Die Personen und Orte gehören Stephenie Meyer.

Die Originalstory ist von Mara Gaunt.

Edward Cullen 22. Juli 2007

Wieder war die Frau nicht in meinen Träumen erschienen und ich wachte schlecht gelaunt auf. Nicht nur das ich zu wenig geschlafen hatte, ich hatte es auch nicht geschafft meiner neuen Leidenschaft zu frönen.

Es war Samstag und ich musste ins Büro. Ich hatte mitten in der Nacht noch meinen Anwalt angerufen und mit ihm einen Termin vereinbart. Er musste mir noch die Ergebnisse seiner Nachforschungen bringen. James hatte zwar gesagt, dass er noch Zeit brauchte, aber das hatte ich nicht akzeptiert. Ich wollte wissen, was im Leben von Isabella Swan passiert war.

So schlurfte ich mit meiner schlechten Laune ins Bad und machte mich fertig, um ins Büro zu fahren. Ich musste auch noch Pläne machen, wie es mit Isabella weitergehen sollte. Um die Fortschritte die ich letzte Nacht bei ihr gemacht hatte, musste ich sie so schnell wie möglich wiedersehen.

Als ich fertig war ging ich zu meinem Wagen und sagte meinem Fahrer, dass er sich beeilen sollte. Eine halbe Stunde später war ich an meinem Büro und es kam mir vor, als ob wir eine Ewigkeit gebraucht hätten. Ich stieg aus und begab mich, ohne meine neue Sekretärin zu grüßen, in mein Büro. So wie sie mich ansah, hatte sie erwartet, dass ich freundlicher sein würde und das machte mich wiederum wütend. Ich mochte mich selber nicht, wenn ich so eine Laune hatte.

Im meinem Büro warf ich meinen Koffer auf meinen Schreibtisch und griff direkt nach meinem gelben Antistress-Ball, der vom vielen benutzen eher schwarz war.

Es klopfte an der Tür und meine Sekretärin kam rein.

„Ihr Anwalt ist da." Erklärte sie etwas schnippisch.

„Bitten sie ihn rein." Antwortete ich trocken. „Und keine Störungen bitte."

Ich warf den Ball auf den Tisch, der prallte dort ab und flog hinter meinen Stuhl, dort blieb er erstmal liegen.

„Ich dachte schon Sie kommen nicht mehr." Sagte ich unfreundlich und bot ihm nicht mal an sich zu setzten.

„Tut mir Leid." Entschuldigte er sich. „Ich bin etwas müde, diese Nachforschungen waren etwas zeitaufwendig."

„Gibt es etwas neues?" Wollte ich wissen.

„Ja." Er seufzte und holte einen seiner üblichen Hefter aus seinem Aktenkoffer. „Es ist etwas sehr unfreundliches."

Ich erwartete, das es nichts war, was man nicht handhaben konnte. So etwas konnte ich jetzt gar nicht gebrauchen.

„Was meinen Sie?"

„Das Heim in dem Miss Swan gelebt hat, hat nicht gerade den besten Ruf. Es weißt eine lange Liste von Kindern mit psychischen Problemen auf und es gibt auch Berichte über Misshandlungen an den Kindern."

„Psychische Probleme?" Wiederholte ich wie ein Papagei. Ich fand Isabella eigentlich sehr vernünftig und normal, schüchtern, aber normal. James machte den Hefter auf.

„Ich habe keine Beweise, sondern nur Zeugenaussagen von Leuten die im Heim gewesen sind. Kinder die adoptiert worden sind, deren Eltern und von der Köchin...sie hat anscheinend lange dort gearbeitet. Sie haben das Heim als einen Ort beschrieben, an dem Vergewaltigungen und Misshandlungen an der Tagesordnung waren."

Schweigend ließ ich diese Neuigkeit auf mich wirken. Nach einigen Minuten sagte ich.

„Und über Isabella?"

„Über sie direkt habe ich keine Aussagen bekommen, um das zu erfahren was ich erfahren habe, musste ich mich als jemand ausgeben, der an einer Adoption interessiert ist." Erklärte er.

