The fallen saints
Kapitel 14
Ausgeplaudert
Es war nicht leicht für Hermine, mit der neuen Situation umzugehen, in die sie da hineingeraten war. Wie sie es erwartet hatte, quälte sie einerseits das Gewissen, ihren beiden Freunden etwas vorspielen zu müssen, während sie andererseits die Sehnsucht verspürte, bei Snape sein zu wollen. Erschwerend hinzu kam Harrys übliche Skepsis dem Professor gegenüber, wann immer er ihm über den Weg lief. Hermine begnügte sich zumeist damit, mit den Augen zu rollen. Ansonsten hielt sie sich so gut es ging zurück, um das leidige Thema nicht weiter zu vertiefen.
Einige Tage später, das Ende der Ferien stand bevor und damit auch die Befürchtung, Snape bald weniger zu Gesicht zu bekommen, kam plötzlich Harry zu ihr in die Küche geplatzt und schnaubte sie an.
"Ich hab's gewusst, Hermine! Ich hab's die ganze Zeit über gewusst!"
Verstört stellte Hermine ihre Teetasse auf dem Tisch ab. Die Unterbrechung kam ihr keineswegs gelegen, wo sie doch soeben mit ihren Gedanken inniglich bei Severus gewesen war.
"Was hast du gewusst?", fragte sie vorsichtig, obwohl längst klar war, dass ihr die Antwort keinesfalls gefallen würde.
Harry raufte sich die Haare. Er zitterte am ganzen Leib.
"Dass wir ihm nicht trauen können! Ich habe Du-weißt-schon-wen gesehen. Mit Snape. Er hat sich mit ihm getroffen. Dann sind sie zusammen in Richtung Hogwarts losgeflogen. Ohne Besen. Erst als Snape ihm die Tore geöffnet hat, hat er ihn wieder weggeschickt."
Hermines Herz fing zu rasen an. Das war es dann, dachte sie panisch. Es ist zu spät. Wir haben versagt...
"Du meinst, Du-weißt-schon-wer ist jetzt in der Schule?"
"Nein."
Sie starrte ihn mit offenem Mund an, wie er vor ihr stand und sich verbissen die Narbe an seiner Stirn rieb.
"Was dann, Harry? Was will er dort, wenn es nicht die Schule ist?"
"Den Elderstab", sagte er kühl. "Er hat Dumbledores Grab aufgebrochen und ihn an sich genommen."
"WAS?"
"UND SNAPE HAT NICHTS GETAN, UM IHN AUFZUHALTEN!"
Nach Fassung ringend mühte sie sich ab, ihre Atmung unter Kontrolle zu bringen. Tausend Dinge schossen ihr in den Kopf, von der Sorge über Severus und die Schüler bis hin zum bloßen Unverständnis auf Harrys Reaktion.
"Aber - aber weißt du, was du da sagst? Was hätte er denn tun können, Harry?"
"Ihn davon abhalten, aufs Schlossgelände zu gelangen!"
Hermine schüttelte sich unbewusst. Der Hass in Harrys Stimme zeigte unmissverständlich, wie er zu Snape stand. Doch um sich jetzt davon verrückt machen zu lassen, war nicht der richtige Zeitpunkt. Sie holte Luft und atmete durch. Dann stand sie auf und und stürzte auf Harry zu. Besorgt legte sie die Hände auf seine Schultern und sah ihm ins Gesicht.
"Harry", sagte sie streng. "Du weißt, dass er nichts hätte tun können. Ich verstehe, dass dich der Gedanke, wie sich jemand an Dumbledores Grab zu schaffen macht, zutiefst verletzt. Jeder weiß, wie viel er dir bedeutet hat, obwohl du es im Moment nicht zugeben möchtest. Aber denkst du nicht, dass es vielleicht mal an der Zeit wäre, deine Abneigung Snape gegenüber etwas zurückzunehmen? Wir beide wissen, dass Du-weißt-schon-wer unsterblich ist, Harry. Und egal, was du auch denkst, ich bin sicher, Snape hat das mit Dumbledore durchgeplant wie alles andere auch. Wenn du also wissen willst, was es damit auf sich hat, solltest du endlich mal mit Dumbledore reden, anstatt ihm dauernd aus dem Weg zu gehen."
Harry schnaubte und Hermine ließ die Hände sinken, als sie den finsteren Ausdruck auf seinem Gesicht sah.
