Broken

Kapitel 14

Erklärungen


Draco und Ginny gingen in Stille zurück zu den Kutschen und hoch ins Schloss. Ginny ging im Kopf noch einmal Harrys Worte durch. Sie hatte nicht daran gedacht, was Harry wohl machen würde, wenn sie Draco küsste. Der Kuss hatte anscheinend alles aus ihren Gedanken gefegt. Aber nun hatte er es wieder gesagt und sie wusste, dass er es ernst meinte. Sie wusste, dass er dafür sorgen würde, dass sie ihm gehörte. Sie musste bei diesem Gedanken zittern und lehnte sich näher zu Draco. Er hatte seinen Arm nicht von ihr genommen, seit er Blaise losgelassen hatte. In seinen Armen zu sein, sorgte dafür, dass Ginny sich friedvoll fühlte. Sie liebte dieses Gefühl der Sicherheit, das Draco ihr immer vermittelte. Sie liebte es, dass sie alles um sich herum vergessen konnte, wenn sie bei ihm war. Die ganze Welt war dann im Gleichgewicht. Sie sah zu ihm hoch und in diesem Moment wurde ihr klar, was Pansy damit gemeint hatte, als sie davon sprach, dass Ginny dicht dran war, sich zu verlieben.

"Wenn wir zurück in Pansys Zimmer sind, muss ich zuerst mit ihr kurz sprechen, aber ich verspreche dir, ich werde mit dir darüber reden, was Harry gesagt hatte", flüsterte Ginny Draco zu.

"In Ordnung. Aber bist du okay? Du siehst ein wenig mitgenommen aus", fragte Draco besorgt.

"Mir geht's gut. Ich muss nur über etwas nachdenken", sagte Ginny mit einem Lächeln.

Draco runzelte wegen diesen Worten die Stirn, aber er bedrängte sie nicht, ihm mehr zu verraten. Er wusste, dass sie ihm irgendwann verraten würde, was hier vor sich ging. Ginny lehnte sich wieder an Dracos Brust und er beobachtete sie nur. Er wusste, dass er sie mochte. Sehr sogar. Aber er wusste auch, dass sie nie wirklich zusammen sein konnten. Das Timing passte nicht, es war einfach zu viel los und das Ganze würde nur noch schlimmer werden, wenn sie zusammen wären. Ron und Harry müssten erst auf Abstand gebracht werden, bevor so etwas passieren konnte. Draco dachte, dass er dabei war, ein Softie zu werden. Er wusste, dass er so etwas noch nie zuvor empfunden hatte, aber er wusste auch, dass er dazu erzogen worden war, solche Gefühle zu ignorieren und zu überspielen. Er sollte Ginny gar nicht mögen, er sollte sich nichts aus ihr machen, er sollte sich nicht um sie sorgen und er sollte auch nicht zu jeder Minute des Tages an sie denken.

Er sah von Ginny weg, die an seiner Brust beinah eingeschlafen war, und blickte hinüber zu Pansy und Blaise. Blaise hatte seinen Arm um Pansy gelegt und sie spielte mit seinem Haar. Das Bild von den beiden wirkte so natürlich. Er fragte sich kurz, ob Ginny und er genauso natürlich im Umgang miteinander wirkten wie Pansy und Blaise. Aber wie könnte das möglich sein? Er war kalt, sie war liebevoll. Sie war wie Feuer, er wie Eis. Sie würden niemals so natürlich miteinander wirken. Pansy sah zu ihm herüber und schenkte ihm ein wissendes Lächeln. Er neigte den Kopf zur Seite und fragte still, weswegen sie lächelte, aber sie beließ es bei ihrem Lächeln. Die Kutsche hielt an und Draco tippte Ginny leicht an, damit sie aufwachte.

"Hast du gut geschlafen?", fragte er mit einem Grinsen.

"Ja. Du bist sehr bequem. Warum hast du mich aufgeweckt?", fragte Ginny, die noch zu schläfrig war, um zu bemerken, dass sie stehen geblieben waren.

"Wir sind da", sagte Draco mit einem kleinen Lächeln.

"Oh", sagte Ginny und errötete. Sie begann rasch, aus der Kutsche zu klettern.

