Es war einer dieser Momente in denen man eine Stecknadel hätte fallen lassen können und mit Sicherheit hätte sie jeder gehört. Alle Blicke richteten sich gespannt auf sie, warteten auf irgendeine Reaktion. Flehend sah Minako zu ihrer Freundin. Bunny stand dort vor der großen Weltkarte, den prüfenden Blick ihres Lehrers im Rücken. Warum haben sie den gestrigen Abend auch zum verzieren der Kekse genutzt anstatt für Geographie zu lernen? Diese Überlegung kam aber nun reichlich spät, und war insbesondere für Bunny mehr als zwecklos.
„Fräulein Tsukino, wenn Sie nun bitte so freundlich wären und mir die Hauptstadt Chiles zeigen würden." Diese Frage wiederholte er nun schon zum dritten Mal, immer noch zeigte Bunny keine Reaktion. Minako wusste das ihre Freundin nicht den Hauch einer Ahnung hatte, wo Chile lag geschweige denn, wie die Hauptstadt dieses Landes hieß. Nervös suchte sie den Blick von Seiya, doch dieser zuckte auch nur sichtlich hilflos mit den Schultern, ebenso wie Ami und Makoto. „Fräulein Tsukino?", fragte der Lehrer nun nochmals, mit einem doch sehr entnervten Unterton. Verkrampft hielt Bunny den Zeigestock fest in ihren Händen. Mit starrem Blick fixierte sie die große Karte vor sich, unfähig sich auf einen klaren Gedanken besinnen zu können. Doch ihr war deutlich bewusst wie sehr sie sich hier gerade zum Klops machte, vor allen Mitschülern, vor ihren Freundinnen, vor ihm. Warum geschahen auch nie Wunder, wenn man sie wirklich brauchte?
Plötzlich erregte etwas anderes die Aufmerksamkeit des Lehrers. „Fräulein Hino?" Makoto, die so eben ihre Hand gehoben hatte, lächelte ihren Lehrer an. „Ich müsste mal eben kurz auf die Toilette." „Fräulein Hino, Sie wissen doch sicher was ich zu diesem Thema für eine Meinung habe, oder?", entgegnete der Lehrer und schaute das braunhaarige Mädchen tadelnd an, doch diese ließ sich nicht beirren. „Aber es ist wirklich dringend. Verstehen sie? Sie kennen das doch, wenn es mal ganz dringend sein muss?" Gekonnt verwickelte Makoto ihren Lehrer in eine scheinbar endlose Diskussion, wobei sie Minako einen flüchtigen Blick zuwarf. Schnell kramte das blonde Mädchen einen Zettel aus ihrer Tasche und faltete diesen mit geübten Handgriffen zu einem Papierflieger. Minako war so so konzentriert und vertieft, das sie nicht einmal Yatens neugierigen Blick von der Seite bemerkte, für welchen sie sonst immer ein besonders empfindliches Gespür bewiesen hatte. Der Grauhaarige drehte sich fragend zu seinem größeren Bruder um, doch auch dieser schien damit beschäftigt zu sein, Minako interessiert bei ihren Faltarbeiten zu beobachten. „Psst." Erschrocken blickte Seiya in zwei große, grüne Augen direkt vor ihm. „Was?", flüsterte er seinem Bruder zu.„Was macht sie da?" „Ich hab keine Ahnung.", entgegnete Seiya leise. Yaten ließ seinen Blick abermals zu dem blonden Mädchen schweifen, mit dem Unterschied, das sie diesen nun zu bemerken schien. Mit ihren großen blauen Augen lugte sie über ihre Schulter und lächelte den Jungen entzückt an. Und da war es wieder... Das Gefühl. Dieses eine besondere Gefühl, was Yaten von Tag zu Tag deutlicher spüren ließ, wie nah er Minako doch sein wollte. Wie sehr er ihr Herz berühren wollte, es festhalten wollte.
Das Makoto ein unentdecktes Talent dafür zu haben schien, schier bar endlose Diskussion mit Lehrern zu entfachen, war vielen ihrer Mitschüler bis jetzt nicht allerdings schon. Und auch Bunny musterte ihre Freundin verwirrt. Sie konnte sich einfach keinen Reim auf deren Verhalten bilden, so sehr sie es versuchte. Erschrocken zuckte das Mädchen zusammen, als plötzlich ein weißer Papierflieger vor ihren Füßen zu Boden fiel. Von diesem leisen Geräusch gewarnt, wollte sich der Lehrer gerade umdrehen, als Ami ihn plötzlich am Ärmel zog. „Aber Sie wissen doch bestimmt was es für Folgen haben könnte, wenn die Blase nicht entleert werden kann." Nun blickte auch Taiki seine Brüder leicht fragend an. Doch Bunny ließ sich nicht beirren. Sofort hob sie den Papierflieger auf und las die in fein säuberlicher Schrift geschriebenen Worte. Chile liegt an der Westküste Südamerikas. Die Hauptstadt trägt den Namen Santiago de Chile. Ohne Zweifel war dies die Handschrift von Minako. Dankbar suchte das Mädchen den Blick ihrer Freundin, und erntete von dieser sofort ein aufmunterndes Lächeln. Jetzt auch schienen Yaten, Seiya und Taiki den Plan der Mädchen verstanden zu haben. Und sie konnten sich ein amüsiertes Grinsen nicht verkneifen. Dieses Verhalten war eigentlich nur zu typisch für die Mädchen, doch schien es Bunny mit viel Charme aus ihrer misslichen Lage zu retten.
