Jinai: So, diesmal pünktlich xD Wenn mein Internet mitspielt.

Raffael: Na, das hoffe ich doch.

Jinai: Ja, ich auch, darum hab ich es ja gesagt!

Raffael: Und darum hab ich auch gesagt, dass ich das auch hoffe!

Jinai: Dann sind wir uns ja einig! ++

Raffael: Ja, sind wir! ++

Jinai: Gut!

Raffael: Gut!

Jinai: Halt die Klappe, ich hab das letzte Wort!

Lysslass: öh ö.ö *deinen monsterreview anschau* Beißt der? Und wieso hast du Angst vor Jinai? o.o Aber ich freu mich hammermäßig, dass dir das Chap gefällt *-* Du weißt ja, ich kann sowas ü.b.e.r.h.a.u.p.t. nicht xD

Sternenhagel: *rinderbraten mampf* ich gutes jinai xD Ich weiß doch, was ihr wollt :D Aber wenn ich es euch zu oft gebe, gewöhnt ihr euch daran und dann ist es nichts besonderes mehr :D Solche Momente muss man g.e.n.i.e.ß.e.n.

Yunaria: Stur ist noch gar kein Ausdruck xD Und verlass dich besser nicht darauf, dass es für den Rest der FF nur noch Friede, Freude, Eierkuchen gibt ... harhar.

Psychomantium: Danke für das Lob *-* Es ist verdammt schwer, nicht abzurutschen und sowas stattdessen einfühlsam zu schreiben, ohne dass es seicht klingt xD An dem Kapitel bin ich länger gesessen als an allen anderen. Aber wenn es gefällt, hat es sich gelohnt :)

Rated: T

Disclaimer: Alles gehört Katsura Hoshino.


14. Back to Business

Kie hatte die halbe Nacht nicht geschlafen und fühlte sich so, als ob ihn eine Brauereikutsche samt Ladung überrollt hätte. Hase und Hadi hatten zufrieden geschnarcht – beziehungsweise gepfiffen, wie im Fall des Journalisten – aber er hatte wach gelegen und auf ein Geräusch gelauscht, das ihm verriet, was in dem anderen Haus vor sich ging. Er konnte es sich zwar denken, hoffte aber, dass das Gegenteil der Fall war, und kam sich dabei wie ein furchtbarer Voyeur vor. Doch es war nichts zu hören gewesen, und entweder war das auf das gut dämmende Mauerwerk zurückzuführen oder …

Es musste das Mauerwerk gewesen sein, entschied Kie, als ein Krachen ertönte, gerade als er sich daran machte, über der schwelenden Asche des gestrigen Abends ein Feuer für das Frühstück zu entzünden. Eine Sandwolke stieg auf, dort, wo gerade noch der verschlossene Eingang des anderen Hauses gewesen war, und fegte über den Chinesen und das Feuer hinweg. Die Flammen erstarben wieder, erstickt vom Sand, und Kie schüttelte den Kopf. Sand rieselte aus seinen Haaren und den Falten seines Umhangs.

„Was war denn das?", meldete sich Hadi hinter ihm verhalten zu Wort, und Kie sah über seine Schulter, dass Hase dem Algerier folgte, müde und verschlafen.

„Oh, es ist wieder offen", stellte der Reporter dann freudig fest und rieb sich die Augen, um wach zu werden.

„Sieht ganz so aus", brummte Kie widerwillig. Gerade kamen die beiden Exorzisten aus dem dunklen Haus und allem Anschein nach verstanden sie sich blendend. Jinais Lächeln konnte man nur schwer missverstehen, genauso wie Kandas zufriedenen Gesichtsausdruck. Das fehlende Haarband gab deutlich Aufschluss darüber, was letzte Nacht passiert war. Sie hatten sich wieder vertragen.

Damit war Kie wohl aus dem Rennen – oder besser gesagt: Er hatte nie die Chance gehabt, daran teilzunehmen. Missmutig stocherte er in der Asche des Lagerfeuers herum, tötete dabei aber eher die Reste der Glut, als dass er sie wieder anfachte. Das Leben war manchmal einfach ungerecht.

„Guten Morgen, habt ihr gut geschlafen?", erkundigte sich Hase gerade, obwohl Kie sich bemühte, die Ohren vor dieser Unterhaltung zu versperren und die Augen auf die Feuerstelle gerichtet zu halten. Er konnte hören, wie der Deutsche grinste, und es machte ihn wütend.

