Nun, da die Weihnachtsferien vorbei waren, war die Bibliothek wieder ein beliebter Ort. Die Schüler arbeiteten panisch an ihren Schulaufgaben, die sie stur beiseitegeschoben hatten. Die Ereignisse von gestern schienen weit entfernt zu sein. Den Spaß, den die Mehrheit der Schule während der Schneeballschlacht hatte, war vergessen. Die Geschehnisse des Weihnachtsballs schienen unwichtig, obwohl es schien, dass mehr unter den Mädchen geflüstert und gekichert wurde, wenn Harry vorbei ging.

Harrys Tisch war mit Büchern und Pergamenten bedeckt. Er hatte gerade seinen Verwandlungsaufsatz beendet und ging zögerlich zu Zaubertränke über. Hermine saß ihm gegenüber in ihr Arithmantikbuch vertieft. Ginny saß neben ihr und schrieb ihren Verteidigung gegen die Dunklen Künste Aufsatz, während sie versuchte Fred und George zu ignorieren, die ihr gegenüber saßen und tuschelten. Von der Aufregung in ihren Stimmen konnte man davon ausgehen, dass Hausaufgaben das letzte waren, worüber sie sprachen.

Harry blickte sich um und entdeckte Ron an einem Tisch mit Dean, Seamus, Neville, Parvati und Lavender. Die vier Jungen schienen unheimlich gestresst zu sein, während Parvati und Lavender miteinander flüsterten und hin und wieder kicherten. Harry seufzte und kehrte zu seinem Aufsatz zurück. Das war die letzte Hausaufgabe, die er erledigen musste dann konnte er sich auf die zweite Aufgabe konzentrieren. Er hatte vor, Cedrics Rat zu befolgen. Das einzige Problem war, dass er es in der Nacht machen musste, wenn ihn niemand ins Vertrauensschülerbad schleichen sehen konnte. Vertrauensschüler waren Fünftklässler und älter, als Harry es war. Harry war ein Jahr zu jung, um überhaupt in Betracht gezogen zu werden das Bad zu benutzen.

Sobald Harry seinen Aufsatz beendet hatte, packte er alles ein. Er konnte noch so leise sein, er erlangte von allen, um ihn herum, die Aufmerksamkeit. Das war auf jeden Fall ein Unterschied zu vor Weihnachten, als er mit sich selbst reden konnte ohne jemanden abzulenken, weil niemand dort war. Okay, ich muss wohl einen anderen, abgelegenen Ort finden. Ich kann nicht am Hinweis arbeiten, wenn die ganze Schule dabei ist.

Hermine sah Harry neugierig an, als sie ihr Buch ablegte. „Harry, was denkst du dass du tust?", fragte sie. „Wir müssen Schulaufgaben machen. Hast du eine Idee, wie lange wir brauchen werden, um den Verteidigung gegen die Dunklen Künste Aufsatz zu schreiben?"

„Zweieinhalb Stunden", rezitierte Harry leise, als er aufstand. Er hielt seine Tasche fest, damit sie nicht wieder aufging. „Hermine, was denkst du, hab ich vor Weihnachten gemacht? Ich brauchte, von Zeit zu Zeit, eine Pause vom Rätsel. Ich bin fertig." Er gab ihr ein Buch, das er eigentlich auf den Stapel legen wollte. „Das sollte beim Zaubertrank Aufsatz helfen.", fügte er lächelnd hinzu, „Viel Spaß."

Hermine sah böse drein, während Fred und George verzweifelt mit sich kämpften, um nicht loszulachen. Harry verließ die Bibliothek. Er war entschlossen die Schüler nicht anzusehen, die ihn ungläubig anblickten. Es war ein deutliches Zeichen für die Apokalypse, wenn Hermine Granger bei irgendeiner Art von Schulaufgaben Hilfe brauchte. Und das war es, was Harry Potter gerade getan hatte.

In der Nacht schlich Harry, mit Hilfe des Tarnumhangs und der Karte der Rumtreiber, aus dem Gryffindorturm. Er hatte seine Schultasche mit dem goldenen Ei, Tinte, Federkiel und einigen Stücken Pergament dabei und machte sich auf den Weg zum Vertrauensschülerbad. Er erreichte die Statue von einem Zauberer, der verloren aussah und die Handschuhe falsch herum trug, und ging weiter, bis er die richtige Tür erreichte. Nachdem er zweimal geprüft hatte, dass keiner in der Nähe war, flüsterte Harry das Passwort und trat zurück, während sich die Tür langsam öffnete.

