Ich danke Euch für Eure zahlreichen Reviews! Auch ein herzliches Dankeschön an meine anonymen Reviewer. Ich freue mich immer sehr über Eure Kommentare...da weiß ich, wozu ich dies hier mache ;)

Eure Kira

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Snape schien diesem Kompromiss nur äußerst ungern zuzustimmen, denn er sagte mit ernster Stimme: "Du wirst sehen was ich sah. Unsere Vergangenheit, den Unfall - alles. Es wird dir vorkommen als würdest du alles erneut erleben, jede Kleinigkeit - obwohl in Wirklichkeit nur wenige Minuten vergehen. Bist du bereit?"

Hermine nickte und sah ihn entschlossen an.

Snapes Augen begegneten ihr, und die Verbindung machte sie einen Moment schwindelig, ehe er sie mitnahm in die eisige Landschaft, die sich vor ihr ausbreitete.

14. Kapitel

Alles auf Anfang

Hermine Granger lief mit nackten Füßen über die Wiese vor dem Schloss.

"Wozu soll das gut sein, Mine?", fragte Harry und sie sah aus den Augenwinkeln, wie er Ron einen belustigten Blick zuwarf.

"Das fördert die geistige Kreativität. Solltet ihr auch mal probieren."

Rons Stimme klang mürrisch: "Mir reicht es durchaus wenn ich die Prüfungsfragen richtig beantworte - kreativ müssen sie nicht unbedingt sein."

Hermine verdrehte die Augen und sah dann auffordernd Harry an. Dieser wirkte nicht minder zweifelnd als Ron.

"Glaubst du es nutzt was, wenn ich während der Zaubertrankprüfung mit nackten Füßen durch den Kerker spaziere?", fragte er kritisch.

Ehe Hermine antworten konnte, erwiderte Ron: "Klar hilft das - du wäschst sie einfach drei Wochen vorher nicht - das haut sogar Snape um, wetten?"

"Ach, den doch nicht - der alte Stinkstiefel merkt sicher nicht mal, dass der Gestank nicht von ihm selbst ausgeht," erwiderte Harry sofort.

Hermine sah die beiden tadelnd an.

"Man hat nicht den Eindruck, dass ihr kurz vor dem Abschluss steht. Im übrigen würde der Drei-Wochen-Plan ohnehin nicht hinhauen. Die Zaubertrankprüfung ist schon in 14 Tagen. Wie wäre es, wenn du dich stattdessen darauf konzentrierst nochmal den Stoff durchzugehen?"

"Den Stoff durchgehen? Das sagst du so einfach! Hey, wir reden hier vom Wissen der letzten sieben Jahre!"

Hermine sah ihn herausfordernd an: "Und wie viel von dem Wissen weißt du?"

"Haha, lustig", sagte Harry beleidigt und wandte sich ab.

"Die Frage war ernst gemeint. Sollen wir irgendetwas wiederholen? Ich helfe dir," bot sich Hermine an.

Ron sah Harry an, während dieser zu grübeln schien und sagte erleichtert: "Mann, bin ich froh, dass ich in Zaubertränke schon letztes Jahr so schlecht war, dass ich nicht in den Fortgeschrittenenkurs gekommen bin. Aber es gibt auch so genug, mit dem ich mich rumschlagen muss."

"Aber nicht mit Snape", wandte Harry ein.

Ron grinste: "Stimmt - mit dem nicht. Ich werde das Fach auch nicht brauchen. Wisst ihr, mein Vater hat mal die Fühler ausgestreckt, ob ich bei Charlie ein Praktikum machen kann. Wenn das klappt, dann ist Hagrid bald nicht der einzige, der mit Drachen auf Tuchfühlung geht."

Harry ließ sich nicht anmerken wie sehr es ihn wohl treffen musste, dass ihre Wege sich bald trennen würden. Doch an seinem bitteren Tonfall konnte man durchaus seinen Schmerz heraushören.

"Vielleicht hätte man dich gegen einen Drachen kämpfen lassen sollen - dann wäre dein Berufswunsch sicher anders ausgefallen."

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Zweieinhalb Wochen später.

