Familienbande
Bellas POV
Eins steht fest, soviel wie ich und Renesmee auch gemeinsam haben, so unterschiedlich sind wir auch manchmal. Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass sie so in Freude ausbricht, als Jasper und Emmett in ihren ach so tollen Schlitten vor uns halten.
Meine Tochter ist ja gar nicht mehr zu halten.
„Du sahst damals nicht so begeistert aus, als du dein Vorher-Auto bekamst", raunt mir Edward ins Ohr und stupst mich an.
Verräter. Ich schaue ihn nur böse an, doch das scheint ihn nur noch mehr zu freuen. Mir bleibt eh keine Zeit, ihm dafür noch einen Tritt zu verpassen, denn schneller als wir gucken können, sitzt Renesmee neben Emmett. Rosalie sieht mich grinsend an und sagt nicht mal was, obwohl dieser Platz nur ihr gehört. Kein anderer darf dort sitzen. Renesmee anscheinend schon.
Auf dem Weg zum Schloss merke ich, wie Renesmee nervös auf ihrem Sitz hin und her rutscht. Ich kann es ihr nicht verdenken, denn auch ich bin aufgeregt, aber auch etwas besorgt, wie Tanya und Co. auf unsere Tochter reagieren. Wir konnten es bisher vor ihnen verheimlichen. Es gab auch keinen Grund, ihnen von Renesmee zu erzählen.
Was mich aber am meisten besorgt, ist die Tatsache, dass Renesmees Herz noch schlägt. Ich sollte mich eigentlich freuen, aber das wird Schwierigkeiten mit sich bringen. Und bedarf jeder Menge Erklärungen. Ich hoffe, Carlisle ist gut gewappnet.
Edward scheint meine Sorge zu teilen, aber dennoch findet er einen Moment, um mir aufmunternd zuzulächeln. Als wir ankommen, hilft Edward erst mir, auszusteigen und dann Renesmee. Weil wir das ja auch nötig haben. Aber Edward macht es gerne, weshalb ihm also die Freude verwehren.
Schneller als der Wind greift Alice sich Renesmee und zieht sie in Haus. Edward und ich folgen ihr auf dem Fuße, denn ich will nicht, dass Alice mit Renesmee den anderen Vampiren alleine gegenübertritt.
Und kaum, dass wir alle im Schloss sind, kommen die Anderen angerauscht. Als sie Renesmees Geruch wahrnehmen, wandeln sich ihre Mienen. Irina geht in Angriffsstellung. Die Anderen um sie herum sind auch bereit.
„Ein Mensch, Carlisle? Wie konntest du nur?", wütet Tanya.
Natürlich ist sie nicht begeistert. Wir sind bei ihnen Gast. Allerdings ist Renesmee kein Mensch. Zeit sie aufzuklären. Aber zuerst, stellt sich meine Familie schützend vor uns.
„Renesmee ist kein Mensch", beginnt Carlisle, doch Irina scheint es wenig zu interessieren und knurrt furchterregend, dass Renesmee vor Angst ein paar Schritte zurücktritt.
Plötzlich tauchen hinter uns Kate und Eleazar auf. Wahrscheinlich vor Schreck, bildet sich Renesmees Schild um sie, denn ich war es nicht. Jetzt ist es Edward, der sich in Angriffstellung begibt und vor Kate und Eleazar springt.
„Sie ist ein Halbvampir", spricht Carlisle ruhig weiter, wie immer er das auch schafft.
„Unmöglich", ruft nun Carmen, die zurückhaltend auf der Treppe steht.
„Wir würden euch gerne alles erklären, aber erst, wenn ihr nicht weiter versucht, meine Tochter anzugreifen", knurrt Edward.
„Tochter?", fragt Kate.
Wäre es nicht so eine ernste Lage, würde ich mich jetzt über die verdatterten Gesichter amüsieren. Was mir aber gleich wieder missfällt, als Edward so knurrt, wie ich ihn schon lange nicht gehört habe. Gleichzeitig greift Renesmee nach meiner Hand und übt einen Druck aus, der selbst mir schmerzt.
„Wenn du meine Tochter nur einmal anfasst, oder ich noch mal solche Gedanken von dir höre, zerreiße ich dich in Stücke, Dolton", sagt Edward mit gefletschten Zähnen.
Ich glaube zu ahnen, worum es geht. Und so lüstern, wie Dolton Renesmee anschaut, wird mir einiges klar.
„Dolton!", ruft Eleazar ihn zurück.
