Schattennacht
oooOOOooo
Fanfiction von Lady of the Dungeon featuring Slytherene
Eldi: So! ...imaginäre Staubkörner von der Robe wischt... Nachdem "Rückkehr ins Leben" soweit fortgeschritten ist, geht es auch bei „Schattennacht" weiter. Zumindest mit dem ersten Teil des Epilogs verraten wir nicht zu viel über die andere Geschichte, so dass Ihr vor Spoilern sicher seid.
Slytherene: Dies ist das vorletzte Kapitel dieser Geschichte. Voraussichtlich. Wir schreiben gerade noch ein paar Sachen um. Habt Ihr noch die letzte „Oscar-Nacht" vor Augen? Prima, denn dies ist ungefähr die Atmosphäre, die in diesem Kapitel herrscht.
„And the Merlin-Award goes to…" – Lasst Euch überraschen!
Kapitel 14
„And the Merlin-Award goes to…"
Remus lächelt Severus zu, als sie ihre Plätze einnehmen in der Großen Festhalle des Ministeriums. Severus erwidert das Lächeln nicht, doch sein Blick, da ist er sicher, sagt genug. Er muss nicht auch noch den kümmerlichen Rest seines Rufs ruinieren, und er schätzt Diskretion. Und dann ziehen sich seine Mundwinkel doch unabwendbar in die Höhe, als Remus ihm gegen die Brust tippt, dort, wo der Orden der Merlin, Erster Klasse, neben dem Wappen des Hauses Slytherin prangt.
„Das ist hier heute nur die Freakshow", sagt Remus. „Keine Angst, so einen Andrang wie bei deiner und Harrys Zeremonie wird es nicht geben."
Severus bezweifelt diese Vermutung, denn ‚Freaks', wie Remus es bezeichnet, ziehen stets das Interesse der neugierigen Massen auf sich. Doch er setzt sich und sein Blick ruht auf Remus, der in seiner neuen lindgrünen Festtagsrobe so gar nicht mehr wie der abgerissene Werwolf aussieht, den sie alle vor ihrem geistigen Auge haben, wann immer die Rede auf Remus Lupin kommt.
Das Ministerium ist über seinen Schatten gesprungen. Sie haben Remus nicht nur amnestiert – denn natürlich hielt die Lüge von Lucius' tapferer Hauselfe Lilli über die Todesfälle Greyback und Pettigrew am Ende nur ein paar Stunden den Befragungen des Büros zur Aufsicht und Führung Magischer Geschöpfe stand. Sie haben seine Angriffe auf die beiden Todesser als Notwehr gewertet, und für seine sonstigen Verdienste werden sie Remus heute als erstem Werwolf überhaupt den Merlinorden verleihen. Zweiter Klasse, aber immerhin. Severus folgt ihm mit den Augen, als er durch die Reihen geht, seine Freunde begrüßt – die Weasleys, Hermione Granger, die mit ihren Eltern gekommen ist, Potter, der natürlich selbst schon einen Merlinorden trägt, und MacGonagall, seine Hauslehrerin. Und dann entdeckt Remus in der Tür Kingsley, an dessen Arm eine junge Frau geht, die vermutlich ganz bewusst heute keine Robe, sondern ein elegantes Kostüm gewählt hat.
Charlene Blanche sieht Remus und sie begrüßen einander herzlich. Dann kniet Remus sich hin, um auch Selene Blanche, auf Augenhöhe willkommen zu heißen. Selene, gerade fünf geworden, trägt eine Zaubererrobe in dunkelgrünem Samt, die ihre Haare leuchten lässt wie Mondlicht. Neben ihr läuft Lilli und strahlt über das ganze grünbraune, runzlige Gesicht. Remus geleitet Charlene, ihre Tochter und Kingsley zu deren Plätzen, er trifft auf dem Gang noch auf Mundungus Fletscher, der mit Arabella Figg gekommen ist und vermutlich auch zum ersten Mal seit seiner Graduation von Hogwarts ordentliche Kleidung trägt.
Die Reihen füllen sich, und Remus kehrt zu seinem Platz neben Severus zurück, in der Hand balanciert er auf einem Tablett Erdbeeren mit Schlagsahne und zwei Kelche mit Champagner.
