Der explodierende Kessel

Der erste Monat in Hogwarts war überstanden. Und es war keinesfalls so langweilig gewesen, wie Helena angenommen hatte. Sie hatte sogar gute Freunde gewonnen. Alles passte, nur der Zaubertränkeunterricht war die Hölle.

Snape schien die Gryffindor noch mehr zu hassen, allen voran Harry und Helena. Die junge Halliwell fragte sich, ob es etwas mit der Ohrfeige zu tun hatte. Sie war sich sicher, dass Malfoy sie verpetzt hatte. Doch Punkte hatte Gryffindor keine verloren. Sie lagen sogar an zweiter Stelle.

In einer Doppelstunde Zaubertränke wurde sie schmerzvoll daran erinnert, dass sie sich eigentlich noch rächen wollte. Malfoy hatte ihr die Ohrfeige nicht verziehen. Außerdem gab er ihr die Schuld für das Monat Nachsitzen bei Filch. Deswegen machte er ihr das Leben noch schwerer.

Sie mussten mal wieder einen Trank brauen. Und der war gar nicht so leicht, sogar Hermine hatte ihre Probleme damit. Snape schlich durch die Reihen und ließ seine spitzzüngigen Bemerkungen los.

Neville war nervöser als nervös und Helena versuchte ihm zu helfen. Immerhin musste sie diesmal mit ihm zusammenarbeiten und sie hatte keine Lust, dass ihr der Kessel um die Ohren flog. Es war nicht einfach, denn Neville versuchte immer wieder etwas in das Gebräu zu werfen, was nicht hinein gehörte. Als die junge Halliwell ihm das erklärte, lief er jedes Mal rot an und entschuldigte sie.

„He Lahmarsch. Musst du dir schon von einem kleinen Baby, das nicht schwimmen kann, helfen lassen? Wie erbärmlich!", feixte Malfoy und Pansy begann gackernd zu lachen. Helena hielt in der Bewegung inne. Baby? Das war nicht sein ernst. Wütend wandte sie sich um.

„Oh und das blonde Girly ist zu dumm jemanden richtig den Garaus zu machen!" Okay, sie hatte keine Ahnung, warum sie ihn gerade damit aufzog. Es war absurd. Doch es schien seine Wirkung zu haben. Das bisschen Farbe, dass Malfoy im Gesicht hatte, war gewichen.

„Miss Halliwell! Über so was macht man keine Scherze! 5 Punkte Abzug für Gryffindor!" Snapes Stimme zerschnitt die Luft wie ein Messer. In Malfoys bleichem Gesicht zeichnete sich ein Lächeln ab. Das war sowas von unfair! Wütend sah die Gryffindor die Schlange an. Plötzlich zischte es neben ihr und sie erinnerte sich an Neville und den Kessel.

Schnell wandte sie sich den beiden zu und stellte fest, dass der Junge irgendetwas in den Trank gegeben hatte, was nicht hinein gehörte. Das Gebräu brodelte unheilvoll und die Umstehenden wichen bereits zurück. Nur Neville blieb dort stehen und versuchte zu retten was nicht mehr zu retten war.

„Neville, komm! Geh weg, das Ding fliegt gleich in die Luft!", rief Harry. Snape bedeutete ihnen Ruhe zu bewahren und schwang den Zauberstab, doch nichts geschah. Ein wenig verdutzt sah er den Kessel an. Dieser blähte sich auf, doch Neville machte keine Anstalt weg zu gehen. Panisch sah er sich am Boden um, als ob er etwas suchte.

Der Kessel würde bald in die Luft gehen. Es konnte sich nur noch um Sekunden handeln. Wie in Zeitlupe lief Helena auf Neville zu, um ihn endlich aus der Gefahrenzone zu schubsen. Wie auf einen Befehl hin, flog der Kessel in die Luft. Staub wurde aufgewirbelt und das Gebräu wurde im Raum verteilt. Viele der Schüler hatten sich unter die Tische retten können.

Der Tränkemeister hatte hinter einer Säule Schutz gefunden. Mit schnellen Schritten näherte er sich der Stelle, an der Neville zuvor gestanden hatte. Doch weder von Longbottom noch von Helena war eine Spur zu finden. Severus spürte wie seine Hände schweißnass wurden. Das war unmöglich. Dieser Trank konnte niemals sowas anrichten. Plötzlich purzelten zwei Kinder aus einem leuchtenden Silberregen.

