Disclaimer: Ich glaube nicht, dass sich hier in nächster Zukunft etwas ändern wird. Wenn ja, lass ich's euch wissen.
Kapitel 13
Entscheidungen
Mit schmerzerfülltem Gesicht massierte die Elbe sich die Stirn. Seit Stunden hockte sie in ein und derselben Position am Boden und dachte angestrengt nach. Ihre Gedanken drehten sich im Kreis und sie kam zu keinem Ergebnis. Seufzend strich sich Nirvanya die widerspenstige blonde Haarsträhne aus dem Gesicht. Ihre Situation wurde mit jeder Minute die verrann vertrackter und keine zwei Stunden zuvor war Nirvanyas Vermutung bestätigt worden.
Etwas ging vor sich. Was das jedoch für die Elbe bedeutete, erfuhr sie erst am Ende. Die Orks hatten etwas geplant. Doch anscheinend war wieder etwas schief gegangen. Nur so zumindest konnte die Elbe sich den Lärm erklären, der mittlerweile herrschte. Kopfschüttelnd betrachtete die Blonde den vor ihr im Stroh liegenden Elb. Seinetwegen saß Nirvanya starr am Boden und wagte nicht sich zu bewegen.
Noch wusste sie nicht, was sie davon denken sollte. Seit die Orks ihn zu ihr in die Zelle gesperrt hatten, überschlugen sich die Reaktionen. Am Beginn noch in Hochstimmung, schrieen ihre Kerkermeister mittlerweile wild durcheinander, und Nirvanya hätte auch das ein oder andere Todesopfer nicht erschreckt.
Kopfschüttelnd betrachtete Nirvanya wieder den - der blutigen Kopfwunde nach zu schließen – niedergeschlagenen Elben. Wie er von dem Lärm noch nicht geweckt worden war, glich nahezu einem Wunder.
Fast hätte Nirvanya schwören können, spürte man die Grundfesten der Zelle und des ganzen Gebäudes erzittern. Beschützend schlang die Elbe den freien Arm um ihre angezogenen Beine.
Mit gemischten Gefühlen sah Nirvanya, wie sich der Elb bewegte und allmählich zu Bewusstsein kam. Verwirrt blinzelte er ins Halbfinstere der Zelle, seines neuen Heimes. Zumindest auf unbestimmte Zeit. Langsam schien der Elb seine Umgebung völlig wahrzunehmen. Und blickte noch verwirrter. War es nicht auch Nirvanya an ihrem ersten Tag so ergangen?
Jedoch, dies stellte die Blonde mit einem kurzen Blick auf ihren – wenn auch unfreiwilligen – Kameraden fest, war er nicht gefesselt. Oder angekettet. Und irgendwie war ihr aufgrund dieser Information nicht wirklich wohler. Aber der Elb schien schwer angeschlagen. Zumindest deuteten seine blauen Flecken und Wunden darauf an, dass auch er sich den Orks nicht kampflos ergeben hatte. Doch ein gemeinsamer Feind machte einem nicht zwingend zu Freunden oder Verbündeten.
Ein leises Stöhnen ließ Nirvanya noch weiter zurückweichen. Nicht dass sie Angst gehabt hätte, nur kannte sie den am Boden liegenden nicht. Und seit jeher war sie Unbekannten gegenüber bereits misstrauisch gewesen. Vielleicht, weil es ihr seit klein auf eingebläut wurde. Und auch wenn er beinahe genauso wehrlos war wie sie, konnte sie doch nicht alle Vorurteile beiseite räumen.
„Wo bin ich?", kam es dann nach einer Weile leise von dem Elb, der sich langsam aufrappelte. Nirvanya überlegte kurz. Sollte sie ihm antworten? Doch wer, wenn nicht sie konnte ihm eine Antwort geben, die er auch verstand? „Geographisch gesehen irgendwo nahe den Ettenöden. Und so gesehen von stinkenden Orks gefangen genommen, und in ein noch erbärmlicheres Loch gesteckt worden. Mit mehr kann ich nicht dienen, so leid es mir auch tut."
