14. „Du willst jetzt gehen?"

Mione nahm langsam und etwas unbehaglich einen Bissen von ihrem Bratenstück und blickte dann in die schweigende Runde. Alles sah sie an. Natürlich taten sie das. Immerhin hatte die erst vor drei Tagen eine absolute Bombe platzen lassen.

Nur um jetzt einsam und allein, und bis auf die Knochen blamiert, inmitten ihrer Freunde und zweiten Familie zu sitzen, und wie die Dumme dazustehen.

„Und-", begann Ron zwischen zwei Bissen und stocherte dann einen Moment ebenfalls peinlich berührt in seinem Karottenpüree herum.

Der Lockenschopf blickte erwartungsvoll auf. Mehr oder weniger jedenfalls. „Ja?"

„Das war dein Ernst?", brachte er es auf den Punkt.

Gefühlt zwar zum einhundertsten Mal, aber es scherte scheinbar niemanden. Denn wieder sahen sie sie alle an: fragend und zweifelnd.

Sie drückte den Rücken durch und nahm einen Schluck Wein. Er war gut, aber irgendwie… bitterer, als sie es erwartet hatte?

Vielleicht lag es daran, dass sie in den vergangenen Wochen auf den Geschmack gekommen war? Erst gestern war ihr bewusst geworden, dass ihr ihr Lieblingswein nicht mehr so sehr schmeckte, wie er es vorher getan hatte. Nicht, dass sie zur Kennerin avanciert war. Aber, sie hatte eben Besseres gekostet.

„Ja", brachte sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und machte sich wieder ans Essen.

Auch wenn das blonde Miststück sie heute hatte auflaufen lassen, indem er leider Gottes ganz unerwartet in Italien geschäftlich unabkömmlich gewesen war, war sie nicht sicher, ob das bedeutete, dass er nicht vielleicht doch später auf seine amüsante Showeinlage zurückkommen würde.

Nicht, dass sie es erwartete.

Molly hustete beklommen und auch Harry blickte skeptisch auf die Tischplatte.

Hermione richtete sich wieder auf und sah sie alle zornig an. Er wollte dass sie spielte, also würde sie verdammt noch einmal auch spielen. Ob er nun in seiner vermaledeiten Anwesenheit glänzte oder nicht.

„Was?", zischte sie. Und komischerweise machte es sie wirklich wütend. „Er hat sich verändert" wenn auch nicht unbedingt zum Guten, „und das ist allein meine Entscheidung."

Ginny hustete schwach und sah sie liebevoll, aber nach wie vor zweifelnd, an. „Das versucht ja auch niemand abzustreiten. Aber, bist du dir da sicher? Ich meine…", sie sah ihren Ex-Verlobten, der am Tisch gegenüber saß auf merkwürdige Art und Weise nach Unterstützung flehend an. Cliff, der neben seiner Freundin saß, schien das ebenso zu verwirren, wie es das bei Harry tat.

Der Schwarzhaarige errötete leicht, blickte seine beste Freundin mit einer merkwürdig aussehenden Miene an. Wahrscheinlich war er einfach noch, der Tatsache wegen, dass Ginny hier mit ihrem Neuen aufgetaucht war, zu angeschlagen.

„Ja", flüsterte er und schaufelte sich hektisch etwas Püree in den Mund.

Ron schnaubte. „Er spielt mit dir. Das tut er doch immer."

Mione zuckte mit den Schultern. „Natürlich tut er das."

Ron zog eine Augenbraue hoch.

„Vielleicht mag ich es? Und vielleicht spiele ich ja ebenfalls mit ihm?" Musste sie wirklich mehr sagen?

Harry räusperte sich, doch dieses Mal war es Molly, die sprach. „Schätzchen, niemand steht dir und deinen Glück im Wege…" Sie musste sich ein schiefes Lächeln verkneifen, „… aber wir alle machen uns Sorgen. Was wenn er nicht der Richtige ist?"

Sie nickte und schob sich ein Stück Fleisch in den Mund, um nicht laut zu sagen „ist er nicht. Aber, darum geht es hierbei auch gar nicht."