„Denkst du, dass das so einfach ist?", fragte er schneidend. „Denkst du, nur weil du so gutgläubig bist und ständig versuchst, das Beste in den Menschen zu sehen, fällt es mir leicht, zu vergessen, dass sie uns alle beide reingelegt haben?"
Energisch schüttelte Hermine den Kopf. „Was du da sagst, ist ganz schön hart. Ich bin bestimmt nicht gutgläubig, Harry."
„Doch. Bist du", beharrte er eisern. „Aber wenn du mir nicht glaubst, mach doch, was du willst. Rede du mit Dumbledore und Snape und allen anderen. Ich habe es satt, Hermine. Merkst du denn nicht, dass er sich nur rausgeredet hat, seit sie uns über ihren Plan aufgeklärt haben?"
Sie öffnete den Mund, machte ihn aber gleich wieder zu. Einen Moment lang war sie doch tatsächlich versucht gewesen, ihm von ihren Gesprächen mit Snape zu erzählen. Schnell entschied sie sich, die Sache anders anzugehen, ohne dabei Gefahr zu laufen, zu viel Aufmerksamkeit auf die Angelegenheit zwischen ihr und dem Professor zu lenken.
„Wer, Harry? Wer hat sich rausgeredet?"
„Na Dumbledore!", keifte er. „Wer sonst? Snape scheint ja ohnehin alles zu tun, was Dumbledore von ihm verlangt. Und weißt du, was dabei am komischsten ist? Ich bin mir nicht mal mehr sicher, wen von den beiden ich augenblicklich weniger leiden kann."
Nach allem, was sie mit Snape erlebt hatte, war es eine Erleichterung, das zu hören. Hermine klemmte ihre Lippe zwischen die Zähne und dachte nach. Natürlich konnte sie Harry verstehen. Es war nicht schön gewesen, festzustellen, dass sie alle nur benutzt worden waren. Doch war es nicht vielleicht sogar ihre eigene Schuld gewesen, dass es überhaupt soweit gekommen war? Immerhin hatten sie als Kinder angefangen, sich in die Vorgänge, die in Hogwarts geschehen waren, einzumischen.
Niedergeschlagen ging Harry zum Tisch hinüber und ließ sich auf einen Stuhl fallen.
„Damals, als Sirius gestorben ist, war es dasselbe", sagte er monoton. „Aber ich habe ihm geglaubt, Hermine. Ich war so wütend und habe ihm trotzdem alles geglaubt, was er mir aufgetischt hat. Jede einzelne seiner Lügen."
Hermine wusste, wie schwer es noch immer für ihn war, das zu begreifen, was damals im Zaubereiministerium geschehen war, als sie Sirius verloren hatten. Sie kam zu ihm herüber, setzte sich neben ihn und legte beruhigend ihre Hand auf seinen Arm.
„Das darfst du nicht sagen, Harry. Dumbledore hatte dich wirklich gern. Er wusste nur einfach nicht, wie er dir Sirius' Tod begreiflich machen sollte. Und jetzt, nachdem er selbst gestorben ist, war es dasselbe. Vielleicht solltest du seinem Portrait noch einmal eine Chance geben. Du darfst nicht aufgeben, Harry. Nur weil du enttäuscht wurdest, bedeutet das noch lange nicht, dass Dumbledore dich mit diesem Plan belügen wollte. Er hat das bestimmt nur getan, weil er es für richtig hielt, um Du-weißt-schon-wen hinters Licht zu führen."
Harry blinzelte sie an und Hermine entging dabei nicht, wie traurig er aussah.
„Und was hat es ihm gebracht?", fragte er leise. „Wozu war das alles gut, wenn wir am Ende doch nichts tun können, um ihn aufzuhalten?"
Sanft schüttelte sie den Kopf. „Sag das nicht. Bitte. Ich bin nicht so weit mit dir gegangen, um jetzt aufzugeben."
Harry senkte den Blick und Hermine wusste, dass es ihm unangenehm war, daran zu denken, was sie im Laufe der Monate, nachdem sie Hogwarts verlassen hatten, durchgemacht hatten, ehe sie hier in Snapes Haus gelandet waren.
„Also gut", sagte er schließlich und sah sie mit ernster Miene an, „ich werde mit ihm reden. Und solltest du Recht haben, werde ich kein Wort mehr über Snape verlieren. Einverstanden?"