Der Elb stutzte einen Moment. Weit weg von seinen Freunden dürfte es nicht sein. So lange nicht sie auch gefasst worden waren. Doch wer konnte ihm sagen, dass seine Freunde, und schlimmstenfalls auch Fulayor nicht mehr auf freiem Fuß waren? „Sind noch andere gefangen genommen worden?" Der Elb stellte die Frage, die ihm am meisten auf dem Herzen brannte. Nirvanya zögerte einen Moment. Der Gedanke an weitere Gefangenen war ihr noch nicht gekommen. Warum eigentlich?
Doch ohne weiter darüber nachzusinnen, antwortete Wyráths Tochter: „Nein. Ich weiß nichts davon. Wer käme Euch denn in den Sinn? Sollten noch mehr euresgleichen hier sein?" Nirvanyas Misstrauen wuchs wieder, schien sich zu einer unüberwindbaren Mauer aufzubauen. Auch wenn sie keine Gründe dafür nennen konnte.
„Ich sorge mich um meinen Sohn und etliche meiner Freunde. Die waren gemeinsam mit mir unterwegs, doch gerieten wir in einen Kampf", der Elb stoppte kurz, „Ich hoffe nur, es geht ihnen gut!" Irgendetwas lag in seinem Blick, das Nirvanya von der Wahrheit seiner Worte überzeugte. Auch wenn sie es nicht wollte. Viel eher würde sie ihrem Zellengenossen weiter misstrauen. Wie sie es immer tat. Bis zum letzten würde sie sich gegen die Einreißung ihrer Mauer des Misstrauens wehren.
Wortlos saßen sie sich einige Zeit gegenüber. Mittlerweile war Nirvanyas Körperhaltung nicht mehr die einer eingeschüchterten Elbe. Der andere Elb hatte seinen Kopf an die Wand gelehnt – etwas, was Nirvanya nicht gemacht hätte – und hielt die Augen geschlossen. Fast schien es, als würde er schlafen. Doch war es für einen Elb ungewöhnlich, dies mit geschlossenen Augen zu tun. Außer sie waren sehr erschöpft oder verletzt.
Unverhofft, als Nirvanya nahe daran gewesen wäre, trotz ihrem Argwohn gegenüber einzuschlafen, fing er wieder an zu reden. „Warum halten sie uns hier gefangen?" Am Ende seiner Frage öffnete er die Augen, und blickte die Blonde direkt an.
„Diese Frage solltet Ihr den Orks stellen, nicht mir", schnaubte Nirvanya, „schließlich bin ich nicht allwissend. Was ich bereits unter Beweis gestellt haben sollte." Den letzten Satz hatte die Gefangene nur mehr murmelnd hinzugefügt. Sie wusste nur, dass es ihr nicht gefiel hier eingesperrt zu sein. Zu recht viel mehr half es nicht.
Seufzend ließ die Elbe den Kopf sinken. Würde Eru ihr einen einzigen Wunsch erfüllen, so würde sie ohne lange darüber nachzudenken wissen, was sie sich wünschen würde. Doch hier würde sie niemand finden, wer weiß ob Eru dazu in der Lage wäre.
Aufmerksam beobachtete Nirvanya die kläglichen Versuche des Elben aufzustehen. Scheinbar hatte er große Schmerzen. Sie konnte es ihm nicht verübeln. „Ihr solltet Euch lieber schonen", riet sie ihm, doch er winkte ab. „Alles was ich tun sollte, ist versuchen hier heraus zu kommen. Wer weiß was mit den Anderen passiert ist", murmelte der Elb.
Forschend betrachtete er Nirvanya, deren Unbehagen unter seinem Blick wuchs. Ihr schien es nichts Gutes zu verheißen. Hätte sie gekonnt, hätte sie sich mit Sicherheit unbehaglich unter dem Blick gewunden. „Was seht Ihr mich so an?", flüsterte Nirvanya, jedoch laut genug, dass auch der Elb es hörte. Ihre Augen fixierten ihn. Keine seiner Bewegungen sollte ihr entgehen. Noch hatte sie ihn nicht als ungefährlich eingestuft. Und sie hatte es, so wie es denn Anschein machte, auch nicht vor.
