Kapitel 13

Das Gegenwärtige

Rumpelstilzchen saß in seinem Bett und blickte gelangweilt auf das Schauspiel, welches sich neben ihm abspielte. Cora brüllte und kämpfte gegen drei Pfleger, die mit aller Kraft versuchten die Frau zu beruhigen. Mit festem Griff drückten sie sie auf das Bett, doch sie schaffte es immer wieder sich los zu strampeln, tritt und spuckte nach den kräftigen Männern bis ein vierter Pfleger erschien. Randall hatte die Spritze bereits gefüllt und versuchte nun ihren Arm zu fassen zu bekommen.

„Komm schon, Cora Liebes, halt jetzt still oder ich muss dich in die Isolierzelle bringen. Das musst du dir nicht immer selbst antun.", redete er beruhigend auf die Frau mit kastanienbraunem Haar ein, doch alles Redens war vergebens. Cora wehrte sich weiterhin mit aller Macht.
Die Ruhe schwand aus Randalls Gesicht und Stimme, als er seinen Kollegen einen festen Blick zuwarf.

„Gerald!", der Angesprochene nickte nur, packte dann noch fester zu und legte sich auf die sich windende Frau. Geheule und Gezeter klang Dumpf aus ihrem Mund, doch Randall gab sich unbeeindruckt. Wie selbstverständlich schnappte er sich nun ihren Arm und pumpte das Beruhigungsmittel in ihren Körper. Gerald blieb noch einige Momente auf ihr bevor ihre Stimme verstummte und ihre Bewegungen verebbten. Erst als Cora ausgeschaltet war, traten die Pfleger von dem Bett weg und schüttelten ihren Kopf.

„Immer das Selbe mit ihr. Der Doc sollte ihre Medikamentendosis gleich erhöhen.", empfahl Gerald und machte sich mit den Anderen auf das Zimmer wieder zu verlassen. Zurück blieben Randall und Mr. Gold.

„Wieder eine wundervolle Abendvorstellung von unserer teuren Cora, was Dunkler?".

Rumpel zuckte unbeeindruckt mit seinen Schultern.

„Das einzige Wundervolle an ihr ist die Tatsache, dass sie so schnell auf dieses Medikament reagiert und endlich die Klappe hält."

Der Pfleger kicherte fast schon kindlich, zog sich einen Hocker an Golds Bett und begutachtete das kaum angerührte Essen.

„Der Fraß ist wirklich unter aller Sau.", bestätigte er gut gelaunt.

„Vielleicht hat der Dunkle einen besonderen Wunsch, dem ich ihn erfüllen kann. Vielleicht Fleischpasteten?" Seine dunklen Lippen verzogen sich zu einem breiten Grinsen, als er das wütende Funkeln in Mr. Gold Augen wahrnahm. Er konnte sehen, wie sein Brustkorb sich in einem rascheren Takt hob und senkte und ergötzte sich daran, ihn ein wenig aufzuregen.

Ich wollte nur meine Freiheit...und du hast mich in noch schwerere Ketten gelegt...und sieh uns jetzt an...jetzt bist du an der Leine und ich...ich laufe frei herum...

Er betrachtete seinen einstigen Kerkermeister, ohne, dass das Grinsen aus seinem Gesicht schwand. Freude zeichnete sich in seinen Augen ab. Freude und eine Spur von Zufriedenheit.

„Ich kenne diesen Blick, Boogie.", ergriff Rumpel das Wort und holte sich so die Aufmerksamkeit seines Wärters.

„Boogie..." sinnierte er wie weit entfernt

„So hat man mich schon lange nicht mehr genannt."

„Ich könnte dir noch ganz andere Namen geben, aber was brächte uns das? Nichts..."

Das Grinsen in Randalls Gesicht wandelte sich in ein Lächeln.

„Genau...nichts..."

„Also, was hat deine Laune so sehr gehoben, seit du das letzte Mal hier unten warst?", fragte Mr. Gold und hoffe, dass der großgewachsene schwarze Mann es ihm verraten würde. Es waren die einzigen Moment, wo er etwas über das Leben auf der anderen Seite der Gitterstäbe mitbekam. Die einzigen Augenblick, wo so etwas wie Hoffnung in ihm keimte, etwas zu erfahren, was er für sich benutzen konnte. Doch Randall kannte seinen alten Meister viel zu gut. Wusste, um seine Methoden und Manipulationen und genoss es regelrecht, ihm nur winzige Strohhalme zuzuwerfen, um ihm diese dann brutal entreißen zu können.

„Ich hab den Jungen gesehen, persönlich und nicht nur mein Schatten.", erklärte er mit Begeisterung in der Stimme.

Alleine in seiner Nähe zu sein, hat mich fast wahnsinnig gemacht.", er erinnerte sich an den Morgen in Grannys Diner, erinnerte sich an das überwältigende Gefühl, als er die vollkommene kleine Seele betrachten konnte. Diese einzigartige Seele, die ihm der letzte Schlüssel zur ultimativen Freiheit darstellte.

„Es war vollkommen..."

„Und warum hast du ihn dir nicht geschnappt?", fragte Mr. Gold mit Interesse. Dass Randall diese Chance einfach verstreichen ließ, machte ihn stutzig.

Was hast du vor, du alter schwarzer Bastard.

Randall lachte auf und schenkte dem Patienten in dem Bett einen Blick, als hätte er die dümmste Frage auf Erden gestellt. Fast schon belehrend erklärte er:

„Ihn mir einfach schnappen und diese wundervolle Möglichkeit einfach verstreichen lassen?"

Der Ältere runzelte die Stirn, als er die Worte des Anderen zwar wahrnahm, doch nicht richtig deuten konnte.

„Welche Möglichkeiten, Boogie?", fragte er geradeaus und glaubte doch nicht eine Antwort zu bekommen, um so überraschter war er, als Randall weitersprach.

„Oh, du wirst es nicht glauben, aber ihre Seelen haben sich erkannt. Sie sind noch ein bisschen stur, aber du kennst mich, ich liebe die Herausforderung"

Mr Golds Blick fraß sich in Randalls schwarze Augen. Er verstand nicht auf Anhieb von wem der Pfleger sprach und brauchte einen Moment der Überlegung, ehe es ihm wie Schuppen von den Augen fiel.

Ihre Seelen...wovon zum Teufel...oh...ich verstehe, aber warum sollen sie sich wieder verbinden...du hast doch bereits...OH...NEIN!

„Der Kleine genügt dir nicht?", kam es geschlagen aus Rumpelstilzchens Mund. Auf einmal fühlte er sein ganzes Alter in den Knochen, spürte die vielen Jahre in seiner Seele, als wären sie Ballast, die ihn nach unten zogen.

Abermals erklang Randalls Lachen, viel zu kindliche für sein Erscheinen, während er nach der Gabel griff und ein wenig Kartoffelpüree auf diese schob.

„Warum eine Quelle versiegen lassen. Sie mag zwar im Moment ein wenig verstopft sein, doch ich weiß wie ich sie wieder zum fließen bekomme. Du ahnst ja gar nicht, welch ein Vorteil unregelmäßige Arbeitszeiten haben, vor allem für einen Hilfssheriff mit zwei Kindern. Und vielleicht hast du ja davon gehört, aber ein paar Kinder schlafen so unruhig...sind regelrecht ausgelaugt...und überreizt...unsere beiden Hüter des Gesetzes haben alle Hand zu tun, dort wo sie ihre Aggressionen rauslassen."

Es gibt genügend Unheil das ich stiften kann, damit er genügend zu tun hat, um ihre Hilfe zu suchen...und dann...

Ein Grinsen zeichnete sich auf dem Gesicht des Pflegers ab, während er die Gabel in einer zuprostenden Geste erhob. Danach schob er sie sich in den Mund und verzog die Mundwinkel gen Boden, als er sich gleichzeitig erhob.

„Ich sagte ja, dieser Fraß ist wirklich unter aller Sau!", ohne ein weiteres Wort des Abschied, verließ Randall das Krankenzimmer und ließ einen verstört dreinblickenden Patienten zurück.

Der ist noch Irrer als ich erwartet habe... die lange Gefangenschaft ist ihm wahrlich nicht gut bekommen.


Das Verlorene

Die Kutsche fuhr in einem gemächlichen Tempo über die Straße. Die Sonne fiel durch das dichte Blätterdach der Bäume, tauchte den Boden in ein goldenes Licht mit diffusem Muster. Regina saß neben Robin. Beide vermieden es den Anderen anzuschauen und wandten ihre Blicke aus dem jeweiligen Fenster zu ihrer Seite. Snow White saß den Beiden gegenüber, lächelte vor sich hin und versuchte die Stimmung in dem Gefährt aufzulockern. Schon nach wenigen Metern gab sie es jedoch auf, da weder Robin noch Regina auf ihren Versuch eine Unterhaltung aufzubauen eingingen.

Die Herren von Sherwood Forest waren erleichtert, als Snow endlich aufgab und der Rest der Fahrt schweigend verlief. Die Stimmung im Innern der Kutsche war bedrückend, als lastete eine Decke auf ihrer aller Gemüt, die zu schwer war, um sie einfach von sich zu schieben.
Die Bäume lichteten sich. Mehr und mehr Mittagssonne durchflutete nicht nur die Straße, sondern bahnte sich ihren Weg durch die Fenster der Kutsche.

Regina wurde geblendet, doch anstatt ihr Augenmerk ins innere des Wagens zu richten, blieb sie unverändert sitzen. Ihre Fingerspitzen zwirbelten an einer Haarsträhne herum, während sie sich innerlich wünschte, diesen Tag nochmal neu beginnen zu können. Sie wusste um seine Wut, wusste um das Unausgesprochene, was zwischen ihnen stand, doch sie war ebenso stur wie der Mann an ihrer Seite. Und so hoffte sie, dass sie ihr Ziel endlich erreichten.

Robin hatte kein Wort mehr mit ihr gewechselt, seit er die Gemächer der Königin verlassen hatte. Mit Groll in der Brust war er in den Stallungen verschwunden und hatte die Kutsche selbst bespannt. Er wollte sie selbst führen, doch der Kutscher ließ nicht mit sich reden und so blieb ihm nichts anderes übrig, als beiden Frauen in die Kutsche zu helfen und sich ebenfalls dazu zu setzen, damit die Situation sich nicht noch weiter verschlimmerte. Er hatte Reginas Versuch mit ihm zu reden abgewunken, noch ehe sie die Kutsche bestieg. Der ehemalige Räuber wusste um seine Stimmung und empfand es für alle Beteiligten am besten, wenn er einfach schwieg und sich beruhigte. Doch Ruhe wollte einfach nicht einkehren. Sein Herz hämmerte wild gegen seinen Brustkorb, während seine Gedanken rasten. Der Blick in den sich langsam auflösenden Wald gerichtet, half ihm nicht, sich zu beruhigen. Er konnte nicht verstehen, warum diese leise Angst, die in seinem Innern lauerte, gerade jetzt herausbrach.