Vier Stunden, drei weitere Gläser Wein und anderthalb Portionen Kürbispudding als Nachtisch, später, schloss sie seufzend ihre Wohnungstür auf. Oder eher – eigentlich hatte sie das vor. Überraschenderweise war diese jedoch bereits geöffnet.

Irritiert trat sie ins Innere und sah sich verwundert in der stockdunklen Wohnung um. Nur im Wohnzimmer schien der Fernseher zu flimmern. Hatte sie ihn versehentlich angelassen? Das war möglich, aber hatte sie wirklich vergessen, die Tür zu verschließen?

Nein, das tat sie nie. Einen Moment spielte sie gar mit dem Gedanken, ihren Zauberstab zu zücken. Bis Malfoy grinsend um die Ecke spähte.

Schatz, du bist zurück", flötete er sarkastisch sowie lebensmüde - und Mione zog die Augenbrauen hoch.

Merlin, sie war zugegeben verdammt erleichtert.

Mit schleichenden Schritten trat sie ins Wohnzimmer uns sah ihn an. Er hatte sein Jackett über ihren Sessel gelegt und trug nur noch eine schwarze Anzughose und ein mittelgraues Hemd. Wie immer war der erste Knopf geöffnet, was jedoch keine wirklichen Einblicke gewährte.

Nicht, dass sie die gerade haben wollte. Sie erinnerte sich auch so viel zu gut daran, was er unter der maßgeschneiderten Kleidung verbarg.

„Was tust du hier?", wisperte sie und schmiss ihre Tasche zu seiner Jacke in den Sessel.

Er ließ sich auf das Sofa fallen und funkelte sie spitzbübig an. „Ich dachte, ich bereite dir ein angebrachtes Widersehen." Damit deutete er auf einen Eimer Chickenwings, der vor ihm auf dem Tisch stand.

„Kentucky Fried Chicken?", sagte sie verdutzt und begann den schwarzen Mantel aufzuknöpfen, der ihr rotes Trägerkleid verhüllte.

Der Blonde musterte sie einen Moment vielsagend, sah sie dann allerdings jedoch wieder emotionslos an. „Darauf steht ihr Muggel doch."

Mit einem Zischen streifte sie sich den Mantel ab und warf sie ebenfalls über den Sessel. Sie vermied es darauf einzugehen, dass sie kein Muggel war. Jedenfalls kein ganzer. Und sie vermied es auch, ihn zu fragen, wie er auf diese absurde Idee gekommen war.

Fast schlich sich ihr in den Sinn, dass er mit den albernen Chickenwings irgendetwas ausheckte. Nur was? Vielleicht hatte er sie vergiftet?

Innerlich musste sie lachen. Warum sollte er, wo er sie doch gerade eh so kinderleicht umbringen konnte.

„Ich denke du bist in Italien?", fragte sie und ließ sich langsam neben ihm auf das Sofa fallen. Er hatte ihren Fernseher eingeschaltet und über den Bildschirm flackerte eine neue Folge von Greys Anatomy.

Ein Nicken und er griff in den Eimer. Mit den Fingerspitzen fischte er einen panierten Flügel heraus, begutachtete ihn skeptisch und knabberte dann etwas des Fleisches ab.

Er kaute langsam und bedächtig und nickte dann anerkennend. „Gut, aber etwas altmodisch."

„Altmodisch?"

„Das Essen mit den Händen", sagte er und ließ den Flügel auf den Tisch fallen.

„Hey", fluchte sie, angelte nach einer Servierte, die etwas abseits des Eimers lag, hob den Flügel an und ließ ihn auf diese fallen.

Er beobachtete sie mit hochgezogenen Brauen. „Granger, warum begriffelst du mein Essen mit deinen schmuddeligen Fingern?"

Sie blickte ihn mit offenem Mund an. „Du hast es auf den Tisch gelegt."

„Oh ja. Den habe ich allerdings vorher gereinigt. So wie den Rest des Zimmers", sagte er und deutete auf den Raum. Und tatsächlich, er hatte recht. Die Magazine und Bücher, die wahllos im ganzen Zimmer herumgelegen hatten, waren verschwunden.

„Du hast meine Wohnung aufgeräumt?", brachte sie skeptisch hervor.

