Ein Haufen wertloses Gekritzel

Am Sonntag wurde Harry früh morgens wach und fragte sich kurz, warum ihm das ausgerechnet an einem der beiden Tage passieren musste, an denen er ausschlafen konnte. Dann bemerkte er den Grund dafür: eine genervt aussehende Eule flatterte vor dem Fenster neben seinem Bett herum und kratzte mit ihren Krallen an der Scheibe. Harry quälte sich unter der Bettdecke hervor, öffnete das Fenster und nahm ihr den Brief ab, auf dem in Savages kaum leserlicher Handschrift sein Name stand.

Mit pochendem Herzen schloss er das Fenster wieder, zog die Bettvorhänge vor und murmelte „Lumos."

Harry öffnete er den Brief im flackernden Licht seines Zauberstabs und begann zu lesen:

Hallo Potter, Hallo Weasley,

stand da,

gute und gleichzeitig verwirrende Neuigkeiten: wir haben vor einer Stunde Jugsons Leiche in einem Keller in Lancaster gefunden. Soweit der gute Teil. Der verwirrende Teil: wir haben keine Ahnung, wo seine Komplizen sind und wer ihn getötet hat. Da sich niemand bei uns gemeldet hat, gehen wir momentan davon aus, dass Selwyn und Nott ihn selbst erledigt haben, weil sie sich zerstritten haben. Fraglich ist, ob die beiden jetzt allein unterwegs sind, oder ob sie Unterstützung haben, so wie die beiden toten Todesser, die wir in der Gärtnerei gefunden haben. Die beiden sind mittlerweile identifiziert worden: Alan und Arnold Hutchings, zwei Brüder aus York, beides Werwölfe, was auch erklärt, warum ihre Zauberstäbe nicht in unserem Register auftauchten.

Ich melde mich wieder, wenn wir etwas neues wissen, obwohl man mich immer noch von dem Fall weghält.

Beste Grüße,

S.

Harry faltete den Brief nachdenklich zusammen und machte das Licht aus. Savage könnte Recht haben, dachte er, während er in die Dunkelheit starrte. Selwyn, Nott und wer immer sich sonst noch bei ihnen aufhielt, könnten sich tatsächlich zerstritten haben. Aber warum? ''Alles, was die wollen, ist weglaufen'', hatte Yaxley über Jugson, Avery und Nott gesagt. War es darum gegangen? Hatte Jugson weglaufen wollen und Selwyn ihn dafür bestraft? Oder hatte jemand ganz anderes Jugson erwischt, ein Unbekannter, der auf eigene Faust Todesser jagte? So oder so, dachte Harry, wenigstens musste er sich um Jugson jetzt keine Sorgen mehr machen.

Er wartete noch eine Weile, bis es draußen langsam heller wurde, und weckte dann Ron, wobei er dessen schwache Proteste direkt abwürgte, indem er mit dem Brief wedelte. Ron hielt die Klappe und folgte ihm herunter in den leeren Gemeinschaftsraum, wo Harry ihm den Brief gab.

''Aha'', murmelte er verwirrt, als er fertig war. ''Das wirft mehr Fragen auf, als es beantwortet.''

Harry nickte stumm und ließ sich in seinen Lieblingssessel fallen.

„Was ist?", fragte Ron.

„Wenn sie ihn wirklich selbst umgebracht haben...dann hat das ganze eine neue Dimension." Harry sah nachdenklich auf seine Hände. „Das heißt, dass Selwyn das ganze genauso handhabt wie Voldemort."

Ron zuckte mit den Schultern. „Das überrascht mich ehrlich gesagt nicht, Harry."


Ginny und Hermine hatten auf dem Weg zum Frühstück auch nichts hilfreiches zu diesem Thema beizusteuern, mal abgesehen davon, dass Hermine ihnen den zugehörigen Artikel im Tagespropheten beim Frühstück vorlas. Um sie herum diskutierten auch viele andere Schüler über Jugsons Tod, fiel Harry auf. Er warf einen Blick hinüber zum Slytherin-Tisch, wo sich Nott angeregt mit Zabini und Pansy Parkinson unterhielt. Malfoy neben ihnen las mit zerfurchter Stirn den Propheten.

