Der Garten war wundervoll geschmückt. Die Lampions ließen den Garten in einem neuen Glanz erstrahlen. Der Champagner war kalt gestellt und Freddy wartete nervös auf die ersten Gäste, während Chas und Fry bereits die ersten Häppchen aßen.

Harry und Dempsey traten hinaus in den Garten. Sie waren überwältigt von der wunderschönen Dekoration.

„Whow, das erinnert mich an Weihnachten auf dem Times Square," sagte Dempsey verblüfft.

Freddy reichte ihnen ein Glas Champagner.

„Es ist, wie immer, wunderschön, Freddy."

Harry küsste ihren Vater auf die Wange. Der Lord lächelte sanft.

„Lasst uns den Abend genießen, Kinder. Du siehst wundervoll aus, Harry. Du bist das Ebenbild deiner Mutter."

Die ersten Gäste trafen ein und versammelten sich auf der Terrasse.

Freddy klopfte an sein Glas und begrüßte sie mit warmen, herzlichen Worten. Seine Trauer um den Verlust von Clarice ließ er sich keinen Moment lang anmerken.

Harry und Dempsey mischten sich unter die Gäste. Eine ältere Dame kam auf sie zu und küsste Harry sanft auf die Wangen.

„Harriet, mein Kind. Es ist so schön dich zu sehen," sagte die alte Dame freundlich.

„Tante Mary, wundervoll, dass du da bist. Ich hoffe, es geht dir und deiner Familie gut?"

Dempsey räusperte sich und lächelte Mary freundlich an.

„Entschuldigt bitte, wo sind nur meine Manieren," entschuldigte sich Harry mit einem leisen Lachen.

„Dempsey, dass ist Lady Winfield, die Schwester meines Vaters. Tante Mary, das ist mein...mein Freund James Dempsey."

Harry wurde verlegen und strich sich über den Nacken. Es fiel ihr nicht leicht Dempsey als ihren Freund vorzustellen, da sie nicht wusste, wie es sich zwischen ihnen weiter entwickeln würde.

„Kindchen, du sprichst deinen Freund mit seinem Nachnamen an?" fragte Mary verwundert.

„Guten Abend, Lady Winfield. Sie müssen nachsichtig mit ihr sein. Wir waren Partner beim SI 10 und das ist die Macht der Gewohnheit." Dempsey griff nach Mary's Hand und hauchte ihr einen sanften Kuss auf den Handrücken.

„Charmant, charmant, Harriet. Amerikaner, Mr. Dempsey? Mir war nicht bewusst, dass es dort so charmante Männer gibt. Wo hast du dieses Exemplar nur so lange versteckt?"

Harry lachte verlegen, dieses Gespräch war ihr zusehends unangenehm und sie lenkte vom Thema ab.

„Wie war deine Anreise, Tante Mary?"

„Du kennst ja Wilbur. Er fährt, wie eine Schnecke und ich dachte schon wir kommen nicht mehr an. Er ist immer um die Sicherheit besorgt und so gesetzestreu."

Sie winkte einem jungen Mann zu, der sich direkt zu ihnen gesellte.

„Cousine Harriet, schön, dass du hier bist. Ich habe dich nicht erwartet, nachdem im letzten Jahr auch nicht da warst. Du bist schön, wie immer." Wilbur schloss Harry fest in seine Arme, hob sie ein Stück an und drehte sie im Kreis und ließ sie wieder zurück auf den Boden.

„Schön dich zu sehen, Wilbur. Darf ich vorstellen, das ist mein Freund, James Dempsey."

Misstrauisch schaute er Dempsey an und nickte ihm zur Begrüßung lediglich zu.

„Wie gefällt dir deine Arbeit im Museum, mein Kind? Wilbur und ich sind schon ganz gespannt auf die Ausstellung. Ich bin froh, dass du endlich zur Besinnung gekommen bist. Die Arbeit als Polizistin ist doch viel zu gefährlich und nicht standesgemäß,"sagte Mary mit einem unüberhörbaren Unterton.

„Es macht mir sehr viel Spaß, Tante Mary. Danke der Nachfrage."

Harry drehte sich zu Dempsey und verzog, in einem unbeobachteten Moment, das Gesicht.