Die junge Halliwell rappelte sich auf und klopfte sich Staub von der Kleidung. Ihr Blick wirkte säuerlich, als er auf Longbottom fiel. Glücklich schmiegte er eine Kröte an sich. „Trevor", murmelte er vor sich hin.

„Longbottom! Ist in ihrem Hirn nur Matsch, oder verspürten sie den Drang uns alle zu töten?" Snapes Stimme ließ ihn erstarren und auf sehen. „10 Punkte Abzug für Gryffindor und Nachsitzen. 18 Uhr bei Filch. Und nun verschwinden Sie alle aus dem Klassenzimmer!" Das ließ sich niemand zweimal sagen. Alle strömten aus der Klasse.

*

Helena atmete aus. Gott sei Dank war Freitag. Der freie Nachmittag war ihr höchst willkommen. Da sie sich wirklich brav an ihren Vorsatz hielt, hatte sie nur einen Aufsatz zu erledigen. Doch Harry und Ron mussten wie jedes Wochenende alles abarbeiten. Da die junge Halliwell ja nicht so war, half sie den beiden gerne. Sie war zwar keine große Hilfe, aber so machte es wenigstens Spaß. So scherzten sie mehr, als sie die Hausaufgaben erledigten. Langsam wurde es dunkel im Gemeinschaftsraum.

„He ich hab gehört, dass Neville den halben Kerker in die Luft gesprengt hat!" Fred warf sie in den Sessel neben seinen kleinen Bruder. Dieser nickte.

„Er wäre fast drauf gegangen, wenn Helena ihn nicht gerettet hätte! Sogar Snape schien ein wenig überfordert!", lachte Ron. Es schien ihm gefallen zu haben, den Tränkemeister so ratlos zu sehen. Helena fand es jedoch nicht witzig. Immerhin hätte schlimmeres passieren können. Und das sagte sie dem Rotschopf auch.

„Ach komm Kleine, wo bleibt dein Humor! Du bist ja richtig unlustig", grinste George herausfordernd. „Sag mal, kommst du mit deinen Kräften hier raus? Apparieren soll ja nicht funktionieren." Er sah seinen Zwillingsbruder an. Was wollte er? „Könntest du uns hier raus bringen? Wir brauchen nämlich etwas!"

Helena sah die beiden durchdringend an und grinste dann. Aha Forschungszwecke. „Sagt mal, wo wollt ihr diesen Mundungus Fletcher denn treffen?" Perplex starrten die Zwillinge sie an. Die junge Halliwell zwinkerte ihnen zu.

„Du kleine Hexe. Raus aus unseren Gedanken!", schimpfte George gespielt. „Naja wir dachten eigentlich morgen in Hogsmead. Wir kennen zwar den Geheimgang, aber Filchi schleicht uns einfach zu viel herum. Du wärst eine große Hilfe!" Die Schwarzhaarige stimmte zu. „Braves Kind!" Fred streichelte ihr übers Haar.

Der Samstag verging für Helenas Geschmack viel zu schnell. Vielleicht lag das auch daran, dass sie ein bisschen nervös wurde bei dem Gedanken, die Schulregeln zu hintergehen. Den Zwillingen schien das Ganze nichts auszumachen. Pünktlich um Mitternacht fanden sich die drei im Gemeinschaftsraum vor dem Kamin ein.

„Ihr habt sie doch nicht alle! Wollt ihr von der Schule fliegen?" Hermine riss die junge Halliwell aus dem Gedanken. Wieso musste diese Besserwisserin immer alles mitbekommen? Gerade als Helena etwas erwidern wollte, sah sie, das Hermine gar nicht sie und die Weasleyzwillinge gemeint hatte.

„Malfoy hat uns herausgefordert! Das können wir nicht auf uns sitzen lassen!", schnauzte Ron zurück. Fragend sah die Schwarzhaarige zu Harry.

„Der Idiot hat uns zu einem Zaubererduell herausgefordert! Wir gehen, komme was wolle!", antwortete der Potterjunge und schritt an Hermine vorbei. Selbstgefällig sah der Rotschopf zu der Besserwisserin und ging dann ebenfalls.

Helena wandte sich ab und sah zu den anderen zwei Rothaarigen. „Bereit? Dann gebt mir die Hand." Wie geheißen nahmen die Jungen ihre Hände und eine Sekunde später waren die drei verschwunden.

