippen zaubert.
Unser Luchs hat sich der Thematik angenommen, und wenn ihr schon einmal dabei seid, könnt ihr auch gleich mal bei ihr vorbeischauen:
http:/www. fanfiction. net/u/1505755/
(Nehmt bitte die Leerzeichen nach www. und nach fanfiction. raus)
Der Duft von Amortentia
von Hillie
Hermione war sich sicher, dass sie so tief gesunken war wie noch nie.
Trübsinnig starrte sie auf den fertigen Trank in ihrem Kessel und seufzte. Armselig. Sie benahm sich armselig und völlig albern.
Hermione hätte niemals gedacht, dass sie in Liebesdingen auf den Rat einer Lavender Brown hören würde. Aber was heißt schon „Liebesdinge"? Schön wär's! Das war eben das Bittere an der ganzen Sache.
Es war nicht lange her, da war ihr wieder mal eine Eule von Lavenders erfolgreichem Horoskop-Service ins Haus geflattert. Lavender war in dieser Branche groß rausgekommen und verschickte jede Woche zuckrige, gedichtete Horoskope an viele begeisterte Hexen und einige ebenso begeisterte Zauberer.
Unnötig zu sagen, dass Hermione all dies für Schwachsinn und Geschäftemacherei hielt. Dennoch war Lavender so freundlich, ihren zahlreichen Freunden aus vergangenen Tagen ihre kitschigen Pergamentchen umsonst zu schicken. Tatsächlich hörte sie auch nach mehrmaligem Bitten nicht damit auf („Ach was, du hast ja auch schon so viel für mich getan!"), und mittlerweile waren die kleinen Gedichte immerhin schon für den einen oder anderen Lacher gut gewesen.
Das kleine Pergamentbriefchen, das ihr diese Woche von einem der hübschen Käuzchen gebracht worden war, war ebenso lächerlich und einfallslos wie die anderen:
Was diese Woche dir verspricht,
das werde ich dich lehren.
Den Fischen gilt nun dies Gedicht,
drum halte es in Ehren.
Der Job scheint gut gewählt zu sein,
dort geht es bergauf weiter.
Die Galleonen klingeln fein,
drum schufte froh und heiter.
Auch der Gesundheit geht es gut,
trotz Stürmen dieses Herbstes.
So bleibe weiter auf der Hut,
dann wird es auch nichts Ernstes.
Im Liebesleben steht es schlecht
trotz deiner vielen Gaben.
Ein Zauberer, der ist dir recht,
doch der will dich nicht haben.
Wer dieses nicht verändern kann,
der sollte nicht mehr zagen.
Wer haben will den guten Mann,
soll Amortentia wagen!
Nun ja. Hermione blickte verschämt auf den Kessel, registrierte den tiefroten Schimmer der Flüssigkeit und den spiralförmig aufsteigenden Dampf. Sie erlaubte sich einen kleinen Atemzug. Oh ja. Pergament, frisches, grünes Gras, und sein Duft. Hmm…
Schwachsinn! Sie würde nie im Traum daran denken, ihm einen Liebestrank einzuflößen, genauso wenig, wie sie an Horoskope, Wahrsagen und Ähnliches glaubte. Dass sie nun tatsächlich Anstalten machte, diesen lächerlichen Hinweis zu befolgen, zeigte nur, wie verzweifelt sie mittlerweile war…
Hermione sprach einen Stasiszauber auf den Kessel und versuchte sich einzureden, dass sie den Trank nur für den morgigen Unterricht brauchte. Es hatte doch keineswegs etwas mit diesem „Reim dich oder ich fress dich"-Gedicht zu tun, das da auf ihrem Schreibtisch lag!
~oOo~
Severus Snape spürte den bohrenden Blick der Zaubertränkemeisterin in seinem Rücken, während er durch sein ehemaliges Klassenzimmer schritt.
Sein Blick glitt an den Schränken, Regalen und Pulten entlang. Tadellos wie immer, sagte er sich in Gedanken. Was hatte er erwartet? Nach einem Schnippen seines Zauberstabes wurden seine Beobachtungen mit der Flotte-Schreibe-Feder auf dem Pergament notiert, das hinter ihm schwebte.
Unauffällig lauschte Severus Hermiones leiser Stimme, während sie einem Schüler half und ihm das Trankrezept erklärte. Sie machte sich wirklich gut als Lehrerin; die Schüler schienen sie sehr zu mögen, hatten aber trotzdem Respekt vor ihr. Er hätte vorher nicht gedacht, dass das möglich wäre.
