Hallo!
Wieder einmal danke ich Euch - allen voran favour (schau mal in Deine Reviews rein...!)-, dass Ihr Euch weiter für die Story interessiert! Heute klären sich wieder mal einige Dinge auf – aber es bleiben immer noch genug Fragen für einige weitere Kapitel *grins*!
Also, zunächst mal viel Lesespaß und ein schönes restliches Wochenende,
Eure Ann
Vertraust Du mir? -14-
Diese alten Bücher sollten etwas mit Sams Problem zu tun haben?
Bobby konnte es sich kaum vorstellen. Er hatte diese Dinger schon fast vergessen und nur noch eine vage Vorstellung von dem, was darin gestanden hatte. Das einzige, was er noch wusste war, dass es ähnlich glaubwürdig gewesen war wie UFO-Sichtungen oder die Fotos von Nessie in Schottland.
Aber Dean hatte offensichtlich einen Zusammenhang zwischen Joster McKenzie, diesem Geschreibsel und Sams derzeitigem Zustand gefunden. Er schien zu glauben, dass die Beschwörungsformel, die Sam benutzt hatte, in einem der Bücher zu finden sei.
Der alte Jäger überlegte, ob er sofort in der Reparaturhalle nach den Kisten suchen sollte, doch ihm war nicht wohl bei dem Gedanken, Sam mit diesem Biest in sich allein im Haus zu lassen. Außerdem hatte er keine Ahnung, welches der vielen Bücher das Richtige war. Es musste wohl warten, bis Dean nach Hause kam.
Nachdenklich starrte er auf den Monitor vor sich, auf dem er bis eben in den von ihm gefundenen Informationen über Aleister Crowley gelesen hatte.
Wenn man dem, was da im Internet zusammengetragen war, Glauben schenken konnte, war Crowley ein ziemlich durchgeknallter Zeitgenosse gewesen. Noch war Bobby nicht klar, wie dieser seltsame Okkultist zu der Lösung ihres Problems beitragen sollte, zumal er bereits seit sechzig Jahren tot war.
Bobby ließ noch einmal Revue passieren, was er bisher über Crowley herausgefunden hatte:
Der Kerl war als Sohn strenggläubiger Christen 1875 in England geboren. Gegen die Härte in seinem Elternhaus lehnte er sich auf, in dem er sein Heil einerseits im Okkulten suchte, andererseits ein ausschweifendes Leben führte.
Einige hielten ihn für einen Satanisten, andere dagegen (unter anderem die selbsternannten Satansjünger höchstpersönlich) widersprachen dem heftig. Erwiesen war, dass er einige Zeit dem Geheimbund „Golden Dawn" angehörte, einer Gruppe britischer Möchtegern-Mystiker, die sich nach dem Vorbild des deutschen „Ordens der Goldenen Dämmerung" zusammengeschlossen hatten, um magische Riten durchzuführen und das Okkulte zu erforschen.
Als es zu Machtkämpfen innerhalb des Geheimbundes gekommen war, gründete Crowley seine eigene Religion. Diese begründete er auf angeblichen Kontakt zu einem übersinnlichen Wesen, das auf seiner Hochzeitsreise in Ägypten durch seine Ehefrau Rose, die als Medium diente, zu ihm gesprochen und ihm die dreiteilige heilige Schrift, die „Lex Legis" dieser neuen Religion diktiert hatte.
Bobby lachte an dieser Stelle laut auf. Wer konnte einen solchen Unsinn nur glauben?
Als alter und erfahrener Jäger stand es für ihn außer Frage, dass es das Übersinnliche gab. Aber es erschien nicht, um lauschige Plaudereien abzuhalten oder heilige Schriften zu diktieren. Jedes übernatürliche Wesen hatte ein klares Ziel – und das war in der Regel nicht das Wohl lebender Menschen.
Crowley selbst bezeichnete sich im Laufe seines Lebens als Kabbalist, Magier und Mystiker und war zeitweise als Poet und Verleger tätig – letzteres, da er niemanden fand, der bereit war, seine Werke zu veröffentlichen.
Bobby war klar, warum. Was er von Aleister Crowley, diesem Geheimbund und der mystischen neuen Religion gelesen hatte, war derart hanebüchen, dass es dem Alten zeitweise den Atem verschlug. Kein Wunder, dass viele Menschen nicht an das Übersinnliche glaubten, wenn solches Geschreibsel populärer war als die alten, überlieferten Volksmythen, in denen seiner Erfahrung nach meist ein überraschendes Stück Wahrheit steckte.
