Ich kann es kaum fassen, aber das Kapitel ist endlich fertig - hat ja lange genug gedauert, und ich hoffe, ihr nehmt mir die wirklich rekordverdächtige Verspätung nicht übel!
Kaum zu fassen, wie stressig das Studium mit einem mal sein kann - wieso ist mir das in den Semestern davor nie aufgefallen? Jetzt kommen aber bald Ferien, und ich hoffe doch, schneller hochladen zu können ;D
Und natürlich würde ich mich freuen, wenn ihr euch noch an die Geschichte erinnert und gern weiterlesen wollt - bin sogar schon in einem Review gefragt worden, ob ich überhaupt noch schreibe - übrigens wieder vielen lieben Dank für diese! Keine Sorge, ich denke die nächsten Kapitel schreiben sich leichter als die letzte Szene dieses Kapitels.
Im letzten Kapitel scheint es das eine oder andere Missverständnis gegeben zu haben. Zuerst einmal: Sirius wusste bis zu dem Punkt, wo Merlin ihn fallen lassen hat, nicht, dass er diesen Zauber wegen Harry lernen soll. Merlin hat absolut nichts derartiges erwähnt, niente wie unsre frisch gebackenen Fußball-Weltmeister sagen, und beim nächsten Mal suche ich mir eine zuverlässigere Quelle für altertümliche Sprache, die mir nicht "du solltest wissen" und "bedenke jedoch" angibt.
Zum anderen war Harrys Übergriff auf Sirius nicht als legilimentischer Angriff gedacht, Harry kann Legilimentik gar nicht einsetzen. Allerdings, das steht in PS, ist ihm schon einiges gelungen, einfach weil er es wollte (Haare über Nacht wachsen lassen ...), und obwohl er noch gar nicht wusste, dass Zauberei eigentlich existiert. Ich hielt es also für möglich, dass er einfach aus Entschlossenheit, weil er das wissen muss, in Sirius' Erinnerungen eindringt.
Bin immer noch nicht ganz fertig, denn ich will noch darauf hinweisen, dass in/ab diesem Kapitel eine Figur auftaucht, die nicht mir gehört ... Altair Pepples, den ich mir mit Trovias Genehmigung aus ihrem "Mors Ante Infamiam" geliehen habe. Wenn ihr mehr über ihn lesen wollt (und wenn nicht, kann ich das trotzdem nur nahe legen g) schaut doch mal auf ihrer Seite vorbei!
So, nun jedoch endlich viel Spaß mit dem nächsten Kapitel, und lasst mich bitte in einem Review wissen, ob ihr noch da seid!
Smaragd
Der Geruch nach Wald, Moos und feuchtem Holz lag schwer in der Luft und hüllte den Jungen ein; er glaubte, ihn fast körperlich spüren zu können, während die Hitze, diese sengende, von überall und nirgendwo stammende Hitze ihn innerlich zu verbrennen drohte. Doch all das rückte schnell in den Hintergrund; sowohl das Brennen seiner Augen, als Schweiß hineintropfte, als auch der unangenehme Nachgeschmack von Wiese und Moos verschwamm zu einem unwichtigen Rauschen, während der Junge, der lebte, vorsichtig die Hand ausstreckte.
Er musterte das Einhorn vor sich, das einem Patronus so sehr ähnelte, dass er selbst bei genauem Hinsehen keinen Unterschied erkennen konnte, und das einen großen Schritt zurückhüpfte, als Harry auf es zutrat; der Junge blieb stehen, fühlte sich unwillkürlich an seine erste Begegnung mit dem Hippogreif Seidenschnabel erinnert, und er verbeugte sich tief, ohne den Blickkontakt zu dem scheuen Tier auch nur durch ein Blinzeln zu unterbrechen.
Instinktiv hatte er genau das richtige getan.
Nach einem kurzen Zögern kam das helle Einhorn wieder langsam näher, und bald leuchtete sein Horn so weiß, und warm, und viel zu hell, sodass Harry die Augen zusammenkneifen musste, um nicht geblendet zu werden. Er streckte blind die Hand aus, wartete diesmal, bis das scheue Tier von selbst den Kontakt suchte und lächelte glücklich, als dies schließlich geschah; überrascht riss er die Augen auf und schnappte nach Luft, als seine Haut das brennende Fell berührte.
Eine Welle grenzenloser Geborgenheit durchflutete ihn, explodierte und ließ ihn alles um sich herum vergessen und die Zeit stillstehen; für einen kurzen und doch unendlichen Augenblick existierten nur Wärme und Licht, so angenehm, dass Harry nie wieder darauf verzichten wollte. Zuversicht, so tief wie der Ozean, hüllte ihn ein, und eine Woge des Glücks überrollte ihn. Ihm war, als wäre er eingetaucht in eine neue Welt, in der so viel Licht herrschte, dass an Schatten gar nicht mehr zu denken war ...
Smaragd zog sich langsam zurück.
Harry sah ihm nach und blinzelte, fühlte sich, als würde er aus einem dichten Schleier aus Nebelschwaden und Dunst tauchen; er wusste nicht, wie lange das Einhorn ihm Gesellschaft geleistet hatte, wusste nicht, woher er dessen Namen kannte, doch es kümmerte ihn nicht im Geringsten.
