Leaving

Bella

Edward und ich gingen Hand in Hand zurück zum Haus. Irgendetwas schien nicht zu stimmen, als ich Alice und den anderen ins Gesicht sah: Sie grinsten über beide Ohren, aber versuchten so gut wie möglich, in unserer Gegenwart nicht zu lachen. Selbst für Edward war das Ganze ein Rätsle, da er doch eigentlich Gedanken lesen konnte.
„Ich weiß nicht", murmelte er, als wir wieder in seinem Zimmer waren. „Es ist, als ob sie etwas vor uns verbergen wollen." Sein Blick wurde nachdenklich. „Glaubst du, sie führen was im Schilde?" Ich wandte meinen Blick vom Fenster ab und schaute ihm ins Gesicht; reine Ahnungslosigkeit war auf seiner Stirn geschrieben. Er wusste genauso wenig wie ich.
„Ach was!", antwortete ich widerstrebend. „Vielleicht sollten wir uns nicht so viele Sorgen machen. Aber irgendwie …. Gibt mir das Ganze doch ein wenig zu denken. Kannst du denn nicht ihre Gedanken lesen?"
Edward schüttelte nur den Kopf. Für kurze Zeit wurde sein Blick ärgerlich. „Nein. Sie sind zu stark blockiert. Ich komme nicht an sie heran. Ihre verschlagenen Blicke verunsichern mich." Ich setzte mich auf seinen Schoß, er schlang seine Arme um mich.
„Edward?", fragte ich nach einer Weile.
„Ja?"
„Wirst du morgen mit zur Uni kommen?" Er wusste bestimmt auf was ich hinaus wollte. Seine Augen bekamen einen grüblerischen Ausdruck. „Ich bin mir nicht sicher", antwortete er. „Ich werde mit Carlisle darüber sprechen, sobald er zurückkommt." Als seine Lippen sich zu einer harten Linie zusammenpressten, erkannte ich, dass er dazu nichts mehr sagen würde. Fürs Erste.
„Die Sommerferien kommen immer näher", sagte ich, um ihn ein wenig abzulenken. „Was wirst du machen, während ich weg bin?"
Edwards Blick wurde traurig. „Nimmst du mich etwa nicht mit?", fragte er enttäuscht. Ich konnte es nicht leiden, wenn er einen Schmollmund machte. Er machte es mir verdammt schwer …
„Nein. Vielleicht wär es ja besser so", erwiderte ich vorsichtig und versuchte, ihm das so schonend wie möglich beizubringen.
„Ja, du hast Recht. Ich kann es wahrscheinlich eh nicht riskieren, mich unter Menschen zu mischen. Es wäre wohl zu gefährlich." Es klang aufrichtig und verständnisvoll. Ich atmete erleichtert aus. Wie einfühlsam Edward doch war! „Trotzdem werd ich dich sehr vermissen", murmelte er und strich mit seinem Handrücken über meine Wange.
„Noch bin ich ja nicht weg", sagte ich mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen.
„Bella!!" Es war Alice, die mich rief. Ich rückte von Edwards Schoß ab, und ging Richtung Tür.
„Was will sie?", fragte ich ihn und fuhr zusammen als ich merkte, dass er direkt hinter mir stand um mir zu folgen.
„Carlisle ist zurück. Sie wollen mit dir über deine Fähigkeiten sprechen, und mit deinem Training beginnen." Ich seufzte tief.
„Aber morgen muss ich doch wieder zur Uni!", erwiderte ich schließlich. „Was, wenn ich morgen Augenringe habe vor Müdigkeit?", fragte ich ihn neckend. Edward grinste.
„Keine Sorge", versicherte er mir. „Vampire können nicht schlafen. Und die Augenringe bleiben so oder so." Er lächelte immer noch, während ich verdutzt über seine Worte war.
„Ich kann … also nicht schlafen?", fragte ich verwirrt. Er nickte, nahm meine Hand und führte mich nach unten ins Wohnzimmer. Alice und die anderen warteten schon auf uns. Emmett und Jasper beäugten mich skeptisch. Irgendwie machte mich dieser Blick unsicher. Wie sie mich anstarrten! Als wären sie total ausgehungert, und ich wär ihre erste Mahlzeit seit langem. Emmett fing plötzlich an, verschlagen zu Grinsen. Schnell blickte ich zur Seite und lief mal wieder puterrot an. Das war wirklich lästig. Edward warf ihm einen wütenden Blick zu, doch das Grinsen verschwand nicht. Im Gegenteil: Es wurde nur noch breiter …
