Leaving
Bella
Edward
und ich gingen Hand in Hand zurück zum Haus. Irgendetwas schien
nicht zu stimmen, als ich Alice und den anderen ins Gesicht sah: Sie
grinsten über beide Ohren, aber versuchten so gut wie möglich, in
unserer Gegenwart nicht zu lachen. Selbst für Edward war das Ganze
ein Rätsle, da er doch eigentlich Gedanken lesen konnte.
„Ich
weiß nicht", murmelte er, als wir wieder in seinem Zimmer waren.
„Es ist, als ob sie etwas vor uns verbergen wollen." Sein Blick
wurde nachdenklich. „Glaubst du, sie führen was im Schilde?" Ich
wandte meinen Blick vom Fenster ab und schaute ihm ins Gesicht; reine
Ahnungslosigkeit war auf seiner Stirn geschrieben. Er wusste genauso
wenig wie ich.
„Ach was!", antwortete ich widerstrebend.
„Vielleicht sollten wir uns nicht so viele Sorgen machen. Aber
irgendwie …. Gibt mir das Ganze doch ein wenig zu denken. Kannst du
denn nicht ihre Gedanken lesen?"
Edward schüttelte nur den
Kopf. Für kurze Zeit wurde sein Blick ärgerlich. „Nein. Sie sind
zu stark blockiert. Ich komme nicht an sie heran. Ihre verschlagenen
Blicke verunsichern mich." Ich setzte mich auf seinen Schoß, er
schlang seine Arme um mich.
„Edward?", fragte ich nach einer
Weile.
„Ja?"
„Wirst du morgen mit zur Uni kommen?" Er
wusste bestimmt auf was ich hinaus wollte. Seine Augen bekamen einen
grüblerischen Ausdruck. „Ich bin mir nicht sicher", antwortete
er. „Ich werde mit Carlisle darüber sprechen, sobald er
zurückkommt." Als seine Lippen sich zu einer harten Linie
zusammenpressten, erkannte ich, dass er dazu nichts mehr sagen würde.
Fürs Erste.
„Die Sommerferien kommen immer näher", sagte
ich, um ihn ein wenig abzulenken. „Was wirst du machen, während
ich weg bin?"
Edwards Blick wurde traurig. „Nimmst du mich
etwa nicht mit?", fragte er enttäuscht. Ich konnte es nicht
leiden, wenn er einen Schmollmund machte. Er machte es mir verdammt
schwer …
„Nein. Vielleicht wär es ja besser so", erwiderte
ich vorsichtig und versuchte, ihm das so schonend wie möglich
beizubringen.
„Ja, du hast Recht. Ich kann es wahrscheinlich eh
nicht riskieren, mich unter Menschen zu mischen. Es wäre wohl zu
gefährlich." Es klang aufrichtig und verständnisvoll. Ich atmete
erleichtert aus. Wie einfühlsam Edward doch war! „Trotzdem werd
ich dich sehr vermissen", murmelte er und strich mit seinem
Handrücken über meine Wange.
„Noch bin ich ja nicht weg",
sagte ich mit einem kleinen Lächeln auf den Lippen.
„Bella!!"
Es war Alice, die mich rief. Ich rückte von Edwards Schoß ab, und
ging Richtung Tür.
„Was will sie?", fragte ich ihn und fuhr
zusammen als ich merkte, dass er direkt hinter mir stand um mir zu
folgen.
„Carlisle ist zurück. Sie wollen mit dir über deine
Fähigkeiten sprechen, und mit deinem Training beginnen." Ich
seufzte tief.
„Aber morgen muss ich doch wieder zur Uni!",
erwiderte ich schließlich. „Was, wenn ich morgen Augenringe habe
vor Müdigkeit?", fragte ich ihn neckend. Edward grinste.
„Keine
Sorge", versicherte er mir. „Vampire können nicht schlafen. Und
die Augenringe bleiben so oder so." Er lächelte immer noch,
während ich verdutzt über seine Worte war.
„Ich kann … also
nicht schlafen?", fragte ich verwirrt. Er nickte, nahm meine Hand
und führte mich nach unten ins Wohnzimmer. Alice und die anderen
warteten schon auf uns. Emmett und Jasper beäugten mich skeptisch.
Irgendwie machte mich dieser Blick unsicher. Wie sie mich anstarrten!
Als wären sie total ausgehungert, und ich wär ihre erste Mahlzeit
seit langem. Emmett fing plötzlich an, verschlagen zu Grinsen.