„Wo sollen wir die Karte jetzt hinschaffen?", fragte ein scheinbar sehr orientierungsloser Seiya seinen kleineren Bruder. Vom Lehrer beauftragt erhielten sie die Aufgabe, die zwei genutzten Karten während des Unterrichts zurück in den Materialraum zu bringen. „Na in den Materialraum, hast du nicht zugehört?" „Woher soll ich wissen wo der ist?", wollte Seiya leicht entnervt wissen. „Hast du bei der Schulführung nicht aufgepasst?" , entgegnete Yaten. „Na wozu muss man wissen, wo dieser Materialraum ist man?" „Das beste Beispiel erleben wir hier gerade selbst. Stell dir vor du müsstest die Karten allein wegschaffen, dann wüsstest du nicht, wo du hin müsstest." , grinste Yaten während Seiya jetzt nur wortlos hinter ihm herlief. Es erschien ihm nicht sehr sinnvoll, die Wiederworte seine Bruder zu beantworten. Also hielt Seiya lieber gekonnt sein sonst so loses Mundwerk und folgte ihm durchs Schulhaus.
Als die zwei Brüder den Materialraum betraten, schaute sich Seiya neugierig um. Der Raum erschien ihm sehr viel kleiner, als er in der Wirklich zu sein mochte. Das lag mehr oder weniger daran, das dieser Raum einfach nur vollgestopft war. Vollgestopft mit unzählig vielen Karten und Büchern. „Du scheinst ja sehr fasziniert davon zu sein Bruder.", stellte Yaten fest, während er verzweifelt versuchte, einen geeigneten Platz für die Karten zu finden. „Ich bin fasziniert davon, wie viel man doch in einen einzigen Raum stopfen kann. Und das mit keinerlei erkennbaren System.", meinte Seiya während er mit seinem Zeigefinger über ein Regal direkte neben der Tür fuhr. „Und dreckig ist es auch noch." „Anstatt hier einen auf Saubermann zu machen, wäre es von Vorteil wenn du mir vielleicht mal helfen würdest." „Du hast doch schon kaum Platz hier in dem Raum, wie sollen wir da um Himmels Willen beide reinpassen, Geschweige denn uns beide bewegen." „Jetzt versuch dich nicht raus zu reden, sondern hilf mir gefälligst.", pampte Yaten seinen Bruder an. Dieser kannte Seiyas Vorliebe, sich gekonnt vor Aufgaben zu drücken. „Na gut, auf deine Verantwortung.", seufzte der Schwarzhaarige. „Warum können wir die Karten nicht einfach hierhin stellen?", fragte er nach einem kurzen Moment der Stille und zeigte auf einen Schrank. „Der scheint doch recht stabil zu sein, da können wir die Karten einfach anlehnen." , schlug er vor, wobei er etwas an dem .Schrank rüttelte. Welches sich in wenigen Augenblicken jedoch als nicht ganz so folgenloser Fehler herausstellen sollte. Seiya vernahm nur noch ein Poltern und den schmerzerfüllten Aufschrei seines Bruders, ehe er sich wieder besann und voller Schrecken auf den Boden schaute. „Meine Fresse, passe doch mal auf !", schrie dieser ihn an. Durch das leichte Ruckeln am Schrank, hatten sich die zwei Weltkarten auf ihm selbstständig gemacht und fielen ungehindert und mit voller Wucht auf Yaten. Dieser rieb sich schmerzhaft seinen Hinterkopf. Seiya kniete sich zu seinem Bruder auf den Boden „Auf so einen Angriff war ich nicht vorbereitet. Hast du dir weh getan?", fragte er doch leicht besorgt. „Nein, ich reibe mir aus Spaß meinen Hinterkopf...", entgegnete der Grauhaarige ironisch. „Und dann blutest du auch nur so zum Spaß aus der Nase,ja?" Erschrocken spürte Yaten die warme Flüssigkeit auf seinen Lippen. Eine Karte schien ihn mit voller Wucht ins Gesicht gefallen zu sein. „Komm, ich bringe dich ins Krankenzimmer Bruder.", sagte Seiya, während er dem doch leicht neben der Spur stehenden Yaten hoch half. „Weißt du wo das ist?", fragte dieser plötzlich, wobei er Seiya leicht angrinsen musste. „Wenn du weiter so herum stänkerst kannst du deinen Weg allein ins Krankenzimmer fortsetzen." , gab Seiya auf die Bemerkung seines Bruder zurück. „Schon gut, ich bin still." , sagte Yaten, während er sich zwei Stückchen Taschentücher in seine Nasenlöcher stopfte. „Sieht irgendwie mächtig panne aus.", stellte Seiya schmunzelnd fest. „Bitte, ich kann auch eine Blutspur auf dem dem gesamten Schulflur verteilen." „Super Idee, und dann beschmierst du unsere Sachen noch ein wenig damit und dann legen wir uns in irgendeine Ecke." Yaten sah seinen Bruder misstrauisch an. „Was sollte das bringen?" „Stell dir vor, wie in so einem Horrorszenario. Die Anderen würden vielleicht einen Schock kriegen wenn sie uns so scheinbar leblos und blutverschmiert finden würden." Und in Gedanken malte sich der Junge bereits sämtliche Gesichter seiner Freude aus. „Eigentlich müsste ich solche kranken Gedanken von mir geben, immerhin sind die Karten doch auf meinen Kopf gefallen.", bemerkte Yaten amüsiert. „Ich habe oft solche kranken Gedanken, ist dir das noch nie aufgefallen?" , grinste Seiya. Die beiden Brüder mussten lachen. Und so kamen sie wenig später am Krankenzimmer an.
Zögernd stand das Mädchen vor der blauen Tür. Verlegen schaute sie sich um, sie schien allein auf dem Flur zu sein. Minako spürte die wohltuenden warmen Sonnenstrahlen, die von dem Fenster hinter ihr auf ihren Rücken fielen. Langsam setzte sie ihre Hand auf die Klinke zum Zimmer auf, jedoch hielt sie nochmals einige Sekunden inne, ehe sie diese langsam nach unten drückte. Ganz behutsam und sachte, öffnete das blonde Mädchen die Tür einen Spaltbreit und lugte in das Zimmer hinein. Außer einem Schreibtisch und mehreren weißen Regalen fiel ihr nichts besonderes ins Auge. Vorsichtig drückte sie die Tür ein Stückchen weiter auf. Und betrat scheinbar lautlos das helle Zimmer. Die Fenster waren weit geöffnet, die Vorhänge wiegten sich sanft im leichten Wind. Die Luft erschien Minako deutlich angenehm, also für ein Krankenzimmer zu mindestens.