„So, ich habe von deinen raffinierten Fähigkeiten gehört", sagte Carlisle fasziniert. „Wir werden dir helfen, sie besser kontrollieren zu können. Emmett?" Sein Grinsen löste sich plötzlich wie in Luft auf, und Alice fing an hysterisch zu lachen. Das verunsicherte ihn nur noch mehr. Und mir ging es nicht gerade anders.
„Ähm, ja?", fragte er leise.
Carlisle winkte ihn mit seiner Hand heran. „Stell dich mal vor Bella." Er gehorchte, blieb aber in einem Sicherheitsabstand. Auch Edward fing nun an zu Lachen. Ich verstand nicht, was haben die denn? Emmetts Grinsen huschte wieder auf sein Gesicht. „Du bist knallrot, Bella", spottete er.
„Schönen Dank auch", giftete ich zurück.
„Carlisle?" Edward wandte sich ihm zu, nachdem er sich teilweise wieder eingekriegt hatte. „Wieso kann Bella eigentlich erröten? Ich mein, eigentlich ist das doch unmöglich, oder?"
„Das ist doch glasklar!", rief Emmett amüsiert, als er sah, dass ich noch röter wurde. „Als Mensch ist sie doch auch immer wie eine gekochte Tomate durch die Gegend gelaufen. Wer sagt, dass sie das jetzt nicht auch kann?" Edward funkelte ihn wütend an.
„Sehr witzig!", rief ich, doch das klang nicht ärgerlich, sondern eher piepsig. Emmett war zufrieden mit sich selbst. Na warte!
Für einen Moment wusste ich nicht, was geschah. Ich wollte es Emmett irgendwie heimzahlen, und es schien auch wundersamer weise zu klappen als ich sein verdutztes Gesicht sah. Alice und Edward fingen wieder an lauthals zu lachen. Die anderen konnten sich ebenfalls ein Grinsen nicht verkneifen. Meine Augenbrauen schoben sich düster zusammen, als ich mich mehr darauf konzentrierte, Emmett noch höher schweben zu lassen; seine Füße baumelten hilflos in der Luft herum.
„Hey!", rief er kleinlaut. „Lass mich runter!"
„Nö", erwiderte ich verschlagen. Mal sehen, inwiefern sich diese Fähigkeit steuern ließ. Meine Augen huschten hin und her, ebenso wie Emmett, dessen Arme in allen Himmelsrichtungen umher flogen. Sein Grinsen verblasste nun endgültig. Ich hob meine Hand und drehte den Zeigefinger im Kreis herum, immer und immer wieder. Emmett vollführte mal hier eine Pirouette, und dann einmal dort drüben. Und schließlich noch einen Looping, dann setzte ich ihn wieder auf dem Boden ab. Hilflos taumelte er durchs Wohnzimmer, und krachte schließlich mit der Nase an die Wand. Edward, Alice, Jasper und Rosalie lachten immer noch hysterisch, während Carlisle und Esme Emmett breit grinsend nachblickten.
„Jetzt hat sie dir es aber gezeigt!", brachte Jasper zwischen ein paar Lachern hervor.
„Halt die Klappe!", murrte Emmett und setzte sich aufs Sofa. Er sah noch blasser aus als zuvor. Vielleicht hatte ich es wohl ein wenig übertrieben.
Als sich alle wieder beruhigt hatten, fuhr Carlisle mit dem Gespräch fort. „Nun, es sieht so aus, als hättest du deine Fähigkeit schnell unter Kontrolle." Er lächelte immer noch. „Anscheinend wird sie von deinem Willen beeinflusst. Das ist gut. Aber trotzdem solltest du noch ein wenig mit ihr trainieren, um auf Nummer sicher zu gehen, dass du sie auch wirklich im Griff hast."
Ich nickte, Emmett stöhnte. „Aber bitte nimm dir dann einen anderen, ok?" Alice kicherte.
„Kommen wir zu der anderen Fähigkeit, die du besitzt", sagte Carlisle. „Versuch daran zu denken, dass du gern unsichtbar wärst." Also schloss ich meine Augen, und konzentrierte mich darauf, unsichtbar zu werden. Ich war irgendwie nervös, doch ich spürte Edwards beruhigenden Atem in meinem Nacken. Nach etlichen Minuten klatschte jemand in die Hände.
„Super!", rief Alice. „Es klappt! Bella, öffne deine Augen!" Gesagt, getan. Als meine Lider sich öffneten, sah ich alles wie vorher, doch die anderen sahen mich nicht.
