Ähm, tja, ich weiß es hat etwas gedauert, aber ich war zwei Wochen lang ziemlich krank und hatte dann kaum Zeit weiterzuschreiben. Das Kapitel ist leider auch nicht so lang wie die letzten, aber ich dachte ihr freut euch, wenn ich euch endlich mal wieder etwas zum Lesen gebe. Also hier ist:
Kapitel 14: Rita Kimmkorns Artikel
Er rannte so schnell er konnte, doch er wusste er konnte nicht entkommen. Seine kurzen Beine trugen ihn beinahe nicht mehr, da er schon so lange weglief. Seine Lugen protestierten bei jedem Atemzug, doch er konnte nicht stehen bleiben. Er hatte zu große Angst. Plötzlich stolperte er und fiel zu Boden, aber er rappelte sich sofort wieder hoch. Wenn er nicht schnell weiterlief, dann würde er bald gefunden werden…
„Draco! Bleib sofort stehen!"
Der Befehl dieser kalten Stimme ließ keine Widerrede zu. Abrupt blieb er stehen, obwohl er am liebsten weitergerannt wäre. Weit weg von dieser Stimme, die in Dinge tun ließ, die er gar nicht wollte. Die ihn dazu bringen wollte Menschen wehzutun, die er mochte und kleine Tiere zu quälen. Er hasste diesen neuen Zauberspruch, den er gelernt hatte…
„Wie kannst du es wagen einfach wegzulaufen, wenn ich dir beibringen will, wie sich ein Malfoy zu verhalten hat!"
Er zuckte zusammen, als er den wütenden Ton in der kalten Stimme erkannte und einen Moment später stand der Besitzer dieser Stimme genau vor ihm. Er begann vor Angst ein wenig zu zittern, doch sein Vater sah ihn weiterhin nur zornfunkelnd an. Er wirkte wie ein Riese, groß und furchteinflössend.
„Bitte, ich will das nicht tun! Es ist so grausam!", flehte er seinen Vater an, bat um das Verständnis, welches er allerdings nie erhalten sollte.
„Du bist eine Schande für unsere Familie! Wärst du nicht mein einziger Erbe hätte ich dich schon längst ertränkt! Du wirst lernen, wie du dich zu benehmen hast, verstanden?"
Es war keine Frage, es war ein Befehl. Er wusste das, doch er wollte nicht so werden wie sein Vater. Und er wollte bestimmt nicht seiner geliebten Eule denselben Fluch aufhalsen, wie den Spinnen zuvor. „Bitte, ich will Hades nicht verfluchen! Er ist mein einziger Freund!"
Er konnte gar nichts dagegen tun, als sein Vater seine rechte Hand hob und ihn mit dem Handrücken zu Boden schlug. Er schluchzte auf und griff sich auf seine schmerzende Wange, während er versuchte wieder aufzublicken. „E-Es tut mir Leid, Daddy", stotterte er und hoffte nicht noch mehr bestraft zu werden.
„Nenn mich nicht Daddy und hör auf zu weinen! Das ist ja erbärmlich! Ein Malfoy weint niemals!"
„Ja, Vater", erwiderte er monoton und auf einmal klang seine Stimme viel tiefer und reifer. Mit noch immer zitternden Beinen stand er auf und sah sich um. Sein Vater war verschwunden. Stattdessen stand da ein kleiner Junge mit blondem Haar und smaragdgrünen Augen vor ihm. Der Junge weinte.
Instinktiv wollte er den Kleinen trösten, doch noch im selben Moment wurde ihm klar, dass er solche Schwächen nicht zeigen durfte. Seine Züge verhärteten sich und er setzte eine kalte Maske auf. „Wieso weinst du? Hör sofort auf damit!", blaffte er den Jungen an, der ihn jetzt verängstigt ansah.
„E-Es tut mir Leid, Daddy", schluchzte der Kleine und noch mehr Tränen entflohen seinen wunderschönen Augen.
„Nenn mich nicht Daddy und hör auf zu weinen! Das ist ja erbärmlich! Ein Malfoy weint niemals!", schrie er außer sich, wiederholte die Worte seines Vaters, obwohl er nicht einmal wusste wieso er so wütend war. Doch er musste tun was sein Vater ihm gelehrt hatte, sich so verhalten und genauso handeln. Als der kleine Junge daraufhin nur noch lauter weinte schlug er ihn kräftig zu Boden.
