Vielen Dank an SharonandAndy für die Review :)


Spiegel Nerhegeb

***Hermine***

Ich hielt es in seiner Nähe nicht mehr aus, seitdem ich ihm die „freudige" Nachricht überbracht hatte. Severus war zuerst nicht weniger bestürzt gewesen, wie ich, doch dann begann er sich zu freuen. Ich hätte mir nie vorgestellt, dass der griesgrämige und sarkastische Prof. Snape jemals heiraten und Kinder bekommen würde… und, dass er sich auch noch darüber hatte übers ganze Gesicht gestrahlt und mich in den Arm genommen.

‚Hermine, wie schön!', hatte er gesagt.

Als ich ihm dann nicht geantwortet hatte, hatte er mich gefragt, ob alles okay sei.

‚Ob alles okay ist?', hatte ich geschrien und mir waren Tränen in die Augen gestiegen. ‚Natürlich ist alles okay! Ich bin 17! Frisch mit meinem Lehrer verheiratet und erwarte ein Baby!'

‚Aber das ist doch schön', hatte er gesagt. ‚Und außerdem haben wir doch schon die wichtigste Forderung des Dunklen Lords erfüllt!'

‚Denkst du eigentlich jemals daran, wie es mir geht?!', hatte ich geschrien.

‚Natürlich!', hatte er gesagt.

‚Und warum sprichst du dann die ganze Zeit nur von du-weißt-schon-wem?'

‚Beruhig dich Hermine. Wir bekommen ein Baby. Das ist ein Grund zur Freude!'

‚Für dich vielleicht', hatte ich geschrien, war vollständig in Tränen ausgebrochen und hatte mich im Schlafzimmer eingeschlossen. Konnte er doch sehen, wo er schlief.

Am nächsten Tag versuchte ich dann so gut es ging ihm aus dem Weg zu gehen und auch die nächsten Tage, bis zum Wochenende.

Da kein Unterricht war konnte ich ihm nicht ewig aus dem Weg gehen. Und genau deshalb war ich froh, als Harry und Ron mich fragten, ob ich am Samstag mit ihnen etwas unternehmen würde. Der Tag mit den beiden war sehr schön und ich konnte für ein paar Stunden das alles vergessen.

Am Sonntag sprach Severus dann das erste Mal nach einer Woche mit mir.

„Ich denke, dass wir Albus bescheid sagen sollten", sagte er nachdem ich mit Staubwischen fertig war.

„Ich dachte, dass er es längst durch Madam Pomfrey weiß", sagte ich und blickte ihn dabei jedoch nicht an.

„Wir sollten es ihm trotzdem persönlich sagen", sagte er.

„Dann geh doch und erzähl im die ‚frohe' Botschaft!", sagte ich gereizt.

Er kam auf mich zu und legte mir seine Hand auf die Schulter.

„Hermine, hör mir zu. Ich weiß, dass das ganze für dich unangenehm ist und…", fing er an, doch ich unterbrach ihn barsch.

„Ach ja? Du weißt wie ich mich fühle? Du willst mir jetzt etwa sagen, dass du weißt wie sich ein siebzehnjähriges, zwangsverheiratetes und schwangeres Mädchen fühlt? Du weißt gar nichts!", schrie ich.

„Hermine, beruhige dich! Wir schaffen das. Gemeinsam", sagte er und nahm meine Hand.

Ich wollte seine Hand abschütteln, aber er hielt meine so fest, dass das unmöglich war.

„Wir erzählen es jetzt Albus", sagte er und nahm mir das Staubtuch aus der Hand.

Ich hasste ihn dafür und zeigte ihm das auch in dem ich ihn böse anfunkelte.

Vor der Tür ließ er dann meine Hand los, falls Schüler uns sahen.

***Severus***

„Herein!", hörten wir Albus Stimme.

Ich öffnete die Tür und ließ Hermine den Vortritt.

„Ach, Severus und Mrs. Snape", sagte Albus keineswegs überrascht.

„Sie hatten uns schon erwartet?", fragte ich und deutete auf die beiden Sessel, die vor seinem Tisch standen.

„Soll das ein Witz sein? Ich hatte mich schon gefragt, wann ihr endlich kommen würdet. Setzt euch doch."

Wir setzten uns beide und Hermine spielte nervös mit ihrem Ehering.

„Poppy sagte mir schon, dass ihr eine gute Nachricht für mich habt", sagte Albus und ich hörte Hermine verächtlich schnauben.

„Oder etwa doch nicht Mrs. Snape?", fragte Albus.

Hermine hob den Kopf und sah Albus direkt an.

„Das hängt davon ab, was Sie unter einer ‚guten Nachricht' verstehen. Ich verstehe darunter allerdings etwas anderes!", sagte sie.

„Nun… Dann sagt mir doch mal was diese… Nachricht ist", sagte Albus.

„Hermine ist schwanger", sagte ich ein wenig zögerlich.

„Aber das ist doch wunderbar!", sagte Albus. „Herzlichen Glückwunsch!"

Das war anscheinend zuviel für Hermine.

„Nicht Sie auch noch!", schrie sie und rannte aus dem Büro.