Sie erreichten ihr Ziel, ein einfaches Haus in einem kleinen Dorf. Der runde Dorfplatz lag nur wenige Meter entfernt. Der Geruch frischer Backwaren und die Geräusche einer naheliegenden Taverne füllten die Luft, doch weder Robin noch Regina brachten diesen Eindrücken genügend Aufmerksam entgegen. Der Herr von Sherwood Forest entstieg der Kutsche und half erst Snow und zum Schluss Regina aus dieser. Für einen winzigen Moment zögerte seine Gefährtin seine Hand zu nehmen, doch sie entschloss sich dagegen, um die angespannte Stimmung keinen neuerlichen Grund zu geben, um sich zu entladen.

Vor der Kutsche warteten bereits Emma, John und David. Die Blonde wandte sich sogleich an die Neuankömmlinge und warf einen Blick auf die Turmuhr, die aus dem Dorfplatz herausragte.
„Ich dachte schon ihr hättet es auch anders überlegt."

Regina seufzte und antwortete, während sie den Weg zur Tür zurücklegte.

„Wenn es nach den Beiden ginge, dann wären wir gar nicht gekommen."

Emma schaute die Schwarzhaarige verwirrt an und schenkte Robin und ihrer Mutter einen fragenden Blick, als Regina sich nicht weiter erklärte. Snow schloss ihre Augen und schüttelte entschieden ihren Kopf, um ihrer Tochter zu verdeutlichen, dass sie dieses Thema lieber fallen lassen sollte.

Will ich wissen, was passiert ist?...nein...

Regina klopfte bereits an die Tür der Familie. Eine großgewachsene Frau mit hängenden Schultern öffnete. Sie war noch nicht so alt, doch die Sorgen hatte tiefe Risse in ihre Gesicht gezogen, so dass sie weitaus älter wirkte. Ihre ganze Erscheinung war gebeugt, als wäre die Last ihres Schicksal zu schwer, um noch aufrecht gehen zu können. Für einen winzigen Augenblick sympathisierte Regina mit dieser fremden Frau. Für einen winzigen Augenblick erinnerte sie sich daran, wie es sich anfühlte das eigene Kind zu verlieren.
Die Fremde schaffte kein Lächeln. Ihre Augen waren nichts weiter als zwei leblose Flecken, umrahmt von tiefen Schatten.

„Ko...kom...kommen sie herein, Madame." sie machte einen müden Knicks und wich zur Seite, damit Regina und auch die anderen eintreten konnten, doch noch ehe sie gänzlich das Haus betrat, hörte sie Robin.

„Das ist nicht sein Ernst!"

Regina wandte sich um und folgte nicht nur Robins Blick, sondern auch den der Anderen. Drei Pferde bewegten sich in einer langsamen Gangart über die Straße und gaben die Reiter preis.

Roland saß auf seinem kleinen Pony und konnte kaum mit Neal und Henry mithalten, da sein Reittier nicht nur kleiner, sondern auch bedeutend älter war.

„Wolltet ihr nicht weiter fischen?", fragte John und schüttelte seinen Kopf. Für ihn war es jedes Mal ein Akt der Überwindung Neal in seiner Nähe zu haben, doch er hatte eingelenkt. Hatte sich einverstanden erklärt, dass sie zusammen mit ihm und den beiden Jungen den Morgen beim Fischen verbringen würden. Danach sollte er bei den Kindern bleiben und auf sie Acht geben, doch anscheinend hatten sich die Pläne geändert.

Die Drei kamen vor den Anderen zum stehen und stiegen von ihren Pferden ab. Rolands helle Stimme verkündete voller Stolz:

„Wir haben so viel gefangen. Das wird ein Festessen!" Dass die anderen Personen über ihr Erscheinen nicht begeistert waren, bekam er gar nicht mit.

„Es wurde langweilig und Henry hat gefragt, ob wir euch nicht lieber helfen sollen", erklärte Neal ihr Erscheinen.

Robin starrte erst Neal, dann Henry und dann wieder Neal an. Er fuhr sich mit seiner Hand durch das Haar, während er seinen Kopf schüttelte. Ein Blick zu John und er konnte erkennen, dass seinem Kumpel das Gleiche durch den Kopf schoss, wie ihm selbst.

Der bringt die Kinder hier hin, weil einer der Jungen es will...Himmel.

„Wenn euch langweilig ist, dann geht jagen oder reitet zum Palast und ärgert die Küchenmägde...wie in aller Welt sollen die zwei hier behilflich sein?", stieß Emma mit gereizten Unterton aus.

„Warum wirst du gleich sauer? Als wenn da drin ein kinderfressendes Ungeheuer hausen würde. Es ist bloß ein nicht ansprechbarer Junge."

Emmas Augen weiteten sich, doch bevor sie etwas erwidern konnte, kam ihr Robin zuvor.

„Die Beiden haben da drin nicht zu suchen und damit basta."

Neals Augen wanderten zu Robins Gestalt und fanden ihr Ziel in seinem Gesicht.

„Du kannst ja den Kleinen da raus halten, aber ich denke Henry ist alt genug. Er ist kein kleines Kind mehr."

Snows Hand legte sich auf Robins Oberarm, während Davids Blick auf Regina fiel, aus Angst die einstige Königin könnte nun dazwischen gehen und vielleicht die Nerven verlieren. Er konnte den Funken der Wut in ihren Augen sehen, doch er erkannte noch etwas anderes. Den Versuch sich zu beherrschen, was ihr sich hebend und senkender Brustkorb verriet.

„Stimmt.", antwortet Robin gereizt. Einen weiteren sturen Kopf konnte er nicht ertragen.

„Er ist kein kleines Kind mehr, aber er IST ein Kind. Und ich lasse ihn bestimmt nicht da rein, wenn schon Emma nach Hause kam, als habe sie einen Geist gesehen."

Was ist nur los heute..

„Also, Roland komm!", machte er und streckte die Hand nach seinem Sohn aus. Der Junge wusste sofort, dass er nicht widersprechen sollte, da er ohnehin keine Chance haben würde. Er kannte seinen Vater gut genug, wusste dass er ihn mitnehmen würde, egal wie sehr er sich auch zur Wehr setzten würde. Und da er überhaupt nicht verstand, warum alle so wütend waren und er diese Atmosphäre nicht mochte, lenkte er schnell ein, in der Hoffnung verschwinden zu können. Der Lockenkopf ergriff die Hand seines Vaters, während dieser sich zu den Anderen wandte.
„Ihr braucht mich hier ohnehin nicht, ich nehme die Jungs und warte in der Taverne auf euch."

Henry fühlte sich unwohl, doch seine Neugier war stärker. Er würde gerne wissen, worüber im ganzen Land gesprochen wurde. Würde gern mit eigenen Augen sehen, doch Robin forderte auch ihn auf zu gehen.

„Komm Henry."

Für den Bruchteil einer Sekunde wallte der Impuls in ihm auf, nicht zu gehorchen und da er nichts weiter als ein Kind war, nutzte er die geringe Chance eventuell doch bleiben zu dürfen.
„Kommt schon, Neal glaubt doch auch, dass ich...", begann er, doch Emmas Stimme schnitt ihm das Wort ab.
„Was Neal glaubt ist mir egal..."

„Aber Emma...", bat er inbrünstig und schaute sie flehend an.
„Nein!"

„Aber...", erneut kam er nicht weiter, denn abermals schnitt man ihm das Wort ab.

„Henry!", scharf wie ein Messer durchschnitt Reginas Stimme die Luft und forderte die Aufmerksamkeit ihres Sohnes. Mit gesenktem Blick wandte er sich in ihre Richtung.

Oh oh

Er wagte einen letzten kläglichen Versuch:

„Mom...", doch diesen hätte er sich sparen können. Ihre Stimme war unverändert.
„Kein Mom! Geh mit Robin, du hast hier nichts zu suchen."

Ich nehme dich hier mit und ich kann heute auf der Couch schlafen...oder besser gleich bei Bailey, so wie Robins Laune heute im Keller ist...und außerdem hast du wirklich nichts hier zu suchen.

Henry nickte und sagte kein Wort mehr, sondern wandte sich ab und schloss zu seinem Stiefvater auf. Alle drei gingen einfach die Straße entlang und verschwanden schon bald in eines der Häuser, über dessen Eingang ein großes Schild mit der Aufschrift „zum hinkenden Prinzen" , hing. Little John überlegte kurz und befand, dass auch er sich dieses Elend in diesem Haus nicht abermals antun musste und so verabschiedete er sich und folgte seinem Freund und den Jungs ins Wirtshaus.


Regina atmete tief durch und fühlte sich elendig. Sie hätte ihren Gefährten gerne dabei gehabt, hätte ihm gerne gesagt, dass sie seine Ängste verstand und gezeigt, dass hier keine Gefahr für sie lauerte. Doch sie war zu stur.

Regina betrat zusammen mit Emma, John, dem Königspaar und Neal das Haus. Vielleicht war es mal ein Heim voller Leben gewesen. Sauber und behaglich, doch die Schatten der Tragödie fand sich in jedem Winkel des Hauses wieder. Staub hatte sich auf dem Mobiliar angesammelt, Klamotten lagen wahllos auf den Sitzgelegenheiten und eine Spielecke, wirkte trotz der spielenden Kinder trostlos und leer.

Die Frau führte ihren Besuch in ein angrenzendes Schlafzimmer. Dieses stand im Kontrast zu dem Rest des Hauses, denn hier schien trotz der leblosen Gestalt in dem Bett, noch immer etwas lebendiges zu sein. Die Vorhänge waren geöffnet, zusätzlich war der Raum mit Kerzen beleuchtet. Alles schien ordentlich und geputzt. Die einstige Königin wusste instinktiv, dass diese Mutter nur noch in diesem Zimmer lebte. Wusste, dass alles andere an Bedeutung verloren hatte und unwillkürlich stieg Mitleid in ihr auf. Sie versuchte diese Gefühlsregung schnell beiseite zu schieben, damit sie erledigen konnte, wofür sie nicht nur hier her gekommen war, sondern auch einen Streit mit ihrem Gefährten vom Zaun gebrochen hatte.

