14. Kapitel

Als Rose und der Doktor am nächsten Morgen zum Frühstück gingen, wartete Mr. Morris bereits an ihrem Tisch auf sie. Seine Stirn war jedoch in tiefe Falten gelegt und seine Augen waren von dunklen Augenringen gezeichnet.

„Ah, Mr. Morris. Ich würde ja jetzt fragen, ob sie gut geschlafen haben. Aber ich glaube die Frage erübrigt sich", begrüßte der Doktor den Rothaarigen mit einem schiefen Lächeln und fuhr sich durch die Haare. Dann setzte er sich auf den Stuhl gegenüber dem ihres Bekannten und Rose setzte sich neben ihn.

Der Andere nickte. „Kaffee?" fragte er und winkte ohne ihre Antwort abzuwartendem Kellner. Keine zwei Minuten später hatten die drei ihre Bestellungen aufgegeben.

„Und? Haben Sie schon etwas herausgefunden, Doktor? Ich muss gestehen, ich habe die ganze Nacht kein Auge geschlossen. Diese Stimmen! Sie lassen mir einfach keine Ruhe…" Der Mann blickte sich hastig unter den Fahrgästen um, bevor sein Blick wieder gehetzt in ihre Richtung schweifte. „Ich bin so froh, dass Sie beide mir glauben. Ich wüsste ehrlich nicht, was ich sonst tun würde…"

Nun, er würde sich vermutlich hemmungslos betrinken, ging es Rose durch den Kopf und sie erinnerte sich an ihre Visionen. „Natürlich glauben wir Ihnen", versicherte Rose und lächelte ihm aufmuntern zu.

„Und ob wir das tun", bekräftigte der Doktor gut gelaunt. „Aber sagen Sie, Mr. Morris: Was halten Sie davon, wenn wir heute einen kleinen Ausflug machen?" fragte der Doktor und schenkte ihm ein spitzbübisches Lächeln. „Eins haben nämlich die meisten körperlosen Stimmen gemeinsam – nämlich, dass sie einen Körper haben. Und ich bin fest entschlossen, ihn heute zu finden."

„Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstehe, Doktor", meinte Mr. Morris in ungläubigen Tonfall, während er die Tür zu seiner Privaten Kabine hinter Rose und dem Doktor schloss. Es war ein kleiner Raum mit einem Doppelstockbett sowie einem Holztisch und zwei Stühlen darin, doch man konnte dennoch auf einen Blick erkennen, dass auch bei der Einrichtung dieses Zimmers keine Kosten und Mühen gescheut worden waren. „Sie wollen mich also als eine Art Wünschelrute benutzen, um den Ursprung dieser Stimmen zu finden?"

Der Doktor fuhr sich etwas verlegen durch's Haar. „Nun, da wir selbst die Stimmen leider nicht hören können… ja, genau das habe ich vor. Ich halte das übrigens für einen guten Plan. Ich nehme an, dass die Stimmen in ihrem Kopf lauter werden, wenn wir uns ihrem Ursprung nähern. Immerhin sagen Sie, dass sie außerhalb des Schiffes keine Stimmen gehört haben und dass sie immer lauter wurden, je tiefer sie ins Schiff gelangten."

Ihr Gastgeber nickte unglücklich.

„Nun, das legt also nahe, dass wir noch tiefer ins Schiff müssen, wenn wir den Ursprung der Stimmen finden wollen. Und das wollen Sie doch, nicht wahr Mr. Morris?"

Dieser nickte. „Selbstverständlich ist es so, dass ich wissen will, wo sie herkommen. Immerhin wäre das der Beweis, dass ich nicht verrückt bin."

Mit diesen Worten rieb sich der Doktor die Hände und zückte seinen Schallschrauber. „Also dann, worauf warten wir noch? Alonsy!"

Mr. Morris wirkte immer noch unglücklich, doch er nickte und begleitete Rose und den Doktor schicksalsergeben zur Tür. Der Doktor führte sie zielstrebig den Gang zwischen den Kabinen der Passagiere entlang bis zu einer unauffälligen Tür am Ende des Ganges. Nach einem unauffälligen Blick zu beiden Seiten, der bestätigte, dass sie allein waren ließ der Doktor kurz das rote Licht seines Schallschraubers aufleuchten und öffnete schon einen Augenblick später wie selbstverständlich die Tür vor ihnen. Nach einem kurzen Blick hinter sich schickte Rose ihren rothaarigen Begleiter nach dem Doktor und vor sich durch die Tür, bevor sie selbst hindurchtrat und diese mit ihrem eigenen Schallschraubenzieher schnell wieder versiegelte. Zwei Dinge musste sie schmunzelnd eingestehen: Erstens - sie und der Doktor waren ein verdammt gutes Team. Und zweitens – es machte ihr riesigen Spaß wieder mit dem Doktor auf Abenteuern unterwegs zu sein! Seit Jahren hatte sie sich nicht mehr so lebendig gefühlt!

„Wenn ich mich nicht irre, muss es hier irgendwo eine Treppe nach oben geben, die uns direkt in den Bauch des Zeppelins führt", hörte sie die Stimme des Doktors begleitet vom unverkennbaren Surren seines Lieblingsspielzeugs. „Hier entlang!"