„Hermine", rief ich ihr nach doch Albus beruhigte mich.

„Das wird schon mit der Zeit aufhören. Sie müssen nur Geduld mit ihr haben."

***Hermine***

Ich lief die Flure zurück zu meiner Wohnung. Krummbein und Silberstreif kamen sofort um mich zu begrüßen. Ich setzte mich in den Sessel und streichelte Silberstreif gedankenverloren. Ich blickte aus dem magischen Fenster und sah, wie draußen die Sonne langsam unterging.

„Ach Silberstreif", sagte ich. „Weißt du was Liebe ist?"

Sie sah mich nur verständnislos an und sprang von meinem Schoß. Sie lief zu Krummbein und der Kater schnurrte als er sie sah.

„Glaub mir Silberstreif… ich glaube, ich weiß es selbst nicht mehr…"

***Severus***

Nachdem ich Albus Büro verlassen hatte ging ich langsam wieder zurück zu meinem Wohnbereich in den Kerkern. Ich hatte es nicht besonders eilig. Hermine konnte ruhig ein wenig Zeit für sich gebrauchen – und ich, wenn ich ehrlich war auch.

Ich würde Vater werden. Normalerweise, waren doch alle darüber glücklich, doch Hermine schien das Gegenteil davon zu sein.

Kurz bevor ich die Wohnungstür erreichte entschied ich mich noch einmal um. Der Dunkle Lord verdiente es davon zu erfahren.


„Severus, mein treuer Diener", begrüßte mich der Dunkle Lord.

„Herr, ich habe gute Nachrichten für euch", sagte ich. „Meine Frau, Hermine, ist schwanger."

„Severus, wie wunderbar!", sagte der Dunkle Lord erfreut.

„Leider findet meine Frau, das nicht so", sagte ich betrübt.

Der Dunkle Lord sah mich ernst an.

„Aber meine Bedingung hat sie nicht vergessen?", fragte er.

„Nein, sie ist nur nicht so begeistert davon, wie Ihr oder ich", sagte ich.

„Nun… das muss sie auch nicht. Sie ist nur dafür da meinen Nachfolger zur Welt zu bringen und groß zu ziehen", sagte er und wandte sich ab.

„Ja, mein Lord", sagte ich und verschwand wieder.

Nicht gerade besser gelaunt erreichte ich Hogwarts. Ich betrat missmutig die Wohnung und musste feststellen, dass Hermine schon schlief.

Leise legte ich mich ins Bett und versuchte auf meiner Hälfte des Bettes zu bleiben, was nicht so schwer war, da Hermine zwischen uns eine Kissenbarrikade errichtete hatte.

‚Wie infantiv!', dachte ich, noch bevor ich einschlief. ‚Was denkt sie denn von mir?'

***Hermine***

Mitten in der Nacht wurde ich wach. Ich hörte Severus ruhige Atemzüge, stand auf und lief auf die andere Seite um das Bett herum. Er schlief friedlich auf der anderen Seite der Barrikade und ich deckte ihn wieder richtig zu. Im Schlaf musste er seine Bettdecke weggestrampelt haben. Wie er so friedlich da lag konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass wir einen Streit hatten. Doch ich konnte auch einfach nicht so tun, als wäre nichts gewesen.

Ich lief leise in Wohnzimmer und zog die Tür zur Hälfte zu. Das Feuer brannte noch im Kamin und warf schöne und doch gleichzeitig unheimliche Schatten an die Wand.

Ich zog mir den Sessel näher an den Kamin heran und deckte meine Beine mit einer der flauschigen, karierten Decken zu, die uns Prof. McGonagall zur Hochzeit geschenkt hatte. Nach einer Weile kam Silberstreif zu mir und setzte sich auf meinen Schoß.

„Ach Silberstreif, da bist du ja wieder", sagte ich und streichelte sie.

„Weißt du was? Ich glaube, dass es so etwas, wie wahre Liebe, nur in Märchen gibt."

Silberstreif sah nicht so ganz überzeugt aus und ich streichelte sie weiter.

„Meine Mutter hatte mir früher immer ein Lied vorgesungen wenn mich Jungen in der Schule geärgert hatten", sagte ich nach ein paar Minuten. „Willst du es hörten?"

Silberstreif schnurrte und kuschelte sich an mich.

„Also gut, aber ich bin nicht so gut im singen", sagte ich.

***Severus***

Ein Geräusch hatte mich geweckt und ich stand langsam auf. Hermine lag nicht mehr im Bett! Ich sah aus dem Schlafzimmer und entdeckte Licht im Wohnzimmer.

Ich schlich leise zur Tür und sah, dass Hermine auf einem Sessel saß und sang.

Ihr Stimme hörte sich wunderschön an und ich wollte sie beim singen nicht unterbrechen. Also blieb ich einfach nur stehen und lauschte ihr.

Cinderella are you really that happy? Cinderella are you really that lucky? I wanna know is your life like you dreamed? - Here I am, trying to find my way, I've kissed so many frogs but I never found a prince. I think they lied, I was promised much more than this, where's my happy ever after all?"

Ich hätte ihr ewig so zuhören können. Ihre Stimme war so schön, doch der Text stimmte mich traurig.