„Wie auf einer Wolke", antwortete Jinai. Interessant, wie alle wissen, was letzte Nacht geschehen war, und trotzdem niemand darüber spricht, dachte Kie zynisch.

„Und die Dunkelheit hat euch gar nichts ausgemacht?"

„Nein, warum auch. Nachts ist es immer dunkel", schmetterte die Exorzistin einen weiteren Versuch des Journalisten ab, ihr Einzelheiten zu entlocken. Aus Kanda würden sie wohl nicht mal unter der Folter etwas herausbekommen, darum versuchte es auch keiner.

„Wie ist denn das mit dem Einsturz überhaupt passiert?", fragte Hadi scheinheilig. „Das Gemäuer schien doch einen recht soliden Eindruck zu machen."

„Einen trügerischen", entgegnete Jinai. „Bei den Lichtverhältnissen ist so etwas natürlich schwer zu beurteilen."

„Natürlich", sagte Hadi und Kie hörte bei ihm das gleiche Grinsen aus der Stimme heraus wie bei Hase.

„Können wir uns jetzt wieder um das wesentliche kümmern?", platzte der Finder heraus und bedachte die anderen vier mit strafenden Blicken. Nur Kanda erwiderte ihn auf die gewohnt eisige Art, die anderen drei sahen ihn verwundert und auch ein bisschen betreten an und kümmerten sich dann stumm um ihre jeweiligen Aufgaben.

oOo

Kie schien es nicht besonders gut zu gehen. Jinai bemerkte, dass er sich heute gar nicht an den Gesprächen beteiligte, die sie während des Ritts führten, sondern still auf seinem Kamel saß und in dumpfes Brüten verfallen war. Ganz so, als ob er sich über etwas ärgerte. Sie wähnte, dass seine Kopfverletzung von vor ein paar Tagen ihm vielleicht Schmerzen bereitete, aber er sagte nichts und so sprach sie ihn auch nicht darauf an. Den anderen fiel das offenbar auch gar nicht auf, dass der Chinese heute so schweigsam war; Hadi und Hase unterhielten sich angeregt und Kanda beachtete keinen von ihnen. Nur sie streifte manchmal sein Blick und wann immer das passierte, musste sie lächeln.

Jinai wusste, dass sie schwärmte, aber gerade kam ihr alles viel besser vor als vorher: Der Himmel war blauer, die Luft klarer, die Hitze erträglicher, die Kamele sauberer, die Witze von Hase und Hadi lustiger. Die Angst war endlich verschwunden und machte ihr nicht mehr das Leben schwer und zum ersten Mal konnte sie die Mission richtig genießen. Und das, obwohl sie heute Ouargla erreichen sollten, wo die Expeditionsgruppe bereits auf sie wartete. Nicht einmal der Gedanke, dass sie sich damit immer tiefer in die Sahara wagten, wo angeblich dutzende Akuma auf sie warteten, und dass sie in einem Expeditionstrupp mit neunzig Leuten keine ruhige Minute haben würden, konnte gerade ihre Laune trüben.

Sie überlegte es sich nicht einmal anders, als Colonel Paul Flatters die Exorzisten zum ersten Mal sah und dann sagte: „Ich wusste nicht, dass man mir ein Weibsbild schicken würde." Dabei blickte er so verächtlich drein, als ob er sich nicht vorstellen könne, dass sie zu irgendetwas nutze wäre, was nicht Kochen und Waschen betraf.

Er war ein recht kleiner Mann, aber mit der Statur eines Boxkämpfers, einem kurzen, penibel getrimmten Haarschnitt und einem gepflegtem Schnauzer. Nicht einmal der schweißgetränkte Kragen seines Hemdes konnte das Bild eines französischen Gentleman trüben, denn es war immerhin bis zum obersten Knopf zugeknöpft.

Die Worte, die aus seinem Mund kamen, sorgten allerdings für Unmut, vor allem in den Reihen der Neuankömmlinge. Sie hatten eine lange, ermüdende Reise hinter sich und standen inmitten einer am Rande von Ouargla aufgebauten provisorischen Zeltstadt, in der sich an die hundert Menschen und mindestens dreimal so viele Kamele tummelten. Sie hatten keine Geduld für Leute übrig, die einen von ihnen beleidigten.

