Erst mal ein dickes SORRY, dass es sich vor Weihnachten nicht mehr mit dem Updaten ausgegangen ist! Aber dafür heute. :-)
Danke natürlich wieder an Aninchen und Tegan für die Reviews! *freu* *Kekse hinstell*
Und dann per nachträglichem Einfügen: FRÖHLICHE WEIHNACHTEN! *gg* Hab ich irgendwie vergessen ... *lach*
A/N: Johns peinlichsten Moment in einem Ring, über den die Beiden da sprechen, hat er tatsächlich mal so in einem Interview erwähnt. Hab ich damals auf nodq gelesen. *gg*
13.
Übernachtungsgast
„Meinst du das ernst?"
John konnte nicht verhindern, dass diese Frage seinen Lippen entwich. Es hatte ihn gerade ziemlich überrascht, dass Adam ihm dieses Angebot gemacht hatte - vor allem, nachdem er absolut keine Ahnung hatte, warum John sein Zimmer mied. Er meinte fast, es sich dank seiner mittlerweile extremen Müdigkeit eingebildet zu haben, dass seine Hoffnung, die Nacht nicht in seinem eigenen Zimmer verbringen zu müssen, seinem Gehirn einen Streich gespielt hatte. John konnte erkennen, dass Adam das Angebot anscheinend wirklich ernst meinte. Er lächelte sogar. „Klar meine ich das ernst", betonte er, musste sich zurückhalten, um nicht gespielt beleidigt zu klingen, „was denn sonst?" John hob die Schultern, kniff kurz die Augen zusammen, öffnete sie jedoch sofort wieder und überspielte diese leichte Schwäche in der Hoffnung, dass Adam sie nicht bemerkt hatte. Er glaubte, leichte Besorgnis in dessen Blick zu erkennen, und schüttelte den Kopf, während sich seine Hand zu einem lockeren Abwinken hob.
„Na ja, ich meine …", begann er, unschlüssig, ob er die Nacht ansprechen sollte oder nicht, „ich hätte das nicht von dir erwartet." Adam verdrehte die Augen, wandte sich dann John ganz zu und bohrte seinen Blick in den seines Gegenübers, um ihm klar zu machen, dass die folgenden Worte absolut der Wahrheit entsprachen. „Hör zu, John", begann er langsam, fast als würde er den Mann, mit dem er vor wenigen Wochen geschlafen hatte, für ein wenig begriffsstutzig halten, „ich merke doch, dass etwas nicht stimmt. Warum sollte ich dir meine Hilfe verweigern? Willst du die ganze Nacht hier draußen sitzen? Das kann ich nicht zulassen." John stieß heftig die Luft aus seinen Lungen, plötzlich raste die Erleichterung durch ihn. Zwar war er nicht ganz sicher, was diese plötzliche Besorgnis zu bedeuten hatte, doch ihm wurde klar, dass Adam soeben einen Versöhnungsversuch unternommen hatte. Und wer war er, dass er ihn ablehnte? Es war das, was er sich so sehr gewünscht hatte.
Auf Adams Lippen trat ein breites Grinsen. „Ich will ja nicht, dass du krank wirst und dann vielleicht unser Match nicht stattfindet! Ich freu mich schon irrsinnig darauf, mich wieder mit dir zu messen." John verdrehte die Augen - eigentlich sollte Adam ihn so gut kennen, um zu wissen, dass ihn nur eine sehr schwere Verletzung davon abhalten würde, anzutreten. Er hätte damals sogar ein Match mit einem gerissenen Brustmuskel absolviert, hätte die WWE es zugelassen. „Eine lausige Grippe hält mich nicht davon ab, in den Ring zu steigen", antwortete er, auch wenn er wusste, dass Adams Äußerung witzig gemeint gewesen war, „ich bin schon mit schlimmeren Krankheiten in den Ring gestiegen."
Nun verzog sein Gesprächspartner das Gesicht, musste dann herzhaft auflachen. „Ach ja, deine tolle Lebensmittelvergiftung zum Beispiel", erinnerte er sich kichernd, „armer Scott, dass er dich durch das Match bringen musste, armer Arbeiter, der deine Kotze unter dem Ring aufwischen durfte, nachdem du drunter bist, arme Waschmaschine, die deine Jeans und Shorts waschen durfte, nachdem da doch etwas daneben gegangen ist." Natürlich meinte Adam es nicht böse - er hatte sich ja doch recht diplomatisch ausgedrückt -, doch damals war allen unverständlich gewesen, wie John es überhaupt geschafft hatte, zum Ring zu kommen, geschweige denn ein aufgrund der Umstände doch ziemlich ansehnliches Match mit Scott Steiner zu bestreiten, nachdem er während des ganzen Tages alles andere als gut ausgesehen und sich bis zum Abend schon mehr als einmal übergeben hatte.