Rose nickte und hakte sich bei ihrem Begleiter ein. Dieser versteifte sich zuerst einen kurzen Moment lang, doch nachdem Rose ihm aufmunternd zulächelte, entspannte er sich wieder. „Kommen Sie, Mr. Morris. Was auch immer uns im Bauch des Schiffes erwartet, sie können sicher sein, dass der Doktor damit fertig wird. Ist nicht das erste Mal, dass wir sowas machen." Mit diesen Worten zog sie sanft an seinem Arm und der Mann setzte sich schließlich in Bewegung.

Tatsächlich fanden sie schon nach wenigen Minuten eine schmale Metallgittertreppe, welche nach oben führte und in einer unscheinbaren Luke in der Decke endete. Ohne sich nach hinten umzublicken, eilte der Doktor die Stufen nach oben, öffnete die Luke und zog sich durch sie nach oben. Rose wollte ihm folgen, doch spürte sie deutlich die Unschlüssigkeit ihres Gastes.

„Sie müssen da nicht hoch, wenn sie nicht wollen", versuchte sie ihn zu beruhigen, als sie sah, wie er begann sich mit zittrigen Fingern den Schweiß von der Stirn zu wischen.

„Sie verstehen nicht… die Stimmen. Sie drohen mir! Sie sagen… dass ich diesen Ort umgehend verlassen soll…", stammelte er und blickte nervös nach oben. Rose folgte nachdenklich seinem Blick. Da tauchte das Gesicht des Doktors über ihnen in der Luke auf.

„Worauf wartet ihr?" fragte er gut gelaunt und mit vor Abenteuerlust funkelnden Augen. „Es ist völlig ungefährlich hier oben, wenn man kein Problem damit hat schmale Metallstege entlangzulaufen. Sie haben doch keine Höhenangst, oder Mr. Morris?"

„Die Stimmen drohen ihm", erklärte Rose mit gerunzelter Stirn.

„Nun, das ist doch großartig. Das heißt, dass wir der Sache näher kommen!" rief der Doktor begeistert. Rose musste schmunzeln, empfand sie doch die innerlich die gleiche Euphorie, die der Doktor zur Schau trug. Wie es schien waren sie kurz davor, das Geheimnis des Absturzes der Hindenburg zu ergründen!

„Na dann, nach Ihnen, Mr. Morris. Und keine Sorge, ich bin direkt hinter Ihnen." Der Angesprochene nickte, straffte die Schultern und kletterte beherzt die schmale Treppe nach oben. Rose hielt Wort und folgte ihm nach einem letzten Blick über ihre Schulter in den leeren Gang.

Tatsächlich mündete die Luke auf einem schmalen Metallgittersteg, neben dem sich zu beiden Seiten riesige aufgeblasene Kissen befanden.

„Sind das die Luftkissen, mit deren Hilfe das Zeppelin fliegt?" fragte Rose neugierig in Richtung des Doktors.

„Ja. Zu dieser Zeit sind sie mit Wasserstoff gefüllt. Einerseits verständlich, denn es ist das leichteste Gas. Andererseits reicht bereits ein winziger Funke und…" Der Doktor machte mit den Händen eine auffächernde Geste. „Bum!"

Rose nickte und ließ den Blick ehrfürchtig über die Wasserstoffkissen gleiten. Sie waren prall gefüllt und doch wogten sie beständig ein wenig hin und her, während das Wummern der Maschinen laut und eintönig durch den Raum hallte. Gleichzeitig schwankte der Steg auf dem sie standen leicht hin und her und von den riesigen Metallringen, welche die riesige Plane des Zeppelins in Form hielten ging in regelmäßigen Abständen ein unheimliches Ächzen aus. Sehr vertrauenswürdig.

Dann jedoch blieb ihr Blick an einem Häufchen am Boden vor ihr haften und nach einem Augenblick erkannte sie, dass es ihr Begleiter war, welcher sich dort zusammengerollt und mit beiden Armen seinen Kopf umklammert hatte.

„Mr. Morris!" Besorgt stürzte Rose auf ihn zu und kniete sich neben ihn auf den schmalen Steg. „Was ist mit Ihnen?"

„Ah, die Stimmen. Sie schreien mich an! O Gott, sie sind überall in meinem Kopf. Ah… machen Sie, dass es aufhört!"

Jetzt war auch der Doktor neben ihr. „Gleich. Einen Moment noch. Können Sie mir sagen, wo genau die Stimmen herkommen?" Der Angesprochene blickte sich zunächst hilflos zu allen Seiten um und deutete dann nach kurzem Zögern auf eines der Luftkissen.

„Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen, dass sie da drin sind. Aber das ist unmöglich! Arrrgh, aber die Stimmen sind so laut. Wieso sehe ich sie dann nicht?" Wieder umklammerte der Rothaarige seinen Kopf und wiegte mit dem Oberkörper auf dem Boden hin und her. Unterdessen hatte der Doktor begonnen, mit dem Schallschrauber die Luftkissen zu scannen.

„Doktor!" rief Rose und stieß ihn an. „Hilf ihm!"

