Hallo! Da bin ich mal wieder. Okay, es hat mal wieder ein bisschen länger gedauert und ich habe nicht mal eine ehrliche Ausrede mitgebracht.

Ich hoffe es gefällt euch trotzdem. Und mein Urvertrauen in alle Menschen sagt mir, dass ihr mir auch alle in euren Reviews schreiben werdet, wie es euch diesmal gefallen hat:)


Blut im Schnee

„Kannst du es mir zeigen?"

Jailie saß zusammen mit Sirius, Remus und Bela im Wohnzimmer des Grimmauldplatzes. Es war Weihnachtstag. Die Weasleys waren mal wieder im St. Mungos.

„Was soll ich dir zeigen?", entgegnete Sirius auf die Frage seiner Tochter.

„Du kannst dich doch in einen Hund verwandeln, oder? Darf ich das mal sehen?"

„Klar, warum nicht," antwortete der Vater schmunzelnd und stand vom Sofa auf. Ohne weitere Worte verwandelte er sich in einen großen, schwarzen, zottigen Hund. Er trabte auf Jailie zu, die auf einem Sessel saß und stupste sie mit seiner Schnauze ans Knie. Jailie lachte bewundernd und kraulte ihn hinter dem Ohr.

Sirius drehte sich einmal um sich selbst und verwandelte sich dann wieder in seine menschliche Gestalt. Er genoss sichtlich die bewundernden Blicke seiner Tochter und Belas.

Als er wieder saß platzte Jailie sofort mit der Frage raus, die ihr schon seit ein paar Tagen auf dem Herzen lag.

„Kannst du mir das beibringen?"

Auf diese Frage herrschte einen Augenblick Stille und die junge Frau bereute schon, ihren Wunsch ausgesprochen zu haben.

„Theoretisch schon," sagte Sirius unter Remus' warnendem Blick. „Allerdings muss ein Animagus sich offiziell registrieren lassen und man brauch eine Genehmigung und das könnte ein Problem werden, weil du ja keine Hexe bist und somit wird es wohl auch nicht genehmigt werden."

Enttäuscht ließ Jailie sich in das Polstermöbel sinken. So was in der Art hatte sie sich schon gedacht.

„Außerdem wissen wir gar nicht, ob es für dich überhaupt möglich ist, dich zu verwandeln. Es kann ja sein, dass du gar kein magisches Blut in dir trägst," sagte Remus.

„Aber ich bin doch die Tochter eines Zauberers," entgegnete Jailie mit gerunzelter Stirn. „Magisches Blut habe ich doch automatisch und ich verstehe nicht, was das mit dem Animagus werden zu tun hat."

„Stimmt. Ich habe mich falsch ausgedrückt," gestand Remus. „Natürlich hast du magisches Blut, aber das muss noch lange nicht bedeuten, dass du auch zaubern kannst. Es ist ein bestimmtes Gen, was für die Magie sorgt und es ist nicht klar, ob du das in dir trägst. Ob es trotzdem möglich ist, dass du ein Animagus wirst, weiß ich nicht, aber wie Sirius bereits sagte, ist das ziemlich kompliziert."

„Aber das lässt sich doch ganz einfach herausfinden!", warf Sirius ein. „Ich meine, herauszufinden, ob sie zaubern kann," fügte er noch hinzu.

„Wie willst du das machen?", fragte ihn sein bester Freund.

„Ganz einfach." Sirius stand auf und ging zu Jailie. Dabei zog er seinen Zauberstab aus der Hosentasche und reichte ihn ihr. Seine Tochter sah ihn überrascht an. Dann nahm sie den Zauberstab zögernd in die Hand. Bela verfolgte interessiert das Geschehen.

„Steh auf," sagte Sirius lächelnd zu Jailie und sie tat, was er ihr sagte. Sie war schon ein wenig nervös. Offenbar wollte er sie zaubern lassen, aber was, wenn sie das wirklich nicht konnte? Lieber würde sie es nicht herausfinden, als dann im Nachhinein enttäuscht zu sein.