Schnell blickte ich zur Seite und lief mal wieder puterrot an. Das
war wirklich lästig. Edward warf ihm einen wütenden Blick zu, doch
das Grinsen verschwand nicht. Im Gegenteil: Es wurde nur noch breiter
…
„So, ich habe von deinen raffinierten Fähigkeiten gehört",
sagte Carlisle fasziniert. „Wir werden dir helfen, sie besser
kontrollieren zu können. Emmett?" Sein Grinsen löste sich
plötzlich wie in Luft auf, und Alice fing an hysterisch zu lachen.
Das verunsicherte ihn nur noch mehr. Und mir ging es nicht gerade
anders.
„Ähm, ja?", fragte er leise.
Carlisle winkte ihn
mit seiner Hand heran. „Stell dich mal vor Bella." Er gehorchte,
blieb aber in einem Sicherheitsabstand. Auch Edward fing nun an zu
Lachen. Ich verstand nicht, was haben die denn? Emmetts Grinsen
huschte wieder auf sein Gesicht. „Du bist knallrot, Bella",
spottete er.
„Schönen Dank auch", giftete ich
zurück.
„Carlisle?" Edward wandte sich ihm zu, nachdem er
sich teilweise wieder eingekriegt hatte. „Wieso kann Bella
eigentlich erröten? Ich mein, eigentlich ist das doch unmöglich,
oder?"
„Das ist doch glasklar!", rief Emmett amüsiert, als
er sah, dass ich noch röter wurde. „Als Mensch ist sie doch auch
immer wie eine gekochte Tomate durch die Gegend gelaufen. Wer sagt,
dass sie das jetzt nicht auch kann?" Edward funkelte ihn wütend
an.
„Sehr witzig!", rief ich, doch das klang nicht ärgerlich,
sondern eher piepsig. Emmett war zufrieden mit sich selbst. Na
warte!
Für
einen Moment wusste ich nicht, was geschah. Ich wollte es Emmett
irgendwie heimzahlen, und es schien auch wundersamer weise zu klappen
als ich sein verdutztes Gesicht sah. Alice und Edward fingen wieder
an lauthals zu lachen. Die anderen konnten sich ebenfalls ein Grinsen
nicht verkneifen. Meine Augenbrauen schoben sich düster zusammen,
als ich mich mehr darauf konzentrierte, Emmett noch höher schweben
zu lassen; seine Füße baumelten hilflos in der Luft herum.
„Hey!",
rief er kleinlaut. „Lass mich runter!"
„Nö", erwiderte
ich verschlagen. Mal sehen, inwiefern sich diese Fähigkeit steuern
ließ. Meine Augen huschten hin und her, ebenso wie Emmett, dessen
Arme in allen Himmelsrichtungen umher flogen. Sein Grinsen verblasste
nun endgültig. Ich hob meine Hand und drehte den Zeigefinger im
Kreis herum, immer und immer wieder. Emmett vollführte mal hier eine
Pirouette, und dann einmal dort drüben. Und schließlich noch einen
Looping, dann setzte ich ihn wieder auf dem Boden ab. Hilflos
taumelte er durchs Wohnzimmer, und krachte schließlich mit der Nase
an die Wand. Edward, Alice, Jasper und Rosalie lachten immer noch
hysterisch, während Carlisle und Esme Emmett breit grinsend
nachblickten.
„Jetzt hat sie dir es aber gezeigt!", brachte
Jasper zwischen ein paar Lachern hervor.
„Halt die Klappe!",
murrte Emmett und setzte sich aufs Sofa. Er sah noch blasser aus als
zuvor. Vielleicht hatte ich es wohl ein wenig übertrieben.
Als
sich alle wieder beruhigt hatten, fuhr Carlisle mit dem Gespräch
fort. „Nun, es sieht so aus, als hättest du deine Fähigkeit
schnell unter Kontrolle." Er lächelte immer noch. „Anscheinend
wird sie von deinem Willen beeinflusst. Das ist gut. Aber trotzdem
solltest du noch ein wenig mit ihr trainieren, um auf Nummer sicher
zu gehen, dass du sie auch wirklich im Griff hast."
Ich nickte,
Emmett stöhnte. „Aber bitte nimm dir dann einen anderen, ok?"
Alice kicherte.