So schnell und leise wie möglich, betrat Harry den Raum, schloss die Tür hinter sich und versicherte sich noch einmal, dass sie zu war. Er wollte kein Risiko eingehen. Sicher, dass niemand den Raum betreten konnte, zog Harry den Tarnumhang ab und blickte sich in dem großen Raum um. Das Licht war schwach, aber Harry konnte das große rechteckige Schwimmbecken, das in die Mitte des Bodens eingelassen war, erkennen. Goldene Wasserhähne umrundeten das Becken. Jeder hatte ein andersfarbiges Juwel auf dem Drehknopf. Es gab sogar ein Sprungbett, was Harry ein wenig überraschend fand. An der Wand war ein Gemälde von einer blonden Meerjungfrau die schlief. Harry machte sich eine Notiz absolut still zu sein, um sie nicht zu wecken.

Nachdem er seine Schultasche abgelegt hatte, öffnete er sie langsam und holte seine Materialien heraus. Harry fühlte sich ein wenig unsicher und verwandelte seine Hose in eine Badehose. Er griff eins der Handtücher und legte es an Beckenrand, ehe er Hemd, Zauberstabhalter, Schuhe und Socken auszog. Er drehte einige Hähne auf und füllte das Becken mit Wasser, während er seine Sachen neben sein Handtuch legte. Sobald er die Hähne geschlossen hatte, glitt Harry ins Wasser und griff sich das Ei.

Harry atmete tief ein, tauchte unter und öffnete das Ei. Ein Chor von Stimmen, die Harry nie zuvor gehört hatte, füllte seine Ohren. Es klang fast schon schaurig.

Komm such, wo unsere Stimmen klingen

Denn über dem Grund, können wir nicht singen

Und während du suchst, überlege jenes:

Wir nahmen, wonach du dich schmerzlich sehnest.

In einer Stunde musst du es finden

Und es uns dann auch wieder entwinden.

Doch brauchst du länger, fehlt dir das Glück

Zu spät, 's ist fort und kommt nicht zurück.

Harry schloss das Ei und stieß etwas Luft aus, ehe er es wieder öffnete. Er lauschte dem Gedicht noch einmal genau, ehe er die Oberfläche durchbrach und die übrige Luft ausstieß. So schnell wie möglich setzte Harry das Ei am Rand ab und trocknete Hände und Arme, so gut es ging, ab. Dann tunkte er den Federkiel in die Tinte und schrieb alles auf, woran er sich erinnern konnte. Er hatte geschafft die Hälfte aufzuschreiben, bis er es sich erneut anhören musste.

Sobald er das ganze Gedicht aufgeschrieben hatte, zog Harry sich aus dem Becken und trocknete sich ab. Er zog sein Hemd wieder an und wickelte das Handtuch um die Hüfte. Dann setzte er sich auf den Boden und sah sich das Gedicht genau an. Es war einfach genug zu übersetzen: Finde die Meermenschen, hol das, was sie dir weggenommen haben in einer Stunde wieder oder du verlierst. Das hieß, dass Harry für eine Stunde unter Wasser atmen musste.

Das wird immer besser.

Er räumte seine Unordnung so schnell wie möglich auf und zog sich weiter an. Dann prüfte er die Karte der Rumtreiber ehe er unter dem Tarnumhang versteckt ging. Es war niemand in der Nähe, was Harry die Gelegenheit gab, unbemerkt zum Gryffindorturm zu eilen. Er wusste, dass er heute Nacht nicht weiter kommen würde und stellte sich auf einen langen Tag in der Bibliothek ein. Außer der Tatsache, dass er nicht gut schwimmen konnte, musste Harry einen Weg finden, um zu atmen. Das hatten sie noch in keinem Unterricht durchgenommen.

Als der Unterricht wieder begann, hatte Harry drei mögliche Gebiete gefunden, um unter Wasser atmen zu können. Zauberkunst, Verwandlung und Zaubertränke. Er hatte mit Zauberkunst begonnen und Bücher nach Möglichkeiten durchsucht. Er hatte einen Kopfblasenzauber gefunden und schrieb alles, was er finden konnte nieder. Das nächste war Verwandlung. Die offensichtliche Antwort war, sich selbst in ein Wassertier zu verwandeln, aber seine Nachforschungen auf dem Gebiet ergaben, dass es nicht besonders erstrebenswert war. Es war sehr schwierig und konnte leicht in Etwas enden, worüber Harry nicht nachdenken wollte.