Hermine kam gerade aus der Runenprüfung und hatte den mündlichen Teil mit Bravour bestanden. Die schriftliche Auswertung fehlte noch, genau wie die in Zaubertränke. Der Tränkemeister hatte sich die Mühe gemacht, für jeden Prüfling neben den allgemein geforderten Fragen eine eigene Aufgabe zu erstellen. Hermine hatte mit Harry sein Thema nach Abgabe der Arbeit noch einmal wiederholt und war der Meinung, dass er bestanden haben musste, wenn er all die Dinge geschrieben hatte, die er ihr gegenüber erwähnte. Sie selbst hatte das ein oder andere Buch nochmals gewälzt um sich zu überzeugen, dass sie in ihrer Arbeit an alles gedacht hatte; aber sie wusste, dass ihre Nervosität eigentlich nicht nötig war. Harry schien ein Stein vom Herzen gefallen zu sein, nachdem die schlimmste aller Prüfungen vorbei war und er tat dies kund, indem er sich verbal von dem Druck der letzten Jahre befreite.

So hatte sich Hermine in letzter Zeit von Harry so schlimme Hasstiraden gegen den Tränkemeister anhören müssen, wie nie zuvor.

Sie selbst war sich in den letzten Wochen darüber bewusst geworden, dass bald ein Teil ihres Lebens für immer vorüber sein würde. Die Zeit in Hogwarts ging unweigerlich dem Ende entgegen und sie sah nun vieles mit ganz anderen Augen. Die Lehrer waren, genau wie die Mitschüler und das Schloss selbst, zu einem Teil ihres Lebens geworden, den sie bald schmerzlich vermissen würde.

Als sie Snape jetzt auf sich zukommen sah, dachte sie plötzlich zum ersten mal darüber nach, wie er wohl als Mensch so war. Wie er wäre, wenn man ihn nicht nur zum Lehrer gehabt hatte, sondern vielleicht als Bekannten, oder sogar als Freund. Hatte Snape überhaupt Freunde? Dann, als er direkt vor ihr stehenblieb, nahm sie zum ersten mal seinen männlichen Geruch wahr. Für einen Augenblick war sie gebannt von seiner Ausstrahlung, seiner Ernsthaftigkeit, seiner Reife, die ihr suggerierte, dass er sie sehr viel mehr lehren könne, als den Unterrichtsstoff. Innerlich schüttelte sie den Kopf. Verdammte Hormone. Der Tränkemeister ließ ihr nicht viel Zeit, sich in ihren Selbstbeschimpfungen über ihre pubertären Anwandlungen zu ergehen.

"Miss Granger - kommen Sie in mein Büro. Sofort!"

Hermine erwiderte nichts, folgte ihm jedoch auf dem Fuße. Auf dem Weg in den Kerker begann ihr Herz einen Takt schneller zu schlagen. Was wollte er jetzt noch von ihr? Die Prüfungen waren gelaufen. In wenigen Tagen würde sie mit ihren Auszeichnungen Hogwarts verlassen. Wäre dies der Moment, wo er ihr endlich einmal seine menschliche Seite zeigen würde? Hermines Herz klopfte immer noch einen seltsam unrythmischen Takt, der zugleich so natürlich schien wie das Atmen.

Snape zeigte unwirsch auf den Stuhl, der dem seinem gegenüberstand. Ein Schreibtisch mit einem Berg von Unterlagen trennte sie voneinander. Als sie saß, ließ er ihr kaum Zeit zum Durchatmen.

"Miss Granger - Sie haben bei der Prüfung in Zaubertränke ungewöhnlich schlecht abgeschnitten."

Es dauerte etwas, bis sie seine Worte verinnerlicht hatte. In Hermines Ohren bildete sich ein Rauschen, das ihr fast die Sinne raubte. Mühsam versuchte sie, ihre Stimme dennoch nicht anzuheben.

"Wie bitte? Sir - das kann nicht sein. Die praktische Prüfung habe ich doch bestanden und bei der schriftlichen bin ich mir sicher, dass ich die Aufgaben richtig beantwortet habe. Auch die Abhandlung über das Leben und die Entwicklung der Tränke von Edward Miller müssten richtig beschrieben sein."

Snape nickte bedächtig.

"Da haben Sie in der Tat Recht...nur dass ich danach gar nicht gefragt hatte, Miss Granger. Die Aufgabe bezog sich auf den Tränkemeister Eduard Millen"

Hermine fühlte wie ihr Herz aufhörte zu schlagen. Fast hoffte sie, es würde diesen Zustand einfach beibehalten, bevor es in quälend langsamen Takt seine Arbeit wieder aufnahm.