Und dass Crowley bis in die moderne Zeit hinein populär war zeigten zum Beispiel Musiker wie Black Sabbath oder Led Zeppelin, die sich mit seinen Lehren beschäftigten. Selbst die Beatles hatten ein Bild des Okkultisten auf einem ihrer Plattencovers verewigt. Er stand Pate für Figuren in verschiedenen Horrorfilmen und sogar den Protagonisten eines Buches von W.S. Maugham. Das grauenhafteste Beispiel seiner Wirkung auf verschiedene Menschen war jedoch die Tatsache, dass Charles Manson, der berühmte Massenmörder, von Crowleys Lehren fasziniert war.
Bobby schüttelte es. Wie konnte ein Mensch allein nur dermaßen verwirrt sein und dann noch eine Anhängerschaft um sich scharen?
Trotz des Widerwillens gegen das Thema begann Bobby, sich akribisch Notizen zu allem zu machen, was er über Crowley herausfinden konnte. Vielleicht stieß er dabei doch auf etwas, was ihnen bei Sam weiterhelfen konnte.
-s-s-s-s-
Dean trat auf die Veranda der McKenzies in Jamestown und drehte sich noch einmal nach Josi um, die ihn bis zur Haustür begleitet hatte.
„Was wirst du jetzt tun?" fragte sie und lehnte sich an den Türrahmen. Sie wirkte erschöpft und bedrückt. Dean vermutete, dass sie in der letzten Stunde mehr über ihren Vater und die vergangenen dreiundzwanzig Jahre erfahren hatte, als sie vielleicht hatte wissen wollen.
„Ich werde versuchen, das Buch mit der Beschwörung zu finden und es rückgängig zu machen." antwortete er.
„Ich wünsche, dass es dir gelingt!" antwortete sie, und Dean spürte, wie ernst sie es meinte.
Verlegen blickte er auf seine Füße, doch dann kam es leise aus ihm heraus: „Das mit deinem Vater…es tut mir wirklich sehr leid."
Josi nickte nur und sah ihn dann kurz prüfend an.
„Du kommst nicht von der Uni?" fragte sie, abrupt das Thema wechselnd.
Ein Grinsen huschte über Deans Gesicht, als er sie ansah und den Kopf schüttelte. Auch Josi lächelte, als sie verstehend nickte.
„Ich werde meiner Mutter nichts von alledem sagen." erklärte sie dann. „Das ist sicher besser so."
„Mit Sicherheit." bestätigte Dean und fügte ernsthaft hinzu: „Danke für deine Hilfe."
Josi nickte wieder und hob ihre Hand zum Gruß, als Dean sich nun endgültig abwandte und zum Impala ging.
„Bitte – gib mir Bescheid, wenn…wenn sich der Zustand deines Bruders verändert!" rief Josi ihm noch hinterher. Dean nickte bestätigend, bevor er in sein Auto stieg und davonfuhr.
Die junge Frau schaute dem Wagen noch eine Weile nach. Dieser Nachmittag hatte ihr Leben, ihre Sicht auf die Welt umfassend verändert, und nun musste sie erst einmal sehen, wie sie damit klarkommen würde. Sie drehte sich um, betrat das Haus und schloss leise die Tür hinter sich.
-s-s-s-s-
Dean fuhr den Weg, den er am Mittag gekommen war, zurück. Die Interstate 94 führte ihn schnurgerade durch fruchtbares Ackerland Richtung Osten, bevor er nach knapp einhundert Meilen bei Fargo auf die Interstate 29 nach Süden abbog.
Bei einem kurzen Tankstop in der Nähe von Valley City besorgte er sich einen Burger und eine Coke, nahm sich jedoch nicht die Zeit, beides vor Ort zu verzehren sondern trug es zum Auto, um während der Fahrt zu essen.
Die Straße war auf weiten Teilen wenig anspruchsvoll und der Verkehr hielt sich, abgesehen in der Nähe größerer Städte, in Grenzen, so dass Deans Gedanken kaum abgelenkt wurden.
Immer und immer wieder ging ihm alles, was er von Josi erfahren hatte, durch den Kopf und er überlegte, welche Konsequenzen dieses neue Wissen für ihn hatte. Er verstand nun besser, was Sam genau getan hatte. Und ihm war klar, dass sein Bruder nicht der erste war, der zu diesem unsäglichen Mittel gegriffen hatte. Vielleicht war nicht einmal Joster der Erste gewesen.