Er schüttelte den Kopf und ließ sich zurück in die Sofakissen fallen. „Nur diesen Raum. Und ich habe einfach alles verschwinden lassen."

Mione schnappte hektisch Luft. „Verschwinden lassen?"

Ein Nicken. „Das ist äußerst lehrreich. Das hat mein Vater auch immer gemacht, wenn ich mein Zimmer nicht aufgeräumt habe."

„Du musstest dein Zimmer aufräumen?"

Einen Moment schien er zu überlegen, dann schlich sich ein Lächeln in seine Züge. „Nein."

Endlos lange Augenblicke starrte sie ihn einfach nur an. Was zur Hölle…

Sie konnte es nicht in Worte fassen.

„Da waren seltene und teure Bücher bei", flüsterte sie schließlich.

„Ein Grund mehr, warum du besser mit ihnen umgehen solltest."

„Malfoy!"

Er rollte mit den Augen. „Schick meinem Büro eine Liste."

Sie schnappte immer noch nach Luft, während er sich einen neuen Flügel aus dem Eimer fischte.

„Du hast doch bereits einen", sagte sie.

„Den hast du angefasst", gab er herausfordernd zurück.

„Und jetzt? Willst du ihn wegwerfen? Woanders verhungern Kinder", fluchte sie und deutete auf das angeknabberte Stück Fleisch.

Er zuckte mit den Schultern. „Du kannst ihn haben."

„Ich will ihn nicht. Du hast daran geknabbert."

„Woanders verhungern Kinder, Granger", ahmte er sie spöttisch nach.

Mit einem Schnauben wandte sie sich ab und starrte auf den flimmernden Röhrenfernseher. Christina und Meredith fachsimpelten gerade, wie eigentlich immer, über die Problematik von McDreamy und Greys Beziehung zu diesem.

„Was tust du eigentlich hier", wiederholte sie schließlich ihre Frage von vorhin. Die, die er unbeantwortet gelassen hatte.

Er sah sie irritiert an und sie musste sich eingestehen, dass es ihm gut stand. Der alberne Flügel in seinen feinen Händen, die leicht glänzenden Lippen und diese beinahe unschuldig wirkende Miene.

„Hm?", machte er.

„Solltest du nicht in Italien sein?", fragte sie grinsend und musste gegen den Drang ankämpfen sein leicht wirres Haar zu berühren.

Ein Grinsen. „Nein, das habe ich nur gesagt, damit ich nicht tatsächlich mit zu diesem lächerlichen Fest gehen muss."

Ihr Lächeln erstarb und auch der Drang ihn zu berühren. „War nicht genau das dein Plan?"

Er antwortete nicht, grinste nur nach wie vor und biss erneut in den Flügel.

„Du hast uns allen, mit deinem blöden Deal, den ganzen Abend verdorben", zischte sie und angelte sich ebenfalls einen Flügel aus dem Eimer. Dabei war sie gar nicht hungrig.

Er lachte. „Genau das war mein Plan."

Sie sah ihn wütend an und er lächelte beinahe unschuldig zurück. Schließlich schnappte sie nach Luft, um etwas zu erwidern. Doch er kam ihr zuvor.

„Ich weiß, Granger. Ich bin ein Arschloch. Oder auch ein Mistkerl…"

Mione hob irritiert eine Augenbraue, bevorzugte es jedoch zu schweigen. Sie war sich nicht sicher, ob es das gewesen wäre, was sie sagen wollte. Vielleicht auch nicht. Wirklich sicher war sie sich jedenfalls nicht.

„Und was nun? Servierst du mich wieder ab?"

Meredith schlich sich gerade in McDreamys Büro, während Christina und Owen wilden Sex in der Umluftanlage des Krankenhauses hatten.

„Nein", sagte er und starrte ebenfalls auf den Bildschirm. „Vielleicht behaupte ich einfach, dass du dir das alles ausgedacht hast."

Sie sah ihn an, konnte jedoch an seinem Ausdruck sehen, dass er wahrscheinlich scherzte.

„Ich werde allen von deinem Muttermal erzählen", gab sie zurück und ließ sich ebenfalls grinsend in die Sofakissen fallen.