Dummerweise hatte er auch keine Medikamente bei sich behalten können, was eben zur Folge gehabt hatte, dass er während des Matches unter dem Ring hatte verschwinden müssen, um seinen Magen ein weiteres Mal zu entleeren. Wie oft er sich danach beim Ringarbeiter entschuldigt hatte, wusste er gar nicht mehr. Es war ihm irrsinnig peinlich gewesen, vor allem, nachdem Scott mitbekommen hatte, dass John auch seinen Schließmuskel nicht mehr hatte kontrollieren können. Der erfahrenere Athlet hatte ihn flüsternd angewiesen, so gut es ging weiterzumachen und das Match schnell beendet. Niemand hatte etwas gemerkt, und John war Scott noch heute extrem dankbar, dass er keine große Sache um das Missgeschick gemacht hatte. Adam war damals in seiner Verletzungspause gewesen, doch solche Geschichten hatte er natürlich mitbekommen, weil man ihn sofort informiert hatte. Er hatte von John ohnehin nichts anderes erwartet als ein Antreten, auch wenn auch er natürlich sehr erstaunt gewesen war.
John stieß ein Seufzen aus - auch wenn er selbst mit dieser Sache schon lange abgeschlossen hatte, sonst hätte er wohl kaum in Interviews so freimütig darüber erzählen können. Solche Dinge konnten jederzeit passieren, wenn man auf Tour auf die Küche fremder Leute angewiesen war. Aber trotzdem wurde er nicht gern daran erinnert, weil er noch lange danach dumme Witze zu hören bekommen hatte. Natürlich hatten die Kollegen die Witze nicht ernst gemeint, aber trotzdem. Eigentlich hätte er sich doch etwas Respekt dafür erwartet, dass er so krank, wie er damals gewesen war, in den Ring gestiegen war. „Danke, dass du mich daran erinnerst. Und die Jeans und Shorts hab ich übrigens in den Müll geworfen. Was sollte ich machen? Ich konnte doch nicht einfach das Match abbrechen, nachdem ich schon angetreten bin! Scott hat anschließend darüber gelacht und mich irre genannt, weil jeder andere mit solchen Einschränkungen wie ich im Hotel geblieben wäre."
Der Smackdown-Neuzugang schüttelte den Kopf und blickte seinen besten Freund gespielt beleidigt an. „Wirklich, Adam, danke für die Erinnerung an mein peinlichstes Erlebnis in einem WWE-Ring. Das habe ich heute wirklich noch gebraucht." John zuckte selbst zusammen, als er mit diesen Worten sofort an Pauls Drohungen erinnert wurde. Doch Adam ging Gott sei Dank darüber hinweg, ohne auch nur einen kleinen Kommentar loszuwerden. „Du hast damit angefangen, also brauchst du dich nicht zu beschweren! Außerdem hast du das sogar schon in Interviews erzählt, sprich, das ist allgemeines Wrestlingwissen!", verteidigte Adam sich und schlug seinem Freund auf die Schulter. „Mach dir keine Gedanken. Außerdem haben wir so was alle schon mal durchgemacht. Vielleicht nicht so arg wie du damals, aber kleine Erkrankungen sind ja an der Tagesordnung. Außerdem würde jeder in den Ring steigen, wenn er nicht wirklich so krank ist, dass er nicht mehr aufstehen kann."
Beide Männer erhoben sich und machten sich auf den Weg ins Hotel. Immer noch herrschte Stille im Gebäude, was hieß, dass die Superstars immer noch im Club waren. Seltsam, mittlerweile war es doch verdammt spät. Aber gut, wenn die WWE etwas ausgezeichnet konnte, dann war es feiern. Wahrscheinlich würden einige erst kurz vor dem Abreisetermin zurückkehren. Adam konnte nicht umhin zu bemerken, dass John doch etwas gehetzt durch die Halle blickte, seine Schritte ziemlich beschleunigte, je näher er dem Aufzug kam. Es sah verdammt nach Flucht aus, was er hier machte. Wieder einmal musste Adam eine starke Angst an John wahrnehmen, und es tat ihm weh, das beobachten zu müssen. Er wusste nicht, warum das so war, schob es darauf, dass sie lange Zeit beste Freunde gewesen waren und er sich nach wie vor Sorgen um ihn machte.
Er bemerkte Johns Anspannung, die erst nachließ, als er im Aufzug stand und die Türen geschlossen waren. Er hatte sich an eine der Wände gelehnt, die Augen geschlossen, lehnte den Kopf zurück, verzog kurz das Gesicht. Ja, er hatte Schmerzen, das nahm Adam deutlich wahr. Zwar wusste er nicht genau, was sein Problem war, aber das würde er sicher noch herausfinden. „Ist alles in Ordnung?", erkundigte er sich, und einer Eingebung folgend legte er John erneut die Hand auf die Schulter, als der Mann aus Massachusetts auch nach mehreren Sekunden noch keine Antwort gegeben hatte. Dieser schrak auf, in seinem Blick lag plötzlich eine derartige Angst, dass sich Adam wirklich Sorgen zu machen begann. Was war mit John los? Sofort zog er die Hand zurück, als ihm klar wurde, was der Grund für Johns leicht ängstliches Verhalten war. Verdammt, er hatte doch Pauls Übergriffe im Club mitbekommen, und nun fasste er John an? Gott, unsensibler ging es wohl wirklich nicht mehr!