Einige Augenblicke verstrichen, oder zumindest kam es der Elbe so vor, bis der Blonde antwortete. „Ich frage mich, wer Ihr seid", gab er unumwunden zu. Nirvanya sah ihn ausdruckslos an. „Ihr fragt Euch, woher ich komme?" Nirvanya zog eine Augenbraue in die Höhe. „Wäre es nicht mein Vorrecht, Euch zuerst diese Frage zu stellen?" Zu ihrer Überraschung, lachte ihr Geselle, worauf sie nur den Kopf schüttelte. Man hatte einen verrückten in ihre Zelle gebracht. Vielleicht war es das, worauf es hinauslief. Ihr gesamtes Leben mit einem Verrückten in einer Zelle zu verbringen. Nirvanya dachte nach. Bisher waren ihr nur Berichte über spontane Verwirrung bei Menschen bekannt, doch wer konnte ihr versichern, dass Elben davor gefeit waren?
„Nun, meiner Ansicht nach, hattet Ihr lange genug Zeit, um Euer Recht geltend zu machen. Nun bin ich an der Reihe", meinte der Elb und hörte nicht auf den „Wer sagt das?" Einruf der erbosten Elbe. „Woher kommt Ihr und was macht Ihr hier?" Nirvanya wandte den Blick ab. Zu sehr durchdrangen sie seine blauen Augen förmlich. Sie kicherte kurz böse. „Wer sagt, dass ich darauf auch antworte?" Ja, sie wurde mutiger. Zumindest hatte sie nicht mehr viel zu verlieren, also warum sich aufgrund seines Misstrauens klein kriegen lassen. Nicht mir ihr!
Wieder wurde ein Kopf geschüttelt. Doch dieses Mal war es nicht Nirvanya. Dieses Mal war es der ihr Unbekannte. Er brauchte nicht auszusprechen, was er dachte, man sah es ihm auch so an. Und das war es, was Nirvanya zum Lächeln brachte. An ihrem Sturkopf hatten sich schon manche die Zähne ausgebissen. Wenn auch nicht im wörtlichen Sinn.
Nicht viel würde sie zu einer Antwort bewegen können. Außer der Elb bot ihr freies Geleit. Was Nirvanya als äußerst unwahrscheinlich abtat. „Wenn Ihr nicht reden, wollt, so berichte ich Euch über mich. Vielleicht lockert das Eure Zunge", schmunzelte der Elb und Nirvanyas Blick ließ unschwer darauf schließen, was sie davon hielt. Nämlich nahezu nichts.
Doch so entspannt, wie es im Moment wirken konnte, war der Elb bei weitem nicht. Jedoch setzte er alles daran, seine Sorgen zu überspielen. „Mein Name ist Legolas Grünblatt und ich komme aus dem Düsterwald." Sein Name ließ Nirvanya aufhorchen. Sie hörte ihn keinesfalls zum ersten Mal. Viel mehr wäre es töricht anzunehmen, dass sie nicht schon von dem Elb gehört hatte. Jedoch hätte sie ihn nicht erkannt. Wie auch, wenn sie ihm zuvor noch nie begegnet war? Langsam schwand ihr Misstrauen. Er war einer der Ringgefährten. Und es hatte nicht den Anschein, als würde er über seine Herkunft die Unwahrheit sagen.
„Woher weiß ich, dass ich Euch glauben schenken darf? Ich habe noch nie gehört, dass Ihr einen Sohn hättet!", versuchte Nirvanya ihr Misstrauen dennoch aufrecht zu erhalten. In diesem Moment wurde ihr gewahr, dass sie offensichtlich einen wunden Punkt getroffen hatte, denn Legolas schien traurig zu werden. „Bis zuletzt wusste auch ich nichts von seiner Existenz." Die Elbe stutzte. Wie konnte man so etwas ausschlaggebendes nicht wissen? Nirvanya beschloss jedoch, nicht weiter nachzufragen.
Überhaupt war Neugierde etwas, das sie auch bei anderen Elben nicht mochte. Ständig steckten sie ihre Nasen in Angelegenheiten, die sie nicht im Entferntesten etwas anging, und fragten einem Löcher in den Bauch. Als hätte sie nichts besseres zu tun, als mit ihnen zu reden, ihnen ihr Herz auszuschütten. Warum sollte sie also andere damit belästigen?
