Stella McKinnon hielt Wort. Noch bevor die Sonne ihren Höchststand erreicht hatte, gelangten wir an den Rand des Kakteenfeldes. Endlich konnte ich unseren Weg wieder weiter als nur ein paar Handbreit weit vorhersehen! Meine Freunde darüber ließ mich meinen Schritt beschleunigen, und ich verlangsamte ihn erst wieder, als meine erschöpfte Begleiterin mich darum bat.
Unser Weg führte uns entlang eines langsam absteigenden Felsgürtels, der gegen Nachmittag in einem kleinen Talkessel mündete. Kaum hatten wir diesen erreicht, blieb meine bis dahin recht zielstrebige Begleiterin jedoch stehen und lauschte.
„Hören sie das, Mr. Standish?" Ein bemerkenswertes Strahlen glitt über ihr schmutziges Gesicht und ließ ihre Augen hell aufleuchten. „Wasser!"
Ich lauschte, dann schüttelte ich den Kopf.
Sie fasste meinen unverletzten Arm und schüttelte ihn. „Hören sie nicht das Plätschern? Kommen sie!" Ohne zu zögern zog sie mich mit sich, und mir blieb nichts anderes übrig als ihr zu folgen.
Zielstrebig führte sie mich tiefer in den engen Talkessel hinein, bis sich, verborgen hinter einer Hand voll Felsen, schließlich ein kleiner See auftat. Nun hörte auch ich das leise Plätschern einer Quelle, die zwischen dem grauen Gestein hervorschoss.
Ohne ein weiteres Wort zu verlieren hasteten wir an das flache Ufer des Gewässers, sanken in die Knie und tranken gierig. Und erst als mein dringendster Durst gestillt war, kehrte mein Verstand zurück. Ich beäugte die junge Frau an meiner Seite misstrauisch. „Sie haben dieses leise Plätschern doch nicht wirklich von da hinten hören können, oder?"
Sie lachte. „Nein. Aber ich habe schon seit einiger Zeit beobachtet, wie sich die Pflanzen und die Beschaffenheit des Bodens verändert haben. Ich wusste, dass Wasser in der Nähe sein musste."
Ich kam nicht umhin, selbst zu grinsen. „Nach dem düsteren Kakteenfeld der letzten Nacht ist das hier wahrlich eine angenehme Überraschung!"
„Es freut mich, wenn sie zufrieden sind, Mr. Standish", entgegnete sie mit einer angedeuteten Verbeugung, doch das Leuchten in ihren hellen Augen strafte ihre beinahe gleichgültigen Worte Lügen.
„Sie haben doch noch etwas im Sinn, Mrs. McKinnon", forschte ich. „Was ist es?"
„Ich möchte baden." Als sie meines mehr als erstaunten Gesichtsausdruckes gewahr wurde, lachte sie hell auf. „Um Himmels Willen, Mr. Standish, so habe ich das nicht gemeint! Schauen sie doch nicht so schockiert drein!"
Verlegen räusperte ich mich. „Und wie haben sie es gemeint, Mrs. McKinnon?"
„Wir riechen beide unangenehm. Nein, sagen sie nicht, dass ihnen das noch nicht aufgefallen ist!"
Ich schloss meinen Mund wieder, und dachte daran, dass ich ein anderes Gesprächsthema bei weitem vorgezogen hätte.
Sie beäugte mich schmunzelnd. „In Ordnung. Wenn es sie beruhigt, sage ich es anders. Ich fühle mich schmutzig. Und da ich dank der Ketten nicht einmal in der Lage bin, mich auch nur meines Mantels oder meiner Stiefel zu entledigen, können sie nun auch wieder getrost ihrem schockierten Gesichtsausdruck gegen einen entspannteren eintauschen. Ich werde ihnen nicht zu nahe treten."
Ich hustete leicht, um meine Verlegenheit zu überspielen. „Ob ihrer klärenden Worte fühle ich mich wahrlich erleichtert, Mrs. McKinnon", murmelte ich hastig.
Sie grinste und beugte sich über die klare Wasseroberfläche, um mit beiden Händen von dem kühlen Nass zu schöpfen. Fasziniert beobachtete ich, wie die silbernen Tropfen ihr Gesicht benetzten und helle Spuren auf ihrer staubbedeckten Haut hinterließen.
Als sie sich mir zuwandte, funkelten ihre Augen.
„Sie meinen es wirklich ernst, nicht wahr?", entfuhr es mir.
„Ja. Und wenn sie klug sind, dann nutzen sie diese Gelegenheit ebenfalls. Und vergessen sie nicht, ihre niedliche kleine silberne Flasche aufzufüllen." Sie kicherte, bevor sie sich den nächsten Schwall Wasser ins Gesicht warf.