"Ist das wahr?", fragte sie schließlich wie betäubt.

Snape räusperte sich: "Glauben Sie, ich würde so etwas erfinden? Sie können es selbst nachprüfen. Die Arbeiten sind magisch vor jeglichen illegalen Aktivitäten geschützt, sowohl von Seiten des Prüflings, wie auch von Seiten des Prüfers. Ich möchte Sie nur daran erinnern, bevor Sie mir noch unterstellen, ich hätte Ihre Prüfung manipuliert. Die Frage bezog sich auf Eduard Millen. Eigentlich war ich davon überzeugt, dass Sie lesen können. Scheinbar habe ich mich getäuscht, wie die Prüfung beweist."

Hermine schlug die Hände vor die Augen. "Ich war so aufgeregt. Ich habe mich verlesen. Der Tränkemeister Edward Miller ist viel bedeutender für die Geschichte der Zaubertrankkunst, deshalb ging ich wohl davon aus, dass Sie nach ihm fragten."

"Wollen Sie jetzt etwa mir die Schuld für Ihren Fehler geben?", fragte Snape drohend.

"Nein, Sir, nein...es ist nur - wie sehr wirkt sich das auf meine Endnote aus? Was ist denn mit der praktischen Prüfung?"

"Die war tadellos. Doch wie Sie wissen, zählen beide Noten für den Abschluss, und da ein Teil der schriftliche Arbeit völlig am Thema vorbei war, wird die Endnote nicht besser als ein A sein."

Hermine schüttelte langsam den Kopf.

"Wie konnte mir so ein Fehler nur unterlaufen, und das ausgerechnet in der Abschlussprüfung?"

Snapes Lachen wurde zynisch. "Weil Sie trotz Ihrer besserwisserischen, neunmalklugen Art eben doch nicht so perfekt sind, nicht wahr, Miss Granger? Vielleicht hätte ein bisschen weniger Arroganz Sie dazu veranlasst, die Prüfungsfrage nicht mir in den Mund zu legen, sondern richtig zu lesen und sie somit vielleicht sogar richtig zu beantworten. Doch Bescheidenheit scheint eine Eigenschaft zu sein, über die Sie nicht verfügen und wenn ich mir Ihren Umgang ansehe, dann wundert mich dies kaum. Arroganz scheint abzufärben."

Hermine sah ihn einen Moment ungläubig an. Dieser widerliche Kerl machte sich auch noch über sie lustig. Hatte sie je etwas anderes von ihm erwartet? Wie hatte sie auch nur für einen Moment seine Männlichkeit genießen können? Dies war kein Mann - dies war ein Monster!

"Das muss Ihnen ja einen Heidenspaß machen! Das ist bestimmt Ihr persönliches Highlight für die nächsten Wochen - bis sie ein neues Opfer finden, das Sie mit Ihrem Spott ungestraft überhäufen dürfen. Sie sind wirklich ein absolut verabscheuungswürdiger Mensch, Professor Snape!"

So in Rage versetzt, sprang sie auf und verließ seinen Raum - sein Rufen, dass sie sich sofort wieder setzen sollte, ignorierte sie. Ihr direkter Weg führte sie in den Mädchenschlafsaal der Gryffindors, wo sie sich auf das Bett warf und wegen der missglückten Prüfung wie von Sinnen weinte.

Am gleichen Abend eulte sie ihren Eltern, und berichtete von der Zaubertrankprüfung. Hermine legte all ihre Wut und ihre Enttäuschung in die Zeilen dieses Briefes, ohne selbst eigentlich genau zu wissen, warum sie diese Situation so unsäglich mitnahm. Es war schließlich nur eine Note. Am Morgen darauf erhielt sie die Nachricht, dass ihre Eltern sich freuen würden, wenn sie an der Uni in ihrer Nähe studieren würde. Es wäre nicht schwer, mit ihren Noten an einer Muggeluniversität aufgenommen zu werden. Sie wusste von vielen Fällen, in denen Zauberer und Hexen diesen Weg gewählt hatten. Hermine stimmte noch am gleichen Tag zu und schickte die Bestätigung an ihre Eltern. Harry würde ohnehin eine Karriere als Quidditchspieler anstreben und Ron wäre weit weg in Rumänien. Warum also sollte sie nicht in der Nähe ihrer Eltern studieren? Es würde ihr sicher helfen, sich nicht ganz so verlassen vorzukommen.