„Lass das auf meine Robe fallen und du bist tot, Lupin", schnarrt Severus.
„Keine Angst, ich habe jahrelang als Kellner gearbeitet, ich trage zur Not auch drei oder vier solcher Tabletts", lacht Remus, dem heute offenbar nichts und niemand die Laune verderben kann.
Severus nimmt ihm die Champagnergläser ab. Er stellt eines zur Seite und nippt an dem anderen.
„Auf dein Wohl."
„Und ich?", fragt Remus entgeistert.
„Du musst in exakt zweiundzwanzig Stunden und dreißig Minuten deinen Wolfsbann nehmen, und der verträgt sich nicht mit Alkohol, den dein caniner Stoffwechsel bis dahin nicht abgebaut haben wird", doziert Severus.
„Du bist wie eine verdammte Glucke, weißt du das eigentlich, Severus?", knurrt Remus.
„Ich beschütze, was mir gehört", erwidert Severus kühl, aber er spürt, dass sich dieses verräterische Lächeln, das ihm den intellektuellen Ausdruck eines Schafs – wenn auch eines schwarzen – verleiht, wieder auf seinem Gesicht manifestieren will.
„Ho, ich bin nicht dein Eigentum", entgegnet Remus leise.
Doch als im selben Augenblick das Licht ausgeht und das Magische Sinfonieorchester zu spielen beginnt, greift der Werwolf nach Severus' Hand, und er wird sie nicht mehr loslassen, bis man ihn nach vorne rufen wird, um seinen Merlinorden abzuholen.
Dumbledore persönlich lässt es sich nicht nehmen, die Laudationes zu halten, und zusammen mit dem Zaubereiminister und Harry Potter verleiht er die Orden des Merlin:
Erster Klasse, posthum, und zum großen Missfallen des Tränkemeisters, der die Zeremonie mit versteinerter Miene erträgt, an Sirius Black.
Dritter Klasse, mit dem Talent, auch die kleineren Verdienste zu würdigen, an Mundungus Fletcher und die Weasley-Zwillinge.
Zweiter Klasse, und es ist das erste Mal, das es stehenden Beifall gibt, an Remus Lupin. Severus erkennt den sonst eher zurückhaltenden Werwolf kaum wieder, der strahlt und jubelt und eine Dankesrede hält, als wäre er zum Zaubererminister ernannt worden. Er umarmt Dumbledore und Potter, und da er schon einmal dabei ist, auch den Zaubereiminister.
„Das alles wegen eines Stücks Blechs", grollt Severus. Doch auch er muss tief durchatmen, gegen ein gewisses unslytherinhaftes Maß an Rührung ankämpfen, denn er weiß, wie viel diese gesellschaftliche Anerkennung einem wie Remus bedeutet.
„Ich bin besonders stolz, dass ich heute Abend nicht nur dem ersten Lykantrophen in der Geschichte Großbritanniens einen Merlinorden verleihen darf, sondern auch der ersten Hauselfe", dröhnt Albus vorne auf der Bühne. „Bitte, Lilli."
Die kleine Elfe drückt sich in den Sitz, als der magische Scheinwerfer sie erfasst und zieht die Ohren zum Körper. Sie schüttelte den Kopf und will nicht auf die Bühne, bis Selene sie bei der Hand packt und energisch nach vorne auf die Bühne zieht. Die Elfe trägt ein weinrotes Kleid mit Rüschen, und dazu ein rosa Halstuch mit Einhörnern darauf. Es ist das Kleidungsstück, mit dem ihr Selene als rechtmäßige Besitzerin von Malfoy Manor - und damit auch der zugehörigen Hauselfen - die Freiheit geschenkt hat. Auf Druck ihrer Muggelmutter hin, denn Selene fand es toll, eine Hauselfe zu haben. Obwohl Lilli jetzt eine freie Hauselfe ist, wohnt sie weiter bei Selene; etwas anderes kann sie sich nicht vorstellen.
Severus fragt sich, ob Lucius wohl stolz wäre, wenn er wüsste, dass seine ehemalige Hauselfe einen Merlinorden bekommt. Vermutlich würde das Gryffindor-rote Kleid ihm allerdings die Tränen in die Augen treiben.
