DRACO.
Ich war die ganze beschissene Zeit über eifersüchtig.
Ich weiß! Es war lächerlich! Mit meinen ganzen andern Liebhabern, die mir egal waren. Ich meine, selbstverständlich wollte ich nicht, dass sie mich betrogen, aber das hatte mehr mit Ehre als mit tatsächlichen, wahren Gefühlen zu tun.
Und, seien wir mal ehrlich, wer würde jemals jemanden wie mich betrügen wollen?
Aber... ihr habt Harry gesehen, oder? Ihr wisst, wie er aussah, nicht wahr?
Harry hatte nie und nimmer auch nur einen Deut Hinweis darauf gezeigt, dass er überhaupt daran gedacht hätte, mich zu betrügen, aber das tat überhaupt nichts zur Sache. Ich hätte mittlerweile daran gewöhnt sein sollen, dass die Leute mit Harry flirteten, und dass er zu ahnungslos war, um überhaupt zu bemerken, dass sie es taten.
Aber jedes Mal, wenn ich es sah, erlöschte irgendwas in meinem Kopf. Wie in, die Liebeslieder waren ausgeschaltet. Die Vögel hörten auf zu singen. Statt weiter auf einer Wiese voller Blumen hüpfen zu wollen, wollte ich töten. TÖTEN!
Aus irgendeinem Grund schien Harry das- süß zu finden. Er dachte, es sei lustig, wenn ich knurrte und er lachte vergnügt, wenn mein Auge zuckte. Und es interessierte mich nicht einmal, dass er es tat. Was passierte mit mir?
Aber in letzter Zeit hatte ich über andere Dinge nachgedacht. Andere Fragen. Andere Fragen einer zukünftigen, einer wo-gehen-wir-von-hier-an-hin-Natur.
Zum Beispiel. Harry und ich gingen seit knapp drei Wochen aus. Also, zwei Wochen, fünf Tage, drei Stunden und- aber... es war nicht so, dass ich zählte, oder so!
Also, drei Wochen. Und- so peinlich ich es fand, meine Verführungstechniken in ein so schlechtes Licht zu rücken: wir hatten... Es noch nicht getan.
Ich hatte noch niemals so lange darauf gewartet, dass jemand... bereit war. Wenn sie sich nicht einsetzten, dann wollte ich es nicht wissen. Ich hatte nicht die beschissene Zeit für schnulzige Blumen und Essen bei Kerzenschein! Was glaubt ihr, wer ich war, ein Gryffindor? Und normalerweise langweilte ich mich sowieso schnell, nachdem sie nachgegeben hatten, ob jetzt freudig oder zögerlich.
Aber mit Harry...
So schwer es mir fiel, es zuzugeben, ich wollte einfach mit ihm so viel wie möglich zusammen sein, unabhängig vom Sex-Faktor. Gib mir mal bitte einer die Kotztüte- Gott, mir nur zuzuhören machte krank.
Aber... ich wollte für Harry, dass es richtig war.
Was mich zu Frage Nummer zwei brachte.
War ich die Person, die es für ihn richtig machte?
Ich war ein Slytherin. Ich war ein Feind. Mein Vater war ein verdammter Todesser. Wir waren inmitten eines Kriegs, und jeden Tag traf ich mich mit Harry Potter um Händchen zu halten, ein bisschen zu Knutschen und schnulzige kleine Gespräche zu führen! Und ich mochte es!
Aber- wenn wir zu der Schlafzimmerebene kämen... was, wenn ich zu grob mit ihm wäre? Was, wenn er es nicht mögen würde und... oh, Hölle.
Ich wusste, dass Harry mich nicht liebte. Oh, er mochte mich, aus irgendeinem Grund- ich musste noch ergründen, warum- aber das war auch alles. Ich hätte ihn gehen lassen sollen, ihn irgendeinen beschissenen Gryffindor finden lassen, der tatsächlich -schauer- nett zu ihm war.
Aber jedes Mal, wenn ich an ihn mit jemand anderem dachte, fingen meine Augen an zu zucken. Und ich wollte töten. TÖTEN!
Deswegen konnte ich es nicht tun. Aber wie lange würde es dauern, bis er mich gehen ließ?
HARRY.
Versteht mich nicht falsch, ich mochte Professor Smeldon, und alles. Sie war immer nett und auch eine gute Lehrerin. Aber, na ja... sie war auch- ein bisschen komisch. Ich wusste, dass ich nicht auf dem neuesten Stand war, was Hexenmode betraf, aber ich schwöre, dass ich noch nie jemanden gesehen hatte, der so kurze Roben trug, wie sie es tat. Wie in diesem Moment auch, sie saß mit übergeschlagenen Beinen auf ihrem Pult und der Saum war noch höher. Sie hatte außerdem diese wirklich hochhackigen Riemchenschuhe an. Ich war mir nicht sicher, ob es wirklich die beste Wahl für einen Klassenraum war- sollten sie nicht sehr ungemütlich sein? Dann rutschte ihre Robe irgendwie noch mehr und ich sah, dass sie Nylonstrümpfe trug. Und Strumpfhalter. Oh- uuups. Sieh weg, Harry- sieh weg, JETZT.
