Ich muss zugeben, du bist echt ein herausragender Küsser, aber wenn du wüsstest, wie dein Hals aussieht, dann würdest du ihn nicht so feurig erwidern.

Noch sieht man nicht wirklich die Auswirkungen, aber in paar Stunden wird dein Hals scharlachrot sein und willst du wissen was das Lustigste ist?

Du wirst es selbst gar nicht sehen! Kihihi…

Ich hoffe ja total, dass dein alter Herr dich sieht, bevor du in den Spiegel schaust.

Natürlich wird er ihn vorher sehen, warum sollte L in den Spiegel schauen Beyond?

Jaaa, da hast du vermutlich Recht!

Zwar war mein Plan ein anderer gewesen, aber das Mal werde ich dir schon noch früh genug verpassen können. Jetzt erst mal sollte ich mich voll und ganz auf meinen Freund konzentrieren… wie viel Herzblut er gerade in diesen Kuss legt. Vermutlich, weil er von mir aus kam… überrascht, was?

Ja, der gute Beyond hat auch mal eine schöne Idee!

Und ich muss dir ja noch dankbarer sein, für das andere Geschenk.

Womit habe ich das alles verdient? Dabei bin ich doch so ein böser Junge… chehehe…

Wie hast du es bloß geschafft, dass ich in den Innenhof darf? An die frische Luft… verrate es mir!

Der Kuss war für den Detektiven so intensiv, dass er alles um sich herum vergaß und seine Arme automatisch um den Jüngeren schlang.

Nach einer gefühlten Ewigkeit, lösten sie den Kuss, standen vorsichtig auf, L schritt zu Tür und bedeutete Beyond ihm zu folgen. Dieser stand dicht hinter ihm, knabberte sogar einmal neckisch an seinem Ohr, was ihm eine Gänsehaut bescherte und er dadurch kurz inne hielt, bevor er die Tür aufschloss. Der Schwarzäugige hatte sichtlich mit sich zu kämpfen, nicht die Kontrolle über seinen Körper zu verlieren, er konnte jetzt schlecht auf den Flur hinausgehen mit einer Beule in der Hose. Das wäre einfach zu peinlich! Also atmete er einmal tief ein und aus, sammelte sich und öffnete die Tür. Ein letztes Mal drehte er sich zu Beyond um, versuchte ihm durch einen Blick zu signalisieren, sich doch bitte zu benehmen und ihn nicht in eine missliche Lage zu bringen.

So schlenderten die zwei Männer durch den langen Gang, Beyond fröhlich vor sich hin pfeifend und L mit den Händen in den Hosentaschen, bis sie endlich den großen Innenhof erreichten. Es befand sich ein kleiner Teich in der Mitte, einige Bäume außenherum und hier und da stand eine Bank. Von außen würde man nie erwarten, dass sich so ein idyllisches Fleckchen im Inneren der Psychiatrie befand. Sie waren alleine hier, so wie es mit dem Leiter und den Pflegern vereinbart war. Keiner wollte das Risiko eingehen, dass ein anderer Patient durch Beyond verletzte, gar getötet wird, also ging L zu einer der freien Bänken und beobachtete den Rotäugigen genau.

Herrlich! Ich war ja schon mehr als glücklich, als endlich die blöden Ketten abgelegt wurden, aber das hier, übertrifft dies noch bei Weitem! Nach all den Monaten tut es wirklich gut.

Du musst ihm echt dankbar sein Beyond…

Ja, ich bin ihm wirklich dankbar dafür… ich sollte mich weiterhin gut benehmen, vielleicht würde ich dann noch einfacher Phase Zwei einleiten können… wer weiß.

Wie er da auf der Bank sitzt und mich beobachtet… bist bestimmt gerade richtig stolz auf dich.

Du kannst eigentlich auch stolz auf dich sein, ich bin gerade ziemlich glücklich… ehrlich!

Da kommt mir gerade eine geniale Idee… kihihi… ich soll ja nett sein…

Hast du das gerade wirklich vor Beyond?

Hahaha… ich möchte ihn ein wenig ärgern… ich bleibe dabei nett zu ihm… versprochen!

Sogar sehr nett…

So nett, dass es ihn nicht kalt lassen wird und er wahrscheinlich noch mehr will…

Er wird garantiert mehr wollen Beyond! Darauf kannst du dich verlassen…

Der Rotäugige schlenderte langsam zu dem Detektiven auf der Bank hinüber, nachdem er einige Runden um den Teich gedreht und die frische Luft genossen hatte. Zuerst setzte er sich neben L, legte seinen Kopf in den Nacken und schloss für einen kurzen Moment seine Augen. Es war herrlich, die leichte kühle Brise auf seiner Haut zu spüren. L musterte sein Gesicht, welches noch blasser wirkte, als in dem dunklen Zimmer, welches kein Fenster besaß sondern nur eine winzige Lampe, die ihre beste Jahre bereits lange hinter sich hatte. Selbst die Brandnarben, die sich von seinen Wangen aus, am Kinn und runter zum Hals befanden, sah man nun ziemlich deutlich. Es schmerzte den Schwarzäugigen, diese Wunden zu sehen… Welche Qual hat er durchleben müssen, als sein Körper in Flammen stand? Es musste ein unsagbarer Schmerz gewesen sein, den man in Worte überhaupt nicht beschreiben konnte. L würde alles dafür machen, damit Beyond nie wieder so leiden muss, dafür würde er sorgen. Bei so viel Schmerz und Qual, war es da nicht normal, dass man verrückt wurde? Wer konnte es ihm verübeln? Die Morde waren zwar davor geschehen, aber L gab sich trotzdem die Schuld daran. Viel zu stark, war der Druck auf Beyond gewesen, den großen L einmal ersetzen zu müssen…

A hatte sich schon früh umgebracht… auch ein weiterer Grund wieso B, wie er im Wammys genannt wurde, die Nerven vielleicht verlor… A, oder auch Above, war sein bester Freund gewesen. Die Zwei waren damals im Heim unzertrennlich. Deswegen bekamen sie diese Namen: Above and Beyond. Einzeln bedeuteten die Namen "über" und "darüber hinaus". Gemeinsam hatte es auch die Bedeutung: Jenseits von...

Sie waren zusammen einfach ein einziges, riesiges Genie gewesen und ergänzten sich voll...

Mh, woran er gerade denkt?

Ich weiß es nicht Beyond… aber er wirkt gerade sehr abwesend…

Vielleicht sollte ich ihn wieder ins hier und jetzt holen!

Jaaa, das ist eine wunderbare Idee… fangen wir mal an und berühren ihn einfach mal direkt dort!

Kihihi, er wird es lieben…