Sofort ließ der Doktor den Schallschrauber sinken und legte stattdessen seine Hände auf die Schläfen des Mannes. Dann schloss er für einen Moment die Augen und schon im nächsten Moment sah Rose, wie sich der Körper des am Boden liegenden entspannte. Sie atmete erleichtert aus.

„Ich habe seinen Geist in den Ruhezustand versetzt. Die gute Nachricht ist, dass er die Stimmen vorerst nicht mehr hören kann. Die schlechte Nachricht ist, dass er jetzt erstmal in Ohnmacht gefallen ist. Wir werden ihn also auf dem Rückweg tragen müssen."

Rose stöhnte auf. „Diese schmale Treppe runter? Na prima. Hättest du ihn nicht bei Bewusstsein lassen können?"

Der Doktor lächelte verlegen. „Möglich. Aber dann hätten wir uns nicht in Ruhe umsehen können."

Rose lachte und schlug ihm spielerisch auf die Schulter. „Du bist unmöglich!"

„Meine Güte! Dieser Kerl wiegt mindestens eine Tonne!" stöhnte Rose, während die Mr. Morris an den Füßen durch den Gang zurück in Richtung der Passagierkabinen schleppte. Der Doktor hatte ihn unter den Achseln gepackt und ging rückwärts vor ihr her. Doch seine Miene verriet, dass er viel zu tief in Gedanken versunken war, um ihren letzten Kommentar registriert zu haben. Schweigend öffnete er mit dem Ellbogen die Tür, welche sie wieder zum öffentlichen Teil des Luftschiffes führte und Rose folgte ihm, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.

„Das ist doch Mr. Morris! Was ist passiert?" rief plötzlich eine Stimme hinter ihnen, als sie gerade dabei waren, ihren ohnmächtigen Begleiter zurück in seine Kabine zu tragen. Rose warf einen Blick zurück über ihre Schulter und sah den Mann, der laut ihrer Visionen eigentlich gar nicht hätte an Bord sein dürfen. Sie lächelte ihm unschuldig zu.

„Ah, wir kennen uns doch", begann Sie und legte die Füße des Getragenen auf der unteren Liege des Doppelstockbetts ab. „Wie war noch gleich Ihr Name?"

Ihr Gegenüber lächelte verlegen. „Ja richtig. Ich habe mich Ihnen gar nicht vorgestellt. Wie unhöflich von mir. Mein Name ist Dr. Linus Freudt. Ich bin Arzt", stellte der Mann sich vor und verbeugte sich knapp vor ihr. Rose nickte ihm lächelnd zu. „Also? Was ist mit ihm?"

Sie zuckte gespielt ahnungslos mit den Schultern. „Kann ich nicht sagen. Mein … Begleiter und ich haben ihn am Ende des Ganges gefunden. Er scheint bewusstlos zu sein. Vielleicht zu viel Alkohol?"

„Um diese Uhrzeit?" mischte sich der Doktor mit zweifelndem Tonfall ein. „Unwahrscheinlich. Was meinen Sie, Doktor?" fragte er und Rose entging nicht das beinah unsichtbare Lächeln, was seine Lippen dabei umspielte. Dann trat er beiseite und überließ dem Neuankömmling, welcher eifrig näher trat, seinen Patienten.

„Nun, erst einmal sehe ich keine Anzeichen für äußere Gewalteinwirkung. Das ist zumindest beruhigend", erklärte Dr. Freudt, während er den Rotschopf unter die Lupe nahm. „Sein Puls ist kräftig und regelmäßig und die Atmung unauffällig. Wenn ich es nicht besser wüsste würde ich sagen, der gute Mann ist einfach eingeschlafen."

Rose zuckte unbekümmert mit den Schultern. „Vielleicht ist er das? Beim Frühstück meinte er noch, dass er die ganze Nacht kein Auge zugetan hat."

Der Arzt zuckte die Schultern. „Wie auch immer. Vielleicht ist es besser, wenn sie mich vorerst mit meinem Patienten allein lassen. Ich werde bei ihm bleiben. Und es gibt keinen Grund, weshalb sie sich nicht wieder amüsieren gehen können." Er machte eine wegwerfende Handbewegung. Rose wollte schon fast beleidigt sein, doch dann traf sie den Blick des Doktors und lächelte unbefangen.

„Nun, wenn Sie das sagen, Doktor. Dann überlasse ich den guten Mr. Morris ganz Ihnen."

Rose lümmelte auf der elegant gepolsterten Bank im hinteren Teil der Pianobar und nippte halbherzig an einer Tasse Tee, während der Doktor ihr gegenüber eifrig an einem selbstgebastelten Gerät herumschraubte. Sie betrachtete den kleinen Kasten mit amüsierter Faszination. Für einen Laien wie sie sah es aus, als hätte der Doktor den Hörer eines alten Telefons mit seinem spiralförmigen Kabel an einen kleinen Kasten mit Kippschalter angeschlossen, an dem etliche bunte Lämpchen blinkten. Nun schraubte der Doktor gerade an etwas herum, was wie eine kleine, drehbare Satellitenschüssel aussah und aus dem anderen Ende des Kastens ragte.

„Was genau wird das eigentlich, Doktor?" fragte Rose und musterte die Konstruktion mit amüsierter Faszination.