Harry suchte noch nach einem passenden Zaubertrank, war bislang aber nicht fündig geworden. Er hatte den Überblick verloren, wie viele Bücher er gelesen hatte und er konnte Professor Snape nicht um Hilfe bitten (nicht, dass er es wollte). Harry wusste, dass es eine andere Möglichkeit geben musste. Er hatte sie nur noch nicht gefunden. Das war wahrscheinlich das nervenaufreibendste. Zu wissen, dass es da draußen etwas gab und es nicht finden zu können.

Es wurde schwierig für Harry weiter zu forschen nachdem der Unterricht wieder begonnen hatte. Das kalte Wetter ließ alle ihren Unterricht im Freien fürchten, insbesondere Pflege magischer Geschöpfe, wo es keinen Unterstand gab. Harry und Hermine hatten sich auf eine weitere Stunde Kröter pflegen eingestellt, aber waren überrascht jemand anderes auf sich warten zu sehen.

Eine Frau mit kurzen, grauen Haaren stand an der Stelle von Hagrid. Sie stellte sich als Professor Raue-Pritsche vor und sie würde vorrübergehend ihre Lehrerin sein, da Hagrid im Moment verhindert war. Das machte Harry und Hermine nervös. Hagrid liebte nichts mehr, als zu unterrichten. Er würde nie den Unterricht verpassen, es sei denn, etwas Schreckliches wäre geschehen.

Professor Raue-Pritsche führte die Klasse zum Waldrand, wo ein großes Einhorn angebunden war. Harry fühlte sofort mit der Kreatur mit. Es verdiente diese Behandlung nicht, damit Schüler es anstarren konnten. Alle Kreaturen von Hagrid schienen freiwillig am Unterricht teilzunehmen. Harry traf den Blick der Kreatur und für einen langen Moment bewegte sich keiner von beiden. Harry wusste nicht wie, aber er verstand das Einhorn. Fast schon instinktiv neigte Harry dem Tier den Kopf zu, welches die Geste erwiderte.

„Nun, Jungs tretet zurück!", befahl Professor Raue-Pritsche. „Einhörner bevorzugen die Berührung von Frauen."

Die Mädchen in der Klasse grinsten und näherten sich langsam. Das Einhorn begann ängstlich auszuschlagen, als es so viele Leute kommen sah. Professor Raue-Pritsche befahl sofort allen stehen zu bleiben und zu warten, bis sich die Kreatur wieder beruhigt hatte. Harry wusste, dass es nicht so schnell passieren würde und trat vor. Dabei ignorierte er die Warnung von Hermine und der Ersatzlehrerin. Harry hielt die Hände erhoben und deutete dem Einhorn so an, dass er nicht schaden wollte, während er sich weiter näherte.

Das Einhorn begann sich zu beruhigen, hörte aber nie auf Harry anzusehen aber dort war keine Angst nur Neugierde. Wieder senkte Harry respektvoll den Kopf, ehe er vorsichtig die Hand ausstreckte und das Gesicht berührte. Er begann es zu streicheln und zu beruhigen. „Hier, nun.", sagte Harry leise, „Wir wollen dir nicht wehtun. Wir wollen nur deine Rasse kennenlernen."

Das Einhorn stieß ein Geräusch, das nur als sarkastisches Grunzen gedeutet werden konnte. Harry lachte, als das Einhorn näher zu ihm kam. Es senkte den Kopf unterwürfig. Er hatte nicht gewusst, dass Einhörner wussten, was Sarkasmus war. Harry sah zur Klasse und wurde plötzlich nervös, als er sah, dass ihn alle schockiert ansahen. Wie sollte er das erklären?

„Äh – Ich denke es sollte jetzt in Ordnung sein.", sagte Harry, während er weiter die Kreatur streichelte. „Haltet es nur auf einige zur gleichen Zeit beschränkt. Er vertraut Menschen nicht besonders."

Parvati und Lavender waren die ersten der Gruppe, die sich vorsichtig näherten. Bereit zurück zu rennen, sobald das Einhorn wieder bockte. Harry streichelte weiterhin das Gesicht der Kreatur und sprach leise zu ihm, während ein Schüler nach dem anderen kam, um es zu streicheln. Professor Raue-Pritsche erholte sich schließlich von ihrem Schock und informierte die Klasse über Einhörner. Harry ignorierte die neugierigen Blicke, die sie ihm sandten, leise darum betend, dass der Unterricht bald zu Ende war. Er wusste, dass er einen schnellen Abgang hinlegen musste, um den unausweichlichen Fragen zu entgehen.

In dem Moment, als sie entlassen wurden, verabschiedete sich Harry von dem Einhorn und beeilte sich, um Hermine einzuholen, die mit einem empörten Gesichtsausdruck bei Malfoy stand. Das war nie eine gute Sache. „Du mieses, verabscheuenswertes, unausstehliches, kleines Frettchen!", schrie Hermine, während sie ihren Zauberstab zog und ihn auf Malfoy richtete. „Wie kannst du es wagen so etwas zu sagen!"