Er schlich den Rest der Stunde weiter durch den Klassenraum, kritzelte auf seinem Pergament und starrte Schülern über die Schulter. Also, man konnte sagen, was man wollte, aber es machte nun einmal Spaß, die Schüler ein wenig einzuschüchtern.
Am Ende der Stunde – alle Tränke waren eingesammelt und Hermione hatte eine angemessene Hausarbeit aufgegeben –, waren sie allein. Die Kerkertür fiel mit einem satten Geräusch ins Schloss, und er lauschte auf Hermiones Atem und ihren leisen Seufzer.
Severus straffte sich, dann drehte er sich elegant um. „Lassen Sie mich nun kurz Ihre Lagerräume sehen, Professor Granger? Ich möchte mich überzeugen, dass die erforderlichen Zutaten in akzeptabler Qualität vorhanden sind.", sagte er glatt.
Hermiones Stirn krauste sich, sie nickte ihm kurz zu und ging mit erhobenem Kinn voran. Severus seufzte unhörbar. Schön zu wissen, dass sie sich noch von ihm provozieren ließ. Er folgte Hermiones energischen Schritten und verfluchte ihre langen Lehrerroben.
~oOo~
Nach dem Ende des Krieges hatte Hermione sich häufig gefragt, was wohl aus Severus Snape werden sollte. Es dauerte einige Zeit, bis er sich von dem Schlangenbiss erholt hatte, und dann nahm ihn ein langwieriger Prozess in Anspruch, bis er von allen Anklagen freigesprochen wurde.
Hermione hatte mit vielem gerechnet. Dass er im Ministerium im Büro des Internationalen Magischen Ausschusses für Schule und Bildung anfangen würde, gehörte nicht dazu. Dieses Büro war wie viele andere nach dem Krieg neu entstanden. Es hatte eine Art Umschwung gegeben; man schien gewillt, die alten, eingefahrenen Wege zu verlassen.
So auch Snape, der fortan mit Abgeordneten aus anderen Ländern Schulreformen durchboxte und im Auftrag des Ministeriums Hogwarts' Lehrstuhl auf Herz und Nieren prüfte.
Gezwungenermaßen kam Hermione mit ihm in näheren Kontakt. Kaum hatte sie ihr Studium und ein Assistenzjahr bei einem anerkannten Zaubertränkemeister beendet, hatte McGonagall die begeisterte Hermione nach Hogwarts geholt. Das Unterrichten lag ihr, das schien selbst Snape zu bemerken, obwohl er mit bissigen Bemerkungen nie sparte.
Snape setzte sich unermüdlich für die Schule ein. Tatsächlich wurde Binns entlassen. (Allerdings überließ man ihm einen leer stehenden Raum, und dort führte er seine Vorträge fort, ohne das Fehlen einer Schulklasse zu bemerken.) Ein neuer, junger Lehrer wurde in Geschichte der Zauberei eingesetzt, und den Schülern schien das Fach auf einmal Spaß zu machen.
Die Schule bekam mehr Unterstützung als je zuvor, und in den Kerkern wurden ein neues, verbessertes Lehrerlabor sowie ein Kessel-Explosions-Schutz für die Schüler eingerichtet.
Hermione fragte sich ständig, was Snape bewogen hatte, sich auf einmal so für die ihm einst so verhassten Schüler einzusetzen. Als sie ihn einmal nach einem seiner Unterrichtsbesuche danach fragte, während sie bei einer Tasse Tee zusammensaßen, hatte er behauptet, er habe diesen Job anstelle von Sozialstunden wegen seiner Anklage aufgebrummt bekommen. Sie bemühte sich, ihn nicht merken zu lassen, dass sie seine Bemerkung witzig fand.
Snapes Verhalten ihr gegenüber gab Hermione Rätsel auf. Da sie sich oft trafen und gleichermaßen für die Interessen Hogwarts' arbeiteten, baute sich eine Akzeptanz zwischen ihnen auf, ja beinahe eine Freundschaft. Hermione war erstaunt, bei Snape einen trockenen, sarkastischen Humor zu finden, mit dem er sie oft zum Lachen bringen konnte. Und sie wusste, dass sie sich nicht schmeichelte, wenn sie sich sagte, er fände Gefallen an ihrer Gesellschaft. Trotz ihrer zahlreichen freundschaftlichen Wortgeplänkel jedoch gab es Zeiten, zu denen er sehr gereizt schien und sie zu ärgern versuchte – und es meist auch schaffte. Er war schließlich immer noch ein Slytherin, wie Hermione sich sagte.