Sirius ging unterdessen zu einer Vitrine aus Glas, die an der Wand stand, öffnete sie und steckt den Kopf hinein. Nach wenigen Sekunden zog er ihn wieder heraus und hielt lächelnd einen schmalen, silbernen Ring in der Hand.

„Hier," sagte er, „der ist schön leicht, dann ist es nicht so schwer." Er legte den Ring auf den Couchtisch und stellte sich neben Jailie, die unbeholfen den Zauberstab hielt. Remus hatte eine Augenbraue in die Höhe gezogen und sah teilweise gespannt, teilweise belustigt zu.

„Was soll ich jetzt machen?", fragte Jailie vorsichtig.

„Also," Sirius machte das Ganze offenbar richtig viel Spaß. „Du schwingst den Zauberstab. Warte, gib ihn mir noch mal . . . So. So schwingst du ihn. Mach das mal." Jailie tat, was er sagte und Sirius schien zufrieden mit ihr zu sein. „Gut. Was ich dir beibringen will, ist ein Schwebezauber. Richte den Zauberstab auf den Ring, schwing ihn, wie du es eben schon gemacht hast, und sprich die Worte Wingardium Leviosa."

Sie probierte es und – der Ring schwebte! Das überraschte jetzt wirklich alle, am meisten Jailie. Vor Schreck ließ sie den Zauberstab schnell wieder sinken und der Ring fiel klimpernd wieder auf den Tisch.

„Kann das so schnell gehen?", fragte Bela verwundert.

„Eigentlich nicht," sagte Remus. „Das ist beeindruckend. Sogar sehr beeindruckend."

Sirius grinste stolz, legte die Hand auf Jailies Schulter und sagte „Gut gemacht."

Die junge Frau konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, auch wenn es ein seltsames Gefühl gewesen ist. Im Grunde konnte man es zwar nicht fühlen, wenn man zauberte, aber als sie diesen Ring schweben sah, wirkte das so unrealistisch . . . Sie war gleichzeitig erschrocken, wie auch stolz und glücklich gewesen. Sie konnte zaubern . . . Wieder musste sie daran denken, wie anders ihr Leben jetzt sein könnte, wenn sie von Anfang an bei Sirius gelebt hätte. Wenn alles anders gekommen wäre . . . Aber das war jetzt egal. Es konnte niemand die Zeit zurück drehen. So schnell, wie sie konnte, verjagte sie diese Gedanken wieder aus ihrem Kopf.

„Womit wir dann die Frage, ob sie zaubern kann, geklärt hätten," sagte Sirius.

„Versuch es nochmal, Jailie," wandte Remus sich an sie. Jailie wiederholte den Zauber und diesmal erschrak sie nicht vor sich selbst und ließ den Ring ein paar Sekunden ganz friedlich und leicht hoch und runter und hin un her schweben. Es war kaum zu glauben, wie einfach das gewesen ist.

„Also bedeutet das, dass ich auf jeden Fall ein Animagus werden kann," sagte Jailie vorsichtig, nachdem der Ring wieder auf dem Tisch lag. Sirius und Remus atmeten gleichzeitig tief durch.

„Ich hätte nichts dagegen. Aber wir haben nicht genug Zeit dafür," sagte der Vater lächelnd.

„Wir müssten das registrieren lassen. Und dabei müssten wir alle möglichen wichtigen und unwichtigen Sachen angeben. Außerdem glaube ich immer noch, dass das Ministerium es ihr nicht genehmigen wird zum Animagus zu werden, wenn sie keine Ausbildung zur Hexe gemacht hat. Da können ihre Fähigkeiten noch so beeindruckend sein," Remus hatte die Stirn gerunzelt und schüttelte bei seinen Worten langsam den Kopf.

„Aber wir müssen sie ja nicht registrieren lassen." In Sirius' Augen lag ein seltsamer Glanz, als er das sagte. „Ich bin auch nicht registriert und es hat bis Heute noch niemand herausfinden."

