Kapitel 13:

Herz vergeben, Herz verschenkt

"To love at all is to be vulnerable. Love anything and your heart will be wrung and possibly broken. If you want to make sure of keeping it intact you must give it to no one, not even an animal. Wrap it carefully round with hobbies and little luxuries; avoid all entanglements. Lock it up safe in the casket or coffin of your selfishness. But in that casket, safe, dark, motionless, airless, it will change. It will not be broken; it will become unbreakable, impenetrable, irredeemable. To love is to be vulnerable."

C.S. Lewis, The Four Loves

Der Wind ließ die welken Blätter an den Bäumen rascheln. Nicht lange und sie regneten farbenfroh hinunter und begannen den Rasen, die Lande von Hogwarts zu bedecken. Die langsam golden aufsteigende Sonne tat ihr übriges um den Morgen nach dem Sturm einen eigenen Zauber zu verleihen.

Es war recht kühl aber gerade das brauchte er. Dieses Zusammenspiel von der leicht feucht kalten Luft, der wärmenden Sonne und dem Geruch von Erde, Laub. Einzelne Blätter wurden sogar bis zum Quidditch Feld getragen.

Mit hoher Geschwindigkeit flog Harry seine Runden. Das erste Mal seit mehr als einem Jahr saß er wieder auf einem Besen um nur das Fliegen an sich genießen zu können. Er hatte fast schon vergessen wie es sich anfühlte in der Luft so zu fliegen mit nichts außer dem Boden in weiter Tiefe unter sich. Vollkommende Freiheit, wie hatte Harry dies vermisst. Nirgends woanders konnte er sich besser entspannen, nachdenken als hier.

Vor Monaten hatte er nicht einmal damit gerechnet die nächsten Tage zu überleben und jetzt hatte er nicht nur Voldemort besiegt sondern sah sich einem Umbruch in seinem Leben gegenüber mit dem er alles andere als klar kam. Aber nicht nur um ihn herum gab es Veränderungen, er selbst war ein anderer. Sein Leben und die Menschen darin hatten eine andere, teils tiefere Bedeutung bekommen. Eigentümlich wie innerhalb eines knappen Jahres lange geglaubte Wahrheiten, Gefühle einfach übern Haufen geworfen werden konnten.

Der Stiel des Feuerblitzes begann zu vibrieren, unbemerkt war er immer schneller geflogen. Harry machte keine Anstalten das Tempo drosseln zu wollen, zu sehr war er in seinem Gefühlschaos gefangen. Von jetzt auf gleich hatte ihn die Wut gepackt. Im ersten Moment wusste er selbst nicht worüber, doch als es ihm bewusst wurde, lehnte er sich nur noch entschlossener in den rasanten Flug.

Währenddessen betrat eine weitere Person den Spielfeldrand. In der Hand einen Besen, das feuerrote, lange Haar wirbelte hinter ihr. Der Wind blies ihr von vorne ins Gesicht, dennoch konnte sie weit oben Harry fliegen sehen.

„Ginny!", rief Harry sobald er sie sah, doch hatte sie bereits auf dem Absatz kehrt gemacht.

„Ginny, warte." Unbeirrt ging sie weiter den Weg zurück den sie gekommen war.

Im halsbrecherischen Tempo landete Harry wenige Meter vor ihr. Seine Beine konnten gerade so die Wucht des Manövers abfedern ohne dass er stürzte.

„Wir müssen reden.", sprach er Außeratem.

„Es gibt nichts zu bereden, solange du noch verheiratest bist.", entgegnete sie kalt und war dabei an ihm vorbei zu gehen.

„Glaubst du etwa, das ist alles so einfach?", hielt Harry sie zurück und ließ seinen Besen auf den Boden fallen.

„Meinst du das ist es für mich? Während ich hier auf dich gewartet habe, hattest du was mit Hermione.", wurde sie lauter.

„Ich habe dich nie darum gebeten, im Gegenteil ich hab mich von dir getrennt.", er ließ sie los.

„Es änderte aber nichts an meinen Gefühlen für dich, Harry. Sogar jetzt noch, nach allem was gewesen ist, will ich mit dir zusammen sein. Ich weiß, dass du in einer Notlage warst aber du hast gesiegt, Voldemort gibt's nicht mehr.", ging Ginny auf ihn zu.

„Alles was du tun musst –„

„Ist Hermiones Leben zu Nichte machen.", unterbrach Harry sie bitter.

„Es gibt sicherlich Mittel und Wege ihr zu helfen, wenn nötig, aber sie kann genauso gut auch in der Mugglewelt ein normales Leben haben.", versuchte Ginny ihn zu beruhigen.