„Meinst du, Nott steht mit seinem Vater in Kontakt?", fragte Ron leise.

„Darauf würde ich wetten", murmelte Harry leise, der selbst jahrelang Eulen mit einem gesuchten Verbrecher ausgetauscht hatte.

„Könnte nützlich sein, seine Post zu lesen", meinte Ron nachdenklich.

„Schon mal was von Privatsphäre gehört, Ron?", zischte Hermine genervt. „Außerdem wird Nott seinem Sohn sicher nicht erzählen, was sie so treiben und wo sie sind."

Harry war nicht der einzige, der sich über die freien Todesser den Kopf zerbrach, wie Neville ihm grimmig versicherte, als sie sich mittags in der Bibliothek über den Weg liefen.

„Es hätte alles vorbei sein sollen", flüsterte er, während er vorgab, in einem Wälzer namens Wahrlich Zaubrische Pflanzen zu lesen. „Aber sie sind immer noch da draußen und tun schlimme Dinge, auch ohne Du-weißt-schon-wen."

- „Ich schätze, es wird einfach immer schlechte Menschen geben, Neville", murmelte Harry nach einer kurzen Pause, weil Madam Pince misstrauisch zu ihnen herübergeblickt hatte.

„Das weiß ich", seufzte Neville und stellte das Buch zurück ins Regal. „Aber Todesser...weißt du, was das erste war, dass ich nach der Schlacht gemacht habe?"

Harry schüttelte stumm den Kopf.

„Ich war bei meinen Eltern im St. Mungo's und habe ihnen gesagt, dass es vorbei ist, aber es ist nicht vorbei", sagte er leise. „Es ist wie beim letzen Mal, weißt du? Du-weißt-schon-wer war verschwunden, alle dachten, es wäre vorbei, und dann...haben sie sich meine Eltern geholt."

Das Thema spukte Harry den ganzen Tag im Kopf herum, sowohl in ihrer Freistunde, die er mit Ron damit verbrachte, ihren Aufsatz für Verwandlung zu Ende zu schreiben und gleichzeitig Theorien auszutauschen, was die Todesser denn genau planten, als auch während ihrer Stunde bei Dawlish am Dienstag, in der sie weiter ungesagte Zauber übten und es Dawlish gelang, ihn zu entwaffnen.

„Sie waren heute nicht bei der Sache, Potter", bemerkte der Professor, als er ihn wieder einmal nach der Stunde kurz dabehielt.

„Jaah", sagte Harry. „Ähm, Professor, haben Sie gelesen...?"

- „Natürlich, Potter", sagte Dawlish und räumte seine Tasche ein. „Und falls sie fragen, ich stimme mit dem überein, was im Propheten stand" - er verschloss seine Tasche mit einem Klicken- „Sie haben sich untereinander gestritten und Jugson hat den Kürzeren gezogen."

Er warf Harry einen scharfen Blick zu. „Sie haben mit Williamson und Savage gearbeitet?"

Harry nickte stumm.

„Er war ein guter Auror", sagte Dawlish und ging hinüber zur Tür. „Auch wenn er die Regeln manchmal etwas gestreckt hat. Nun, Sie sollten jetzt los, Sie wollen ja sicher nicht ihre nächste Stunde verpassen, oder?"

Die folgende Verwandlungsstunde verlief wesentlich angenehmer als die am Donnerstag, in der Professor McGonagall ihnen ihre Aufsätze zum Kopfblasenzauber zurückgab.

„Das Niveau dieser Hausaufgabe war wirklich erbärmlich", knurrte sie und unterstrich ihren Ärger darüber dadurch, dass sie herumging und ihnen ihre Aufsätze selbst auf den Tisch knallte. Hermine rutschte unruhig auf ihrem Stuhl herum, aber wie zu erwarten, gab es an ihrer Hausaufgabe nichts auszusetzen- ganz anders, als bei Harry.

„Ein Haufen wertloses Gekritzel, Potter", fauchte McGonagall, als sie seinen Aufsatz auf den Tisch klatschte. „Überarbeiten Sie das bis Montag!"