Hermine nickte ihm verhalten zu.
„Das möchte ich mal erleben, Harry."
Er seufzte, ging aber nicht näher darauf ein. „Bleibt nur noch zu hoffen, dass dieser Elderstab wirklich nicht von Bedeutung ist, um Du-weißt-schon-wen damit zu schlagen."
Leider musste Hermine sehr bald darauf feststellen, dass das Gespräch zwischen Harry und Dumbledore eine einzige Katastrophe zu werden drohte. Schon zu Beginn fiel ihr auf, dass ihr Freund wieder mal in Bestform war, lautstark los zu schimpfen; natürlich nicht gerade eine gute Voraussetzung für ein derartiges Unterfangen. Doch wie es aussah, war Dumbledore nicht der Einzige, der seine Abreibung bekommen sollte. Auch sie war an der Reihe, nämlich dann, als Harry wutentbrannt aus der Küche gestürmt war und die Tür hinter sich zugeknallt hatte.
„Nun denn", sagte Dumbledore ruhig, nachdem sie alleine waren, „ich nehme an, Sie haben ihn gebeten, mit mir zu reden?"
Hermine lächelte beflissen. Ihr gefiel sein Blick gar nicht. Noch weniger jedoch gefiel es ihr, dass er sie nicht einfach gehen lassen wollte und sie hier ausharren musste.
„Und Sie waren es ebenfalls, die sich, sagen wir es milde, mit Severus angefreundet hat."
Dumbledores Augen leuchteten sie selbst noch als Portrait so eindringlich an, dass Hermine es nicht wagte, ihm zu widersprechen. Ein Glück, dass Severus sie vorgewarnt hatte, denn offensichtlich war ihm bewusst gewesen, dass Dumbledore etwas geahnt hatte.
„Ja", sagte sie kleinlaut und legte ihre Hände in den Schoß, damit er nicht sehen konnte, wie sie schwitzten.
Eine Weile wurde es still und Hermine fühlte sich schon fast dazu verleitet, einfach aufzuspringen und Harry nachzulaufen. Verunsichert dachte sie an das, was sie mit Severus besprochen hatte. Daran, was er gesagt hatte, nämlich, dass sie hier in Sicherheit waren, solange niemand von ihnen wusste.
„Wollen Sie denn gar nichts weiter dazu sagen?", fragte sie sodann in die Stille hinein.
Dumbledore seufzte leise.
„Wie auch immer Sie nun zu ihm stehen, ist Ihre Sache", erklärte er ohne Umschweife. „Dass es sich nicht empfiehlt, die Sache zu verbreiten, versteht sich von selbst. Was Sie tun darf unter gar keinen Umständen einen Einfluss auf Harrys Weg haben, Miss Granger. Severus muss es genauso handhaben."
Sichtlich beunruhigt lugte Hermine aus den Augenwinkeln zu ihm hoch. Wenn das mal nicht eine Ironie war! Severus war bestimmt nicht jemand, der es auslassen würde, Harry seine Abneigung spüren zu lassen. Und umgekehrt war es genauso. Nicht auszudenken, was geschehen würde, wenn das mit ihr und Snape durchsickern würde.
„Sagen Sie das, um mich unter Druck zu setzen, oder weil Sie mir Ihre Zustimmung erteilen möchten?"
Wie auf ihren Befehl hin blitzten Dumbledores Augen hinter seiner halbmondförmigen Brille auf.
„Weder noch."
„Dann – dann ist es Ihnen gleichgültig, solange wir zu Ende bringen, was Sie uns aufgetragen haben?"
„Sie sind keine Schülerin mehr, Miss Granger", sagte er schlicht. „Daher liegt es nicht an mir, Ihnen Vorschriften zu machen. Ich kann Sie nicht zwingen, Harry weiterhin zu helfen. Wenn Sie gehen wollen, nur zu. Wir werden Ihre Erinnerungen an alles so anpassen, wie wir es für richtig halten, dann sind Sie frei. Severus jedoch hat eine Aufgabe zu erfüllen, die nicht in Gefahr gebracht werden darf."
Es war hart für sie, nicht die Beherrschung zu verlieren, als sie das hörte. Am liebsten wäre ihm wohl gewesen, wenn sie sich von allen beiden distanzieren würde.