„Sirius, damals seit ihr Animagen geworden, weil es nötig war . . . Aber wir haben keinen Grund, Jailie zum Animagus zu machen. Es wird wohl niemand Verständnis dafür haben, wenn wir das einfach so zum Spaß an der Freude tun."

Jailie setzte sich hin. Sirius seufzte schwer und ließ sich wieder auf das Sofa fallen. „Aber es kann niemand etwas dagegen haben, dass ich ihr Zauberei beibringe," sagte er schließlich. „Immerhin hat sie bewiesen, dass sie es kann, also darf sie es auch."

„Ja. Aber ich würde es trotzdem geheim halten. Ich glaube, dass das Ministerium deinen Unterricht nicht unbedingt mit dem von Hogwarts gleichsetzen wird."

„Meinen sowieso nicht. Ich bin schließlich auf der Flucht. Wenn es jemand mitbekommt, dann müssten wir eh behaupten, dass es jemand anderes war, der sie unterrichtet hat."

„Und das wird dann natürlich mal wieder mich treffen."

„Du warst schon mal Lehrer in Hogwarts und hast bewiesen, dass du es kannst. Also warum nicht?"

„Von mir aus. Trotzdem haben wir wenig Zeit. Wir können ja praktisch nur in den Ferien üben und vielleicht ab und zu an den Wochenenden. Außerdem möchte ich noch etwas anderes ausprobieren . . ." Remus zog seinen Zauberstab und reichte ihn Bela, der ihn verwundert entgegen nahm.

„Ich?", fragte der Blonde verdutzt. „Wieso denn ich?" Er hatte es in seinem ganzen Leben nie in Erwägung gezogen einmal zaubern zu lernen.

„Weil du ebenfalls zaubern kannst und ich finde, dass du es lernen solltest. Du hast es wohl am Nötigsten, dich verteidigen zu können," sagte Remus. Er legte den Ring vor Bela auf den Tisch. „Tu einfach genau das selbe, was du eben bei Jailie gesehen hast. Es muss nicht beim ersten Mal klappen, dass war doch ziemlich ungewöhnlich."

Bela konnte sich noch genau an die Bewegung und den Spruch erinnern und tat es. Eigentlich war es ihm ziemlich gleichgültig, ob es funktionierte, oder nicht. Er wollte nicht unbedingt zaubern lernen, am liebsten hätte er Remus den Zauberstab wiedergegeben und sich hingesetzt. Ohne den geringsten Druck, oder Anstrengung sprach er den Zauber – und der Ring schwebte dahin.

Jetzt wurde Bela mit überraschten Blicken begutachtet. Sirius hatte die Augenbrauen in die Höhe gezogen. „Also entweder sind die Beiden einfach nur überdurchschnittlich begabt, oder alle Schüler von Hogwarts sind überdurchschnittlich minderbemittelt," sagte er im Scherz.

Jailie lächelte ihren Freund einfach nur belustigt an. Remus Mund stand ein klein wenig offen. „Faszinierend. Allerdings war das auch ein sehr leichter Zauber. Ich würde sagen, wir probieren mal ein paar Schwerere . . ."

Die nächsten zwei Stunden bis zum Abendessen verbrachten Jailie und Bela damit, sich von Sirius und Remus Zaubersprüche beizubringen. Jeder Einzelne fiel den beiden leicht. Nichts bereitete ihnen Schwierigkeiten.

„Ich frage mich, woran das liegt," murmelte Sirius schließlich, als die zwei 'Schüler' gerade bereits nach dem ersten Versuch eine zerbrochene Vase mit dem Reparo wieder ganz gemacht hatten.

„Vielleicht liegt es ja einfach daran, dass wir hier zwei Naturtalent vor uns haben," erwiderte Sirius grinsend.

„Es kann auch daran liegen, dass sie beide von Geburt an hätten zaubern können, es aber nicht getan haben und so konnten sich ihre Fähigkeiten still und heimlich entwickeln, ohne dass jemand etwas mitbekommen hat.