Alice gibt Edward ein Zeichen, dass anscheinend keine Gefahr mehr droht. Hoffentlich. Wir haben Renesmee nicht aus ihrem Leben gerissen, damit sie in noch größerer Gefahr schwebt. Sie schaut noch immer völlig verängstigt.
„Du brauchst keine Angst haben. Wir werden nicht zulassen, dass dir jemand etwas antut. Wenn sie erstmal alles wissen, werden sie dich genauso herzlich aufnehmen wie uns. Wobei ich gesehen habe, dass du schon ganz gut ohne mich klarkommst. Nettes Schild, oder?"
Sie atmet befreit aus und lächelt mich erleichtert an. Meine Hand lässt sie allerdings nicht los, was ich auch gar nicht will. Im Gegenteil. Ich brauch sie gerade, genauso wie sie, anscheinend mich.
Wir gehen in den gemeinsamen Wohnbereich. Dort befinden wir Cullens uns wirklich nur, wenn etwas ansteht, was alle betrifft. Ansonsten halten wir uns nur in unserem Teil des Schlosses auf. Die meisten von uns hätten es gerne gesehen, wenn wir ein eigenes Haus bezogen hätten, aber Carlisle befürchtete, dass Tanyas Clan es als Beleidigung angesehen hätte.
Aber jetzt, wo Renesmee zu uns gestoßen ist, wäre es sicher eine logische Überlegung nicht doch woanders hinzuziehen. Aber wiederum gibt es ein Pro Denali, denn sollten die Volturi tatsächlich über Renesmee erfahren, wird es nicht lange dauern, bis sie zu uns kommen. Und dann ist jeder Vampir auf unsere Seite wichtig.
„Carlisle, dann erklär uns mal, wer Renesmee ist, wie sie Edwards Tochter sein kann und warum wir jetzt zum ersten Mal davon erfahren", beginnt Eleazar ruhig.
So beginnt Carlisle zu erzählen, wie ich in den Flitterwochen schwanger wurde, mein Baby gebar und zum Vampir wurde. Sie kennen eine andere Version, wie ich zum Vampir wurde. Um es glaubwürdig, zwecks der Wölfe und dem Pakt zu machen, erzählten wir ihnen, dass ich einen Autounfall hatte und dabei fast gestorben wäre.
Als Carlisle bei dem Teil ankommt, wo ich Renesmee an Reneè abgab und die letzten 18 Jahre nicht gesehen habe, werden Carmens und Kates Augen ganz groß. Sie sind geschockt, aber fühlen auch gleichzeitig mit mir mit. Irina und Tanya lässt es eher kalt.
Nicht alle verstehen, warum wir so gehandelt haben. Ich weiß es manchmal selber nicht. Bereuen tue ich es schon lange.
„Sie ist also ein Halbvampir, mit menschlichen Eigenschaften und phänomenalen Kräften", beendet Carlisle seine Erklärung.
„Was hat sie denn für eine Fähigkeit?", will Dolton wissen.
„Bisher haben wir herausgefunden, dass sie wie Edward Gedanken lesen kann, wie Bella ein Schild aufbauen kann und andere Vampire Fähigkeiten abblocken. Außerdem konnte sie, bevor sie Gedanken lesen konnte, dadurch, dass sie Alice berührte, ihre Vision sehen."
„Bisher? Wird sie noch mehr Kräfte bekommen?", fragt Eleazar.
„Kann man noch nicht sagen. Ihre Kräfte entwickeln sich noch. Mich würde es nicht wundern, wenn sie weitere Fähigkeiten entwickelt. Renesmee ist ein besonderer Vampir", sagt Carlisle ganz stolz und zwinkert Renesmee zu.
Diese sitzt neben mir und scheint noch immer müde zu sein. Zumindest ruht ihr Kopf schon länger auf meiner Schulter. Was ich natürlich sehr genieße.
„Ihr wisst schon, dass sie für die Volturi sehr interessant ist?!", kommt es von Tanya.
Als wenn wir das nicht schon längst wüssten.
„Das wissen wir", funkelt Emmett, der hinter uns steht und ganz beschützerisch, eine Hand auf Renesmees Schulter legt.
Es ist erstaunlich, wie schnell alle Renesmee in ihr Herz geschlossen haben. Allen voran Emmett. Ich glaube Renesmees Traum, einen großen Bruder zu haben, hat sich mittlerweile erfüllt.
„Wir sind uns dessen im Klaren, Tanya. Und deshalb ist sie bei uns. Auch, weil ihre Kräfte noch nicht ganz ausgereift und unter Kontrolle sind", versucht es Edward noch im ruhigen Ton.
