"Rosa Roben?", murmelte Heini.
Hauruck hüstelte. "Würde ziemlich dumm aussehen, oder?"
"Klar", sagte Heini.
"Was für einen Gefallen?", wollte Gudmiene misstrauisch wissen.
"Jemand muss einmal am Tag meine Halbbrüder füttern. Das könnt Ihr doch tun, oder?" Hauruck sah sie mit großen schwarzen Knopfaugen bittend an. "Sonst fange ich an zu weinen."
"Huah, bloß nicht", entfuhr es Heini abwehrend. Er hatte nämlich keinen Schirm dabei und Tränen eines Halbriesen waren riesig oder genauer gesagt eigentlich nur halbriesig, was aber immer noch groß genug war.
"Prima, ich wusstet, Ihr sagt nicht Nein", strahlte Hauruck. "Jeden Tag eine Dose Katzenfutter für alle genügt vollkommen. Steht alles in meiner Hütte."
"Und wer übernimmt in Deiner Abwesenheit den Unterricht?", wollte Gudmiene wissen, bevor sich Hauruck aus dem Staub machen konnte.
"Ich kenne da einen zuverlässigen Esel", begann Hauruck.
"Unterrichtet schon Wahrsagerei", unterbrach Gudmiene ihn.
"Hm." Hauruck schien nachzudenken. "Wie wäre es mit einem alten Drachen?"
"Drache?", erkundigte sich Ronny vorsichtig. "Diese Feuer speienden Schuppentiere? Hausgroß, instinkt gesteuert und mit extremem Appetit auf kleine Kinder?"
"Ich glaube nicht, dass meine Großmutter Feuer speit", sagte Hauruck reserviert. "Aber ich kann sie fragen. So long." Und mit großen Schritten verließ er die Halle, wo er um ein Haar Friedrich und Schorsch über den Haufen gerannt hätten, die gerade herein kamen.
Die beiden Wiesel-Zwillinge trugen weiße Kleidung und hatten jeder eine Schürze umgebunden. Auf dem Kopf trugen sie Kochmützen.
"Wir machen uns auch aus dem Staub", sagte Friedrich, als er an den Tisch kam.
"Was?", wollte Ronny wissen. "Aber wieso? Rosa Roben?"
"Nein, allgemeine Aufbruchsstimmung", sagte Schorsch.
"Außerdem haben wir das Gefühl, dass die Handlung immer durchgedrehter wird", fügte Friedrich hinzu. "Mal ehrlich. Glaubt Ihr, dass sich die Heini Tupper Bücher bei diesem Niveau noch lange genug gut verkaufen?"
"Und wir", fügte Schorsch schnell hinzu, bevor jemand einen Einwand machen konnte, "sind nur Randfiguren. Höchste Zeit, dass wir uns ein anständiges Standbein suchen."
"Bäcker?", wollte Gudmiene wissen.
"Kennst Du Zauberer, die Bäcker sind?", wollte Friedrich von ihr wissen.
"Nein", gestand Gudmiene.
"Siehst Du: eine Marktlücke", grinste Schorsch. "Außerdem meinte der Berufsberater, dass Bäcker gut zu uns passen würde."
"Und ich habe mich schon gefragt, warum die Sache mit der Himbeertorte erwähnt wurde", murmelte Gudmiene.
"Was für eine Berufsberatung?", wollte Heini wissen.
"Oh, letzte Woche war der Berufsberater da", sagte Ronny. "Wir hatten alle Termine."
"Ich hatte keinen Termin", sagte Heini entrüstet.
"Vermutlich geht man davon aus, dass Du den letzten Band nicht überleben wirst", sagte Gudmiene gedankenverloren.
"WAS?", wollte Heini wissen. "DAS IST JA WOHL DIE ABSOLUTE UNVERschämtheit...Meinst Du, sie haben Recht?", fügte er in sich zusammengesunken hinzu.
Gudmiene zuckte mit den Schultern. "Eigentlich ist es unhöflich, die Hauptperson in einem Jugendbuch sterben zu lassen. Aber ich stimme Friedrich in einem zu: Die Handlung wird immer durchgedrehter. Möglich ist alles."
"Danke, das baut mich jetzt auf", murmelte Heini.
"Ehm, Heini", begann Friedrich auf einen eindringlichen Blick von Schorsch.
"Hm?"
"Da wäre allerdings noch ein klitzekleines Problem bei der Sache mit der Bäckerei."
"Ja?"
"Wir haben kein Geld. Und um eine Bäckerei aufzumachen, benötigt man ein gewisses Startkapital." Friedrich hüstelte verlegen.
"Ja?", erkundigte Heini sich und richtete sich dann abrupt auf. "Ihr wollt mich anpumpen?"
"Naja, Du hast doch genug Geld", sagte Friedrich.
"Und wenn Du den siebten Band ohnehin nicht überlebst, brauchst Du es doch auch nicht", fügte Schorsch hinzu.
"Sehr mitfühlend, danke", knurrte Heini. "Und wenn ich ihn doch überlebe?"
"Hm...All-you-can-eat auf Lebenszeit? Umsonst?", schlug Schorsch vor.
"Dann hast Du im schlimmsten Fall immer noch zwei Jahre lang Schokohörnchen, Quarkstrudel und Kuchen umsonst", lockte Friedrich.
Heini dachte an die Schwarzwälder Kirsch im Saumagen. "Okay, aber auch auf Bestellung in die Schule und für meine Freunde auch."
"Super", freute sich Ronny.
"Na gut", sagte Schorsch. "Aber nur für Deine Freunde."
"Denkst Du, ich verköstige kostenlos die Schließmicheins?", wollte Heini empört wissen.
"Nein, wohl eher nicht. Hier ist unsere Kontonummer", reichte Friedrich Heini eine Karte. "Machts gut und danke für den Fisch."
"Fisch?", grübelte Heini.
Doch die Zwillinge zwinkerten ihm nur zu, winkten in die Runde und verließen dann die Halle.
"Puh", lehnte sich Heini zurück. "War es das dann erst mal?"
Gudmiene dachte kurz nach. "Ja, ich denke, das Kapitel ist lang genug. Gehen wir rauf zum Schlafen. Noch mehr so Tage und ich fordere mehr Gage."