Harry legte schnell einen Arm um Hermine und hielt sie zurück. „Ich schlage vor du läufst, Malfoy.", sagte er ausgeglichen. Das musste Malfoy nicht zweimal gesagt werden und er eilte mit den übrigen Slytherins davon. Sobald sie weit genug weg waren, ließ Harry Hermine los und drehte sie herum, sodass sich die beiden ansahen. „Hermine, was ist passiert?", fragte er.

Hermine überreichte ihm eine Ausgabe des ‚Tagespropheten'. Harry faltete sie auseinander und sah die große Überschrift ‚DUMBLEDORES RIESEN FEHLER' mit einem Bild von Hagrid darunter. Es war ein Artikel von Rita Kimmkorn, in dem sie Hagrid schlecht machte, seine Geschichte und seine Unterrichtsmethoden. Sie behauptete sogar, Hagrid sei Halbriese, gefolgt von einer schrecklichen Beschreibung, wie Riesen waren. Harrys Augen weiteten sich, als er das Ende des Artikels erreichte und seinen Namen las.

Diese Reporterin fragt sich, was Albus Dumbledore versucht zu erreichen, indem er einen gefährlichen, unberechenbaren Halbblüter Kinder unterrichten lässt, zu denen auch der-Junge-der-lebt zählt. Quellen haben offenbart, dass Dumbledore, nach dieser schlimmen Nacht, vor so vielen Jahren der verantwortliche Zauberer für Harry Potters Schiksal war. Der Schulleiter von Hogwarts hatte den jungen Harry bei seiner misshandelnden Tante und Onkel gelassen, nur um ihn fortzuholen und ihm einem Ex-Sträfling und einem Werwolf zu übergeben. Wenn die Geschichte ein Anzeichen für die Entscheidungen von Albus Dumbledore ist, dann hat diese Reporterin keinen Zweifel daran, dass Harry Potter aus dem gefährlichen Haushalt geholt wird, ehe etwas Schlimmes geschieht.

Harry konnte sich nicht bewegen. Er konnte nicht mal atmen. Geholt? Nein, das war unmöglich. Sirius und Remus waren seine Vormünder. Sie behandelten ihn besser, als es je jemand getan hatte. Sie waren mehr seine Familie, als es die Dursleys je gewesen waren. Die beiden hatten so viel für ihn aufgegeben und noch mehr riskiert. Sirius hatte den Kuss des Dementors riskiert, weil er aus Askaban ausgebrochen war und Remus hatte seine eigene Freiheit riskiert, weil er Harry letztes Jahr geholfen hatte, die Wahrheit herauszufinden.

„Harry?", fragte Hermine sanft. „Geht es dir gut?"

Ihren Blick zu treffen war alles, was Harry tun musste, um sie wissen zu lassen, dass er weit entfernt von gut war. Er konnte das nicht glauben. Hagrid war zum Teil Riese. Na und? Hagrid war nicht im Entferntesten gefährlich. Der einzige Teil, den man für gefährlich erachten konnte, war seine Liebe für gefährliche Kreaturen. Es war genau wie bei Remus. „Jeder, der einen dieser Männer kannte, wusste, ohne zu zweifeln, dass sie nicht gefährlich waren.".

„Wir müssen heute Abend nach dem Unterricht nach Hagrid sehen.", sagte Harry leise, während er begann zum Schloss zu gehen. „Ich würde gern wissen, wie Rita Kimmkorn es herausgefunden hat. Wir kennen Hagrid seit Jahren und er hat uns nichts gesagt."

„Vielleicht ist es Hagrid rausgerutscht.", bot Hermine an, „Das ist ihm schon öfter passiert."

„Nicht so etwas.", sagte Harry. „Ich kann nicht glauben, dass sie mich da rein gezogen hat. Es ist nicht so, dass mich jemand gezwungen hat Hagrids Unterricht zu wählen oder mit Remus und Sirius leben zu wollen. Immer, wenn ich denke es kann nicht schlimmer werden, passiert so etwas."

Hermine sah ihn mitfühlend an. „Mach dir deswegen keine Sorgen, Harry.", sagte sie sanft. „Es wird in ein paar Tagen vorbei gehen."