„Aufhören! Hör sofort auf damit!"
Er wirbelte zu der Quelle dieser neuen Stimme herum und sah wie sein geliebter Harry mit einem Ausdruck purer Verachtung auf ihn zuging. Er verstand nicht, was er falsch gemacht hatte. „Harry, was ist denn los?", fragte er unsicher.
„Was los ist! Du hast unseren Sohn geschlagen! Du bist genauso ein Monster wie dein Vater!"
„Nein, nein… das wollte ich nicht… ich bin nicht so wie er…", stammelte er und sah zu wie Harry ihren schluchzenden Sohn hochhob und in die Arme schloss.
„Doch, Draco. Du kannst es leugnen so viel du willst, aber wir wissen beide, dass du genauso bist wie er. Du wirst unserem Sohn nur wehtun und das werde ich nicht zulassen."
Verzweiflung stieg in ihm hoch, als Harry sich mit ihrem Sohn immer mehr von ihm entfernte. Er rannte ihnen nach, doch er konnte sie nicht erreichen. „Nein! Harry, ich bin nicht so wie er! Ich hab mich geändert! Du hast es gesehen! Du kannst nicht einfach weggehen! Du kannst mir meinen Sohn nicht wegnehmen!"
„Ich werde ihn vor dir beschützen, Draco. Du wirst ihm nie wieder wehtun."
„Nein! Ich wollte ihm nicht wehtun! Bitte! Geh nicht weg! Geh nicht weg…"
„Leb wohl, Draco…"
„Nein!"
Mit rasendem Herz und schweißüberströmt wachte Draco auf und saß kerzengerade im Bett. Sein Atem kam in kurzen Stößen und er zitterte am ganzen Körper. Sein Alptraum wiederholte sich immer und immer wieder in seinem Kopf und ihm wurde schlecht, als er sich in Erinnerung rief, wie er seinen Sohn geschlagen hatte. Und wie Harry ihn – zu Recht – verlassen hatte.
Er stöhnte gequält auf. Er war nicht so wie sein Vater… oder doch? Würde er, wenn er die Chance dazu bekam Damian großzuziehen, genauso handeln wie Lucius es getan hatte? Würde er seinen Sohn niemals richtig lieben können und ihm stattdessen immer wieder einprägen wie wichtig es ist keine Gefühle zu zeigen? Würde er als Vater total versagen, so dass Harry ihm ihren Sohn zu dessen eigenen Sicherheit wegnehmen musste?
Ein Schauder lief ihm über den Rücken bei diesen Gedanken. So sehr er sich versuchte davon zu überzeugen, dass es niemals so sein würde, hatte er doch Angst davor so zu werden wie sein eigener Vater. Es war diese Furcht, die ihn bisher dazu gebracht nicht einmal in Erwägung zu ziehen ein Kind zu bekommen und sie war auch der Grund weshalb er am Tag zuvor so ausgerastet war, als er erfuhr, dass er einen Sohn hatte. Es schien ihm, als wäre die Aufgabe ein Kind großzuziehen die letzte Prüfung, die er zu bewältigen hatte, um zu beweisen, dass er nicht so war wie Lucius. Und er hatte eine Riesenangst davor zu versagen.
Erschöpft strich er sich ein paar Haare aus dem Gesicht und nachdem er seinen Vater noch ein letztes Mal innerlich verflucht hatte, stand er auf, um duschen zu gehen. Er hatte sich gestern davor drücken können mit den anderen zu reden, doch heute musste er sich der Situation stellen. Harry und ihr Sohn brauchten ihn und er war fest entschlossen sie nicht zu enttäuschen.
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Hermine war gerade in der Küche, als sie Schritte auf der Treppe hörte. Sie warf einen kurzen Blick auf ihre Armbanduhr. Halb zwölf. Nun ja, sie konnte es durchaus verstehen, dass Draco etwas Zeit zum ausruhen gebraucht hatte, nach allem was er erfahren hatte. Sie selbst war nicht ganz so geschockt, da sie schon vermutet hatte, dass der Junge auf dem Foto ein Malfoy war und da Draco gesagt hatte, dass ihre Theorie mit Lucius nicht stimmte, war die Wahrheit nicht so unerwartet für sie gewesen wie für die anderen.