„Kommen wir zu der anderen Fähigkeit, die du
besitzt", sagte Carlisle. „Versuch daran zu denken, dass du gern
unsichtbar wärst." Also schloss ich meine Augen, und konzentrierte
mich darauf, unsichtbar zu werden. Ich war irgendwie nervös, doch
ich spürte Edwards beruhigenden Atem in meinem Nacken. Nach etlichen
Minuten klatschte jemand in die Hände.
„Super!", rief Alice.
„Es klappt! Bella, öffne deine Augen!" Gesagt, getan. Als meine
Lider sich öffneten, sah ich alles wie vorher, doch die anderen
sahen mich nicht.
„Ihr könnt mich nicht sehen?", fragte ich,
um auf Nummer sicher zu gehen.
Alice schüttelte den Kopf. „Aber
wir können dich noch riechen." Sie trat näher, und tastete nach
mir. Ich spürte ihre Finger auf meinem Arm. „Versuch, mit deinem
Willen den Geruch verschwinden zu lassen, und dich selbst unberührbar
zu machen", wies sie mich zurecht.
„Und was ist, wenn es nicht
klappt?", fragte ich unsicher.
Alice lächelte mild. „Keine
Sorge, ich weiß, dass du das kannst." Ich schloss erneut die
Augen. All meine Gedanken kreisten wild umher als ich versuchte, mich
auf Alice' Worte zu konzentrieren. Es war erstmal gar nicht so
einfach, doch nach einer Weile hatte ich volle Kontrolle über meine
Fähigkeit. Ich blinzelte und sah, wie die anderen mit ihren Augen
nach mir suchten.
„Könnt ihr mich immer noch sehen?", fragte
ich. Was für eine dumme Frage. Edward, der sich auf einmal
unbehaglich fühlte rief: „Bella, wo bist du? Bitte zeig dich
wieder!" Es machte ihm wohl viel aus, wenn ich nicht mehr bei ihm
war und mich nicht mehr länger riechen konnte, also machte ich mir
einen kleinen Spaß draus. Ich ging hinüber zum Esstisch, und
versuchte einen der Plastikäpfel zu nehmen, die im Haus der Cullens
als Requisite dienten. Es klappte; ich wog den Apfel in meiner Hand,
und ließ ihn anschließend auf den Boden fallen. Edward schnellte in
meine Richtung und tastete nach mir, doch ich wich ihm aus. Alice,
die wohl mein Vorhaben in einer Vision gesehen hatte, begriff und
signalisierte den anderen, dass sie mich und Edward ein wenig allein
lassen sollten. Als sie aus dem Raum waren, huschte Edwards Kopf hin
und her, denn er wusste immer noch nicht wo ich war.
„Bella!",
rief er wieder. Ich musste lächeln. Geräuschlos trat ich auf ihn zu
und flüsterte ihm ins Ohr: „Fang mich!" Nun formten sich Edwards
Lippen zu einem breiten Grinsen. Ruckartig drehte er sich nach mir
um, doch ich wich ihm wieder geschickt aus.
„Nun gut",
murmelte er. „Wie du willst." Er hörte, wie ich die Haustür
aufstieß, und folgte mir. Daraufhin rannte ich in den Wald hinein.
Um es für ihn nicht ganz so schwer zu machen, versuchte ich eine
Duftspur von mir zu hinterlassen. Es funktionierte, und er rannte
hinterher. Kreuz und quer ging es durch den Wald, und es schien ihm
ein Vergnügen zu bereiten, mir aufzulauern. Als ich dann auf einer
sonnendurchtränkten Lichtung stand, verschlug es mir sosehr den
Atem, dass ich nicht weiter aufpasste. Und schon wenig später wurde
ich auf den Boden geschleudert. Edward und ich kullerten einen
steilen Abhang hinunter, und landeten dann in einem See. Als ich
wieder an der Oberfläche nach Luft schnappte, zog er mich auch schon
wieder ins Wasser. Er küsste mich kurz, nahm mich dann in seine
Arme, stieg aus dem Wasser und legte mich auf die Wiese.
„Hab
dich", flüsterte er und grinste triumphierend. Auch ich musste
lächeln.
„Wo sind wir?", fragte ich ihn.
„Es ist ein
Ort, an dem ich gerne bin", antwortete er schlicht, verschränkte
die Arme hinter seinem Kopf und ließ die Sonne seine Kleider
trocknen. Ich schwieg und beobachtete ihn; sein Körper war von
Funkeln gerade so übersät, dass es mich blendete. Langsam beugte
ich mich näher zu ihm und betrachtete das Windspiel in seinen
bronzefarbenen Haaren, die viel menschlicher wirkten als der Rest von
ihm. Edward merkte, wie sehr ich ihn anschaute und öffnete seine
Augen, um meinen Blick zu erwidern. Er hielt inne, hob dann seine
Hand und strich mit seinem Handrücken von meiner Schläfe herab zur
Wange. Wohliger Schauer durchlief meinen Körper, wie damals, als er
mich zum ersten Mal berührt hatte.