Cinderella is the queen of a kingdom, Cinderella got the dreams she was dreaming,
I wanna know where is my happy end? Cinderella got a prince and a kingdom, Cinderella got the dreams she was dreaming, I wanna know where is my fairy-tale?"

Sie war wirklich traurig und ich hatte es nie bemerkt! Das machte auch mich traurig und ich entschied mich ein wenig spazieren zu gehen. Frische Luft würde mir jetzt bestimmt gut tun.

***Hermine***

„Siehst du Silberstreif, auch glückliche Menschen machen Fehler. Vielleicht hätte ich einfach keine Hexe werden sollen. Wäre ich doch nur ein Muggel und wüsste nichts von alldem! Das würde Severus bestimmt viel glücklicher machen…", sagte ich traurig, als ich fertig war. „Ich denke, ich sollte jetzt besser schlafen gehen."

Doch als ich das Schlafzimmer erreicht hatte stockte ich. Severus war nicht mehr in seinem Bett!

‚Wo kann er nur sein?', dachte ich panisch, als ich ihn in keinem Raum fand.

‚Ich muss ihn suchen!'

Schnell zog ich mir meinen Umhang über und lief planlos durch das Schloss, um ihn zu suchen. Ich lief und lief durch die kalten Korridore, doch ich fand ihn nicht.

‚Vielleicht ist er ja schon wieder zurück in der Wohnung und ich mache mir unnötig Sorgen', dachte ich. ‚Ich sollte umdrehen.'

Und wie es der Zufall wollte gelangte ich an zwei ziemlich alt aussehende Türen und ich musste mich entscheiden. Links oder Rechts?

Ich entschied mich für links und gelangte, nachdem ich eine fast endlos lange in die Tiefe gehende Treppe hinabgestiegen war, in einen großen Raum in dem nur ein einziger großer, mit einem Tuch bedeckter Gegenstand stand.

Ich wollte schon umdrehen, als ich neugierig wurde.

‚Was ist wohl unter diesem Tuch?', fragte ich mich und zog das Tuch langsam herunter.

Zum Vorschein kam ein Spiegel mit einem goldenen Rahmen. Und als ich genauer hinsah erkannte ich auch noch eine Inschrift oben am Rand.

Ich kniff die Augen zusammen und las: „NERHEGEB Z REH NIE DREBAZ TILT NANIEDTH CIN"

‚Was soll das den bedeuten?', wunderte ich mich.

Ich wischte die dickte Staubschicht vom Spiegel weg und sah mich. Doch das Bild blieb nicht so, es veränderte sich und ich sah mich. Ich war schwanger und auf dem Boden krabbelte ein kleines Kind herum. Im Hintergrund sah ich ein schönes Haus und ich trug eine hübsche Arbeitsuniform vom Ministerium für Zauberei und hatte einen Ehering um den Finger.

‚Mit wem bin ich denn verheiratet?', dachte ich.

Genau in diesem Moment erschien ein großer, dünner Mann mit schwarzen Haaren im Spiegel und umarmte mich.

„Severus", flüsterte ich und berührte den Spiegel.

„Ah ja… der gute alte Spiegel Nerhegeb", hörte ich eine bekannte Stimme hinter mir und drehte mich um.

„Dumbledore? Wie lange sind sie schon hier?", fragte ich.

„Ich bin auch gerade erst gekommen", sagte er und stellte sich neben mich.

„Prof. Dumbledore, was bedeutet eigentlich der Spruch dort oben auf dem Spiegel? Ich verstehe das nicht."

„Sie müssen es rückwärts lesen. Nicht dein Antlitz, aber dein Herzbegehren."

„Oh", sagte ich. „Bedeutet das, dass alles was ich im Spiegel sehe, das ist, was ich mir am sehnlichsten Wünsche?"

„Ja, so ist es Mrs. Snape. Der sehnlichste Wunsch ihres Herzens. Doch man sollte vorsichtig sein! Man sagt, dass schon manche Menschen vor ihm gestorben sind, weil sie sich nicht von ihm losreißen konnten", sagte er. „Sogar ihre Freunde Ron und Harry standen schon hiervor und wunderten sich, dass beide etwas anderes sahen."

„Ich erinnere mich, sie hatten mal so etwas erwähnt."

Wir standen beide noch ein paar Minuten davor und betrachteten unser jeweiliges Bild.

„Prof. Dumbledore, kann ich Sie etwas fragen?", fragte ich.

„Ja."

„Was sehen Sie eigentlich im Spiegel?", fragte ich.

„Seltsam… genau das hatte mich Harry auch vor sechs Jahren gefragt", sagte er und schwang das Tuch wieder über den Spiegel.

„Man sollte nicht zu lange davor stehen", sagte er und ging die Treppe hoch.

Nach ein paar Minuten ging auch ich.

‚Wenn mein sehnlichster Wunsch wirklich nur Severus ist, habe ich noch etwas gutzumachen", dachte ich und ging zurück in die Wohnung.


Das Lied „Cinderella", was ich in diesem Kapitel von Hermine habe singen lassen, ist von „Sweetbox".