Es tat John gut, dass sich jemand um ihn kümmerte, doch andererseits hatte er Sorgen, dass Paul irgendwie herausfinden würde, wo er die Nacht verbrachte und wer bei ihm gewesen war. Adam hatte im Unternehmen schon genügend Schwierigkeiten gehabt, es wunderte John, dass er es auf sich nahm, ihm Unterschlupf zu bieten, auch wenn er eigentlich jeden einzelnen Tag in der Firma aufpassen musste, damit er nicht etwas Falsches der falschen Person gegenüber tat und so seinen Job verlor. Als die Aufzugstüren zurückglitten und sie damit in ihrem Stockwerk angekommen waren, signalisierte Adam ihm, zu warten, während er auf den Gang trat und durch den Flur spähte. Ja, Johns Körpersprache gab ihm deutliche Hinweise darauf, dass er vor irgendetwas Angst hatte. Und die Tatsache, wie Paul im Club mit ihm umgesprungen war, zeigte ihm an, dass es ziemlich sicher mit diesem zu tun hatte. Auch Adam ertappte sich bei einem leisen Aufatmen, als er sah, dass sich niemand auf dem Flur befand. Er winkte John weiter, beschleunigte unbewusst auch seine Schritte, um möglichst schnell zu seinem Zimmer zu gelangen.
Bereits vor dem Eingang zog er den Schlüssel aus der Tasche und hielt ihn fest in der Hand. Johns Anspannung hatte auf ihn übergegriffen. Stille umfing sie, was bedeutete, dass immer noch niemand den Weg nach Hause gefunden hatte. Aus Christys Zimmer hörten sie ein Kichern - sprich, die Bewohnerin war mit dem Mann, den sie abgeschleppt hatte, noch immer nicht fertig. Beide Männer zuckten zusammen, doch dann wurde ihnen erst klar, wer da mit Christy beschäftigt war. Nicht Paul, sondern Chris. Mit einem sarkastischen Grinsen drehte Adam sich zu John um und schüttelte den Kopf. John lachte tonlos auf, vor allem, weil Adam der letzte war, der sich über Christys Verhalten aufregen sollte. Er war früher derselbe gewesen. Auch er hatte jede Chance, eine Frau in sein Bett zu bekommen, genützt, hatte sich an jede Diva, die während seiner Zeit in der WWE gewesen war, herangemacht. Mit Christy hatte er auch geschlafen, nur ein paar Tage, nachdem diese in den Diva Search-Wettbewerb gekommen war. An einem Abend war er dann mit Randy, Paul und Chris Jericho ein Richter in einer Competition der Kandidatinnen gewesen, und irgendwie hatte die Tatsache, dass er mit einer von ihnen geschlafen hatte, sein Urteil doch ziemlich beeinflusst. Aber man hatte es nicht gemerkt, weil Christy von allen Teilnehmerinnen sowieso die beliebteste gewesen war und von allen Richtern die Höchstpunktzahl erhalten hatte.
Auch von Paul, auch wenn dieser damals noch treu gewesen war - na ja, zumindest in dem Sinne, dass er keine dauerhafte Sexpartnerin gehabt hatte. Damals war er noch mit seinen Willkommensbehandlungen beschäftigt gewesen und hatte sich an die anderen Diva-Kandidatinnen herangemacht und ihnen gezeigt, wo es langging. Genau deshalb waren von ihnen auch nicht mehr viele im Unternehmen. Trotzdem hatte er Christy damals schon sehr attraktiv gefunden, aber sie noch nicht in seine Gewohnheiten eingeweiht. Auch wenn bis auf Adam noch niemand zu dem Zeitpunkt mit Christy geschlafen hatte - mittlerweile hatten das dank Chris' One Night Stand so ziemlich alle Athleten getan -, hatte sie doch einen bleibenden Eindruck in der Jury hinterlassen. Das waren noch Zeiten gewesen damals! Oft hatten sich die Kollegen über seine Liebesturbulenzen amüsiert, weil Adam zeitweise wirklich schon fast Randys Schnitt - sprich, nach jeder Show eine andere Frau - innegehabt hatte.
Adam sperrte die Tür zu seinem Zimmer auf und ließ John eintreten. Dann kam er selbst nach und sperrte die Tür hinter sich zu. Er wollte sicher gehen, dass sie allein waren und das auch bleiben würden. Auch ihm war klar, welches Risiko er einging und mit welchem Mann er sich da doch in gewissem Sinne anlegte, weil er sein Spielzeug für die Nacht in seinem Zimmer bleiben ließ. Doch er hätte John nicht allein gelassen. Er hatte wirklich Angst um ihn. Der Mann bedeutete ihm ziemlich viel, und gern hätte er die Nacht nach der Wrestlemania rückgängig gemacht, um ihre Freundschaft wieder so intensiv werden zu lassen, wie sie es zuvor gewesen war. Der Blick des Kanadiers legte sich auf den Mann, mit dem er die Nacht im selben Zimmer verbringen würde. Doch dieser nahm ihn nicht einmal mehr wahr.
