Hallo, ich bins mal wieder. Was soll ich sagen? Ich hatte ein absolutes Tief in Sachen schreiben. Kein Wort hab ich zu Word gebracht. Dann waren die Worte zu sinnvollen Sätzen gebildet aber ich konnte mich selbst nicht motivieren einzustellen und überhaupt mit dem Puppenhaus weiter zu machen.
Deswegen danke an Löwin, die mir, ganz Slytherin, ein Angebot gemacht hat, dass ich nicht ablehnen konnte.
Danke an Mel, die trotz LavLav weiter gelesen und mir den Spaß an meiner eigenen Story zurückgegeben hat. Sie tat es unwissentlich und ich danke ihr.
Und natürlich Danke mein geliebter Illing. Dass du mir aus der Schreibkrise souverän herausgeholfen hast, meine Abstinenz im Schreiben überwacht hast, mir gut zugeredet hast und überhaupt Danke für alles.
Und nun geht's weiter. Vorher noch ganz, ganz, ganz, ganz vielen Danke an alle, die meine Geschichte lesen, vor allem aber an BlueApril, Lucy the Ripper, Hexchen (wann geht's weiter bei dir?), Kätzchen und Illing. Und die, die zwar lesen aber nicht reviewn ;-)
Kapitel 14 "Ich hab sie nicht gekannt, wie soll ich sie da vermissen?"
Schon während sie sich langsam aus dem Bett quälte, spürte Hermine, dass der bevorstehende Tag nicht unbedingt zu den Besten des Jahres werden würde.
Lavender blockierte das Bad, Pavati trommelte wie wild gegen die Tür und Victorias Morgengruß fiel noch knapper aus als sonst.
„Komm endlich aus dem verdammten Bad raus Lav. Ich habe einen Zauberstab und werde mich nicht scheuen, ihn einzusetzen, um duschen zu können" keifte die Dunkelhäutige und vergewaltigte weiter die harmlose Badezimmertür.
„Ich habe auch einen Zauberstab" tönte es aus dem Bad. „Gleichstand also. Dein nächster Einwand?"
„Dein Stab liegt noch auf deinem Nachttisch" flötete Pavati siegessicher.
Dumpfes Fluchen wurde laut, im nächsten Moment riss Lavender ungehalten die Tür auf und stolzierte zu ihrem Kleiderschrank.
„Ich hätte sie rausgeholt, wäre sie nicht freiwillig gekommen" knurrte Vic und drängte sich an Pavati vorbei ins Bad.
„Ich hab meinen Zauberstab dabei, versuch es also ruhig" forderte sie im Vorbeigehen.
Hermine konnte nur den Kopf schütteln. Vor dem ersten Kaffee war ihre Freundin unerträglich.
Mit einem hastigen „bin bei Ginny und Demelza duschen" schnappte sie sich Schuluniform und Umhang und verschwand.
Vics schlechte Laune wich unbemerkt tragischer Melancholie.
Schweigsam saß sie am Frühstückstisch und schlürfte ihren Kaffee. Immer wieder warf sie dem Professor für Zaubertränke bedeutungslose Blicke zu.
Der ließ seinen Blick gewohnt wachsam und drohend durch die Halle gleiten und vermied es wie üblich, den Mund zu öffnen.
Einzig Remus konnte ihm einen knappen Gruß abringen, als er sich neben den dunklen Mann setze und ihm mit merkwürdiger, tröstend anmutender Geste auf die Schulter klopfte.
Zaubertränke lief ab, wie an jedem anderen Tag auch. Das einzig Merkwürdige war, dass Professor Snape nicht sofort in die Luft ging, als Vic eine Phiole mit Drachenmilch fallen ließ, sondern stumm die Sauerei beseitigte und ihr eine Neue reichte.
Naiv hätte Hermine auf einen besonders guten Tag getippt, oder einen Anfall von Onkelhafter Nachsichtigkeit, wäre da nicht dieser kurze Blick gewesen, der ihr durch Mark und Bein zog.
Gleichzeitig entschuldigend, mitleidig, liebevoll, wütend und fassungslos.
Auch Verwandlung war überstanden, die Schüler strömten aus allen Richtungen in die Große Halle und Vic hatte bisher nur das nötigste geredet. Besorgniserregend, wie Fred fand, da seine Freundin dem Reden sonst mehr als zugetan war.
Und nachdem Draco einen abfälligen Kommentar über die Größe von Victorias Hinterteil gemacht und sie nur mit einem müden „Heute nicht Malfoy, Morgen wieder" reagiert hatte, machte er sich wirklich, wirklich Sorgen.
„Bist du krank?"
„Nein, kerngesund."
„Was ist dann mit dir los?"
„Nichts, was soll sein?"