Alice
Edward
und Bella kamen nach ca. einer Stunde wieder zurück.
„Und, wie
war euer kleiner Ausflug?", fragte ich ihn grinsend.
„Das
müsstest du am besten wissen", murmelte er und ließ mich nicht
aus den Augen. Ich drehte mich zu Emmett und Jasper um, und reckte
meinen Daumen in die Höhe. Es läuft alles nach Plan, so
bedeutete meine Geste. Als Antwort grinsten sie mich an.
„Na ja
… vielleicht!", erwiderte ich gespielt, als ich mich wieder zu
Edward wandte. Er schaute mich misstrauisch an, dann schüttelte er
den Kopf und ging die Treppe hinauf zu Carlisles
Arbeitszimmer.
„Bella, kommst du?" Sie nickte kurz und folgte
ihm. Wenn das so weiter geht, werden die zwei ahnungslos in meine
Falle tappen, dachte ich. Hehe …
Edward
Noch
bevor ich an die Tür klopfte, rief Carlisles Stimme: „Herein!"
Er
saß an seinem gigantischen Arbeitstisch und legte in dem Moment ein
Lesezeichen in ein Buch, das er gerade las. Dann schaute er mich
prüfend an. „Setz dich." Ich und Bella taten wie geheißen und
nahmen auf den Sesseln Platz. Carlisle verschränkte seine Finger.
„Also Edward, wo liegt das Problem?"
Ich räusperte mich. „Du
weißt Carlisle, dass ich eigentlich morgen wieder zur Uni müsste.
Aber ich weiß nicht, ob ich das kann." Nachdenklich schaute er
mich an, Bellas Blick ruhte auf ihm.
„Ja, das hab ich mir schon
gedacht, dass du mich deshalb um Rat fragen würdest."
„Und,
was soll ich deiner Meinung nach machen? Ich kann mich doch nicht in
der Öffentlichkeit zeigen, wenn ich mich noch nicht einmal im Griff
habe!" Carlisle lächelte mild.
„Kein Panik, Edward. Ich kann
dafür sorgen, dass du solange krankgeschrieben bist, während die
anderen dir helfen werden, deine Beherrschung zu kontrollieren. Das
ist die einzige Möglichkeit, die dir im Moment noch bleibt." Jetzt
war sein Blick wieder ernst. „Ich erkläre dir nun, was du machen
musst, um dich der Menschenmenge unerkannt anpassen zu können."
Ich nickte hellhörig. „Du wirst dich mit mir Emmett und Jasper
außerhalb der Stadt aufhalten."
„Warum kommen Jasper und
Emmett denn auch mit?"
„Jasper ist als Vorletzter in die
Familie gekommen, hat zwar ein wenig mehr Übung und Beherrschung als
du, aber er könnte auch ein wenig Training gebrauchen. Und Emmett
könnte einen von euch zurückhalten, falls es zu Schwierigkeiten
kommen sollte."
Wieder nickte ich. Er löste seine Finger
wieder voneinander und fuhr fort. „Wir werden genau aus dem Grund
außerhalb der Stadt bleiben, weil ihr zwei von da aus noch
Menschenblut wahrnehmen könnt, und das ohne gesehen zu werden. Ihr
müsst in den nächsten Wochen sehr geduldig sein müssen, denn ihr
braucht Selbstkontrolle. Deswegen werden wir uns immer weiter an die
Stadt heran bewegen. Und wenn ich glaube, dass ihr zwei soweit seid,
könntet ihr versuchen, euch unter Menschen zu mischen. Allerdings
werdet ihr natürlich nicht ganz abgehärtet sein, aber du wirst in
der Lage sein, wieder die Uni besuchen zu können. Und in dieser Zeit
wird dein Körper mehr und mehr resistent gegen menschliches Blut.
Vielleicht werden wir auch Alice mitnehmen. Ihre Visionen können da
äußerst hilfreich sein."
Bella schaute mich traurig an. „Wie
lange werdet ihr fort sein?", fragte sie leise.