Ihr Blick schweifte durch den Raum und beim Anblick des Jungen, der so sanft in dem Bett zu schlummern schien, musste sie unweigerlich lächeln. Leise schloss die Tür hinter sich, unter keinen Umständen wollte sie Yaten wecken. Auf Zehenspitzen schlich sie zu seinem Bett und ließ sich sachte auf der Bettkante nieder. Seine Lippen waren leicht geöffnet, der sanfte Atem ließ seinen Brustkorb leise auf und ab bewegen. Behutsam berührten Minakos Fingerspitzen seine Wange. Ihre Wangen färbten sich leicht rötlich. Er liegt hier so sanft ruhend im Bett und du begrabscht ihn so ohne zu fragen. Ein leichtes Schamgefühl überkam das Mädchen, worauf sie ruckartig ihre Hand wieder zu sich zurück zog. Obwohl Yaten zu schlafen schien, verunsicherte Minako diese Nähe zu ihm. Die plötzlich näher kommenden Schritte ließen sie aufhorchen. Eine leichte Panik packte sie, ihr war bewusst das solche Besuche im Krankenzimmer angemeldet und genehmigt werden mussten. Jetzt beruhige dich, ihm fehlt kein Bein oder so. Da würde es ja nicht unbedingt schlimm sein, wenn eine besorgte Mitschülerin, wie Minako es nun mal war, den dringenden Wunsch verspürte, nach ihm zu ganz ohne Anmeldung. Du kannst dir viele Sachen echt schön reden Minako. Grinsend über sich selbst stand sie auf. Ihr gutes Gewissen schien dann doch zu überwiegen, so schmerzhaft ihr das auch fiel. Jetzt zu gehen …. Doch gerade als sie die Tür öffnen wollte, bemerkte sie, wie die Türklinke von außen herunter gedrückt wurde. Das Mädchen hielt sich die Hände fest vor den Mund, um einen erschrockenen Aufschrei zu unterbinden.
„Ich habe mir eingebildet Schritte gehört zu haben." , stellte Frau Hatori, Minakos Deutschlehrerin, verwirrt fest während sie sich im Krankenzimmer umschaute. „Es wird wohl Zeit das ich Urlaub habe, eindeutig." , sagte die Frau leise zu sich selbst und schloss im selben Atemzug die Tür.
Ihr Herz schlug bis zum Anschlag, ihr Körper presste sich verkrampft an die Wand direkte hinter der Tür. Was für ein glücklicher Zufall, das die Lehrerin die Tür nicht bis zum Anschlag geöffnet hatte, sonst wäre sie Minako wohl mit ihrer ganzen Wucht ins Gesicht geschlagen. Und hätte sie obendrein noch enttarnt. Hastig atmete das blonde Mädchen ein und aus, nur sehr langsam schien sich das Adrenalin von ihrem Körper loszulösen.
„Na da hat aber jemand Glück gehabt." Minakos Blick erstarrte zum zweiten Mal innerhalb weniger Sekunden, als sie Yatens Stimme vernahm. Buum, hey wie toll das du dieses Fettnäpfchen mal wieder voll mitgenommen hast Minako. Wie gerne würde sie jetzt laut über und mit sich selbst schimpfen. Doch das würde das Niveau der Peinlichkeit nur noch mehr in die Höhe treiben. Also strich sie diesen Gedanken ganz schnell aus ihrem Kopf. Nur sehr missmutig löste sich Minako von der Wand. Yaten schmunzelte als er die deutliche Verlegenheit in ihrem Blick erkannte. „Es tut mir Leid, ich weiß ich sollte hier nicht ungefragt rein platzen. Weil du weißt ja, wir dürfen hier nur mit Anmeldung antanzen. Aber ich meine du bist ja nicht schwer verletzt weißt du...und da dachte ich mir, warum sollte ich dich nicht einfach so besuchen dürfen..." Selbst Minako kamen ihre eigenen Worte sehr verwirrend vor. Gerade zu ein verzweifelter Versuch sich aus diesem Fettnäpfchen zu befreien. Jetzt geh einfach aus diesem verdammten Zimmer raus, dann sieht es vielleicht nicht ganz so bekloppt aus.
