Vielen Dank, Marylein. Ich hab deine Vorschläge gleich übernommen und die betreffenden Stellen ausgebessert. :-)

Ich bin schon ganz gespannt, wie euch dieses Kapitel gefällt. ;-)

Liebe Grüße Gaby

14 Interessante Begegnung

Angespannt saß sie ihm gegenüber. Erwartungsvoll betrachtete er sie, taxierte sie mit einem kühlen Blick aus eisblauen Augen. Dieses Gespräch würde nicht leicht werden, vielleicht sogar noch schlimmer als das mit Snape. Würdevoll, ganz der alte Adel saß er, die Hände vornehm auf seinem Stock - einer Schlange - gefaltet vor ihr und betrachtete sie, mit dem ihm so typischen leicht verächtlichen Blick. Ob er verschwinden würde, wenn sie ihm offenbarte was sie über ihn herausgefunden hatte?

„Nun Miss Granger mit was wollen sie mich zum Sprechen bringen. Was ist mein Preis?" Langsam und geduldig sprach er die Worte.

Er fühlte sich ihr weit überlegen und ließ sie dies auch deutlich spüren. Hermione richtete sich kerzengerade auf und sah ihm fest in die Augen.

„Das ist nicht ganz die richtige Frage, Mr. Malfoy!" Widersprach sie ihm.

„Eigentlich müsste sie lauten: Was bieten sie mir für mein Schweigen?"

Leicht irritiert betrachtete er sie, eine kaum merkliche Unsicherheit schlich sich in seinen Blick. War es möglich, dass sie die Wahrheit kannte? Die nächsten Worte von ihr bestätigten seinen Verdacht.

*

Der Abend mit Severus war einer der schönsten in ihrem Leben gewesen, obwohl er sie nicht geküsst hatte. Es war dieses Beisammensein, diese Nähe, die dem Ganzen etwas Besonderes gab. Sie fühlte sich von ihm ernst genommen und verstanden. Von ihm würde sie wohl nie dumme Sprüche für ihre Leidenschaft zu den Büchern und ihrem Hungern nach Wissen zu hören bekommen.

Er kannte diese Leidenschaft und auch ihn trieb derselbe Hunger an. Sie standen einander in vielerlei Hinsicht in Nichts nach. Im Gegenteil die Jahre machten sie ihm noch ähnlicher. Auch sie zog ein gutes Buch ihren Freunden vor und das bis zu einem gewissen Grade, der nicht anders als Unhöflich zu nennen war. Um an das Wissen, was sie unbedingt haben wollte zu gelangen, setzte sie sich unerbittlich über Grenzen hinweg, die so manchen der sie früher kannte in Erstaunen versetzt hätte. Sie war älter geworden und kannte ihre Ziele.

Auch in diesem Punkt waren sie sich ähnlich. Vor der Bibliothekstür trennten sich ihre Wege. Sie waren zu einer friedlichen Übereinkunft gekommen. Schweigend sahen sie sich an und gaben so einander zu verstehen, sich bald wieder zu sehen, dann trennten sie sich. Er kehrte nach Hogwarts zurück, ähnlich verwirrt wie sie, und sie in ihr kleines Häuschen nach Dartmoor. Doch sie betrat es nicht. Sie ließ ihren Hund heraus und spazierte mit ihm über das abendliche Moor.

Freudig hüpfte er vor ihr her und genoss seine Freiheit. Es war schon vollkommen dunkel und so war es absolut töricht alleine über das Moor zu wandern. Aber sie kannte die Gegend gut und war klug genug auf den ausgetretenen Wegen zu bleiben und nicht von ihnen abzuweichen. So konnte ihr nichts passieren. Sie ließ ihre Gedanken laufen. Ließ den Abend vor ihrem geistigen Auge noch einmal Revue passieren.

Er war zu Anfang so voller Zorn gewesen. Eine für sie unerklärliche Wut hatte ihn ergriffen und sie galt ihr. Was hatte sie getan, dass er so zornig auf sie war? Er beschimpfte sie wegen ihrer ständigen Fragen, also hatte es mit seiner Vergangenheit zu tun. Sie ging im Geiste durch was er ihr über sich erzählt hatte, aber da war nichts erwähnenswertes, dass diesen Ausbruch rechtfertigte. Kurz verengten sich ihre Augen. Es wurde Zeit, dass sie mehr erfuhr. Es gab keine Zukunft für sie beide, wenn sie die Vergangenheit nicht verstand.