Regina setzte sich auf die Bettkante und legte ihre Hand auf die des Jungen. Er war nicht älter als Sechzehn, schätzte sie. Sie spürte Kälte, als sie ihn berührte. Der Junge mit den blonden Haaren und den Grünen Augen zeigte keinerlei Regung. Sein Blick ging starr gerade aus, als sehe er etwas in der Ferne, was den Anderen verschlossen blieb.

„Kam er so hier hin oder habt ihr ihn gefunden?", fragte sie, während sie begann seine Hand mit ihren Fingern zu kneten, um eine Reaktion aus ihm herauslocken zu können, doch nichts geschah.

„Nein. Er wurde im Wald gefunden. Er saß einfach-", die Mutter des Jungen musste pausieren, da ein Schluchzer ihrer Kehle entfleuchte. Snow legte gleich ihren Arm um die Frau und tröstete sie, bis sie ihre Stimme wieder fand.

„Er...er saß einfach an einem Baum gelehnt und war nicht mehr ansprechbar. Sie mussten ihn hier hin tragen."

Regina lauschte der Erzählung und begann mit ihren Fingern über das Gesicht des Jungen zu streicheln, dabei schob sie sich in sein Blickfeld und lächelte ihn an.

„Na, junger Mann?", sprach sie ihn an in der Hoffnung, dass dieser endlich reagieren würde. Sie sah etwas in dem Grün seiner Augen blitzen und setzte sich wieder richtig hin.
„Emma..."

Die Blonde stand auf der anderen Seite des Bettes und beobachtete fasziniert die Situation, bis Regina sie aus ihren Beobachtungen riss.

„Ja?"

„Beugt dich zu mir rüber.", forderte die Schwarzhaarige. Verwirrung spiegelte sich im Gesicht der Retterin wieder, doch sie kam der Aufforderung nach. Ihr langes Haar fiel auf den Jungen, während Emma sich weit über ihn beugte. Der Ausschnitt ihres Kleides löste sich von ihrer Haut, gab einen kleinen Einblick auf ihre Rundungen frei und noch ehe sie die andere Frau fragen konnte, was sie eigentlich bezwecken wollte, schnellte die Hand des Jungen nach oben und grabschte Emmas Busen.

Habe ich es mir doch gedacht...Mist.

Die Blonde wich zurück und stieß eine entsetzte Warnung aus.

„HEY FREUNDCHEN!" Doch der Junge lag wieder unverändert dort. Emma wollte gerade etwas unüberlegtes tun, doch da begann Regina zu erklären:

„Ich bin mir noch nicht sicher, aber ich glaube...ihm wurde die Seele genommen."

Alle starrten auf die einstige Königin, nur Neal schaffte es nicht seinen Blick auf Regina zu lenken. Es hatte ihm ohnehin schon nicht gefallen, dass man sie hier mit hinein zog. Er hatte geglaubt, dass es Snow und Charming genügen würde, auf die blaue Fee zu hören, die mehr zu wissen schien, als sie zugab. Als diese sich seit dem auch noch ruhig verhielt, war in dem Mann die Hoffnung geweckt, dass man nicht herausfinden würde, was geschehen war, doch diese Hoffnung wurde zerschmettert.

„Müsste er nicht tot sein?", fragte David und erntete ein Kopfschütteln.

„Nein. Man kann ohne Seele leben...existieren, aber ...genau das ist es. Man existiert..." Sie wandte sich an die Mutter des Jungen.

„Das hat er schon öfter gemacht."

Und das wird schlimmer werden.

„Ja.", nickte sie ergebend.

„Und ihr sorgt dafür, dass er isst und trinkt?"

Abermals nickte die Frau und konnte die Tränen nicht länger zurückhalten.

„Habe ich es mir doch gedacht. Emma lag richtig, als sie uns erzählte, sie würde neben der Leere nur Instinkt in seinen Augen sehen.", fuhr Regina an alle gewandt fort.

„..Es ist nicht nur Instinkt...Es sind Triebe. Überleben und Hunger werden hier gestillt...und er ist...nun ja...auf dem Weg ins Mannesalter." Sie hob bedeutungsvoll beide Augenbrauen an und ließ das als Erklärung genügen, bevor sie ihre Hände über dem Körper des Jungen ausstreckte. Sie schloss ihre Augen, während ihre Finger ein grünes Licht umstrahlte. Für einen Moment fühlte sie nichts, doch dann tauchte etwas aus ihrer Erinnerung herauf und nahm sie mit in längst vergangene Zeiten. Sie sah sich in einer Gefängniszelle. Angst schnürte ihr die Kehle zu, doch ihr Stolz hinderte sie daran, den Menschen auf der anderen Seite der Gitterstäbe diese Furcht zu zeigen. Dann plötzlich hatte sie das Gefühl, dass etwas an ihr zerrte, sich etwas von ihr nahm, mit dem ihr Sein verwachsen war. Plötzlich riss sie die Augen auf. Die Erinnerung an den Seelensauger verwehte wie eine Flamme im Wind.

Ihr Gesicht spiegelte Mitleid wieder, als sie sich zu der gebrochenen Frau drehte und ihr ihren Verdacht bestätigte.
„Er...er hat keine Seele mehr. Jemand hat sie ihm genommen."

Die Knie der Frau gaben nach, doch ehe sie zu Boden stürzen konnte, fing David sie auf. Er hielt sie fest, während Snow versuchte, sie zu trösten und zu beruhigen. Auch wenn sie nicht wusste, welche Worte von Nöten waren, um den Schmerz in dieser Frau zum Schweigen zu bringen.

„Wer...wer tut so was...wer tut so was...wer tut so was?", wiederholte die Frau ihre Frage wie ein Mantra. Ein Gebet, welches wenn es nur oft genug gesprochen wurde, ihr endlich all die Antworten geben würde, die sie bedurfte.

Regina erhob sich. Ihre Hand wanderte zu ihrem Bauch, während ihre Gedanken sich in Sorge wandelten. Sorgen darüber, was da draußen lauerte. Sorgen darüber, dass dies ihr Schicksal gewesen wäre, wenn man den Seelensauger nicht vorher zur Strecke gebracht hätte.

„Ma'am", suchte sie die Aufmerksamkeit der Mutter. Als sie dieser gewiss war, redete sie leise und mitfühlend auf sie ein.

„Es wird schlimmer werden. Er lebt nicht wirklich, aber ist auch nicht wirklich tot und seine Triebe werden nur noch stärker werden."

Ich hoffe, dass er hier drin niemals Todesangst aussteht, dann weiß ich nicht...

„Manchmal muss man einfach loslassen.", sprach sie weiter und drehte sich von ihr weg. Sie hatte ihre wahren Gedanken nicht aussprechen können. Hatte nicht sagen können, dass sie ihm einen schnellen schmerzlosen Tod bereiten sollten, doch das musste sie auch nicht. Jeder in dem Raum hatte verstanden, was die einstige Königin meinte. Bevor der erste Protest laut wurde, war Regina schon aus dem Zimmer raus und eilte zur Eingangstür. Ihr war als gebe es in diesen Wänden nicht genügend Luft, um ihre Lungen zu füllen. Ihre Augen brannten, als würden die Tränen die in ihr aufstiegen, ihren Kampf gegen sie nicht dulden. Kaum war sie wieder an der frischen Luft, atmete sie tief durch. Sie lehnte sich gegen die Häuserwand und legte ihren Kopf in den Nacken. Ihre Hänge legten sich auf ihren Bauch, während eine störrische Träne an ihren Wimpern erblühte.

Innerlich war sie vollkommen zerrissen. Der Schmerz dieser Frau, den sie selbst so gut verstand, die Pein dieser elendigen Erinnerung, als sie selbst beinahe ihre Seele verloren hatte und ihre Hormone vermischten sich zu einer Gefühlsgewalt, der sie kaum Herr werden konnte. Innerlich verfluchte sie Robin, der anscheinend genau gewusst hatte, wovor er sie beschützen wollte. Der sie viel zu gut kannte, um nicht zu wissen, was diese Begegnung in ihr auslösen würde. Es war ihre Sturheit und ihr Stolz, der nur langsam starb und so gab sie sich einem Moment diesem schmerzlichen Sterben hin.

Emma war Regina gefolgt. Mit aufgebrachter Stimme donnerte sie gleich auf die andere Frau ein.
„Du kannst doch nicht der Mutter sagen, dass sie ihren Sohn umbringen soll!"

Reginas Atmung schwoll an, während sie versuchte sich soweit zu beruhigen, dass sie der Retterin antworten konnte.
„Doch...aber sie wird es ohnehin nicht tun. Ich habe sie nur davor gewarnt, was passieren wird, wenn wir keine Lösung finden."

Emmas Mund öffnete sich in Überraschung.
„Wir? Eine Lösung finden?"

Regina nickte nur und wischte sich die einzelne Träne aus den Augen.

„Ja, ich geh zu Rumpelstilzchen. Er wird wissen, ob es überhaupt noch was zu tun gibt und wer oder was dahinter steckt."

Am Besten sag ich es Robin gar nicht, der dreht heute sonst noch komplett durch, wenn ich ihm erzähle, dass ich zu Rumple gehe.

Der Gedanke an ihren Gefährten veränderte ihren Gesichtsausdruck. Eine andere Art von Schmerz zeichnete sich auf ihren blassen Gesichtszügen ab und vermischte sich mit einer Traurigkeit, die sonst nur er zu vertreiben vermochte. Emma beruhigte sich und legte eine Hand auf Reginas Rücken.
„Hey, alles okay?", fragte sie.
„Frag mich nochmal, wenn ich Robin von meinen Plänen erzählt habe."

Die Blonde schaffte ein wohlwissendes Lächeln und streichelte nun über Reginas Rücken.
„Da will ich nicht dabei sein!", grinste sie und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum hinkenden Prinzen.


Das Gegenwärtige

Emma stand auf der Veranda der weißen Mansion und klopfte an die Tür. Nachdem niemand öffnete, schellte sie Sturm und rief immer wieder nach Regina

„Mach die Tür auf, wenn du da bist. Oder geh wenigstens an dein Handy,"

Wo steckt sie zum Teufel noch eins...