„Dieses schlaue Gerät ermöglicht es mir hoffentlich, dass ich die geheimnisvollen Stimmen bald auch selber hören kann. Dank unseres rothaarigen Spürhundes wissen wir ja nun, dass sich der eigentliche blinde Passagier dieses Luftschiffes irgendwo bei den Gastanks aufhalten muss", erklärte ihr Begleiter während er seinen Schallschrauber an der Basis des Mini-Satellitenschüssel aufleuchten ließ. „Dort konnte ich vorhin auf jeden Fall eindeutige telepathische Signale mit dem Schallschrauber nachweisen. Aber die Frage ist doch: Wenn es ein telepathisches Wesen ist: Warum hört der Rotschopf es und ich nicht?"

Rose wusste keine Antwort. „Vielleicht will das Wesen irgendetwas von Mr. Morris?" riet sie und nahm einen weiteren Schluck aus ihrer Tasse. In diesem Moment betraten besagter Fahrgast und der Arzt den Raum. Mr. Morris wirkte definitiv ausgeschlafener als noch heute Morgen, war aber dafür ein wenig wackelig auf den Beinen, weswegen er von seinem Begleiter am Arm geführt wurde. Beide gingen langsam zu einem Tisch am anderen Ende der Bar und setzten sich, bevor sie sich ernst miteinander zu unterhalten begannen.

„Möglich", gab der Doktor mit nachdenklicher Stimme zu. „So oder so, solange dieser telepathische Schwellenüberbrücker nicht fertig ist, werden wir nichts weiter herausfinden können." Er seufzte und wandte sich wieder seiner Arbeit zu.

„Wenn's dir nichts ausmacht, versuche ich es trotzdem mal", entgegnete Rose und erhob sich von ihrem Platz. Der Doktor nickte nur abwesend und so sah sie da als Bestätigung an. Freundlich lächelnd streifte sie auf ihre beiden Bekannten zu und ließ sich wie selbstverständlich bei ihnen am Tisch nieder.

„Hallo nochmal!" begrüßte sie die beiden und wandte ihren Blick neugierig Mr. Morris zu. „Ich hoffe es geht ihnen besser?"

Dieser machte eine unbestimmte Geste mit dem Kopf und blickte dann unschlüssig in Richtung des Arztes.

„Es sieht ganz so aus, als hätte Mr. Morris eine Art seelisches Trauma erlitten", antwortete dieser Rose stattdessen. „Genaueres kann ich Ihnen selbstverständlich nicht verraten. Das unterliegt der ärztlichen Schweigepflicht. Das verstehen Sie doch sicher…"

Rose lächelte zuckersüß und sah aus dem Augenwinkel, wie sich der Doktor mit seinem wild blinkenden Schwellenüberbrücker vom Platz erhob und begann in ihre Richtung zu laufen. Dabei war sein Blick jedoch konzentriert auf das Gerät in seinen Händen gerichtet. „Ja klar", antwortete sie und winkte ab. „Wer will schon, dass sein Arzt seine Krankheitsgeschichte ausplaudert?" Sie lachte, wurde dann jedoch schlagartig wieder ernst und senkte verschwörerisch die Stimme. „Trotzdem geht auf diesem Schiff etwas Seltsames vor, haben sie das bemerkt?" flüsterte sie und in diesem Moment ertönten hinter ihr ein glockenhelles „Pling" sowie das aufgeregte Murmeln des Doktors. Sie grinste. „Ich kann natürlich nichts Genaues sagen – sie verstehen schon – aber mein Begleiter und ich sind da auf einer ganz heißen Fährte." Ein weiteres „Pling" ertönte dieses Mal genau hinter dem Rücken des rothaarigen Mannes. Der Arzt wandte sich irritiert in Richtung des Doktors um.

„Was zum…" begann er, doch wurde sofort vom Doktor unterbrochen.

„Das ist sehr eigenartig, wirklich sehr eigenartig", murmelte dieser und hielt das Gerät direkt zwischen die Augen seines Untersuchungsobjektes. „Haben Sie heute Eier gegessen?" Mr. Morris schüttelte auf die Mini-Satellitenschüssel schielend den Kopf.

„Hm, sehr seltsam", murmelte der Doktor und bewegte den Kippschalter schnell zweimal hin und her. „Omelette vielleicht? Nein?" In diesem Moment gab die Maschine ein weiteres „Pling" von sich und der Doktor hielt sie triumphierend in die Höhe. „Aha!" rief er und wandte sich dann in Richtung des Arztes. „Sie hatten heute Eier!" sagte er und deutete auf den Finger mit dem Finger auf den verwirrten Mann.

„Nun, ja das hatte ich. Aber ich wüsste nicht, was das zur Sache tut." entgegnete dieser und blickte zwischen Rose und dem Doktor hin und her. Letzterer winkte mit einem siegessicheren Grinsen ab. „Eigentlich gar nichts. Sie haben wahrscheinlich längst gemerkt, dass der gute Mr. Morris" er klopfte besagtem Mann auf die Schulter „völlig gesund ist. Überdurchschnittliche telepathische Begabung. Unter normalen Umständen sehr praktisch aber in dieser Zeit…" Der Doktor verzog das Gesicht zu einem gequälten Gesichtsausdruck. „…glaubt jeder man ist verrückt und liefert einen eher in die Klapse ein als irgendetwas in der Richtung zu vermuten." Daraufhin wanderte sein Blick zu Rose. „Wie auch immer, wir wollen ihre faszinierende Unterhaltung nicht länger stören. Rose?"