„Haben Sie deshalb alles vor Harry geheimgehalten, Sir? Weil Sie befürchteten, er könnte davonlaufen, wenn Sie ihm zu viel zumuten? Sie dachten, dass es einfacher für ihn wäre, wenn er Stück für Stück dahinterkommt, dass seine Mission von vornherein zum Scheitern verurteilt war, habe ich Recht?"
Er lächelte milde.
„Vielleicht sollte ich Ihnen erzählen, was ich Harry schon sehr oft beizubringen versucht habe; warum ich oftmals nicht eingegriffen habe, obwohl ich es hätte tun können, vielleicht sogar hätte tun sollen. Der Grund ist der, dass es nicht leicht ist, so eine Entscheidung zu treffen. Wann macht es einen Sinn, jemanden seine Schwächen und Stärken austesten zu lassen und wann nicht? Jedenfalls denke ich nicht, dass es nötig ist, Ihnen das weiter zu erklären, Miss Granger. Sie sind mittlerweile alle erwachsen und das heißt, dass Sie und Ihre Freunde eigene Entscheidungen treffen müssen. Daher erkläre ich diese Diskussion für beendet."
Harry hatte Recht, dachte Hermine grimmig, als sie sich von ihm verabschiedete. Dumbledore versuchte wie gewohnt, sich selbst aus der Affäre zu ziehen. Aber auch sonst wusste Hermine nicht, was sie von Dumbledores Einstellung halten sollte. War es wirklich so einfach für ihn, wie es sich angehört hatte? Oder lag es tatsächlich daran, dass es an der Zeit für Hermine war, das zu tun, was sie für richtig hielt?
Später, nachdem sie schon längst in ihrem Bett lag, dachte sie immer noch darüber nach. Es war wieder einmal typisch für ihn gewesen, ihr den Eindruck zu vermitteln, dass alles in bester Ordnung war, obwohl sie genau wie er auch wusste, wie viel von ihrem Handeln abhing. Weder sie, noch Severus konnte es sich leisten, sich zusätzliche Belastungen aufzuhalsen. Was hatte sie sich nur dabei gedacht, als sie angefangen hatte, ihren Gefühlen für ihren Professor nachzugeben, die sich so schleichend in ihr Leben gemogelt hatten? Es war unfair, sich mit dieser Lage konfrontiert zu sehen, wo doch ohnehin schon alles so kompliziert war. Unter diesen Umständen würde sie es ohnehin nicht schaffen, sich für den einen oder den anderen Weg zu entscheiden. Auch dann, wenn Harry manchmal unausstehlich stur sein konnte, war der Gedanke, ihn im Stich zu lassen, nicht zu ertragen. Genauso wenig konnte sie sich vorstellen, sich jetzt von Severus abzuwenden. Sie war noch nie die Art Mensch gewesen, der etwas zu leichtfertig hingenommen hatte. Außerdem wusste sie, dass es eine Sache war, sich zu jemandem hingezogen zu fühlen. Eine ganz andere aber war es, zu wissen, dass diese Gefühle echt waren. Soweit sie von sich sagen konnte, konnte sie sich nicht erinnern, jemals zuvor so für jemanden empfunden zu haben, wie sie es für den Professor tat.
In der Nacht riss ein weiterer Albtraum Hermine aus dem Schlaf. Klitschnass vom Schweiß bahnte sie sich ihren Weg zum Badezimmer und hatte Glück, denn niemand sonst im Haus hatte den Raum in Beschlag genommen.
Als sie sich frischmachen wollte, ließ ihr eigener Anblick im Spiegel keine Zweifel, wie sehr ihr die Begegnung mit Bellatrix Lestrange immer noch zu schaffen machte. Nur mit Mühe und Not schaffte sie es, die Tränen zurückzuhalten, die ihr in den Augen standen. Dennoch wurde sie das Gefühl nicht los, dass damit noch längst nicht alles bereinigt war.
Ein paar Minuten später, auf dem Weg zu ihrem Zimmer, hielt sie plötzlich inne. Unten in der Küche waren Geräusche zu hören. Ob Severus im Haus war?
Auf Zehenspitzen schlich Hermine sich ins Wohnzimmer hinunter und stellte fest, dass es Stimmen waren, die ihre Aufmerksamkeit erregt hatten. Ein schmaler Spalt des Küchenlichts schien durch die angelehnte Tür ins Wohnzimmer. Leise setzte sie ihren Weg fort. Erst unmittelbar an der Küchentür angelangt machte sie Halt und hielt den Atem an, als sie Snape reden hörte.