„Und?" Ich hatte das Gefühl, dass er nur so umständlich war, um mich zu ärgern.

„Die Köchin, sie ist nicht mehr die jüngste, kann sich an einen Vorfall erinnern, der ungefähr zu der Zeit stattgefunden hat, als Miss Swan aus dem Heim verschwand. Es gab da einen Skandal um einen Überfall auf eines der Mädchen in den zwei männliche Heiminsassen verstrickt waren."

Das hieße, es könnte sich um sie handeln, oder auch nicht. Ich wusste also noch immer nicht mehr.

„Im Heim gibt es keinerlei Register über diesen Vorfall und keiner will wirklich darüber reden." Erklärte James.

Ich erinnerte mich wieder der Zwischenfall vor dem Restaurant ein, als ich sie am Arm festgehalten hatte und die Angst die sich in ihrem Gesicht gezeigt hatte. Mir war durchaus bewusst, was es hieß eine nicht so einfache Kindheit zu haben und glaubte sie ein wenig verstehen zu können. In ihren Augen hatte ich die Faszination für mich gesehen, aber auch die Angst die sie vor mir hatte, weil ich ein Mann war.

Jetzt, da ich wusste warum sie manchmal so distanziert war, würde ich vorsichtiger vorgehen.

Eine andere Erinnerung erschien in meinem Kopf, der Kuss auf der Toilette.

Wenn wir Recht hatten und ihre Kindheit alles andere als rosa gewesen war, hatte sie trotzdem auf meine tierischen Instinkte reagiert. Ich war gut darin zu erkennen, ob eine Frau mich begehrte oder nicht und Isabella hatte mich in dem Moment begehrt.

„Ich will Beweise und ich will, dass du sie mir besorgst. Anonym natürlich." Forderte ich.

Das gefiel mir gar nicht, eine Sache war es eine erwachsene Person zu täuschen, eine ganz andere ein Kind zu missbrauchen. Das war ein Verbrechen und musste bestraft werden.

Und wieder erschienen Bilder in meinem Kopf. Bilder von einer sehr jungen Isabella Swan, die von schmutzigen und obszönen Händen angefasst wurde.

Es fiel mir schwer, die Wut die in mir aufstieg vor James zu verbergen. Und ich wusste auch, dass es nicht gut war wenn ich anfing dieses Mädchen in mein Herz zu schließen.

„Du bist gut darin Beweise zu sammeln, tu alles was von Nöten ist. Es ist mir egal was es kostet und welche Methoden du anwendest. Ich will wissen, wer die Verantwortlichen sind und das dieses Heim in anständige Hände kommt." Verlangte ich.

Ich hörte mich an, als ob ich eine Wahlrede halten würde und für einen Moment kam ich mir wie einer dieser ritterlichen Helden vor. Aber als ich dann wieder an meine eigentlichen Motive dachte, verpuffte das sofort.

James versprach, alles in die Wege zu leiten und ging dann.

Ich versuchte meine schlechte Laune zu vergessen und mich auf meine Arbeit zu konzentrieren, aber ein leichtes Stechen in der Brust sagte mir, dass ich das nicht so ganz schaffte. Da traf ich den Entschluss Isabella zu besuchen, wenn ich fertig war. So weit ich mich erinnerte, arbeitet sie Heute nur einen halben Tag.

Es war das erste mal, dass ich eine meiner Eroberungen in ihrer Wohnung besuchte, ich entwickelte mich noch zu einem richtigen „Freund". Ich hob das Telefon ab und rief meine Sekretärin zu mir.

„Bestellen sie bitte einen Strauss roter Rosen." Trug ich ihr auf. Rosen, bis jetzt hatte ich meinen Frauen immer Schmuck oder so geschenkt. Aber so wie ich Isabella kannte, würde sie so etwas schlichtes wie einen Strauss Blumen mehr zu schätzen wissen.

Zwei Stunden später hatte ich meine Arbeit beendet und war mit Sicherheit der Letzte im Büro, zusammen mit meiner Sekretärin. Die informierte mich, dass die Blumen da sein. Ich dankte ihr und schickte sie nach Hause.