Was sein Verhalten bei ihr auslöste, das stand auf einem anderen Blatt. Hermione war eine intelligente Hexe, sie war mit einer ausgezeichneten Beobachtungsgabe und einem raschen Verstand gesegnet. Und so dauerte es nicht lange, bis sie merkte, dass die plötzliche Atemnot, ihre schwitzigen Hände, die warmen Schauer und das merkwürdige Kribbeln in seiner Gegenwart nicht von Angst oder ähnlichem herrührten.
Ja, Hermione war eine intelligente Hexe, und sie wusste ebenso schnell, wie sie ihren Zustand diagnostiziert hatte, dass sie sich mit Severus Snape wohl den kompliziertesten Mann überhaupt ausgesucht hatte, und dass ihre Chancen bei ihm gleich Null waren.
~oOo~
Wie es zu erwarten gewesen war, befanden sich Hermiones Zutatenbestände in einem exzellenten Zustand. Severus verschanzte sich hinter seinem Pergament und beobachtete unauffällig, wie Hermione die letzten Gläser in die Regale zurückschweben ließ.
„Ich glaube, einige Zutaten fehlen noch", sagte Severus nachdenklich. Hermiones beleidigter Blick amüsierte ihn. „Ich denke, ich sollte Ihre Bestände an Baumschlangenhaut überprüfen… oder an Florfliegen…" Er bedachte Hermione mit einem wissenden Blick.
Hermione wurde schlagartig rot. „Sir, das…" Sie stotterte. Offensichtlich hatte sie den Hinweis sofort verstanden… Dann gelang ihr ein spitzbübisches Lächeln. „Es diente einer guten Sache! Wir wollten herausfinden, ob Draco der legendäre Erbe war, und da war Vielsafttrank notwendig…"
„Das habe ich mir gedacht. Mich interessiert aber, ob das Ergebnis zufrieden stellend war, oder ob ihre erstaunliche Verwandlung in eine Katze nicht nur aus dem Katzenhaar, sondern auch aus einem misslungenen Trank resultierte." Severus grinste süffisant.
Das Rot auf Hermiones Gesicht vertiefte sich – und breitete sich auf ihren Ausschnitt aus… Severus zwang seinen Blick wieder nach oben. Hermione sah trotz allem ein wenig stolz aus. „Oh ja, Sir. Harry und Ron sind ohne Probleme als Crabbe und Goyle in den Slytherin-Gemeinschaftsraum eingedrungen!", erwiderte sie triumphierend.
Severus nickte langsam. Obwohl er es bereits angenommen hatte, war es doch etwas schockierend. Er wusste von niemandem, der den Vielsafttrank in der zweiten Klasse hatte brauen können – außer Lily und ihm. Und sie waren zu zweit gewesen.
Severus registrierte Hermiones abwartenden Blick. „Beeindruckend", beeilte er sich zu sagen. „Nicht, dass es mich überrascht hätte."
Es kam ihm so vor, als sähe Hermione geschmeichelt aus – und Severus bemühte sich, das seltsame, warme Gefühl in seinem Bauch zu ignorieren, wie meistens. Es gelang ihm nicht, wie meistens.
Hermione schien noch etwas erwidern zu wollen, dann pustete sie sich eine lockige Haarsträhne aus dem Gesicht und nickte in Richtung des Lehrerlabors. „Wollen wir?", fragte sie.
Wieder folgte Severus ihr. Als er sich neben Hermione an die Wand lehnte, während sie die Bannzauber aufhob, sog er ihren Duft ein und kam sich vor wie ein alternder Lüstling. Aber was sollte es? Das war alles, was er jemals haben würde, da konnte er sich ruhig peinlich verhalten.
Sie betraten das Labor und wurden von Hitze überwältigt. Hermione prüfte kurz einen Trank, der auf heller Flamme kochte, und streifte dann mit einem Schnaufen ihre Robe ab. Severus genoss kurz den Anblick, wie sie sich über einen Tisch beugte, um den Umhang wegzulegen, dann drehte er sich schnell um und schlenderte durch das Labor.
„Felix Felicis, soso. Wollen Sie einen ihrer Schüler damit belohnen, wie Slughorn es früher immer tat?", fragte er beiläufig. Ihr warmes, glucksendes Lachen löste ein kribbelndes Gefühl in seinem Magen aus. Er hätte auch gerne eine Belohnung von ihr; die sähe dann aber anders aus…
Sich innerlich einen alten Narren scheltend, ging er weiter und sah sich einen anderen Kessel an, von dem ein betörender Duft ausging.
Eine leichte Berührung an seiner Schulter erschreckte ihn. Severus wandte sich um… Hermione war neben ihn getreten, stand dicht neben ihm. Sehr dicht; zu dicht. Eine ihrer weit abstehenden Locken kitzelte ihn an der Wange, und er starrte gebannt auf ihre sanft geröteten Wangen und ihre glänzenden Augen. Unbewusst sog er tief den Duft aus dem Kessel ein… und unüberlegte Worte formten sich in seinem Mund.
