- Kapitel 14 -
Der eigentliche Erfolg führte bei weitem nicht zu einer solch fröhlich, ausgelassenen Reaktion, wie Scottys Vermögen, das Betäubungsmittel und den Magnetgreifer an Bord des Schiffes zu beamen.
Stumm standen sie alle da, nicht nur von Scham gelähmt, sondern auch von Entsetzen.
Als die Bioscanner alle Bewegungen auf dem Schiff ausgeschlossen hatten, waren sie das Risiko eingegangen zu beamen. Da Spocks Signatur und die des Fremden zu nahe beieinander waren, hatten sie beide zugleich beamen müssen.
Als die Umrisse schemenhaft erschienen waren, hatten sie alle ein erwartungsvolles Lächeln auf den Gesichtern getragen.
Als die Konturen erkenntlich geworden waren, war das Lächeln dem blanken Entsetzen gewichen.
Die beiden Körper fielen schwer auf den Boden, als die künstliche Schwerkraft sie in ihre Finger bekam.
Pille war es, der nach nur wenigen Schrecksekunden zuerst in Aktion getreten war und mit professioneller Routine agiert hatte, während alle anderen nur dagestanden hatten. Christine Chapel war von ihm aus der Trance gerufen worden, als er ihre Hilfe anforderte.
Ohnmächtig verblieben die anderen regungslos im Transporterraum, als Pille mit Christines Hilfe und der eines weitren Arztes, Spock hinaus zur Krankenstation schaffte.
STSTST
Später… Stunden später betrat Pille das Wartezimmer, wo Jim und Nyota schweigend nebeneinander saßen. Suchten sie doch sonst die Distanz, gab ihnen derzeit die gegenseitige Nähe halt. Jim sah auf, während Uhuras Kopf weiterhin auf seiner Schulter ruhte, schlafend. Ebenfalls wartend und wach, fand Pille Scotty und Chekov. Sulu hatte wohl noch immer das Kommando auf der Brücke. Sie alle sahen ihn erwartungsvoll, aber mit dem Schleier der Furcht in den Augen, an.
„Er wird's schaffen", löste Pille die angespannte Stimmung und sofort war zu sehen, wie die Spannung ein wenig aus dem Lauschenden wich.
Mit einem sanften Lächeln nickte Jim ihm zu. Pille zog sich wieder in die Krankenstation zurück. Sachte und bedacht darauf, sie nicht zu schnell aus dem Land der Träume zu reißen, weckte Jim Uhura, indem er ihr vorsichtig über den Arm strich.
Mit einem scharfen Einatmen erwachte sie und schlug die von Müdigkeit gezeichneten Augen auf. Ihr erster Blick ging zur Tür. Aber dort war nichts, also sah sie zurück zu Jim.
Sein Lächeln sagte alles. Als die tagelange Last der Verunsicherung und Hoffnungslosigkeit von ihr abfiel, begann ihr Körper sich in einem Weinkrampf zu schütteln. Kirk legte seine starken Arme um sie, ohne einen Hintergedanken und hielt sie fest. Ganz fest.
STSTST
Noch war Pille nicht bereit, jemanden einzulassen, um die bedrückende, aber auch friedliche Stille der Krankenstation zu stören. In einer sterilen Ecke, durch ein Energiefeld geschützt, lag Spock in einem künstlichen Koma.
Pille dagegen saß an seinem Schreibtisch hinter der durchsichtigen Wand und starrte gedankenverloren auf das Kleinod, das in dem Behälter vor ihm schwamm. Was auch immer dies für ein elektrisches Gerät war, es war böse und verabscheuungswürdig. Erniedrigend…
In stundenlanger Konzentrationsarbeit, hatte er das dünne Kabel welches Mikrochip und Nervensystem verband, freigelegt, indem er Spocks Nackenpartie gänzlich abgetragen hatte. Der dünne entstehende Raum hatte ihm kaum Agiermöglichkeiten gelassen, als er die drei Mikrometer dünnen Drähte auseinander gedreht und denjenigen identifiziert hatte, der das Signal zum Ausfahren der Widerhaken leitete. Ein winziger Stromstoß, für einen Menschen gar nicht wahrnehmbar, hatte dann ausgereicht, die Haken einzufahren, so dass er das Gerät hatte aus Spocks Nervensystem herausziehen können.
Die neuerliche Instandsetzung des verletzten Fleisches war ein Klacks gewesen, der jedoch nach Stunden der Arbeit mehr Kraft kostete, als vermutet.
Und nun schwamm es da, in der klaren Konservierungsflüssigkeit. Unscheinbar, ja geradezu tanzend. Wie viel hatte Spock wohl darunter leiden müssen? Sein Blick glitt zum Medibett, in dem der Vulkanier ruhte. Die Werte seines Körpers wurden mit jeder vergehenden Stunde besser, auch wenn sie anfangs noch katastrophal gewesen waren.
„Doktor McCoy?" sprach ihn Doktor Lockhard vorsichtig an und riss ihn aus seinen Gedanken.
Pille sah auf, dann wanderte sein Blick zur Uhr. Schichtende.
Aber heute bedeutete es mehr als sonst. Heute bedeutete es das Ende einer Odyssee. Zumindest in physiologischer Hinsicht.
Was Ihre Logik wohl zum Ausgang dieser tagelangen Jagd zu sagen hat? Überlegte Pille im Stillen, bezweifelte, dass er jemals die Antwort darauf bekam und erhob sich dann aus seinem Stuhl.
Er trat aus der Station heraus und fand niemanden mehr im Wartezimmer vor. Einen Augenblick zog er in Betracht, sich auf direktem Wege in sein Quartier zu begeben und die lange entbehrte Mütze voll Schlaf zu nehmen. Aber das flaue Gefühl in seinem Magen, leitete ihn dann weiter zur Messe. Er trat ein, das Licht war gedämpft, und sah über die vielen leeren Sitzgelegenheiten. Zu dieser Zeit hielten sich wenige hier auf.
Nur einige wenige Stühle waren besetzt, ganz hinten an den Sichtfenstern. Pille ließ sich ein Clubsandwich replizieren und gesellte sich dann zum kläglichen, wachen Rest der Brückencrew hinzu, die schweigend aus dem Fenster sah, die Sterne betrachtend.
Er legte vorsichtig eine Hand auf Lieutenant Uhuras Schulter und rang sich ein Lächeln ab, als sie aufsah. Er nickte. Daraufhin erhob sich die dunkelhäutige Schönheit von ihrem Stuhl, ein aufgeregter Blick, ein kaum wahrnehmbar zitterndes Atmen. Sie verließ die stumme Gesellschaft, ohne die Stille zu unterbrechen… auf dem schnellsten Weg zur Krankenstation.
Jim saß tief in den Sessel gelehnt, die Arme hinter die Lehne verhakt. Vielleicht wäre er sonst herunter gerutscht. Er sah kurz zur Seite, als Pille sich neben ihm nieder ließ, zog einen Mundwinkel nach oben und sagte…
„Schichtende."