„Entweder Sie begegnen ihr mit Respekt oder Sie schlagen sich alleine mit den Akuma herum", brachte Kanda es kurz angebunden auf den Punkt und verschränkte die Arme.

„Ich habe bereits für Ihren Schutz bezahlt, aber nicht für ihren", entgegnete der Colonel und deutete von Kanda auf Jinai.

„Dann bekommen Sie jetzt quasi mehr, als Sie verlangt haben, und noch dazu ohne Aufpreis", versuchte Kie rasch zu vermitteln.

„Keine Sorge, ich werde Ihnen nicht zur Last fallen", sagte Jinai freundlich.

„Ich mache mir eher Sorgen darum, ob Sie in der Lage sind, mich und meine Leute zu beschützen", brummte Flatters unversöhnlich.

„Das unter Beweis zu stellen, ist meine Aufgabe. Ich bin Exorzistin und keine blutige Anfängerin."

Der Franzose schien nur mäßig überzeugt, aber er entließ sie mit einem Winken. Sie hatten keine besonderen Aufgaben, sie mussten einfach nur bei dem Expeditionstrupp bleiben und die Augen nach Akuma offen halten. Neunzig Leute mit nur zwei Exorzisten zu beschützen, wäre ein Ding der Unmöglichkeit, aber sie wurden auch nur für den Schutz von Flatters und seinen engsten Mitarbeitern bezahlt. Alle anderen waren für das Unternehmen, das für diese Expedition aufkam, ersetzbar. Auch die Exorzisten. Nur Korbinian Hase behielt Flatters noch eine Weile in seiner Nähe, denn seine schriftliche Dokumentation der Expedition war unerlässlich und es gab noch Gesprächsbedarf.

Die beiden Exorzisten und der Finder kehrten also nur zu dritt zu Hadi zurück. Der Algerier hatte bei den Kamelen darauf gewartet, dass sie ihn entlassen und bezahlen würden, damit er zurückkehren konnte. Am Rande der Zeltstadt wartete er, das Geschirr seines Kamels in der Hand.

„Möchtest du nicht doch mit uns kommen?", bot Kie an. „Ein Mann mehr oder weniger fällt in dieser großen Gruppe gar nicht auf und du hättest für ein paar Monate ein sicheres Einkommen."

„Und soll mich dafür tief in das Gebiet der Tuareg wagen?", gab Hadi nicht unfreundlich zurück. „So sehr ich eure Gesellschaft auch zu schätzen gelernt habe und so unterhaltsam diese Reise auch war, ich behalte meinen Kopf lieber auf meinen Schultern. Euer Colonel hat sich da eine sehr gefährliche Strecke ausgesucht, das ist euch doch bewusst, oder? Nicht nur wegen der Akuma; die Ahaggar-Stämme wollen diese Eisenbahnstrecke nicht."

„Flatters hatte doch mit einem von den Tuareg gesprochen und eine Vereinbarung getroffen. Er hat Schutzbriefe", meinte Kie konsterniert.

„Das war ein Ajjer aus dem Norden, keiner von den Ahaggar. Die beiden vertragen sich nicht und außerdem habe ich gerüchteweise gehört, dass dieser Ikhenukhen, mit dem diese Vereinbarung getroffen worden sein soll, bei den Ajjer schon längst nicht mehr das Sagen haben soll. Flatters ist schon einmal zu den Ajjer geschickt worden und sie haben ihm nicht erlaubt, ihr Land zu betreten. Wenn das nicht einmal die Ajjer tun, könnt ihr euch denken, was die Ahaggar dazu sagen werden. Ihr begebt euch in äußerst gefährliches Gebiet, meine Freunde."

„Wir haben die Bezahlung angenommen, wir können nicht wieder umkehren", wandte Jinai ein. Hadis Warnungen beunruhigten alle, aber nur Kie ließ es sich wirklich anmerken.

„Ihr müsst wissen, was ihr tut."

„Das einzige, worum wir uns Sorgen machen sollten, sind die Akuma", sagte Kanda unbeeindruckt.

„Wenn du es mit deinem Gewissen vereinbaren kannst, dein Schwert gegen Menschen zu erheben, dann sind Akuma wirklich deine einzige Sorge", gab Hadi im gleichen Ton zurück. „Ich habe meine Bezahlung erhalten und kehre nach Mostaganem zurück. Mein Cousin hat ein Kaffeehaus dort. Irgendetwas ergibt sich immer für Hadi Rashad Samir Tremblay."