John stand im Zimmer, hatte die Hände in die Taschen seiner Hose gesteckt und starrte plötzlich vor sich hin. Ihm musste erst einmal klar werden, dass er hier in Sicherheit war. Adam zog sich die Schuhe von den Füßen, ging dann um John herum und legte ihm eine Hand an die Wange. „Hey", meinte er leise, mit einem verständnisvollen Lächeln auf den Lippen, „aufwachen!" John schüttelte heftig den Kopf, um wieder in die Gegenwart zu kommen, durch die Bewegung glitt auch Adams Hand von seinem Gesicht. „Tut mir Leid", sagte er, blickte auf, „ich war in Gedanken." Adam ging darüber hinweg - er konnte sich vorstellen, womit sich John beschäftigt hatte. Doch dann musste er doch noch eine Anmerkung machen. „Denk nicht darüber nach, John", meinte er leise, „niemand weiß, dass du hier bist."
Sein Gegenüber zeigte ihm ein Nicken, streifte sich die Schuhe ab und trat ins Wohnzimmer, nahm die Couch, auf der er übernachten würde, in Augenschein. Niemals hätte er Adam das Bett streitig gemacht, nachdem dieser ihn schon aufgenommen hatte. Die Couch reichte vollkommen aus, die war immerhin ein großes Stück besser als die Parkbank. Das Bett war tabu, das gehörte eindeutig Adam, dem Mann, der das Zimmer offiziell bewohnte. Mit Adam darin zu schlafen, fiel ohnehin aus. Ihm war absolut klar, dass er das nicht bringen konnte. Nein, er würde die Couch nehmen, und genau auf diese steuerte er jetzt endgültig zu, ließ sich darauf fallen. Er blickte zu Adam hinüber, der noch an derselben Stelle wie zuvor stand und ihn anschaute. „Danke", sagte John ehrlich, schaffte es sogar, zu lächeln, machte keine Anmerkung, wie froh er tatsächlich war, hier bleiben zu dürfen. „Kein Problem", gab Adam zurück, winkte ab und kam ins Wohnzimmer, während sich sein Gast das T-Shirt auszog, tief durchatmen musste, um mit den Schmerzen halbwegs umgehen zu können.
Plötzlich hielt der Kanadier inne, sein Blick war auf Johns Genick geheftet, er blieb überrascht stehen. Er konnte nicht fassen, was er sah.
„Verdammt, John, was hast du da?" Adams Stimme war beinahe tonlos, so schockiert war er von den Malen, die er jetzt zum ersten Mal bemerkte, obwohl sie sich eigentlich über dem T-Shirt-Rand befanden. Doch bei Johns gebräunter Haut waren sie doch zu übersehen, und erst das künstliche Deckenlicht des Zimmers war dazu imstande, sie wirklich sichtbar zu machen. Es erschreckte ihn zutiefst, was er sah. Adam setzte sich zu John und streckte die Hand aus, schaffte es kurz, die Blutergüsse zu berühren, bevor John den Kopf zurückriss und sich so den Berührungen entzog. Es war ihm peinlich, dass sein ehemaliger bester Freund die Flecken gesehen hatte. Sprich, er dachte sicher, dass er schwach war. Und das wollte John nicht. Sein Gegenüber dachte das überhaupt nicht, es musste auf etwas anderes achten. Adam kam die Anordnung der Flecken ziemlich bekannt vor, und er musste um Luft ringen, als ihm wirklich klar wurde, wie diese zustande gekommen waren. Paul hatte John dermaßen hart angefasst, dass er von der Behandlung tatsächlich blaue Flecken davongetragen hatte.
Er konnte erkennen, wie John sich abwandte, die Stirn in die Handfläche stützte, um Luft rang. Ja, er schämte sich extrem. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Jetzt sah man tatsächlich, was der Mann ihm angetan hatte. Neuerlich wäre er gern abgehauen oder hätte sich zumindest irgendwo versteckt. Adam würde ihn garantiert als schwach ansehen. In diesem Moment hörte er draußen ein Klopfen. Nicht an ihrer Tür, sondern etwas weiter entfernt. Sofort sprang John auf, hellste Panik in seinem Blick. Seine Augen wanderten durch den Raum, er schien zu schauen, ob er sich irgendwo verstecken konnte. „Er wird nicht auf die Idee kommen, dass du hier bist, John." Auch Adam war aufgesprungen, trat zu John und griff instinktiv nach seiner Hand, um ihn zu beruhigen. Er spürte das Beben, das Johns Körper ergriffen hatte, drückte fest die Hand, fühlte, wie der Druck zurückgegeben wurde.
„Aber …", stotterte der Jüngere, war von purer Angst gezeichnet, die sich in seinen fahrigen Bewegungen deutlich niederschlug, er drehte sich kurz fort und dann wieder zu Adam zurück, „ich … ich kann das nicht riskieren, Adam. Was, wenn er erfährt, wo ich gewesen bin? Ich will nicht, dass du in diese Sache gezogen wirst. Du hast es doch selbst schon schwer genug." Adam konnte nicht glauben, was John dann sagte, hätte ihm gern einfach die Hand auf den Mund gelegt, doch der Satz erschallte, bevor er die Geste hatte ausführen können.
„Bitte lass mich gehen."