Harry konnte nicht glauben, dass Hermine so passiv bei der Sache war. „Hermine, es wir nie vorbei gehen.", sagte er im Flüsterton. „Hast du eine Ahnung, wie Halbblüter in der magischen Welt behandelt werden? Weißt du wie kurz ich letztes Jahr davor stand zurück zu den Dursleys zu gehen, weil Remus mich nicht adoptieren konnte, wegen der dummen Tatsache, dass er ein Werwolf ist? Werwölfe und Riesen werden als Dunkel angesehen. Sie haben keine Rechte. Der einzige Grund, warum das Ministerium Remus in meinem Leben erlaubt, ist, um mich und Sirius zu verstummen. Wir hatten Glück, dass Sirius für unschuldig befunden wurde und ihm erlaubt wurde mein Vormund zu werden."

Hermine starrte Harry schockiert an, als sie die Stufen zur Eingangshalle hinaufstiegen. „A-aber das ist nicht fair!", rief sie und erntete einige Blicke für ihren Ausruf. Sie sah sich nervös um. Dann lehnte sie sich näher zu Harry. „Remus ist harmlos.", flüsterte Hermine. „Er würde dir nie wehtun, Harry. Alle können sehen, wie sehr er sich um dich sorgt."

„Ich weiß das.", sagte Harry, während er seinen Nacken rieb, „Hagrid würde auch niemandem wehtun … zumindest nicht mit Absicht. Wir müssen Hagrid nur glauben lassen, dass es uns nicht kümmert, aus was sein Blut besteht. Er war der erste Freund, den ich hatte und ich werde ihm nicht den Rücken zuwenden."

„Ich auch nicht.", sagte Hermine mit einem Lächeln.

Es war kurz nach dem Abendessen, als Harry und Hermine zu Hagrids Hütte eilten. Harry klopfte ein paar Mal, erhielt aber keine Antwort, außer Fangs Gebell. Besorgt, dass etwas geschehen war, zog Harry seinen Zauberstab und entriegelte die Tür. Er klopfte ein weiteres Mal, als er die Tür öffnete. Fangs Gebell wurde in dem Moment lauter, als Harry seinen Kopf hinein steckte. Wenigstens einer war froh ihn zu sehen.

Die Hütte war schwach beleuchtet, aber es war leicht Hagrid zu erkennen, der vorn übergebeugt, mit einer Flasche in der Hand, am Tisch saß. Harrys Augen weiteten sich bei dem Anblick. Das war nicht gut. Harry erinnerte sich, wie Onkel Vernon war, wenn er getrunken hatte und hoffte, dass Hagrid kein wütender Trinker war. „Hagrid?", fragte Harry nervös, „Hagrid, geht es dir gut?"

Hagrid sah zu Harry auf und sah sofort wieder weg. Harry betrat die Hütte und tätschelte sofort Fang, um ihn zu beruhigen. Hermine folgte Harry und schloss die Tür gleich hinter sich. Langsam machte Harry sich auf den Weg zu Hagrid und setzte sich ihm gegenüber hin. Fang ließ sich direkt neben Harry nieder und Hermine setzte sich auf den Stuhl zwischen Hagrid und Harry. Er konnte Tränen in Hagrids Augen sehen und zog vorsichtig die Flasche aus seiner Hand. Das letzte, was Hagrid brauchte, war noch mehr Alkohol.

„Was machste hier, Harry?", fragte Hagrid, während mehr Tränen fielen. „Haste nicht die Artikel gesehen?"

Harry zog den Artikel aus seiner Tasche und legte ihn auf den Tisch. „Du meinst diesen Müll?", fragte Harry, während er begann Fang zu streicheln. „Hagrid, ich lebe bei einem Werwolf. Warum denkst du, dass es mich jemals kümmert, wer deine Eltern sein könnten? Du bist mein Freund. Hast du eine Ahnung, was du für mich getan hast? Du hast mich dieser Welt vorgestellt. Du hast mich von all den Lügen, die mir die Dursleys all die Jahre erzählt haben, gerettet. Du und Remus sind zwei der besten Menschen, die ich kenne. Ich hätte lieber deine Gesellschaft, als die eines Reinblüters, wie Malfoy."

Hagrid sah zu Harry auf und lächelte. „Das meinste wirklich?", fragte er hoffnungsvoll.

Harry lächelte zurück. „Ich sage nicht, was ich nicht meine.", sagte er. „Es ist ein Fehler meiner Persönlichkeit. Sirius sagt, dass es der Grund ist, warum ich so ein schlechter Lügner bin.", Hagrid grunzte bei dem Kommentar. „Ehrlich gesagt, Hagrid, kümmert es mich nicht, was jemand sagt oder irgendein Reporter schreibt, um die Zeitung zu verkaufen. Du wirst immer mein Freund sein. Ich vertraue dir mein Leben an. Remus hat mir eine Menge erzählt, wie die magische Welt Werwölfe behandelt. Ich weiß, wie schwer es für dich werden wird, aber wir werden alles tun, was wir können, um dir zu helfen."