„Wieso willst du jetzt gehen?", fragte Yaten leicht perplex, als er bemerkte, dass das Mädchen das Krankenzimmer verlassen wollte. Er setzte sich auf und lächelte Minako an. „Bleib doch noch ein bisschen. Und keine Angst, wenn nochmal solch ein Aufpasser wie gerade eben kommen sollte, rede ich uns da schon irgendwie raus." Was ein paar einfach Worte so alles bewegen konnten. Wollte er sie tatsächlich hier haben? Hier bei sich? Hier in seiner Nähe? Bei diesen Gedanken spürte das Mädchen deutlich ihr Herz, welches in einem gleichmäßigen Takt immer schneller zu schlagen drohte. Und Minako wusste, das sich ihr liebendes Herz nach nichts mehr sehnte, als Yatens Nähe so oft wie möglich genießen zu dürfen. Als seine Lippen noch einmal auf ihren spüren zu dürfen …
Und dort saßen sie nun. Nebeneinander mit dem Rücken zur Wand. „Wie ist das eigentlich passiert?" , unterbrach Minako die Stille. Yaten wirkte etwas überrumpelt von ihrer plötzlichen Frage. Er genoss die Stille, genoss es Minako leise von der Seite aus beobachten zu können. Zum ersten Mal nun trafen die Blicke beider direkt aufeinander. Und beide verspürten das aufkommende Knistern in der Luft, was Yaten zunehmend den Atem raubte und ihn um seine Worte beraubten. Doch ihr neugieriger Augenschlag holte ihn zurück. „Was?" Minako lächelte ihn an. „Na wie das passiert ist?" Dabei deutete sie auf seinen Kopf, der mit einem weißen Verband umwickelt war. „Ach das, Seiya.", schmunzelte der Junge. „Wir haben im Materialraum einen Platz für die Karten gesucht und Seiya empfand den einen Schrank wohl als sehr passend. Na ja, und als er auf die glorreiche Idee kam, an diesem zu rütteln..." „Ist dir etwas auf den Kopf gefallen?", nahm Minako ihm seine Gedanken aus dem Mund. „Richtig. Irgendwelche Karten glaub ich. Es tat auf jeden Fall weh." „Wenn man euch zwei alleine losschickt." , stellte das blonde Mädchen belustigt fest. „Was soll das denn jetzt heißen?" „Ist nur so einen Feststellung. Ich meine wer erwartet schon das du gleich im Krankenzimmer landest, nur weil du mit deinem Bruder zwei Weltkarten wegschaffen musst. Das schaffen nicht viele." Yaten musterte Minako amüsiert. Mit dieser Feststellung schien sie nicht ganz unrecht zu haben.
Der Wind zog sich sanft durch jeden Winkel des Raumes. Er ließ die Vorhänge leise und gleichmäßig tanzen. Minako beobachtete dieses Spiel voller Begeisterung. Und völlig unbemerkt und ohne jegliche Vorwarnung legte sie ihren Kopf sanft auf Yatens Schulter ab. Ihr blondes, langes Haar fiel sanft an seinem Arm herab. Yaten, der nur sehr langsam zu realisieren schien, was Minako dort gerade tat, nahm ihren lieblichen Duft wahr, welcher ihm eine angenehme Gänsehaut war nun das erste Mal, das sich der Junge und das Mädchen nach dem Kuss wieder so nahe kamen. Und es erschien offensichtlich, das Beide doch so sehr die Nähe zueinander suchten. Das zwei Herzen sich nacheinander sehnten...
Schüchtern berührte Yaten Minakos Hand mit seiner, doch das blonde Mädchen wehrte sich in keinster Weise gegen diese Berührung. Völlig ungehindert schien sie sich seiner Nähe hinzugeben, schien seine Nähe um keinen Preis der Welt hergeben zu wollen. Behutsam drückte sie ihren Körper ein Stückchen näher an seinen. Und dieses unendliche gute Gefühl, welches sich nun ungehindert durch jeden Millimeter seines Körpers zog, brachte seinen Herzschlag zum beben. War es ein Gefühl von Liebe?...War er an einem Punkt in seinem Leben angekommen, wo er bereit war, ein Mädchen bedingungslos zu lieben? Auch wenn er noch nicht wirklich wusste, was es hieß zu lieben verspürte er den unwiderruflichen und nicht enden wollenden Drang Minako bei sich zu haben, sie glücklich zu machen.
Und er wusste nicht warum er es tat...Vorsichtig legte er seinen Kopf auf ihren blonden Schopf und drückte ihr sanft einen Kuss auf ihre Stirn. Minako wusste nicht wie ihr geschieht. Plötzlich wurde ihr heiß und kalt zugleich und eine ganze Armee aufgewühlter Schmetterlinge schien das Kribbeln in ihrem Bauch ins Unermessliche zu treiben. Und so unrealistisch diese ganze Situation für das blonde Mädchen gerade war, so traumhaft schön erschien ihr jede einzelnen Berührung des Jungen. Fester drückte sie ihre Hand in seine und atmete friedlich ein. Beruhigt schloss sie ihre Augen, sie hatte das Gefühl sich noch nie so geborgen gefühlt zu haben wie in diesem einen unbezahlbaren Moment.
Wortlos genossen die zwei ihre gemeinsame Nähe. Sie empfanden es nicht für nötig, die Stille durch unnötige Worte zu durchbrechen...
Doch was Worte nicht zu wagen versuchte, vollbrachte die Schulglocke wenige Augenblicke später. „Du musst jetzt gehen...Sonst kommst du zu spät.", flüsterte Yaten leise, worauf Minako eine angenehme Gänsehaut bekam und verliebt lächeln musste. Genüsslich streckte sie ihren Körper und entzog sich nur sehr unfreiwillig Yatens Nähe. Dieser beobachte sie entzückt, während sie sich ihre Kleidung zurück recht zog und ihren Blick verlegen zum Wandspiegel richtete. Einfach nur zu schön für diese Welt... Bei diesem Gedanken schüttelte es den Jungen. Noch nie gedachte er solche Worte in den Mund zu nehmen. Es war ihm fast ein wenig unheimlich was dieses Mädchen doch alles in ihm bewegte.
„Danke für die nette Gesellschaft, da wünscht man sich doch glatt öfters mal im Krankenzimmer zu liegen.", stellte er fest und grinste Minako verschmitzt an. „Diese Gesellschaft kannst du auch haben, ohne dich mit deinem Bruder in solch waghalsige Aktionen zu begeben...Ich stehe dir dafür immer zu Verfügung." Flirten wir hier gerade miteinander? Ehe Minako diesen Gedanken weiter ausbauen konnte, wurde sie von Yatens Worten bestätigt. „Dieses Angebot würde ich dann gerne so oft wie möglich in Anspruch nehmen." Ja, wir flirten. Eindeutig.