*

Eine dunkle Seitengasse wurde erhellt von dem Erscheinen der drei Kinder. Helena sah sich. Irgendwie hatte sie sich Hogsmead prunkvoller vorgestellt. Aber vielleicht war es einfach zu dunkel.

Vor ihnen war eine zwielichtige Spelunke, namens „Eberkopf". Die Zwillinge steuerten darauf zu und hielten dem Mädchen gentleman-like die Tür auf.

Helenas Beine fühlten sich an wie Wackelpudding. Wer weiß, wer sich aller hier herum trieb. Ihr Blick wanderte durch den Raum. Die Menschen, die anwesend waren, waren entweder vermummt, oder sie hatten die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Es könnte gut auch ein Dämon hier lauern.

Fred und George schienen keine Bedenken zu haben. Sie steuerten auf einen Tisch im hinteren Teil des Schankraumes zu. Dort saß ein schwarzgekleideter Mann, der zu der Hälfte gehörte, die die Kapuze zum Blickschutz benutzte.

Als die Jungen sich setzten, zog der sich freundlicherweise die Kapuze vom Kopf. Schelmisch grinste er die Kinder an. „Na Jungs, habt ihr euch eine Praktikantin geangelt?" Die Zwillinge grinsten. „So in etwa. Mundungus, das ist Helena Halliwell." Mundungus zog pfeifend die Luft ein. „Angenehm!" Er erhob sich und verneigte sich leicht.

Während die Jungs mit Mundungus verhandelten, versuchte Helena nicht einzuschlafen. Sie bekam kaum mit, um was es dabei ging. Es hatte sie sowieso nicht zu interessieren. Irgendetwas für die Experimente der Zwillinge.

Ihren Ellbogen hatte sie auf die Tischplatte gestützt und ihren Kopf darauf gebettet. Sie döste immer wieder ein, während ihr Kopf dann immer abrutschte. Als sie einmal unbeabsichtigt auf die Tischplatte knallte, lachte Mundungus sie aus.

„Ich glaube, dass eure kleine Freundin dringend ins Bett muss." Ein Blick auf seine Armbanduhr verriet den Verhandelten, dass es bereits 2 Uhr war. „Nun gut, du weißt, was du uns zu besorgen hast! Also hoffen wir, dass du es in einem Monat hast, dann kommen wir wieder!" Mundungus nickte.

Dankbar erhob Helena sich und verabschiedete sich von dem Mann. Sie war froh, hier endlich raus zu kommen. Die Weasley Zwillinge gingen voraus und sie folgte ihnen. Doch gerade als sie aus der Tür raus wollte, sprach sie einer der Kapuzenträger an.

„He Süße, ich glaube mir war so, als ob ich vorher den Namen Halliwell vernommen hatte!" Er hielt das Mädchen fest und hauchte ihr beim reden seinen stinkenden Atem ins Gesicht. Helena würgte.

„Was wollen Sie? Lassen Sie mich los!" Ihre Worte klangen ruhiger als sie war. Ihr Herz raste. Bitte lass es kein Dämon sein, flehten ihre Gedanken. Der Typ lachte.

„Ich werde doch keine Halliwell einfach so an mir vorbei lassen. Und dass auch noch lebend. Das gehört sich nicht!" Die junge Halliwell wurde nervös. Oh, bitte, dass darf nicht wahr sein. Er beugte sich näher zu ihr. „Ich habe dich schon gesucht. Nicht nur ich. Gideon hat dich ganz schön gut versteckt. Wenn du nur nicht so dumm gewesen wärst hierher zu kommen, würdest du ein nettes Leben haben. Aber so, überlebst du nicht mal mehr diese Nacht!"

Helena versuchte sich loszureißen, doch er doch er hatte sie fest im Griff. Je mehr sie sich wehrte, desto fester umschloss seine rechte Hand ihren Arm. Bestimmt lächelte er böse unter seiner Kapuze, als ein Energieball in seiner Linken erschien.

Gerade als er ausholte, wurde er von ihr weggeschubst und Helena wurde nach draußen gezerrt. Der Dämon war zu überrumpelt, als das er reagieren konnte. Fred und George sahen sie besorgt an. „Los schnell, bring uns ins Schloss, bevor der Verrückte rauskommt!" Die junge Halliwell brauchte noch eine Weile bis sie realisierte, dass die Zwillinge ihr das Leben gerettet hatten. Zu lange, denn die Tür flog auf und ein Energieball verfehlte das Mädchen nur um Haaresbreite. Schnell fasste sie nach den Händen der Rotschöpfe und beamte sie in Sicherheit.