Die Retterin löste sich von der Tür und versuchte in eines der Fenster zu schauen, ob es irgendein Anzeichen von Leben hinter den Wänden gab, doch sie fand keins. Frustriert seufzte sie und spürte dass sich unter ihrer Frustration auch Wut mischte. Sie war hungrig und sie war müde. Seit Tagen hatte sie mit Robin versucht den alten Mann zu finden. War mit ihm die Register der Stadt durchgegangen. Hatte öffentliche Einrichtungen und Plätze besucht, in der Hoffnung ihm zu begegnen, doch es war, als wäre dieser alte Mann nicht existent. Noch während sie um das Grundstück herum lungerte, erinnerte sie sich

Hat Henry nicht gesagt, dass sie fast schon durchdreht, wegen dem Trank gegen das Vergessen?

Schnell ging sie zu ihrem Wagen, bestieg diesen und fuhr in den Wald. Dort angekommen, sah sie schon das Mausoleum dunkel aufragen und parkte direkt davor. Die Blonde betrat die Gruft und öffnete den Weg ins unterste Geschoss.

„Haaaallllooooo?", rief sie, während sie den dunklen Gang passierte und kaum die Hand vor Augen sah. Weit entfernt sah sie ein leichtes Flackern, den warmen Schein einiger Kerzen und rief abermals, aber lauter:

„HAAAAAAAAAAAAAAALLLLLLOOOOOOO...REEEEEEEEEEGGGGIIIIIIIIIINAAAAAA!

Die Bürgermeisterin stand in ihrer Gruft vor einem kleinen Kessel, aus dessen Öffnung lila Dampf strömte. Konzentriert, schüttete sie den grünen Inhalt einer Phiole hinein und beobachtete mit Genugtuung, wie sie der Dampf rot verfärbte.

„Wenn das hier jetzt nichts wird, dann...", sprach sie mit sich selbst und nahm eine Pipette, um vorsichtig drei Tropfen einer klaren Flüssigkeit hinein zu träufeln, als sie eine vertraute Stimme vernahm. Die Schwarzhaarige rollte mit den Augen und stieß einen langezogenen Seufzer aus.

Wer wagt es...

„Hier Miss Swan.", machte sie genervt und rührte in dem Kessel herum.

„Miss Swan? Hab ich was angestellt?", scherzte die Retterin, bei der förmlichen Anrede.

„Ja, du störst.", erwiderte Regina trocken und schöpfte etwas von der Flüssigkeit in einen Becher.

„Das sehe ich. Ich komme auch nur vorbei, weil man dich die letzten Tage nicht erreichen konnte und ich dir sagen wollte, dass es keinerlei Spur von diesem Typen gibt. Wir stehen noch immer bei Null da.", gab sie zu und beobachtete die andere Frau dabei, wie sie den Becher in ihrer Hand schwenkte und in dessen Inhalt blickte.

„Wie du siehst, war ich beschäftigt. Du ahnst nicht, was für Tränke es alles gibt und wenn ich mich ran halte bin ich bis Weihnachten durch...", erklärte sie und verschwieg doch einen bedeutenden Teil ihrer Intention für diese Arbeit.

Sie hatte sich zurückgezogen, hatte sich in die Arbeit gestürzt und war aus ihrem Haus geflüchtet, damit Robin nicht wieder unerwartet mit seinen Kindern vor der Tür stehen konnte. War aus dem riesigen Haus geflüchtet, weil es leer und erdrückend war, wenn Henry nicht da war, doch das würde sie der Retterin nicht sagen, nein sie konnte es sich kaum selbst eingestehen, wie sehr ihre Emotionen wallten, seit sie in Storybrooke erwacht war. Mit aller Macht versuchte sie dieses warme Gefühl, das langsam in ihr erwachte zum Schweigen zu bringen und so stürzte sie sich in die Arbeit, stürzte sich in das Wollen, endlich zu wissen, was ihnen geraubt worden war.

Die einstige böse Königin setzte den Becher an die Lippen, doch bevor sie einen Schluck nehmen konnten erklang Emmas Stimme.

„Halt!"

Regina hielt inne und schenkte der Blonden einen fragenden Blick.

„Sag mir nicht, dass du schon einige Tränke einfach runter gekippt hast? Lass mich den da nehmen, wer weiß was für Nebenwirkung du sonst noch bekommst." Sie hielt ihr die Hand auffordernd hin, doch Regina schüttelte den Kopf.
„Denk nicht im Traum daran, du bist Schwanger, mein Ruf mag eh schon gefestigt sein, aber mir noch nachsagen zu lassen, dass ich dein Ungeborenes vergifte...also die Zeiten habe ich hinter mir.", sie schenkte ihr ein Schmunzeln und nahm einen kräftigen Schluck. Im nächsten Moment verzog sie ihre Lippen in einer Maske des Ekels und wartete begierig auf die Wirkung, doch nichts geschah. Ihre Erinnerungen waren genauso verschleiert wie zuvor. Verärgert über diesen erneuten Fehlschlag schleuderte sie den Becher gegen die Wand und und schnaubte verächtlich.

„All die Jahre der Schulung für Nichts."

Emma schüttelte nur ihren Kopf und konnte ihre eigene Enttäuschung nicht verhehlen.

„Zur Zeit ist es wirklich wie verhext."

Regina starrte sie halb entnervt und halb ungläubig an.

Wirklich Emma?...Verhext? Ist das die einzige passende Umschreibung, die dir eingefallen ist?

Regina beruhigte sich allmählich wieder und bemerkte erst jetzt, wie müde und erledigt die Blonde wirkte. Sie schaffte ein sanftes, hauchebenes Lächeln, welches sich in ihren dunklen Augen wiederfand.

„Du siehst aus, als wenn du ein Bett vertragen könntest.", erklärte sie und fuhr fort.
„Also geh nach Hause. Einen Tag mehr oder weniger ohne Ergebnisse ist jetzt auch egal."

„Bett klingt himmlisch, aber was zu Essen wäre mir lieber.", erwiderte Emma und ließ ihre Mundwinkel in einem Ausdruck des Jammers hängen. Die Schwarzhaarige schmunzelte und zeigte auf einen Tisch in der Ecke.

„Da ist noch ein Sandwich..."

Ich krieg eh nichts runter.

Sofort stürmte die Retterin zu dem Tisch und konnte nicht nur das besagte Sandwich dort finden. Backwaren, die deutlich an Frische verloren hatten, lagen dort und ließen die Blonde nur zu einem Schluss kommen.

Wie viel Zeit hat sie hier eigentlich verbracht...und wieso hat sie das gute Zeug nicht angerührt? Ich hoffe, sie hatte noch andere Fressalien da.

Emma warf einen kritischen Blick auf die Schwarzhaarige, die den Inhalt des Kessel verschwinden ließ und verschiedenen Phiolen in eine Kiste packte.

Sie sollte das Sandwich essen und nicht ich

Dachte sie mit einem Hauch Sorge, doch das Wesen in ihr forderten seinen Tribut. Mit Appetit stopfte sie sich das Brot in den Mund. Regina schüttelte nur ihren Kopf, über die Gier und kommentierte:

„Isst du vor deinem Mann auch so, oder liege ich richtig in der Annahme, dass er es noch nicht weiß?"

Die Angesprochene hielt einen Moment inne und schaute sie mit großen Augen an, als hätte man sie bei etwas ertappt, ehe sie versuchte langsamer zu essen.
„Was hat mich verraten?", hakte sie schuldbewusst nach.

„Im Grunde deine Klamotten. Kann mich nicht erinnern, dich schon mal in so was weitem gesehen zu haben.", schmunzelte sie, lehnte sich gegen die Tischkante und verschränkte ihre Arme vor der Brust. Emma tat es ihr gleich, platzierte sich neben die Bürgermeisterin und seufzte.

„Irgendwie kann ich es nicht. Alleine schon wegen Henry. Und so wie Neal drauf ist, glaube ich kaum, dass er mich dann noch einen Moment diesen Stern tragen lässt." Sie zeigte auf ihren Sheriffstern und biss wieder von dem Sandwich ab.

Reginas Augenbraue hob sich in die Höhe, während Bitterkeit nach ihrer Galle griff und ein unliebsames Gefühl heraufbeschwor.

„Hast wohl Angst, dass unser Daddy des Jahres noch mehr durchdreht."

Emma verdrehte ihre Augen. Sie konnte sofort die Feindseligkeit spüren, die Regina gegenüber Neal empfand. Wie eine erdrückende Mauer kreiste dieses Gefühl die einstige Königin ein und ließ den Unwillen in ihr Gesicht zeichnen.

„Dabei sollte er aufhören ihn zu verwöhnen, als wenn er der Gute wäre und ich nur die Böse, die ihm alles verbietet. Ich weiß, dass er heute mit ihm in die Premiere dieses Films ist, obwohl er morgen in die Schule muss. Aber ich werde mich nicht auf sein Niveau runter lassen und ich werde mir das nicht mehr allzu lange anschauen."

Ich werde mir Henry nicht erkaufen.

Die Blonde blickte auf das letzte Stück ihres Brotes und erwiderte:

„Er ist nun mal sein Vater und er versucht eine Beziehung aufzubauen."

Alleine der Gedanke an Neal und seine Versuche Henry von ihr fernzuhalten, peitschten die Wut über diese Situation an. Mit einer Stimme, wie zerstoßenes Eis, antwortete sie zischend:

„Nein, er ist sein Erzeuger...derjenige der dich im Knast sitzen ließ, alle Verantwortung von sich geschoben hat und jetzt über eine Dekade später versucht mir meinen Sohn wegzunehmen. Ich lass mir von ihm nicht meine Autorität untergraben."

...und ich werde mir auch nicht anschauen, wie Henry versuchen wird, es allen Recht zu machen und daran zerbricht.

„Nein, ich werde mich mit ihm keinen Kampf, in wer die größten Geschenke und abenteuerlichsten Ausflüge macht, liefern."

Emma starrte auf ihre Finger und nickte langsam. Irgendwie wallte Verständnis auf. Sie wunderte sich darüber, dass sie nicht wütend wurde, wunderte sich darüber, dass es ihr im Grunde Leid tat und konnte es einfach nicht verstehen. Bevor sie darüber nachsinnen konnte, hörte sie sich sagen

„Ich rede mit ihm."

Reginas Augenbrauen schossen in die Höhe. Sie drehte ihren Kopf zu Emma und fragte sich einen Augenblick, ob sie einer akustischen Halluzination erlegen war. Der nächste Gedanke war, dass der Trank sie Schachmatt gesetzt hatte.