„Benutzen Sie etwa dieses Labor, um ihr eigenes Parfum herzustellen?", fragte er herablassend. Er sah, wie sich Hermiones Augen überrascht weiteten, und wandte sich dem Kessel zu.
Da sah er die Dampfschwaden, die in eine perfekten Spirale nach oben stiegen, und wusste, dass er einen riesigen Fehler gemacht hatte; einen riesigen, unverzeihlichen Fehler.
~oOo~
Hermione starrte Snape unsicher an. Hatte sie gerade richtig gehört? Ihr Parfum…
Die Gedanken kreisten wirr in ihrem Kopf. Ihr Parfum… Amortentia… Duft… Konnte es sein – „Wollen Sie damit sagen…" Sie stotterte. "Wenn Sie damit andeuten, was ich denke…"
Es konnte nur eines bedeuten, oder? Hermione sah den entsetzen Ausdruck in seinen Augen, sah, wie er einen Schritt zurückwich und sich umzudrehen begann. Nein!
Hermione packte ihre ganze Portion Gryffindormut, schoss mit einem sprungartigen Schritt auf ihn zu, zog Snape an seinen Schultern zu ihr herunter und drückte ihren Mund ungestüm auf seinen.
Snape zuckte zusammen. Oh, sie hatte in seine Unterlippe gebissen. Hermione ließ ihr Hände in seine Haare gleiten, zog seinen Kopf wieder zu sich und küsste ihn erneut, voller Inbrunst.
Und Snape erwachte ruckartig zum Leben. Seine Arme schnellten um sie, pressten sie fest gegen seinen harten Körper, und er küsste sie zurück, bis sie der Ohnmacht nahe war.
Als sie den Kuss wieder lösten, fand sich Hermione überraschenderweise zwischen Snape und der Wand eingeklemmt wieder. Sie seufzte glücklich, lehnte ihren Kopf überwältigt gegen die Mauer und betrachtete Snape, der mit wirrem Blick, zerzausten Haaren und hochroten Wangen auf sie hinabstarrte. Sie fand es unbestreitbar süß – beschloss aber unverzüglich, ihn an diesem Gedanken niemals teilhaben zu lassen.
Snape räusperte sich. "Ich denke, du hast aus meinem peinlichen Spruch exakt das Richtige geschlossen.", begann er. Seine Stimme klang rau. "Und wenn man deine Reaktion betrachtet, ergibt sich mir daraus ebenfalls nur ein Schluss, und der scheint meinem ursprünglichen Motiv nicht unähnlich zu sein." Er sah sie unverwandt an.
Hermione musste kichern. Wer um Merlins Willem konnte in einer solchen Situation schon mit solchen Formulierungen aufwarten!
"Wenn du dir nicht sicher bist, was das zu bedeuten hat, Severus, dann sage ich dir das gerne noch einmal." Den Kopf in den Nacken gelegt blickte sie ihn zärtlich an. Wer hätte das gedacht! "Ich habe mich schon vor einiger Zeit gehörig in dich verliebt."
Die Röte auf Severus' hellen Wangen vertiefte sich – Hermione unterdrückte ein entzücktes Seufzen und beschränkte sich darauf, ihm einige Haarsträhnen aus dem Gesicht zu streichen.
"Nun, also", Severus räusperte sich. "Auch!"
Durch die glücklich blubbernde Wärme in ihrem Inneren fühlte Hermione sich erneut zu einem mädchenhaften Kichern verleitet. "Wo ist denn nun deine allgegenwärtige und vielgerühmte Eloquenz geblieben?", fragte sie grinsend.
Severus knurrte, presste sie fester gegen die Wand – Hermione seufzte überwältigt – und sah sie gespielt böse an. "Wirst du etwa frech? Hast du schon etwas an mir auszusetzen?"
Zur Beschwichtigung musste Hermione ihn natürlich erst einmal wieder küssen. Nach einigen Minuten trennte sie sich heftig atmend von ihm und klopfte ihm gegen die Brust. "Nein, das habe ich keineswegs vor", sagte sie mit einem listigen Lächeln. "Aber bei dem, was ich jetzt vorhabe, ist Eloquenz auch nicht mehr zwingend notwendig."
Als hätte Severus nur auf das Stichwort gewartet, riss er Hermione in seine Arme und trug sie stolpernd davon, in ihre Räume. Und was dann geschah, hätte sich selbst eine Lavender Brown nicht träumen lassen, als sie diese Woche das Horoskop-Gedicht verfasste.
~Ende~