*

Purzelnd landeten die drei im Gemeinschaftsraum. Als sie sich aufrappelten standen ihnen Harry, Ron und Hermine gegenüber. „Wo wart ihr?" fragten die sechs zeitgleich.

„Malfoy hatte uns zu einem Duell herausgefordert. Hermine ist uns gefolgt. Dann wurden wir fast erwischt und dann sind wir vor einem dreiköpfigen Hund gelandet!", erzählte Harry knapp. Die drei sahen nicht minder verstört aus, wie die andern drei.

„Wir waren in Hogsmead. Fred und George haben dort mit jemanden verhandelt und als wir raus gehen wollten, hat mich ein Dämon angegriffen!", schilderte Helena. Die anderen nickten immer. Danach verabschiedeten sie sich stumm und gingen in die Schlafsäle.

*

Kurz vor Mittag schlug Helena plötzlich die Augen auf. Es kam ihr vor, als ob sie jemand in kaltes Wasser getaucht hatte. Ihr war etwas klar geworden. Wenn dieser Dämon nach ihr gesucht und sie gefunden hatte, dann würden es noch mehr tun. Außerdem könnte er sie direkt hierher bringen.

Im Moment ging es ihr keinesfalls um ihre Sicherheit, sondern um die der anderen. Sie könnte es nicht verkraften, wenn sie schuld an einem Tod wäre. Sie musste wohl oder übel herausfinden, wer der Dämon war. Wie konnte sie nur so einen großen Fehler machen?

„Helena? Hermine, seid ihr wach?", fragte Lavender leise. Die junge Halliwell zog sich schnell an und zog den Vorhang zur Seite. „Guten Morgen, Lavender!", grüßte sie freundlich.

„Pah guten Morgen. Guten Mittag wohl eher!", lachte sie und ging zu Hermines Bett, um diese zu wecken. Helena grinste. Witzig, dass die fleißige Hermine so lange schläft.

Auch Harry und die drei Weasleyjungen schienen das Frühstück verschlafen haben. Zu fünft machten sie sich zum Mittagessen auf.

Sie lachten und schwatzten über die gestrigen Erlebnisse, als plötzlich ein wütender Malfoy zu hören war. „Wie macht Potter das nur? Warum ist er nicht von der Schule geflogen. Ah!"

„Was der nur für Probleme hat. Ich bin nur froh, dass uns der Hund am Leben gelassen hat", meinte Ron.

Plötzlich tauchte Hermine bei ihnen auf und ließ sich den Jungen gegenüber nieder. „Hast du nicht gesehen wo er drauf stand? Er bewacht etwas!" Der Rotschopf funkelte sie wütend an.

„Ich hatte genug zu tun, auf seine Köpfe zu achten, da hatte ich keine Zeit auf seine Füße zu sehen!"

Harry gebot dem ganzen einhalt. „Vielleicht bewacht er das Päckchen, das Hagrid geholt hatte!" Helena nickte. Das war eine logische Erklärung.

Sie wollte die Arme verschränken, doch ein stechender Schmerz durchfuhr ihren Arm. Die junge Halliwell zog den Ärmel ihres Pullis nach oben. Dort, wo der Dämon sie gestern gepackt hatte, hatte sie einen riesigen schmerzhaften blauen Fleck.

„Das sieht mehr nach einem Bluterguss aus!", meinte Harry und sah sich die ganze Sache genauer an. „Vielleicht solltest du damit zu Madame Pomfrey gehen!" Helena schnaubte.

„Mach dich nicht lächerlich. Das ist doch nur ein blauer Fleck, das verheilt doch bald wieder!" Harry zuckte mit der Schulter.

„Sag mal, warum wollte dich dieser Typ töten?", wollte Fred wissen. Plötzlich sahen sie die fünf Kinder an. Wie sie es hasste, wenn sie im Mittelpunkt war.

„Weil die Dämonen gerne eine Halliwell töten würden. Und ich bin die jüngste und schwächste, also …" Helena merkte, wie ihre Wangen zu glühen begannen. Es war ihr peinlich darüber zu reden. Harry merkte es und wechselte ihr zu liebe das Thema. Erleichtert atmete sie auf und nahm sich ein paar Nudeln.