Und damit verabschiedete sich ihr Führer und stieg wieder auf den Rücken seines Kamels, das sich daraufhin würdevoll erhob und die kleine Karawane von zusammengebundenen Kamelen anführte, die den Weg zurückspazierten, den sie gekommen waren.

„Schlagen wir unsere Zelte auf", entschied Kanda kurz angebunden und griff nach der zusammengeschnürten Zeltplane, die Hadi abgeladen hatte, während sie mit dem Colonel gesprochen hatten. Ihnen würden drei Kamele zur Verfügung gestellt werden, sobald der Trupp aufbrach, darum hatte Hadi seine auch wieder mitgenommen.

„Zelte? Jetzt, wo wir nur noch zu dritt sind, können wir uns ja eines teilen", protestierte Kie.

„Vergiss es. Du schläfst bei Hase."

oOo

„Guten Morgen, mein Name ist Casper Lovely, ich hoffe, Sie haben gut geschlafen", tönte bei Sonnenaufgang eine Stimme durch das Zelt, in dem die beiden Exorzisten bis eben noch tief und fest geschlafen hatten.

Normalerweise hätte sich Kanda aufgesetzt, Mugen griffbereit und die Schwertspitze an der Kehle desjenigen, der ihn so abrupt geweckt hatte, aber das ging diesmal nicht, denn Jinais Kopf lag auf seinem Arm und hielt ihn auf dem Boden. Darum begnügte er sich damit, dem Gesicht am Eingang des Zelts einen finsteren Blick zuzuwerfen, während Jinai die Augen zusammenkniff und sich von dem Licht wegdrehte. „Wir kommen gleich", murmelte sie schlaftrunken.

Das schien Casper Lovely als Antwort zu reichen, denn er verschwand wieder, aber da Kanda nicht hörte, wie sich seine Schritte entfernten, musste er wohl vor dem Zelt auf sie warten.

Neben ihm stemmte sich Jinai seufzend hoch und erreichte mit einiger Mühe eine sitzende Position. „Es ist zu früh", beschwerte sie sich und rieb sich die Augen.

„Wir müssen die frühen Morgenstunden nutzen, solange es noch einigermaßen kühl ist", entgegnete Kanda und griff nach Mugen, das auf seiner anderen Seite geruht hatte.

„Ich weiß, aber davon werde ich auch nicht munter", meinte die Exorzistin und streckte sich, bis es in ihrem Rücken knackte. Sie schliefen seit einer Woche auf dem Boden, doch angenehm empfand es immer noch keiner von ihnen. Auch wenn sie mit Kandas Arm diesmal ein weicheres Kissen gehabt hatte als bisher und die Kälte in der nächtlichen Wüste sich in seiner Nähe viel besser ertragen ließ.

Als sie aus dem Zelt traten, wartete ein Mann auf sie, der eine ähnliche Zusammenstellung aus Kleidern trug, wie Flatters sie gestern getragen hatte: Hose und Hemd aus leichtem Baumwollstoff, schwere Stiefel und einen Waffengurt um die Hüfte. Bei ihm sah es allerdings lässiger aus als bei dem Colonel, was auch daran lag, dass er schlanker und größer war als dieser. Auf seinem Kopf standen kurze flachsblonde Haare in alle Richtungen und machten nicht den Eindruck, jemals gebändigt worden zu sein. Er musterte sie seinerseits aus hellgrünen Augen und klopfte dabei mit einer Gerte, wie Hadi sie auch gehabt hatte, an die Seite seines Schaftstiefels.

„Colonel Flatters wünscht, dass Sie und ihr blonder Begleiter da drüben", er deutete auf ein weiteres Zelt, in dem wohl Kie schlief, „beim Aufbruch des Trupps mit ihm vorneweg reiten. Ich soll Sie zu ihm bringen."

Der Mann, der nicht älter als fünfundzwanzig zu sein schien, half ihnen sogar dabei, das Zelt abzubauen, und trug es dann für sie. Kanda und Jinai tauschten einen Blick; sie wussten nicht, welche Vorstellungen Casper Lovely von Exorzisten hatte, aber es schienen seltsame zu sein.