Ich sammelte auch meine Sachen zusammen, nahm den Strauss und machte mich auf den Weg zu Isabella. Den ganzen Tag über hatte ich mich nicht bei ihr gemeldet, ich wollte ihr nicht die Möglichkeit geben, mir eine Abfuhr zu erteilen. Meinem Fahrer hatte ich auch für den Rest des Tages frei gegeben und fuhr selber zu ihr.

Bei ihrem Haus angekommen, stellte ich mein Auto ab und stieg aus. Als ich gerade klingeln wollte, kam jemand aus der Haustür und ich ging direkt hoch zu ihrer Wohnung.

Ich schellte und hoffte, dass sie auch zu Hause war.

Zu meiner Erleichterung hörte ich Schritte hinter der Tür und Isabella machte auf.

Sie hatte die Haare mal wieder zusammengebunden und nach ihrem Gesichtsausdruck zu schließen, hatte sie mit allem gerechnet, aber nicht mit meinem Besuch.

„Was machst du hier?"

Das war nicht die Art von Begrüßung, die ich erwartet hatte und schon war meine schlechte Laune wieder da.

„Ich kann wieder gehen...wenn du willst." Das hörte sich nach einem Vorwurf an, aber sie sollte merken, dass mir ihre Begrüßung mir nicht gefiel.

„Nein!" Schrie sie fast. „Das ist es nicht...ich hab nicht aufgeräumt." Ihre Wangen wurden rot und plötzlich fand ich sie sehr hübsch. Selbst meine schlechte Laune war plötzlich weg.

„Kann ich reinkommen?" Fragte ich und reichte ihr die Blumen. Sie nahm sie und es erschien ein Glanz in ihren Augen, den ich bis jetzt erst selten gesehen hatte. Ich betrachtete sie so aufmerksam, dass mir auffiel wie ihre Hand leicht zitterte, als sie die Blumen entgegen nahm. Sie hob sie an ihre Nase und roch mit geschlossenen Augen an ihnen und sah fürchterlich verletzbar aus.

Isabella machte einen Schritt zur Seite und bat mich damit rein. Langsam ging ich in ihre Wohnung und sah mich genau um. Es war nicht unordentlich, es war klein, aber sehr gemütlich. Und es roch, wie mein zu Hause als ich noch klein war...

Abrupt blieb ich stehen, als dieser wohl bekannte Duft, den ich nie vergessen hatte, in meine Nase stieg, weiter in mein Gehirn und von da aus meine all meine Sinne stimulierte. Es war absurd, dass etwas so einfaches, mich so sehr berühren konnte, aber es tat es.

Ungläubig drehte ich mich um und mein Blick fiel auf die Plätzchen, von denen dieser Duft auszugehen schien.

„Setzt dich doch." Riss Isabella mich aus meinen Gedanken, sie hatte die Rosen in einer Vase auf den Tisch gestellt. Ich sah sie mir genauer an, sie trug ein einfaches Shirt und einen schlichten Rock dazu. Sie war barfüßig und es war nicht die geringste Spur von Make- Up an ihr zu sehen.

„Kann ich dir was anbieten?" Fragte sie, ganz Gastgeberin.

Meine Augen flogen sofort zu den Plätzchen. Isabella hatte sie gemacht und ich hatte seid dem Tod meiner Mutter keine hausgemachten Plätzchen mehr gegessen.

„Kann ich die probieren?" Fragte ich und zeigte auf die Plätzchen.

Isabella drehte sich von mir weg und sah in die Richtung in die ich gezeigt hatte.

„Möchtest du die wirklich probieren?" Wollte sie etwas ungläubig wissen.

„Ich hab dich darum gebeten, nicht?"

Sie nickte und ging zu ihrer kleinen, aber sehr ordentlichen Küchenzeile. Ich konnte meine Augen nicht von ihr nehmen und beobachtet jede ihrer Bewegungen. Sie musste sich etwas strecken, um einen Teller aus dem Schrank zu holen und ihr Shirt schmiegte sich dabei verführerischen an ihre schmale Taille. Unter ihrem Rock konnte ich die Rundungen ihrer Hüften erahnen.