„Harry", sagte sie. „Harry, Harry, Harry."
Ich war stark an Lockhart erinnert.
„Ja, Professor?", fragte ich nervös. „Stimmt etwas nicht?"
Sie schmunzelte. „Oh, nein, Harry- es stimmt alles... mit dir."
Hä? Sie starrte mich irgendwie sehr intensiv an- was machte sie da?
„Es ist der Aufsatz", sagte sie und reicht ihn mir. Ah. Na ja, er wurde am Tag nach der Draco-küsst-mich-und-leugnet-es-Sache geschrieben, deswegen war es selbstverständlich nicht mein bester.
Sie hatte jetzt ihre Hand auf meinem Arm. Ich bemerkte, dass sie blutrote, sehr lange und manikürte Fingernägel hatte. Hmmm. Das wirkte alles ziemlich... seltsam.
„Harry", sagte sie und lächelt immer noch auf diese eigenartige Weise. „Ich weiß, dass du ein guter Junge bist. Und du bist sehr gut in VgddK. Das ist nicht das, was ich von dir erwarte, nicht wahr? Du bist ein bisschen ungezogen gewesen, nicht wahr, Harry?"
„Ähm- ich denke schon", murmelte ich. Ich war mir nicht sicher, ob ich wirklich mit ihrer Wortwahl übereinstimmte, aber ich verstand, was sie meinte. Das war sicher keine gute Zensur.
Sie warf ihren Kopf zur Seite. „Nun, ich weiß, dass du Stehvermögen hast, Harry- ich denke nur, dass es hier- eingesetzt werden muss. Ich möchte dich nicht- bestrafen müssen, Harry."
Sie reichte mir den Aufsatz. Ich nahm ihn. Sie... ließ nicht los. Sie lehnte sich vor. Ich lehnte mich zurück.
Lag es an mir oder passierte hier etwas ... seltsames?
„Also- danke, Professor", sagte ich, wand endlich den Aufsatz aus ihrem Klammergriff und verschwand eilig in Richtung Tür. „Es tut mir wirklich Leid deswegen- und ich werde sicher gehen, dass mein Stehvermögen- ich meine! Meine... Arbeit ist das nächste Mal besser. Richtig. Bis dann, tschüs."
Sie schmunzelte immer noch, als ich rausging.
DRACO.
Ich ging gerade den Korridor hinunter (und sah mich natürlich nicht nach Harry um), als mehrere von Harrys Hauskameraden vorbei schlenderten.
„Willst du sagen, dass Professor Smeldon Harry aufgefordert hat, nach der Stunde zu bleiben? Der glückliche Scheißkerl!"
„Ich denke, sie ist die Glückliche! Hast du ihren Gesichtsausdruck gesehen? Als ob sie..."
UAAAARK! NEEEEIN!
Töten! TÖTEN!
Ich rannte zu dem Klassenzimmer.
Aber als ich ihn erreichte, war Harry schon weg. Und Professor Smeldon auch.
HARRY.
Draco traf mich nicht an diesem Abend. Ich wartete über eine Stunde, aber er taucht nicht auf. Ich wusste nicht warum, aber die ganze Sache ließ mich krank fühlen. Hatte ich etwas falsch gemacht? Er war immer da, und er war immer vor mir da- was war passiert? Ich musste ihn sehen.
DRACO.
Ich kam aus der Dusche als ich Harry auf meinem Bett sitzend antraf. Er hatte die Beine überschlagen und las meine VgddK-Hausaufgabe.
„Uarks!", schrie ich.
Harry sah nicht auf, als er sagte, „Ich glaube nicht, dass Frage drei richtig ist, Draco, wenn du..."
Dann sah er auf, bemerkte mich und wurde ziemlich rosa. Nun, ich hatte nur ein Handtuch um, also war ich nicht absolut überrascht von seiner Reaktion.
Nach einer Weile bemerkte er, dass er mich anstarrte, errötete noch mehr und murmelte ein leises „'tschuldigung", als er wegsah. In diesem Augenblick entschlossen sich die verdammten Vögel und Geigen ein Comeback zu feiern und meine Innereien wurden zu Brei.
„Harry... was machst du hier?", fragte ich und versuche kühl, unnahbar, ungebunden und absolut ungeniert zu klingen.
„Na ja, du bist heute Abend nicht aufgetaucht, also habe ich..."