„Ihr könnt mich nicht sehen?", fragte ich, um auf Nummer sicher zu gehen.
Alice schüttelte den Kopf. „Aber wir können dich noch riechen." Sie trat näher, und tastete nach mir. Ich spürte ihre Finger auf meinem Arm. „Versuch, mit deinem Willen den Geruch verschwinden zu lassen, und dich selbst unberührbar zu machen", wies sie mich zurecht.
„Und was ist, wenn es nicht klappt?", fragte ich unsicher.
Alice lächelte mild. „Keine Sorge, ich weiß, dass du das kannst." Ich schloss erneut die Augen. All meine Gedanken kreisten wild umher als ich versuchte, mich auf Alice' Worte zu konzentrieren. Es war erstmal gar nicht so einfach, doch nach einer Weile hatte ich volle Kontrolle über meine Fähigkeit. Ich blinzelte und sah, wie die anderen mit ihren Augen nach mir suchten.
„Könnt ihr mich immer noch sehen?", fragte ich. Was für eine dumme Frage. Edward, der sich auf einmal unbehaglich fühlte rief: „Bella, wo bist du? Bitte zeig dich wieder!" Es machte ihm wohl viel aus, wenn ich nicht mehr bei ihm war und mich nicht mehr länger riechen konnte, also machte ich mir einen kleinen Spaß draus. Ich ging hinüber zum Esstisch, und versuchte einen der Plastikäpfel zu nehmen, die im Haus der Cullens als Requisite dienten. Es klappte; ich wog den Apfel in meiner Hand, und ließ ihn anschließend auf den Boden fallen. Edward schnellte in meine Richtung und tastete nach mir, doch ich wich ihm aus. Alice, die wohl mein Vorhaben in einer Vision gesehen hatte, begriff und signalisierte den anderen, dass sie mich und Edward ein wenig allein lassen sollten. Als sie aus dem Raum waren, huschte Edwards Kopf hin und her, denn er wusste immer noch nicht wo ich war.
„Bella!", rief er wieder. Ich musste lächeln. Geräuschlos trat ich auf ihn zu und flüsterte ihm ins Ohr: „Fang mich!" Nun formten sich Edwards Lippen zu einem breiten Grinsen. Ruckartig drehte er sich nach mir um, doch ich wich ihm wieder geschickt aus.
„Nun gut", murmelte er. „Wie du willst." Er hörte, wie ich die Haustür aufstieß, und folgte mir. Daraufhin rannte ich in den Wald hinein. Um es für ihn nicht ganz so schwer zu machen, versuchte ich eine Duftspur von mir zu hinterlassen. Es funktionierte, und er rannte hinterher. Kreuz und quer ging es durch den Wald, und es schien ihm ein Vergnügen zu bereiten, mir aufzulauern. Als ich dann auf einer sonnendurchtränkten Lichtung stand, verschlug es mir sosehr den Atem, dass ich nicht weiter aufpasste. Und schon wenig später wurde ich auf den Boden geschleudert. Edward und ich kullerten einen steilen Abhang hinunter, und landeten dann in einem See. Als ich wieder an der Oberfläche nach Luft schnappte, zog er mich auch schon wieder ins Wasser. Er küsste mich kurz, nahm mich dann in seine Arme, stieg aus dem Wasser und legte mich auf die Wiese.
„Hab dich", flüsterte er und grinste triumphierend. Auch ich musste lächeln.
„Wo sind wir?", fragte ich ihn.
„Es ist ein Ort, an dem ich gerne bin", antwortete er schlicht, verschränkte die Arme hinter seinem Kopf und ließ die Sonne seine Kleider trocknen. Ich schwieg und beobachtete ihn; sein Körper war von Funkeln gerade so übersät, dass es mich blendete. Langsam beugte ich mich näher zu ihm und betrachtete das Windspiel in seinen bronzefarbenen Haaren, die viel menschlicher wirkten als der Rest von ihm. Edward merkte, wie sehr ich ihn anschaute und öffnete seine Augen, um meinen Blick zu erwidern. Er hielt inne, hob dann seine Hand und strich mit seinem Handrücken von meiner Schläfe herab zur Wange. Wohliger Schauer durchlief meinen Körper, wie damals, als er mich zum ersten Mal berührt hatte.

