Kerkermond

Lady of the Dungeon

Alle Figuren gehören J.K. Rowling. Ich werde sie unbeschadet zurückgeben, soweit sie selbst diese Figuren angemessen behandelt.


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Danke für die Reviews: IceEgg, Silbergold und NadjaHaexe.

IceEgg: Du hast natürlich recht, was die unberechenbaren Faktoren in Lucius' Rechnung betrifft. Peter und Bella sind stets für eine Überraschung gut. Aber noch halten sie Lucius für einen loyalen Diener Voldemorts.

So, wertes Publikum, wir nähern uns einer Entscheidung: Vollmond!

Was geschieht in Lupins Kerker, wo in diesem Kapitel der Mond aufgeht. Wird er Lene und Mina zerreißen, oder kann Tessi entscheidend eingreifen? Wird sie irgendwo ein letztes Fläschchen Wolfsbann erstehen?

Heute ein kurzes Kapitel, aber es wird bald weitergehen.


13. Remus: Durch die Dunkelheit

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„Der Mond geht bald auf", murmelte Severus leise, nachdem er einen Blick durch das schmale hohe Fenster gen Himmel geworfen hatte. „Sie haben Lupin nicht geholt."

„Merlin, heißt das, wir haben gleich einen ausgewachsenen Werwolf hier im Keller?" fragte Narcissa besorgt.

„Ja. Es ist ein Mittagsmond. Er verliert erst den Verstand und wandelt später die Form", erklärte Severus. „Hoffentlich ist er allein in seiner Zelle."

„Hoffentlich halten die Gitter, mit wem auch immer er da drin ist", fügte Narcissa hinzu.

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Eine halbe Stunde vor Mondaufgang verlor Remus seine Fähigkeit zu sprechen. Als ihm in dem verzweifelten Versuch, Lene zu sagen, wie sehr ihn die Situation quälte, wie unendlich er bedauerte, zu sein, was er eben war, nur ein Jaulen entkam, zog er sich in die hinterste Ecke der Zelle zurück. Er war schon jetzt maximal gestresst, der Kopfschmerz wurde unerträglich und machte ihn stetig aggressiver. Ganze Salven von Adrenalin und Testosteron jagten durch seinen Körper.

Der Trieb der Bestie siegte über Remus' letzte Anwandlungen von Anstand, oder vielleicht war es auch Anstand, als er sich wegdrehte und sich selbst berührte, um die Spannung zu lindern, den Druck zu senken. Abgrundtiefe Scham mischte sich mit Lust zu einem explosiven Gemisch, von dem der Vollmond den Deckel abziehen würde. Er biss sich die Lippen blutig beim Versuch, nicht zu schreien, als er kam.

Lene hatte sich mit Mina auf dem Arm in die Nähe der Tür gekauert. Er konnte ihre Angst riechen, und noch etwas anderes, Metallisches…Blut. Merlin, musste sie ausgerechnet jetzt menstruieren? Der Blutgeruch würde alles nur noch schlimmer machen.

‚Götter von Lene, wenn Ihr mich seht, erhört doch wenigstens ihre Gebete, wenn schon nicht die meinen. Nehmt mich und lasst sie. ‚

Die Götter schwiegen.

Der Krach einer Apparition, die die Sperre mit der Gewalt elfischer Magie überwand, ließ ihn die rotgeränderten Augen noch einmal öffnen. Mitten in der Zelle stand eine winzige Hauselfe, nicht einmal schulterhoch so groß wie Dobby.

„Lupin?" fragte sie und sah ihn unsicher an.

„Ja", antworte Lene anstelle des verstummten Mannes. „Remus Lupin."
Sie wies auf den Werwolf.

Die Elfe lächelte. Sie blickte sich um und sah Mina.

„Gib mir das Kind, Frau", sagte sie.

Lene zögerte. Doch die Geste der Elfe war eindeutig.

Remus knurrte, kauerte jedoch reglos in seiner Ecke.

„Tessi", sagte sie Elfe und zeigte auf sich selbst. „Tessi. Hauselfe von Lucius Malfoy."

Der Name Malfoy ließ Lene begreifen. Sie wickelte ihre Strickjacke zusätzlich um Mina und legte sie der Elfe in die Arme. Sie küsste das Mädchen und trat einen Schritt zurück.

Remus sah ihr Gesicht. Sie lachte unter Tränen.