„Ähm...Danke", hörte sie sich sagen und schüttelte nur ihren Kopf.

Emma schaffte ein zaghaftes Lächeln und wusste, dass es an der Zeit war zu gehen. Zurück nach Hause, um auf die Rückkehr ihres Sohnes und Mannes zu warten, doch sie ertappte sich dabei, wie der Wunsch in ihr aufstieg zu bleiben. Es hatte etwas Vertrautes mit ihr hier zu stehen, sich zu unterhalten, doch diese Vertrautheit erschreckte sie gleichermaßen und so sprach sie:

„Ich werde jetzt wieder gehen. Danke für das Essen und geh an dein Handy, wenn ich das nächste Mal anrufe, okay?!"

Regina nickte und stieß sich von der Tischkante ab.

„Und ehe ich es vergesse, wenn es eine unbekannte Nummer ist, dann geh auch ran. Ich hab Robin ein Handy besorgt." Emma hatte seinen Namen noch nicht ganz ausgesprochen, da spürte Regina wie sich ihr Magen unwillkürlich mit Watte füllte. Sie verteufelte dieses Gefühl und versuchte es zu überspielen, damit die andere Frau es nicht mitbekam. Mit einer nervösen Geste strich sie sich eine Strähne hinters Ohr und antwortete:

„Das hat mir auch noch gefehlt."

Emma grinste breit.
„Er ist nun mal unser Hilfssheriff und bevor du ihm die Hölle heiß machst, ich hab ihn beauftragt in dein Haus einzubrechen, weil wir dich gesucht haben und dachten du lässt uns nur nicht rein. Aber du warst nicht da. Wenn du jemanden dafür anmotzen willst, dann mich. Ich hab deine Vase zertrümmert, als wir durchs Fenster rein sind Und bevor du dich aufregst, wenn du gleich an dein Handy gegangen wärst, hätten wir nicht zu so drastischen Maßnahmen greifen müssen."
Regina glaubte sich verhört zu haben. Nicht nur, dass sie sie zwang wieder an den Dieb zu denken, obwohl sie es sich doch so sehr verbot, nein sie waren in ihre Privatsphäre eingedrungen und alleine der Gedanke, erfüllt sie mit Zorn, doch sie versuchte sich zu beherrschen. Versuchte, sich einzureden, dass ein Ausbruch keinerlei Sinn ergab und sie im Grunde ihres Herzens einfach müde für all die Emotionsgewalt war, die in ihrer Seele tobte.

„Dir ist klar, dass ich dir die Vase vom Lohn abziehe? Und jetzt geh lieber, okay? Ich bin müde und ich habe keine Lust mich heute noch mehr aufregen zu müssen."

Emma schaute wie ein Reh, dass von Scheinwerfern geblendet wurde. Sie hatte damit gerechnet, dass die andere Frau die Nerven verlieren würde, doch diese verhielt sich ruhig. Und so fragte sie sich innerlich:

Was ist in der verlorenen Zeit nur geschehen...sie hätte mir den Kopf abreißen müssen?

„Damit kann ich leben. Gute Nacht Regina.", grinste die Blonde und wandte sich zum gehen.

„Gute Nacht, Emma."


Das Verlorene

Robin war mit den Jungs und little John in den „hinkenden Prinzen" eingekehrt. Henry vermied es anfangs, seinem Stiefvater in die Augen oder gar ins Gesicht zu blicken. Er konnte fühlen, dass seine Laune im Keller war und gab sich die Schuld dafür. Schweigend nippte er immer wieder an seinem Saft bis er diesen Druck in seinem Innern nicht länger standhalten konnte. Schuldbewusst wandte er sich Robin zu, der mit John nichts weiter als Smalltalk führte und das auch nur aus Höflichkeit.

„Robin?!", der einstige Geächtete schaute von seinem Kumpel weg und blickte in das zerknirschte Gesicht des Jungen.

„Ja?", hakte er interessiert nach und musste sich eingestehen, dass ihm der Ausdruck auf Henrys Gesicht nicht gefiel. Er mochte es nicht, wenn der Junge unglücklich wirkte und so schenkte er ihm ein sachtes Lächeln.
„Was ist los, mein Junge?"

Henry atmete tief durch. Noch immer schaffte er es nicht, seinem Ziehvater in die blauen Augen zu schauen. Er nestelte an seinem Becher mit seinen Fingern und erklärte sich.

„Es...es tut mir Leid, dass ich vorhin nicht sofort gehört habe, bitte sei nicht mehr sauer, okay?"

Robins Augenbrauen hoben sich, während seine Augen sich weiteten.

Du glaubst, dass...oh Junge...

Die Wut über die ganze Situation an diesem Tag verpuffte für den Augenblick und ließ den aschblonden Mann entspannen. Er wollte seinem Stiefsohn keinen Grund geben sich mies zu fühlen und rief sich zur Ordnung.

Reiß dich zusammen Locksley, die Kinder brauchen das ja nicht mitzubekommen.

Das Lächeln blieb auf seinem Gesicht, als er antwortete.
„Henry", kam es sanft über seine Lippen. Sein Arm legte sich um die Schultern des Jungen.

„Ich bin nicht sauer auf dich. Um Himmels Willen...",

Eher auf deinen Erzeuger...und auf deine Mutter...und auf mich...und...und...

Er seufzte tief und lang und versuchte seine Gedanken zu sortieren, versuchte die richtigen Worte zu finden, ohne ihn weiter zu betrüben.

„Glaub mir, dass hat überhaupt nichts mit dir zu tun. Heute scheint einfach nicht mein Tag zu sein."

Im ersten Moment fühlte Henry Erleichterung durch seine Venen kriechen. Fühlte wie dieser erdrückende Schatten aus seinem Gemüt wich, doch als er seinem Stiefvater endlich in die Augen blickte, kam die Bedrückung ein wenig zurück. Er kannte seine Eltern gut genug, um zu wissen, was Robin die Laune vermieste.

Die haben sich bestimmt gestritten...sicher...er ist ja nicht einmal mit ihr mit.

Der Herr von Sherwood Forest drückte ihn einmal an sich, löste den Arm von ihm und wuschelte ihm durch das braune Haar.

„Das war aber jetzt genügend Trübsinn für heute, erzählt mir lieber, wie euer Angelausflug war.", änderte Robin das Thema und war froh, als beide Jungen und sogar John mit Freuden darauf einging.

Die Zeit verging wie im Fluge und bevor Robin eine weitere Runde für jeden zu trinken bestellen konnte, betrat Regina das Etablissement. Sie schaute sich einen Moment um und konnte die Männer und Jungs in der Nähe des Eingangs ausmachen. Bevor sie den Weg zu ihnen einschlug, atmete sie tief durch. Mit jedem Schritt den sie tat, schwankte ihr Entschluss. Auf der einen Seite wollte sie Robin ihre weitere Pläne verschweigen, wollte sich nicht einem neuerlichen Streit stellen, doch auf der Anderen wusste sie, dass sie ihn nicht nur dabei haben wollte, sondern brauchte. Er war es, der ihr die Kraft gab, sich nicht zu verlieren, wenn sie alte Masken aufziehen musste, um die kommenden Begegnung Rumpelstilzchens verkraften zu können.

Die Schwarzhaarige trat an den Tisch und lächelte, obwohl es in ihrem Innern anders aussah. Doch sie würde nicht den Fehler begehen und ihre Söhnen wissen lassen, dass es ihr im Moment nicht gut erging.

„Hey!" begrüßte sie die vier und konnte im nächsten Augenblick Rolands Ärmchen um ihre Hüften fühlen.
„Hi Gin.", machte er begeistert und fing gleich an Bericht zu erstatten.
„Wir haben so viele Fische gefangen, die kann man gar nicht alle aufessen. Glaubst du wir sollten Bailey welche mitbringen? Sie freut sich doch immer so, wenn wir für sie Jagen oder Angeln. Und wenn sie sich freut, dann kriegen wir immer ein paar Leckereien...alleine deswegen müssen wir ihr den Fisch bringen.", überschlug er sich beinahe, doch die einstige Königin bekam kaum etwas von seinen Worten mit. Sie tätschelte ihm den Kopf.

„Ja, ja...das machen wir, mein Schatz...aber jetzt heißt es erst mal zurück in den Palast", sie wandte sich an John und Henry
„Emma wartet draußen mit euren Pferden"

Die beiden Angesprochenen erhoben und verabschiedeten sich. Henry griff nach Rolands Hand und führte ihn mit sich. Bevor sie die Taverne verließen, warf er noch einen letzten Blick über seine Schultern zu seinen Eltern hin. Er konnte die Anspannung fühlen und hoffte inständig, dass sich diese bald legen würde.

Regina setzte sich zu Robin an den Tisch, fest entschlossen sein Schweigen dieses Mal zu brechen.

„Wir sollten auch los."

Der Mann nickte und leerte seinen Becher. Danach erhob er seine Hand und gab der Kellnerin zu verstehen, dass er zahlen wollte. Die junge Frau kam sofort, gab ihm ein aufreizendes Lächeln in der Hoffnung für ein saftiges Trinkgeld und war ziemlich enttäuscht, dass Robin keinerlei Augen für sie hatte. Er kramte in seinem Geldbeutel und ließ ein paar Münzen auf den Tisch fallen und erhob sich. Regina tat es ihm seufzend gleich. Bevor sie jedoch den Weg zur Tür beschritten, siegte dir Frustration in ihr.

„Interessiert es dich überhaupt nicht, was da drin von Statten ging?"

Robin hielt inne und schaute ihr ins Gesicht.

„Du hast es überlebt...und kannst dem Idioten, der sich Sorgen gemacht hast, belehren. Dafür brauch ich eigentlich keine Erklärung von dir."
In Reginas Innerem begann es zu brodeln.

Das darf doch alles nicht wahr sein.

Hin und hergerissen zwischen dem Bedürfnis, ihn einfach stehen zu lassen und endlich richtig mit ihm zu reden, packte sie nach seinem Oberarm, als er aus dem Wirtshaus hinaus wollte.
„So nicht!", zischte sie. Robin hielt inne und schenkte ihr einen verwirrten Blick.

„Hier geht es nicht um dich und mich. Dem Jungen da wurde die Seele genommen.", gab sie preis und konnte das erste Mal seit dem Beginn ihrer Auseinandersetzung an diesem Tag, etwas weiches in seinem Blick erkennen.