Legolas schien diese Abneigung nicht zu kennen. Oder sie war nicht so ausgeprägt, wie sie bei Nirvanya war. „Warum wurdet Ihr gefangen genommen?" Die Elbe verdrehte die Augen. Warum konnte er nicht so viel Rücksicht auf sie nehmen, wie sie es tat? „Woher soll ich das wissen? Darf ich Euch daran erinnern, dass ich nicht allwissend bin? Ihr habt mir diese Frage bereits einmal gestellt, und ich konnte sie nicht beantworten. Wieso sollte ich es jetzt können? Die Orks sind schließlich nicht gekommen und haben gesagt, ‚Ihr habt unseren Herrscher erzürnt, hättet Ihr die Güte mit uns zu kommen?'"
Mittlerweile konnte man Nirvanyas Gemütslage getrost gereizt nennen. Aber den Elben schien das wenig zu stören. Was konnte sie ihm auch anhaben? Sie war an die Wand gekettet, er nicht. „Woher kommt Ihr? Habt Ihr dem besagten Herrscher denn einen Grund geliefert Euch gefangen zu nehmen?" Noch immer sah Legolas keinen Grund, warum sie ausgerechnet ihn festgesetzt haben. Es hätte jeden aus ihrer kleinen Gruppe erwischen können, doch es war unschwer zu erkennen, dass sie nur ihn lebend wollten. Warum auch immer. Das war es, was Legolas herauszufinden versuchte. Und dazu brauchte er Nirvanyas Hilfe, ob er wollte oder nicht. Er musste sie zur Kooperation gewinnen.
-x-x-x-x-
„Ich dachte Adar wäre dein bester Freund, Gimli! Wie kannst du ihm nur derart in den Rücken fallen!" Wirkte Fulayor auf den ersten Blick ruhig und besonnen, so war er es unter der Oberfläche keinesfalls. Und nun brachte Legolas' Verschwinden sein wirkliches Verhalten zu Tage. Nicht der optimale Zeitpunkt, doch alles was der junge Elb schon so lange mit sich herumtrug, musste heraus. Seit Minuten schon machte Fulayor dem Zwerg Vorwürfe. Er konnte dessen Sinneswandel nicht verstehen.
Von Sekunde zu Sekunde wurde Legolas' bester Freund schweigsamer. Würde er auf sein Herz hören, wäre er schon längst nicht mehr hier. Doch mittlerweile hatte er gelernt, auch auf seinen Verstand zu vertrauen. Und der sagte ihm, dass er die richtigen Prioritäten setzten musste. Welche in diesem Fall Vilwarnins Rettung war. „Junge, woher willst du wissen wohin sie ihn gebracht haben?"
Der Elb, der zuvor noch vor Gimli auf und ab gelaufen war, hielt in seiner Bewegung inne, und musterte den Zwerg mit vor Ärger blitzenden Augen. „Woher ich es wissen will? Woher wusstet ihr wohin ihr gehen müsst, als im Ringkrieg Merry und Pippin von den Orks verschleppt wurden? Ich dachte, Aragorn könnte Spuren lesen! Aber offensichtlich wollt ihr das nicht. Anscheinend wollt ihr Adar schon jetzt seinem Schicksal überlassen. Bei Eru, er würde sich mit Sicherheit auf die Suche nach euch machen!"
Legolas' Sprössling machte auf den Fersen kehrt und so schnell konnte Gimli nicht reagieren, war er schon außer seiner Sichtweite. Seufzend schüttelte der Zwerg den Kopf. Zu gut verstand er seinen jungen Freund. Doch Aragorn hatte ihm etwas klar gemacht. Legolas würde es nicht wollen, dass sie ihm folgten. Würde einem von ihnen etwas passieren, würde sich der Elb sein Leben lang Vorwürfe machen. Zudem stand hier wichtigeres auf dem Spiel. Auch wenn Gimli es nicht gerne zugab.