„Na ja," warf Bela ein, „so ganz still und heimlich war es nicht." Und so erzählte er von seinen versehentlichen und größtenteils unbewussten Zauberei-Ausrutschern, die er im Laufe der Zeit immer besser unter Kontrolle hatte und am Ende sogar gezielt einsetzen konnte. Jailie hatte ähnliche Geschichten erzählen.

Nach und nach waren einige andere Bewohner des Hauses hinzugekommen. Unter anderem die Weasleyzwillinge, Harry, Ron, Hermine und Ginny. Molly hatte eine Zeit lang zugesehen und gesagt, dass ihr das alles gar nicht gefiel, weil sie sich damit in große Schwierigkeiten bringen konnten. Remus hatte es geschafft sie zu beruhigen, sie war aber trotzdem bald wieder gegangen um das Abendessen zu machen.

„Ist das normal?", fragte Fred, nachdem er ich die Erzählungen angehört hatte.

„Keine Ahnung," antwortete Sirius. „So weit ich weiß, gab es solche Fälle bisher noch nicht. Squibs können zwar auch ein wenig Zaubern lernen, aber wirklich effektiv Magie anzuwenden ist für sie unmöglich. Das Zauberei sich bei einem richtigen Zauberer einfach von selbst entwickelt, obwohl er nie Unterricht genommen hat, ist soweit ich weiß noch nie vorgekommen. Jedenfalls habe ich noch nicht davon gehört."

„Ich auch nicht," stimmte Remus ihm zu. „Ihr zwei seit glaube ich ziemlich einzigartig."

XXX

Das Abendessen verlief mittlerweile um Einiges entspannter. Die Zwillinge kamen hervorragend mit Bela und Jailie zurecht. Fred schien sogar ein wenig enttäuscht gewesen zu sein, als er erfuhr, dass die beiden ein Paar sind. Während dem Essen kam das Thema Animagus wieder an die Tagesordnung und Molly bekam einen mittelschweren Tobsuchtsanfall, weil sie es für unverantwortlich hielt, dass Sirius es überhaupt in Erwägung zog Jailie beizubringen, wie sie sich in ein Tier verwandeln konnte. Es endete dann damit, dass sie ihn zu einem völlig unfähigem Vater erklärte und versuchte ihn mit einer Scherbe des Tellers zu erstechen, den sie kurz vorher zerbrochen hatte. Es gelang ihr jedoch nicht und so verließ sie nur mit hochrotem Kopf und stinksauer die Küche.

Auch Bela liebäugelte inzwischen mit dieser Vorstellung Animagus zu werden. Der wunderbare Gedanke seinem Vater plötzlich in Form eines Raubtiers gegenüber zu stehen ließ ihn einfach nicht mehr los.

Nachdem der Tisch abgeräumt war und sich die Küche weitestgehend geleert hatte, nahm Sirius Bela und Jailie zur Seite.

„Wegen der Sache mit den Animagen," begann er leise, „das lässt sich denke ich machen. Wenn ihr das so schnell lernt, wie ihr die ganzen Zaubersprüche gelernt habt, dann müsste das nach drei, oder vier Wochenenden erledigt sein. Wir können morgen anfangen, allerdings müssen wir aufpassen, dass Molly uns nicht erwischt, sonst muss ich mich von ein paar Körperteilen verabschieden, denke ich." Merkwürdigerweise schien ihm der Gedanke zu gefallen, denn auf seinem Gesicht breitete sich ein verschwörerisches Grinsen aus.

XXX

Die nächsten Tage im Grimmauldplatz waren größtenteils sorglos und unbeschwert. Sirius und Remus brachten Jailie und Bela das Zaubern bei, während Sirius ihnen noch einige Grundlagen des Animagus-werdens erläuterte. Dafür verbarrikadierten sie sich mit ihm auf dem Dachboden bei Seidenschnabel. Das Ganze stellte sich als um einiges Komplizierter heraus, als das gewöhnliche Aufsagen von Zaubersprüchen, aber Sirius hatte das Gefühl, dass seine Schützlinge auch in diesem Bereich der Magie schnelle Fortschritte machten.