Und der Schlüssel war Lucius Malfoy. Er war damals dabei gewesen er kannte die Antwort. Plötzlich blieb sie stehen. Ein Name drängte sich in ihren Geist. Arthur Hasting. Ihn musste sie finden. Er war mit Lucius befreundet gewesen, bevor dieser Wahnsinn rund um Voldemort begann. Mit schnellen Schritten kehrte sie in ihr Haus zurück und schrieb eine Nachricht an Dumbledore. Vielleicht konnte er ihr etwas über Arthur sagen.

*

Severus stieg hinab in seine Räume. Ihn begleiteten die unterschiedlichsten Gefühle. Er hatte zugelassen, dass sie ihm nahe kam. Schwer ließ er sich in einen der Sessel sinken und starrte aus dem Fenster. Noch nie war ihm ein Mensch so nahe gekommen. Noch nie ließ er es zu, er wusste dass es gefährlich war. Sie suchte nach der Wahrheit in seiner Vergangenheit. Was wenn sie fand wonach sie suchte? Er fühlte sich machtlos, völlig paralysiert. Sie war in ihm, in seinem Geist, in seinem Blut. Wie wichtig es ihm gewesen war mit ihr zusammen sein zu können, beinahe so wichtig wie die Luft zum atmen. Es bedeutete ihm soviel ihr zu zeigen wer er war. Sie sollte sehen, was sich hinter seiner Maske verbarg, auch wenn er sich ihr damit auslieferte.

Er gab ihr etwas von sich, öffnete sich und bekam dafür so unendlich mehr. Ein stilles Versprechen von ihr gut darauf zu achten. Ja sie hatte ihn verstanden. Das gelang nur den wenigsten, wenn überhaupt jemandem. Zu verschlossen war er, zu sehr schirmte er sich von allen und jedem ab. Dumbledore war es mit seiner aufdringlichen Art gelungen, ihm einiges widerwillig zu entlocken, aber heute hatte er dies freiwillig gegeben. Er ließ sie ein Stück seiner Seele sehen. Plötzlich erwachte die Wut die immer noch in ihm schwelgte erneut in ihm. Sie waren wieder da und daran trug sie, wenn auch unbewusst, mit Schuld.

Bitter presste er die Lippen aufeinander. Er wollte sie wiedersehen. Sich mit ihr unterhalten. Sie in die Arme nehmen und küssen, doch vorher musste er mit seinen Schatten aus längst vergangen Tagen fertig werden. Was würde sie dazu sagen, wenn sie die Wahrheit finden würde? Ihr Hass wäre ihm für alle Zeit sicher. Bleich starrte er hinaus in die Dunkelheit.

*

Sie brauchte nicht lange auf die Antwort von Dumbledore zu warten. Arthur Hasting war tot. Gestorben noch vor dem ersten Krieg und Fall Voldemorts. Herzversagen wurde diagnostiziert. Herzversagen bei einem noch so jungen Menschen, der offensichtlich immer gesund war, dass war außergewöhnlich. Außer seiner Schwester gab es niemanden mehr, den sie zu Arthur befragen konnte. Sie schickte Ariana Hastings eine Nachricht und bat um ein Treffen. Auch hier musste sie nicht lange auf eine Antwort warten. Schon am nächsten Tag sollte sie sie kennen lernen.

*

Gemäßigten Schrittes ging sie auf das kleine Backsteinhaus zu. Es strahlte Gemütlichkeit und Geborgenheit aus. Vor dem Haus wuchsen Rosenranken in die Höhe und verbreiteten ihren schweren Duft. Sie blieb vor der weißen Tür stehen, ein blankpolierter Türklopfer in Form eines Hundekopfes lud sie ein diesen zu betätigen. Neugierig starrte sie hoch zu den weiß umrandeten Fenstern. Zarte, mit Blumen gemusterte Vorhänge, zierten sie und verbargen geschickt das Innere. Im Großen und Ganzen war es ein gewöhnliches Haus. Eigentlich zu gewöhnlich, als das sich ein Lucius Malfoy mit einem Menschen von hier einlassen würde.