Am Nachmittag des gleichen Tages befahl Snape sie erneut in sein Büro.

"Lassen Sie sich nie wieder einfallen, einfach den Raum zu verlassen wenn ich mit Ihnen rede!", herrschte er sie zuallererst an.

Hermine blieb gleichgültig. "Diese Gelegenheit wird sich mir wohl ohnehin nicht mehr oft bieten, Sir. Falls Sie es noch nicht bemerkt haben - meine Schulzeit hier ist vorbei!"

"Noch nicht, Miss Granger. Und was Ihre Prüfung betrifft, so darf ich Sie daran erinnern, dass Sie mit dieser Note nur eingeschränkte Qualifikationen an der Universität für Zauberer und Hexen haben werden, und deshalb..."

"Das muss Sie nicht kümmern, Sir. Ohnehin brauchen Sie nicht so zu tun, als würden Sie sich Sorgen um mich oder meine Zukunft machen. Sie haben mich von Anfang so behandelt, dass mir klar war, dass ich in Ihrem Fach keinen Fuß auf die Erde bekommen würde. Ich habe es dennoch all die Jahre geschafft...und jetzt haben Sie eben doch noch gewonnen...ich hoffe, Sie können Ihren Sieg genießen - SIR!"

"Nach all den Jahren sind Sie immer noch die vorlaute kleine Göre wie am ersten Tag!"

Hermine stand auf und sah ihn herausfordernd an: "Nach all den Jahren sind Sie immer noch das Ekel, für das ich Sie vom ersten Augenblick an gehalten habe", konterte sie und verließ abermals unerlaubt sein Büro.

Sie wusste, dass sein Zorn unbändig sein musste, doch was kümmerte es sie? Snape war doch nur wütend darüber, dass sie sich nicht soweit vor ihm erniedrigte, dass sie ihn anflehte, ihr eine Chance zu geben ihre Note zu verbessern. Dass er genau dies hatte vorschlagen wollen, erfuhr sie erst später von Dumbledore. Snape hatte ihr anbieten wollen, eine Nachprüfung abzulegen. Hermines Stolz war jedoch so groß, dass sie ihn von sich aus nicht darauf ansprechen wollte. Er hatte sie verletzt - tiefer, als sie es für möglich gehalten hätte, und tiefer als sie es in diesem Augenblick selbst verstand. Dass er für sein Angebot keinen dritten Anlauf nehmen würde war ihr klar, doch sie würde ihren Weg auch ohne eine hervorragende Note in diesem Fach gehen können.

Ihre Freunde erfuhren aus ihrem Munde nichts von dem Zwischenfall mit Snape. 'Hilfreiche' Münder hatten jedoch die Nachricht von ihrer schlechten Note in Zaubertränke in Windeseile durch das ganze Schloss getragen, und so war es nicht nur Snape, der sich an ihrem 'Versagen' ergötzen konnte. Peeves hatte wohl nicht einen unwesentlichen Beitrag zur Verbreitung der Neuigkeit geleistet, und Hermine wurde klar, dass die Geister eindeutig viel zu wenig Respekt vor der Privatsphäre eines Menschen hatten. Hermine fühlte wie ihre Wut sich steigerte, als sie die letzten Tage in Hogwarts stets das Gefühl hatte, man würde hinter ihrem Rücken tuscheln. Natürlich hatte Hermine die Prüfungen zum UTZ bestanden, doch das "Annehmbar" prangte wie ein hässlicher Fleck zwischen ihren sonstigen "Ohnegleichen". Offenbar freute dies einige Mitschüler. Hermine fragte sich immer wieder, warum es für die anderen scheinbar so befriedigend war, dass sie eine schlechte Note auf ihrem Abschlusszeugnis hatte. Oder bildete sie sich dies alles nur ein? Ron und Harry hingegen behandelten sie tatsächlich wie ein rohes Ei. Obwohl jeweils beide ein Date hatten, wichen sie ihr beim Abschlussball nicht von der Seite.

Hermine ignorierte manch hämischen Blick und tanzte, als hinge ihr Leben davon ab. Genau einmal hatte sie mit Snape an diesem Abend Blickkontakt. Er sah sie vom Lehrertisch aus an, während sie hochmütig den Kopf in den Nacken warf und über einen Scherz ihres Tanzpartners lachte, den dieser gar nicht gemacht hatte.