Schließlich kam jedoch der Tag der Abreise. Jailie stand vor dem Schrank in ihrem Zimmer und die Tränen traten ihr in die Augen. Sie wusste selbst nicht warum, denn sie konnte Sirius ja öfters sehen, als in den Ferien. Dumbledore hatte zugestimmt, dass sie und Bela ab und zu auch am Wochenende hier sein können.

In den letzten Tagen war der Umgang mit ihm so selbstverständlich gewesen, wie Atmen. All die Komplikationen, die sie befürchtet hatte, waren völlig unbegründet gewesen. Am liebsten würde sie einfach hier bleiben und es genießen, einen Vater zu haben. Aber das ging nicht. Sie musste zurück nach Hogwarts.

Bela ging es ganz ähnlich. Nur das er das Problem hatte, jetzt wieder an Umbridge denken zu müssen, die mittlerweile ganz bestimmt irgendetwas gedreht hat, damit sein Vater ihn ständig sehen konnte, wenn es ihm gerade in den Sinn kam. Und ihm blieb nichts anderes übrig, als abzuwarten, was passiert. Das regte ihn am meisten auf. Sein einziger möglicher Schutz war der Zauberstab, den er und Jailie zwischen Weihnachten und Silvester in der Winkelgasse gekauft hatten.

Als er mit seiner Tasche in den Eingangsbereich herunterkam, umarmte Remus gerade Jailie zum Abschied, danach ging sie zu Sirius weiter, der sie ebenfalls fest an sich drückte. Er selbst sagte den Beiden auch Tschüss, dann machten sie sich zusammen mit den Weasleys, Harry und Hermine auf den Weg zurück zur Schule.

XXX

Alles ging auf seltsame Weise so weiter, wie bisher. Jailie, Bela und Brandon gaben ganz normal ihren Unterricht, im Winter in der großen Halle, weil Schnee lag. Auch wenn Brandon etwas stiller und blasser war, als sonst, da er den Gedanken Vater zu werden immer noch nicht ganz verkraften konnte. Immerhin hatte er es geschafft über Weihnachten zu realisieren, dass es tatsächlich nur seines sein konnte und das er jetzt eben eine Verpflichtung mehr hatte. So schnell konnte es gehen.

An diesem Tag hielten sie gerade eine Stunde. Bela machte ein paar Sachen vor, dann machte die Gruppe es nach. Jailie korrigierte, Brandon bemitleidete sich selbst. Das seine zwei besten Freunde ein Paar waren, hatte er noch gar nicht bemerkt. Dafür hatte er einfach zu viel mit sich selbst zu tun.

Bela hatte sich auf den Boden gesetzt und sah belustigt zu, wie Jailie versuchte einer Blondine aus Hufflepuff zu erklären, dass sie nicht mit hohen Schuhen Skateboard fahren konnte, was diese aber gar nicht einsah, trotzdem fuhr und am Ende musste er sie in den Krankenflügel tragen, weil sie sich das Sprunggelenk angeknackst hatte.

Auf dem Rückweg kam er durch die Eingangshalle und hörte plötzlich, wie jemand sich räusperte. Er drehte sich nach dem Geräusch um. An der gegenüberliegenden Wand stand Lucius Malfoy und blickte ihn aus kalten, grauen Augen heraus an.

Bela drehte sich wieder um und ging weiter, aber er kam nur ein paar Schritte, dann fühlte er eine Hand auf seiner Schulter, die ihn zwang stehenzubleiben.

„Was willst du?", fragte er gereizt.

„Wir müssen reden," erwiderte Lucius.