Mir war Tanya immer ein Dorn im Auge. Natürlich wegen Edward. Zu wissen, dass sie Edward so sehr mag, wie sie es eigentlich nicht sollte, macht es mir sehr schwer ihr gegenüberzutreten. Aber ich habe mich damit arrangiert, denn trotz allem bleibt sie für Edward eine wichtige Freundin. Auch wenn er ihre ewigen Sticheleien mir gegenüber, satt hat. Deshalb hat sich ihr Verhältnis in den letzten Jahren verändert.
„Ich hoffe, ihr steht uns als Verbündete zur Seite. Die Volturi müssen nicht von Renesmee erfahren", spricht Carlisle weiter, da er bemerkt hat, dass Edward sich schwer zusammenreißen muss, die Ruhe zu bewahren.
„Natürlich alter Freund. Wir stehen euch bei, so wie ihr uns. Und es wäre mir eine Freude, zu sehen, was euer Familienzuwachs so alles kann", ist Eleazar voller Vorfreude.
„Aber nicht mehr heute", schreite ich ein und deute auf meine linke Seite.
Renesmee scheint mittlerweile eingeschlafen zu sein. Zumindest sagt es mir ihre gleichmäßige Atmung und ihre Last, die nun ganz auf mir ruht. Nicht, dass es eine wirkliche Last für mich wäre.
„Sie schläft?", ruft Irina lauter, als sie eigentlich müsste.
„Schsch", zischen Alice und Rosalie.
„Eine ihrer menschlichen Eigenschaften. Deshalb benötigen wir auch Lebensmittel", kommt nun auch mal Esme zu Wort.
„Sie isst menschliche Nahrung? Braucht sie denn kein Blut?", will Carmen wissen.
„Sie braucht beides. Allerdings hat sie nicht den Drang nach Blut. Ihr Körper wird einfach immer schwächer, ihre Körpertemperatur steigt an. Sie reagiert, als hätte sie Entzugserscheinungen", erklärt Carlisle.
„Menschliches oder tierisches Blut?", meldet sich Dolton, den Edward weiter nicht aus den Augen lässt.
„Bisher reagierte sie auf tierisches Blut überhaupt nicht gut. Aber wir müssen abwarten. Ich bin mir sicher, dass ihre vampirische Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist", berichtet Carlisle weiter.
Ich klinke mich jetzt aus, denn sicher ist diese Position, in der Renesmee gerade schläft, nicht all zu bequem.
„Ihr entschuldigt mich? Ich bringe Renesmee erstmal in unser Zimmer."
Bevor ich überhaupt den Versuch starten kann, Renesmee in meine Arme zu nehmen, nimmt Emmett sie ganz liebevoll in seine starken Arme.
„Lass mich den Knirps tragen. Dann kann ich sie morgen damit ärgern", zwinkert er mir zu.
Ich lasse ihm das Vergnügen. Renesmee wird ihm schon zeigen, was sie davon hält. Soviel wie ich gesehen habe, braucht sie sich vor Emmett nicht zu verstecken.
Edward will gerade ebenfalls mit uns mit, doch ich halte ihn zurück.
„Vielleicht ist es besser, wenn du bleibst, falls noch etwas zu erklären ist."
„Bist du dir sicher?", fragt er besorgt.
„Macht dir keine Gedanken, Edward. Renesmee hat genug Tanten und Onkel, die auf sie achten", sage ich ihm und deute auf Emmett, der Renesmee spitzbübisch angrinst.
„Gut. Ich komme später nach."
Ihm ist dennoch nicht wohl bei der Sache, Renesmee aus den Augen zu lassen. Denn ich will es ebenso wenig. Als ich ihm einen innigen Kuss gebe, sind seine Sorgen für einen Augenblick lang vergessen. Stattdessen strahlt er mich mit seinen topasfarbenen Augen an. So gefällt er mir schon besser.
„Bis später, Liebste."
Ich nicke allen noch mal zu und mache mich mit Emmett und Renesmee auf den Weg in unserem Flügel des Schlosses. Mich wundert es nicht, dass Alice, Rosalie und Esme uns folgen. Überrascht bin ich von Kate, die uns ebenfalls begleitet.
Kate ist auch eine der Denalis, der ich am meisten vertraue. Drum sage ich auch nichts, sondern lächele ihr nur zu, als ich sie erspähe.