Er sah sie skeptisch an. „Welches Muttermal?"

Ihr Grinsen wurde breiter. „Du weißt genau, welches ich meine."

Und zu ihrem Unglück konnte sie sich viel zu gut daran erinnern. Es hatte etwas amüsant Erotisches gehabt. Drei winzig kleine Pünktchen über seiner Leiste, die aussahen, wie ein winziger, dreieckiger Stempel. Oder wie eine Pfote.

Es hatte den einzigen Kontrast zu seiner überwiegend bleichen Haut dargestellt. Abgesehen von einigen sehr blassen Leberflecken an seiner Schulter, der Brust und den Armen.

„Biest", fluchte er, aber er lachte. Das konnte sie an seiner Stimme hören.

Mione nickte zufrieden, beobachtete ihn aus den Augenwinkeln, wie er abwechselnd sie und den Bildschirm ansah. Dort ging es gerade zugegeben sehr heiß zu. Christinas Hände waren überall und Owens Kleider im Kellerraum verstreut. Und auch wenn der Rotschopf auf der Leinwand nichts mit ihrem hellblonden und grauäugigen Gegenüber zu tun hatte, wurde ihr bei dem Gedanken an Malfoys Kleidern in ihrem Wohnzimmer, anstatt an ihm, gerade doch ganz anders.

Angenehm anders.

Der Fernseher tauchte den Raum in bläulich-rotes Licht, als es im Lüftungskeller immer hitziger wurde und die Luftzufuhr diesen flutete. Doch es war ihr egal, denn sie sah das Gerät gar nicht mehr an. Ihre volle Aufmerksamkeit galt dem Blonden, der sie gerade ebenfalls aus den Augenwinkeln ansah und schließlich den Flügel langsam auf die Servierte sinken ließ.

Und es war wie ein stummer Startschuss, den er ihr gegeben hatte. Denn sekundenspäter fand sie sich über ihm. Ihre Lippen auf seinen noch leicht fettigen – und obwohl er immer noch minimal nach Gewürzen schmeckte, schien es der beste Kuss zu sein, den sie seit langem erleben dufte.

Mione stöhnte in den Kuss, als sie ihre Zunge gegen seine Lippen presste und er sie nur sehr langsam öffnete. Es war anders als das letzte Mal. Sie lag auf ihm, ihre Hand schlängelte sich wie von allein und vorwitzig zwischen sie und begann sein Hemd aufzuknöpfen. Und es schien ihn unter ihr sichtlich zu irritieren.

Grinsend ließ sie von seinen Lippen ab und begann seinen Hals zu malträtieren. So merkwürdig es war, dieses Mal schien der Wein sie zu beflügeln. Vielleicht war es aber auch seine Nähe, die sie gerade zwar wackelig, aber eben nicht schwummerig machte.

Neckisch leckte und knabberte sie an seinem Hals, schob ihre Hand in sein Hemd und ließ ihr Bein zwischen die seinen sinken. Einen Moment fürchtete sie eine erneute Reizüberflutung, als sie sich komplett aneinander pressten. Doch sie blieb aus.

Stattdessen fühlte er sich gut an. Und das gleiche galt für seine Hände, die sich fast etwas unerwartet um ihre Hüften legten und sie runter zogen.

Es war absurd wie leicht es plötzlich war. Ihr Körper brannte, während sie sich stöhnend und keuchend an ihm rieb und auch als seine Hände zu ihren Schultern wanderten, um ihr die Träger des Kleides über die Schultern zu schieben, so dass ihre nackte Brust auf seiner lag und seine Fingerspitzen ihre Knospen triezten, fühlte es sich einfach nur unbeschreiblich an… aber erträglich…

Schließlich erwiderte er den Kuss, als würde auch sein elendiges Leben davon abhängen. Und es brachte sie einen Moment dazu zu grinsen, was er ebenfalls erwiderte. Sie presste ihr Bein fester gegen seinen Schritt, genoss das Gefühl seiner Härte an ihrem Schenkel. Seine Augen waren verklärt, als er sie erhitzt anfeixte und ihre Brustwarze kniff.

„Granger, Granger", raunte er dabei.