„Nein, müssen wir nicht." Der Griff um seine Schulter verstärkte sich, bis es weh tat. Ohne ein weiteres Wort zog der Vater seinen Sohn zum Schlossportal hinaus auf die Ländereien. Bela überlegte, ob er ihn mit einem Zauber belegen sollte. Lucius würde auf jeden Fall nicht schlecht gucken. Allerdings war er auch ein wesentlich besserer Zauberer, als Bela und in einem Kampf wäre der Jüngere definitiv unterlegen. Außerdem fiel ihm gerade beim besten Willen kein Zauberspruch ein, mit dem er ihn hätte verjagen können. Somit fiel verzaubern schon mal flach, dafür war es einfach noch zu früh.

„Lass uns spazieren gehen," sagte Lucius mit ausdrucksloser Stimme und schob Bela nach links an der Außenmauer von Hogwarts entlang.

„Spazieren?"

„Du hast mich richtig verstanden."

„Ich würde lieber irgendwo spazieren gehen, wo mehr Leute sind. Von mir aus können wir in der großen Halle im Kreis spazieren." Bela machte Anstalten stehenzubleiben, aber Lucius schubste ihn grob weiter.

„Fein," sagte der Sohn, „du hast also das dringende Bedürfnis, mit mir zu reden. Darf ich erfahren über was?"

Jetzt blieb Lucius stehen und sah ihm drohend in die Augen. „Ich dachte ich hätte klar gestellt, wie du mit mir zu reden hast."

„Hast du auch, aber ich hab es eben nicht so mit Regeln. Schon gar nicht mit deinen."

„Das ist eine sehr schlechte Eigenschaft."

„Finde ich eigentlich nicht." Bela konnte gar nicht so schnell gucken, da hatte er schon eine brennende Ohrfeige kassiert. Würde Lucius ihn nicht immer noch am Arm festhalten, dann wäre er wahrscheinlich zu Boden geworfen worden.

„Du bewegst dich auf sehr dünnem Eis," bemerkte Lucius emotionslos.

„Du wolltest mit mir reden, also sag einfach, was du zu sagen hast." Bela wollte das nur noch so schnell wie möglich hinter sich bringen. Mehr oder weniger nebenbei fiel ihm auf, dass sie an einer Ecke befanden, an der sie vor allen Blicken geschützt waren. An der Wand neben ihnen befanden sich keine Fenster und so weit oben, wie die nächsten waren, würde man sie von dort aus auch nicht sehen können.

„Ich habe gehört, du verstehst dich in letzter Zeit sehr gut mit dieser Schwarzhaarigen."

„Definiere Schwarzhaarige."

„Die Frau, mit der du hier bist. Du weißt, wen ich meine, stell dich nicht dümmer als du bist!"

„Natürlich verstehe ich mich gut mit ihr, sie ist meine beste Freundin."

„So." Bela zuckte als Antwort nur mit den Schultern.

„Mir wurde gesagt, dass ihr euch besser versteht, als wie es ganz normale Freunde tun."

„Vielleicht solltest du die Zuverlässigkeit deiner Quelle überprüfen."

„Meine Quelle ist zuverlässig."

„Hat sie zufällig ein Froschgesicht, Wurstfinger und einen krankhaften Wahn nach Katzen und der Farbe rosa?"

„Ich sagte dich, sie ist zuverlässig."

„Wohl eher nicht."

Lucius hob die Hand und legte sie seinem Sohn an den Hals. Die Wut blitzte in seinen Augen auf. „Du solltest nicht in Frage stellen, was ich sage."

„Ich habe schon mit fünf in Frage gestellt, was du sagst. Für dieses Verbost ist es wohl jetzt ein wenig zu spät."

Der Vater stieß sein Kind mit dem Rücken gegen die Mauer und drückte ihn an den Schultern dagegen. „Du erinnerst dich daran, was ich dir über Beziehungen mit Muggeln gesagt habe?"

„Du hast mir etwas über Ehe und Kindern mit Muggeln gesagt."

„Das selbe gilt auch für Beziehungen."