Diese erhob sich hastig von ihrem Platz, hakte sich beim Doktor ein und schenkte den verwirrt dreinblickenden Herren ein zuckersüßes Lächeln. Dann wandten sie und der Doktor sich um und verließen eiligen Schrittes die Bar. Sie konnte es spüren. Die Jagd hatte begonnen!

Wie Rose erwartet hatte, führte der Doktor sie nach oben in den Bauch des Luftschiffes, wo sie sich binnen weniger Minuten wieder auf dem schmalen Steg zwischen den Gaskissen wiederfand. Dort schritt der Doktor mit einem wild blinkenden Schwellenüberbrücker, dessen Satellitenschüssel wie wild rotierte, auf und ab, während er sich den Telefonhörer des Gerätes dicht ans Ohr presste. Dabei betätigte er immer wieder in unterschiedlicher Frequenz den Kippschalter und schritt von Gaszelle zu Gaszelle.

„Interessant. Die Signale kommen gleichzeitig aus allen Gaszellen. Bisher hatte ich angenommen, dass es sich um ein telepathisches Wesen handelt. Aber es könnten genauso gut hunderte sein." Der Doktor kratzte sich am Kopf. „Aber was seid ihr?"

Rose stellte sich dieselbe Frage, sprach sie jedoch nicht laut aus. Stattdessen murmelte sie: „Scheint jedenfalls nicht gerade der luxuriöseste Lebensraum zu sein, so ein kleines Gaskissen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie freiwillig hier sind – wer auch immer sie sind."

Bei diesem Satz hielt der Doktor inne. „Ja natürlich!" Er schlug sich mit der flachen Hand vor die Stirn. „Ich bin so ein Idiot! Rose, du bist brillant!" Er macht hastig zwei Schritte auf die zu, packte sie an den Schultern und küsste sie stürmisch auf die Stirn. Dann drängte er sich an ihr vorbei in Richtung der Treppe nach unten. Rose blieb für einen Moment völlig verdattert stehen und blickte ihm nach. Dann schüttelte sie schnaubend den Kopf und trottete ihm verwirrt hinterher.

In dieser Nacht ging Rose zum ersten Mal seit Wochen allein zu Bett. Der Doktor hatte sich im Kontrollraum der TARDIS verschanzt, wo er wechselweise mit der Koralle Zwiesprache hielt oder an einem wundersamen eimergroßen Gefäß aus Glas, Metall und einem anderen verspiegelten Material arbeitete und dabei fast unablässig vor sich hinmurmelte. Zuerst saß Rose noch eine ganze Zeit bei ihm und reichte ihm auf Anfrage diverse Werkzeuge oder drückte Schalter am Kontrollpult. Doch nach gefühlten Stunden fielen ihr irgendwann die Augen zu und sie entschuldigte sich beim Doktor um in Richtung Bett zu verschwinden. Dort seufzte sie genießerisch auf, als ihre Wange das wohlverdiente kühle Kissen berührte und es dauerte nur wenige Atemzüge, da war sie eingeschlafen.

„Aufgewacht Schlafmütze!" flüsterte die Stimme des Doktors in ihr Ohr und einen Moment später spürte sie seine kühlen Lippen für einen hastigen Kuss auf den Ihren. Blinzelnd schlug sie die Augen auf.

„Doktor? Was ist denn los? Warst du überhaupt schon im Bett?" fragte sie und rieb sich den Schlaf aus den Augen. Dann steckte sie sich und schlug die dunkelblaue seidige Bettdecke zur Seite.

„Wozu? Um zu schlafen? Keine Zeit! In…" Der Doktor warf einen Blick auf seine Uhr. „… genau 55 Minuten und 32 Sekunden wird dieses Luftschiff in Flammen aufgehen und vom Himmel stürzen."

Rose erstarrte. „So bald schon? Warum hast du mich nicht früher geweckt?" Hastig schlüpfte sie in ihre enge Jeanshose und warf sich ein violettes Shirt über. Nicht wirklich passend für diese Zeit, aber sie wollte nur ungern ein Kleid tragen, während sie um ihr Leben rannte.

„Unnötig. Ich habe bis eben noch an der Rettungskapsel gearbeitet." Erklärte der Doktor und deutete mit dem Kopf auf den eimergroßen verspiegelten Behälter, der direkt neben der Tür stand. „Aber jetzt müssen wir uns beeilen."

„Nun, viele Passagiere wirst du damit nicht retten können. Allerhöchstens eine Katze, oder ein Huhn."

