Chapter 13
Verdammt, fuhr Hermine durch den Kopf. Er hat scheiße gebaut, hundert Prozent. Warum sollte McGonnagal sie sonst so plötzlich bitten ihr zu folgen?
Aber vielleicht wollte sie ja nur mit ihr über die Schule reden, über die Hausaufgaben, über irgendwas! Und überhaupt selbst wenn etwas mit Malfoy wäre, würde McGonnagal sie doch nie rufen. Schließlich hatte sie nicht sonderlich viel mit ihm zu tun.
Trotzdem schoben sich immer Zweifel durch ihre Gedanken, klein und bissig, so dass Hermine kurz davor stand ihre Hauslehrerin zu fragen was in aller Welt los war. Allerdings schienen ihr die Chancen auf eine Antwort mitten auf dem Gang so gering, dass Hermine den Mund hielt.
Mit jeden Schritt wurde sie nervöser. Wenn McGonnagal mit ihr über schulische Sachen reden wollte, warum brachte sie sie dann, Hermine hatte den Gang den sie entlang eilten längst erkannt, zu Dumbledore!
„Lariktsschneckengemüse", meinte McGonnagal als sie am Wasserspeier angekommen waren, deutete Hermine die Treppe hinauf zugehen, und ließ sie dann mit ihrem klopfenden Herz alleine. Wie in Trance setzte Hermine erst den einen, dann den anderen Fuß auf die sich nach oben windende Wendeltreppe, und ließ sich nach oben bringen. Bevor sie nur die Hand zum anklopfen gehoben hatte, schwang die Tür auf und sie betrat zum ersten Mal in ihrem Leben Dumbledores Büro.
Ihr erster Blick viel auf Malfoy, der auf einem Stuhl vor dem Schreibtisch hockte und somit alle ihre Befürchtungen bejahte, der zweite Blick fiel auf den Schulleiter der mit ernster Mine hinter seinem Schreibtisch saß.
„Ms Granger, schön das Sie so schnell kommen konnten. Setzen Sie sich doch bitte."
Zögernd, fast unsicher lies sich Hermine auf den Stuhl neben Malfoy sinken. Waren sie nicht genauso vor ein paar Tagen hier gesessen und hatten sich über Dumbledores Strafe geärgert? Wie nichtig ihr die Probleme mit den Hausaufgaben plötzlich vorkamen.
Ihr Blick huschte kurz zu Malfoy, in der Hoffnung. . .ja in welcher Hoffnung? Das er ihr ein beruhigendes Lächeln zu warf? Malfoy? Niemals.
„Sie fragen sich bestimmt, warum ich Sie ohne Ankündigung hier her bestellt habe", begann Dumbledore mit ruhiger aber fester Stimme.
„Der Grund ist, dass Mr. Malfoy gerade in mein Büro kam und mir ein paar – nun, nennen wir es aufschlussreiche – Informationen mitteilte. Nicht erfreulich, aber aufschlussreich. Da er angab, auf ihren Rat hin gehandelt zu haben", Hermines Augen flogen ungläubig zu Malfoy, der allerdings weiter hin ausdruckslos nach vorne starrte, „denke ich, dass sie wissen könnten worum es geht."
„Ähm..." War Malfoy wirklich wegen ihr zu Dumbledore gegangen? Dann hatte er gar keinen Mist gebaut? „Ich...na ja so halb."
Wieder warf sie Malfoy einen unsicheren Blick zu und dieses mal guckte er ihr direkt ins Gesicht. Wie ein Stromschlag zuckte sein Blick durch ihren Körper und Hermine sah schnell wieder nach vorne. Was war das denn gewesen? Wahrscheinlich die Aufregung.
„Ich weiß, dass Malfoy mehrmals im Wald war, weil", sie stockte. „Weil sie ihm gefolgt sind?", half ihr Dumbledore höflich weiter. Hermine merkte wie sie rot wurde und fuhr schnell weiter. „Und er. . .hat ein paar Mal erwähnt, er würde Informationen für. . .für Todesser sammeln."
Dumbledore nickte leicht. „Genauer gesagt, nannte er es die ‚andere Seite', aber sie haben Recht." Hermine warf ihm einen erstaunten Blick zu, woher wusste er das so genau?
„Haben sie sich eigentlich jemals gefragt wozu die Kiste in dem Raum, in welchem sie ihre Hausaufgaben verrichten, gut ist?" Die Kiste. Über die Ereignisse der letzten Tage, hatte sie sie schon fast vergessen.
