Kapitel 14
Alec
Minerva besah sich ihren Kurs genau, bevor sie mit dem Unterricht anfing.
Mary Verdon und Sarah McAran saßen auf ihren Plätzen, aber Alena und Layla Ibn Sina waren noch nicht da. Mary sah sich immer wieder nach der Tür um. Offenbar wusste auch sie nicht, wo die Beiden steckten.
Alena und Layla rannten den Korridor entlang.
„Ich hab doch gesagt, wir kommen zu spät!"
„Aber erst, als es schon zu spät war!"
Layla grinste breit. „Ich wollte euch halt nicht stören. Wenn ihr euch endlich wieder vertragt."
„Ach, lass mich." Alena spürte, dass sie rot wurde.
„Tu ich ja." Sie waren im Verwandlungskorridor angekommen und Layla blieb keuchend vor einer Tür stehen.
„Du machst die Tür auf. Sie ist deine Tante!" Layla stützte sich auf ihre Knie und atmete schwer.
Alena warf ihr einen vernichtenden Blick zu und legte die Hand auf die Klinke.
Die Tür ging auf und Alena und Layla erschienen, beide mit hochrotem Gesicht und erhitzt. Offenbar waren sie gerannt.
„Es tut uns leid, dass wir so spät kommen, wir wurden aufgehalten." Layla kicherte bei Alenas Worten, wofür sie sich einen bösen Blick von Alena einfing.
„Setzen Sie sich, damit ich fortfahren kann." Minerva nickte zu ihren Plätzen.
„Wo wart ihr nur?" Sie konnte Marys gezischte Frage gerade noch hören, nicht aber die Antwort, die Alena ihr zu murmelte.
Sie fuhr mit dem Unterricht fort, als sei nichts passiert und nach zwei Stunden saßen alle, selbst Sarah, die normalerweise sehr schnell mit ihren Aufgaben fertig wurde, einigermaßen verzweifelt vor den Katzen, die sie in Sitzkissen verwandeln sollten.
Minerva hob die Hände und klatschte einmal. Das Gewirr aus gemurmelten Zaubern und heimlichen Gesprächen verstummte. „Es reicht für heute! Bitte setzt die Tiere in ihre Körbe, dann könnt ihr gehen. Alena, du bleibst bitte."
Sie setzte sich an ihren Schreibtisch und begann, eine Liste mit den Zaubern aufzustellen, die sie noch vor den Prüfungen mit den Siebten bearbeiten musste. Es dauerte allerdings nicht lange, dann waren alle Schüler verschwunden, selbst Layla, die Alena noch einen sehr amüsierten Blick zugeworfen hatte, ehe sie gemeinsam mit Mary gegangen war.
Alena hockte vor den Katzenkörben auf dem Boden und spielte mit einer jungen Tigerkatze.
„Sie sieht dir ähnlich." Belustigt grinste sie ihre Tante an. Auch diese konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen.
„Stimmt." Minerva stand auf und zog sich einen Stuhl neben ihre Nichte.
„Hast du noch Unterricht heute?" Das Mädchen schüttelte den Kopf. „Die anderen haben noch Wahrsagen, aber das hab ich glücklicherweise abgewählt."
„Gut." Sie hob ihre schlanke Hand und legte sie auf Alenas Kopf. „Warum wart ihr so spät?"
Alena schloss die Augen und lehnte sich gegen sie, die Katze noch immer auf dem Arm. „Ich hab noch mit Sev gesprochen – Layla hat zwar auf die Zeit gepocht, aber da hatte die nächste Stunde schon fast angefangen."
Sacht strich Minerva dem Mädchen über die Haare. „Ihr versteht euch wieder?"
Der rotbraune Kopf bebte, als Alena nickte.
„Das ist gut. Es ist besser, wenn du immer einen Menschen hast, mit dem du reden kannst."
„Das stimmt."
„Du magst ihn wirklich, oder?" Sie hielt den Atem an, unsicher ob sie mit ihrer Frage zu weit ging.