„Harry hat Recht, Hagrid.", fügte Hermine hinzu. „Du musst es nur sagen und wir tun, was wir können, um die schreckliche Kimmkorn Frau –"

„ – nein!", unterbrach Hagrid. „Ich kann es nicht gebrauchen, dass ihr zwei deswegen in Ärger geratet. Ich weiß net, wie sie es herausgefunden hat. Ich hab's nur Madam Maxime, am Abend des Weihnachtsballs, erzählt. Rita Kimmkorn war net mal aufem Gelände. Ich hätt' sie geseh'n. Ihr zwei meint's gut, aber ihr kennt Rita Kimmkorn net. Sie denkt sich irgendwat über euch aus. Dat braucht ihr net. Vor allem du net, Harry. Ich hab geseh'n, was sie über dich in dem Artikel geschrieben hat. Sie versucht Unruhe zu stiften, so wie se Sirius und Remus in Frage stellt. Mach dir keine Sorgen. Dein Pate is wahrscheinlich schon beim ‚Tagespropheten' und beschwert sich über den Artikel. Guter Mann, Sirius. Er liebt dich mehr als das Leben selbst."

Harry musste einfach lächeln. Das klang wie etwas, was Sirius tun würde. Er hoffte nur, dass es nicht mehr Probleme bereitete. „Hör zu Hagrid, wir zwingen dich nicht hier raus zu kommen.", sagte er, „Wenn du nicht bereit bist der Menge gegenüber zu treten, dann bist du nicht bereit. Wir können dich besuchen, aber du solltest dich nicht von jedem Kontakt abgrenzen und du solltest deine Sorgen nicht in einer Flasche –", er blickte auf das Etikett der Flasche, „- Feuerwhiskey ertränken."

Hagrid wischte die Tränen weg und nahm die Flasche von Harry. „Haste Recht.", gab er zu. „Es tut mir Leid, dat ihr zwei mich so seh'n musstet. Ihr habt wichtigeres zu tun, als hier rauszukommen. Arbeiteste noch an dem Rätsel, Harry?"

Harry nickte. „Ich hab's fast.", sagte er. „Ich muss nur noch ein paar Einzelheiten klären." Im Großen und Ganzen, war das die Wahrheit. Er hatte das Ei gelöst, aber nicht, wie er erreichen sollte, was das Ei von ihm wollte. Hagrid musste die Einzelheiten nicht wissen, vor allem nicht jetzt.

Hagrid lächelte. „Das ist großartig!", sagte er glücklich, seine Depressionen sofort vergessend. „Du warst unglaublich gegen den Drachen. Ich weß dat du es schaffst. Ich bin stolz auf dich, Harry. Ich weiß, dass deine Eltern es auch wären."

Harry und Hermine verabschiedeten sich. Sie versprachen jeden Abend zu Besuch zu kommen, ehe sie zurück zum Schloss eilten. Hagrids Freude häufte sich nur zu dem Druck den Harry spürte. Vor der ersten Aufgabe war er der Außenseiter. Jetzt erwarteten alle, dass er seinem ersten Platz gerecht wurde. Er wusste, dass er noch Zeit hatte und hoffte, dass er Antworten in Hogsmeade fand. Der nächste Besuch war für Mitte Januar geplant. Statt zu Zonkos und dem Honigtopf zu gehen, plante Harry in das Zaubertrankgeschäft und den Buchladen zu gehen. Hoffentlich hatte einer etwas, um ihm zu helfen.

Professor Raue-Pritsche unterrichtete Harrys Klasse für den Rest der Woche. Harry und Hermine hielten ihr Wort und besuchten ihn. Für gewöhnlich brachten sie ihrem Freund essen. Die meiste Zeit saßen Harry und Hermine an Hagrids Tisch und machten Hausaufgaben, während Hagrid aß. Laut Hagrid waren während der Woche einige Lehrer zu Besuch da, sogar Professor Dumbledore. Ihm schien es besser zu gehen, aber er zögerte noch der Schule ins Auge zu treten. Wenigstens trank er nicht mehr.

Als das Hogsmeade-Wochenende kam, hatten Harrys Nachforschungen nicht viel ergeben. Harry und Hermine gingen früh an dem Morgen, um den Massen auszuweichen und besuchten die Läden, die nur selten Schüler betraten. Um ihre Neugierde zu befriedigen, hatte Harry Hermine vom Tipp aus dem Ei erzählt und wie weit er mit möglichen Wegen war, um die Aufgabe zu lösen. Er konnte nicht anders, als zu lachen, wie eifrig Hermine war, um zu helfen, da nichts davon im Unterricht behandelt worden war.