Tessi disapparierte mit dem Kind.

Remus atmete auf. Ein Teil seiner Gedanken beschäftigte sich unwillkürlich mit Malfoys Motiv. Was hatte Voldemorts Knecht mit dem Kind vor? Er hatte die Kleine ja vorhin bereits holen wollen – und zwar heimlich.

Warum? Welche finsteren Abgründe trieben Lucius Malfoy an?

Doch ein anderer Gedanke gewann sogleich die Oberhand. Er, Remus, würde nicht für den Mord an dem Mädchen verantwortlich sein. Erleichterte es ihn, dass die ohnehin durch den Dolorcalmus fest schlafende Mina nicht neben ihm liegen würde, während er ihre Mutter…?
Er biss sich auf die wunde Unterlippe. Diese verfluchten Hormone trieben ihn in den Irrsinn. Der Mittagsmond war noch nicht einmal aufgegangen, und er war bereits jetzt nicht mehr Herr seiner Triebe. Er musterte Lene, halb verzweifelt, aber auch halb schon mit der lüsternen Frage, wie sie sich wohl anfühlen würde, wenn er ihr diese Kleider erst einmal vom Leib gerissen haben würde. Er konnte sie riechen, immer stärker, ihre Angst, aber auch ihr dichtes, weiches Haar, und noch etwas anderes, stärkeres.
Sie rief ihn.

Ihr Duft rief ihn, siewollte, dass er sich ihr näherte, sich ihr auf eine sehr bestimmte Weise näherte.

Nein, nein, nein!

‚Ich bin kein Vieh, kein Monster, ich bin immer noch ein Mensch. Götter!'

Im nächsten Moment hatte er seine eigenen Fingernägel tief in seinen Unterarm vergraben.
Er hörte Sirius in der heulenden Hütte: ‚Mit dem Wahnsinn im Inneren kennst du dich ja bestens aus, Remus!'

Remus.
Er war Remus, und er war kein grausames Biest.
Noch nicht.
Der Schmerz brachte ihn zur Besinnung.
Dieses Mal noch.
Er schrie.
Es klang wie ein Heulen.
Blut lief an seinen Unterarmen hinunter.

Ein weiteres Mal zerriss das Apparitionsknallen die unheimliche Stille seines Kerkers. Malfoys Hauselfe kehrte zurück.

Sie trat zu Remus. „Master Malfoy hat gesagt, Tessi soll Wolfsbann bringen. Es gibt keinen mehr, Tessi hat jedes Tränkegeschäft versucht. Tessi kann die Frau nicht mitnehmen, weil Master Malfoy das nicht befohlen hat. Master Lucius hat befohlen, dass Tessi sich einen anderen Trank ausdenkt."

Die Hauselfe hockte sich direkt vor Remus, der jetzt, von ersten Krämpfen geschüttelt, auf dem Boden lag. Sie zog eine Phiole mit einem violetten Trank aus der Tasche. Blauer Rauch quoll heraus, als sie den Korken löste. Etwas an dem Geruch ließ den Werwolf instinktiv zurückweichen. Es roch ähnlich wie Wolfsbann, säuerlich-scharf und etwas faulig, aber es hatte eine merkwürdig süßliche Note dabei, die ihm die Nackenhaare zu Berge stehen ließ. Diesmal hörte er Severus' Stimme in seinem Kopf: ‚Verkorkter Tod'.

„Tessi weiß zu wenig. Das hier tötet alles, was Fleisch frisst. Tessi weiß nicht, ob es hilft." Sie hielt ihm die Phiole hin.

Sein Blick glitt zu Lene, die vorsichtig näher kam. Sie konnte nicht wissen, was in der Flasche war, da sie Malfoys Hauselfe nicht verstand. Sie wusste nur, dass diese ihr eben einen Herzenswunsch erfüllt und ihre Tochter gerettet hatte.

Remus' Hand zitterte, als er sie nach der Phiole ausstreckte, aber er zwang das sich verzweifelt wehrende Tier in seinem Inneren nieder. Bevor er zum triebdominierten Mörder wurde, würde er lieber sterben. Die Entscheidung war eine der einfachsten, er musste sich nur gegen den tobenden Werwolf in seinem Kopf durchsetzen. Endlich schlossen sich seine Finger um das warme Glas, und nachdem seine Entscheidung damit offenbar war, half ihm Tessi und führte die Phiole an seine Lippen.
Der Trank schmeckte deutlich besser als Wolfsbann. Er war süßlich-bitter, mit einem dumpfen Stich.