Sie fragte sich jedoch wie der Ex-Slytherin damit umging. Als er gestern nach seinem Besuch bei Harry zurückgekommen war, hatte er ziemlich durcheinander gewirkt und sie machte sich große Sorgen, wie er mit diesen Neuigkeiten zurechtkam. Ihr war klar, wieso Draco Panik davor haben könnte ein Kind zu haben, schließlich hatte sie in ihrem letzten Schuljahr gesehen wie sehr er versucht hatte jedem zu beweisen, dass er nicht so war wie Lucius Malfoy. Doch obwohl er sich immer sehr bemüht hatte das den anderen zu zeigen, wusste sie, dass Draco selbst immer noch Zweifel hatte, ob er nicht einmal wie sein Vater enden würde.
In Hermines Augen war das allerdings absoluter Schwachsinn. Draco hatte schon mehrere Male in Beweis gestellt, dass er nicht so war wie Lucius und sie konnte sich auch nicht vorstellen, dass er sich jemals so drastisch ändern würde. In den ersten sechs Jahren in Hogwarts hatte sie, und vor allem Ron, natürlich gedacht, dass der Blonde einmal in die Fußstapfen seines Vaters treten würde, doch sie gab gerne zu, dass sie sich da geirrt hatte. Sie hatte es nie bereut Draco eine zweite Chance gegeben zu haben und ehrlich gesagt, glaubte sie nicht, dass sie das irgendwann tun würde.
Als Draco in die Küche trat, schenkte sie ihm sogleich ein aufmunterndes Lächeln, welches er etwas zaghaft erwiderte. „Guten Morgen – oder sollte ich sagen Mittag?", zog sie ihn spielerisch auf.
„Ich wollte nicht so lange schlafen, aber ich war gestern noch ziemlich lang wach", murmelte Draco und schenkte sich sogleich etwas Kaffee von einer Kanne ein, die am Tresen stand.
„Ist schon okay", erwiderte Hermine verständnisvoll. „Der Kaffee ist allerdings schon kalt."
„Macht nichts, ich brauch jetzt Koffein", nuschelte Draco und nahm einen großen Schluck aus seinem Becher. Sogleich verzog er das Gesicht und stellte den Kaffee gleich wieder weg. „Der ist scheußlich."
Hermine grinste ihn an. „Ich hab's dir doch gesagt, aber du wolltest ja nicht hören."
„Ja, Mami, ich weiß", neckte Draco und versuchte das Gespräch auf Smalltalk zu belassen. Doch damit hatte er kein Glück.
„Also…", begann Hermine zögerlich und fasste dann ihren Mut zusammen. „Wie lief es gestern mit Harry?"
Der Ex-Slytherin seufzte einmal tief und sah sie unsicher an. „Na ja, am Anfang hatten wir ein paar Missverständnisse, aber dann lief es ganz gut."
„Und weiter?", bohrte Hermine auf der Stelle nach.
„Was meinst du?", fragte Draco irritiert.
„Habt ihr darüber geredet wie es mit euch weitergeht? Ob ihr wieder zusammen sein wollt? Was ihr macht, wenn wir ihn und Damian erst mal befreit haben?"
Glücklicherweise wurde Draco die Antwort erspart (er hätte ohnehin nicht gewusst was er darauf sagen sollte), denn Rons Stimme drang plötzlich vom Vorzimmer zu ihnen. „Hermine?"
„In der Küche!", rief die Schwangere zurück und warf Draco einen Blick zu, der eindeutig sagte ‚wir-sind-noch-nicht-fertig'. Im nächsten Moment traten Ron, Sirius und Remus jedoch durch die Tür und Dracos leichte Genervtheit verwandelte sich rasch in Sorge, als er dessen Gesichter sah.
„Was ist passiert?", fragte er geradeheraus, während sein Herzschlag sich zum zweiten Mal an diesem Tag beschleunigte.
Die drei Neuankömmlinge sahen sich kurz in die Augen, anscheinend auf der Suche nach einer Möglichkeit ihnen ihre Nachrichten schonend beizubringen, doch schließlich zog Sirius einen Tagespropheten hinter dem Rücken hervor und hielt ihnen die Titelseite vors Gesicht. „Das ist passiert", meinte er dabei mit angespannter Stimme.