Isabella dekorierte einige Plätzchen auf den Teller und kam wieder zu mir. Auf halbem Weg blieb sie stehen, als ob ihr was eingefallen wäre und fragte.

„Was möchtest du trinken?"

Ich zögerte einen Augenblick und dachte wieder an meine Kindheit, als ich solche Art von Leckerbissen immer mit dem traditionellen Kindergetränk schlecht hin begleitet hatte und ohne es vermeiden zu können kam es auch schon aus meinem Mund.

„Milch?"

Sie sah mich so überrascht an, wie ich mich fühlte. Isabella gab mir den Teller und ging wieder zu ihrer kleinen Küche und holte meine Milch.

Mein Magen zog sich zusammen, als sie das Glas Milch vor mich auf den Tisch stellte und tausende von Erinnerungen auf mich ein prasselten. Sie setzte sich in den Sessel mir gegenüber.

Der erste Bissen versetzte mich sofort in die Vergangenheit und ich spürte das unbändige Verlangen, meine Mutter zu umarmen. Fast war ich versucht die Augen zu schließen, noch nie hatte es jemand auch nur annähernd geschafft, das Aroma und den Geschmack der Sachen zu erreichen, die meine Mutter für mich zubereitet hatte. Das war kindisch und ich wusste das, aber ich wurde gerade in meine Kindheit versetzt und das machte mir bewussst, dass ich auch nur ein Mensch war. Ich vermisste meine Eltern wie schon lange nicht mehr.

Unbewusst hatte ich meine Augen doch zu gemacht und machte sie jetzt wieder auf, um nach der Milch zu greifen. Sie war angenehm kalt und obwohl mir bewusste war, dass es Unsinn war, schmeckte auch sie wie bei meiner Mutter.

Ich ließ nicht einen Krümel auf dem Teller und trank auch die Milch komplett aus und dann konnte ich nur ein Wort sagen.

„Danke."

Isabella sah mir direkt in die Augen und ich konnte so etwas wie Stolz in ihren Augen sehen. In mir stieg ein seltsames neues Gefühl auf, es hatte zum Teil mit meiner Mutter zu tun, aber zu einem viel größeren Teil mit Isabella. Sie war meiner Mutter sehr ähnlich, sie strahlte die gleiche Liebe, Wärme und auch Verständnis aus.

Ohne meine Augen von ihr zu nehmen, stand ich auf und sie beobachtet jede Bewegung von mir.

Als ich direkt vor ihr stand, ging ich in die Knie, um mit ihr auf einer Höhe zu sein. Ich streckte meine Hand aus und legte sie in ihren Nacken, ich übten leichten Druck aus und zog sie zu mir und gab ihr den Kuss, nachdem es mich so sehr verlangte.

Erst in dem Moment wurde mir bewusst, wie sehr ich es jetzt brauchte sie zu küssen, mit meinen Lippen zu beweisen, dass sie real war und das sie all diese Gefühle zu mir zurückgebracht hatte. Verdammte Sentimentalität, verdammt meine Machtlosigkeit vor den Erinnerungen an meine Familie. Aber ich musste sie auch küssen, weil sie die erste war, die es geschafft hatte sich mit meiner Mutter auf eine Stufe zu stellen.

Isabella hob die Hand und ich dachte im ersten Augenblick, dass sie mich weg stoßen wollte, aber sie grub ihre Finger in meine Haare und erlaubte mir, den Kuss zu vertiefen. Ihre samtige Zunge berührte meine und mein Blut sammelte sich in meinem Kopf und an weniger unschuldigen stellen, mit anderen Worten, Isabella erregte mich, wie ich es nie für möglich gehalten hätte. Ich legte meine Hand auf ihre Taille und forderte sie mit leichtem Druck auf, aufzustehen. Unsere Lippen verloren nicht eine Sekunde den Kontakt und als sie stand, konnte ich nicht anders, als diesen zarten, warmen Körper fest an mich zu drücken. Ich drückte sie so fest an mich, dass ihre Füße den Bodenkontakt verloren.