Alice

Edward und Bella kamen nach ca. einer Stunde wieder zurück.
„Und, wie war euer kleiner Ausflug?", fragte ich ihn grinsend.
„Das müsstest du am besten wissen", murmelte er und ließ mich nicht aus den Augen. Ich drehte mich zu Emmett und Jasper um, und reckte meinen Daumen in die Höhe. Es läuft alles nach Plan, so bedeutete meine Geste. Als Antwort grinsten sie mich an.
„Na ja … vielleicht!", erwiderte ich gespielt, als ich mich wieder zu Edward wandte. Er schaute mich misstrauisch an, dann schüttelte er den Kopf und ging die Treppe hinauf zu Carlisles Arbeitszimmer.
„Bella, kommst du?" Sie nickte kurz und folgte ihm. Wenn das so weiter geht, werden die zwei ahnungslos in meine Falle tappen, dachte ich. Hehe …

Edward

Noch bevor ich an die Tür klopfte, rief Carlisles Stimme: „Herein!"
Er saß an seinem gigantischen Arbeitstisch und legte in dem Moment ein Lesezeichen in ein Buch, das er gerade las. Dann schaute er mich prüfend an. „Setz dich." Ich und Bella taten wie geheißen und nahmen auf den Sesseln Platz. Carlisle verschränkte seine Finger. „Also Edward, wo liegt das Problem?"
Ich räusperte mich. „Du weißt Carlisle, dass ich eigentlich morgen wieder zur Uni müsste. Aber ich weiß nicht, ob ich das kann." Nachdenklich schaute er mich an, Bellas Blick ruhte auf ihm.
„Ja, das hab ich mir schon gedacht, dass du mich deshalb um Rat fragen würdest."
„Und, was soll ich deiner Meinung nach machen? Ich kann mich doch nicht in der Öffentlichkeit zeigen, wenn ich mich noch nicht einmal im Griff habe!" Carlisle lächelte mild.
„Kein Panik, Edward. Ich kann dafür sorgen, dass du solange krankgeschrieben bist, während die anderen dir helfen werden, deine Beherrschung zu kontrollieren. Das ist die einzige Möglichkeit, die dir im Moment noch bleibt." Jetzt war sein Blick wieder ernst. „Ich erkläre dir nun, was du machen musst, um dich der Menschenmenge unerkannt anpassen zu können." Ich nickte hellhörig. „Du wirst dich mit mir Emmett und Jasper außerhalb der Stadt aufhalten."
„Warum kommen Jasper und Emmett denn auch mit?"
„Jasper ist als Vorletzter in die Familie gekommen, hat zwar ein wenig mehr Übung und Beherrschung als du, aber er könnte auch ein wenig Training gebrauchen. Und Emmett könnte einen von euch zurückhalten, falls es zu Schwierigkeiten kommen sollte."
Wieder nickte ich. Er löste seine Finger wieder voneinander und fuhr fort. „Wir werden genau aus dem Grund außerhalb der Stadt bleiben, weil ihr zwei von da aus noch Menschenblut wahrnehmen könnt, und das ohne gesehen zu werden. Ihr müsst in den nächsten Wochen sehr geduldig sein müssen, denn ihr braucht Selbstkontrolle. Deswegen werden wir uns immer weiter an die Stadt heran bewegen. Und wenn ich glaube, dass ihr zwei soweit seid, könntet ihr versuchen, euch unter Menschen zu mischen. Allerdings werdet ihr natürlich nicht ganz abgehärtet sein, aber du wirst in der Lage sein, wieder die Uni besuchen zu können. Und in dieser Zeit wird dein Körper mehr und mehr resistent gegen menschliches Blut. Vielleicht werden wir auch Alice mitnehmen. Ihre Visionen können da äußerst hilfreich sein."
Bella schaute mich traurig an. „Wie lange werdet ihr fort sein?", fragte sie leise.