Draco gefror das Blut in den Adern und der Schock rannte stattdessen wie verrückt durch seinen Körper. Auf der Titelseite prangten ein großes Bild von Harry und ein kleineres von dem Wohngebäude in dem dieser gerade lebte. Die Überschrift lautete: Harry Potter ist Der-Junge-der-lebt! Darunter stand etwas kleiner geschrieben: Was ist wirklich mit unserem Helden geschehen?
„W-Wie haben sie…?", stammelte Hermine, nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen.
„Lest es einfach", erwiderte Sirius knapp und reichte ihr die Zeitung.
Hermine nahm sie mit zitternder Hand entgegen und öffnete sie sofort. Sie nahm nur am Rande mit wie Draco sich hinter sie stellte, um über ihre Schulter hinweg mitzulesen.
HARRY POTTER LEBT! – ein Bericht von Rita Kimmkorn
Vor fünf Jahren konnte die Welt endlich aufatmen: Der dunkle Lord war vernichtet worden, von niemand anderen, als dem Jungen-der-lebt. Zu der großen Trauer unserer Gemeinschaft musste Harry Potter jedoch mit seinem Leben bezahlen. Oder etwa nicht? Was geschah wirklich in jener legendären Nacht, als der Unnennbare endlich gestürzt wurde? Albus Dumbledore, gegenwärtiger Schulleiter der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei, kam in den frühen Morgenstunden nach der Schlacht mit dem toten Körper unseres Helden zurück. Doch war dieser Körper wirklich der Harry Potters?
Es scheint beinahe, als wären wir wie so oft in der Vergangenheit von Albus Dumbledore in die Irre geführt worden, denn Harry Potter ist noch am Leben und steht außerdem in Kontakt mit Zauberern. Ronald Weasley und Hermine Granger, einst die besten Freunde unseres Helden, besuchten ihn vor wenigen Wochen und Sirius Black, freigesprochener Häftling Askabans und zugleich Harry Potters Pate, ist ebenfalls ein ständiger Besucher in dem heruntergekommenen Wohnhaus, welches der Bezwinger des Unnennbaren zur Zeit bewohnt. Ein weiterer Gast, der sehr häufig in dem Haus gesichtet wurde ist Draco Malfoy, ehemaliger Liebhaber Harry Potters und Sohn des verurteilten Todessers Lucius Malfoy, der noch immer auf der Flucht ist. Draco Malfoy war ein paar Monate nach dem vermeintlichen Tod Harry Potters spurlos aus unserer Welt verschwunden; eine Tatsache, die die meisten von uns damit erklärten, dass er dessen Tod nicht verkraftete. Doch war dies wirklich der Grund, weshalb Draco Malfoy aus der Zaubererwelt verschwand? Dachte er wirklich, dass sein Geliebter tot war, oder war das alles nur eine Show, damit niemand erfuhr was wirklich geschehen war?
Lange Zeit sahen wir zu, wie Harry Potter in unserer Welt mit einem Problem nach dem anderen zu kämpfen hatte und anscheinend immer mehr den Kopf verlor. Hatte er vielleicht einfach genug und täuschte deshalb seinen Tod vor? Nach allem was wir in den letzten Wochen in Erfahrung gebracht haben, ist diese Theorie die naheliegenste. Seine Freunde täuschten Trauer vor und Draco Malfoy blieb lange genug, um uns in dem Glauben zu lassen, dass er an dem Tod seines Liebhabers verzweifelte, obwohl er in Wahrheit wahrscheinlich nur darauf wartete Harry Potter zu folgen und sich mit ihm ein neues Leben aufzubauen. Es ist allerdings zu zweifelhaft, ob dem ungleichen Paar dies gelungen ist, denn weder wohnen sie zusammen, noch scheint es gut in ihrer Beziehung zu laufen. Die beiden Zauberer wurden öfters dabei gesehen, wie sie sich anschrieen und sogar prügelten. Für die meisten von uns wird dies sicherlich keine Überraschung sein, denn nur wenige hatten geglaubt, dass der Auserwählte und der Sohn eines Todessers eine Chance hatten.
Noch viele Fragen stehen offen und wir werden sie selbstverständlich auf dem Laufenden darüber halten, was genau bei der letzten Schlacht gegen den Unnennbaren geschehen war und wie Harry Potter nun sein neues Leben führt.