Kie zu wecken, war einfach. Kanda übernahm es mit Freuden, das Zelt über dem Finder zum Einstürzen zu bringen, indem er eine Zeltstange herauszog, und dann zuzusehen, wie sich nicht nur der Chinese schimpfend und fluchend in dem Stoff verhedderte, sondern auch Hase, welcher, wie von Kanda angekündigt, das Los gezogen hatte, sich mit Kie ein Zelt teilen zu müssen. Schließlich tauchten zwei hochrote Köpfe unter der Plane auf und Casper Lovely strahlte.

„Ah, Herr Hase, bitte kommen Sie auch gleich mit", verkündete er fröhlich. „Colonel Flatters möchte Sie ebenfalls um sich haben, wenn wir aufbrechen."

Als dann auch dieses Zelt abgebaut war – wobei Kanda nicht half, denn er hatte seiner Meinung nach schon genug dazu beigetragen – folgten sie dem jungen Mann, der sie nicht, wie zuerst gedacht, zu dem großen Zelt in der Mitte des Platzes führte, sondern zu einer Stelle, an der gut ein Dutzend Kamele warteten, neben ihnen auch Flatters und ein paar weitere Leute.

Als sie näherkamen, beendete Flatters offenbar sein Unterhaltung mit den anderen Leuten und schickte sie fort, um sich ihnen zuzuwenden. „Wir brechen in einer halben Stunde auf", erklärte er ohne Umschweife, „also essen Sie etwas und packen Sie Ihre Habseligkeiten auf die Kamele. Es ist uns gelungen, noch ein zusätzliches Kamel für die … Dame zu organisieren, also steht jedem von Ihnen ein eigenes zur Verfügung. Wenn wir Ouargla verlassen, möchte ich, dass Sie alle in meiner Nähe bleiben. Ich werde die Leute, die Sie zu beschützen haben, ebenfalls in meiner Nähe behalten, und so werde ich es während der gesamten Reise halten. Noch irgendwelche Fragen?"

„Nur eine: Wie oft bezahlen Ihre Geldgeber für den Austausch eines ermordeten Expeditionsteilnehmers?", fragte Jinai mit falscher Freundlichkeit.

„Nicht oft genug", entgegnete der Colonel in aller Seelenruhe und ließ sie stehen.

Casper Lovely seufzte. „Sehen Sie es ihm nach", bat er. „Die Tuareg machen ihm zu schaffen."

„Mister Lovely-"

„Bitte nennen Sie mich Casper."

„Casper, die Aufgabe von Exorzisten ist es, Menschen vor Akuma zu beschützen, und dabei unterscheiden wir nicht zwischen denen, die uns dafür bezahlen und denen, von denen wir im Gegenzug dafür nichts bekommen", erklärte Jinai entschieden. Kanda wusste, was sie dazu veranlasst hatte, und schwieg. „Wenn ein Akuma einen Menschen angreift, dann vernichten wir es, auch wenn dieser Mensch nicht zu der exklusiven Gruppe gehört, für die Colonel Flatters bezahlt."

„Ich ersuche Sie nur um ein wenig Höflichkeit und Freundlichkeit gegenüber dem Colonel", erwiderte Casper, der seine eigene zuvorkommende Freundlichkeit noch nicht abgelegt hatte.

„Wir sind hier, um ihn zu beschützen, nicht, um uns mit ihm anzufreunden", schloss die Exorzistin die Unterhaltung.

„Jinai, deine altruistische Weltanschauung in allen Ehren", mischte sich da unerwartet Korbinian Hase ein, „aber können wir jetzt frühstücken?"

Sich Casper zum Feind zu machen, war nicht wirklich das, was Jinai tun wollte oder sollte, aber das hatte sie loswerden müssen. Ihre persönliche Einstellung zu Colonel Flatters hinderte sie nicht daran, ihrer Aufgabe nachzukommen, aber darum musste sie sich noch lange nicht alles gefallen lassen. „Also gut, gehen wir frühstücken."

Ausnahmsweise war sie es einmal gewesen, die sich daneben benahm und Leute beleidigte, und nicht Kanda. Dem Japaner schien es die Mühe gar nicht wert gewesen zu sein. Irgendwie neidete ihm Jinai diesen ungewöhnlichen Gleichmut, den er sonst so selten an den Tag legte. Sie wünschte sich einerseits, das Bewusstsein, dass sie noch mehrere Monate in Gesellschaft dieses Mannes verbringen mussten, hätte auch sie davon abgehalten, seine negativen Eigenschaften so deutlich auszusprechen. Andererseits wusste sie, dass sie Recht hatte: Es war herzlos, die anderen Expeditionsteilnehmer ungeschützt den Akuma auszusetzen, nur weil sie nicht dafür bezahlt hatten.