„Was sein soll?" echote Fred ungläubig. „Das frag ich dich. Malfoy hat geradezu nach Schläge gebettelt und du lässt ihn abblitzen."
„Ich bin nicht in der Stimmung, mich zu streiten."
„Seit wann?"
„Seit Heute." Die Schärfe in ihrer Stimme ließ die Beteuerung, nicht in Stimmung für Streit zu sein, zur Lüge werden.
Fred schüttelte Verständnislos den Kopf.
„Manchmal gehen mir deine Launen echt auf den Geist" murmelte er.
„Das gleiche kann ich von deiner nervigen Fragerei sagen."
„Du willst also doch Streit." Es klang eher wie eine Feststellung denn als Aufforderung.
„Vielleicht" sagte Vic sauer. „Vielleicht will ich auch nur meine Ruhe an diesem beschissenen Tag und nicht ständig gefragt werden, was mit mir los ist."
„Wenn du die Güte hättest, uns zu sagen, was los ist, brächten wir nicht ständig fragen" knurrte Fred. Auch seine, zugegeben fragliche, Freundlichkeit kannte Grenzen.
Hermine, Harry und die Anderen waren der Diskussion bisher schweigend gefolgt und warteten auf eine Antwort.
Die Schwarzhaarige seufzte laut, rieb sich die trüben Augen und rückte dann endlich mit der Sprache raus.
„Es ist der Tag heute. Es ist nichts passiert, es geht mir gut und ich entschuldige mich für jedes unfreundliche Wort, dass ich heute schon verloren habe und noch verlieren werde."
„Entschuldigung angenommen" erklärte Hermine sofort. „Und jetzt sag schon endlich, was an diesem Tag so schlimm ist, dass du sogar mit Fred Streit anfängst."
Stumm um Verzeihung bittend lehnte sich Vic an ihren Zwilling.
„Es ist weniger der Tag als das, wofür er steht" erklärte sie. „Heute ist der Todestag meiner Mutter. Der 15."
Wie eisiger Nebel senkte sich Betroffenheit über die Freunde. Daran hatte keiner gedacht.
Der November war von Natur aus schon ein dunkler Monat, doch für die Snapes war er der Dunkelste überhaupt.
Victoria war noch ein Baby, als Caitlin Snape ums Leben kam. Walden McNair, der eine Mann, den Vic selbst dann nicht vergessen würde, sollte sie das gleiche Schicksal wie Gilderoy Lockhart ereilen, lauerte der Anhängerin des Orden des Phönix in ihrem Haus auf, folterte und tötete sie. Nicht auf den Befehl Voldemorts. Nicht, weil Caitlin den Todessern mehr im Weg gestanden hätte als all die anderen Phönixe. Sie starb nur, weil Walden McNair seine perverse Lust zu töten hatte stillen wollen. Wie zufällig hatte er ihr Haus in einem Vorort von East Kilbride ausgewählt und war umso erfreuter gewesen, zwei Fliegen mit einer Klatsche schlagen zu können.
Baby Victoria wurde von ihrem Paten, der an diesem blutigen Tag auf sie aufgepasst hatte, direkt zu Albus und dann zu Severus gebracht. Albus Logik war auch für ihn einleuchtend gewesen:
Was schützt besser vor einem Todesser als das Heim eines anderen Todesser?
McNair, wie alle Todesser der Meinung, Severus hätte vor Jahren mit seiner unwürdigen Schwester gebrochen, hatte geschworen, auch die Brut der Verräterin nicht zu schonen.
Soweit war es nicht gekommen. Und solange Severus lebte, würde sich daran nichts ändern.
„Wie konnten wir das nur vergessen" fragte Hermine, die sich mal wieder als Erste ihrer Stimme ersann. Betroffenes Schulterzucken folgte.
„Sollen wir dich für den Rest des Tages entschuldigen?" fragte Harry, der von allen Anwesenden wohl am Besten nachempfinden konnte, wie Vic sich fühlte.
„Nein, bloß nicht" wehrte sie ab. „Bleibt einfach bei mir, seid wie immer und vor allem seht mir meine kurzzeitige, soziale Inkompetenz nach."
„Schatz, so Leid es mir tut, dir das sagen zu müssen" beteuerte Fred mit Dackelblick. „Aber deine soziale Inkompetenz ist nicht kurzfristig sondern andauernd."
„Genau so meinte ich das" lachte Vic und drückte ihm zum Dank einen Kuss auf den Mund.
Hermine wusste nicht, welche Sicherung in dem Hochleistungscomputer, den sie ihr Gehirn nannte, durchbrannte und sie dazu brachte, die Frage zu stellen. Es platze einfach aus ihr heraus.
„Wie kommt der Professor damit zurecht?"