Als Draco den Artikel fertig gelesen hatte, hatte er nur noch einen Gedanken im Kopf und zwar so schnell wie möglich zu Harry zu gehen, um nachzusehen, ob dieser wusste was vor sich ging. Er hoffte, dass sein Geliebter nicht wieder in Panik ausbrechen und ihnen allen sagen würde, dass sie aufhören sollten sich einzumischen, denn nach dem gestrigen Tag konnte Draco das einfach nicht mehr tun.
„Glaubt ihr, dass Lucius den Tagespropheten bekommt?", fragte Hermine, die offenbar auch fertig gelesen hatte.
„Lasst uns hoffen, dass er ihn nicht bekommt", erwiderte Sirius mit ein wenig Angst in der Stimme, die er nicht verhindern konnte. „Er hat Harry schon schrecklich bestraft, weil wir es wissen. Ich möchte mir nicht ausmalen, was dieser elende Dreckskerl tut, wenn er erfährt, dass die ganze Zaubererwelt weiß, dass Harry noch lebt."
„Ich muss zu ihm", sagte Draco unvermittelt und als er die verständnisvollen Blicke seiner Freunde sah, zögerte er nicht länger und apparierte aus dem Haus.
Remus seufzte laut auf. „Wir sollten uns schnell etwas überlegen, wie wir Harry helfen können. Ich denke nicht, dass wir es riskieren können ihn noch einmal zu Lucius zurückzuschicken."
„Aber was wird dann aus Damian, wenn Harry beim nächsten Vollmond nicht zurückkehrt?", fragte Hermine ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. „Harry wird seinen Sohn nicht im Stich lassen. Er wird zurückgehen, egal was ihn erwartet."
Die anderen schwiegen. Sie wussten, dass die Schwangere Recht hatte, doch das brachte sie der Lösung des Problems nicht näher – im Gegenteil. Wenn sie nicht schnell herausfanden wie sie Damian von Lucius wegholen konnten, dann bestand die Möglichkeit, dass sie Harry vielleicht nach dem nächsten Vollmond nie wieder sehen würden.
Ein Klopfen an der Eingangstür riss sie alle aus ihren düsteren Gedanken. „Ich mach auf", murmelte Ron und verließ die Küche. Der Rothaarige fühlte sich so schlecht wie schon lange nicht mehr. Genauer gesagt, wie vor fünf Jahren, als er erfahren hatte, dass sein bester Freund gestorben war. Jetzt wo er Harry lebendig gesehen hatte, wusste er nicht, ob er es ertragen könnte ihn noch einmal zu verlieren.
Niedergeschlagen öffnete er nun die Haustür und riss sogleich vollkommen überrascht die Augen auf. „P-Professor Dumbledore!"
„Oh, lass doch den Professor weg, schließlich bin schon längst nicht mehr deiner", kam die vergnügte Antwort und zum ersten Mal seit Tagen spürte Ron etwas Hoffnung in sich aufkeimen.
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„Harry!"
Die beinah panisch klingende Stimme seines Geliebten riss Harry aus seinen Gedanken. Er hatte gerade in seinem Schlafzimmer ein Buch über verschiedene schwarzmagische Rituale gelesen, doch er hatte nichts gefunden. Er hatte einfach zu wenige Informationen über das Ritual, das Lucius durchgeführt hatte, um feststellen zu können, welches es war. Mit einem Seufzen warf er das Buch achtlos auf sein Bett und ging ins Wohnzimmer, wo Draco sich gerade nervös wirkend nach ihm umsah.
„Hey, was machst du hier?", fragte er und versuchte einen gewissen Abstand zwischen ihnen zu lassen. Eigentlich hatten sie gestern ausgemacht sich erst wieder zu treffen, wenn jemand von ihnen eine Lösung gefunden hatte, wie sie Damian befreien konnten. Doch als Harry den besorgten Ausdruck auf dem Gesicht des Blonden sah, bezweifelte er, dass dieser mit guten Neuigkeiten kam.
„Bekommt Lucius den Tagespropheten?", fragte Draco ohne den Grund seines plötzlichen Auftauens zu erklären.
Die Frage löste in Harry ein unruhiges Gefühl aus und jetzt bemerkte er auch die Zeitung, die der Ex-Slytherin in der Hand hielt. „Nein, ich glaub nicht", antwortete er angespannt. „Aber er weiß trotzdem über einiges Bescheid was in der Zaubererwelt vor sich geht. Ich denke er schickt die Hauselfe, die er hat, um zu wissen was alles passiert. Ich hab sie nur ein paar Mal gesehen, aber ich glaube sie ist noch immer da. Wieso fragst du?"