Edwards und mein Zimmer ist riesig. Seine große CD- und Plattensammlung ragt auf der einen Seite des Raumes, während sich auf der anderen meine mittlerweile auch sehr beeindruckende Büchersammlung befindet.
In der Mitte des Raumes steht ein noch größeres Bett, welches wir zwar benutzen, aber nicht zum Schlafen. Aber das erzähle ich Renesmee lieber nicht, sonst schläft sie nie wieder in dem Bett. Muss sie vielleicht auch nicht, denn ich sehe es schon in Alices Augen zucken, dass sie es gar nicht abwarten kann, bis die Geschäfte endlich wieder aufmachen.
Emmett legt Renesmee ganz vorsichtig auf dem Bett ab, als könnte er ihr dabei wehtun. Rosalie schaut ihrem Gatten dabei ganz entzückt zu, muss sich aber ein Lachen verkneifen.
„Morgen richten wir ihr ein Zimmer ein. Das Zimmer gegenüber eurem steht noch leer."
„Das ist nicht nötig, Kate", protestiere ich, doch Kate gibt nicht nach.
„Nichts da, Bella. Sie braucht ein Zimmer. Und ich glaube, dass es sie nicht gerade mit Freude erfüllt, ein Zimmer mit ihren Eltern zu teilen. Schon gar nicht, wenn sie wüsste, was ihr schon alles hier angestellt habt", lächelt sie mir diebisch zu.
Sie weiß mich wirklich sehr in Verlegenheit zu bringen.
„Nein Kate. Ich meine auch, dass es nicht nötig ist, dass ihr es macht. Ich kann das auch alleine."
Ich glaube, jetzt habe ich mir Feinde geschaffen, denn Alice und Esme schauen mich an, als hätte ich ihr liebstes Kuscheltier ins Feuer geschmissen.
„Das ist nicht dein Ernst, Bella. Ich meine, du weißt…"
Mein Lachen unterbricht Alice Gestotter. Dass sie nicht gesehen hat, dass ich sie verschaukel.
„ISABELLA MARIE CULLEN. Das war nicht witzig", wütet Alice.
Doch ihr Wutausbruch bringt mich nur noch mehr zum Lachen. Sie kommt auf mich zu geschnaubt und will mich abkitzeln.
„Mom?"
Abrupt hört Alice auf und wir schauen aufs Bett, wo Renesmee selig schläft.
„Mom? Kann Scott bei mir im Zimmer schlafen?", murmelt sie hervor.
Rose, Esme, Alice und Emmett halten sich den Mund zu, um Renesmee vor lauter Gelächter nicht zu wecken.
„Wer ist Scott?", will Kate wissen.
„Ihr menschlicher Freund, den sie zurücklassen musste."
„Oh die Arme. Waren sie sehr verliebt?"
„Sie sind füreinander geschaffen, Kate. Er ist ihr Seelenverwandter", kläre ich sie auf.
Ihr trauriges Gesicht verrät mir, dass sie es versteht und schon jetzt mit ihr leidet.
„Findet ihr nicht, wir sollten ihr bequemere Sachen anziehen?", fragt Alice und hat dabei schon etwas zum Anziehen in der Hand.
Ich bin ihr dankbar für den Themenwechsel, denn es belastet mich sehr, dass ich meine liebste Tochter dazu bringen musste, ihren Freund, die Liebe ihres Lebens zurückzulassen.
Dankbar und mit einem Lächeln nehme ich Alice die Sachen ab, allerdings kann ich noch nicht damit beginnen, Renesmee auszuziehen.
„Emmett?"
„Ja?"
„Verschwinde!"
„Wieso?"
„Ich glaube Renesmee wird es Morgen schon unangenehm genug sein, dass du sie hier hergetragen hast. Ich glaube nicht, dass sie erfreut sein wird, wenn du sie nackt gesehen hast."
Aber Emmett schnallt es nicht gleich. Ich wedel ihm Renesmees Sachen zu und ein ‚Oh' formt sich auf seinen Lippen. Dennoch macht er keine Anstalten, aus dem Zimmer zu gehen. Rose ist mir behilflich. Sie schnappt sich Emmetts Ohr und zieht ihn aus dem Raum.
„Rosie!!! Nicht so fest", höre ich ihn noch jaulen. Emmett.
„Scottie, nicht. Meine Eltern", kichert Renesmee.
Die drei Frauen im Raum schauen mich amüsiert an.
„Armes Ding. Muss sie ausgerechnet diese Angewohnheit ihrer Mutter erben", lacht mich Esme an.