Ob ihm dies bei der Lösung des Problems helfen würde, konnte er nicht abschätzen. Zunächst musste er dieses verdammte Buch finden, in dem sich die Beschwörungsformel verbarg. Er konnte nur hoffen, dass er mit der Formel auch etwas über deren Anwendung erfuhr – und vor allem über die Möglichkeit, sie zurückzunehmen.
Die Strecke zurück nach Sioux Falls erschien ihm unerträglich lang. Unbewusst trat er stärker auf das Gaspedal, und der Impala antwortete mit einem satten Röhren und einer prompten Beschleunigung. Dean überschritt das Tempolimit von derzeit 75 mph inzwischen erheblich, doch er machte sich keine Sorgen, von der Highway-Patrol angehalten zu werden. Er würde einfach einen seiner FBI- oder Homeland-Security-Ausweise hervorziehen und in seinem Anzug glaubhaft darlegen, dass seine Geschwindigkeit etwas mit der nationalen Sicherheit zu tun habe. Der Drang, bei Bobby endlich weiterforschen zu können war einfach zu groß.
Doch wenn er ehrlich mit sich selbst war, machte etwas anderes ihm viel mehr zu schaffen: Josis Schilderungen über das Leben, das ihr Vater in den vergangenen dreiundzwanzig Jahren geführt hatte, waren ihm tief unter die Haut gegangen. Er hatte das starke Bedürfnis, sich zu vergewissern, dass es nicht so schlimm um Sam stand. Dass er seinen Bruder noch erreichen konnte.
Die Tachonadel zeigte inzwischen 110 mph an und die Reifen quietschten in einer lang gezogenen Kurve, als Dean bewusst wurde, was er da tat. Hastig nahm er Gas weg und behielt so den Wagen unter Kontrolle. ‚Es nützt Sam überhaupt nichts, wenn du dir hier den Hals brichst!' schimpfte er mit sich selbst und verdonnerte sich zu einer Geschwindigkeit von etwa 95 mph – immer noch deutlich über dem Limit.
Und doch zu langsam.
-s-s-s-s-
Bobby hatte gefühlte Stunden an seinen Notizen zu Aleister Crowleys Leben und Wirken verbracht. Er benötigte dringend eine Pause.
Deshalb klappte er den Deckel des Laptop herunter, streckte seine morschen Knochen, dass es knackte und murmelte: „Ich bin zu alt für so einen Mist!"
Steifbeinig ging er in die Küche, um seinen mehrfach geleerten Kaffeebecher mit dem inzwischen nur noch lauwarmen Rest aus der alten Thermoskanne zu füllen und sich ein paar Sandwiches zu machen.
Eine viertel Stunde später saß er allein am Küchentisch und verzehrte schweigsam sein einfaches Mahl.
Er war die meiste Zeit seines Lebens allein. Doch er hatte sich in den letzten Tagen sosehr an Deans Anwesenheit gewöhnt, dass ihm die Stille um ihn herum auf einmal bedrückend erschien.
Er seufzte kurz auf - als er glaubte, aus dem Flur ein Geräusch zu vernehmen.
Er legte sein gerade angebissenes Schinkensandwich zurück auf den Teller und erhob sich lauschend.
Kein Ton.
Hatte er sich geirrt?
Entschlossen schob er den Küchenstuhl von sich, betrat durch die kleine Küchentür den hinteren Flur und sah sich um.
Nichts.
Also ging er durch den Zwischenraum weiter zur Treppe im vorderen Flur und verharrte an deren Fuß. Hörte er ein Rascheln aus dem Zimmer der Jungs?
Bemüht, keine Geräusche zu machen, schlich er die Treppe hinauf und den oberen Flur entlang.
Die Tür zum Gästeschlafzimmer war nur angelehnt und Bobby zog sie langsam auf.
Ihm bot sich das mittlerweile vertraute Bild von Sam, der mit geschlossenen Augen auf seinem Bett lag und sich nicht rührte. Sein Atem ging etwas schneller, aber gleichmäßig.
‚Vielleicht träumt der Junge gerade.' dachte er und hoffte, dass es gute Träume waren. Zumindest wirkte der Jüngere nicht angespannt.
Als er Sam so offensichtlich fest schlafend vorfand, kam Bobby eine Idee: Er zog leise den Schlüssel aus der Innenseite der Tür und beobachtete dabei seinen Schützling genau. Er rührte sich nicht. Es schien zu funktionieren.