Carlisle schenkte ihr ein liebevolles Lächeln. „Keine Sorge Bella. Edward wird schon sehr bald wieder zurück sein. Schließlich ist er ein starker und intelligenter Mann, nicht wahr?" Bella kicherte. Ihre Wangen färbten sich leicht rosa. „Allerdings!", erwiderte sie.
„Brechen wir gleich morgen auf?", fragte ich ihn. Er nickte. „Gut, das wär dann wohl alles. Danke."
Bella erhob sich, ich folgte ihr aus dem Zimmer. Seufzend schloss ich die Tür und lehnte mich an sie.
Bella sah mich beunruhigt an. „Was ist?", murmelte sie.
Verwirrt schüttelte ich den Kopf. „Nichts." Ich lächelte sie an. „Komm, wir sollten die restliche Zeit, die uns noch bleibt, nutzen!" Und so stürmte ich mit ihr wieder zu den anderen ins Wohnzimmer, wo wir Emmett und Jasper fanden, die mit der Playstation zockten.
„Mann Emmett, hau nicht so auf die Tasten, davon wird es nicht gerade besser!", rief Jasper verzweifelt, und hoffte wohl noch ein Stück seiner Konsole retten zu können.
„Ach was!", widersprach Emmett. „Das Ding hier ist doch Stabil! Wie soll das denn schon … Krack … kaputt gehen …?"
„Game Over!", dröhnte es aus dem Fernseher. Jasper sprang vom Sofa und tanzte wie ein Irrer umher. Das kannte ich ja überhaupt nicht von ihm.
„So eine Scheiße!", schrie Emmett.
Amüsiert schaute Jasper ihn an, und streckte seine Hand aus. „Ich hab's ja gesagt. Jetzt gib die Schlüssel her!"
„Was ist denn los?", flüsterte Bella mir ins Ohr.
Ich musste grinsen. „Sie haben eine Wette beschlossen. Wenn Emmett verliert, kriegt Jasper für zwei Wochen den Jeep von ihm. Und wenn er mal nicht mit ihm fahren will, zählen diese Tage nicht." Ich lachte hysterisch, während Jasper aus dem Wohnzimmer stolzierte.
„Das ist nicht witzig!", jammerte Emmett.
„Och, wie gemein. Na ja, selber Schuld! Wer hat denn diese Wette vorgeschlagen?", fragte Bella.
„Emmett!", trällerte Jasper vergnügt. Emmett zertrampelte den Controller mit einem einzigen Fußtritt. Er sah so aus, als würde er gleich anfangen zu heulen, wenn er könnte. Ich schaute ihm belustigt zu.
Bella stieß mir grinsend in die Rippen, und trat dann auf ihn zu. „Emmett, nicht traurig sein!", tröstete sie ihn.
„Jetzt bin ich Emo!", jammerte Emmett und drückte seinen Kopf in Bellas Schulter. Beruhigend rieb sie ihm den Rücken. Ich unterdrückte mir ein leises Knurren.
Ganz ruhig, Edward. Es ist nur dein abgedrehter Bruder …
„Wenn du willst, darfst du auch mit mir mitfahren!", sagte Jasper neckend. Emmett funkelte ihn wütend an, nickte aber. Schniefend folgte er ihm aus dem Haus.
„Wie gut kannst du eigentlich schon auf dem Klavier spielen?", fragte ich Bella, nachdem die zwei aus dem Haus waren.
Sie zuckte nur die Schultern. „Ich weiß es nicht. Möchtest du mir zuhören? Ich hab noch ein wenig geübt."
Verdutzt starrte ich sie an. „Wann denn das?"
„Ich bin ab und zu zur Uni in die Aula gegangen, dort steht ja dieser gigantische Flügel. Als niemand dort war, habe ich heimlich gespielt." Sofort zerrte ich sie zum Klavier, und nickte ihr aufmunternd zu. „Sicher?", fragte sie leise. Wieder nickte ich ungeduldig. Bella holte tief Luft, legte ihre Finger auf die Tasten und begann zu spielen. Plötzlich ertönte auch ihre Stimme im Raum.

