Ich verbring so manchen Moment damit, daran zu denken wies wohl wär,
Wärst du jetzt hier bei mir, aber das bist du nun mal nicht mehr.
Ich zehr von gemeinsamen Stunden, für die dank ich dir auch sehr,
Ich würd´s dir allzu gerne sagen, aber mit dir zu sprechen fällt mir schwer.
Meine Welt ist leer und voller Dunkelheit und du warst in ihr Licht,
Würdest du mich fragen was ich vermiss, würd ich dir sicher sagen dich.

(Sabrina Setlur)

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Sie legten den größten Teil des Weges schweigend zurück. Hermine unter einem Tarnumhang, Snape mit einem schwarzen Spazierstock mit Schlangenmotiv. Er spazierte erhobenen Hauptes, eine fürstliche Erscheinung darbietend vorne weg. Keine der Wachen hätte es auch nur gewagt ihn anzuhalten. Und keinem fiel auf, dass die Sicherheitsdetektoren mehr als einen Zauberer erfassten. Mehrmals hatte Hermine die Luft angehalten, als sie eine Grenze passierten. Doch jedes Mal hatte Snape nur kurz genickt und sämtliche Sicherheitsprozeduren waren vergessen gewesen. Er war die rechte Hand Voldemorts. Warum hätte man ihn kontrollieren sollen?

Nach einem schier endlosen Marsch kamen sie an einen Waldrand, fernab der Wachen und Snape nahm Hermine den Umhang ab. Die Luft war hier beißend kalt und der süße Duft von Tannennadeln hing über dem Wald. Die Stille der Stadt hatten sie hinter sich gelassen. Es knackten Zweige, Vögel zwitscherten und im Unterholz bewegten sich kleine Waldmäuse. Hermine spürte zum ersten Mal wieder, was Freiheit bedeutete. Dieses Stückchen Erde war verschont geblieben und für seine Bewohner war das Wort Voldemort kein Begriff.

„Die Birke ist ein Portschlüssel. Mehr kann ich nicht tun."

Snape wandte sich abrupt zum Gehen, ließ eine völlig verblüffte Hermine stehen.

„Warten Sie!"

„Was?"

„Darf ich noch eine Frage stellen?"

Er antwortete nicht. Stattdessen starrte er sie undurchdringlich an. Da war weder Wut noch Freude in seinem Gesicht. Keine Emotion.

„Warum tun Sie das?"

„Weil ich nicht anders kann."

Die Antwort kam blitzschnell, ohne langes Überlegen.

„Aber warum?"

Er schüttelte ärgerlich den Kopf, wandte sich jedoch nicht ab.

„Warum? Weil du die Einzige bist, die die Wahrheit kennt. Alles um mich herum ist Lüge, eine Farce. Ich ersticke in Dunkelheit, Hermine. Sie glauben, es macht mir Spaß, Menschen zu foltern, zu töten. Sie kennen mich nicht. Aber du…"

Er brach ab, sah Hermine mit einer solchen Intensität an, dass sie den Blick abwenden musste.

„Ich muss wissen, dass es dort draußen jemanden gibt, der die Wahrheit kennt."

Die Wahrheit. Hermine wusste nicht, ob sie die wirklich kannte. Sollte sie ihn bemitleiden, oder fürchten. Der Grund, dass er so offen zu ihr sprechen konnte, lag darin, dass sie sich vermutlich nie wieder sahen. Aber wie viel Wahrheit lag in seinen Worten? Und wie weit konnte sie gehen ihm zu vertrauen? Sein eigenes Leben war ihm das Wichtigste. Das hatte er mehr als einmal klar gemacht. Aber riskierte er es nicht gerade in diesem Moment? Ausgerechnet für sie?

„Quid pro quo, Hermine."

„Hm?"

„Hast du unsere Abmachung schon vergessen? Du schuldest mir noch etwas."

„Und das wäre?"

Stille. Sie spürte, wie er sich innerlich straffte, bevor er ihr in die Augen blickte. Emotionslos, kalt. Wie immer. Und doch lag noch etwas anderes in seinem Blick.

„Ich will, dass du mich küsst!"

Ein Kuss? Die Bitte, oder vielmehr der Befehl kam unerwartet und schien keine Widerrede zu dulden. In Hermines Körper spannte sich alles. Sie dachte an ihren Traum zurück, dachte an Rob. Doch wie konnte sie ihm nach all dem was passiert war, einen belanglosen Kuss ausschlagen? Belanglos. War er das wirklich? Kein Schritt ohne Folgen.

Sie nahm sich zusammen, beugte sich für Sekundenbruchteile vor. Ihre Lippen berührten sich kaum, da war sie schon wieder zurückgetreten und blickte Snape ängstlich an. Er schien mehr erwartet zu haben.

„Nicht so. Als würdest du es ehrlich meinen."

Er sah so traurig aus, als er ihr nachsah, wie sie im Wald verschwand.