„Nein, habe ich nicht, Albus."
Hermine horchte auf. Seine Stimme war so düster, dass sie fröstelte.
„Aber mit Sicherheit war dir bewusst, was für ein Risiko es ist."
Ein schwarzer Schatten auf der anderen Seite der Tür glitt an dem schmalen Spalt der Öffnung vorbei und verdunkelte für eine Sekunde gänzlich den Raum, in dem Hermine sich aufhielt. Bang vor Angst, erwischt zu werden, drückte sie sich so gut sie konnte an die Wand. Doch um einfach wieder nach oben zu gehen, war die Gelegenheit, die beiden Männer zu belauschen, zu verlockend.
„Halten Sie mich wirklich für so einen Idioten? Es war nicht meine Idee, Potter und seine Freunde hier unterkommen zu lassen."
„Natürlich. Verzeih mir meine Neugierde, Severus. Wenigstens können wir sichergehen, dass ihr hier nichts zu befürchten habt. Ich denke nicht, dass Bella noch einmal einen Fuß in dein Haus setzen wird, nachdem sie sich mit eigenen Augen davon überzeugen konnte, dass keine Gefahr davon ausgeht."
Snape schnaubte kühl und Hermine konnte sich in Gedanken ein ziemlich gutes Bild von seinem abfälligen Gesichtsausdruck machen, den er Dumbledore entgegenwarf. Aber das war nicht alles: Alleine die Vorstellung von Bella jagte ihr Angst ein.
„Für Sie ist es leicht, so zu reden, nicht wahr? Sie haben keine Ahnung, wie es ist, wenn man von allen nur verachtet wird. Den einen ist meine Herkunft nicht gut genug, den anderen reicht sie vollkommen aus, um zitternd in die Knie zu gehen. Und dann noch Tag für Tag das Gerede hinter meinem Rücken, weil ich Sie ermordet habe."
„Dann sieh zu, dass es nicht noch mehr wird. Wir können es uns nicht erlauben, einen Fehler zu machen."
Eine unangenehme Pause trat ein, ehe Snape antwortete.
„Keine Sorge. Ich habe alles unter Kontrolle. Aber was ist mit dem Jungen? Soll er es erfahren?"
„Es ist noch nicht an der Zeit, es ihm zu sagen. Wir wissen nicht, wie er es auffassen wird."
„Ihm was zu sagen?", fragte Snape und klang dabei etwas durcheinander. „Ich habe das Gefühl, Sie sprechen von anderen Dingen als ich, Albus."
„Dass er mit großer Wahrscheinlichkeit sterben wird."
Hermine steckte die Faust in den Mund, um einen Aufschrei zu unterdrücken.
Was hatte das nur zu bedeuten?
„Ich bin nicht sicher, ob ich Ihre Ansicht teilen kann. Hatten Sie nicht gesagt, dass eine Möglichkeit besteht, dass er das überlebt?"
Starr vor Entsetzen glaubte Hermine, ihr Herz würde aussetzen. Er hat davon gewusst?
„Sie besteht nach wie vor, Severus", sagte Dumbledore matt.
Ein unfreundliches Zischen war zu hören.
„Ja. Beinahe hätte ich vergessen, dass Sie ihn so lange wie möglich am Leben erhalten wollten", spuckte Snape gehässig. „Aber er ist ihr Sohn!"
„Weshalb wir, darin sind wir uns beide einig, zutiefst hoffen, dass er nicht sterben muss."
Hätte Hermine einen Blick auf Snapes Gesicht erhaschen können, hätte sie gesehen, wie bleich er geworden war. Er war tief beunruhigt wegen der Dinge, die zwischen ihm und ihr geschehen waren, obwohl er wusste, dass er Lily liebte; das hatte er schließlich immer getan. Nichtsdestotrotz wusste er auch, dass sich etwas an seiner Einstellung ihr gegenüber geändert hatte. Etwas, das er sich selbst nicht erklären konnte, geschweige denn, jemand anderem.
„Dennoch", setzte Dumbledore nach, „müssen wir ihn zur rechten Zeit darauf vorbereiten. Er muss bereit sein, von selbst zu gehen."