Der Zaubertrankladen war ihr erster Halt an dem kalten und nassen Morgen. Harry und Hermine saßen auf dem Boden und durchforsteten Bücher nach allem, was helfen könnte. Nach dem dritten Buch war Harry sicher, dass er keine Lösung finden würde. Vielleicht gab es keinen Trank zu finden, was nur den Kopfblasenzauber übrig ließ. Harry blickte zu Hermine rüber und sah, dass auch sie bereit war aufzugeben.

Eine leise Stimme hinter ihnen ließ sie auffahren. „Gibt es etwas, womit ich euch helfen kann?", fragte eine Frau mittleren Alters. Ihr dunkelbraunes Haar war in einem Zopf, welcher ihre hohen Wangenknochen und nussbraunen Augen betonte. Sie trug einen skeptischen Ausdruck. Sie sah so aus, als wäre sie bereit sie rauszuschmeißen, nur weil sie dort waren.

„Wir haben gehofft einen Trank zu finden, der einen für längere Zeit unter Wasser atmen lässt.", sagte Harry nervös. „Keines der Bücher in der Hogwarts-Bibliothek war hilfreich –."

„- das ist, weil es ein schwierig zu brauender Trank ist.", unterbrach die Angestellte. „Ich bin sicher, wenn ihr euren Zaubertranklehrer fragt –."

„- das darf ich nicht, Ma'am.", unterbrach Harry. Er wusste, dass er es bereuen würde, in dem Moment, indem die Worte seinen Mund verlassen hatten, aber es war der einzige Weg, um die Verkäuferin dazu zu bringen, ihm zu glauben. „Ich darf keinen Lehrer um Hilfe für das Turnier bitten."

Die Augen der Verkäuferin starrten sofort auf Harrys Stirn und sie keuchte schockiert. „Harry Potter!", rief sie. „Es tut mir so leid! Wir haben so selten Jugendliche hier. Noch seltener den Jungen-der-lebt!", sie half Harry und Hermine schnell auf die Beine. „Ich weiß genau das richtige für sie, Mr. Potter!"

Die zwei Teenager beobachteten, in überraschter Stille, wie die Verkäuferin zu den Zaubertrankzutaten rüber eilte. Wenn sie gewusst hätten, dass sie diese Reaktion bekamen, hätten sie viel früher um Hilfe gefragt. „Nun.", sagte Hermine, als sie zu Harry blickte, „Am nächsten Ort verkünden wir gleich, wer du bist, wenn wir eintreten. Das macht die Sache viel einfacher."

Harry sah Hermine wütend an. „Denk nicht mal daran.", warnte er. „Es war die einzige Möglichkeit, um sie loszuwerden."

Die Verkäuferin kam mit einer, mit durchsichtiger Flüssigkeit gefüllten, Flasche, die etwas wie schleimige, grau-grüne Rattenschwänze zu konservieren schien, zurück geeilt. „Dies ist Diantuskraut, Mr. Potter.", sagte die Verkäuferin mit einem Lächeln. „Sie müssen es essen und können dann unter Wasser atmen. Es ist verlässlicher, als jeder Zauber oder Trank und außerdem viel einfacher."

Harry konnte nicht anders, als den Ball in der Flasche hoffnungsvoll anzusehen. Er hatte nicht mal daran gedacht, dass es eine Substanz gab, die genau das tat, was er wollte. „Ernsthaft?", fragte Harry. „Alles was ich tun muss, ist es zu essen?", er lächelte, als die Verkäuferin nickte. „Ich nehme es!"

Mit dem neu erworbenen Diantuskraut folgte Harry Hermine aus dem Geschäft. Er fühlte, dass ein großes Gewicht von seinen Schultern abfiel. Nun musste er nur noch schwimmen lernen. Er kannte die Theorie, aber das war alles. Die Dursleys hatten ihm keinen Unterricht gegönnt und das Letzte, was er tun wollte, war es, Mitte Januar im See zu üben.

Nun, da sie viel Zeit zu vergeuden hatten, nahmen sich Harry und Hermine Zeit, um durch Hogsmeade zu streifen. Sie entschieden eine Rast in den Drei Besen zu machen, bestellten sich Butterbier und entspannten. Um ehrlich zu sein, waren Harry und Hermine erschöpft. Sie hatten ihr Bestes gegeben, um ihre Hausaufgaben fertigzustellen und Hagrid Gesellschaft zu leisten. Harry war ein wenig verbittert, dass sie die einzigen beiden Schüler waren, die Hagrid unterstützten. Nicht einmal Ron war zu Besuch gekommen.