Vollkommen perplex starrte Adam ihn an. Jetzt wollte er plötzlich doch wieder in sein Zimmer zurück und sich in Pauls Hände begeben - in die Hände eines Mannes, der ihn bis aufs Blut hasste und nichts anderes wollte als ihm wehzutun, der ihn wahrscheinlich so schwer verletzte, dass er für ein paar Shows ausfallen würde? Nein, das konnte er nicht zulassen - dafür bedeutete John ihm viel zu viel. Johns Brust hob und senkte sich unregelmäßig, seine Hände fuhren durch die Luft als wüsste er nicht, was er mit ihnen anstellen sollte. Ein Beben hatte seinen Körper ergriffen. „Ich muss gehen, Adam", flehte John, musste kämpfen, um die Worte herauszubringen, bekam mit einem Mal glasige Augen. Adam konnte ihm deutlich ansehen, dass er es eigentlich gar nicht wollte. „Nein, John", flüsterte Adam und zog John einer Eingebung folgend an sich, fühlte deutlich das Beben, das den Mann aus Massachusetts immer wieder durchfuhr, „du bleibst. Ich lasse dich nicht gehen." Nie mehr, fügte er in Gedanken hinzu. Er war viel zu froh darüber, seinen besten Freund wiederzuhaben.
Erst jetzt bemerkte er, dass sein T-Shirt feucht geworden war - und zwar an der Stelle, an der Johns Gesicht auf den Stoff traf. John weinte - und es erschreckte Adam etwas. John weinte eigentlich niemals, wenn jemand anderer dabei war. Wenn er allein war, war es etwas anderes: Schon öfters hatte Adam aus seinem Zimmer verhaltenes Schluchzen gehört, wenn er daran vorbei gegangen war. Es verwunderte ihn ziemlich, wie unglücklich der Mann zu sein schien. Ganz etwas anderes als das, was in der Öffentlichkeit proklamiert wurde, was er selbst auch immer wieder bekannt gab, wenn er Medienvertretern gegenüber über sein Leben sprach. Es wunderte Adam, dass John sich ihm gegenüber so gehen ließ. Irgendwie wusste er nicht, wie er damit umgehen sollte, das alles hatte auch ihn ziemlich überrumpelt. Dass er John tröstete, geschah automatisch, Worte fand er keine. Was hätte er auch sagen sollen? Es wird alles wieder gut? Adam war genauso wie John klar, dass diese Worte vermutlich eine Lüge sein würden. Sie beide kannten Paul - und sie wussten, wie sehr der Mann John hasste und wie nachtragend er war.
Eigentlich hätte Adam sich gar nicht einmischen sollen - auch er hatte schon genügend Schwierigkeiten in der WWE. Doch natürlich hätte er John niemals seine Unterstützung versagt. Sie mussten zusammenhalten, auch wenn das Business mehr eine Einrichtung für Einzelgänger war. Aber was sprach dagegen, wenigstens ein paar Freunde zu haben? Man war auf sich selbst gestellt, wenn man in die WWE kam, aber wenigstens ein bisschen Unterstützung zu haben, war nicht verkehrt, wenn man imstande war, Beruf und Privatleben zu trennen. Er zog John fest an sich, strich ihm vorsichtig über das Haar, achtete peinlich genau darauf, seinen Nacken nicht zu berühren. Adam hatte keine Ahnung, warum John plötzlich so extrem die Fassung verloren hatte, doch irgendwie wunderte es ihn nicht. Irgendwann musste ein Mensch zusammenbrechen - vor allem, wenn er den Druck, dem John tagtäglich ausgesetzt war, aushalten musste. Irgendwann konnte man einfach nicht mehr. Und wer wäre nach den Geschehnissen des heutigen Tages nicht am liebsten zusammengebrochen? Irgendwie freute es Adam, dass John ihm doch wieder so sehr vertraute, dass er sich gerade ihm gegenüber gehen ließ.
Wie lange John brauchte, um sich zu beruhigen, wusste er nicht. Er wusste nur, dass Adam ihm seine Unterstützung nicht versagte, egal, wie lange es dauerte. Er konnte sich nicht helfen - es fühlte sich extrem gut an, in Adams Armen zu sein und sich von ihm trösten zu lassen, auch wenn er sich selbst wegen seines Ausbruchs doch verfluchte. Er hasste es einfach, schwach zu sein. John spürte deutlich, wie er ruhiger wurde. Seine Verkrampfung ließ nach, allein die Tatsache, dass ihm Adam über den Rücken strich, nahm ihm ein bisschen die Angst. Auf dem Gang herrschte Radau, sprich, die Anderen kamen gerade von ihrem Abend zurück. Neuerlich spannte John sich an, als er deutlich Pauls Stimme vernahm, die nach ihm fragte. Paul sprach oft so laut, dass man ihn über den ganzen Flur hören konnte. „Es ist gut", flüsterte Adam beruhigend, küsste John, der stark zu zittern begonnen hatte, impulsiv auf die Schläfe, „er weiß es nicht." Er nahm das Zusammenzucken an seinem Freund wahr, blickte ihm in die Augen.