Leise schloss er die Tür und versperrte sie von außen mit dem Schlüssel. Die Erfahrungen der letzten Tage sagten ihm, dass er sicher noch eine gute Stunde Zeit hätte, bis Sam – oder die Hexe – wieder aufwachte.
Zufrieden ging er die Treppe hinunter, suchte in einem der Küchenschränke kurz nach einem anderen Schlüssel, nahm das angebissene Sandwich vom Teller und verließ mit einer Taschenlampe bewaffnet das Haus durch die Hintertür.
Nur eine Minute später stand er in der alten Reparaturhalle seines Schrottplatzes, die mit einer schier unglaublichen Menge der verschiedensten Sachen vollgestopft war.
Da draußen inzwischen die Nacht hereingebrochen war, machte Bobby als Erstes Licht, während er sich den letzten Bissen des Sandwiches in den Mund schob.
Er durchquerte die Halle, bis er am hinteren Ende auf die Holzstiege traf, die zum Dachboden hinaufführte.
Zu seiner Erleichterung musste er gar nicht lange suchen, bis er auf die drei Kisten mit den Büchern aus Jamestown stieß.
‚Na also.' dachte er. ‚Ich hoffe nur, dass Dean Recht hat und wir finden hier das Richtige!' Denn seit seinen Internet-Recherchen hatte er zumindest eine Idee, nach was er Ausschau halten würde.
Entschlossen zog er die vorderste der Kisten aus ihrem Winkel, bückte sich und öffnete sie.
-s-s-s-s-
Gillian ließ Sam wieder erwachen.
Erregt schrie sie in seinem Kopf: ‚Er hat uns eingeschlossen! Was hat er vor?'
Sam war im ersten Augenblick noch zu verwirrt, um ihre Frage richtig zu verstehen. Die schnellen Wechsel zwischen Wachsein und Tiefschlaf, durch die sie ihn in der vergangenen viertel Stunde gequält hatte, ließen ihn desorientiert um sich schauen.
Sie versetzte ihm einen gnadenlosen Stich, der ihn heftig zusammenzucken ließ, und forderte erneut Antwort: ‚Was tut er? Warum liest er über Aleister Crowley?'
Sam erinnerte sich: Sie hatte Bobby nachspioniert – und es war ihm unmöglich gewesen, seinen Freund zu warnen.
Ein Schauder lief über seinen Rücken.
Gillian spürte das und hakte vehement nach: ‚Was bedeutet das alles?'
‚Ich weiß es nicht!' erklärte Sam müde.
‚Das glaube ich dir nicht!´ schrie sie wütend und ließ ihn einen Schmerz verspüren, der ihn härter traf als alles, was bisher von ihr gekommen war. Mit einem dumpfen Aufstöhnen krümmte er sich zusammen.
‚Hör auf!' fuhr er sie an. ‚Ich sagte dir bereits, dass es besser wäre, wenn du mich mit ihnen reden lassen würdest!'
Schlagartig stoppte der Schmerz, und Sam atmete durch
‚Zunächst werden wir einen Weg finden, hier herauszukommen!' entschied sie streng, ohne auf seinen Vorwurf einzugehen, und wider Willen erhob sich Sam, um zunächst erfolglos an der verschlossenen Tür zu rütteln und dann das Fenster zu öffnen.
‚Na also – dies stellt für dich kein Problem dar – dein Körper ist geschmeidig und kräftig!' entschied sie.
Was aus dem Mund einer anderen Frau durchaus schmeichelhaft hätte sein können, jagte Sam in diesem Falle nur einen weiteren Schauder über den Rücken.
Sie hatte einen Weg entdeckt, das Zimmer zu verlassen. Einen Weg, den Sam nur allzu gut kannte – wie oft waren er und Dean als Kinder wohl aus diesem Fenster über das hintere Verandadach zu nächtlichen Erkundungen aufgebrochen oder hatten von dort aus den Sternenhimmel beobachtet?
Sehnsüchtig dachte er an seinen Bruder, der zu Recherchezwecken mit dem Impala davongefahren war, vermutlich nach Jamestown, und sicher erst morgen zurückkehren würde.
Dean hätte einen Weg gefunden, Gillian an dem zu hindern, was sie nun vorhatte.
Doch Dean war weit weg – und so kletterte Sam unter dem Bann der Hexe aus dem Fenster.