„Nur gut, dass ich keine Beziehung mit einem Muggel habe."

„Ach nein?"

„Nein. Also kannst du ja jetzt einfach nach Hause gehen und wir sagen uns lebe wohl."

„Du bist mit dieser Frau zusammen, oder etwa nicht?"

„Ihr Name ist Jailie und alles andere hat nichts mit dir zu tun." Der Zorn breitete sich in Belas Magengegend aus und vergrößerte sich unaufhaltsam. Sein Vater dachte doch nicht etwa ernsthaft, dass er sich an seine gestörten Verbote hielt.

„Und ob es etwas mit mir zu tun hat!" Lucius war mindestens genauso zornig. „Ich werde nicht zulassen, dass du aus purer Dummheit heraus die Ehre unserer Familie zerstörst!"

„Welche Ehre denn bitte?"

Das war ein Fehler. Lucius hatte Bela eine Faust in den Magen gerammt und ihm danach ins Gesicht geschlagen. Der junge Mann krümmte sich vor Schmerz, wurde aber immer noch an einer Schulter gegen die Mauer gedrückt. Die Wut wurde großer und er fühlte Hitze in sich hoch kriechen, fühlte, wie sein Vater ihm wieder eine Hand an den Hals legte und lenkte die Hitze in diese Richtung, den irgendwo musste sie hin. Er hatte das Gefühl, ein Stück glühende Kohle in sich zu haben und er konnte es bloß los werden, wenn er es gegen irgendetwas anderes lenkte. Die Hand seines Vater war das sinnvollste Ziel.

Lucius schrie plötzlich auf und sprang von seinem Sohn weg. Mit der einen Hand hielt er die andere und Bela konnte eine blutende Wunde an der Innenfläche erkennen. Die Hitze war aus seinem Körper verschwunden. Der Schmerz auf seinem Gesicht und in seinem Magen war weg. Er fühlte sich einfach gut.

„Was hast du . . .?" Der Zauberer starrte den jungen Mann vor sich entgeistert an, dann legte sich ein verstehender Ausdruck auf sein Gesicht. „Du hast mich angelogen." Seine Stimme klang nicht wütend. „Du könntest eigentlich zaubern, und du hast auch schon versehentlich Unfälle mit deiner willkürlichen Magie gemacht, habe ich Recht?" Lucius schien einfach nur froh zu sein, dass sein Sohn kein Squib war.

„Wer sagt denn, dass das gerade ein Versehen war? Vielleicht wollte ich dich ja verletzen," erwiderte Bela provozierend.

„Du kannst zaubern. Wer hat es dir beigebracht, dich so zu kontrollieren?"

„Das hat mir gar niemand beigebracht, das kann ich schon seit Jahren."

„Dann bist du entgegen aller meiner Erwartungen begabt."

„Hast du etwa ernsthaft damit gerechnet, dass irgendwelche Erwartungen von dir zutreffen könnten?"

Jetzt wurde Lucius' wieder wütend. „So muss ich nicht mit mir reden lassen!"

„Am besten ist es, denke ich, wenn du gar nicht mit mir redest! Wir drehen uns doch sowieso nur im Kreis!"

„Du kannst dir gewiss sein, dass ich immer bekomme, was ich will!"

„Und was zur Hölle willst du!"

„Ich will, dass du endlich begreifst, dass dein Name dir Vorteile verschaffen kann, aber dafür musst du ihn auch achten und dir bewusst sein, was er in unserer Welt bedeutet!"

„Darauf läuft es also hinaus? Das ich in deine Fußstapfen treten soll? Als arroganter, reicher Betrüger und Lügner? Das kannst du vergessen! Dazu habe ich dann doch zu viel Stolz!"

„Worauf kannst du denn stolz sein?!"

„Ich habe doch gesagt, wir drehen uns nur im Kreis! Genauso verlief auch unser letztes Gespräch!"

„Bela, du bist ein Malfoy. Begreife endlich, dass du einige Verpflichtungen hast, wenn du diesen Namen trägst!"