Doch Lucius wird es so schnell nicht erfahren, denn weder Zeitungen noch Besuch sind in Askaban Teil der Haftbedingungen. Das Ministerium hat seine Verdienste anerkannt. Zehn Jahre Haft sind eine lange Zeit, doch bedenkt man, was sie ihm alles haben nachweisen können in seinem Prozess, kann er sich eigentlich nicht beklagen. Alle anderen Todesser, bis auf den jungen Draco, sind lebenslang hinter den Mauern der Grauen Festung verschwunden.
Hermione Granger ist die erste, die aufspringt und Lilli frenetisch beklatscht, und ihr Verhalten hat Vorbildwirkung. Am Ende tobt der Saal und die Elfe hat Sturzbäche von Tränen in den großen braunen Augen.
Ein letztes Kissen, und darauf ein gold schimmernder Orden, warten darauf, verliehen zu werden.
Dumbledore lächelt breit. „Dies ist ein Tag der Premieren. Ich habe hier einen letzten Orden des Merlin zu vergeben – erster Klasse. Es ist die erste Ehrung dieser Art, die einer nichtmagischen Person zu Teil wird. Meine Damen und Herren, ich bitte um ihre Anerkennung für Mrs. Charlene Blanche."
Charlene erhebt sich und lässt sich von Kingsley Shacklebolt zur Bühne geleiten. Sie hat Jamie auf dem Arm und Selene an der Hand. Sie nimmt den Orden entgegen, und dann zieht sie ihren linken Schuh aus.
„Vielen Dank. Sie haben mir heute Abend eine große Ehrung erwiesen. Dabei habe ich nur das getan, was jede Mutter getan hätte, und mein Kind verteidigt. Alle Engel und Götter und guten Geister, oder an was auch immer Sie glauben, hatten ihre Hände im Spiel, als ich nichts anderes tat, als mich zu wehren."
Sie lächelt.
Jeder im Saal weiß, was sie getan hat. Als der Dunkle Lord – Severus kann sich immer noch nicht dazu bringen, ihn ‚Voldemort' zu nennen – sich von dem besiegt am Boden liegenden Dumbledore abgewendet hat, um nun endlich den kleinen Jamie Blanche und seine Mutter zu töten, hat Charlene mit dem Mut der Verzweiflung die letzte Waffe genommen, die ihr noch blieb: Den spitzen Absatz ihres silbernen Stilettos. Sie hat ihn Voldemort in die Brust gebohrt. Natürlich wäre der Dunkle Lord daran allein kaum gestorben. Der Herr der Todesser ist jedoch drei Schritte rückwärts gegangen, über den ohnmächtigen Dumbledore gestolpert und aus dem Fenster des St. Mungos auf die belebte Muggelstraße gestürzt. Das letzte, was der Dunkle Lord in seinem Leben gesehen haben mochte, war der grün-weiß-rote Schriftzug auf dem Kleintransporter des Pizzalieferdienstes, der ihn überrollte.
„Bella Napoli."
„Ich finde es merkwürdig, dass Sie meinen Schuh für Ihr Museum haben möchten, Minister, aber natürlich überlasse ich Ihnen selbigen gerne. Ich möchte die Gelegenheit ergreifen, noch einigen Menschen meinen ganz persönlichen Dank auszusprechen. Da wären zuerst die Auroren Ihres Ministeriums, von denen ich viele über meinen verstorbenen Mann persönlich kannte. Dann natürlich die Mitglieder des Phönixordens um Professor Dumbledore, die ins St. Mungos gekommen sind, um meinen Sohn Jamie und mich vor Voldemort zu retten." Der Name des dunklen Magiers kommt ihr leicht über die Lippen.
„Darüber hinaus – wie Sie alle sehen, habe ich zwei Kinder. Dass meine Tochter Selene noch lebt, verdanken sie und ich dem Mut und der Entschlossenheit von unserer kleinen, großen Lilli, sowie von Remus Lupin und Severus Snape, denen ich nicht genug danken kann. Doch ihr Einsatz wäre zwecklos gewesen ohne die Opferbereitschaft von Selenes Vater Lucius. Ich wünschte sehr, er könnte heute Abend bei uns sein."