Während Vic eher überrascht war, tippte sich Ron mit dem Finger gegen die Stirn, Harry zuckte mit den Schultern, Ginny und Lavender kicherten wie Schulmädchen und die Zwillinge fanden mit „zuviel Bildung schadet also doch" die perfekte Antwort.
„Ich weiß es nicht" antwortete die Schwarzhaarige, als alle die, in ihren Augen, nötigen Reaktionen getätigt hatten.
„Er redet nicht darüber. An Mom´s Todestag spricht er nie mit mir. Als ich kleiner war, hat er mich immer zu Remus oder zu Professor Dumbledore gebracht. Einmal hat er gesagt, dass er es nicht ertragen könnte, mich um sich zu haben. Ich würde ihn zu sehr an sie erinnern. Dabei sagen alle immer, ich sähe ihr kaum ähnlich."
Harry fragte sich, wer sich seine Stimme geliehen hatte, um zu sprechen. Er selbst konnte die Worte jedenfalls nicht gesagt haben.
„Du musst das verstehen" erklärte seine Stimme. „Ich weiß nicht viel von Snape und der Beziehung zu deiner Mom. Sirius hat mal gesagt, dass Snape sie in der Schule immer beschützen wollte. Vor den Slytherin, vor aufdringlichen Verehrern und allen voran deinem Dad. Sie standen sich wohl sehr nahe. Sie war wahrscheinlich der einzige Mensch, der jemals hinter seine Mauern sehen durfte und den wahren Snape kannte. Selbst wenn du ihr nicht ähnlich siehst, so bist du doch ein Teil von ihr. Ich denke, dass Snape gerade heute schmerzlich bewusst wird, was ihm mit ihr genommen wurde."
Hey, wer auch immer da sprach, er hörte sich sehr weise an.
„Harry, seit wann bist du so einfühlsam" verlangte Hermine zu wissen. „Und seit wann machst du dir Gedanken über das Gefühlsleben deiner Professoren?"
„Mach ich nicht" antwortete er kleinlaut. „Ich an seiner Stelle würde mich so fühlen."
„Selbst wenn du Recht hast" warf Vic ein, „wieso bestraft er mich dann? Ich weiß, wir sind keine kleine, glückliche Familie und werden es wohl auch nie sein. Er ist schwierig, ich bin schwierig, keine Frage. Aber ich wünschte, er würde mich nur einmal dabei sein lassen, wenn er sich in seine Wohnung zurück zieht und in die Vergangenheit reist. Ich will mehr über sie erfahren als die knappen Randinformationen, die ich habe. Ich weiß nicht, wie meine Eltern sich kennen gelernt haben, warum sie nie geheiratet haben, ob meine Mutter eine gute Schülerin war und was ihre Lieblingsfächer waren. Ich weiß nicht mal, in welchem Haus sie war."
„Bestimmt war sie in Gryffindor" versicherte Hermine sanft. „Und welche Rolle spielt es schon, ob sie gut war oder nur Durchschnitt. Sie stand auf der richtigen Seite, nur das zählt."
„Dass man auf der richtigen Seite steht heißt nicht, dass man automatisch zu den Guten gehört" widersprach Harry. „Wurmschwanz stand auch auf der richtigen Seite und verriet meine Eltern trotzdem."
„Wurmschwanz war ein Phönix, der diese Ehre nicht verdient hat" verteidigte sich Hermine. „Er war zu feige, sich für eine Seite zu entscheiden, er stand nie wirklich auf einer Seite."
„Professor Snape auch nicht, wenn man es genau nimmt" mischte sich Lavender ein. „Macht ihn das zu einem schlechten Menschen?"
„Nein" erklärte Harry, „er ist so was wie ein Held. Ohne seine Hilfe wäre es dem Orden nie gelungen, Voldemort zu stürzen. Was ihn zu einem schlechten Mensch macht, ist sein sadistische Art mit Menschen umzugehen."
„Ich kann mir nicht vorstellen, dass meine Mom ein schlechter Mensch war" ereiferte sich Vic plötzlich.
„Das hat doch auch keiner gesagt" antwortete Hermine überrascht. „Wie kommst du darauf?"
„Ihr sagt doch immer, ich wäre wie mein Onkel. Die Gene für Sarkasmus, schlechte Laune und Jähzorn scheinen in seiner Familie sehr dominant zu sein, oder woher soll ich es haben? Wer sagt mir, dass meine Mom nicht genauso war?"
„Victoria" Hermine war bemüht, ruhig zu bleiben. Jähzornig traf Vics aktuelle Laune wirklich gut. „Gene haben nichts mit den von dir beschriebenen Charaktereigenschaften zu tun. Wenn man viel mit einem Menschen zusammen ist, übernimmt man nicht selten dessen Wesenszüge. Wenn du es so willst, ist dir all das anerzogen."