-s-s-s-s-
Bobby war mit der ersten Kiste beinahe durch. Er saß auf den staubigen Dielenbrettern des Dachbodens, umgeben von mehreren Stapeln alter Bücher, die einmal Joster McKenzie gehört hatten.
Bei der ersten flüchtigen Durchsicht war er auf nichts gestoßen, was ihm von Nutzen erschienen wäre. Seufzend griff er nach der untersten Bücherreihe und setzte sie neben sich, als er ein Rascheln hinter sich vernahm.
Schlagartig wurde ihm bewusst, dass er nicht bewaffnet war.
Ein unverzeihlicher Fehler.
Schnell blickte er sich nach etwas Brauchbarem um und entdeckte nur einen Meter neben sich einen alten Kreuzschlüssel aus solidem Stahl, den er sich vorsichtig griff.
Wieder ertönte das Rascheln.
Es kam von der anderen Seite des Treppenabgangs.
Trotz des Lichts unten in der Halle war es hier oben eher dämmerig, und so ließ Bobby den Schein der Taschenlampe über die Kisten streichen, hinter denen er die Ursache für das Geräusch vermutete.
Er konnte nichts erkennen.
Also schlich er langsam hinüber, den Kreuzschlüssel zum Schlag erhoben, als er das Kratzen erneut hörte.
Er ging an der Treppe vorbei und schob den dort stehenden Karton mit dem Fuß beiseite, als ihn etwas ungefähr in Kniehöhe hysterisch quietschend ansprang.
Erschrocken, aber dennoch mit einer Behändigkeit, die ihm nur wenige zugetraut hätten, ließ der alte Jäger das schwere Werkzeug herabsausen. Es ertönte ein hässliches Knacken und Matschen, und das Quieken verstummte augenblicklich.
Bobby beleuchtete, was er da erlegt hatte.
„Eine Ratte!" murmelte er, zu gleichen Teilen angewidert und erleichtert. „Und was für ein riesiges Biest!"
Angeekelt überlegte er, was er nun mit dem blutigen Kadaver anfangen sollte. Da fiel ihm ein, dass die Lücken in McKenzies Bücherkisten mit alten Zeitungen ausgestopft gewesen waren.
Er legte den blutverschmierten Kreuzschlüssel zu Boden und ging zu den Bücherkisten zurück. Dabei trat er auf eines der Dielenbretter, auf denen bis vorhin noch die erste der Jamestown-Kisten gestanden hatte. Das Holz bewegte sich unter seinem Fuß.
Die Ratte war vergessen. „Was haben wir denn hier?" murmelte er und bückte sich, um das lose Brett anzuheben.
Nur mit einem lockeren Nagel befestigt bereitete es ihm keine Probleme.
Er hob es an – und vor seinen Augen tat sich das Geheimversteck eines kleinen Jungen auf. Vollgestopft mit für Jungs wichtigen Dingen wie Glasmurmeln, einer großen Feder, bunte Steine, einem langen Stück Schnur, dem Unterkieferknochen einer Spitzmaus – und einem alten, in brüchiges Leder gebundenen Buch.
„Entschuldige, Sam!" murmelte der Alte und fischte das Buch zwischen all den anderen Schätzen hervor.
Mit zitternden Fingern schlug er es auf und las in alter Handschrift: „Aleister Crowley".
Überrascht, wie einfach es auf einmal gewesen war, stand der Ältere nur da und starrte das Buch in seinen Händen an, als ihn auf einmal eine Stimme in seinem Rücken herumfahren ließ.
„Was hast du da, alter Mann?"
Vor ihm stand Sam, mit einem von Bobbys großen Messern in der Hand, und starrte mit glasigem Blick an ihm vorbei auf das Buch in seiner Hand.
Bobbys Herz begann zu rasen.
tbc
Ich weiß – es ist mal wieder gemein, hier zu enden! Aber das Kapitel ist eh viel zu lang, und weiter als bis hierher wollte ich auch heute nicht kommen.
Ich kann nur beteuern: Ich mache das nicht aus bösem Willen *schaue so grundehrlich wie Sam*! Nur aus dramaturgischen Gründen ;-)
Bis bald,
Ann
P.S.: Nochmal der Hinweis – ich verdiene hiermit kein Geld.
Die Fakten über Aleister Crowley in diesem Kapitel habe ich Wikipedia und dem Artikel „Der böseste Mann von der Welt…" von Hans Schmid auf entnommen und mit eigenen Worten zusammengefasst.