Was war an Arthur nur anders? War er wie Lucius, ein richtiges Arschloch? Anders konnte sie ihn nicht bezeichnen, nichts war treffender für ihn. Sanft hob sie den Türklopfer an und ließ ihn zweimal gegen die Tür schlagen. Kurze Zeit später stand eine ältere Frau von ihr. Sie hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit ihrem Bruder. Auch ihr Haar war einst sicher braun gewesen. Jetzt war ihr kurzes Haar schon ergraut.

Sie hatte dieselbe Augenfarbe wie Arthur. Sie waren von einem schönen satten Braunton, in denen immer ein wissendes Funkeln lag. Auch war sie immer noch von schlanker Statur und hochgewachsen. Freundlich blickte sie auf Hermione herab.

„Sie müssen Miss Granger sein?" fragte sie sie mit warmer Stimme.

Sofort faste sie zu dieser Frau Vertrauen. Sie spürte ihre Herzlichkeit und ihre Wärme. Langsam folgte sie ihr in das Haus. Sie betraten einen engen, aber hellen Flur. Eine steile Treppe führte nach oben, doch Ariana führte sie an dieser vorbei in ein kleines Wohnzimmer. Sie bat Hermione Platz zu nehmen und bot ihr Tee an. Dankbar sagte sie ja und sah der älteren Frau nach, wie sie in den Nebenraum, offensichtlich die Küche, huschte.

Kaum fiel hinter Ariana die Tür zu, stand Hermione wieder auf und sah sich um. Neben der geblümten Couch gab es noch zwei dazu passende Stühle und einen kleinen Nußholztisch. Alles war zum offenen Kamin ausgerichtet. Über dem Kamin hing ein großes Familienfoto. Es war schon älter. Ariana war darauf noch sehr jung, an ihrer Seite stand ein kleiner Junge und hinter ihr ein Mann und eine Frau – Arianas Eltern. Der kleine Junge war sicher Arthur. Alle lachten sie in die Kamera. Sie strahlten eine beneidenswerte Fröhlichkeit aus. Und aus diesem Haus sollte der einst beste Freund von Lucius Malfoy stammen?

Ansonsten gab es hier nur noch ein Bücherregal mit den diversen Klassikern aus der Muggelwelt. Jane Austen stand neben Charles Dickens und Emily Bronte. Darunter standen ein paar Sachbücher über alle möglichen Fachgebiete. Reiseführer und Enzyklopädien. Also alles Bücher, die man den Besuchern präsentieren konnte. Ungefährliche Bücher. Wer sich soviel Mühe gab, normal zu wirken, machte sich eigentlich schon deshalb in Hermiones Augen verdächtig, aber sie wusste ja warum Ariana das tat. Sie war eine Hexe und lebte zwischen Muggeln. Sie wollte bestimmt nicht auffallen.

Ariana kam zurück, beladen mit einem Tablett auf der sich Teetassen und Gebäck türmten. Entschuldigend stellte sie es vor Hermione hin, die erstaunt auf den Berg an Backwaren starrte.

„Verzeihen sie, ich bekomme nur selten Besuch und da freut es mich um so mehr, wenn sich mal jemand zu mir verirrt." eine gewisse Traurigkeit lag in Arianas Worten und traf Hermione tief.

Sie versprach sich jetzt schon, sobald das alles, die Sache mit ihrem Buch vorbei war, würde sie Ariana bestimmt öfter besuchen. Kein so netter Mensch sollte alleine sein. Sie setzten sich wieder einander gegenüber und Ariana schenkte Hermione Tee in eine Tasse und reichte ihn ihr. Als auch sie selbst eine Tasse in den Händen hielt, begann Hermione mit ihren Fragen.

„Es mag für sie nach all der langen Zeit ungewöhnlich sein, aber ich würde mich sehr für ihren Bruder interessieren. Wie war er so? Wie war seine Schulzeit in Hogwarts?"

Ariana betrachtete sie eine zeitlang schweigend. Schon dachte Hermione sie würde keine Antwort mehr bekommen, doch dann begann die Ältere zu erzählen.