Der Doktor schenkte ihr einen eigenartigen Blick, dann jedoch ergriff er ihre Hand und zog sie eilig zur Tür, wo er mit der anderen Hand den Henkel des Transportbehälters schnappte. Im Gehen erklärte er schließlich: „Der Behälter ist nicht für die Menschen – denen können wir nicht helfen ohne noch größeren Schaden an den Zeitlinien zu riskieren. Er ist für das, was in den Gaskissen lebt", sagte er und schloss die Tür der TARDIS hinter ihnen zu. „Wenn ich mich nicht irre, und ich irre mich so gut wie nie, handelt es sich bei diesen blinden Passagieren um Hydrolyten. Das sind uralte gasförmige Wesen, welche zum Atmen Wasserstoff brauchen und deswegen auf der Oberfläche der Sonne von Asmodil 2 anzutreffen sind. Aus irgendwelchen Gründen haben diese Hydrolyten ihren Lebensraum jedoch verlassen und leben nun hier, in winzigen Kissen aus Wasserstoff. Da stellt sich einem doch die Frage…"

Inzwischen hatten die beiden den öffentlich zugänglichen Bereich hinter sich gelassen und eilten den Gang hinunter, welcher sie zur Treppe zu den Gaskissen führte. Rose vollendete den Satz in ihren Gedanken, während sie die schmale Treppe nach oben eilte und sich durch die enge Luke nach oben zog. Dort war der Doktor zwei Meter von ihr entfernt zum Stehen gekommen und hatte den Transportbehälter neben sich auf den Boden gestellt. Doch sie spürte sofort: irgendetwas stimmte nicht. Als ihr Blick am Doktor vorbei nach vorn glitt, wusste sie auch was: sie waren nicht allein. Vor ihnen standen 2 Männer, offensichtlich Passagiere, ihrer feinen Kleidung nach zu urteilen. Sie hatten ihnen den Rücken zugewandt und schienen in so etwas wie eine Auseinandersetzung verwickelt zu sein. „Vielleicht auch mehr als das", dachte Rose, als sie plötzlich die Pistole in der Hand der Vorderen erblickte.

„Mr. Morris, ich bitte sie!" vernahm Rose plötzlich die flehende Stimme des Hinteren und erkannte sofort, dass es sich um den Arzt handelte. „Außer uns ist niemand hier!" In diesem Moment wandte der Angesprochene sich um und sein Blick glitt an seinem Gegenüber vorbei in Richtung des Doktors.

„Sagen Sie es ihm, Doktor. Erzählen Sie ihm von den Stimmen aus den Luftkammern!" forderte der Rothaarige ihn auf und der Arzt drehte sich erstaunt zu ihnen um. „Miss Tyler? Was tun sie hier oben? Dies ist kein Ort für eine Dame!" ermahnte er sie und wandte seinen Blick dann dem Doktor zu. „Und Sie! Mit ihren komischen Gerätschaften. Haben Sie ihm diese Stimmen eingeredet?" Ohne eine Antwort abzuwarten drehte er sich wieder zu seinem Patienten um. „Hier ist niemand. Und jetzt nehmen sie diese Waffe runter, bevor sie noch jemanden verletzen!"

Zumindest bei letzterem musste Rose dem Arzt Recht geben, Mr. Morris hingegen schien weniger beeindruckt. Er wollte gerade dazu ansetzen, dem Arzt etwas zu erwidern, da wurde dieser plötzlich in hellblaues Licht gehüllt und war vom einen zum anderen Augenblick vor ihren Augen verschwunden.

„Okay…" begann Rose und rieb sich die Augen, als plötzlich ein kleiner Ruck durch das Luftschiff ging und ihre Sicht verschwamm. Auf einmal war auch der Doktor verschwunden und sie sah nur noch einen verwirrten, wild mit der Waffe herumfurchtelnden Mr. Morris.

„Ich weiß, dass ihr hier seid!" brüllte er und drehte sich mit wild aufgerissenen Augen um die eigene Achse, während er die Pistole drohend von der einen zur nächsten Gaskammer richtete. „Nun kommt schon endlich raus!" Doch wie zu erwarten geschah nichts. Schließlich torkelte der Rotschopf ein paar Schritte nach vorn und Rose konnte nun deutlich den Geruch von Alkohol und Urin an ihm wahrnehmen.

„Mr. Morris, beruhigen Sie sich", sprach sie ihn an und ging ein paar Schritte auf ihn zu. Doch er schien sie weder zu sehen noch zu hören. Dann wurde es ihr klar: wieder eine Vision! Und plötzlich fielen Rose auch die kleinen aber feinen Unterschiede auf. Die Außenplane des Zeppelins war hier rot statt blau, doch vor allem der Gesamtzustand des Mannes vor ihnen schien in dieser Realität wesentlich schlechter zu sein. Seine Augen waren blutunterlaufen und so weit aufgerissen, dass es schon beinahe beängstigend war.

Plötzlich gleißte vor Rose ein hellblaues Licht und da wo gerade noch ein leerer Metallgittersteg war, stand nun Doktor Freudt. Und Rose hätte schwören können, dass es derselbe war, der soeben vor ihren Augen verschwunden war. Er blickte sich zunächst verwundert um, doch als er außer dem verängstigten Mr. Morris niemanden zu entdecken schien, wandte er sich diesem zu.

„Mr. Morris, beruhigen Sie sich. Wie gesagt, hier ist niemand. Diese Stimmen entspringen nur ihrer Vorstellungskraft!"