„Danke, dass du mir hilfst", brachte John heiser hervor, rang um Luft, räusperte sich schließlich, um die plötzlich seltsame Stimmung zu unterbrechen. Adam hatte ihn auf die Schläfe geküsst - das war etwas, mit dem er nicht gerechnet hatte. Doch er beschloss, nicht darauf einzugehen. „Kein Thema", winkte Adam ab, konnte die Umarmung irgendwie noch immer nicht aufgeben. Ja, sie hatten einander früher oft berührt, hatten sich oft umarmt. Es hatte nie etwas bedeutet - bis auf dieses eine Mal, bei dem sie beide sich vollkommen vergessen hatten … „Wir schaffen das, John. Ich lasse dich nicht allein." Während dieser Worte bohrte Adam seinen Blick in den Johns, um ihm zu versichern, dass er sich auf seine Hilfe verlassen konnte. Nein, er würde ihn nicht allein lassen. Schon deshalb, weil er irgendwie immer noch ein schlechtes Gewissen hatte. Waren sie beide nicht stark genug, um diese eine Nacht langsam hinter sich zu lassen? Hatten sie einander im Nachhinein nicht schon genügend verletzt, indem sie sämtlichen Kontakt abgebrochen hatten?
Adam lehnte seine Stirn an jene Johns und schloss die Augen. Mann, es tat so verdammt gut, ihn wieder bei sich zu haben. Beide stießen ein Seufzen aus, spürten den Herzschlag des jeweils Anderen. „Es ist alles gut", wisperte Adam, musste seine Hand neuerlich an Johns Wange heben. Irgendwie wollte er die Berührung nicht mehr missen. „Wie soll ich dir dafür nur danken?", murmelte John, was Adam zeigte, dass er sich wohl darüber Gedanken machte. Adam unterbrach die Berührung. „Du brauchst mir nicht zu danken", meinte er, „du bist wieder da und das ist mir Dank genug."
John lehnte sich zurück und verzog die Mundwinkel. „Ich dachte, ich hätte damals alles zerstört."
Nun war es an Adam, einen leicht genervten Laut auszustoßen. Er lehnte sich in der Couch zurück und legte den Kopf auf die Lehne, starrte für ein paar Sekunden an die Decke. Dieser Charakterzug war ihm von John absolut nicht unbekannt. Der Mann gab sich immer für alles selbst die Schuld und ließ sich davon auch nicht abbringen. Irgendwie war das schon schlimm mit anzusehen. Gut, John war seit Beginn seiner Karriere in der WWE unterdrückt worden - vor allem von Paul -, und dass man darüber nicht so einfach hinwegkam, war Adam absolut klar. Wenn sie unter sich waren, hatte John ihm manchmal gezeigt, wie es wirklich um ihn stand, hatte seinen negativen, hoffnungslosen Gefühlen Ausdruck verliehen. Gefühlen, die Adam wirklich erschreckt hatten. Ja, der Mann liebte das Wrestling uneingeschränkt, doch was er für seinen Traum auf sich hatte nehmen müssen, war unglaublich. Adam wusste, dass allein die Anfeindungen wegen seiner Homosexualität nicht einfach zu handhaben gewesen waren.
Er wunderte sich, dass John gerade über die Nacht gesprochen hatte. Das hatte er irgendwie nicht erwartet. Aber Adam sah ein, dass es irgendwann dazu kommen musste - und warum sollte das nicht heute sein, da sie sich endlich wieder vertrugen und genügend Zeit hatten, sich auszusprechen? „Warum meinst du, es wäre deine Schuld?", hakte er also nach, blickte John in die Augen, um darin zu erfahren, wie es wirklich um seinen besten Freund stand. Er sah, wie John ein Ächzen ausstieß, sich über den Nacken strich, weil er gerade einen heftigen Stich gespürt hatte. Den Blick hatte er nicht abgewandt. „Ich hätte Nein sagen können", flüsterte er, irgendwie mehr zu sich selbst. „Ich hätte es verhindern können …" John machte sich diese Vorwürfe seit damals, auch wenn ihm Pauls Anmerkung, das Wort Nein würde in der Firma nichts zählen, immer im Hinterkopf war. Auch wegen diesem einen Satz hatte er es nicht gewagt, Adam zurückzuweisen. Außerdem war es so verdammt schön gewesen.
„Es gehören zwei dazu, John", meinte Adam ruhig - es wunderte ihn selbst, dass er das war -, schüttelte kurz den Kopf über die Wahrnehmung seines Gegenübers. Warum gab John sich für alles selbst die Schuld? Das war Adam unverständlich. „Trotzdem", seufzte der Ex-Champion, „es war meine Schuld. Es tut mir Leid, dass das passiert ist." Er schlug die Hände vor das Gesicht. „Ich habe alles kaputt gemacht." Adam schwieg für eine Sekunde, doch er wusste, dass er eine Anmerkung machen musste und tat das auch schnell. „Es war nicht deine Schuld", sagte er, und er sah, wie John ihn wieder anblickte, „ich hätte es ebenfalls verhindern können." Er holte Luft. „Aber es ist passiert, John, und wir müssen damit umgehen. Ich will nicht, dass es unsere Freundschaft beeinflusst. Du fehlst mir. Ich vermisse dich wirklich. Vor allem, da du jetzt auch bei Smackdown bist."