Fällt mir die loyalste Person der Cullens etwa auch noch in den Rücken? So kenne ich meine liebe Schwiegermama nämlich gar nicht. Aber es ist schön, mal eine andere Seite von ihr zu sehen. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass sie, seit Renesmee wieder in unser Leben getreten ist, aufblüht. Noch jemand, dem es Dank Renesmee besser geht.
Wir machen uns daran, meine Tochter zu entkleiden. Natürlich mit Vorsicht, denn wir wollen sie nicht wecken. Auch wenn ich das Gefühl habe, dass sie schläft wie ein Stein.
„Meinst du, sie will darin schlafen?", frage ich Alice, als ich die kurze Pantie und das noch kleinere Tank Top entfalte. Bisschen kurz, finde ich.
„Ich hab's aus ihrem Koffer", antwortet sie schulterzuckend.
„Alice!"
„Was? Ich muss es doch ausnutzen, dass sie schläft", grinst sie diebisch.
Nach Emmett wird sich Renesmee wohl auch Alice am Morgen vorknöpfen.
„OK. Aber wir ziehen ihr eins von Edwards Shirts über, bevor er nachher einen Herzinfarkt bekommt, wenn er Renesmee halb nackt in unserem Bett entdeckt."
„Aber sein Herz schlägt doch eh nicht mehr", informiert mich Kate. Alice und Esme verkneifen sich ihr Lachen.
„Redewendung, Kate. Das sagt man so."
Manchmal sind die Denalis echt amüsant. Vor allem wenn es um menschliche Sachen geht. Ich bin mir sicher, es wird noch einige witzige Momente dank Renesmee geben.
„Oh! Was ist das?", fragt Esme und deutet auf Renesmees Knöchel.
Dort prangt ein herzförmiges Tattoo. Es ist winzig, dennoch ist das Innere deutlich zu erkennen.
‚R. + S.'
„Wie süß…", kommt es mal wieder von Alice.
„Süß? Ist sie nicht etwas zu jung dafür?"
„Bella, sie ist 18. Und zu sehen ist es auch kaum. Ich wette, Reneè hat es auch noch nicht gesehen", klärt mich Alice auf.
„Nee. Wüsste Reneé etwas davon, hätte sie Renesmee dazu gezwungen, es wegmachen zu lassen. Sie hasst solche Tattoos."
Denn was niemand außer Charlie und Phil weiß, dass Reneè ebenfalls so ein Tattoo hatte. Allerdings war Charlies Name ausgeschrieben. Das Tattoo war auf ihrer Hüfte und Reneè wollte keine Narbe riskieren. Deshalb ist es noch immer da. Allerdings wurde aus dem Wort Charlie irgendein Geschnörkel gemacht. Dennoch erinnert es immer an Charlie.
Wir belassen es dabei und ziehen Renesmee ihr Schlafdress an. Ein schönes Bild, sie in einem Shirt ihres Vaters zu sehen. Alice, Kate und Esme scheint es auch so zu gehen, denn sie grinsen entzückt. Danach verlassen sie dann auch das Zimmer.
Ich lege mich stattdessen zu meiner Tochter und betrachte ihr makelloses Gesicht. Sie ist so wunderschön, dass ich kaum glauben kann, dass sie meine Tochter ist. Ihr Haar ist so schön und duftet ähnlich dem Meinen. Ich kann nicht anders, als durch ihre Locken zu fahren.
„Sie sieht aus wie du, während du schliefst."
Ich habe gar nicht gemerkt, wie Edward ins Zimmer kam, zu fasziniert bin ich von meiner Tochter. Er legt sich hinter mich und betrachtet seinerseits Renesmee, haucht mir dabei einen Kuss auf die Stirn. Auch er kann nicht anders und streicht ihre Haarsträhne hinters Ohr.
„Sie redet im Schlaf, wie ich früher", erzähle ich ihm leise.
Das ist natürlich etwas, was ihn sehr erfreut, liebte er es doch, mir nächtelang bei meinem Smalltalk zuzuhören. Ich empfand es einfach nur als peinlich. Aber jetzt Renesmee zuzuhören ist dagegen berauschend schön.
„Emmy, geh weg", nuschelt Renesmee im Schlaf.
„Meint sie unseren Emmett oder ihren Hund?", fragt mich Edward.
„Nachdem Emmett sie heute so gepiesackt hat, kann ich mir gut vorstellen, dass sie von deinem Bruder träumt."
„Sollte ich beunruhigt sein?"