Die Seele?

Das Weiche wich und machte Platz für den Schock, der das Verstehen mit sich brachte.
„Seine Seele?...Aber...wer macht denn so was?", fragte er nach. Regina zuckte mit den Schultern.

„Es gibt einige Geschöpfe, die so was machen...deswegen sollten wir auch zurück in den Palast. Ich will mit Rumpelstilzchen reden." Es war draußen und noch ehe Regina sich dessen bewusst war, konnte sie den Widerwillen im Gesicht ihres Gefährten erkennen.

WAS?!

„Du willst was?", hakte er entsetzt nach.

„Ich will zu Rumpelstilzchen und nachfragen wer dahinter steckt und ob es Hilfe für den Jungen gibt.", gab sie nun ihre Pläne zur Gänze bekannt. Robin schüttelte nur immer wieder seinen Kopf.

Ich fasse das nicht. Dieses Weibsbild...

Er konnte nicht verstehen, wie sie freiwillig den Dunklen aufsuchen wollte, konnte nicht verstehen sich in seine Gegenwart zu wagen, wo sie es doch dank ihrer beider Vergangenheit besser wissen sollte.

Tolle Idee Regina...geh hochschwanger zu diesem Gnom...er hat ja nur meine schwangere Frau genommen, meinen Sohn verflucht und dich...

Er konnte sich nicht zusammenreißen, so sehr er es auch wollte. Er hatte das Gefühl die Geschichte würde sich wiederholen. In seiner Brust wallten die Emotionen durcheinander. Begannen mit seinen Gedanken zu rasen und so fragte er sie fassungslos:
„Sag mal, hast du den Verstand verloren? Du willst zu diesem widerlichen Gnom und dann...hat er nicht schon genug angerichtet?! Denkst du auch nur einmal daran, dir mal nicht selbst zu Schaden?"

Regina konnte neben dem Zorn, die Angst und die Sorge erkennen. Am liebsten hätte sie zurück geschnappt, hätte ihn gern angeschrien, dass er nicht übertreiben sollte und wäre dann direkt ins Verlies verschwunden, doch sie wusste um die Wahrheit seiner Worte. Sie würde diese Konfrontation alleine meistern können, ja, aber zu welches Preis. Die Begegnung mit dem seelenlosen Jungen ging ihr näher als sie erwartet hatte und eine Begegnung mit dem Dunklen würde Dunkelheit mit sich ziehen, die sie kaum alleine bewerkstelligen konnte. Und so antwortete sie ihm ehrlich, während sie die Tür bereits öffnete.

„Ja, stell dir vor, das tue ich. Deswegen will ich ja auch, dass du mit mir gehst. Okay?!"

Robin passierte seine Gefährtin und versuchte seine Atmung zu beruhigen. Das Verlangen dieser Emotionsgewalt entfliehen zu wollen, stieg ins Unermessliche. Dass sie ehrlich zu ihm war, half den Zorn ein wenig abzukühlen und ehe er sich versah, hörte er sich selbst sagen:

„Und was soll ich da? Dich beschützen?" Die letzten Worte klangen fast schon höhnend, doch Regina konnte die Verbitterung in seiner Stimme hören.

„Dann muss ich dich enttäuschen, denn das kann ich nicht. Ich kann dich nicht vor seiner Magie schützen...konnte ich damals nicht...konnte ich im Grunde nie...weder..."

Marian

Er sprach ihren Namen nicht aus, sondern redete sich weiter in Rage.

„... dich, oder unsere Kinder.", erinnerte er an den Preis, den sie beide für Rolands Rettung zu zahlen hatten.

Vor der Taverne stand bereits die Kutsche bereit. Emma und die Anderen waren noch nicht aufgebrochen und blickte auf die Szenerie der Beiden, die sich mitten vor dem Eingang Luft machten.

„Fein.", erklang es hart aus Reginas Mund. Sie wollte noch mehr sagen, wollte ihm erkläre, dass sie seine Ängste verstand, doch es ging nicht. Sie konnte die unglücklichen Blicke ihrer Söhne auf sich spüren, als sie den Streit ihrer Eltern mitbekamen und rief sich augenblicklich zur Ordnung. Auch Robin sah, wie Henry seine Lippen zusammenpresste, um den Druck des Unwohlseins, abbauen zu können. Unwillkürlich lenkte er soweit ein, damit die Jungs aus dieser Situation kamen.
„Komm, Regina", machte er leiser und bemüht höflich. Er hielt ihr die Hand hin, um ihr in die Kutsche zu helfen, doch die Frau wollte sie nicht annehmen. Alleine der Klang ihres vollen Namens aus seinem Mund, ließ ihr Herz krampfen, doch sie kam seiner Aufforderung nach einem kurzen Zögern nach. Bevor sie ganz einstieg, wandte sie sich zu den Anderen.
„Wir treffen uns im Palast."

Robin blieb einen Moment unschlüssig vor der Kutschte stehen. Wog ab, ob er Henry in den Wagen verfrachten und sein Pferd nehmen sollte.

Mach das Locksley und der Junge sorgt sich noch mehr, als ohnehin schon.

Erinnerte er sich an die sensible Seite des Jungen und zwang sich zu einem halben Lächeln.
„Bis später.", verabschiedete er sich und stieg ebenfalls ins Innere des Gefährts.

Henry starrte auf die geschlossene Tür und fühlte sich elendig. Er wusste nicht, was der Grund ihres Streits war, doch es missfiel ihm einfach. Mit dünner Stimme wandte er sich John zu.

„Vielleicht soll ich mit ihnen fahren. Wenn ich dabei bin, reißen sie sich wenigstens zusammen."

Und wenn sie sich erst mal beruhigen ist eigentlich alles schnell wieder gut.

Der Hüne legte seine große Hand auf Henrys Schulterblatt und streichelte halb klopfend über dieses.

„Lass mal, Junge. Lass die ruhig mal ein wenig ihre Hörner abstoßen, die brauchen das!", grinste er und fügte noch hinzu.

„Du kennst sie.", zwinkerte er ihm aufmunternd zu, was Henry gezwungen Lächeln ließ.

Der Trupp schwang sich auf ihre Pferde und ritt los, bevor die Kutsche sich in Bewegung setzte.

Robin und Regina saßen sich gegenüber, vermieden aber den jeweils Anderen anzusehen. Wie bereits bei der Hinfahrt, starrten beide aus dem Fenster und schwiegen. Die einstige Königin fühlte noch immer ihr Herz krampfen. Ein Kloß hatte sich in ihrer Kehle festgesetzt und begann zu brennen.

Rede doch mit mir...verdammt nochmal!

Flehte sie in Gedanken, doch ihr Flehen war umsonst. Der einstige Dieb widmete ihr kein einziges Wort. Regina spürte, wie sich die Tränen in ihr aufstauten, fühlte wie der Wunsch diesen Streit endlich aus der Welt zu schaffen, überhand nahm. Sie hatte zwei Möglichkeiten. Entweder würde sie sich selbst in ihrer Wut suhlen oder sie bezwingen. Ihr Blick suchte nach einen imaginären Punkt in dem Grün, welches an ihnen vorbeiflog. Für einige Momente riss sie sich zusammen und schaffte es endlich den Blick auf ihren Gefährten zu richten. Ihr krampfendes Herz brach bei seinem Anblick. Ihr war, als könnte sie den Schmerz, den Unmut der in seiner Brust schlug, in ihrer eigenen Seele spüren. Ein Echo, seines Leidens. Sie wusste, dass es ihn quälte, wusste dass es ihn noch viel mehr quälte jetzt so stur zu sein, anstatt einzulenken und so beschloss sie, die Vernünftige zu sein. Entschloss sich der Halt zu sein, den er brauchte.

Regina erhob sich ungelenk und setzte sich während der Fahrt einfach neben ihn. Sie konnte sehe, wie er ihren Wechsel bemerkte und atmete erleichtert durch, als er sich nicht noch weiter von ihr abwandte. Ihre Hand legte sich sachte auf seinen Oberarm, während sie ihr Kinn auf seine Schulter bettete. Mit leiser Stimme durchbrach sie das Schweigen in der Kutsche.

„Du hast Recht! Du kannst mich nicht vor allem beschützen...", gab sie ehrlich zu. Der Impuls über seinen Arm zu streicheln erwuchs in ihr, doch sie verdrängte ihn. Gab ihm den Raum, den er anscheinend benötigte.

Robin nahm ihre Stimme wahr und war unschlüssig wie er reagieren sollte. Er war des Streitens müde, aber konnte einfach nicht aus seiner Haut. Zu Hause hätte er sich auf sein Pferd geschwungen, oder wäre in den Garten zum Holzhacken gegangen, hätte sich körperlich verausgabt, damit er weiterhin stark an ihrer Seite sein konnte, doch hier waren ihm die Hände gebunden. Hier musste er diesen Anfall aussitzen und hoffen, dass er nicht allzu großen Schaden anrichtete. Er gewährte ihr die Nähe, die sie aufbaute und war angenehm überrascht, dass sie sich auf einmal beruhigt hatte. Ihre Worte jedoch trieben die Gefühle in ihm zu einer neuerlichen Woge, die über ihn herein zu brechen drohte.

„...aber...", sie schwieg einen Moment und schloss ihre Augen.

„...du kannst mich vor dem Schlimmsten beschützen...und zwar vor mir selbst."

Du bist der Einzige.

Endlich fand sie den Mut, ihn weiter zu berühren. Ihre Fingerspitzen streichelten sachte über seinen Oberarm, während sie ihre Schläfe an die seine legte.

„Ich will nicht mehr streiten..."

Robin schloss seine Auge und genoss für einige Augenblick ihre Nähe. Seine Hand legte sich auf die ihrige, mit der sie ihn streichelte, ehe er seinen Kopf drehte, um sie anzuschauen. Die Ruhe, die von ihr ausging, strahlte bis in sein Herz und kühlte die Lava in seinem Innern ab.

Ach Gin...

Sein Verhalten tat ihm Leid, Angesichts der Tatsache, dass sie sich selbst überwand, um ihn zu beruhigen. Er hob seine Hand und streichelte über ihre Wange.

„Ich auch nicht.", gestand er ihr leise und konnte fühlen, wie sie ihre Fingerspitzen von seinem Arm löste und in sein Haar versenkte. Zärtlich streichelte sie über seinen Haaransatz und schenkte ihm ein sachtes Lächeln.