Weit kam Fulayor in seiner Flucht ins Nirgendwo nicht, bis Aragorn ihn stoppte. Stur blickte der Elb zu Boden. Nicht nur auf Gimli lud sich sein Ärger, auch auf Aragorn. Immerhin hatte dieser dem Zwerg eine Suche nach Legolas ausgeredet. Auch wenn Fulayor gerne weitergegangen wäre, so konnte er nicht, hielt ihn der Waldläufer doch am Oberarm fest. Und der Elb wagte nicht zu zweifeln, dass sich sein Griff stärken würde, versuchte er sich loszureißen. „Wo willst du hin?", wollte Aragorn wissen. Der Angesprochene zuckte nur mit den Schultern. Ihm war es egal. Alles was er nicht wollte, war Gesellschaft. Doch dass konnte er Aragorn schlecht ins Gesicht sagen, soviel Anstand bewahrte er sich.
„Mach nicht Gimli für Legolas' Verschwinden verantwortlich. Glaube mir, wenn ich sage, dass auch er nichts lieber täte, als hinter den Orks herzujagen." Ein ‚Warum tut er es dann nicht?' entfloh Fulayors Kehle, ehe er auch nur daran dachte, was er sagte. Nun wagte er sogar, Aragorns Blick zu erwidern. Trotzig streckte er das Kinn vor. Nein, bereuen tat er seine Worte nicht, sprachen sie ihm doch aus der Seele. „Ich denke Gimli hat begriffen, dass es nicht der Wunsch deines Vaters wäre. Er wusste, was ihm auf dieser Reise zustoßen kann, und er nahm es auf sich. Lass nicht deinen Ärger über deinen Vater an Gimli aus!", versuchte Gondors König dem Sohn seines Freundes begreiflich zu machen. Dieser wollte etwas entgegen, doch Aragorn schnitt ihm das Wort ab.
„Ich weiß was du sagen willst. Du bist nicht auf deinen Vater wütend. Denk noch einmal darüber nach. Vielleicht habe ich mit meinen Worten doch recht und du bist im Grunde genommen nur wütend auf Legolas, weil er dich, wie auch deine Mutter verlassen hat. Wenn auch wie sie nicht gewollt." Sprachlos sah ihn der Elb an. Von dieser Warte aus hatte er die Situation noch nicht betrachtet. Doch noch wollte er dem Mensch noch nicht Recht geben. „Woher wollt ihr alle wissen, was mein Vater gewollt hätte?"
Aragorn schmunzelte. Auch in Legolas konnte man zu Weilen diese Sturheit finden. Wenn sie auch in früheren Jahren ausgeprägter gewesen sein dürfte. Er sah noch harte Jahre auf das Eryn Lasgal'sche Königshaus zukommen, doch verkniff er sich diese Bemerkung, hätte sie Fulayor doch nur noch mehr erzürnt. „Er war sich über die Risiken dieser Reise bewusst. Wie alle anderen auch." Der König duldete offensichtlich keine Widerworte mehr. Das begriff Fulayor, auch wenn ihn noch einiges auf der Zunge lag.
Der Mensch legte einen Arm um die Schulter des jungen Elben. „Nun komm. Sattle dein Pferd. Ich denke Novartis vergeht mittlerweile vor Sorge. Vielleicht solltest du es auch von seiner Warte aus betrachten. Seine Heimat ist in Gefahr. Und einige Leben." So plötzlich wie Aragorn gekommen war, war er auch verschwunden. Er hatte gesagt, was zu sagen war.
Langsam ging Fulayor zu Olvin. Sanft kraulte er das Pferd hinter den Ohren, bevor er es kurz putzte und seinen Freund danach sorgfältig sattelte. Der Blick des Elben schlich immer wieder zu Novartis. Vielleicht hatte Aragorn recht. Doch noch wollte Fulayor es noch nicht einsehen.
Novartis sah man an, dass er am liebsten seine sieben Sachen, und die der anderen gepackt hätte, und weitergeritten wäre. Schließlich ging es hier um wesentlich mehr als ein Elbenleben. Seine Heimat stand auf dem Spiel. Und falls sie es nicht schafften, Vilwarnin zu retten, konnte niemand mehr für etwas garantieren. Die Besetzer würden sich keinesfalls auf Dauer mit dem kleinen Königreich zufrieden geben. Die Gier würde auch sie überkommen. Eine Neuauflage des Ringkriegs wäre keinesfalls ausgeschlossen.