Dies schien jedoch das letzte gewesen zu sein, was der Mann mit der Waffe hören wollte. Er taumelte zwei Schritte zurück, hielt dabei aber die Pistole mit zitternden Händen auf sein Gegenüber gerichtet. „Sie sind nicht da, Sie können nicht da sein. Es ist wie die Ärzte gesagt haben, das alles entspringt nur meinem Kopf. Erst die Stimmen und jetzt sehe ich auch noch Leute? Großartig, einfach großartig!" höhnte er in Richtung des Arztes. „Aber ich werde beweisen, dass sie nicht da sind. Dass Sie nicht real sind!" Mit diesen Worten hob der Rothaarige die Pistole und feuerte, noch ehe sein Gegenüber reagieren konnte, zwei Schüsse ab. Keinen Moment später erschienen auf dessen Brust zwei rote Punkte, welche sich in Windeseile ausbreiteten und binnen kürzester Zeit die halbe Vorderseite des Hemdes rot einfärbten. Dafür war in der gleichen Geschwindigkeit sämtliche Farbe aus dem Gesicht des Arztes gewichen und nachdem er für einen Augenblick kaum zu reagieren schien, kippte er im nächsten wie ein gefällter Baum nach hinten.

„Aber das, das ist unmöglich", hörte Rose die verwirrte Stimme von Mr. Morris. Langsamen Schrittes trat er näher an den gefallenen Mann und stieß zunächst unsicher mit der Fußspitze gegen ihn. Vom Boden aus erklang ein gequältes Stöhnen.

„Um Gottes Willen, sie sind echt! Sie sind wirklich da!" rief er völlig fassungslos und ließ sich neben dem Verletzten auf den Boden sinken. „Und ich… ich habe… heilige Mutter steh mir bei!" In diesem Moment hörte Rose hinter sich das eilige Trappeln mehrerer Füße und als sie sich umwandte, sah sie 4 bewaffnete Männer in militärisch aussehenden Uniformen näherkommen.

„Hände hoch, Sir. Treten Sie von ihm weg!" rief einer der Männer bevor er geradewegs durch die Stelle hindurcheilte, an der Rose sich gerade zu befinden glaubte. Doch sie spürte nichts, keinen Aufprall, keine Berührung. Es war so, als sei sie gar nicht da. Mr. Morris tat, wie ihm geheißen. Er ließ die Waffe am Boden liegen, streckte die Hände nach oben und erhob sich. Schließlich drehte er sich langsam zu den sich nähernden Männern um.

„Es, es war ein Unfall…" stammelte er, während einer der Männer hinter ihn trat und ihm Handschellen anlegte. In diesem Moment ging ein weiterer kleiner Ruck durch das Schiff und Rose taumelte zur Seite. Doch gleichzeitig klarte sich ihre Sicht.

Rose schüttelte den Kopf um wieder zu sich zu kommen. Plötzlich stand der Doktor wieder vor ihr und redete mit einem weit weniger verwirrten Mr. Morris. Dieser hielt seine Waffe allerdings noch in der gesenkten Hand und das war eine Tatsache, die Rose angesichts dessen, was sie gerade beobachtet hatte ganz und gar nicht gefiel. Zumal das Gespräch zwischen ihm und dem Doktor nicht gerade gut zu laufen schien.

„Sie tun nichts als reden, reden, reden!" ereiferte sich der Rotschopf und Rose rann ein kalter Schauer den Nacken hinunter, als sie sah, wie er dabei mit der Waffe umherfuchtelte. „Ich habe seit zwei Tagen nicht geschlafen, weil diese Stimmen ohne Unterlass auf mich einreden und mir drohen!" Er wandte sich vom Doktor ab und ging zwei Schritte den Gang hinunter. „Und jetzt ist auch noch ein Mann verschwunden. Der Arzt, Doktor Freudt, sie haben ihn entführt!" rief er und wandte sich wieder zu ihnen um.

Der Doktor raufte sich frustriert die Haare. „Hören Sie, ich weiß nicht, was mit Doktor Freudt passiert ist, aber ich schwöre Ihnen, diese Wesen haben ihn nicht entführt. Es sind Hydrolyten, gasförmige Wesen. Sie leben in diesen Kissen aus Gas, weil ihnen kein anderer Ort bleibt, an dem sie Luft zum Atmen finden. Und ich versichere Ihnen, sie sind völlig harmlos!" Der Doktor hob beschwichtigend die Hände und begann langsam, auf den Mann zuzugehen. Rose' Körper hingegen war wie erstarrt und ihr blieb nichts anderes übrig, als hilflos zuzusehen. Denn in diesem Moment tauchte ein hellblaues Licht zwischen dem Doktor und dem Rothaarigen mit der Pistole auf und auf dem Boden vor ihnen tauchte die Leiche des eben noch lebendigen Arztes Doktor Freudt auf. Sein Gesicht war zu einer erstaunten Maske erstarrt und sein Hemd rot getränkt von der Schusswunde in seiner Brust; Rose stutzte – der einen Schusswunde in seiner Brust.