„Ja. Ich weiß, dass viele Schüler ihn nicht mögen und noch nicht mal die Lehrer ihn gut leiden können, aber ich mag ihn. Bis wir uns gestritten haben, hab ich diese Abneigung nicht verstanden, aber," sie zögerte. „jetzt weiß ich, wie er auch sein kann." Sie wandte sich wieder dem Katzenwelpen zu, der versuchte, über ihre Arme zu klettern und zu türmen.
„Diese Katze scheint dich ja zu faszinieren."
Alena lächelte. „Ja, sie ist so klein und weich." Das Tier besann sich eines besseren, drückte sich an sie und begann zu schnurren.
„Du kannst sie gerne haben. Vielleicht erinnert sie dich ja an mich, wenn du die Schule verlässt."
Alena setzte sich gerade hin und strahlte sie an.
„Wirklich? Oh, das ist toll!" Sie drückte das Kätzchen an sich. „Vielen Dank! Du gehörst jetzt mir, weißt du, Kleine?", flüsterte sie ihr ins Ohr.
Minerva stand auf und ihre Nichte tat es ihr nach. Über die Katze hinweg strahlte sie sie an.
„Oh, ich muss sie gleich Rashid zeigen! Jetzt bin ich abends nicht mehr so allein."
Glücklich lief Alena hinaus, den kleinen schnurrenden Körper fest an sich gepresst.
Mehr als alles andere hatten ihre letzten Worte Minerva gezeigt, wie sehr das Mädchen nicht nur sie, sondern auch Snape brauchte.
„Wie heißt sie?" Rashid hatte das Kätzchen auf den Arm genommen und strich ihm über den Kopf.
„Ich weiß es noch nicht." Alena zuckte mit den Schultern. „Ich dachte, ich nenne sie Katherine. Dann kann ich sie Kathy nennen, so lange sie noch so klein ist."
„Hm..." Rashid blickte auf. „Irgendwie ein komischer Name für eine Katze, oder?"
Alena zuckte die Achseln. „Lass uns auf die anderen Beiden warten, die haben bestimmt auch noch was vorzuschlagen." Sie ließ sich rücklings fallen und streckte sich auf seinem Bett aus. Ein breiter Streifen Sonnenlichts fiel darauf und sie genoss seine Wärme. „Wenn ich ein Animagus wäre, wäre ich bestimmt auch eine Katze." Sie grinste breit.
Mary und Layla waren begeistert. „Sie sieht deiner Tante tatsächlich ähnlich." Prüfend sah Layla dem Tier in die Augen. „Alena, nenn sie Alexiel."
Verblüfft sah Alena ihre Freundin an.
„Ich bin mir ganz sicher, dass sie ein Engel ist. Sie fühlt sich anders an als andere Lebewesen" Etwas ängstlich fuhr die Maurin fort. „Wir können sie ja Alec nennen."
Mary nickte langsam. „Wahrscheinlich hat sie Recht. Laylas Ahnungen treffen nur sehr selten nicht zu. Und außerdem ist Alec ein schöner Name."
„Also gut," sagte sie langsam. „Dann willkommen bei uns, Alec." Sie nahm Layla die Katze ab und setzte sie auf ihre Schulter. Dann sah sie das Tier ernst an und hob den Zeigefinger.
„Das ist ab heute dein Platz, hörst du? Du bist zwar nicht schwarz, aber Hexenkatzen sitzen schließlich immer auf der Schulter."
Es war noch nicht viel Zeit seit dem Ende der letzten Stunde vergangen, als die drei Mädchen in Snapes Büro gestürmt kamen.
„Ihr seid aber schnell unterwegs heute." Ein Hauch von Ironie schwang in seiner ansonsten ruhigen Stimme mit.
„Ja. Wir haben uns vermehrt.", entgegnete Alena ernst.
„Durch Zellteilung?", fragte er skeptisch und stellte seine Feder zurück ins Tintenfass.
Alena warf ihm einen schwer zu deutenden Blick zu und hielt ihm die kleine Katze entgegen.
„Gestatten, das ist Alec."
„Sie sieht aus wie Minerva," bemerkte er trocken.
Alena lachte. „Das hab ich auch gesagt." Hastig setzte sie sich das Tier wieder auf die Schulter. „Kommst du jetzt gleich mit?"
Langsam stand er auf und warf sich seufzend seinen Umhang über. Manchmal waren Mädchen doch etwas anstrengend.