Some people live for the fortune
Some people live just for the fame
Some people live for the power, yeah
Some people live just to play the game
Some people think that the physical things
Define what's within
And I've been there before
But that life's a bore
So full of the superficial

Some people want it all
But I don't want nothing at all
If it ain't you baby
If I ain't got you baby
Some people want diamond rings
Some just want everything
But everything means nothing
If I ain't got you, Yeah

Some people search for a fountain
That promises forever young
Some people need three dozen roses
And that's the only way to prove you love them
Hand me the world on a silver platter
And what good would it be
With no one to share
With no one who truly cares for me

Some people want it all
But I don't want nothing at all
If it ain't you baby
If I ain't got you baby
Some people want diamond rings
Some just want everything
But everything means nothing
If I ain't got you, you, you
Some people want it all
But I don't want nothing at all
If it ain't you baby
If I ain't got you baby
Some people want diamond rings
Some just want everything
But everything means nothing
If I ain't got you, yeah

If I ain't got you with me baby
So nothing in this whole wide world don't mean a thing
If I ain't got you with me baby

"Wow", brachte ich nur heraus, als sie die Melodie ausklingen ließ. „Du spielst wirklich gut. Ich bin sehr stolz auf dich." Ich grinste sie an. Bella wurde rot und schaute verlegen zur Seite. Vorsichtig schob ich einen Finger unter ihr Kinn und hob ihr Gesicht an. „Du singst zudem auch noch wunderschön." Ihr süßer Atem liebkoste meine Wange. Sie schaute mir so tief in die Augen, dass sich mein Blick mit ihrem zu verschmelzen schien. Langsam beugte ich mich zu ihr herunter und drückte meine Lippen sanft auf ihre. Ihre Finger wühlten in mein Haar, ich schlang meine Arme um sie und zog sie näher an mich. Es tat so gut sie zu küssen.
Bella löste sich nach einer Weile wieder und rang nach Luft. Keuchend stützte ich mich an der Tastatur des Klaviers ab. Bella schien ein wenig benommen zu sein.
„Ist dir schwindelig?", fragte ich sie. Sie nickte, und versuchte, ruhig ein und aus zu atmen.
„Also, du bist ein sehr guter Lehrer, was das Klavierspielen betrifft." Sie lächelte mich an. „Und ein sehr guter Küsser noch dazu."
Ich grinste. „Das ist doch schon mal was", erwiderte ich neckend. Bella lachte. Ich hörte, wie Alice die Treppe hinunter kam.
„Edward", sagte sie. „Mach dich fertig. Wir werden bald aufbrechen." Sie trat näher und musterte Bella. „Du meine Güte! Was hast du denn mit ihr angerichtet?", fragte sie mich und zog ihre Augenbrauen hoch. „Bella, deine Lippen sind ja ganz geschwollen!" Alice klang dabei irgendwie ganz entzückt als sie das sagte; um ihre Mundwinkel zuckte es. Ihr Blick blieb nun an mir haften. „Und deine sehen nicht gerade sehr viel besser aus, Edward. Schau dich doch mal im Spiegel an! Und deine Haare erst …" Sie ging nicht weiter darauf ein, sondern schüttelte stattdessen nur den Kopf. „Kämm die mal. Du siehst ja aus, als wärst du durch einen Tornado gelaufen!" Dann drehte sie sich abrupt um und ging. Ich hätte schwören können, dass sie gegrinst hatte. Und ihre Gedanken blockierte sie in meiner Gegenwart. Wenn ich nur wüsste, was sie im Schilde führte.
Kurz darauf kam Carlisle, einen Rucksack um die Schultern gehängt, auf uns zu. Emmett, Alice und Jasper im Schlepptau.
„Edward, beeil dich. Wir warten hier." Ich nickte Carlisle zu und verschwand in mein Zimmer. Es dauerte noch nicht einmal fünf Minuten, dann war ich auch schon wieder unten. Die Gesichter der anderen nahm ich nicht wahr, nur Bellas Gesicht. Ich zog sie an mich, drückte meine Lippen auf ihre und gab sie wieder frei.
„Es wird nicht lange dauern", versprach ich ihr flüsternd. Sie nickte. „Spätestens wenn du wieder aus Forks zurück bist, warte ich hier bereits auf dich." Bella umarmte sie ein nach den anderen, Alice lächelte ihr noch einmal zu und schon huschten sie alle zur Tür raus. Ich küsste Bella noch einmal kurz, und verschwand dann ebenfalls in die dunkle Nacht. Traurig stand sie in der Tür und blickte uns nach, wie wir weiter in den Wald hinein rannten.