Als sie Hogwarts endgültig verließ, kamen die Tränen unaufhaltsam. Obwohl sie mit Ron und Harry noch im Hogwarts-Express fahren würde, lagen die drei sich schon auf dem Bahnsteig weinend in den Armen. Hagrid machte das Bild noch perfekt, indem er sich alle paar Minuten geräuschvoll in sein Taschentuch schneuzte. Auch die anderen Lehrer hatten die Chance genutzt, den Schülern ein letztes Lebewohl zu sagen.

Als der Zug anfuhr, kam Professor Dumbledore gerade noch rechtzeitig auf den Bahnsteig und winkte den Schülern zum Abschied. Snape war an seiner Seite. Offenbar hatte der Direktor ihn zu dieser Geste genötigt, da die Lehrerschaft komplett sein sollte. Dass der Zaubertrankmeister kein Lächeln auf seine Lippen brachte, verwunderte Hermine keineswegs. Ihr letzter Blick galt dem Direktor, der sie tags zuvor persönlich verabschiedet hatte. Er hatte ihr versichert, dass sie immer noch problemlos an die Zaubereruniversität gehen könne; aber Hermines Entscheidung war gefallen. Sie freute sich auf die neue Herausforderung und würde ihr Zaubererdasein deshalb mit Sicherheit nicht vergessen.

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Hermine sollte ihre Entscheidung nicht bereuen. Sie studierte nicht nur, sondern sie lehrte schon bald als Professorin für Literaturwissenschaften und führte ein erfülltes Singledasein. Nach ihrem Abschluss war sie nach London gezogen und hatte ihre Stelle an der Muggeluniversität angenommen. Sie liebte das pulsierende Leben der Stadt und ihre Nähe zur Winkelgasse und damit die enge Verbindung zu ihren magischen Wurzeln. Sie blieb in Verbindung mit Harry und Ron. Als sie die Nachricht von Hagrids Tod erreichte, trafen die drei sich und sprachen unter Lachen und Weinen über alte Zeiten. Sie konnten nicht begreifen, dass ihr Freund tot sein sollte. Hermine sah immer sein gutmütiges Gesicht vor sich, und sobald es vor ihrem geistigen Auge erschien, liefen ihr die Tränen über die Wange. Er war immer ein Freund gewesen. Und es hatte Zeiten gegeben, da hatte sie ihn mehr gebraucht als sie damals realisiert hatte. Er hatte sie getröstet als Malfoy sie so schändlich beleidigt hatte. Auch für die Ungerechtigkeiten durch Snape hatte Hagrid ein offenes Ohr gehabt, auch wenn er immer darauf bestanden hatte, dass Snape loyal gegenüber Dumbledore war. Hermine hatte diese Loyalität reichlich wenig genutzt, wenn Snape sie zum Gespött der ganzen Klasse gemacht hatte. Im Laufe der Zeit kam sie zu dem Schluss, dass sie ihn immer genauso gehasst hatte, wie Harry es tat.

Es war schließlich in der Winkelgasse gewesen, dass sie ihren ehemaligen Zaubertranklehrer wieder traf. Hermine war inzwischen erwachsen und sie ärgerte sich, dass sie emotional im ersten Moment wieder zum Kind wurde, als sie ihn sah. Da war dieses Gefühl von Hilflosigkeit und Trotz.

Den Arm voller Bücher, rannte sie fast in ihn hinein. Snape schien sie gar nicht zu erkennen; knurrte sie kurz an und wollte Florish&Blotts gerade betreten, als er die Tür fast gegen die Nase bekam, weil sie vom Verkäufer hastig aufgestoßen wurde.

"Miss! Sie haben ein Buch liegen lassen!"

In diesem Moment wünschte sich Hermine, der Verkäufer hätte es einfach wieder ins Regal geräumt und sich darüber gefreut, dass er mit diesem Buch ein zweitesmal Kasse machen könnte.

So schenkte sie ihm denn auch ein etwas verkniffenes Dankeslächeln, als sie an Snape vorbeiging um das Buch in Empfang zu nehmen. Der Verkäufer hielt seinem neuen Kunden zuvorkommend die Tür auf, doch der Mann in Schwarz ignorierte diese freundliche Geste völlig, so dass der Verkäufer schließlich wieder im Laden verschwand und die Tür vorsichtig ins Schloss gleiten ließ.