„Und es ist mein Ernst. Ich gehe nicht alleine zu Rumpelstilzchen und wenn du nicht mitkommst...dann...dann gehen wir halt nicht, sondern fahren gleich endlich nach Hause.", sprang sie über ihren Schatten, was den Mann an ihrer Seite sprachlos machte.

Ist das eine Falle...hat sie gerade wirklich eingelenkt...

„Und das ist dein Ernst?", fragte er mit Unglauben in der Stimme. Regina nickte und legte ihre Stirn gegen seine, während ihre Hände sein Gesicht umrahmten.

„Ja", hauchte sie und labte sich an der Ruhe, die nun zwischen ihnen herrschte, den Frieden nach dem sie sich sehnte.

„Robin, ich weiß, dass du Angst hast", fuhr sie fort und gab ihm keine Möglichkeit zu widersprechen. Das musste er auch nicht, denn tief in seinem Innern wusste er um ihr Wissen um ihn.

„...aber ich bin nicht Marian. Ich bin gesund und die Schwangerschaft verläuft gut."

Um Robins Magen legte sich eine Eispranke. Er wollte sie nicht mit seiner toten Frau vergleichen, wollte ihr nie das Gefühl geben, sich gegen eine Tote behaupten zu müssen, doch es war geschehen. Dass sie mit Verständnis, anstatt mit ihrem Temperament reagierte, ließ seinen Arm um ihre schwangere Gestalt gleiten und sie an sich drücken.

„Ich weiß Gin, ich weiß das wirklich...aber manchmal..." Er versuchte sich zu erklären, versuchte die Gefühle zu benennen, doch er brauchte es nicht.
„...manchmal sind die Schatten einfach zu stark, die Dämonen zu unbarmherzig.", sprach sie aus, was sie selbst viel zu gut wusste.

„Es...es tut mir Leid", entschuldigte er sich bei seiner Gefährtin und war erleichtert, als sie diese annahm.

„Schon gut, Liebling. Im Grunde liebe ich es, dass du auf mich aufpasst.", lächelte sie verschmitzt

Der Erste der das für mich getan hat...

Ihm war, als hätte sich eine Last von seinen Schultern erhoben und so küsste er ihre Stirn, besiegelte ihr Verständnis mit seinen Lippen.

Ich liebe dich.

„Und Robin...", eine Spur Mahnung hallte in dem Klang ihrer Stimmung.
„Nächstes Mal redest du gleich mit mir. Wird Zeit, dass du deine eigenen Ratschläge befolgst."

Der aschblonde Mann hob eine Augenbraue fragend in die Höhe.

„Du erinnerst dich! Wir kämpfen nicht mehr allein.", rief sie ihm seine Worte in Erinnerungen, mit der er sie so oft beruhigte und getröstet hatte.

„Versprochen.", lächelte er und legte für einen Augenblick seine Stirn noch mal auf die ihrige, bevor sie plötzlich nach seiner Hand griff und sie an ihren Bauch drückte.
„Dann bin ich zufrieden und dein Kind auch.", lächelte sie fast schon strahlend, als sie die Tritte des Babys spüren konnte. Robins Augen spiegelten Reginas Strahlen wieder. Seine Lippen verzogen sich zu einem fast debilen Lächeln, als die Bewegungen nicht nachließen und er begann den Bauch zu streicheln.

Wie kann man jemanden lieben, wenn man ihn noch nicht kennt.

Fragte er sich und gab sich selbst Antwort.

Wie könnte ich nicht, wenn es doch ein Teil von ihr ist.

Das Lächeln blieb auf seinem Gesicht, als er ihrem wieder näher kam. Mit eben diesem Lächeln legte er seine Lippen auf die ihren.

„Mehr will ich gar nicht, außer dass es euch gut geht und ihr zufrieden seid.", grinste er gegen ihre Lippen. Reginas Hand legte sich in seinen Nacken, kraulte ihn dort. Sie war froh, dass die bedrückte Stimmung gewichen war. War froh, dass sie diesen Disput endlich überstanden hatten und ergriffen von dieser Tatsache, küsste sie ihn einfach. Erst zärtlich und sachte, als wäre dieser neue Frieden zu fragil, doch als er auf das Spiel ihrer Lippen einging wurde sie mutiger und eroberte seinen Mund.

Der Trupp um Emma und John erreichten den Burghof vor der Kutsche. Die Gesellschaft stieg von ihren Reittieren, welche sofort von Dienern in Empfang genommen und in die Ställe gebracht wurden. Snow und David forderten die beiden Jungen auf, ihnen ins Innere des Palastes zu folgen.

„Kommt, zeigt mir euren Fang", ermutigte die Königin, woraufhin Roland sofort ansprang. Er schnappte sich ihre Hand und war bereit mit ihr zu gehen. Henry entgegen blickte immer wieder sehnsüchtig zum Tor, ohne dass er die Sorge aus seinem Gesicht vertreiben konnte.

Wieso braucht die Kutsche so lange?

Er hoffte inständig, dass seine Eltern sich wieder beruhigt hätten. So lange bis er dies wusste, konnte er sich ohnehin nicht auf etwas anderes konzentrieren.
Emma bemerkte den Blick des Jungen und legte ihren Arm um seine Schultern.

„Du musst nicht mit Snow und David.", lächelte sie ihn an, was ihn dieses Lächeln erwidern ließ.

Das Königspaar verschwand mit dem kleinen Jungen und ließen die Anderen zurück.

„Vielleicht können wir -", begann Neal, doch der Klang von Pferdehufen auf Asphalt lenkte Henrys Aufmerksamkeit weg von dem Mann und hin zum Tor. John folgte dem Blick des Jungen und seufzte lautlos.

„5 Silberlinge, dass Robin unterwegs ausgestiegen ist und Gin allein da drin sitzt."

„Ich wette 5 dagegen, Robin sitzt allein da drin", konterte Emma amüsiert und konnte Henrys empörten Blick auf sich spüren.
„Ach komm schon Kleiner," begann sie.

„Nimm doch nicht alles so Ernst", neckte John ihn und grinste

„Gib lieber dein Wetteinsatz preis", forderte er ihn auf, doch Henry schüttelte nur seinen Kopf.

Manchmal glaub ich, dass ich der Erwachsene von uns dreien bin.

Die Kutsche kam zum stehen und der Kutscher stieg vom Bock. Bevor er die Tür öffnen konnte, übernahm Little John diese Aufgabe und schenkte Henry noch ein Schmunzeln.

„Letzt Chance Junge, das Wettbüro schließt, wenn ich die Tür öffne", als der Braunhaarige keinerlei Anstalten machte darauf einzugehen, öffnete John grinsend die Tür und grüßte im Angesichts seiner Wetteinsatz

„Na...du...chrm...Schuldigung!", sofort knallte er die Tür wieder zu und erntete konfuse Blicke von Emma und Henry.

„Wir haben beide verloren, Schatz.", erklärte er seiner Ehefrau glucksend.

Robin hing noch immer an Reginas Lippen und genoss den zarten Tanz ihrer Zungen, ohne dass weder er noch sie merkten, ihr Ziel längst erreicht zu haben. Erst als dir Tür aufgerissen und Johns bekannte, tiefe Stimme durch den Wagen dröhnte, ließen sie von sich, als hätten sie sich verbrannt. Die Schwarzhaarige biss sich grinsend auf die Unterlippe, während Robin ein leises Auflachen entfleuchte. So schnell die Tür aufgerissen wurde, so schnell war sie auch wieder geschlossen. Der ehemals Geächtete stibitzte sich noch einen letzten Kuss von seiner Gefährtin, ehe er die Tür öffnete und ihr hinaus half. Er konnte seinen alten Freund zu Henry sprechen hören.
„Ich hab doch gesagt, dass du dir zu viel Sorgen machst."

Für einen Moment fühlte der aschblonde Mann sich schlecht, dass er dem Jungen diese Sorgen bereitet hatte und so legte er einfach den Arm um seine Schultern und drückte ihn sachte, während sie auf dem Weg in den Palast waren. Er brauchte ihm nichts sagen, brauchte ihm nicht nochmal versichern, dass alles gut war, denn Henry schenkte ihm ein erleichtertes Lächeln, ehe er seinen Stiefvater ansprach.

„Robin?", kicherte er.
„Ja?", hakte der Ältere nach und konnte sehen, wie der Jüngere mit seinem Daumen über seine Mundwinkel wischte, als wollte er ihm zeigen, dass dort etwas wäre. Beide hielten eine Sekunde Inne, während Robin über die Mundwinkel strich.

„Was ist da?", fragte er neugierig und konnte abermals sein Kichern vernehmen.

„Ach, ich finde nur, dass dir Moms roter Lippenstift besser steht, als der da."

Robins Mund öffnete sich und in seinen Augen trat eine Mischung aus Schalk und Verdutzen.

„Du Schlawiner", sagte er und schüttelte amüsiert seinen Kopf.


Snow White hatte darauf bestanden, dass wenigstens alle noch zum Fischessen blieben. In Regina hatte alles danach geschrien, dieser Aufforderung keine Folge zu leisten, doch sie lenkte ein, als sie von den Jungs, Emma und dem Königspaar überstimmt wurde. Das Essen verlief ruhig, jetzt wo sie und Robin ihren Disput aus der Welt geschaffen hatten. Sie hätte es sogar vermieden über den Besuch bei der unglücklichen Frau und ihrem harten Los zu sprechen, doch David kam nicht über die Tatsache hinweg, dass dem Junge die Seele fehlte. Sie unterhielten sich soweit darüber, dass all die schrecklichen Einzelheiten nicht zur Sprache kamen, um Roland und Henry nicht zu beunruhigen, doch es genügte, um etwas in Robin zu bewegen. Mit jedem Wort, welches über das Unglück gesprochen wurde, kam er nicht drum herum Mitleid zu fühlen für diese Familie. Es war nicht nur Mitleid, dass in ihm mitschwang, sondern ein Mitfühlen und Verstehen, welches er gern nicht gehabt hätte, denn es bedeutete, dass er im Grunde ähnliche Erfahrungen hatte. Er erinnerte sich an seine eigene Verzweiflung, als sein Sohn verflucht war und als das Essen vorbei und sie sich verabschiedet hatten, um zu gehen, hielt er Regina einen Moment zurück, als sie durch den Korridor zu dem Raum mit dem Spiegel gingen.

„Gin..."

Der einstige Königin blieb stehen und ließ Roland und Henry weiterlaufen, ohne sie aufzuhalten.