„Die Kiste beinhaltet – es tut mir leid, dass ich sie erst jetzt darüber informieren kann, aber ich fühlte mich zu diesem Schritt gezwungen – eine Art Abhörgerät."
Dieses Mal blickte auch Malfoy auf, ungläubig fast wütend. Aber auch Hermine merkte wie leise Panik in ihr hoch kroch. Was hatte sie alles vor sich hin geredet, während sie abgehört worden war?
„Ich hoffe sie verzeihen mir. Ich kann ihnen versichern, dass das abhören jegentlich zur Überwachungen von Dingen die für die Schule wichtig sind galt, alles andere ist vollkommen egal. Vielleicht erklärt die Sache ja auch meinen Beschluss, sie zusammen ihre Hausaufgaben verrichten. Es mag ihnen als eine sehr komische Strafe vorgekommen sein, mir kam es aber sehr gelegen, da ich so in der Lage war, Mr Malfoy ein wenig zu überprüfen. Ich bin ihnen beiden, insbesondere aber Mr Malfoy sehr dankbar, dass sie aus freien Stücken zu mir gekommen sind."
Hermine zögerte, dann nickte sie.
„Nun zu ihnen Mr Malfoy", fuhr Dumbledore nach einer kurzen Pause fort, und lächelte Malfoy freundlich zu, Hermine hätte es übertrieben gefunden zu sagen, dass der Slytherin nur ansatzweise zurück gelächelt hätte, sein Blick war so eisig das es sie wunderte, dass Dumbledore noch höflich blieb.
„Sie müssen wissen Ms Granger, dass Mr Malfoy bis zum jetzigen Zeitpunkt als Spion für Voldemort arbeitete. Ich denke es ist zum großen Teil ihnen zu verdanken, dass er sich vor ein paar Minuten dazu entschied die Seite zu wechseln."
Hermine öffnete den Mund und schloss ihn wieder? Ihr? Warum ihr? Was hatte sie denn groß gemacht? Ihm gesagt er solle zu Dumbledore gehen, aber hatte sie je damit gerechnet, er könnte ihrem Rat folgen?
„Natürlich musste ich sofort handeln. Sein Entschluss wird den Todessern nicht lange unbekannt bleiben. Ich habe ein paar tatkräftige Mitglieder des Ordens zu Narcissa Malfoy geschickt, um ihr Hilfe anzubieten, da ich befürchte Voldemort könnte seine Wut an Personen auslassen die ihm nahe stehen."
Hermine schwieg. Sie war sich nie der Ausmaßen, die Malfoys Beschluss hinter sich her zerrten, bewusst gewesen. Vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, bewunderte sie den Slytherin. Niemand hatte sagen müssen, dass er sich damit in Lebensgefahr brachte, plötzlich schien es viel klarer als vor noch einer Woche.
Zum ersten Mal machte sie sich Gedanken über die Tragweite Malfoys Entscheidung, merkte, dass mit ihr nicht alles gut, geregelt oder sogar zu ende war.
„Ich denke, ich muss nicht weiter hervor heben, dass Sie Mr Malfoy fürs erste nur unter mit mir abgesprochenen Sicherheitsvorkehrungen nach Hogsmeade können. Ms Granger, ich denke sie können Mr Potter und Mr Weasley von unserem Treffen erzählen, aber nicht damit hausieren gehen."
Wieder nickte Hermine benommen. Malfoy sagte wie schon die ganze Zeit kein Wort, aber Dumbledore schien das als stumme Zuneigung zu nehmen.
„Nun, das war's fürs erste. Ich wäre ihnen dankbar, wenn sie ihre Hausaufgaben weiterhin zusammen machen würden, ich werde sie aber nicht weiter abhören. Sie können gehen."
Langsam erhob sich Hermine und folgte Malfoy nach draußen. Schweigend verließen sie das Büro, erst als sich ihre Wege trennten, meldete sich Hermine leise zu Wort.
„Ich...gut das du zu Dumbledore gegangen bist." Warum hörten sich die Worte so komisch an, so beinahe piepsig?
Malfoy antwortete nicht aber sie meinte ein leichtes Lächeln auf seinem Gesicht zu sehen, nur ganz kurz, aber es war weder spöttisch, noch ähnelte es seinem üblichen feixen.