„Danke, Adam", meinte John lächelnd und wischte sich über die Wangen, um die letzten Tränenreste vom Gesicht zu entfernen, holte tief Luft, um sich weiter zu beruhigen. Er schämte sich seiner Tränen nicht, doch irgendwie war es ein ungutes Gefühl, Adam gezeigt zu haben, wie es wirklich um ihn stand. Ja, der Mann war sein bester Freund, aber trotzdem war er in gewissem Sinne auch ein Konkurrent, wie die Storyline, die sie in den nächsten Wochen miteinander haben würden, anzeigte. Adam erhob sich, strich sich schwach über den Kopf, steckte sich ein paar Haarsträhnen hinter die Ohren, auch wenn sie dort nicht hielten, sondern ihm gleich wieder in die Stirn fielen.
„Adam?", fragte John weiter, dem noch etwas auf dem Herzen lag. „Was, Johnny?" John musste grinsen - eigentlich wusste der Kanadier, dass John nicht wirklich gern Johnny genannt wurde, doch er ließ nicht viele Gelegenheiten aus, ihn damit aufzuziehen. „Es tut mir Leid, was Mickie zu dir gesagt hat." Irgendwie interessierte es ihn schon, in Adams Worten erklärt zu bekommen, was die Frau wirklich mit ihm besprochen hatte - immerhin war er doch ziemlich durch den Wind gewesen, als er in den Club zurückgekommen war -, und seine Worte hatte er dann doch ziemlich sorgfältig gewählt. Ja, es war ihm ein Bedürfnis, sich für die impulsive Art seiner besten Freundin zu entschuldigen, obwohl auch Adam eigentlich wusste, wie Mickie drauf war.
„Kein Thema", meinte Adam kopfschüttelnd, „die Frau weiß manchmal einfach nicht, was sie sagt." John fühlte einen kleinen Stich durch sich fahren, bemühte sich, Adam nicht merken zu lassen, dass ihn die Aussage irgendwie etwas verletzte. Er hatte Gefühle für Adam, und irgendwie wurde ihm allmählich klar, dass die Gefühle doch über Freundschaft hinausgingen. Aber warum sollte Adam denn gleich fühlen, wie er es tat? Er hatte keinerlei Andeutungen gemacht, dass seine Gefühle stärker als die Kameradschaft waren, die sie nun endlich wieder hatten aufleben lassen. Adams Worte, mit denen dieser über die Angelegenheit einfach hinwegging, ohne auch nur mit einer weiteren Silbe darauf einzugehen, zeigten John an, dass er keine Lust hatte, das weiter zu erörtern. Der eine Satz hatte anscheinend gereicht.
Und dass er gerade seine beste weibliche Freundin beleidigt hatte, tat genauso weh, auch wenn John klar war, dass Adam doch in gewissem Sinne Recht hatte. Dieser beschloss, sich für den Satz nicht zu entschuldigen, auch wenn er bemerkte, dass John durch die Anmerkung getroffen war. Er lenkte die Sprache auf ein ganz anderes Thema. „Langsam sollten wir schlafen gehen. Immerhin müssen wir in ein paar Stunden nach Atlanta fliegen." Wieder musste er schlucken, als er die Male auf Johns Nacken neuerlich wahrnahm. Er hatte ja selbst schon fünfzehn Monate mit einem Genickbruch ausgesetzt, und wenn John das nicht behandeln ließ, war er selbst auf dem besten Weg zu einer Auszeit. Doch er hielt sich zurück - er wollte John nicht verärgern, indem er ihm etwas vorschrieb. Doch die Male sahen doch ziemlich besorgniserregend aus. Es schockierte ihn wirklich, was John auf sich nehmen musste - was er auf sich genommen hätte, hätte er ihn nicht davon abgehalten, das Zimmer zu verlassen.
Adam hatte Pauls Behandlung Gott sei Dank nie über sich ergehen lassen müssen - schon allein, weil er größer als VinnieMacs Schwiegersohn war. Außerdem war er zu einer Zeit ins Unternehmen gekommen, in der Paul noch nicht der mächtige Mann gewesen war, der er jetzt war. Damals hatte er genauso um seine berufliche Zukunft gekämpft wie alle anderen, hatte noch keinen Einfluss auf seine Karriere gehabt. Erst seitdem der Mann in die McMahon-Dynastie eingeheiratet hatte, war er so überheblich und arrogant geworden, dass ihn bis auf Shawn und Randy nicht mehr viele Leute leiden konnten. Die, denen er seine Behandlung zukommen hatte lassen, sowieso nicht. Adam war froh, dass er bereits genug Erfahrung im Business gehabt hatte, als er angefangen hatte. Ihm hatte Paul nichts vormachen können - er hatte seine Wesensveränderung hautnah mitbekommen. Und sie hatte ihm alles andere als gefallen.