Sie dachte beim Frühstück ausgiebig darüber nach, denn auch den anderen schien nicht nach Reden zumute, während sie die wahrscheinlich letzte vernünftige Mahlzeit zu sich nahmen, die sie in nächster Zeit bekommen würden: Einen herzhaften, sehr würzigen und salzigen Eintopf, zubereitet mit frischem Fleisch und Gemüse, und dazu eine Art Fladenbrot. Man musste in der Wüste salzige Sachen essen, hatte Hadi ihnen erklärt, denn sonst vergaß man darauf, regelmäßig zu trinken, und das konnte zu Dehydrierung führen.

Nach einer halben Stunde fanden sie sich wie befohlen wieder bei den Kamelen ein, wo Flatters schon auf sie wartete, und stellten fest, dass ihre Zelte bereits aufgeladen worden waren, während sie gegessen hatten. Rund um sie herrschte reges Treiben, denn alle anderen bestiegen ihre Kamele, so sie welche hatten, verschnürten im letzten Moment noch die Zeltbündel auf den Rücken der Lastenkamele oder suchten ihre Habseligkeiten zusammen, die sie mit sich tragen würden.

Flatters sprach mit zwei schwarzen Männern in weiten, flatternden Gewändern, die nur ihr Gesicht und ihre Hände freiließen, dann stiegen alle drei auf ihre jeweiligen Kamele. Das waren wohl die beiden Ifora, von denen sie inzwischen wussten, dass sie die Expedition durch die Sahara führen sollten. Die Sprache, in der sich die beiden miteinander unterhielten, hörte sich für Jinai wie eine Abfolge unverständlicher Laute an, von denen die meisten gleich klangen, aber sicher je nach Aussprache etwas anderes bedeuteten. Es gab so viele so komplizierte Sprachen in dieser Welt, die sie nie verstehen würde, egal, wie viel Zeit sie hier verbrachte.

Der Aufbruch bestand hauptsächlich aus dem Lärm, den fast hundert Leute und über dreihundert Kamele verursachten, und einem Chaos, das sich erst lichtete, je mehr sich die Karawane der Expedition in die Länge zog. Aus einer großen Herde Kamele wurde nach und nach eine ordentliche Linie, die gemächlich an Ouargla vorbeizog. Die Exorzisten hatten die Stadt nicht einmal betreten und sahen auch jetzt im Vorbeireiten nur wenig davon, denn sie ließen sie schon bald hinter sich. Vor ihnen lag nur Wüste, endlose, sandige Wüste mit flirrend heißer Luft.

„Ich frage mich jetzt schon, wie unsere Wasserschläuche bis zum nächsten Brunnen reichen sollen", kommentierte Hase den Anblick und rückte das Tuch zurecht, das von einem Stirnband um seinen Kopf gehalten wurde und seinen Kopf vor der Sonne schützen sollte.

„Ich frage mich, wie wir es schaffen sollen, uns nicht in dieser Wüste zu verirren", gab Kie seine eigene Befürchtung zum besten. Auch er trug ein solches Tuch und hatte seinen braunen Findermantel, der an eine Mönchskutte erinnerte, schon längst abgelegt.

„Die Führer wissen, was sie tun, und kennen sich hier aus", meinte Jinai zuversichtlich. Sie mussten darauf vertrauen, dass die beiden Ifora das tatsächlich wussten, denn jetzt gab es kein Zurück mehr. Sobald Ouargla außer Sicht sein würde, konnten sie nicht mehr sagen, aus welcher Richtung sie gekommen waren. Der Sand erhielt ihre Spuren nicht lange.

„Haltet lieber Ausschau nach Akuma, das lenkt euch ab", sagte Kanda und blickte dabei selbst beständig um sich.

„Ich etwa auch?", fragte Hase verwundert.

„Ja, du auch", erwiderte Jinai lächelnd. „Sieh dir die Wüste genau an, dann kannst du sie später viel besser beschreiben."

„Nach dieser Expedition werde ich Augen wie ein Habicht haben", murmelte der Journalist nur für sich, aber Kie hatte ihn gehört und ergänzte: „Und Sitzfleisch wie ein Stier."