Der Elb schloss die Augen. Daran wollte er nicht einmal im Traum denken. Noch nicht. Er spürte eine Hand auf seiner Schulter. Aragorn stand hinter ihm. Offenbar hatten sie sich endlich für einen Weiterritt entschieden. Novartis dankte den Göttern. Vielleicht war noch nicht alle Hoffnung vergebens. Ungeduldig sah er den anderen zu, wie sie ihre Pferde sattelten. Besser schon gestern sollten sie damit fertig sein. Doch selbst Gimli war nach einigen Schwierigkeiten wieder am Rücken seines Pferdes und es konnte endlich weitergehen.
Keine Frage, auch Novartis bedauerte den Verlust, doch für ihn stand viel wichtigeres auf dem Spiel.
Immer wieder sah man die Hobbits Blicke zurückwerfen. Ihnen widerstrebte es weiterzureiten. Die Entscheidung war jedoch bereits gefallen. Nun mussten sie das Beste aus ihrer Situation machen. Doch sie waren nicht die einzigen die zweifelten. Auch Lonath sah man deutlich an, dass er nicht wusste, ob sie das Richtige taten. Wie würde er seinem Vater beibringen können, dass sie Legolas den Orks überlassen hatten?
Auch Gimli sah ein letztes Mal zurück, als er neben Fulayor auf Arod ritt. Selbst das Pferd schien zu bemerken, dass etwas ausschlaggebendes fehlte. Nervös tänzelte es unter seinem Reiter und bescherte Gimli damit noch ein schlechteres Gefühl in der Magengegend. Nun musste er also auch noch alleine mit diesem Riesentier zurechtkommen. Somit konnte es beinahe nur mehr besser kommen. Doch sollte sich der Zwerg nicht darauf verlassen. Was kommen sollte, konnte niemand erahnen. Würden sie ihren Weg gefahrlos fortsetzen, oder lauerten noch größere Gefahren auf die kleine Gruppe?
-x-x-x-x-
Wieder war es eine Weile oder auch länger still zwischen den beiden Elben. Scheinbar andächtig lauschten sie den Streitereien der Orks. War Legolas am Anfang noch beunruhigt über die Meinungsverschiedenheiten, so hatte er sich nun mehr daran gewöhnt. Ob das gut oder schlecht war, wusste Legolas nicht. Eigentlich hatte er nicht geplant, allzu lange eingesperrt zu bleiben. Nur das Ausbrechen würde ihm vielleicht etwas an Schwierigkeiten bescheren. Doch er war auch schon größeren Gefahren entronnen.
„Ihr habt mir immer noch nicht Euren Namen verraten", meinte Legolas. Er hatte nicht vor sich von diesem Dickschädel abschrecken zu lassen. Aber anscheinend hatte sie nicht mehr den Nerv, seine Fragen zu ignorieren. „Ich heiße Nirvanya." Den ersten Widerstand hatte er gebrochen. „Schöner Name. Woher kommt Ihr?" Wenn sie schon auf seine erste Frage geantwortet hatte, wollte er sein Glück weiter versuchen. Was sollte ihm schon passieren. Schlimmer konnte es fast nicht mehr kommen.
Für einen kurzen Augenblick schien es, als würde die Elbe eine Auskunft zu verweigern bis sie dennoch antwortete. „Aus Vilwarnin. Und, mit solchen Schleimereien werdet Ihr nicht noch eine weitere Antwort aus mir herausbringen, dass garantiere ich euch." Mit geweiteten Augen blickte der Elb Nirvanya an. Siegessicher lächelte sie. Noch nie hatte sie sich mit solch charmanten Äußerungen um den Finger wickeln lassen.