„Sie träumt von deiner ganzen Familie. Denk an die Hefter…"
Edward kneift unwohl die Augen zusammen. Es ist schon seltsam, zu wissen, dass sie jede Nacht von uns geträumt hat. Es aber keine normalen Träume sind, sondern die Wahrheit. Also was wirklich passiert. Wie ist das nur möglich?
Aber mich beschäftigen noch ganz andere Dinge.
„Meinst du, sie wird hier zurechtkommen?"
„Ist das deine Frage, oder möchtest du eigentlich wissen, ob sie mit uns zurechtkommt?"
Er kennt mich einfach zu gut. Genau das ist es. Und mein Schweigen beantwortet seine Frage.
„Liebes, sie hat dich jetzt schon in ihr Herz geschlossen. Ich hab es mir wirklich schlimmer vorgestellt. Sie liebt dich und braucht dich. So wie ich."
„Ich liebe dich auch, Edward", sage ich ihm und drehe mich so, dass ich ihn auf seine Lippen küssen kann.
Unterbrochen werden wir erst von Renesmees Gekicher. Erst denke ich, sie wäre aufgewacht, doch ihre Augen sind noch immer geschlossen.
„Das ist wirklich amüsant. Ich frage mich, was ich noch so von dir in ihr wiedersehen werde."
„Die Tollpatschigkeit jedenfalls nicht", schmunzel ich.
Renesmee steht und stand auch immer mit beiden Füßen fest auf dem Boden. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nicht so wie ihre ungeschickte Mutter. Naja. Das war einmal. Dank des Vampirseins.
Mittlerweile schläft Renesmee friedlich. Stundenlang sehen wir ihr fasziniert beim Schlafen zu. Wie sie immer wieder mal etwas vor sich her brabbelt.
„Ich kann es noch immer nicht ganz realisieren, dass sie wirklich hier ist. Es ist wie ein Traum", spreche ich mehr zu mir selbst, als zu Edward und gebe Renesmee einen Kuss auf die Wange.
Ich muss sie spüren, um sicher zu sein, dass es kein Traum ist.
Die Zeit vergeht und als ich auf die Uhr schaue, ist es schon 10.20 Uhr. Es war schon spät, als wir sie ins Bett brachten, dennoch schläft sie recht lang. Ich höre schon Emmett auf und ab gehen. Genau wie Esme, die allerdings in der Küche zu Gange ist.
Gerade, als ich ihr die Haare aus dem Gesicht streichen will, merke ich, wie warm sie wieder ist. Aber zu meiner Erleichterung nicht so heiß wie in Phoenix.
„Edward?", in meiner Stimme ist die Besorgnis nicht zu überhören.
Auch er ertastet ihre Stirn und bemerkt es ebenfalls.
„Carlisle!", ruft er und in wenigen Sekunden ist Carlisle auch schon da.
Im Schlepptau mit Alice, die eine Flasche mit sich trägt, die eine rote Flüssigkeit beinhaltet. Blut.
„Ich hab es leider nicht früher gesehen", entschuldigt sie sich.
„Wie konntest du es überhaupt sehen?", fragt Edward verblüfft, denn an ihm nagt es sehr, dass es nun schon zwei Personen gibt, dessen Gedanken er nicht sehen kann.
„Ich mag zwar ihre Zukunft nicht sehen können, aber eure", lächelt sie uns zu.
Beide kommen zu uns ans Bett und setzten sich auf die andere Seite. Das Bett ist einfach gigantisch groß und hätte noch immer Platz für weitere Personen.
„Versucht sie zu wecken", befiehlt Carlisle.
„Renesmee?", versuche ich es noch sanft, doch nichts tut sich.
„Hey, Schatz. Aufwachen", versucht es diesmal Edward, wobei ich ihr zärtlich über die Wange fahre.
„Noch fünf Minuten, Mom", murmelt Renesmee hervor und zieht sich die Decke über ihren Kopf, allerdings ziehe ich sie wieder zurück.
Das gefällt ihr überhaupt nicht. Knurrt sie mich etwa gerade an? Edward kann sich darüber nur amüsieren.
„Oh oh", kommt es von Alice und ich weiß nicht warum.
Sie hatte wohl eine Vision, doch Edward war so auf Renesmee konzentriert, dass er sie nicht mitbekam. Derweil kommt Emmett ins Zimmer gestampft. Sein extrem breites Grinsen verheißt nichts Gutes. Kaum steht er am Bett, holt er tief Luft und brüllt, „AUFSTEHEN, KNIRPS!"