- „Ja, Professor", seufzte Harry wenig überrascht, dass bei all den Selwyns und Notts, die beim Schreiben in seinem Kopf herumgespukt waren, keine vernünftige Hausaufgabe herausgekommen war. Hermine warf einen neugierigen Blick auf sein wertloses Gekritzel und er stopfte es eilig in seine Tasche. Professor McGonagall, die sich offenbar wenig dafür interessierte, dass Harry ohnehin schon einen Haufen Arbeit vor sich hatte, gab ihnen allen am Ende der Stunde noch einen weiteren Aufsatz zur Polymorphie auf, der Harrys Sorgen weiter erhöhte, sodass er am Ende der Stunde sichtlich genervt zum Mittagessen ging.

„Harry!"

Er drehte sich müde um und sah Demelza Robins und Ginny auf sich zumarschieren.

„Wann willst du denn jetzt diese Auswahlspiele ansetzen?", fragte Demelza begierig.

Er seufzte. Sein Wochenende war ohnehin schon vollgestopft mit Hausaufgaben, ohne dass Quidditch noch hinzukam, aber er konnte es ja nicht ewig weiter vor sich her schieben.

„Samstag um zehn", stöhnte er.

„Alles klar", sagte Demelza begeistert. „Ich hab in den Ferien-"

Was genau Demelza in den Ferien gemacht hatte, sollte Harry nie erfahren, denn Peeves wählte genau diesen Moment um sich zielsicher von der Decke des Korridors zu stürzen, wo er auf nichtsahnende Opfer gelauert hatte, und riss ihre Tasche auf. Tintenfässer zerbrachen, Bücher und Pergament fielen heraus und Peeves flog lachend weg-

Langlock!", rief Harry, richtete seinen Zauberstab auf Peeves und das Lachen des Poltergeists endete abrupt, da seine Zunge an seinem Gaumen festklebte.

„Danke, Harry", seufzte Demelza und machte sich mit Ginny daran, ihre Habseligkeiten wieder aufzusammeln. Harry wollte seine Hilfe anbieten, aber Ron formte stumm das Wort 'Mittagessen' und er folgte ihm schmunzelnd in die Große Halle.


Der Rest der Woche war ein verworrenes Mischmasch aus langen Abenden, an denen er sich mit den beiden Aufsätzen für McGonagall herumschlug und Unterrichtsstunden, in denen für Hogwarts-Verhältnisse nichts erwähnenswertes passierte.

Am Samstagmorgen hatte Harry blendende Laune, weil er endlich wieder fliegen konnte und zumindest der halbe Tag hausaufgaben- und sorgenfrei sein würde. Ron haute beim Frühstück rein wie ein Scheunendrescher.

„Hüter müssen breit sein", brachte er zwischen zwei Bissen hervor. „Das macht es leichter, die Ringe abzudecken- uups, tschuldigung!"

Er hatte aus Versehen seinen Kürbissaft umgestoßen, den Hermine elegant zurück ins Glas schweben ließ.

„Ron, deine Tischmanieren sind eine absolute Katastrophe", knurrte sie und klang dabei wie Professor McGonagall, während sie den Tagespropheten aufschlug, „benimm dich bitte mal-"

Sie spuckte ihren Tee auf alle im Umkreis, was Lavender und Parvati kreischen und Ron lachen ließ. Hermine hingegen schenkte ihnen keine Beachtung und starrte wie gebannt auf die Titelseite.

„Hermine?", fragte Ginny und lehnte sich zu ihr herüber. „Oh. Scheiße."

- „Es geht um mich, oder?", seufzte Harry.

Der Morgen hatte so schön angefangen. Hermine nickte mit sturmumwölkter Miene und reichte ihm die teegetränkte Zeitung.

„Oh, Mist, wartet- Ratzeputz", sagte sie und schwang ihren Zauberstab, was Zeitung, Tisch und Mitschüler säuberte.

Oh, Scheiße, trifft es ganz gut, dachte Harry, während er auf Rita Kimmkorns und sein Gesicht starrte.

KIMMKORN SCHREIBT AN POTTER-BIOGRAFIE: DER AUSERWÄHLTE(?)