Snapes dunkle Augen fixierten sie und Hermine war sich unangenehm bewusst, dass er sie gerade nötigte, zuerst das Wort an ihn zu richten. Wie leicht wäre es gewesen, ihn einfach stehen zu lassen. Doch ihre bleischweren Füße bewiesen ihr, dass es eben alles andere als leicht war, diesem stechenden Blick zu entkommen.

Außerdem bewirkte er, dass sie sich völlig lächerlich vorkommen würde, wenn sie jetzt einfach ginge.

So tat Hermine das Einzige was ihr einfiel, und grüßte mit eisiger Stimme: "Professor Snape."

Er ließ noch einen Moment verstreichen und Hermine begann sich ernsthaft zu fragen, ob er sie überhaupt noch kannte. Natürlich musste er sie noch kennen - immerhin war sie im gleichen Jahrgang wie Harry Potter gewesen und zudem unerträglich besserwisserisch, das konnte er doch einfach nicht vergessen haben. Dennoch kniff er die Augen zusammen, während er sie immer noch taxierte.

Als er endlich sprach, klang seine Stimme in ihren Ohren nach all den Jahren erschreckend vertraut.

"Miss Granger - eigentlich wollte ich gerade bei Florish&Blotts nach "Tanz der Sinne" fragen. Da Sie scheinbar den halben Bestand aufgekauft haben, sollte ich mich vielleicht lieber an Sie wenden."

Hermine wären vor Verblüffung beinahe ihre Bücher aus den Armen gerutscht. Snape verhielt sich ja geradezu so, als würde er sich an ihre letzte Auseinandersetzung nicht mehr erinnern. Und noch dazu hatte er so etwas wie einen Scherz gemacht. Was Hermine allerdings die Röte ins Gesicht steigen ließ, war die Tatsache, dass sie dieses Buch in der Tat besaß. Sie hatte es aus rein privaten Gründen gekauft, die ihm durch ihr Erröten wohl mehr als offensichtlich sein mussten, handelte es sich doch bei "Tanz der Sinne" um ein Buch, das das Brauen von Aphrodisiakum beschrieb.

Als habe er nur auf diese Reaktion gewartet, hob er eine Augenbraue und fragte: "Es läuft wohl nicht alles perfekt in Ihrem perfekten Leben. Brauchen Sie vielleicht Hilfe? Jemand, der Ihnen zeigt wo es lang geht? Ich meine natürlich beim Brauen."

Hermines Stimme klang freundlich, was im Gegensatz zu ihren Worten stand: "Wann hat Ihnen zum letzten Mal jemand gesagt, dass Sie ein Widerling sind?"

Er legte grübelnd die Hand an das Kinn und erwiderte nach einer Weile: "Dass es mir so offen gesagt wurde ist schon eine Weile her...genaugenommen...wie lange ist unser letztes Gespräch jetzt her? Wenn Sie mir dies verraten, dann kann ich Ihnen auch Ihre Frage genau beantworten."

"Niemand hat es seitdem fertig gebracht, Ihnen die Wahrheit zu sagen?", fragte sie spöttisch.

"Niemand hat es gewagt", erwiderte er knapp.

"Wundert Sie das?" Hermine umfasste ihre Bücher fester, da sie ihr drohten aus den Armen zu rutschen.

Snape griff nach den obersten drei Büchern und Hermine zuckte erschrocken zurück, weil er dabei ihren Brüsten bedrohlich nahe kam.

"Was soll das?", fuhr sie ihn an.

Unbeeindruckt über ihr Empören sah er sich die Titel an.

"Berühmte Hexen der letzten Jahrhunderte", "Die weibliche Macht", "Frauen und ihre natürlichen Fähigkeiten".

Snapes rechter Mundwinkel zog sich amüsiert in die Höhe.

"Haben Sie sich immer noch nicht gefunden, Miss Granger?"

"Geben...Sie...mir...meine...Bücher!", betonte sie jedes Wort.

Er kam dieser Aufforderung sofort nach, indem er ihr die Bücher hinhielt. Hermine versuchte sie mit einer Hand entgegenzunehmen, als er im Gegenzug schon nach den anderen drei Exemplaren griff, die sie nur mit einer Hand an ihren Oberkörper drückte. Diesmal streifte er tatsächlich ihre Brust und Hermine ließ vor Schreck die drei Bücher fallen, die er ihr zurückgeben wollte.