Die vielen aufkommenden Schritte und Stimmen auf dem Flur deuteten den baldigen Beginn des Unterrichts an. Gerade als Minako die Tür öffnen wollte suchte sie nochmals entschlossen Yatens Blick. „Dieses Gegenangebot nehme ich mit dem allergrößten Vergnügen an." Sie schenkte ihm einen Luftkuss und verließ das Zimmer. Yaten lehnte seinen Kopf gegen die weiße Wand, nur sehr schwer wollte sich sein Herz daran gewöhnen das er nun wieder ohne sie war. Doch seine Gedanken kreisten trotz ihrer Abwesenheit weiter um das blonde Mädchen. Und brachten ihn unweigerlich zum schmunzeln.
„Verdammt wir hatten doch hier irgendwo einen Picknickkorb!" Völlig nervös rannte Seiya von einer Ecke der Küche zur anderen. Öffnete jede Schranktür und ließ sie mit voller Wucht wieder zu fallen. „Geht es auch noch ein bisschen lauter?", seufzte Yaten, der auf dem Sofa lag, genervt. Taiki versorgte ihn wie einen Schwerst verletzten, dabei hatte er lediglich nur eine kleine Beule am Hinterkopf. Aber seinem großen Bruder schien das egal zu sein. „Dann halt dir die Ohren zu man.", entgegnete der Schwarzhaarige und steckte seinen Kopf verzweifelt in den Schrank mit den Töpfen. „Es reicht auch einfach wenn du die Schranktüren ein wenig leiser zumachst." , gab er zurück und setzte sich auf um seinen Bruder amüsiert zu beobachten. „Mir war nicht einmal bewusst das wir so einen Korb überhaupt haben.", stellte er fest. „Doch ich bin mir sicher, wir hatten so einen. Irgendwo zu mindestens." , sagte Seiya wobei er sich die Haare raufte. „Wo willst du mit ihr picknicken gehen Bruder?", wollte Yaten neugierig wissen, während er seinen Kopf auf die Sofalehne legte. „Im Park hier gleich um die Ecke. Aber dazu brauche ich diesen verdammten Korb, der sich gerade nicht finden lassen will." „Und so richtig mit Obst und so?" Seiya blickte Yaten fragend an. „Na ja ein Picknick eben. Ich habe Obstspieße vorbereitet und Reiswaffeln gekauft und halt noch ein paar Leckereien." „Eben genau das richtige für Bunny.", grinste Yaten seinen Bruder an, der ihm nur nickend beipflichten konnte. In diesem Moment trat Taiki in die Küche. „Gott sei dank, kannst du mir sagen wo unser Picknickkorb ist?", dabei rüttelte er seinem Bruder fast schon verzweifelt am T-Shirt, worauf dieser leicht erschrocken zurück wich. „Der ist in der kleinen Kammer links neben dem Bad.", sagte er und drückte Seiya von sich weg, der ihn jedoch überglücklich anstrahlte. „Du bist die Rettung." Voller Eifer rannte er aus der Küche und ließ seine Brüder leicht perplex zurück. „Was ist denn mit dem los?", fragte sich Taiki selbst. „Der ist so etwas von nervös. Das ist schon nicht mehr nochmal.", beantworte Yaten seine Frage unerwartet. „Yaten, du sollst dich doch hinlegen.", stellte Taiki mahnend fest und stemmte seine Hände in die Hüften. Der Grauhaarige blickte ihn verdattert an. „Ich liege doch." „Nein, du sitzt. Lege dich hin, du bist verletzt." Mit großen Schritten trat Taiki auf ihn zu. „Ich habe eine Beule am Kopf. Hast du Wahrnehmungsstörungen? Mir fehlt kein Bein oder so." Doch Taiki duldete keine Wiederworte und so musste sich Yaten wohl oder übel seinem Schicksal ergeben.
Nervös tippelte Seiya von einem Fuß auf den anderen. Sein Blick fiel abwechselnd von seiner Armbahnuhr auf die Eingangstür des Hauses vor dem er stand. Jede Sekunden schien wie eine halbe Ewigkeit zu vergehen. Und als das Warten unerträglich zu werden drohte, öffnete sich die Tür. Das blonde zierliche Mädchen lächelte ihm fröhlich entgegen und verschloss die Haustür hinter sich. Schon bei ihrem bloßen Anblick schoss Seiya das Blut in die Wangen. Als er spürte wie sich ihr warmer Körper für eine Umarmung an seinen schmiegte, drohte sein Herz vor lauter Freude aus der Brust zu springen. Es war die erste Verabredung zwischen ihm und seinem Schätzchen. Seinem Schätzchen... Wie liebevoll das doch klang.