Ein leises Stöhnen kam aus ihrer Brust und jagte mir eine Gänsehaut über den ganzen Körper. Und ich merkte, dass ich wieder kurz davor war die Kontrolle zu verlieren, ich erstickte fast an der Notwendigkeit mit einer Frau zusammen zu sein, aber nicht mit irgendeiner. Isabella war diese Frau, die ich begehrte und haben musste. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes ich wollte sie mit jeder Faser und um jede Faser, meines Körpers spüren.

Ich ließ mich mit ihr zusammen auf des Sofa fallen und wieder wich sie nicht vor mir zurück, sonder setzte sich rittlings auf mich, was sie meinem erregten Schwanz gefährlich nahe brachte. Ihr mädchenhafter Rock rutschte etwas höher und das brachte mich fast um den Verstand.

Langsam schob ich ihr Shirt hoch, bis meine Fingerspitzen ihre weiche, nach Vanille duftende Haut berührte. Isabella wehrte sich nicht, sonder schickte auch ihre Hände auf Erkundungstour. Sie nahm ihre Hand von meiner Schulter und streichelte langsam über meine Brust. Mein Herz raste und ich hatte das Gefühl, dass ich gleich vor Erregung platzten würde und sie hatte nur meine Brust berührt, mit dem Stoff meines Hemdes dazwischen.

Ich musste die berühren, wenn ich das nicht tat, würde ich zusammenbrechen. Meine Hände glitten über ihre schlanken Formen, bis zum Saum ihres Rockes, meine Lippen verließen ihre und wanderten zu ihrem Hals. Isabella setze sich etwas zurück und saß jetzt genau auf meinem Ständer. Ich stöhnte auf, sie so zu sehen, ließ mein letztes bisschen Selbstbeherrschung verschwinden. Mit einer schnellen Bewegung schob ich ihren Roch hoch, ich musste ihre Haut unter meinen Händen spüren. Ich wollte wissen, ob sie es genauso wollte wie ich.

Ihre warme, nackte Haut unter meinen Händen zu spüren, war unglaublich. Ich hatte das Gefühl, noch nie eine Frau so sehr begehrt zu haben wie sie. Doch als ich mit den Fingern ihren Slip berührte, zog sie sich zurück. Isabella legte mit geschlossenen Augen ihre Stirn gegen meine und das tat sie nicht aus Erregung, es war etwas anderes, was ich in ihrem Gesicht sah.

„Bitte...ich...bitte..." Stotterte sie.

Mir fiel wieder ein was James gesagt hatte, es gab keine Beweise, aber das Mädchen konnte durchaus Isabella sein. Das kühlte meine Leidenschaft etwas ab. Und wieder brachte mich der Gedanke, dass die falschen Hände sie angefasst haben könnten, zum kochen, aber diesmal nicht aus Leidenschaft.

Ich legte meine Hände um ihre Taille, setzte mich auf und mit der gleichen Bewegung, setzte ich sie neben mich.

„Es tut mir Leid." Sagte ich die ersten Worte die mir in den Sinn kamen und sprach damit die erste ehrliche Entschuldigung seit langer Zeit aus.

„Mir tut es mehr Leid." Sagte Isabella und zog siech ihren Roch wieder züchtig über die Knie, ich fühlte mich jetzt wie ein Schwein.

„Ich glaub ich gehe jetzt besser." Mir war durchaus bewusst, dass sie jetzt wohl lieber auf meine Gesellschaft verzichten würde.

„Bitte..." Ich hatte Recht, sie bat mich zu gehen. Mein Besuch Heute war keine gute Idee gewesen und ich stand auf. „... ich muss dir etwas erzählen." Sagte sie einige Augenblicke später. „Solltest du immer noch die Absicht haben bei mir zu bleiben, solltest du es wissen."

Sofort war meine Neugierde geweckt, sollte ich jetzt etwa alles erfahren, ohne das ich Nachforschungen anstellen musste? Ich musste zugeben, dass mich ihre Geschichte wirklich interessierte.