„Und Haut wie ein Krebs", fügte Jinai noch hinzu und der Deutsche zog augenblicklich das Tuch noch ein Stück tiefer in die Stirn, was ihr und dem Finder ein Lachen entlockte.

Danach herrschte eine Weile Schweigen, während alle ihren eigenen Gedanken nachhingen, bis Kie plötzlich sagte: „Drei Level Eins auf neun Uhr."

Die beiden Exorzisten und der Reporter wandten den Blick in die angegebene Richtung und sahen in einiger Entfernung gerade noch die ballonförmigen Körper dreier Akuma hinter einer Düne verschwinden.

„Die haben uns aber nicht viel Zeit gelassen", seufzte Jinai und sah Kanda an. „Willst du sie erledigen oder soll ich das übernehmen?"

„Ich überlasse dir die Ehre", gab der Exorzist die Antwort, die sie schon erwartet hatte. Die Akuma waren noch recht weit weg und da waren ihre Flügel natürlich praktisch, weil sie sie schneller an die Maschinen heranbringen würden als ein Kamel.

Jinai warf Kie die Zügel ihres Kamels zu und richtete sich auf dessen Rücken auf. Zwischen den beiden Höckern balancierend breitete sie ihre Schwingen aus. „Die drei verderben mir den ganzen Morgen", murrte sie, dann flog sie los, um ihren Job zu erledigen.

oOo

Ungefähr zur gleichen Zeit im Hauptquartier des Schwarzen Ordens:

„Darf ich jetzt endlich aufstehen?"

Cloud Nine warf der Krankenschwester einen Blick zu und nickte. „Aber übernimm dich nicht", mahnte sie Jeremy, der sich mit der Hilfe der Krankenschwester aus dem Bett hochstemmte. Er war seit über vier Wochen nicht mehr aufgestanden und seine Beine trugen ihn kaum noch. Bevor er überhaupt anfangen konnte, sein neues Innocence kennen zu lernen, musste er den Muskelschwund in seinen Gliedmaßen überwinden.

„Tut das gut", seufzte der schwarzhaarige Junge, als er zum ersten Mal seit einem Monat wieder auf eigenen Beinen stand. Und dann: „Der Boden ist kalt."

„Weil du keine Schuhe an hast. Und du solltest dich jetzt wieder hinlegen."

„Ich habe schon Rückenschmerzen vom ständigen Liegen", nörgelte Jeremy und sah den weiblichen Marschall bittend aus veilchenblauen Augen an. Die Bezeichnung 'blau' trug ihnen nicht Rechnung, denn so wie die Blume waren sie eher violett, aber egal, wie man es nannte, sie verfehlte ihre Wirkung nicht.

„Na schön. Aber lass wenigstens die Krankenschwester wieder an ihre Arbeit gehen."

„Das hier ist ihre Arbeit."

„Ihre richtige Arbeit. Ich übernehme das und wenn ich das Gefühl habe, du schwächelst, dann stecke ich dich zurück ins Bett."

Jeremy war klug genug, nicht weiter zu protestieren. Er hatte mit Cloud Nine die Erfahrung gemacht, dass sie sich zwar für ihre Schützlinge verantwortlich fühlte, man ihre Geduld aber nicht über die Maßen strapazieren sollte. Und er wollte nicht, dass sie wütend wurde, sonst verdonnerte sie ihn womöglich noch dazu, eine weitere Woche im Bett zu verbringen. Jeremy wollte so schnell wie möglich wieder gesund werden, also widersprach er auch nicht, als der weibliche Marschall ihn nach einer vorsichtigen Runde durch das Krankenzimmer, gestützt auf ihre Schulter, wieder zurück ins Bett beorderte.

„Ich vermisse es, auf eigenen Beinen zu stehen", meinte er niedergeschlagen und zeichnete mit der dreifingrigen Hand verschlungene Muster auf die Bettdecke.

Cloud Nine betrachtete ihn mit einem mitleidigen Blick. „Bald, Jeremy. Bald."


Raffael: Wozu jetzt dieser Abstecher ins Hauptquartier?

Jinai: Weil er für den Plot wichtig ist?

Raffael: Achso. Warum?

Jinai: *headdesk* Frag die Leser, vielleicht können sie dir die Frage beantworten.

Raffael: ... Leser, wieso ist der Abstecher ins Hauptquartier für den Plot so wichtig? Und wieso hämmert jinai gerade ihren Kopf gegen den Schrank?