Carlisle
schenkte ihr ein liebevolles Lächeln. „Keine Sorge Bella. Edward
wird schon sehr bald wieder zurück sein. Schließlich ist er ein
starker und intelligenter Mann, nicht wahr?" Bella kicherte. Ihre
Wangen färbten sich leicht rosa. „Allerdings!", erwiderte
sie.
„Brechen wir gleich morgen auf?", fragte ich ihn. Er
nickte. „Gut, das wär dann wohl alles. Danke."
Bella erhob
sich, ich folgte ihr aus dem Zimmer. Seufzend schloss ich die Tür
und lehnte mich an sie.
Bella sah mich beunruhigt an. „Was
ist?", murmelte sie.
Verwirrt schüttelte ich den Kopf.
„Nichts." Ich lächelte sie an. „Komm, wir sollten die
restliche Zeit, die uns noch bleibt, nutzen!" Und so stürmte ich
mit ihr wieder zu den anderen ins Wohnzimmer, wo wir Emmett und
Jasper fanden, die mit der Playstation zockten.
„Mann Emmett,
hau nicht so auf die Tasten, davon wird es nicht gerade besser!",
rief Jasper verzweifelt, und hoffte wohl noch ein Stück seiner
Konsole retten zu können.
„Ach was!", widersprach Emmett.
„Das Ding hier ist doch Stabil! Wie soll das denn schon … Krack
… kaputt
gehen …?"
„Game
Over!",
dröhnte es aus dem Fernseher. Jasper sprang vom Sofa und tanzte wie
ein Irrer umher. Das kannte ich ja überhaupt nicht von ihm.
„So
eine Scheiße!", schrie Emmett.
Amüsiert schaute Jasper ihn
an, und streckte seine Hand aus. „Ich hab's ja gesagt. Jetzt gib
die Schlüssel her!"
„Was ist denn los?", flüsterte Bella
mir ins Ohr.
Ich musste grinsen. „Sie haben eine Wette
beschlossen. Wenn Emmett verliert, kriegt Jasper für zwei Wochen den
Jeep von ihm. Und wenn er mal nicht mit ihm fahren will, zählen
diese Tage nicht." Ich lachte hysterisch, während Jasper aus dem
Wohnzimmer stolzierte.
„Das ist nicht witzig!", jammerte
Emmett.
„Och, wie gemein. Na ja, selber Schuld! Wer hat denn
diese Wette vorgeschlagen?", fragte Bella.
„Emmett!",
trällerte Jasper vergnügt. Emmett zertrampelte den Controller mit
einem einzigen Fußtritt. Er sah so aus, als würde er gleich
anfangen zu heulen, wenn er könnte. Ich schaute ihm belustigt zu.
Bella stieß mir grinsend in die Rippen, und trat dann auf ihn
zu. „Emmett, nicht traurig sein!", tröstete sie ihn.
„Jetzt
bin ich Emo!", jammerte Emmett und drückte seinen Kopf in Bellas
Schulter. Beruhigend rieb sie ihm den Rücken. Ich unterdrückte mir
ein leises Knurren.
Ganz
ruhig, Edward. Es ist nur dein abgedrehter Bruder …
„Wenn
du willst, darfst du auch mit mir mitfahren!", sagte Jasper
neckend. Emmett funkelte ihn wütend an, nickte aber. Schniefend
folgte er ihm aus dem Haus.
„Wie gut kannst du eigentlich schon
auf dem Klavier spielen?", fragte ich Bella, nachdem die zwei aus
dem Haus waren.
Sie zuckte nur die Schultern. „Ich weiß es
nicht. Möchtest du mir zuhören? Ich hab noch ein wenig geübt."
Verdutzt starrte ich sie an. „Wann denn das?"
„Ich bin
ab und zu zur Uni in die Aula gegangen, dort steht ja dieser
gigantische Flügel. Als niemand dort war, habe ich heimlich
gespielt." Sofort zerrte ich sie zum Klavier, und nickte ihr
aufmunternd zu. „Sicher?", fragte sie leise. Wieder nickte ich
ungeduldig. Bella holte tief Luft, legte ihre Finger auf die Tasten
und begann zu spielen. Plötzlich
ertönte auch ihre Stimme im Raum.