„Was gibt es?"

„Versprich mir, dass wir in höchstens 10 Minuten aus dem Verlies wieder raus sind, okay?"

Die Schwarzhaarige legte ihre Stirn kraus, da sie nicht sofort verstand. Der ehemals Geächtete erkannte ihre Verwirrung und sprach weiter.

„Ich gehe mit dir zu Rumpelstilzchen, aber wenn wir nicht innerhalb 10 Minuten haben was wir wollen, wars das, okay?"

Reginas Lippen verzogen sich zu einem wohlwissenden Grinsen, doch sie brauchte ihm nicht zu erwidern, da er es selbst tat

Oh wir kriegen ihn zum Sprechen, vertrau mir Liebling.

„Grins' du nur! Es ist mein Ernst. Ich weiß, wie es ist, wenn man das Leben seines Kindes retten will, aber ich gebe dir nicht mehr als 10 Minuten."

Damit er nicht zu viel von seinem Gift in deinen Verstand träufelt

„Oh, mehr brauchen wir auch nicht.", gab sie sich zuversichtlich und rief zu den Jungs.
„Henry...Roland, hier hin! Planänderung."

Sie ließen die beiden Jungen bei David, während Snow White sie in das Verlies begleitete. Schweigend stiegen sie die Stufen hinab. Passierten dunkle Steinwände und kaum beleuchtete Gänge. Robin ließ seine Gefährtin nicht einen Augenblick aus den Augen. Ein Teil in ihm schrie kehrt zu machen, drängte sie zu packen und fort zu bringen, doch ein anderer, wollte der Familie wenigstens die eine Chance gönnen, an die sie sich klammerten.

Sie bogen noch einmal ab und erreichten die Zelle, in der Rumpelstilzchen sein Dasein fristete. Kerzenlicht flackerte über die Wände und ließ dunkle Schatten tanzen. Mit einem Seufzen in der Seele beobachtet Robin, wie sich Reginas Haltung veränderte. Sie straffte die Schultern und legte eine, arrogante Maske auf ihre blassen Gesichtszüge. Der weiche Blick, den er an ihr liebte, härtete sich, gleichwie ihr Gesicht, in dem Augenblick, als sie auf den Dunklen traf.

Der aschblonde Mann hielt sich im Hintergrund, nah genug um eingreifen zu können und doch weit genug entfernt, um sie mit einer unüberlegten Handlung nicht zu stören.

Rumpelstilzchen hörte seine Gäste, bevor sie in Erscheinung trafen. Seine dunklen Augen überzog ein goldenes Funkeln, als er bereits wusste, wer sich zu ihn hinunter bemühte. Er hatte sie erwartet, hatte im Grunde schon viel früher mit ihnen gerechnet. Mit einem lauten Plöpp schloss er das Buch auf seinem Schoß und erhob sich geschmeidig wie ein Raubtier aus seinem Sessel. Er tänzelte zu den Gitterstäben, legte seine dünnen, knochigen Finger um zwei der verhassten Stäbe und kam mit seinem Gesicht so nah, dass diese ihm nicht die Sicht versperrten.

„Oooohhh...die Herren von Sherwood Forest und die Königin, welch seltener Glanz in meiner bescheidenen Hütte.", gab er in einem, übertrieben fröhlichen Klang von sich. Regina verdrehte nur die Augen und trat näher an die Zelle, während Robin tief durchatmete, um nicht in das Gefängnis zu stürmen und ihm das Grinsen aus der hässlichen Visage zu schlagen.

„Wie ich sehe, hast du eine Vorliebe für Törtchen und andere Leckereien entwickelt, meine Teure.", grinste er dreckig und machte einen Kopfdeut auf ihren geschwollenen Bauch.

„Und wie ich sehe, hast du endlich einen Alterssitz gefunden, der deinen Ansprüchen Genüge tut, du verdorbener kleiner Gnom."

Regina trat einen letzten Schritt auf Rumple zu und blieb vor ihm stehen. Ihre dunklen Augen bohrten sich in die ihres alten Mentors und bevor er etwas erwidern konnte, fuhr mit einer schnippischen Handbewegung fort.

„Aber genug der Willkommensworte. Sag mir lieber, wie es kommt, dass wir da draußen ein paar seelenlose Jungen gefunden haben."

In seinem Kopf tauchte so etwas wie Unmut auf, doch sein Gesicht spiegelte nichts von all dem. Er hatte die blauen Fee bereits getäuscht, um seinen Sohn zu schützen. Es würde ihm ein leichtes sein, seine ehemalige Schülerin für seine Vision der Geschichte zu gewinnen.
„Schon mal den Ausdruck 'die Seele an den Teufel verkaufen', gehört meine Teure. Wer weiß, was der alte Haudegen den Jungs geboten hat."

„Mich verarschen kann ich allein, also entweder spuckst du aus, wer für so was verantwortlich sein kann, oder ich...", sie streckte nur die Hand in Richtung Snow aus und die Königin legte den Dolch in diese. Danach hielt sie ihn provokant vor Rumpels Gesicht und stellte ein falsches mit Triumph gespicktes Lächeln aus.

„...zwinge dich dazu.", kam es übertrieben süß aus ihren vollen Lippen. Die Augen des Dunklen gingen zum Dolch. Noch immer wusste er nicht, ob Neal diese Insignie der Macht wieder ausgetauscht hatte. Mit Faszination im Blick streckte er die Finger zu dem Gegenstand, doch Regina riss den Dolch weg bevor er ihn berühren konnte. Sie hob ihn vor ihr Gesicht und befahl.

„Dunkler, ich befehle dir mir wahrheitsgetreu zu antworten."

Der Dunkle hielt für einen winzigen Augenblick die Luft an. Wartete darauf, dass dieser unüberwindbare Drang in ihm erstand, ihren Worten zu gehorchen, doch nichts geschah. Er seufzte und schüttelte innerlich seinen Kopf.

Oh Bae...

Dachte er wehmütig mit Schmerz in seinem kalten Herzen. Für den Augenblick weniger Herzschläge wog er den Gedanken ab, ihnen verächtlich ins Gesicht zu spucken. Sie zu verhöhnen und ihr Unvermögen vor zu halten, doch das konnte er Neal nicht antun und so spielte er die Farce mit. Theatralisch wirkte es, als wolle er sich gegen den Befehl wehren, doch er schlussendlich antwortete er:

„Es gibt genügend Kreaturen, du meine Teure, hast schon Bekanntschaft mit einer gemacht." Die Erinnerung daran, durchfuhr Regina wie ein kaltes Messer durch die Eingeweide, doch sie zeigte diese Gemütsregung nicht. Stattdessen hielt sie die Masken aufrecht, hinter die sie ihre Schwäche, ihre Gefühle verbarg.

„Rede endlich weiter. Fünf Jungs, fünf verschwundene Seelen, also..."

„Fünf?", machte er mit falscher Überraschung.

„Genau fünf? Nicht mehr und nicht weniger?"

Danke meine Teure, auf dich ist noch immer verlass...du hast mir schon immer alles gegeben was ich...brauch...

Amüsierte er sich innerlich und wartete auf ihre Bestätigung. Als er diese bekam gab er sich besonders wissend.

„Ich dachte nicht, dass es schon wieder so weit wäre...und in unserer Welt jagt er so selten.", erklärte er und spannte die Anderen damit weiter auf die Folter. Regina rollte mit den Augen, als er einen Moment schwieg. Ihre Ungeduld war zum greifen. Rumple genoss diesen Augenblick, ehe er endlich fortfuhr.

„Halmasti...ein Höllenhund. Eigentlich ein nettes, possierliches Tierchen...wenn es schläft, doch wenn er erwacht, ist er hungrig. Holt sich alle Jahrhunderte lang ein paar Seelen und verschwindet wieder." log er ihnen allen ins Gesicht.

„Ich befürchte, für diese Jungen gibt es keine Rettung mehr. Aber wenn ihr ihm den Gar ausmachen wollt, würde ich es in den Mooren von Düsterland versuchen.", setzte er sie auf die falsche Fährte. Ja, dort hauste ein Höllenhund, ein Dämon welcher ihm eins sehr dienlich gewesen war. Auch jetzt diente er seinem Zweck. Der Tod dieses Tieres, welches ihn unweigerlich ereilen würde, sobald der König und die Königin von ihren Gerechtigkeitssinn Gebrauch machten, würde ihre Gemüter beruhigen. Endlich wäre sein Sohn aus der Schusslinie und das war alles, was der Dunkle im Moment begehrte.

„Und für die Jungen?", hackte Regina nach.

„Gibt es keine Hilfe. Schick den Familien Schlafmohn...dann schlafen sie ein und merken nichts."

Regina schluckte und schloss ihre Augen. Sie hatte es versucht, hatte versucht der armen Frau und den anderen Familien zu helfen, doch nun blieb ihr nichts anderes übrig, als den geplagten Familien zu schicken, das den Abschied schnell und schmerzlos von Statten gehen ließ. Kurz überlegte sie, wie es sich anfühlen würde, wenn einem ihrer Kinder nur der Tod blieb und ohne es es beeinflussen zu können, wusste sie es genau. Wusste sie um den Schmerz, der sie seit der schwarzen Festung an manchen Nächsten heimsuchte.
Robin bemerkte den Riss in ihrer Maske und trat an sie.

„Das reicht für heute.", bemühte er sich seine Stimme nicht zu erheben. Er legte seine Hand in ihren Rücken und griff nach ihren Unterarm.

„Komm, Gin.", forderte er seine Gefährtin auf, endlich aus dem Wirkungsbereich des Dunklen zu verschwinden. Regina ließ sich widerstandslos wegführen. Sie gingen ein paar Schritte, da erklang Rumpelstilzchens Stimme.

„Regina!" Die einstige Königin blieb stehen, atmete tief durch und wandte sich dann in seine Richtung

„Ja?"

Die dünnen Lippen des Magiers verzogen sich zu einem Grinsen, seine dreckig goldenen Zähne blitzten auf, als er übertrieben gut gelaunt rief.

„Meine herzallerliebsten", er betonte das Wort auf besonders spottende Art und Weise.

„Grüße an deine Mutter." Sein unnatürlich hohes Kichern begleitete den kleinen Trupp nach draußen, als die Schwarzhaarige sich wieder umwandte, ihre Lippen verzog, als wollte sie noch einen letzten Fluch aussprechen und dann mit Robin und Snow dem Verlies den Rücken kehrte.