Während Harry versuchte, sich selbst zu erklären, versuchte er, nicht allzu offensichtlich auf meine Brust zu sehen; um genau zu sein versuchte er, überhaupt nicht auf meine Brust zu schauen. Es war absolut lächerlich. Ich meine, wir gingen seit Urzeiten miteinander aus und er ließ sich von so etwas verschüchtern.
Gott beschütze ihn!
Während er redete bemerkte ich mit wachsendem Horror, dass mein Zimmer zum ersten Mal in meinem Leben... chaotisch war. Überall auf dem Boden lagen Sachen. Und mein Schreibtisch war übersät mit Zetteln, und- sie waren in keiner Art und Weise geordnet.
Und, um das ganze abzurunden, meine Bücher lagen nicht im perfekten rechten Winkel auf meinem Tisch! Ich versuchte mich heimlich umzustellen, sodass ich wenigstens ein paar dieser Katastrophen abschirmte, bevor ich Harry glaubwürdig belog, dass ich beschäftigt gewesen sei, und nein, dass ich nicht nicht aufgetaucht war, um ihn zu treffen, weil ich in eifersüchtiger Rage war. Harry sah immer noch auf meine Füße, so dass ich mich ihm erbarmte und mir meinen Morgenmantel überzog. Aber, dummerweise, passierte etwas, als ich das tat.
Nun, vielleicht wisst ihr es nicht, aber Harry Potter war außergewöhnlich neugierig. Es wunderte mich absolut nicht, dass er es schaffte, jedes Jahr einen anderen fiesen Plan zu vereiteln. In dem Augenblick, in dem ich von ihm weg sah, schaffte er es, sich durch meine Arbeitsbücher zu schnüffeln und das einzelne Blatt Papier herauszufischen, von dem ich nicht wollte, dass er es sah.
Als ich mich wieder umdrehte las er es mit extrem verwirrten Gesichtsausdruck.
„Was ist das? 'Mein Name ist Draco Malfoy. Ich brauche niemanden um mich zu vervollständigen. Und die Geräusche sind alle nur in meinem Kopf'."
„Uarks!", sagte ich wieder, versuchte, es zu fassen zu bekommen, griff aber daneben und schaffte es, der Länge nach auf das Bett zu fallen. Harry hielt das beleidigende Stück Papier (Ja, meine Damen und Herren, ich musste mein Mantra einfach aufschreiben, nicht wahr?) aus meiner Reichweite.
„Gib es mir", bekam ich zwischen zusammengepressten Zähne heraus.
„Aber was ist das? Komm schon, erzähl es mir", antwortete Harry und hielt es immer noch von mir weg.
Gott! Konnte das noch irgendwie demütigender werden? Ich konnte fühlen, wie mein ganzes Gesicht brannte.
„Es ist mein Mantra", blaffte ich schließlich.
„Dein Man-? Aber warum brauchst du eins? Und was für Geräusche?"
Ich lag auf meinem Bett und bedeckte meinen Kopf mit einem Kissen.
„Die... Liederundsoweiter", murmelte ich nach einer Weile.
„Die Lieder?", sagte Harry verdutzt. „Und- und so weiter?"
Es gab eine Pause. Dann sagte Harry nach einer Weile mit Erkenntnis dämmernder Stimme: „wart mal... hast du deswegen nicht aufgehört zu zucken und Takte zu klopfen? Und deinen Kopf gegen die Wand geschlagen?"
„NEIN!", heulte ich aufbegehrend und nahm das Kissen von meinem Gesicht.
„Doch, war es!", sagte Harry triumphierend.
„War es nicht!", schrie ich. „Das war sowieso nur deine Schuld! Du hast mich dazu gebracht zu klopfen!"
Harrys Mund hing jetzt offen. „Du meinst... du hast Lieder und so weiter gehört, weil- weil ich da war?", sagte er langsam.
„Oh Gott", murmelte ich, der letzte Nagel zu meinem Sarg der tiefsten Erniedrigung war soeben fest eingeschlagen worden. Ich bedeckt mein Gesicht mit meinen Händen.
Aber dann war meine Beschämung verschwunden, weil Harry Potter meine Hände wegzog, „das ist so süß", wisperte und anfing, mich sehr gründlich zu küssen. Nach einer Weile zog er sich zurück und wir betrachteten uns gegenseitig ziemlich feierlich.
„Draco... willst du mit... mit...", an dieser Stelle wurde Harry noch röter, aber schaffte es, mit weiterhin gerade in die Augen zu sehen.
Ich denke, ich bekam ein ziemlich schnulziges und gryffindorisches „Bist du sicher" heraus, bevor ich einen komplizierten Verschlusszauber auf die Tür anwandte. Ich wollte garantiert nicht, dass das von jemandem unterbrochen wurde.
Als wir auf das Bett sanken sah ich überrascht, dass meine Hände zitterten. Ich erkannte, dass ich nervös war. Komplett und absolut verängstigt.
Verdammte Scheiße.