Er schnalzte über ihr Missgeschick kurz mit der Zunge, als er auch schon laut die Titel seines neuen Diebesgutes vorlas.

"Für jede Hexe gibt es den richtigen Zauberer", "Mentale Stärken zum persönlichen Glück nutzen", "Die unbändige Macht, die uns antreibt - Sex."

Jetzt zog sich eine seiner Augenbrauen überrascht in die Höhe. Er klemmte sich die Bücher unter den Arm, um Hermine die fallen gelassenen Bücher aufzuheben und reichte ihr dann alle vorsichtig an.

Plötzlich musste Hermine über die Situation lachen, als sie erkannte, dass es ihm scheinbar nun doch peinlich war, dass er so dreist in ihre Privatsphäre eingedrungen war.

"Ist es eigentlich sehr verwirrend, wenn Sie erkennen müssen, dass aus dummen kleinen Schülerinnen erwachsene Frauen werden?", fragte sie kokett.

"Aus dummen kleinen Schülerinnen werden meist auch dumme erwachsene Frauen", erwiderte er mit ausdrucksloser Miene, dann fuhr er fort: "Aber aus intelligenten kleinen Schülerinnen, werden manchmal auch intelligente Frauen - und wenn sie dann noch attraktiv sind, ist es durchaus recht reizvoll."

Hermine spürte wie sie erneut errötete. Sie verfluchte sich selbst dafür. Er hatte ja schließlich nicht von ihr gesprochen. Sie sah, wie er amüsiert zu Lächeln begann.

Dann führte er seine Theorie noch weiter aus: "Allerdings ist es so, dass auch bei der attraktivsten, intelligentesten Frau meist das Mundwerk stört. Es sei denn, es wird richtig eingesetzt."

Jetzt hatte Hermine Gelegenheit, die Wut, die sie sich selbst gegenüber für ihr Erröten empfand, gegen ihn zu richten. "Sie waren schon immer ein selbstsüchtiger, ungerechter Mensch - jetzt muss ich erkennen, dass Sie zudem ein chauvinistisches Schwein sind. Wie kommt es, dass mich das kaum überrascht?" Während Hermine ihm dies noch entgegenschleuderte, öffnete sich die Tür der Buchhandlung und ein junger Mann rempelte sie achtlos an. Hermine merkte, wie ihre inzwischen sehr verkrampften Arme die Bücher nicht mehr halten konnten und sie erneut hinunterzufallen drohten. Snape zog seinen Zauberstab blitzschnell und sagte fast nebenbei: "Wingardium Leviosa".

Die Bücher schwebten nun vor Hermine und sie sah Snape wuterfüllt an.

"Ich dachte, so könnten Sie besser mit Worten um sich schmeißen", sagte er knapp, dann drehte er sich zu dem jungen Mann um, der gerade an ihm vorbeigehastet war. Er packte ihn noch am Kragen und zog ihn unsanft herum. "Hey, was soll das?", keuchte der junge Mann empört.

"Sie haben vergessen sich zu entschuldigen", sagte Snape mit drohender Miene.

"'tschuldigung", stieß der Festgehaltene kurzatmig hervor.

Snape schüttelte den Kopf ohne seinen Griff zu lockern: "Wie war das?", fragte er knurrend.

"Entschuldigen Sie bitte, Madam!", kam es daraufhin artig von dem jungen Mann.

Snape ließ ihn los und stieß ihn bei der Gelegenheit ein Stück die Straße hinunter.

Hermine sah Snape mit offenem Mund an.

"Was..?", sie schluckte und suchte nach Worten. Schließlich verschränkte sie die Arme vor der Brust und sagte: "Das sollte mal jemand mit Ihnen machen - dann würden Sie sich bestimmt drei Tage am Stück bei mir entschuldigen müssen!"

Snapes Augen funkelten und Hermine war sich nicht sicher, ob vor Zorn oder vor Belustigung.

"Dieser Meinung sind Sie also wirklich? Gut, ich gebe Ihnen die einzigartige Gelegenheit, mir zu schildern, was Sie zu dieser Ansicht kommen lässt." Ehe Hermine recht wusste wie ihr geschah, hatte Snape den schwebenden Büchern mit seinem Zauberstab schon eine neue Richtung vorgegeben und Hermine folgte dem Tränkemeister mit dem Gedanken, dass genau diese Unverschämtheit die erste sein würde, für die er sich bei ihr würde entschuldigen müssen.

tbc