Draco strich sich unwohl durchs Haar und kam dann zu ihm, um ihm die Zeitung zu reichen. Als Harry die Titelseite sah entfloh ihm ein entsetztes Keuchen und mit zitternden Beinen schaffte er es gerade noch sich auf das Sofa zu setzen, bevor er umkippen konnte. Das durfte doch nicht wahr sein! Was zum Teufel sollte er jetzt tun? Lucius würde bestimmt verhindern, dass er am nächsten Vollmond dessen Haus je wieder verließ, wenn er erfuhr, dass jetzt die ganze Zaubererwelt wusste, dass er noch am Leben war.
„Harry, hör mir zu. Wir kriegen das schon irgendwie hin. Ich lass nicht zu, dass er dir oder Damian was antut", schwor Draco und setzte sich neben seinen Freund.
„Du kannst nichts tun, das weißt du", murmelte Harry, während all seine neugefundenen Hoffnungen innerhalb weniger Sekunden ins Nichts verschwanden. Es war aus. Lucius würde ihn höchstwahrscheinlich in vier Wochen umbringen und dann mit Damian aus dem Land fliehen. Sein Sohn würde von diesem Monster großgezogen werden und niemand konnte ihn mehr retten. „Ich hab alles falsch gemacht…"
„Nein, es ist nicht deine Schuld!", rief Draco energisch. „Wenn hier jemand Schuld ist, dann bin ich es! Ich hätte damals mit dir in den Kampf gegen Voldemort ziehen müssen! Ich hätte dir helfen müssen, dann wäre das alles gar nicht erst passiert!"
Der Schwarzhaarige lies abrupt den Tagespropheten fallen und lehnte sich in Dracos Arme. Wie vor zirka zwei Wochen, als sie die Nacht zusammen verbracht hatten suchte er nach etwas Trost und Geborgenheit, doch heute konnte er nichts dergleichen finden. Er hatte absolut keine Ahnung was geschehen würde und das machte ihm eine größere Angst, als er sie je verspürt hatte. „Wir können die Vergangenheit nicht mehr ändern, Dray. Aber ich… was ist, wenn er Damian was antut? Wenn er ihn benutzt, um sich an mir zu rächen?" Er konnte es nicht verhindern, dass ihm bei diesem Satz Tränen in die Augen traten.
„Harry, sieh mich an", befahl Draco plötzlich und drückte seinen Geliebten von sich. Widerwillig löste sich Harry von ihm und sah zu ihm auf. Ein winziges Gefühl der Hoffnung kam augenblicklich zu ihm zurück, als er den entschlossenen Ausdruck auf dem Gesicht des Blonden sah, als dieser mit fester Stimme sagte: „Ich werde nicht zulassen, dass Lucius unserem Sohn wehtut. Ich schwöre dir, ich werde einen Weg finden euch beide da rauszuholen und zwar noch vor dem nächsten Vollmond, damit du dann schnellsten mit Damian zu mir zurückkehren kannst. Ich war unglaublich geschockt, als du mir gesagt hast, dass wir einen Sohn haben, aber jetzt kann ich es kaum erwarten ihn mit dir großzuziehen. Ich hab nie eine richtige Familie gehabt und ich habe wahnsinnige Angst davor als Vater total zu versagen, doch ich werde trotzdem nicht aufgeben. Ich werde für unsere Familie kämpfen, Harry. Ich verspreche dir, ich werde nicht Ruhe geben, bis ich dich und Damian bei mir habe."
Kaum hatte Draco aufgehört zu sprechen hatte er schon wieder Harrys zitternden Körper in den Armen. „Ich möchte es so gern glauben…", wisperte der Ex-Gryffindor verzweifelt.
„Dann glaube es, Harry. Vertrau mir", murmelte Draco und drückte ihm einen Kuss auf die rechte Schläfe.
„Ich vertraue dir, aber…"
„Kein aber. Ich werde einen Weg finden", unterbrach ihn Draco bestimmt.
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Das war's auch schon wieder. Ich hoffe es hat euch trotz der langen Wartezeit gefallen! Bis zum nächsten Mal und vielen lieben Dank an alle, die mir Reviews geschrieben haben!