Bunny lugte über seine Schulter und musst leise kichern. „Was?", fragte Seiya leicht irritiert. Bunny deutete auf das Fahrrad. „Auch berühmte Stars fahren manchmal Fahrrad. Ist dir das etwas neu?" „Sehr neu.", lachte Bunny. Doch als sie den reich gefüllten Picknickkorb entdeckte begannen ihre blauen Augen mit der Sonne am Himmel um die Wette zu strahlen. Sie setzte gerade an, um die Decke des Korbes zu öffnen, da gab Seiya ihr einen leichten Klaps auf ihre Hand. „Ein wenig musst du dich noch gedulden Schätzchen.", lächelte er sie an. Sie sah einfach nur zu bezaubernd aus in ihrem leichten blauen Kleidchen und der weißen , knielangen Leggins. „Nur einen klitzekleinen Blick?", dabei hielt Bunny Zeigefinger und Daumen ganz eng zusammen und schaute den Jungen flehend an. Doch dieser schüttelte entschlossen seinen Kopf. Bunny zog einen demonstrativen Schmollmund, worauf Seiya sie nur sanft in die Rippen knuffte. „Jetzt sei nicht beleidigt. Lass uns lieber losfahren." „Wie fahren? Ein Fahrrad für zwei Leute." Bunny schien in Gedanken sämtliche Möglichkeiten, wie das funktionieren sollte, durch zu gehen doch kam auf keine wirklich logische und machbare. Seiya setzte sich nur schmunzelnd auf das Fahrrad und deute mit seinem Blick auf den Lenker. „Du willst mir doch jetzt nicht weiß machen, ich solle mich auf den Lenker setzen.", fragte Bunny leicht panisch. „Oh doch, das will ich. Wie du siehst ist der Gepäckträger ja besetzt.", stellte er mit einem schelmischen Grinsen fest und reichte ihr die Hand. „Nun komm, du musst keine Angst haben Schätzchen." „Aber das ist nicht erlaubt. Wenn uns die Polizei anhält, dann bekommen wir Ärger. Und darauf hab ich herzlich wenig Lust." Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust und sah Seiya erwartungsvoll an. „Jetzt sei kein Spielverderber Schätzchen." , flehte er. Bunny schwieg einige Sekunden ehe sie das Fahrrad leicht misstrauisch ansah. „Nur wenn du mir versprichst das mir nichts passiert.", sagte sie. „Klar, Schätzchen. Das würde ich doch nie zulassen." Vorsichtig nahm er ihre Hand und hob das Mädchen auf den Lenker. Trotzdem wirkte das Bunny immer noch sichtlich verunsichert. „Hier, du musst dich gut festhalten Schätzchen." Vorsichtig drückte er ihre Hände um den Lenker. „Hältst du mich bitte fest?", fragte sie leise und ergriff seinen Arm. Behutsam legte der Junge diesen um ihren Bauch. „Fühlst du dich jetzt sicher?", fragte er nochmals und Bunny beantwortete seine Frage mit einem entschlossenen Nicken. Eigentlich hatte sie seine Frage gar nicht wirklich wahrgenommen, zu sehr eingenommen war sie von dem guten Gefühl, was seine Berührung in ihr auszulösen schien.
Und ehe Bunny sich versah spürte sie plötzlich den warmen Wind in ihrem Gesicht. Und es fühlte sich wundervoll an. Seine Hand um ihren Bauch, seine Nähe in ihrem Rücken, der warme Wind auf ihrer Haut. Es schien perfekt zu sein. „Gefällt es dir?", fragte Seiya und beugte sich ein wenig zu seinem Schätzchen vor. „Es ist famos.", strahlte sie über das ganze Gesicht und streckte ihre Beine nach vorne aus. Ihr fröhliches Lachen klang wie eine liebliche Musik in Seiyas Ohren und entlockte ihm ein Lächeln.
Und mit bester Strahlelaune kamen die zwei auch bald im Park an.
Er hatte das Gefühl von einem LKW überfahren geworden sein. Sein Kopf brummte unermüdlich. Schmerzvoll zuckte der Junge zusammen als er seinen ermüdeten Körper erhob. Der kühlenden Waschlappen hatte seine Wirkung schon längst verloren und lag beachtungslos neben seinem Kissen auf dem Sofa. Vorsichtig richtete sich der Junge auf, sofort zog sich ein stechender Schmerz durch seinen Körper und er kniff seine Augen zusammen. Mit sehr viel Bedacht setzte er einen Schritt vor den anderen. Taumelnd stütze er sich am Küchentisch ab und schaute sich suchend um. „Verflucht, irgendwo müssen wir doch Schmerztabletten haben.", fauchte er leise und fing an einen Schrank nach dem anderen zu öffnen. Nach einer vergeblichen Suche rieb er sich seinen Kopf. Diese Schmerzen drohten ins Unermessliche zu steigen. Es machte ihn wahnsinnig. Yaten ballte seine Hand zu einer Faust. Sein Blick blieb an einer weißen Flasche kleben. Nein, Wodka ist jetzt nicht unbedingt das was du brauchst Yaten. Mühsam rappelte sich der Junge auf und verließ die Küche. Es fühlte sich alles wie nach einer durchzechten Nacht an, nur tausend mal schlimmer. Alles schien sich zu drehen, in seinem Kopf hämmerte der Schmerz. Immer und immer wieder. Seine Hände verkrampften, sein Körper drohte zusammen zu sacken. „Ich halte das nicht mehr aus!", schrie er aus sich heraus und lehnte sich erschöpft gegen die Badezimmertür. Badezimmer? Das ist es. Und tatsächlich, in einer kleinen blauen Tasche fand er die scheinbare Befreiung seiner nicht enden vollenden Schmerzen. Schnell drückte er sich drei weiße Tabletten aus der Packungen. Sie erschienen riesig, doch das war Yaten egal. So lange sie seine Schmerzen stillten, war alles andere Nebensache.
Sein Körper fühlte sich leblos an. Mit letzter Kraft hatte er sich in sein Bett gehievt, neben ihm die halbleere Flasche Wasser. So viel war nötig, um die Tabletten vollends zu verschlucken. Starr fiel sein Blick an die weiße Decke. Verzweifelt wartete er auf eine Linderung seiner Schmerzen, doch das Hämmern in seinem Kopf wollte nicht leiser werden. Es schien sich durch seinen gesamten Körper zu ziehen, in jeden einzelnen Millimeter. Es trieb ihm die Tränen in die Augen. Nur sehr langsam vernahm er die nasse Flüssigkeit die leise seine Wangen hinunter auf das Kissen tropfte. Er weinte vor Schmerzen. Er weinte. Noch nie in seinem Leben hatten ihn Schmerzen so sehr in die Knie gezwungen wie in diesem Moment. Und es wollte verdammt nochmal nicht enden. Und auch seine Tränen wollten nicht enden. Immer noch starrte er an die Decke, sein Blick war verschwommen und von einer Sekunden auf die anderen fühlte er die immer größer werdende Trägheit seiner Augenlider. Völlig erschöpft fiel sein Kopf leicht zur Seite, eine letzte Träne rannte über seine Wange ehe er endgültig in einen schmerzfreien Schlaf fiel.