Sie kicherte und verschloss seine Lippen erneut, wagte es ihre Hand zwischen seine Beine wandern zu lassen und dort etwas Druck auf seine geschwollene Länge auszuüben. Und wie erwartet keuchte er in den Kuss, was sie noch mehr beflügelte.

Seine Hände wanderten von ihrer Brust unter ihr Kleid, fuhren an den hauchdünnen Nahten ihres Höschens entlang und hinterließen eine Gänsehaut, wo immer seine Fingerspitzen sie berührten. Mione hingegen tastete nach seiner Gürtelschnalle und versuchte diese, ohne von seinen Lippen abzulassen, zu öffnen.

Hier und Jetzt, schoss es ihr durch den Kopf… Jetzt oder nie… Und sie bevorzugte das Hier und Jetzt aus so vielen Gründen mehr, wie nur der Tatsache, dass sie es am Leben halten würde.

Merlin, sie wollte ihn… Egal, was nach dieser Sache auf sie warten würde.

Ein Keuchen und sie zerrte wie eine Besessene an der Gürtelschnalle, die es nicht gut mit ihr meinte. Also ließ sie von seinen Lippen ab und er von ihrem Slip, um ihr dabei zu helfen. Sie sagten nichts, aber das Grinsen, was seine Mundwinkel umspielte, sagte mehr als tausend Worte.

Mione war sich jedoch nicht sicher, ob sie vielleicht doch dasselbe Lächeln trug.

Die Schnalle schnackte und während er das Leder aus dieser löste, öffnete sie sicherlich viel zu vorschnell und hastig den Reißverschluss. Doch noch bevor sie ihre Hand endlich unter den feinen Stoff seiner dunkelgrauen Shorts schieben konnte, riss sie ein Klopfen jäh aus allen Gedanken und Vorhaben.

Gemeinsam erstarrten sie und starrten zum Durchbruch, der den Wohnraum vom Wohnungsflur trennte. Einen Moment hoffte sie, dass sie sich verhört hatten… oder das, wer auch immer es war, einfach wieder verschwinden würde.

„Mione, ich weiß das du da bist. Mach auf, sonst komme ich rein." Ginny.

Hermione stöhnte gequält und Malfoy verkrampfte sich unter ihr.

„Es ist halb zwei in der Nacht", wisperte er beinahe geräuschlos und sie sah ihn entschuldigend an.

Aber, sie kannte Ginny. Und sie wusste, dass diese tatsächlich einfach so die Tür öffnen würde, wenn sie nicht reagierte.

Also richtete sie sich langsam auf, richtete ihr Kleid und ihre zerzausten Locken. Dann vergewisserte sie sich, dass der Blonde es ihr gleichtat. Seine Miene war nicht nur angespannt und genervt, sondern eindeutig wütend.

Sie versuchte es zu ignorieren. „Ich wimmele sie ab", flüsterte sie und machte sich auf den Weg zur Tür.

„Ginny, ich bin okay, aber es ist gerade etwas ungünst-", warf sie ihrer skeptischen Freundin durch den Türspalt hindurch entgegen, doch Ginny dachte nicht einmal im Traum daran, sich abwimmeln zu lassen.

Sie trat an die Tür und stieß diese, mit erstaunlich viel Kraft, nach innen auf. „Mione, was geht hier vor? Erpresst er-", begann der Rotschopf und blieb dann in der Wohnzimmertür irritiert stehen.

Mit fragender Miene blickte sie ihre beste Freundin an, doch sie sagte nichts. Stattdessen wandte sie sich an den Blonden, der schief grinsend auf dem Sofa saß und gerade den letzten Knopf seines Hemdes schloss.

„Eine gute Nacht wünsche ich dir, Weasley", schnarrte er dabei.

„Wie ich sehe, hat er bereits mit dir geschlafen?", fragte Ginny zischend in ihre Richtung und Mione spürte, wie ihr die Schamesröte ins Gesicht stieg.

Malfoy funkelte sie fragend an.

„Hat er?", blaffte der Rotschopf mit ernstem Blick.

Mione wandte den ihren ab und biss sich auf die Unterlippe.