„Alles was ich über meine Kindheit weiß...ich bin in einem Heim aufgewachsen. Ich habe keine Familie...im Heim hat man mir gesagt, dass meine Mutter mich, direkt nach meiner Geburt, ausgesetzt hat. Anscheinend war ich für eine lange Zeit in einem Krankenhaus." Fing Isabella an zu erzählen und ich setzte mich wieder zu ihr.

Ich erinnerte mich an eine ähnliche Sache, als ich ungefähr zehn Jahre alt war und krank bei meinem Vater im Krankenhaus lag, hatte ich gehört wie sich meine Eltern über ein ausgesetztes Baby unterhalten hatten.

„Als ich ins Heim kam war ich noch sehr klein und konnte die Sachen die dort passierten nicht verstehen...die Arbeiten die wir verrichten mussten...wie wir ausgebeutet wurden...warum wir geschlagen wurden. Ich hatte keine Ahnung was Misshandlungen sind." Fuhr Isabella fort und sah ernst auf ihre Hände, sie schien sich wieder in die schlimmste Zeit ihres Lebens zurückversetzt zu haben.

„Je älter ich wurde, desto mehr verstand ich und begriff, dass das alles kein Spiel war...wir mussten uns unser Dach über dem Kopf und die Mahlzeiten verdienen...und vieles mehr."

Der Schmerz den ich in ihrem Gesicht sehen konnte berührte eine Faser in mir, von der ich nicht wusste, dass ich sie besaß und der ich keinen Namen geben konnte. Verdammte Sentimentalität, wieder mal.

„Mitten in dem Ganzen lernte ich jemanden kennen...jemanden den ich für einen Freund gehalten hatte..." Isabella stockte, jetzt schien sie zu dem Punkt zu kommen, der mich am meisten interessierte. Ich beobachtet sie genau und konnte sehen, dass Tränen in ihren Augen schimmerten.

„Aber seine Absichten und die seiner Freunde...hatten nichts mit Freundschaft zu tun..."

Isabella hörte auf zu reden und ich hatte Angst, dass sie einen hysterischen Anfall bekommen könnte. Ihre Erinnerungen waren alles andere als schön.

„Du bist vergewaltigt worden?" Ich konnte die Frage nicht vermeiden und hoffte sie damit aus ihrer Starre zu holen. Gleichzeitig merkte ich, wie wieder die Wut in mir aufstieg.

„Ich will es vergessen." Das war keine richtige Antwort auf meine Frage und ich war genauso schlau wie vorher.

„Ich danke dir, dass du mir zugehört hast, obwohl ich nicht weiß, ob du überhaupt noch an mir interessiert bist...nach all dem..." Sie weinte jetzt unkontrolliert und ich fühlte mich etwas hilflos. „Ich hoffe das du mich verstehst."

Ohne darüber nachzudenken, legte ich meinen Arm um sie und zog sie an meine Brust. Jetzt kannte ich einen Teil ihrer Geschichte und wusste mehr oder weniger was mich erwartete, auch im Bett und ich verfluchte mich selber dafür, dass ich sie so begehrte.

„Verzeih mir." Schluchzte sie an meiner Brust.

„Nein, du musst mir verzeihen...ich wusste nicht..." Jetzt entschuldigte ich mich bei ihr und hoffte, dass es sich so ehrlich anhörte, wie es gemeint war. Ich hielt sie fest, bis ihr schluchzen immer weniger wurde und ich irgendwann merkte, dass sie eingeschlafen war.

Auch ich merkte, wie mir die Augen zufielen. Es war eine kurze Nacht gewesen und ein ereignisreicher Tag. Ich legte meinen Kopf auf Isabellas Scheitel, atmete den frischen Duft ihrer Haare ein und schlummerte ein.