Vorsichtig legte sie ihren Kopf in seinen Schoß und beobachtete die leichten Wolken die den Himmel verzierten. Bunny und Seiya hatten sich einen gemütlichen Platz auf einer großen Wiese gesucht und genossen die Zweisamkeit sichtlich. Zögerlich strich er mit seinen Fingerspitzen über ihre Stirn, worauf ihr ein wohltuender Schauer über den Rücken rannte. „Was beobachtetes du Schätzchen?", fragte er neugierig. Bunny hob ihren Arm und zeigte auf den Himmel. „Schau, die Wolken sind ganz weiß. Mit ganz viel Fantasie kann man dort viele verschiedene Dinge oder auch Gegenstände erkennen. Diese dort sieht zum Beispiel aus wie ein Keks findest du nicht?" Seiya mustere Bunny schmunzelnd. „Wenn du meinst. Was hast du eigentlich in der Tüte dort?" , fragte er. „Ach..." Bunny erhob ihren Körper und griff nach der Tüte. Sie wurde leicht rot um die Nase und betete, das Seiya dies nicht bemerkte. „Das ist nichts besonderes.", sagte Bunny leise und holte die kleine Dose aus der Tüte. Seiya weitete gespannt seine Augen als das Mädchen ihm das Döschen in die Hand drückte. „Aber du musst versprechen mich nicht auszulachen..." Vorsichtig öffnete Seiya den Deckel. „Schätzchen, sind die etwa für mich?" Schüchtern nickte Bunny. „Du hast gebacken? Extra für mich?" Wieder ein Nicken. So sehr sich Seiya auch freute entging ihm der unsichere Blick des Mädchens nicht. „Was hast du Schätzchen?" „Weißt du ich habe mir sehr viel Mühe gegeben, aber ein paar sind etwas angebrannt. Du musst sie nicht essen wenn du nicht willst." , versuchte Bunny verlegen zu erklären. Sie war so beschäftigt mit ihren Gedanken, das sie Seiyas warmherzigen Blick und sein Lächeln erst gar nicht vernahm. „Du kleines süßes Dummerchen. Was denkst du denn?" Schlagartig blickte Bunny zu ihm auf. Sanft umfasste er ihre Wange mit der Innenseite seiner Hand. Bunny war so angetan von dieser warmen und sachten Berührung des Jungen das sie ihr Gesicht noch ein wenig mehr gegen seine Hand lehnte und beruhigt die Augen schloss. Die gesamte Welt erschien ihr plötzlich in einem rosaroten Hauch. Sie war doch nicht etwa wirklich …. verliebt. Doch alles fühlte sich so intensiv an. Jeder seiner Blicke ging unter ihre Haut, jede seiner Berührung elektrisierte sie ungemein. „Darf ich mir einen Keks nehmen?", seine leise Frage riss das blonde Mädchen aus ihren Gedanken. Hektisch nickte Bunny. Erwartungsvoll blickte sie Seiya an, während dieser ungeniert einen Keks nach dem anderen aus der Dose nahm. „Die sind super!", schmatzte der Schwarzhaarige wobei ihm versehentlich ein paar Krümel aus dem Mund fielen. Auf Bunnys Gesicht zauberte sich wie aus dem Nichts ein erfreutes Lächeln. Liebevoll sammelte sie die herunter gefallenen Krümmel von seiner Stoffjacke und schüttelte leicht belustigt ihren Kopf. „Hast du nicht gelernt, das es sich nicht geschickt mit vollem Mund zu reden? Da muss der Seiya wohl nochmal in den Kindergarten gehen.", stichelte das blonde Mädchen. „Wenn ich aber so viele Kekse wie möglich in den Mund stecke ist die Chance geringer das du mir welche weg isst.", lachte Seiya und gab Bunny einen sanften Stubser auf ihre Nase. Die plusterte sich leicht empört auf. „Was soll das jetzt heißen? Ich habe sie extra für dich gebacken, da werde ich sie dir schon nicht weg essen." „Du bist süß wenn du dich so aufregst Schätzchen.", grinste Seiya, worauf Bunny leicht rosa anlief. „Aber wenn es dich beruhigt ich gebe dir natürlich gerne einen ab." , sagte Seiya bereitwillig und hielt ihr die Dose unter ihre Nase. „Ich nehme lieber noch eine Reiswaffel." Das Mädchen beugte sich zum Picknickkorb. Ohne weiter nachzudenken griff sich Seiya noch einen Keks aus der Dose , doch plötzlich stockte er. In seiner Hand hielt er einen herzförmigen Keks, der mit rosarotem Zuckerguss überzogen war. Und in mitten dieses Zuckergusses erkannte Seiya ein Fragezeichen, welches mit bunten Streusel gestreut war. Ein Herz und ein Fragezeichen...Hieß dies etwa... Von seinen Gefühlen völlig überrannt blickte er zu Bunny hoch. Unzählige Gedanken und Fragen spuckten durch seinen Kopf. Sein Blick wanderte immer wieder zu dem herzförmigen Keks in seiner Hand. Bunny schien dies nicht zu entgehen. Verwirrt, mit einer Reiswaffel in der Hand schaute sie den Jungen an. „Alles okay?" , fragte sie vorsichtig. Doch Seiya schien es nicht möglich zu sein, klare Worte geschweige denn Sätze formulieren zu können. Verwundert über sein Verhalten musterte Bunny ihn und ihr Blick fiel auf den Keks, den er verkrampft in der Hand hielt. „Schätzchen...", dieses Wort entwich Seiya leise über die Lippen. Leicht fassungslos starrte nun auch Bunny auf den herzförmigen Keks in seiner Hand. Minako... Bunny war zwar für die Herzform verantwortlich, aber hinter seiner eindeutige Botschaft auf Grund des Fragezeichens steckte eindeutig ihre