Das war wahrscheinlich der letzte Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte. Seit Ron seine Eifersucht ausgesprochen hatte, hatte er sich total verwandelt. Er sprach nicht mehr mit seinen Geschwistern, er ignorierte Hermine und sah Harry noch nicht einmal an. Wie konnten die Dinge so schief laufen? „Hermine, hast du was von Ron gehört?", fragte Harry leise.

Hermine war plötzlich angespannt. „Genau genommen habe ich das.", gab sie zu. „Ich habe letztens mit Parvati und Lavender gesprochen, als das Gespräch auf Ron kam. Ich schätze Ron will mit uns reden, hat aber Angst, dass wir noch sauer sind wegen dem, was er gesagt hat. Ich habe mit Ron darüber gesprochen, als du in der Bibliothek warst und er streitet ab so etwas jemals gesagt zu haben. Ich habe ihm gesagt, dass wir nicht mehr wütend sind und dass wir ihn vermissen, aber er müsste aufhören ein Trottel zu sein und sich bei dir entschuldigen."

Harry schloss die Augen und senkte den Kopf. „Ich hatte nie vorgehabt dich da mit rein zu ziehen, Hermine.", sagte er leise, „Ich hasse es, dass sich Rons Geschwister gegen ihn gewendet haben. Wenn ich an seiner Stelle wäre, wüsste ich nicht, was ich täte."

„Äh – guck nicht hin, aber Rita Kimmkorn ist gerade mit ihrem Fotografen gekommen.", sagte Hermine, als sie lässig versuchte ihr Gesicht hinter ihrer rechten Hand zu verstecken. „Wir sollten gehen, bevor ich etwas tue, das ich später bereue."

Harry blickte über seine Schulter und sah, wie Rita Kimmkorn in gelben Roben zur Bar ging, um Getränke zu bestellen, gefolgt von ihrem Fotografen. In dem Moment, in dem sie den Tresen erreichte, nahm Harry das als Signal und deutete Hermine an, dass es Zeit war, zu gehen. So leise wie möglich manövrierten Harry und Hermine um die Tische zur Tür. Sie waren jedoch nicht schnell genug.

„Harry!", rief Rita Kimmkorn aufgeregt, als Harry die Tür öffnete, um zu gehen.

„Geh weiter.", murmelte Hermine hinter ihm und Harry tat genau das. Er öffnete die Tür und trat hinaus. Dicht gefolgt von Hermine. Plötzlich war Hogsmeade der letzte Ort, an dem Harry sein wollte. Seine gute Laune der zweiten Aufgabe näher gekommen zu sein, war verschwunden. Es war erstaunlich, wie eine Person so einen Wechsel bewerkstelligen konnte und Rita Kimmkorn war auf jeden Fall dazu fähig.

„Harry!", rief Rita Kimmkorn nochmal, als sie Harry und Hermine hinterhereilte. Federkiel und Pergament bereits in der Hand. „Wie steht's mit einen Interview? Nur ein schnelles. Die Öffentlichkeit möchte nur wissen, wie es ist, mit Sirius Black und einem Werwolf zu leben. Behandeln sie dich gut? Warst du jemals dabei, wenn Mr. Lupin sich verwandelt hat?"

„Kein Kommentar.", sagte Harry angespannt, während er weiter ging. Harry wollte nichts tun, was Rita Kimmkorn Munition für einen weiteren Artikel gab. Er hatte es nicht nötig, dass sie Remus und Sirius als unfähige Vormünder darstellte, was es war, worauf sie wahrscheinlich aus war. Wie konnte sie nur glauben, dass Harry etwas sagte, nachdem was sie Hagrid angetan hatte.

Harry ging mit Hermine weiter, entschlossen kein weiteres Wort zu sagen. In dem Moment, als sie das Tor zu Hogwarts erreichten, hörte Rita auf ihnen zu folgen. Sie hörten nicht auf zu gehen, bis sie die Stufen zum Schloss erreichten. Erst dann seufzten Harry und Hermine erleichtert auf. Für den Moment waren sie Rita Kimmkorn entkommen, aber das hieß nicht, dass sie es nicht wieder versuchte. Harry wusste, dass Rita Kimmkorn nicht aufhören würde, bis sie ihren Artikel hatte. Egal, was sie dafür tun musste. Sie schien ihn nicht in Ruhe lassen zu können.