Wie vom Blitz getroffen steht Renesmee stramm im Bett. Als sie uns bemerkt, scheint sie zu erschrecken und fällt übers Kopfende Richtung Boden. Doch Edward ist zur rechten Zeit da und fängt sie auf.
„Emmett", schimpfe ich.
„Tschuldigung. Dachte eigentlich, sie hätte genug geschlafen", schaut er schmollend nach unten.
Wie soll man diesem Teddybär böse sein? Das ist genauso wie mit Alice. Argh.
„Rache ist süß mein lieber Emmett", sagt Renesmee mit einem teuflischen Grinsen.
Just in dem Moment hat Alice eine Vision. Diesmal bekam sie Edward mit und auch Renesmee sah, was Alice Vision ihnen zeigte.
„Wow. Nes… Ich meine Renesmee. Das wird genial. Emmett wird danach vor Neid heulen", machte Alice vor Freude Luftsprünge.
Und so wie Edward grinst, muss es wirklich genial sein. Emmetts Grinsen verschwindet im Nu. Beleidigt stiefelt er wieder davon.
„Hab dich auch lieb, Emmy", ruft Renesmee ihm noch hinterher.
„Ja ja", hören wir noch und wir Mädels fangen an zu lachen.
„Wie fühlst du dich, Renesmee", holt uns Carlisle wieder zu den Tatsachen zurück.
„Ich weiß nicht. Ich bin irgendwie schlapp, als hätte uns Coach Perry mal wieder einige Strafrunden laufen lassen."
„Versuch doch mal so schnell wie möglich zur Tür und wieder zurück zu laufen."
„OK."
Und schwupp ist sie weg. Auf dem Weg zurück wird sie allerdings langsamer. Und als sie bei uns zum Stehen kommt, fällt sie Edward erschöpft in die Arme.
„Woah", höre ich sie schwach.
Edward legt sie auf unser Bett, während Carlisle ein paar Untersuchungen macht.
„Wird das jetzt immer so sein?", fragt Renesmee verängstigt.
„Ich hoffe nicht. Am besten du trinkst zu deinem morgendlichen Essen immer ein Glas Blut. Das wird deinen Akku täglich aufladen."
Kaum hat Carlisle das gesagt, fängt Renesmee an zu würgen.
„Was ist los?", frage ich besorgt.
„Nur allein die Vorstellung, Blut zu trinken, lässt mein Magen rebellieren. Könnt ihr mich nicht k.o. schlagen, oder so? Damit ich nichts davon mitbekomme?", fleht sie uns an.
Darüber können wir erneut nur lachen. Zu meinem Schrecken holt Edward aus, als würde er Renesmee schlagen wollen. Und sofort baut sich ihr Schild auf. Erst ist Renesmee entsetzt, doch dann versteht sie, was Edward damit bezwecken wollte und ein leises ‚oh' zeichnete ist zu hören.
Sofort fällt ihr Schild wieder ab, und ihre Kraft mit ihr. Alice hält ihr die Flasche hin, doch Renesmee lehnt sie nur angewidert ab.
„Du musst es trinken, Renesmee", bettel ich regelrecht.
Widerwillig nimmt sie Alice die Flasche ab, nimmt aber noch immer keinen Schluck. Ihr steigen Tränen in die Augen, was mein Mutterherz bluten lässt. Wenn es noch ginge. Es muss eine wirkliche Tortur für sie sein.
„Mach die Augen zu und halt dir die Nase zu. Denk an dein Lieblingsgetränk", empfiehlt ihr Edward.
Renesmee nickt ihm zu und holt tief Luft. Sie weiß selber, wie notwendig es ist. Ihre Augen geschlossen, führt sie die Flasche an ihren Mund.
„Whisky Cola", sagt sie genussvoll.
„Bitte was?", bin ich geschockt. Genau wie Edward und Carlisle, die Renesmee mit offenem Mund anstarren.
Alice hingegen lacht nur.
Ich schau wieder zu Renesmee, die vorsichtig ein Auge öffnet und kleine Lachgrübchen mit ihren Wangen bildet.
„RENESMEE CARLIE CULLEN. Das ist nicht witzig."
„Ich finde schon", lacht Alice weiter und gibt Renesmee High Five.
Aber uns bleibt keine Chance, uns weiter darüber aufzuregen, denn Renesmee nimmt einen kräftigen Schluck. Die Augen vor Ekel zusammengekniffen. Nach einigen Sekunden verändert sich ihre Haltung in eine etwas entspanntere. Sie lässt auch nicht mehr von der Flasche ab, bis sie ganz leer ist. Ohne Zweifel sind wir erstaunt, empfand sie doch noch vor einigen Sekunden das goldene Blut für einen bösen Feind.