Freundin. „Schätzchen...Was bedeutet das? Sag es mir..." , hauchte Seiya. Seine Stimme zitterte. Und je mehr Bunny drohte in seinen unendlich blauen Augen zu versinken, desto mehr wurde ihr bewusst, wie sehr sich ihr verzweifeltes Herz doch nach ihm sehnte. Sie zuckte leicht zusammen, als sie seine warmen Hände an ihren Oberarmen spürte. Entschlossen schaute er in das erstarrte Gesicht des blonden Mädchens. „Schätzchen...Seit ich dich kennen frage ich mich, warum ich nicht gut genug für dich sein kann, warum unser Schicksal nicht füreinander bestimmt ist? Warum...", flehte er sie verzweifelt an. Seine Worte versetzten Bunnys Herzen mehr und mehr einen schmerzenden Stich. „Der einzige Grund warum wir wieder zurück gekommen sind, warst du. Ein Leben ohne dich wäre unvorstellbar. Selbst wenn das Schicksal uns nicht für einander bestimmt hat, wäre es für mich eine Qual ohne dich leben zu müssen. Dich nicht in meiner Nähe haben zu dürfen, nicht dein Lachen hören zu können. " Die Tränen auf seinen Wangen schimmerten im Sonnenlicht. Leise fielen sie auf Bunnys Hand, die starr auf ihrem Oberschenkel ruhte. Immer noch wortlos saß das Mädchen ihm gegenüber, überrollt von seinen eben gesagten Worten. Berührt von seiner Verzweiflung, seiner Zerrissenheit, seiner unzerstörbaren Entschlossenheit. Berührt von seiner scheinbar unendlichen Liebe zu ihr. Seiner Liebe zu ihr. Noch niemals im Leben fühlte sie sich zu einer männlichen Person so sehr hingezogen, wie in diesem jetzigen Augenblick. …. Und ich weiß er kann dich glücklich machen. So glücklich wie kein anderer Junge auf der Welt es kann... Die eindringlichen Worte Minakos schossen dem blonden Mädchen wie ein lauter Schrei durch ihren Kopf. Immer und immer wieder. Und das quälende Schweigen löste sich von ihr und ihrer Seele. „Es ist so schön das du wieder hier bist...", sagte sie leise und lächelte ihn sanft an. „Bitte... lass mich nicht mehr allein." Von ihren Gefühlen völlig übermannt, drückte sie ihren zierlichen Körper an Seiyas, der durch seine Strickjacke deutlich ihre nassen Tränen spüren konnte. Und er wollte sie nicht allein lassen. Nie mehr wollte er dieses Mädchen loslassen. Ganz behutsam legte er seine Arme um ihren Körper und drückte ihren zerbrechlichen Körper noch näher an seinen. Er küsste sanft ihr blondes Haar. „Schätzchen, egal wie viel Leid und Schmerz dein Herz ertragen musste. Ich werde es beschützen und versuchen zu heilen, das verspreche ich dir mit allem was ich habe.", sagte Seiya voller Bedacht und wiegte Bunny in seinen Armen leise Hin und Her. „Bitte...Lass mich gut genug für dich sein..." Stille. Nur das leise säuseln des Windes war zu hören. Die leichte Abenddämmerung legte sich über die Stadt. Unbemerkt hatten sich dichte Wolken vor die Sonne geschoben, der Wind frischte zunehmend auf. Und nach einer gefühlten Ewigkeit blickte Bunny zu Seiya hoch. Er war verunsichert. Was hatte er mit seinen Worten nur angerichtet? Wie sollte das Mädchen auf diesen Gefühlsausbruch reagieren? Doch ihr warmen Lächeln ließ auch sein Herz strahlen. „Du bist viel mehr als gut genug...", flüsterte Bunny leise. „Du bist perfekt..." Ihre lieblichen Worte sprengten sämtliche Fesseln, ließen tausende Gefühle in dem Jungen aufkommen. Und den nächsten Schritt wollte und konnte er nicht länger unterdrücken. Vorsichtig legte er seine Lippen auf ihre und versiegelte diese mit einem zärtlichen Kuss. Blitzartig schossen dem jungen Mädchen abertausende Glücksgefühle durch den Körper. Alles fühlte sich richtig an. Seine Nähe, seine Worte, ihre Gefühle … Dieser Kuss.
Und dieser eine Kuss genügte, um die unbändige Liebe der Beiden füreinander zu entfachen.
Dunkelheit hatte sich über die Stadt gelegt. Mit ersten leisen Tropfen kündigte sich der aufkommende Regen an. Schnellen Schrittes lief Minako durch die Straßen. Es war nicht mehr weit bis zu ihrer Wohnung. Unter der nächsten Straßenlaterne blieb sie stehen, um ihren Schlüssel aus der Sporttasche heraus zu suchen. Doch..."Wo ist er denn hin?" Verzweifelt stellte sie die Tasche auf dem Boden ab und hockte sich hin. So sehr sie sich aber auch bemühte schien ihr Schlüssel unauffindbar zu sein. „Das darf doch nicht wahr sein.", fluchte das blonde Mädchen leise. Das sachte Tribbeln der Regentropfen erregte ihre Aufmerksamkeit. „Gerade jetzt..." Angespannt dachte sie nach. Vom Regen völlig durchnässt zu werden, war nun das allerletzte was sie sich in diesem Moment wünschen würde. „Ah ich hab's.", grinste sie selbstsicher, als ihr in den Sinn kam, das es dort eine Person gab, die einen Ersatzschlüssel für ihre Wohnung besaß. Und diese Person war keine geringere als Bunny.
Ich hoffe doch sehr das es euch gefallen hat Und würde mich wie immer über ein paar Reviews von euch freuen 3!
Und danke an AnneBonny (=
Fühlt euch gedrückt
Sternenkindlein.