Legolas jedoch bereitete etwas anderes Sorgen. Hatte er sich eben verhört? Oder konnte es tatsächlich sein? „Sagtet Ihr eben aus Vilwarnin?" Nirvanya blickte Legolas verwirrt an. Hatte sie sich undeutlich ausgedrückt? „Ja", bestätigte sie mit gerunzelter Stirn, „aus Vilwarnin. In der Nähe des Carn Dûms. Wieso scheint dies für Euch so unglaubwürdig?" Fast schien Nirvanyas Blick eine Spur Bösartigkeit hinzugefügt zu werden.
Doch der Elb aus dem Düsterwald setzte sofort zu einer Verteidigung an. „Ich habe nicht an Eurer Aussage gezweifelt. Jedoch scheint es sich hier um einen großen Zufall zu handeln. Denn ich war mit meinen Gefährten unterwegs nach Vilwarnin. Ein Elb namens Novartis kam nach Eryn Lasgalen und bat uns um Hilfe", schilderte Legolas was sich zugetragen hatte.
Ein Ruck ging durch Nirvanyas Körper. Plötzlich war alles außer Sorge aus ihrem Blick gewichen. Beinahe machte Legolas ihre Gemütsveränderung Angst. „Was – was ist passiert?", brachte die Elbe mühevoll über die Lippen. Von einem Moment auf den anderen wurde dem Elb vieles klar. Warum war Nirvanya noch am Leben? Wieso war sie nicht in Vilwarnin, wusste nichts von den dort vorgehenden Dingen? Legolas gefiel es nicht, dass er es war, der sie darüber informieren sollte.
Der Elb schluckte kurz. Wie sollte er einer Bewohnerin Vilwarnins beibringen, was dort vor sich ging? „Ich weiß keine Details, nur was Novartis uns erzählte. Offensichtlich hat eine Gruppe Orks mit einem mir unbekannten Anführer geschafft das komplette Königreich mitsamt allen seiner Bewohner lahm zu legen. Wie ist mir nicht bekannt. Wir versuchen mit vereinten Kräften gegen die Orks vorzugehen."
Starr blickte die Elbe vor sich ins Halbfinstere. Wie lange war sie fort gewesen? Einige Wochen. Dass sich in dieser Zeit so viel getan haben sollte, erschien ihr beinahe utopisch. Vilwarnin war solange Nirvanya denken konnte ein friedliches Land gewesen. Was hatte jemanden dazu veranlasst, es zu besetzen? Frustriert rüttelte sie an der Kette, die sie noch immer an die Wand fesselte. Seit ihrer Abreise schien viel schiefgegangen zu sein.
„Ist außer Novartis noch jemand entkommen?" So schwer es Legolas auch fiel, musste er dennoch verneinen. Nirvanya schloss resignierend die Augen. Offensichtlich hing nun alles von ihrem Bruder ab. Ob er wusste, was mit ihr passiert war? Die Wahrscheinlichkeit war gering. Zudem konnte die Elbe nicht einmal mit Bestimmtheit sagen, dass er noch am Leben war.
Doch, würde sie es nicht spüren, wäre ihm etwas passiert? Ihre Stirn legte sich in Sorgenfalten. Jede Sekunde die sie hier festsaß, war eine verschwendete Sekunde. Mit jedem Augenblick, der verstrich breiteten sich die Orks vermutlich in Vilwarnin aus. Wer weiß ob es sich am Ende lohnte, Vilwarnin zu retten.
„Alles, was uns jetzt Sorgen machen sollte, ist, wie wir hier herauskommen. Dafür müsst Ihr mir vertrauen!", stellte Legolas unmissverständlich fest. Er hatte nicht vor auszubrechen, ohne auf ihre Hilfe zählen zu können. Man sah ihr an, dass auch sie ihrem Gefängnis entkommen wollte, doch wenn es ihnen gelang und sie auf Orks trafen, musste er auf sie zählen können.
Tief in ihrem Herzen war die Entscheidung bereits gefallen. Sie vertraute ihm, hatte keine andere Chance. Auch wenn es ihr unzweifelhaft nicht gefiel. Es war nicht mehr zu ändern.
Kapitel 13 Ende
Somit hätten sich die beiden kennen gelernt. Was sonst noch so passiert dann im nächsten Kapitel. Würde mich über den ein oder anderen Kommentar freuen, Lg Nirvanya