Some people live
for the fortune Some people want it all Some people search for a fountain Some people want it all If I ain't got you
with me baby
Some people live just for the fame
Some people
live for the power, yeah
Some people live just to play the
game
Some people think that the physical things
Define what's
within
And I've been there before
But that life's a bore
So
full of the superficial
But I don't
want nothing at all
If it ain't you baby
If I ain't got you
baby
Some people want diamond rings
Some just want
everything
But everything means nothing
If I ain't got you,
Yeah
That promises
forever young
Some people need three dozen roses
And that's the
only way to prove you love them
Hand me the world on a silver
platter
And what good would it be
With no one to share
With
no one who truly cares for me
But I
don't want nothing at all
If it ain't you baby
If I ain't got
you baby
Some people want diamond rings
Some just want
everything
But everything means nothing
If I ain't got you,
you, you
Some people want it all
But I don't want nothing at
all
If it ain't you baby
If I ain't got you baby
Some people
want diamond rings
Some just want everything
But everything
means nothing
If I ain't got you, yeah
So nothing in this whole wide world don't mean a
thing
If I ain't got you with me baby
"Wow",
brachte ich nur heraus, als sie die Melodie ausklingen ließ. „Du
spielst wirklich gut. Ich bin sehr stolz auf dich." Ich grinste sie
an. Bella wurde rot und schaute verlegen zur Seite. Vorsichtig schob
ich einen Finger unter ihr Kinn und hob ihr Gesicht an. „Du singst
zudem auch noch wunderschön." Ihr süßer Atem liebkoste meine
Wange. Sie schaute mir so tief in die Augen, dass sich mein Blick mit
ihrem zu verschmelzen schien. Langsam beugte ich mich zu ihr herunter
und drückte meine Lippen sanft auf ihre. Ihre Finger wühlten in
mein Haar, ich schlang meine Arme um sie und zog sie näher an mich.
Es tat so gut sie zu küssen.
Bella löste sich nach einer Weile
wieder und rang nach Luft. Keuchend stützte ich mich an der Tastatur
des Klaviers ab. Bella schien ein wenig benommen zu sein.
„Ist
dir schwindelig?", fragte ich sie. Sie nickte, und versuchte, ruhig
ein und aus zu atmen.
„Also, du bist ein sehr guter Lehrer, was
das Klavierspielen betrifft." Sie lächelte mich an. „Und ein
sehr guter Küsser noch dazu."
Ich grinste. „Das ist doch
schon mal was", erwiderte ich neckend. Bella lachte. Ich hörte,
wie Alice die Treppe hinunter kam.
„Edward", sagte sie. „Mach
dich fertig. Wir werden bald aufbrechen." Sie trat näher und
musterte Bella. „Du meine Güte! Was hast du denn mit ihr
angerichtet?", fragte sie mich und zog ihre Augenbrauen hoch.
„Bella, deine Lippen sind ja ganz geschwollen!" Alice klang dabei
irgendwie ganz entzückt als sie das sagte; um ihre Mundwinkel zuckte
es. Ihr Blick blieb nun an mir haften. „Und deine sehen nicht
gerade sehr viel besser aus, Edward. Schau dich doch mal im Spiegel
an! Und deine Haare erst …" Sie ging nicht weiter darauf ein,
sondern schüttelte stattdessen nur den Kopf. „Kämm die mal. Du
siehst ja aus, als wärst du durch einen Tornado gelaufen!" Dann
drehte sie sich abrupt um und ging. Ich hätte schwören können,
dass sie gegrinst hatte. Und ihre Gedanken blockierte sie in meiner
Gegenwart. Wenn ich nur wüsste, was sie im Schilde führte.
Kurz
darauf kam Carlisle, einen Rucksack um die Schultern gehängt, auf
uns zu. Emmett, Alice und Jasper im Schlepptau.
„Edward, beeil
dich. Wir warten hier." Ich nickte Carlisle zu und verschwand in
mein Zimmer. Es dauerte noch nicht einmal fünf Minuten, dann war ich
auch schon wieder unten. Die Gesichter der anderen nahm ich nicht
wahr, nur Bellas Gesicht. Ich zog sie an mich, drückte meine Lippen
auf ihre und gab sie wieder frei.
„Es wird nicht lange dauern",
versprach ich ihr flüsternd. Sie nickte. „Spätestens wenn du
wieder aus Forks zurück bist, warte ich hier bereits auf dich."
Bella umarmte sie ein nach den anderen, Alice lächelte ihr noch
einmal zu und schon huschten sie alle zur Tür raus. Ich küsste
Bella noch einmal kurz, und verschwand dann ebenfalls in die dunkle
Nacht. Traurig stand sie in der Tür und blickte uns nach, wie wir
weiter in den Wald hinein rannten.