„Arthur war um ein paar Jahre jünger als ich und so verließ ich Hogwarts bereits bevor er dort eingeschult wurde." Bereitwillig erzählte sie ihr aus dem Leben ihres Bruders.

„Er war so ein fröhlicher, grundehrlicher Mensch. Ich konnte nie verstehen was er an Lucius Malfoy und dessen Freunde fand. Mir waren sie immer ein wenig unheimlich. Ständig versuchte ich ihn von Lucius wegzulocken, aber ohne Erfolg. Es war als würde die beiden etwas besonderes, das ich nicht begreifen konnte, verbinden!" Ariana seufzte schwer.

In Hermione keimte ein Verdacht auf, aber sie brauchte Bestätigung.

„Gibt es noch Bilder aus jener Zeit, Tagebücher ihres Bruders? Irgendetwas?"

Leicht verständnislos blickte Ariana sie an.

„Ihr Bruder, ein gesunder junger Mann, starb an Herzversagen. Ich denke da steckt mehr dahinter und ich möchte herausfinden was!" Ließ sie plötzlich diese Bombe platzen.

Wie würde Ariana reagieren? Wortlos stand sie auf und verließ den Raum. Verdammt! Jetzt hatte sie sie zu sehr geschockt. Jetzt hielt sie sie bestimmt für verrückt. Kurze Zeit später kehrte sie mit einem staubigen Schuhkarton in den Händen zurück. Sie reichte ihn Hermione.

„Das hat damals die Schule geschickt. Seine persönlichen Sachen. Vielleicht finden sie hier etwas, was ihnen weiterhilft." Sie sprach leise, als würde sie das alles zu sehr aufwühlen, noch immer zu sehr bewegen.

„Mein Herz sagt mir, das seine Freunde mit seinem Tod etwas zu tun haben, aber ich konnte es nie beweisen." fügte sie noch trocken hinzu.

Hermione sah ihr fest in die Augen. In ihrem Blick lag ein Versprechen. Ein Versprechen die Wahrheit herauszufinden und sollte es tatsächlich ein Verbrechen gegeben haben, seine Täter zu überführen. Dankbar blickte Ariana sie an, dann verließ Hermione das Haus. Vor der Tür blieb sie stehen und sah ein letztes Mal die Fassade hoch, dabei hielt sie den Schuhkarton fest in ihren Händen.

*

Hermione öffnete den Karton erst bei sich zu Hause ohne zu ahnen, was sie darin erwarten würde. Viel befand sich nicht in der Schachtel. Ein paar Fotos, einige Erinnerungsstücke.

Der Schnatz war eines davon. Scheinbar war Arthur ein Sucher gewesen. Eine Blume, längst verwelkt. Sie konnte nur mehr ahnen, welche Farbe die Rose einst hatte, aber sie könnte schwören sie war Rot. Rot die Farbe der Liebe. Arthur war verliebt gewesen, daran bestand für sie kein Zweifel. Diese Schachtel war sein Schrein, in dem er Dinge aufbewahrte, die ihn mit seiner Liebsten verbanden. Eintrittskarten ins Theater, zwei Stück. Ein kleiner Knopf, abgefallen von irgendeinem Kleidungsstück. Für den ehemaligen Besitzer scheinbar nicht wertvoll, aber für Arthur schon. Nachdenklich nahm sie die Fotos in die Hand. Es waren nur zwei Männer drauf.

Das letzte Bild hätte sie mit Freude erfüllen sollen, doch es war zu sehr mit Trauer behaftet, denn einer der Beiden fand kurz darauf den Tod. Sie drehte das Bild mit zitternden Händen um und entdeckte eine Widmung. Aufkeuchend schlug sie sich die Hand vor den Mund. Sie hatte Recht behalten, wie so oft.

*

Nun saß sie hier. Einem der gefährlichsten Männer die sie kannte gegenüber und sie würde ihn mit einer Wahrheit konfrontieren, die auch für sie sehr gefährlich werden konnte. Tief Luft holend öffnete sie ihre Handtasche und legte Lucius den Gegenstand, den sie daraus entnahm, sichtbar vor die Augen. All seine Arroganz begann von ihm abzubröckeln wie loses Mauerwerk. Er sank bei diesem Anblick in sich zusammen. In seinen Augen war Schmerz und unendliches Leid zu lesen.