„Genau genommen trage ich diesen Namen nicht mehr, als muss ich mich auch nicht an deine imaginären Verpflichtungen halten! Es ist mir völlig egal, was für Blut in meinen Adern fließt. Für dich werde ich nicht das Leben wegwerfen, das ich mir aufgebaut habe! Du hast mir nicht das geringste zu sagen und von mir aus kannst du dir dein reines Blut, deine schwarze Magie und deinen Voldemort zusammen quer in den Arsch schieben!"

Lucius Malfoys Gesicht verzog sich zu einer wütenden Grimasse. Er holte mit der Faust aus und schlug Bela damit ins Gesicht. Mehrmals hintereinander, der junge Mann hatte keine Chance gegen ihn.

Bela spürte wieder die Hitze in sich aufsteigen. Diesmal noch brennender als vorher. Er spürte den Zauberstab, den er in seiner hinteren Hosentasche stecken hatte. Irgendwie gelang es ihm, ihn herauszuziehen und ihn auf seinen Vater zu richten. Dieser war für einen Moment so überrascht, dass er einfach mitten in der Bewegung inne hielt. Diese drei Sekunden waren genug. Bela sprach keinen Zauber, er dachte auch keinen. In diesem Augenblick war er sowieso nicht in der Lage zu denken. Der junge Mann konzentrierte sich einfach auf die Hitze in seiner Brust und diesmal war der Zauberstab das Mittel um sich von ihr zu befreien.

Ein feuerroter Blitz beleuchtete kurz die Mauern des Schlosses und das weiß der umgebenden Landschaft, dann traf er Lucius an der Brust. Der Mann wurde von der Wucht des Zaubers nach hinten geworfen, drehte sich in der Luft einmal um die eigene Achse und landete dann mit dem Gesicht nach unten im Schnee, wo er regungslos liegen blieb.

Die Hitze war wieder weg. Bela wusste nicht, was er getan hatte. Er wusste nicht mal, ob das überhaupt ein richtiger Zauber war, der da aus dem Zauberstab kam. Es ist eher so gewesen, als würde er ein Gefühl nach Draußen jagen. In diesem Fall war es Wut gewesen. Nachdem er zwei Minuten fassungslos da gestanden hatte, machte er ein paar zaghafte Schritte vorwärts. Er musste ins Schloss. Er musste irgendjemandem sagen, dass Lucius Malfoy hier im Gras lag. Hoffentlich war er nicht tot... Sicher wollte Bela seinem Vater wehtun, aber töten wollte er ihn nicht.

Automatisch lief er den Weg zurück den sie gerade erst hergekommen waren. Als er vor dem Schlossportal stand, öffnete es sich und Dolores Umbridge trat heraus. 'Ausgerechnet die,' dachte Bela, aber er ging trotzdem auf sie zu, um sie anzusprechen. Das ihm das Blut übers ganze Gesicht und auf seine Jacke tropfte, ignorierte er.

„Hey!", sagte er einfach nur und die dicke rosarote Frau drehte sich zu ihm um. Um ihre Lippen spielte für den Bruchteil einer Sekunde ein Lächeln, als sie seinen Zustand sah, dann setzte sie wieder ihre Maske aus Freundlichkeit und gespielter Sorge auf.

„Was ist denn Ihnen zugestoßen, mein Junge?"

„Da drüben liegt jemand, um den Sie sich kümmern sollten," antwortete er ohne auf die Frage einzugehen und deutete in die Richtung in der sein Vater lag.

„Was . . .?"

„Gehen Sie einfach da hin und stellen Sie keine dummen Fragen, dafür ist jetzt keine Zeit!" Mit diesen Worten ließ er sie stehen und ging über die Ländereien zum Haus Nummer sieben. Hinter sich her zog er eine Spur aus roten Bluttropfen, die im weißen Schnee gut sichtbar waren.


Ich liebe es übrigens Reviews zu bekommen;D