Sie kletterten alle heraus und liefen über die Ländereien. Draco hatte wieder seinen Arm um Ginny gelegt, obwohl sie kein Zeichen gab, dass ihr kalt wäre. Pansy und Blaise begannen wieder, sich zu streiten, und Ginny verdrehte die Augen.

"Du weißt schon, jetzt streiten sie zwar, aber sobald die beiden allein sind, werden sie sich bewusstlos knutschen", flüsterte Draco in Ginnys Ohr. Ginny kicherte und begann dann zu würgen, als sie sich in Gedanken Pansy und Blaise beim Küssen vorstellte.

"Na danke!", sagte sie und schlug ihm spielerisch auf den Arm.

"Wenn du willst, könnte ich auch sagen, dass sie vögeln werden", sagte Draco mit einem Grinsen. Er liebte es richtig, Ginny zu quälen.

"Oh nein, hässliche Gedanken!", zischte Ginny und schlug ihn fester. Draco grinste bloß und zog sie näher an sich. "Du bist ein Arsch!", sagte Ginny.

"Du würdest mich nicht so lieben, wenn ich kein Arsch wäre", sagte Draco. Dann errötete er. Er wollte eigentlich gar nicht "lieben" sagen, es war ihm bloß so herausgerutscht.

"Wahrscheinlich nicht", sagte Ginny. Sie beschloss, Dracos versehentlich ausgespucktes Wort nicht weiter zu erwähnen. "Dann könnte ich dich aber nicht Arsch nennen und dich nicht schlagen", fügte sie hinzu und schlug ihm wieder auf den Arm.

"Wofür war das jetzt?", fragte Draco.

"Dafür, dass du ein Arsch bist."

"Ich werde noch jede Menge blaue Flecken bekommen", murmelte Draco. Ginny sah zu ihm hoch und lächelte böse. Er fasste das als ja auf und drückte ihr einen Kuss auf den Scheitel.

Sie liefen in angenehmer Stille ins Schloss und hinab zu Pansys Zimmer. Als sie ins Zimmer kamen, wartete Ginny erst, bis Pansy Feuer im Kamin gemacht hatte, bevor sie sie fragte, ob sie eine Minute lang allein reden könnten. Sie gingen in Pansys Schlafzimmer und sie drehte sich mit einem besorgten Blick zu Ginny um.

"Was ist los?", fragte sie und sie setzten sich auf das Bett.

"Erinnerst du dich noch, als du mir erzählt hast, dass du die Gefühle anderer Leute spüren kannst?", fragte Ginny. Pansy nickte bloß. "Und du sagtest, dass du sagen kannst, dass ich noch nie zuvor verliebt gewesen war, ich aber kurz davor wäre", meinte Ginny unsicher. Sie wusste nicht mehr, ob Pansy genau das gesagt hatte, und sie wollte sich nicht wie ein Idiot anhören.

"Oh ... jetzt verstehe ich. Du hast endlich herausgefunden, was ich gemeint hatte", sagte Pansy mit einem Grinsen.

"Tja ... ich ... glaube ... hast du ... unter Umständen ... von Draco gesprochen?", sagte Ginny langsam. Sie wurde etwas schüchtern.

"Ja, das stimmt. Ich wusste sofort, dass deine Emotionen hoch gingen, wenn du in seiner Nähe bist. Aber das bedeutet noch nicht, dass du ihn liebst", sagte Pansy mit einem Lächeln.

"Aber das darf nicht passieren! Er und ich können aus offensichtlichen Gründen niemals zusammen sein!" Ginny schrie beinahe.

"Warum nicht? Wegen eines Namens? Würdest du wirklich etwas aufgeben, das euch beiden helfen könnte, bloß wegen eines Namens?", protestierte Pansy.

"Es ist nicht nur das", sagte Ginny mit einem Seufzen und fuhr sich durch das Haar. "Ich muss ihm erklären, was Harry meinte. Ich glaube, es ist an der Zeit, es euch allen zu sagen", sagte Ginny und stand auf, um das Zimmer zu verlassen. Pansy folgte ihr rasch.

Sie liefen zurück ins Wohnzimmer und stellten die Möbel ein wenig um, sodass sie alle im Kreis sitzen konnten. Ginny sah die drei Slytherins an und holte tief Luft. Sie wollte sie da nicht mit hinein ziehen, aber sie wusste, dass sie ihnen das nicht länger verheimlichen konnte.