„Was machen sie so, Mr. Dempsey? In welcher Branche sind sie tätig?" fragte Wilbur und seine Augen blitzten finster.

„Ich bin nicht standesgemäß," antwortete er kurz und knapp.

„Er ist bei der Polizei, musst du wissen. Bevor Harry gekündigt hat, waren sie Partner." Erklärte Mary.

„Entschuldigt uns bitte, wir müssen noch die anderen Gäste begrüßen," sagte Harry und zog Dempsey mit sich.

Sie liefen ein Stück in den Garten und Harry atmete tief durch.

„Was ist los, Harry? Alles okey?"

„Ja," lachte sie.

„Na sag schon, was ist los?"

„Cousin Wilbur ist unerträglich."

„Was ist das für ein Clown?" fragte Dempsey neugierig.

„Er ist Tante Mary's Adoptivsohn und so furchtbar. Er ist ein richtiger Snob und so überheblich. Er hat dich angesehen, als kämst du von einem anderen Stern."

Beide brachen in lautes Lachen aus.

„Wenn das so weiter geht, Prinzessin, dann werden wir an diesem Wochenende viel Spaß haben. Gibt's noch mehr von der Sorte?"

„Ich befürchte, ja."

„Aber er hat zumindest in einer Sache Recht. Du bist schön, wie immer,"sagte er sanft.

Harry wurde verlegen. Sie mochte es, wenn er ihr Komplimente machte.

Ein junges Paar trat neben sie und begrüße sie freundlich.

„Hallo Harry, wie geht es dir?" fragte eine junge Frau.

„Susan und Mike, es ist schön, dass ihr hier seid," sagte Harry ebenso freundlich.

„Das ist James."

Die drei reichten sich die Hand.

„Mike ist ein Cousin dritten Grades und das ist seine Frau Susan. Sie sind mir sehr liebe Freunde."

Dempsey legte einen Arm um Harry's Schultern.

„Harry's Freunde sind auch meine Freunde," sagte er kurz und spürte, dass Harry zitterte.

„Du frierst ja, Schatz. Hier ist meine Jacke."

Er legte Harry seinen Smoking um die Schultern. Sie genoß die Wärme und seinen wundervollen Duft.

„Wir haben gehört, dass du nun im Museum arbeitest. Das ist wirklich sehr schade, ich habe dich immer für deine Courage bewundert, Harry. Eine junge Frau aus dem britischen Hochadel arbeitet bei der Polizei. Das hat mich immer fasziniert," sagte Susan enttäuscht.

„Ich bin sehr froh darüber. Nun muss ich mir nicht mehr so viele Sorgen um sie machen und wir können endlich zusammen sein, nicht wahr Honey?"

Meinte Dempsey es ernst oder spielte er nur seine Rolle? Fragte sich Harry.

„Sie sind also der Cop aus New York, James. Es muss doch ein Kulturschock für sie gewesen sein, als sie nach London kamen?" fragte Mike neugierig.

„Zuerst war es das, ja. Aber dann hab ich Harry getroffen und ich muss sagen, ich habe mich nicht nur in dieses Land verliebt."

Harry war geschockt von seiner Aussage und zugleich verlegen. Spielte er wirklich nur seine Rolle? Hatte er sich wirklich in sie verliebt oder war es nur eine Phrase, die er benutzte, um seine Rolle realistisch wirken zu lassen?

„Wir sollten zurück auf die Terrasse gehen, Liebes. Hier unten ist es zu kalt. Du zitterst ja immer noch."

Zitterte sie wirklich, weil sie frohr? Dempsey verunsicherte sie und sie war nervös. Wann spielte er und wann nicht? Sie konnte den Unterschied nicht erkennen.

Sie gingen gemeinsam zurück auf die Terrasse und wurden gleich von Wilbur gesichtet.

„Wo warst du denn, Harry? Ich habe dich schon vermisst. Wir müssen uns mal drigend alleine unterhalten," sagte er angespannt.

Dempsey schaute Harry tief in die Augen. Sie nickte ihm zu und er entschuldigte sich. Langsam ging er zu Chas und Fry, die sich über das kalte Buffet her machten. Er beobachtete Harry genau und ließ sie nicht eine Sekunde aus den Augen.