Die langjährige Sonderkorrespondentin des Tagespropheten, Rita Kimmkorn, arbeitet gegenwärtig an einer Biografie über den „Jungen, der lebt", wie sie gestern in einem Interview mit dieser Zeitung ankündigte.

Es stimmt", sagt Kimmkorn. „Es wird höchste Zeit, dass jemand Harry Potters Leben einmal genauer unter die Lupe nimmt."

Genauer unter die Lupe nehmen will Kimmkorn vor allem Potters Beziehung zu Albus Dumbledore und seine Kindheit, bevor er die Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei besuchte.

Während Potter in seiner gesamten Schulzeit stets in der Öffentlichkeit präsent war, liegt diese Zeit noch im Schatten. Ich will etwas Licht ins Dunkel bringen."

Es folgte ein zweiseitiges Interview und ein kurzer Auszug aus Ritas Snape-Buch, der bei Harry einen heftigen Würgereiz verursachte. Sie will mit den Dursleys reden, dachte Harry entsetzt. Er legte die Zeitung weg und starrte Hermine an.

„Kann ich sie nicht einfach verklagen?"

Hermine schüttelte wütend den Kopf. „Glaub mir, wenn das ginge, hätte es schon jemand gemacht."

- „Diese blöde Sabberhexe", zischte Ginny aufgebracht. „Wenn ich das Miststück in die Finger kriege..."

- „Beachte diesen Müll einfach nicht, Harry", sagte Hermine, obwohl sie selbst aussah, als würde sie gleich Feuer spucken. „Das ist doch nur..."

- „Ein Haufen wertloses Gekritzel!", sagte Ron grinsend, was Harry ein schwaches Lachen entlockte.

„Alles klar, wir sollten los", sagte er.

Warum kann sie mich nicht einfach in Ruhe lassen, dachte Harry grimmig, während er in der Umkleide in seinen Quidditch-Umhang schlüpfte. Konnte er nicht einfach mal ein Jahr seine Ruhe haben? Nein, das war anscheinend zuviel verlangt für den berühmten Harry Potter. Der berühmte Harry Potter konnte nicht einfach zur Schule gehen, ihm mussten sensationswütige Reporterinnen nonstop auf die Nerven gehen.

Dementsprechend war Harry nicht unbedingt bester Laune, als er auf seinen Besen stieg und mit der Auswahl begann, wozu der Regen, der genau in disem Moment begann, zusätzlich beitrug.

Seine drei Jäger schienen davon allerdings vollkommen unbeeindruckt zu sein: sowohl Ginny als auch Demelza und Dean stellten die Konkurrenz in den Schatten, obwohl manche das natürlich nicht so sahen wie Harry. Es dauerte eine gute Viertelstunde, bis er die Unzufriedenen vom Feld gejagt hatte und danach war er mistnass und ganz entschieden stinksauer. Sonst können sie mir vor Ehrfurcht kaum in die Augen sehen, dachte er grimmig, aber jetzt?

„Warum muss das immer so anstrengend sein?", murmelte er Ginny zu, die sich mit ihm die Treiber ansah.

„Ich schätze, jeder will die Chance nutzen, mal mit dem Auserwählten Quiddich zu spielen", sagte sie grinsend.

„Damit sie Rita ein Interview darüber geben können?", fragte er grimmig, während Jimmy Peakes einem Zweitklässler einen Klatscher ins Kreuz schmetterte.

„Vergiss die blöde Kuh einfach, Harry", seufzte Ginny. „Verhex sie einfach, wenn du sie das nächste mal siehst- autsch."

Der Sechstklässler, der als einziger außer Coote und Peakes noch in der Luft war, bekam beide Klatscher gleichzeitig in die Magengegend und konnte sich gerade noch auf seinem Besen halten.

„Alles klar, das reicht!", brüllte Harry, bevor sich noch jemand ernsthaft verletzen konnte. „Coote, Peakes, ihr seid dabei. Ogden, vielleicht im nächsten Jahr, okay?"

- „Sie haben sich gegen mich zusammengetan", fauchte Chris Ogden, nachdem er wieder schmerzfrei atmen konnte. „Das war nicht fair, Potter!"