Endlich erschien die Frau wieder in meinem Traum. Sie tanzte um mich herum, aber ihr Gesicht war noch immer im Schatten und ich konnte sie nicht erkennen. Ihre Hände berührten mich, doch wenn ich sie berühren wollte, wich sie vor mir zurück. Aber das war mir egal, sie war wieder da und das war wichtig. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass ich einen Schatz in meinen Armen hielt, den ich beschützen musste, genau wie die Frau in meinen Träumen.

Irgendwann stieg mir ein köstlicher Duft in die Nase, der mich regelrecht dazu zwang aufzuwachen.

Ich blinzelte ein paar mal und merkte, dass die Wärme die ich empfand von keiner Frau ausging, sondern von einer Decke, mit der ich zugedeckt worden war. Von weitem hörte ich einige Geräusche und Schritte, als ich die Augen endlich ganz auf hatte, fand ich mich in Isabellas Wohnung wieder.

Langsam bewegte ich mich, so das Isabella nicht mitbekam, dass ich wach war und ich sie so ein wenig beobachten konnte. Sie bewegte sich leise und vorsichtig, wahrscheinlich um mich nicht zu wecken. Ich sah wie sich sich vorbeugte um in den Ofen zu sehen, in dem anscheinend das vor sich hin brutzelte, was so appetitlich roch.

Fasziniert beobachtet ich, wie liebevoll sie den Tisch deckte und wieder erinnerte sie mich an meine Mutter. Isabella legte die gleiche Aufmerksamkeit ins kochen, wie ich es bis jetzt nur bei der Frau gesehen hatte, die mich auf die Welt gebracht hatte.

Während ich sie beobachtet, musste ich wieder an das denken, was sie mir erzählt hatte. Ich verspürte eine unbändige Lust den Rest ihrer Geschichte zu erfahren.

Plötzlich drehte Isabella sich um, zu schnell für mich und ich konnte mich nicht schlafend stellen. Ich sah sie einfach nur an.

„Hallo." Sagte sie schlicht, so las ob wir nur einfache Freunde wären.

„Hallo." Antwortete ich, so als ob mich ihre Sprachlosigkeit angesteckt hätte. Ich zog meinen Arm unter der warmen Decke hervor, um auf meine Uhr zu sehen und stellte erstaunt fest, wie spät es schon war.

„ Wow! Ich...wir haben aber lange geschlafen." Stellte ich fest und konnte ein Gähnen nicht unterdrücken.

„Ja...Eh...ich hab uns was zu essen gemacht." Erklärte sie. Ein von ihr zubereitete Essen, war bestimmt der Himmel auf Erden. Bei dem Gedanken erschien automatisch ein Lächeln auf meinem Gesicht.

„Ich bin sicher, dass es mir schmecken wird." Sagte ich überzeugt.

Das brachte Isabella zum lächeln und das verwandelte ihr trauriges Gesicht in ein sehr hübsches.

Ich schob die Decke weg, stand auf und ging zu dem liebevoll und perfekt gedeckten Tisch. Wo sie das nur gelernt hatte, auch das war eine Sache, die sie mit Sicherheit nicht im Heim gelernt hatte. Ich musste Geduld haben, James war gerade dabei ihre Zeit im Heim zu erforschen. Was sie danach gemacht hatte, würde er auch noch herausfinden.

Isabella richtet das Essen auf den Tellern an, was auch wieder perfekt und appetitlich aussah. Sie stellte den Teller vor mir hin und setzte sich mir gegenüber. Ich schnitt mir ein großes Stück von dem zarten Hähnchen ab und wie ich es erwartet hatte, zerging es auf der Zunge und der Geschmack war einfach himmlisch. In dem Moment wusste ich genau welches der nächste Schritt sein musste. Ich legte mein Besteck zur Seite, sah sie fest an und wartete, bis sie meinen Blick erwiderte.

Sobald sie mir in die Augen sah, sagte ich fest.

„Ich möchte, dass du zu mir ziehst."

Isabella erstarrte einen Augenblick und dann fiel ihre Gabel laut scheppernd auf ihren Teller. Sie hielt meinem Blick stand, aber das war wohl eher der Schock.

Ich hoffte nur, dass sie mir genauso direkt und ehrlich antworten würde, wie ich sie gefragt hatte.