"Okay. Ich sage es euch gerade heraus. Ich bin Harry versprochen", sagte Ginny nach einer kurzen Pause.

"Was meinst du mit 'versprochen'?", fragte Pansy.

"Sie muss ihn heiraten", sagte Draco durch zusammen gebissene Zähne.

"Du wusstest es?", fragte Blaise. Draco nickte bloß. "Wann hast du es herausgefunden?"

"An dem Tag, an dem ich gegangen bin. Vor etwa einem Monat", sagte Ginny.

"Warum hast du es uns nicht erzählt?", fragte Pansy Ginny und sah dabei ein wenig verletzt aus.

"Ich wollte nicht, dass ihr euch deswegen Sorgen macht", sagte Ginny mit einem Schulterzucken. "Aber da ist noch mehr."

"Was?", fragte die drei Slytherins alle gleichzeitig.

"Naja, an dem Tag, an dem ich in den See gesprungen war und Draco mich gerettet hatte, war zuvor etwas passiert", begann Ginny. Niemand sprach, also fuhr sie fort. "Harry und Ron zogen mich auf dem Weg zum Abendessen beiseite und schlugen mich. Es war nicht zu schlimm, aber dennoch schlimm genug." Die drei Slytherins wechselten einen mörderischen Blick, bevor sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf Ginny richteten. "Harry schlug mich in den Bauch und ich stürzte zu Boden. Als ich auf der Erde lag, hatte er euch drei erwähnt. Er sagte, dass ihr beiden", sie deutete mit dem Kopf auf Pansy und Blaise, "eine Sache wärt, aber Draco wäre anders." Sie schenkte Draco ein schwaches Lächeln, bevor sie fortfuhr. "Dann sagte er, dass er sich sicher war, ich würde mit Draco vögeln. Er erinnerte mich daran, dass ich ihm versprochen war, und sagte, dass er mich nicht wollen würde, wenn ich besudelt wäre. Er sagte, dass nicht Draco mich nehmen würde, sondern er", endete Ginny mit zittriger Stimme. "Das war es, was er heute gemeint hatte", fügte sie hinzu.

Die drei Slytherins starrten sie mit gemischten Gefühlen an. Ginny konnte Wut, Zorn, Mitgefühl, Besorgnis und auch ein wenig Mitleid in ihren Augen sehen. Niemand sagte etwas und Ginny kam sich langsam so vor, als hätte sie besser nichts sagen sollen. Plötzlich stand Draco auf und ging auf die Tür zu. Ginny fühlte sich so zurückgewiesen und überrascht, dass sie nicht wusste, was sie sagen sollte.

"Wohin gehst du?", fragte Pansy.

"Potter umbringen", sagte Draco böse.

"Oh nein, das tust du nicht", sagte Blaise.

"Danke", sagte Ginny.

"Ich will auch ein Stück von ihm", sagte Blaise und stand auf.

Pansy verdrehte die Augen und zog sie wieder nach unten. "Nein, das macht ihr nicht. Nicht, solang Ginny nicht sagt, es wäre in Ordnung", sagte Pansy mit einem Grinsen. Die drei drehten sich zu Ginny und sahen sie mit hoffnungsvollem Blick an.

"Nein!", sagte Ginny stur. Pansy, Blaise und Draco sahen alle erschüttert aus. Draco blieb bei der Tür und sah ein paar Mal von ihr zu Ginny. "Draco, wenn du gehst, werde ich dir folgen, und du weißt, was sie mir antun würden", sagte Ginny. Draco starrte sie eine Minute lang an. Er wusste, dass sie ihm wirklich folgen würde, und er wusste, was dann passieren würde. Murrend ging er zurück zu Ginny und setzte sich. "Schaut, wegen dieser Sache. Wenn ich beschließe, ihn umzubringen, werde ich euch alle rufen und ihr könnt helfen", sagte Ginny mit einem Seufzen und sah das Slytherin Trio an.

"Nur wenn ich derjenige sein darf, der Potter um die Ecke bringt", sagte Draco.

"Schön, du darfst Harry umbringen ... wenn ich beschließe, dass er sterben soll", sagte Ginny mit einem bösen Grinsen.