- „Das nennt man Teamwork, Ogden", sagte Richie Coote und funkelte den Sechstklässler, der einen Kopf größer war als er, wütend an. Ogden machte einen Schritt auf Coote zu, aber Harry, dem es jetzt wirklich reichte, zog seinen Zauberstab.

„Ogden", knurrte er. „Lass es."

Chris Ogden trollte sich so hastig, dass er fast über seine eigenen Füße gestolpert wäre.

„Also dann", rief Harry heiser. „Jetzt die Hüter!"

Auch Ron brachte Harry nicht in Verlegenheit und stellte die Konkurrenz mühelos in den Schatten, sodass der stinksauere und völlig durchnässte Harry sich genau mit den sechs Spielern wiederfand, die er von vorneherein erwartet hatte.

„Gut gemacht, Leute", krächzte er mühsam. „Erstes Training am Dienstag um sechs."

- „Keine Überraschungen, was?", fragte Hermine, als sie zurück zum Schloss gingen.

„Nein", sagte Harry wütend. „Eine riesige Zeitverschwendung, wenn du mich fragst."

- „Es kommt absolut nichts nach", sagte Ginny besorgt. „Nächstes Jahr werden wir richtige Probleme kriegen, wenn ihr drei aufhört."

- „Darüber kannst du dir dann alleine Sorgen machen", sagte Ron grinsend.

Fürs erste sorgte Harry sich kein bisschen um Quidditch, sondern um das, was Rita Kimmkorn ausgraben würde.

„Was, wenn sie alles über Voldemort erfährt?", fragte er Hermine leise, als sie abends im Gemeinschaftsraum am Fenster standen.

Sie nickte grimmig. „Ja, daran hab ich auch schon gedacht, Harry. Aber davon weiß niemand, wie könnte sie also?"

- „Ich hab die Horkruxe erwähnt", murmelte Harry leise. „Vor unserem Duell, in der Großen Halle, weißt du nicht mehr?"

Hermine sah nachdenklich aus dem Fenster. „Du hast nur das Wort erwähnt", sagte sie nach einer Weile. „Nicht, was es bedeutet. Und Dumbledore hat alle Bücher darüber verschwinden-"

Sie biss sich auf die Unterlippe. „Du denkst..."

- „Sag mir, dass ich mich irre", sagte er grimmig, denn Hermine war offensichtlich zu dem selben Schluss gelangt wie er: Ja, Dumbledore hatte alle Bücher über Horkruxe aus der Bibliothek entfernt- alle Bücher in Hogwarts. Aber da draußen waren todsicher dutzende Bücher, in denen von Horkruxen die Rede war.

„In der Nokturngasse stehen solche Bücher sicher überall herum", sagte er.

„Darüber wird sie nicht schreiben", sagte Hermine. „Sogar Rita würde das nicht tun. Und wenn, dann würde das niemand veröffentlichen."

- „Hoffen wir's", seufzte Harry.

Es war Vollmond, fiel ihm etwas verspätet auf und plötzlich überkam ihn wieder einer dieser schrecklichen Momente, als er wegen des Vollmonds an Remus denken musste, dessen ganzes Leben davon bestimmt worden war, an Remus, der in diesem Schloss gestorben war, zusammen mit all den anderen.

„Harry?", fragte Hermine beunruhigt.

„Es ist Vollmond", wisperte er. Seine Kehle war wie zugeschnürt. Hermine legte ihren Kopf auf seine Schulter, als sie begriff.

„Was hätte er für ein Leben haben können, Hermine?", fragte er betroffen. „Endlich kein Verstecken mehr, eine Familie..."

Stattdessen war Remus tot, genauso tot wie Tonks, und Teddy hatte keine Eltern mehr.

Sie zuckten zusammen, als hinter ihnen jemand ein lautes Heulen ausstieß. Lavender Brown saß am Kaminfeuer, das die Narben an ihrem Hals deutlich hervortreten ließ und heulte wie ein Wolf, was nach einem kurzen Schreckmoment alle Anwesenden lachen ließ.

„Wir müssen ohne sie weitermachen, Harry", seufzte Hermine. „So schwer es auch ist."