„Völlig harmlos, ja?" hallte die spöttische Stimme von Mr. Morris durch den Bauch des Schiffes. „Und wie erklären sie das da?" Nun schien es jedoch auch dem Doktor für einen Moment die Sprache verschlagen zu haben und er ergriff seinen Schallschrauber um den Körper vor sich zu scannen. Dies schien dem Mann jedoch als Antwort zu genügen, denn er fuhr fort: „Ich sage Ihnen etwas, Doktor. Diese Wesen sind gefährlich. Sie drohen Tag und Nacht in meinen Gedanken, terrorisieren mich! Und nun haben sie auch noch einen guten Menschen auf dem Gewissen. Doch das endet heute!" Er straffte die Schultern und noch ehe einer der anderen beiden etwas tun konnte, hallten 6 gezielte Schüsse durch den Raum und nur Augenblicke später erschien ein winziges Loch in jedem der 6 riesigen Luftkissen. Rose wurde übel.

„Was haben Sie getan?" fragte der Doktor fassungslos und schon im nächsten Moment sackte das Zeppelin ein Stück nach unten ab. „Sie haben die Luftkissen beschädigt."

Der andere nickte kühl. „Sie sagten diese Dinger brauchen den Wasserstoff zum Atmen! Nun, dann sollen sie ihm folgen!" So als hätten die Wesen seine Worte gehört, sank der Mann stöhnend zu Boden und umklammerte wimmernd seinen Kopf. Der Doktor jedoch meinte nur kühl:

„Ja, und das Schiff braucht ihn zum Fliegen. Sie haben gerade jeden hier an Bord zu einem sicheren Tod verdammt." Mit diesen Worten wandte er sich an Rose und zeigte mit dem Kopf in Richtung des Behälters zu seinen Füßen. „Wir müssen jetzt schnell sein. Öffne ihn!"

Ohne den Doktor zu hinterfragen sank Rose neben dem Gefäß zu Boden und betätigte den unscheinbaren grünen Knopf am Deckel. Sofort erhob sich der Deckel mit einem Zischen und klappte nach oben auf. Der Doktor wandte sich unterdessen mit fester Stimme in Richtung der Gaskammern.

„Ich bin der Doktor. Ich weiß, ihr kennt mich nicht, aber ich verspreche euch, ich will euch helfen. Dieses Schiff hier wird in wenigen Minuten in Flammen aufgehen und jedes Lebewesen auf ihm mit ihm. Wenn ihr in diesen Behälter fliegt", er deutete auf den Behälter vor dem Rose kniete, „dann können wir euch von hier fortbringen. Aber wir müssen uns beeilen!" Zuerst geschah für einen Moment nichts, doch dann quollen plötzlich gelbe Nebelschwaden aus den Wänden der unzähligen Kissen links und rechts von ihnen und bewegten sich zügig auf den Behälter zu. Binnen Sekunden waren sie in ihm verschwunden.

„Alles klar!" rief der Doktor ihr zu. „Drück den roten Knopf und dann nichts wie weg hier!" rief der Doktor ihr zu. Rose nickte, drückte den Knopf und rappelte sich auf die Beine, als das Schiff von einem heftigen Beben erschüttert wurde und prompt in den Sturzflug ging. Sie keuchte, als es sie von den Füßen riss.

„Halt den Transportbehälter fest!" rief der Doktor ihr zu und rappelte sich auf die Beine bevor er sich mühsam auf allen Vieren kriechend zu ihr herüber kämpfte. Dann packte er ihre Hand und half ihr auf. „Komm, wir müssen so schnell es geht von den Gaskissen weg!" rief er und sie rannten los. Doch für Rose' Geschmack kamen sie viel zu langsam voran, denn die Steigung, gegen die sie ankämpften wurde von Moment zu Moment stärker. Und die TARDIS war hunderte von Metern und 2 Treppen entfernt.

„Komm schon Rose, nur noch ein kleines Stück!" rief der Doktor ihr aufmunternd zu und Rose kämpfte sich weitere kostbare Meter nach vorn. Unterdessen hatte der Doktor bereits die Luke geöffnet und zog sich hindurch. Rose reichte ihm den Behälter und tat es ihm gleich. Ächzend landete sie auf dem unteren Deck und blickte sich um. Um sie herum herrschte das pure Chaos. Überall waren schreiende Passagiere, welche wild durcheinander rannten. Ein Blick aus einem der kleinen Fenster verriet Rose auch den Grund. Der Boden war nur noch wenige hundert Meter entfernt und kam mit schwindelerregender Geschwindigkeit näher. „Das schaffen wir nie!" dachte sie verzweifelt, als sie spürte, wie der Doktor sie zu einer festen Umarmung an sich zog. Fast gleichzeitig hörte sie über sich das dumpfe Grollen einer Explosion. „Das war's!" dachte sie noch und schloss schicksalsergeben die Augen, während sie sich am Doktor festklammerte. Da hörte sie plötzlich das unverwechselbare Geräusch einer sich materialisierenden TARDIS um sich herum. Erstaunt öffnete sie die Augen, nur um um sich herum die Welt in Flammen aufgehen zu sehen, kurz bevor sich die leuchtenden Wände der TARDIS um sie herum schlossen. Es folgte ein weiteres dumpfes Grollen und ihr Schiff erbebte unter ihren Füßen. Doch Rose sank erleichtert und erschöpft zu Boden. Sie waren in der TARDIS und in Sicherheit.