Totenstille herrscht im Saal. Zu Severus' Entsetzen tritt ausgerechnet Harry Potter ans Mikrofon und sagt laut:
„Ich finde, Mrs. Blanche hat Recht. Ohne den Einsatz von Mr. Lucius Malfoy wäre mindestens die Hälfte der aktuellen Träger des Merlinorden tot, mich eingeschlossen."
Er beginnt zu applaudieren, und Severus zuckt zusammen, als Remus neben ihm aufsteht und ebenfalls zu klatschen beginnt. Tatsächlich applaudiert mittlerweile ein großer Teil des Publikums, auch wenn der Zaubererminister mit versteinerter Miene auf der Bühne steht und missmutig einen silbernen Stiletto in der Hand dreht.
Fotoapparate klicken und ein Blitzlichtgewitter bricht über sie alle herein. Auf dem anschließenden Empfang meidet der Zauberereiminister Charlene Blanche, was dieser vermutlich herzlich egal ist. Sie ist inmitten der Ordensmitglieder bestens aufgehoben.
„Professor Snape?"
Severus dreht sich um, das halbleere Champagnerglas in der Hand.
„Potter. Was wollen Sie?"
„Könnten wir uns noch einmal über das Nachsitzen unterhalten? Ich meine, jetzt, wo alles heil überstanden ist…"
„Mr. Potter, ich meinte, was ich in dieser Zelle zu Ihnen sagte, und es gibt keinen Grund, etwas davon zurück zu nehmen", raunzt er den Jungen an.
„Ah, Harry", sagt Remus, der plötzlich neben ihnen auftaucht und gut gelaunt eine Hand auf Severus' Schulter legt, der ob dieser öffentlichen Zuneigungsbekundung zusammenzuckt. „Auch wenn Severus dir die Strafe nicht erlässt, würde ich mich an deiner Stelle nicht zu sehr grämen. Da Hogwarts im nächsten Schuljahr ohne Severus auskommen muss, obliegt die Entscheidung über die Form des Nachsitzens deiner Hauslehrerin. Ich bin sicher, Minerva wird auch Quidditchtraining als Nachsitzen anerkennen."
Potter strahlt über das ganze Gesicht.
„War das nötig?", grummelt Severus, als der Junge-der-lebt sich getrollt hat. „Wäre es nicht früh genug gewesen, ihm diese gute Nachricht zu Beginn des Schuljahres zu offerieren?"
„Verzeih mir", sagt Remus und tut so als wäre er zerknirscht. „Aber er hat mir Leid getan. Ich wollte ihm nicht die ersten Ferien nach dem Sieg über Voldemort verderben."
„Stattdessen verdirbst du sie lieber mir?", erkundigt sich Severus sarkastisch.
Remus lächelt. „Aber nein. Ich plane, diese Wochen zu den besten deines Lebens zu machen."
Severus werden die Knie weich, jedes Mal, wenn Remus ihn so ansieht. Mittlerweile weiß er genau, wie sich das anfühlt, was Remus' Augen versprechen, und seine Hormone verwandeln ihn in einen dümmlichen Teenager und verursachen dieses selten dämliche schafsähnliche Grinsen.
„Wie lange müssen wir hier bleiben?", fragt Severus leise, und seine Stimme klingt rau.
„Lange. Bis zum Schluss. Es ist meine ‚Orden-des-Merlin-Nacht'", sagt Remus mit maliziösem Grinsen.
Severus verdreht die Augen, aber natürlich gönnt er seinem …Freund? Liebhaber? Geliebten?... die rauschende Party, die dieser sichtlich genießt. Egal, wie lange es dauert, Severus wird warten. Glücklich warten, denn überhaupt in der Lage zu sein, darüber nachzudenken, was Remus nun für ihn ist, und sich nur noch zwischen so wundervollen Begriffen entscheiden zu müssen, ist pures Glück. Am Ende der Nacht wird Remus in seinen Armen liegen, und Severus wird sich lebendig fühlen – lebendig, frei und glücklich.
Ende
A/N: Ja, wir wissen hier steht „Ende". Aber einen kleinen süßen Nachschlag wird es noch geben. ;-)