„Wie überaus ungehobelt von dir, Weasley. Aber, nur zu deiner Information: Wir waren gerade im Begriff-"

Ginny fuhr dem Miststück auf ihrem Sofa grob ins Wort. „Ach ja! Ich schwöre dir, wenn du diesen Fluch nicht brichst, dann werde ich dich umbringen."

Malfoy schnaubte, erwiderte jedoch nichts.

Ginevra wandte sich hingegen wieder an sie, trat dabei so nah an sie, dass sie zurückweichen musste. „Lass ihn nicht mit dir, und mit deinem Leben, spielen." Mit diesen Worten setzte sie sich wieder in Bewegung und verließ die Wohnung wutschnaubend und so schnell, wie sie sie betreten hatte.

Die Tür schloss sich mit einem Knall und sie starrte benommen zu Boden. Der Zauber war verschwunden, selbst das bläuliche Flackern des Fernsehers konnte ihn nicht zurück bringen.

Dann brach Malfoy das Schweigen. „Du hast es ihr gesagt?"

Sie sah ihn an, brachte jedoch kein passendes Wort zu ihrer Verteidigung heraus. Also hob sie abwehrend die Hände.

„Wunderbar. Wo wir doch abgemacht hatten, dass es unter uns bleibt", zischte er und angelte nach seinem Jackett, das unter ihrem Mantel lag.

Mione stieß sich wütend von der Tür ab. „Malfoy, es geht um mein Leben. Für dich mag das ein Spiel sein, für mich ist es keines. Ich musste mit jemandem darüber reden."

Er sah sie an… schweigend… in jeder Bewegung verharrend. Sie sah ihn an. 100 000 Galeonen wären nach wie vor zu günstig, für seine Gedanken. Seine Miene sprach verschlossene Bände. In seinen Zügen rasten regelrecht die Gedanken. Doch kein einziger ließ sich auch nur ansatzweise deuten.

Dann nickte er zu ihrer Überraschung schwach. „Okay."

Okay? Das war alles?

Sie wich verwirrt zurück. Sie hatte mit etwas mehr Zorn gerechnet. Einem neuen Spiel… vielleicht mit einer Weigerung, ihr weiterhin aus der Patsche zu helfen.

„Okay?", fragte sie also, während er seine Jacke anzog und ebenfalls auf die Tür zusteuerte.

An der Tür blieb er stehen. „Ja, Granger. Okay."

Mione schüttelte schwach den Kopf. „Du willst jetzt gehen?"

Er sah sie an, starrte zu Boden und seufzte dann. „Ja, Granger. Ich werde heute gehen. Sommersprosses Predigt und Auftauchen hat mir den nötigen Elan gehörig ausgetrieben. Aber, ich komme wieder. Und ich schwöre dir, dann werde ich dich ficken, um den scheiß Fluch zu brechen."

Sie schluckte und runzelte die Stirn. Darum ging es doch gar nicht…

Oder doch?

Jedenfalls nicht nur um das…

Und einen Moment wollte sie ihn bitten dennoch zu bleiben. Doch sie brachte es nicht über die Lippen. Vielleicht wollte sie doch, dass er ging… Vielleicht auch nicht…

Auf ihre innere Stimme war gerade kein Verlass, denn sie schwieg ebenfalls. Alles in ihr war still und beinahe beunruhigend matt.

„Immerhin hängt mein Leben ja nun auch davon ab, richtig?", fügte er schief grinsend hinzu und setzte sich dann langsam in Bewegung.

Sie sah ihm nach, bis er um die erste Biegung des Flurs im Treppenhaus verschwunden war. Wartete darauf, dass ihre innere Stimme endlich wieder sprach.


Hallo ihr Lieben… und Stress lass nach. *tragischlach* Ich danke euch fürs Lesen, fürs kommentieren und ich danke Fränzi fürs Betalesen… :)

Ich erspare mir heute die detaillierten Reviewantworten. Bitte nehmt es mir nicht übel, aber ich musste mich gerade schon so aufrappeln, um heute wenigstens noch zum Posten zu kommen. Ich knuddel euch alle… Ihr seid nach wie vor die Besten… :) *kekseverteil*