Harry lachte ohne Humor, schüttelte den Kopf bevor er sie wieder ansah.

„Zum Glück wird sie das nicht nötig haben.", entschlossen ballte er die Fäuste, sah aber nicht zu Ginny auf.

„Wie meinst du das jetzt?", fragte sie ihn perplex.

„Hermione ist meine Frau und das wird sie auch bleiben.", bestimmte Harry und sah ihr nun in die geschockten, verständnislosen Augen.

„Aber du liebst sie nicht, ich verstehe nicht wie du dein Leben so wegwerfen kannst?" Ginnys Stimme wurde unsicherer, während sie von ihm zurückwich.

„Ich werfe nichts weg. Im Gegenteil, ich stehe zu der einzigen, wirklich eigenen Entscheidung, die ich in meinem ganzen bisherigen Leben getroffen habe.", er lächelte bitter bei dem bloßen Gedanken an die Erinnerungen von Snape.

„Immer hat sie an mich geglaubt, zu mir gehalten, selbst als es völlig hoffnungslos war.", begann er, zu Ginnys Horror, seine Entscheidung zu rechtfertigen

„Aber ich doch auch, wenn du mich –„

„Du verstehst nicht, Ginny.", unterbrach er sie kopfschüttelnd, „Sie wäre für mich, mit mir gestorben. Nie hat sie versucht mir zu gefallen, es mir leicht zu machen wenn sie der Meinung war es wäre das Beste für mich."

„Über deinen Kopf hinweg bestimmen, wohl eher." Widersprach Ginny ihm.

„Dafür liebe ich Hermione.", leise sprach Harry die neue Wahrheit zum ersten Mal aus.

„Warum gerade jetzt, Harry?", fragte Ginny entsetzlich traurig und entäuscht nach.

All das was sie damit sagen wollte, konnte er ablesen. Wieso ausgerechnet jetzt, nachdem sie geglaubt hatte sein Herz wäre ihr?

„Der Krieg, die Flucht hat mich verändert, Ginny. Ich bin nicht mehr der selbe, wie vor einem Jahr, der einfach nur normal sein wollte.", begann Harry zu antworten.

„Ich hätte es wissen müssen." Ihr liefen ungehindert die Tränen die Wangen herunter, jetzt da ihr bewusst wurde, dass Harry nie wirklich ihr war und es nie sein würde.

„Es war nie meine Absicht –„

„Erspar mir das. Ich hoffe nur für dich, dass du mit deiner Entscheidung glücklich wirst.", unterbrach Ginny ihn wütend und wandte sich von ihm ab.

Das letzte was er von ihr an diesem Morgen sah, war ihre feuerrote Mähne, bevor er sie allein ließ um Hermione zu finden. Erstaunlich wie einfach Ginny seine Worte hingenommen hatte, aber es passte, schon bei Dumbledores Beerdigung hatte sie ähnlich reagiert. Ihn einfach gehen lassen, etwas das Harry bei Hermione nie gekannt hat.

Früher hatte es ihn immer entsetzlich gestört, dass sie einfach nicht nach gab, auf ihre Sicht bestand, doch jetzt war es anders. Eben diese Verbohrtheit, der unbeirrbare Glaube den sie in ihn gesetzt hatte, zu ihm stand, hatte es erlaubt, dass sie überhaupt überleben konnten. Die Momente in denen sie dann doch nachgab und wider besseren Wissens ihm folgte, waren umso beeindruckender.

Harry musste umgehend mit Hermione reden, die Situation klären, ihr bewusst machen, was er wirklich für sie empfand. Nur wusste er nicht wie er dies erfolgreich umsetzen sollte. Hermione Granger, Potter, war alles andere als naiv und würde glauben, dass er abermals seinem Rettungs-Syndrom nachgehe als dass seine Gefühle tatsächlich ehrlich waren.

In der großen Halle war Frühstückszeit, innerhalb der nächsten Minuten würden die ersten Schulstunden des Tages beginnen, dem entsprechend voll war es noch. Am Gryffindortisch angelangt fand Harry allerdings nur Ron an deren üblichen Platz wieder. Auf der Nase trug er eine kaum durchsichtige Brille von Luna, die neben ihm saß und bestens gelaunt erklärte was für wundersame Dinge er durch diese Brille sehen könne.

„Du hast recht, Luna.", gluckste Ron fast, „Man sieht den Leuten regelrecht an wonach sie suchen."