„Außerdem hätte sich Sirius nie in jemanden verliebt, der so unfreundlich ist wie Snape" schmetterte Harry, von seinen Worten überzeugt, hinterher.
Als Antwort verengten sich die Augen der Schwarzhaarigen zu kleinen Schlitzen.
„Weil er so edel und durch und durch gut ist, ja?" zischte sie. „Darf ich dich daran erinnern, dass er nicht nur der nette Rumtreiber von nebenan war, sondern seine Feinde mit der gleichen Hingabe gequält hat, mit der er seine Freunde unterstütz hat? Und sein Hochmut hätte ihr fast das Genick gebrochen. Glaubst du wirklich…"
Weiter kam sie nicht. Remus war zu ihnen an den Tisch getreten und hatte ihr eine Hand auf die Schulter gelegt.
„Ihr kommt zu spät zum Unterricht" erklärte er schlicht und nickte in Richtung Eingang.
Nur widerwillig erhoben sich die Freunde, um zwei Stunden Geschichte der Zauberei über sich ergehen zu lassen.
„Harry ist dein Freund" flüsterte Remus seinem Patenkind zu, „nicht dein Feind. Es mag sein, dass er Sirius Fehler nicht sehen will, aber das ist sein Recht. Es muss immer ein Herz geben, welches unser wahres Wesen erkennt und auf uns schwört, selbst wenn der Rest der Welt es nicht verstehen kann. Bist du nicht selbst manchmal blind? Denk nach, Vicky. Bist du immer fair mit deinem Urteil über Sirius? Siehst du das gleiche wie Harry, wenn du Severus siehst?"
Ohne überlegen zu müssen verneinte sie. Remus hatte Recht, wie so oft.
„Danke. Für deine Worte und dafür, dass du immer da bist, wenn ich dich brauche. Auch wenn ich selbst nicht weiß, dass es so ist."
Eine innige Umarmung später eilte Vic ihren Freunden nach.
Wie jeden Abend lungerten Harry, Ginny, Ron, Lavender, Vic und Hermine im Gemeinschaftsraum vor dem Kamin herum, um sich von den Strapazen des vergangenen Tages zu erholen.
George und Demelza waren gleich nach dem Abendessen im Raum der Wünsche verschwunden und Fred hatte sich Harrys Tarnumhang ausgeliehen, um ungesehen zum Gemeinschaftsraum der Slytherin zu kommen.
Was er da vorhatte, wollte Harry nicht wissen.
„Wenn ich nichts weiß, bekommen weder Dumbledore noch Veritaserum etwas aus mir heraus" lautete einer der Devisen in Hogwarts.
„Hat noch irgendjemand in diesem Raum Schokolade?" rief Hermine in einem akuten Anfall von Süßigkeitenmangel.
Gestern war sie zu verzückt von ihrer Entdeckung bezüglich der fehlenden Zutat für den Vielsafttrank gewesen, als dass sie über Snapes Worte groß hätte nachdenken können.
Knapp 24 Stunden später verwirrte sie die beinahe freundliche Art des Professors.
„Vielleicht, weil ich etwas bei Ihnen gutzumachen habe." Immer wieder schwirrte dieser eine Satz durch ihre Gedanken.
Wollte er sie auf den Arm nehmen? Hatte er es vielleicht doch ernst gemeint?
Nachdenklich biss sie einem Schokofrosch, auf Dean war eben doch Verlass, den Kopf ab.
Probier es mit der einzig wahren Vorgehensweise, Mine dachte sie. Logik. Snape ist kein Mensch, der sich entschuldigt, weder direkt noch indirekt. Snape meint alles, was er sagt, genau so, wie er es eben sagt. Wieso sollte er sich bei dir entschuldigen? Stand er vielleicht unter einem Fluch? Memo an mich selbst: Nach Gewohnheitsverändernden Flüchen suchen. Vielleicht hat er auch zuviel giftige Dämpfe eingeatmet? Die Spätfolgen zu häufiger Anwendung des Cruciatus?
Einen schwachen Moment lang dachte sie sogar daran, dass Professor Snape, der Mann, der ihr so schlimm zugesetzt hatte und den sie trotzdem heimlich bewunderte, endlich erkannt hatte, dass Hermine Granger mehr als eine nervige Schülerin war. Eine nervige Schülerin nämlich, die talentiert und klug war.
Im nächsten Moment allerdings lachte sie sich selbst für diesen Gedanken aus.
Schließlich schob sie sein merkwürdiges Verhalten auf den Todestag seiner Schwester, der ihm wohl so zugesetzt haben muss, dass er kurzzeitig unzurechnungsfähig war.