Auch ihm waren die gebrochenen Wrestler, die früher einmal hoffnungsvolle Neulinge oder Diven gewesen waren, natürlich aufgefallen - so wie sie alle gemerkt hatten, dass sich die Newcomer ziemlich schnell verändert hatten, plötzlich eine Angst zeigten, die sie zuvor niemals gehabt hatten. Viele von ihnen waren vorher großspurig aufgetreten, hatten schon genau gewusst, wie sie ihren ersten Entrance im Live-TV absolvieren wollten - und waren ziemlich schnell verdammt schweigsam geworden, auch wenn sie versucht hatten, sich nicht anmerken zu lassen, dass etwas nicht in Ordnung war. Doch wer die Behandlung ebenfalls erlebt hatte, sah es ihnen an. Oder wer auf die veränderten Charakterzüge achtete, so wie Adam. Beinahe alle waren schnell wieder aus dem Unternehmen verschwunden - es gab nur eine Handvoll Neulinge, die es wirklich geschafft hatte. Und Adam respektierte jeden einzelnen davon ungemein.
„Du nimmst das Bett", meinte der Kanadier, sobald er sich aus den Gedanken geholt hatte, obwohl John sich gerade auf der Couch ausgestreckt hatte. Sein Gast stopfte sich ein Sofakissen unter das Genick und schüttelte den Kopf. „Garantiert nicht", lächelte er, hatte bereits die Augen geschlossen, „ich bin schon für die Couch ungemein dankbar." „Keine Chance, Baby", grinste der Kanadier und zog einem kleinen gemeinen Impuls folgend das Kissen unter Johns Kopf weg, sodass dieser sich wieder aufsetzte, ihn ziemlich genervt anschaute und den Mund zu einem geraden Strich verzog, während Adam ihm das Kissen spielerisch in den Schoß warf. Die Schmerzen waren zwar zurückgekommen, doch es tat nicht so weh wie im Club. Allein das Wort, mit dem Adam ihn gerade betitelt hatte, kam ihm etwas komisch vor. Baby war ein Ausdruck, den Adam gern verwendete - egal, wen er damit ansprach. Gut, die Anrede zeigte John wenigstens, dass tatsächlich wieder alles in Ordnung zu sein schien. Der Amerikaner erhob sich - irgendwie begann er zu ahnen, dass er gegen seinen besten Freund nicht ankam.
„Gut, wenn du meinst", lenkte er voller Unsicherheit ein, griff nach seinem T-Shirt, schaute auf die Couch, auf die sich Adam jetzt fallen ließ und der dann versuchte, sich halbwegs komfortabel auf dem Möbelstück zu platzieren, was nicht einfach war, weil irgendwie nicht wusste, was er mit seinen langen Beinen anstellen sollte. John machte sich auf den Weg zum Bett, sein schlechtes Gewissen wurde unerträglich - vor allem, als er hörte, wie Adam sich auf der Couch abmühte. Er setzte sich auf die Bettkante, ließ die Hand über die weiße Decke und das Kissen gleiten, hatte unerklärlicherweise Herzklopfen. Adam hatte ihm sein Bett zur Verfügung gestellt. „Adam?", fragte er leise, woraufhin sich dieser aufsetzte. „Ich würde sagen, das Bett ist groß genug für uns beide. Also komm her. Ich kann nicht mit ansehen, wie du dich auf dem Sofa quälst." Der Kanadier hob eine Augenbraue, stieß einen fragenden Laut aus, blickte kurz ins Leere, als er nachdachte. Er musste sich eingestehen, dass die Couch nicht wirklich bequem war - vor allem für jemanden, der 1,97 groß war.
„Bist du dir sicher?", hakte er nach, während er sich erhob. „Ja", lächelte John, „es wird wohl nichts passieren. Ich bin stocknüchtern, und dein Alkoholpegel wird wohl auch nicht mehr so hoch sein, damit wir uns Sorgen machen müssten." Irgendwie freute sich Adam, dass die Nacht, die sie damals miteinander verbracht hatten, nicht mehr zwischen ihnen stand, dass sie jetzt plötzlich so locker damit umgehen konnten, dass sie fast Witze darüber machen konnten. „Ich hätte mich nicht getraut, danach zu fragen", gestand Adam, nachdem er das Deckenlicht ausgeschaltet hatte, kam zum Bett und zog sein T-Shirt und seine Jeans aus. Nur in Shorts legte er sich zwischen die Laken, und nach einer Sekunde des Zögerns entkleidete sich auch John bis auf die Unterwäsche und kuschelte sich ins Bett.
„Schlaf gut, Adam", flüsterte John mit einem erleichterten Aufseufzen, „und danke für alles." Kurz kuschelte Adam sich an die Schulter seines besten Freundes - Gott, der Körperkontakt hatte ihm gefehlt! -, dann rückte er wieder ab und rollte sich schließlich auf den Bauch, vergrub den Kopf im Kissen. John schloss ebenfalls die Augen, konnte sich aufgrund seiner Nackenschmerzen jedoch nicht auf die Seite drehen. „Kein Problem", grinste Adam, schon mit geschlossenen Augen, „schlaf gut, John." Nur ein paar Sekunden später war der Kanadier eingeschlafen - anscheinend war der Alkohol in seinem Blut doch noch nicht ganz abgebaut und beschleunigte den Einschlafprozess.