Harry war kurz davor seine Frage zu formulieren, doch Ron kam ihm zuvor.

„Falls du Hermione suchst, sie ist schon auf dem Weg zu Verwandlungen."

Für Sekunden starrte Harry von Ron zu Luna bevor er sich eines besseren besann und die Halle in schnellen Schritten verließ. Mit etwas Glück würde er Hermione noch abfangen können.

In den Gängen zu den Unterrichtsräumen kamen ihm einzelne Schüler, der verschiedenen Jahrgänge entgegen. Vor ihm lief eine Gruppe Fünftklässler, die es unmöglich machten den Gang weiter vorne ein zusehen. In zügigen Schritten lief Harry fast an ihnen vorbei, er wusste selbst zu gut, dass das Laufen in den Gängen verboten war aber dies war ein Notfall.

Erst als er fast schon den Unterrichtsraum von Verwandlungen erreicht hatte, konnte er Hermione nur wenige Meter vor sich her laufen sehen. Zielsicher griff er nach ihrer Hand und zog sie in einen leeren Raum, schloss die Tür hinter ihr.

„Harry?", rief sie geschockt aus, sie stand mit dem Rücken zu Tür.

Alle Worte die er sich zu Recht gelegt hatte, waren verschwunden, sprachlos starrte er sie an. Die Vorstellung nicht mehr länger anderen gefallen zu müssen, allein auf sein Herz zu hören, war neu und wundervoll.

„Gleich fängt Verwandlungen an und ich hab nicht vor zu spät zu kommen. Was es auch ist, sag es mir besser gleich.", sprach sie auf sein Schweigen hin, vermied es aber ihn direkt anzusehen.

Vielleicht befürchtete sie, dass er seine Meinung geändert hatte, überlegte Harry während er die Distanz zwischen ihnen verringerte. Monate war es her, dass er ihr so nahe war, ihren Atem auf seiner Haut spüren konnte, doch als er ihre bebenden Lippen gegen die seine spürte, wusste Harry, dass er nicht mehr so einfach ablassen konnte.

„Du kannst mich nicht einfach in einen leeren Klassenraum ziehen und –„

Abermals küsste er sie und brachte sie so zum Schweigen. Erst zaghaft, dann immer bestimmter erwiderte sie die Zärtlichkeiten. Es war wie damals im Zelt als ob ein Damm geborsten wäre und all die Gefühle nun ungehindert zum Vorschein kamen.

„Was hat das alles zu bedeuten?", wollte Hermione schwer atmend wissen, während er ihren Hals liebkoste.

Harry ließ einen Moment ab, sah sie ernsthaft an.

„Ich liebe dich.", flüsterte er und schluckte, „Das ist was ich dir sagen wollte."

Entsetzt sah sie ihn an. Er küsste sie wieder doch beendete sie den Kuss. Legte ihre zitternden Fingerspitzen gegen seinen Mund um ihn zurückzuhalten.

„Sag so etwas nicht, wenn du es nicht wirklich meinst.", warnte sie ihn mit brüchiger Stimme.

Mit einem intensiven Blick sah Harry sie daraufhin an.

„Jedes einzelne Wort meine ich so wie ich es gesagt habe.", sprach er leise aber mit Nachdruck, nahm dabei ihre Hand von seinen Lippen und presste sie gegen seine Brust, „Hermione, ich habe mich in dich verliebt."

Autornotiz:

Hallo,

anders als erwartet war und sie ist es immer noch meine Zeit sehr kurz bemessen um mich zeitnah um die letzten Kapiteln zu dieser Geschichte zu kümmern. Neben Beruf, einem vollen Terminkalendar und eigenen Schreibprojekten eigentlich kein wunder.

Ausführlich habe ich das Internet nach der deutschen Übersetzung zum Zitat bemüht, fand bzw. das gefundene war nicht so aussagekräftig wie das Original, daher verzeiht, dass ich euch hier mit etlichen englischen Zeilen folter.

Vieles wollte ich in diesem Kapitel klären, wieso und weshalb Gefühle sich ändern, habe mich allerdings teilweise dagegen entschieden. Die Gründe sind eigentlich offensichtlich, mir selbst gefällt der Gedanke nicht wenn alles erklärt wird, Geschehnisse aus den Büchern bemüht werden wenn man es unter Umständen zwischen den Zeilen längst erahnen kann. Diese eigene Fantasie macht, nach meiner Meinung, eine Geschichte authentischer. Es ist allerdings auch ein schmaler Grad zwischen zu wenig erklären und zu viel. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, einen Mittelweg zu finden.

~ PhoenixWriter