Sie gibt Alice die Flasche zurück und lässt einen wohltuenden Seufzer von sich. Ich streiche ihr über die Stirn, die sich schon jetzt nicht mehr ganz so warm anfühlt. Um ihr Mahl abzurunden, gibt sie einen lauten Rülpser von sich. Sehr zur Freude von Emmett.
„Das ist meine Nichte", brüllt er durch die Gänge, als hätten wir ihn nicht auch so hören können.
„Ups."
„Wie ist es dir bekommen?", fragt Carlisle in seinem typischen Doktorton.
„Unerklärlicherweise sehr gut. Es hat geschmeckt", scheint sie entsetzt zu sein.
„Das ist gut. Vielleicht können wir in den nächsten Tag dann mal Tierblut versuchen. So kannst du deine Eltern bei der Jagd begleiten."
„D-das war Menschenblut?"
„Auf die Schnelle konnten wir nichts anderes beschaffen. Menschenblut haben wir immer vorrätig, falls ein Neuling ankommt. Zudem hast du beim letzten Mal nicht sonderlich gut auf Tierblut reagiert."
„OK. Aber ich würde gerne das Tierblut das nächste Mal versuchen. Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, Menschenblut zu trinken. Auch wenn mir die Tiere ebenso leidtun", sagte sie geknickt und schaut lieber auf ihre Hände, die in ihrem Schoß liegen.
Da macht Edward wieder etwas, womit er mir mal wieder beweist, warum ich ihn so liebe. Er legt zwei Finger unter Renesmees Kinn und hebt es an. Zuerst schaut sie zur Seite, aber als wenn Edwards Augen magnetisch wären, was sie bei mir definitiv immer sind, sucht sie den Blick ihres Vaters.
„Wir können leider nicht ändern, was wir sind. Und in unserer Natur liegt es nun mal, Blut zu trinken. Menschenblut. Wir haben eine bessere nicht so dramatische Art der Ernährung gewählt. Und ich reiße lieber ein Tier, als dass ich einen Menschen töte. Wir sind, was wir sind."
Einen Augenblick lang schauen sich die beiden wortlos an, bis Renesmee eine Träne die Wange hinab läuft. Edward nimmt unsere Tochter in seine Arme und hält sie fest an sich.
„Du schaffst das schon. Wir sind alle für dich da", flüstert er in ihr Ohr, fast so leise, dass wir es nicht hören.
Ich fühle mich etwas ausgeschlossen aus dieser Harmonie, deshalb nehme ich die beiden wichtigsten Personen in meinen Leben im Arm. Zuerst bekommt Renesmee einen langen Kuss von mir auf die Schläfe. Edward bekommt nur einen kurzen Kuss auf die Wange, aber er begnügt sich damit.
„Gibt es dort draußen viele Menschenblut trinkende Vampire?", fragt Renesmee ganz plötzlich.
Edward pellt sich aus unserer Umarmung und schaut unsere Tochter ernst an.
„Es gibt leider nicht sehr viele vegetarische Vampire, wie wir uns nennen. Die Menschenblut trinkenden Vampire sind viel gefährlicher und blutrünstiger."
„So wie die Volturi?", platzt es aus Renesmee heraus.
Geschockt starren wir sie alle an. Ich habe das Gefühl, jeder Vampir in diesem Schloss hat die Luft angehalten, als sie den Namen hörten.
„Woher?", bringt Edward nur hervor.
„Sie kamen einige Male in meinen Träumen vor, als sie bei euch waren. Aber mehr auch nicht. Wer sind die?"
„Gefährliche Vampire", sagt Edward giftiger als er wollte.
„Beschreibt sie mir bitte."
„NEIN!", faucht Edward.
„Sohn, sie muss es irgendwann erfahren", versucht es Carlisle im ruhigen Ton.
„Ich sagte Nein. Und ich erlaube es niemandem, ihr von den Volturi zu erzählen", bringt er wutschnaubend hervor und verschwindet aus unserem Zimmer.
Renesmee schaut mich vor den Kopf gestoßen an. Die Reaktion ihres Vaters hat sie sehr erschrocken. Mich ebenfalls. Aber es zeigt mir mal wieder, welche Angst Edward hat, Renesmee zu verlieren. Ich hoffe nur, er begeht nicht wieder einen dummen Fehler, um uns zu beschützen.
Wir werden es diesmal zusammen durchstehen. Als Familie.
TBC