„Was hast du ihm gegeben?" fragte Lene die Elfe, die sie natürlich nicht verstand.

„Tessi muss sich um das Kind kümmern", erklärte sie statt einer Antwort.

Dies wiederum konnte Lene nicht verstehen.

Malfoys Hauselfe nickte, dann verschwand sie mit einem letzten lauten Knacken.

Remus starrte an die Decke, unfähig zu sprechen. Er spürte, wie sein gesamter Körper kalt und steif wurde. Der Mond war nah. Das typische Jucken, wenn sich zehntausende feiner Haare anschickten, seinen Körper mit Fell zu überziehen und die Haut zu durchstoßen, verstärkte sich, nur um bald darauf wieder abzuschwellen. Lag es am Mittagsmond? Remus konnte sich kaum bewegen. Und dann begann ein unangenehmer Schmerz sich von seinem Magen aus in seinen Eingeweiden auszubreiten, während die Dehnungsschmerzen in seinen Muskeln und Gelenken abebbten. Die Magenschmerzen wurden immer stärker. Es fühlte sich an, als säße etwas in Remus' Bauch und mache sich daran, seine Eingeweide aufzureißen und anzufressen – fast wie eine Ratte.

‚Es tötet alles, was Fleisch frisst' – Remus hatte sich seit Tagen von nichts anderem ernährt als rohen Schlachtabfällen. Stöhnend rollte er sich auf die Seite. Hinter sich hörte er Lenes leichte Schritte.

„Remus? Was hat sie dir gegeben? Was ist mit dir?" Ihre Hand lag warm auf seiner Schulter.

Zu seinem eigenen großen Erstaunen formten seine Lippen eine Antwort. Menschliche Sprache kehrte zurück. „Nicht….verwandelt. Ich…" Seine Worte versanken in einem heiseren Schrei, als die Ratte in seinem Leib begann, ihre Krallen und Zähne in seinen Magen zu versenken und daran herum zu reißen. Merlin, er verlor die relative Schmerzunempfindlichkeit des Wolfs. Dann fühlte er, wie ihn etwas in eine glühendheiße Spirale aus grellem Licht und loderndem Schmerz hinab zog.

Er hörte sich selbst schreien, menschlich und doch völlig unmenschlich, und seine Hände krallten sich in Lenes Schultern. Er hörte Lenes Stöhnen, spürte die Wärme ihrer Arme und schließlich ihren Körper nah an seinem.

Bei Circe, das war es gewesen, was er die ganze Zeit gewollt hatte. Wie pervers konnte er sein, die Frau eines Mannes zu begehren, der für ihre Sache gestoben war – nur Stunden nach seinem Tod?

Ihm war seltsam schmerzlich bewusst, dass Lene ihn nur berührte, um die Ratten zu beruhigen, die sich inzwischen vermehrt hatten. Es waren jetzt drei oder vier, die ihn von innen auffraßen.

Die heimtückischen Nager zerrten ihn weg von der Sicherheit, die Lenes weicher Körper bot, in einen Strudel aus gellendem Schmerz.

„Wenigstens deine Götter, Lene, hatten ein Einsehen", keuchte er.

Er versuchte verzweifelt, sich an ihrer Wärme festzuhalten, an dem Licht in ihren sanften Augen, doch die Ratten – es mussten hunderte sein - waren stärker. Sie rissen ihn mit sich, bis er in einem dunklen Meer aus rasender Pein ertrank.
Er spürte Lenes Nähe noch, als sein Körper, unfähig zu atmen, in seiner Sauerstoffnot zu krampfen begann.

„Remus." Lenes Stimme, sanft, besorgt, irgendwo hinter ihm.

Er versuchte sich umzusehen. Es war ein harter, grausamer Kampf. Doch dann - die Schmerzen hörten von einem Augenblick zum nächsten auf. Alles wurde still.

„Remus." Eine Frauenstimme, doch sie gehörte nicht Lene Mortensen.

„Moony!" Ein Mann.

Remus lächelte und ging in die Richtung, aus der er Lily und James Potters Stimmen gehört hatte.


Fortsetzung folgt