Bedauern breitete sich in ihm aus, als die Konturen des wunderschönen Tieres mehr und mehr verschwammen und es schließlich in der kühlen Schwärze verschwand, die das glühende, warme Licht in den letzten Tagen restlos verdrängt hatte.
Tage? überlegte Harry und runzelte die Stirn über der Frage, wie er so etwas absurdes als Tatsache akzeptieren konnte, nahm hintergründig wahr, wie sich die Nebel um ihn verflüchtigten, seine Gedanken freigaben.
Der Geruch von dichtem Wald und moosüberzogenem Holz und erfrischendem Regen trat immer weiter in den Hintergrund, die Hitze ging mit jeder Sekunde deutlich zurück, und nur der unangenehme Nachgeschmack im Mund blieb, ließ Harry an Waldboden und Gras denken und eine Grimasse schneiden, als er schluckend – vergeblich – versuchte, diesen scheußlichen Geschmack loszuwerden.
Immer schneller und schneller tauchte er aus einem unfassbar tiefen See auf, gelangte immer weiter nach oben; endlich glitzerte Licht durch das Wasser, und schließlich brach der Junge durch die glasklare Oberfläche.
„Harry?" drang wie aus weiter Ferne eine freundliche Stimme an sein Ohr, und der Junge schlug langsam die Augen auf; er zwinkerte verdutzt und fischte mit einer Hand nach seiner Brille auf dem Nachttisch, der sich nicht dort befand, wo er hätte sein sollen. Noch vollkommen benebelt setzte er sich die runden Gläser auf die Nase; braune und helle Flecken verschmolzen daraufhin zu einem Gesicht, aus dem besorgte, grau-blaue Augen hervorstachen, und Harry blinzelte Hermine an, die neben ihm auf dem Bett saß und ihn aufmerksam musterte.
Sein Kopf schien völlig leer gefegt, und Harry hätte selbst wenn er gewollt hätte nicht die Schleier hinter seiner Stirn vertreiben können, fragte sich benommen, was das Mädchen im Jungenschlafsaal tat.
Als Harry sich umblickte und wider Erwarten nicht die gewohnten Himmelbetten, sondern die leider fast ebenso vertrauten Krankenbetten des Krankenflügels erkannte, beantwortete sich diese Frage von selbst; er ließ sich in das weiche, weiße Kissen in seinem Rücken zurücksinken, erinnerte sich irgendwie wieder an den Zusammenbruch beim Ausdauertraining mit Sirius – bisher erfolgreich verdrängt –, und seufzte. Das erklärt wohl den Besuch bei Pomfrey.
Von der Krankenpflegerin war in diesem Augenblick allerdings nichts zu sehen, stellte der Junge fest, als er sich langsam umsah, und eigentlich sollte er froh darüber sein; doch auch wenn die trägen Nebelschwaden hinter seiner Stirn sich lichteten konnte die Erleichterung noch nicht das dumpfe Gefühl der zurückbleibenden Taubheit verdrängen.
Er war tatsächlich zusammengebrochen, letztendlich.
Durch die vorhanglosen Fenster erkannte er die trüben Wolken, die am Himmel hingen und den Saal verdunkelten, sodass hier und da das Entzünden einer Fackel nötig geworden war; seine Trainingskleidung hatte man ihm abgenommen, und wieder einmal fand sich Harry in einer der wie immer viel zu großen, weißen Krankenroben wieder.
Die silberne Kette mit dem herzförmigen, roséfarbenen Perlmuttanhänger, die er zu Weihnachten unter dem Baum gefunden hatte – Sirius hatte ihm am nächsten Tag das Versprechen abgenommen, sie (außer im Training) stets umzulegen – lag unbeachtet auf dem Nachttisch, und Gewohnheit ließ Harry sich beeilen, sie über den Kopf zu streifen und wie immer unter seiner Kleidung verschwinden zu lassen. Nicht nötig, dass ihn Tora Hyre oder Lees Schwester damit aufzogen.
Nun fiel sein Blick auf die Krankenbetten; fast alle unbelegt, bis auf sein eigenes und das rechte Nachbarbett, auf dessen angegrauter Decke sich sein Pate zusammengerollt hatte; im Gegensatz zu Harry trug Sirius jedoch keine Krankenrobe, sondern seine Trainingskleidung, die hier und da gewaltige Falten aufwies.
Harry mochte wetten, dass er sich seit seinem Kollaps noch nicht umgezogen hatte, wie lang auch immer der zurück liegen mochte.
„Mach dir um den keine Sorgen!" erklärte Ron gerade munter und riss Harry somit aus seinen Gedanken; der Junge hatte seinen besten Freund noch gar nicht bemerkt, und sein Kopf wirbelte nach links, wo der Rotschopf lautstark ein vergilbtes Buch zuschlug und mit der Hand die resultierenden Staubschwaden verteilte.
Auch Hermine umklammerte einen dicken, überdimensionalen Wälzer, fiel Harry mit einemmal auf, doch im Moment ignorierte er die Frage, was die Bücher hier zu suchen hatten und wieso Madam Pomfrey solche verdreckten Exemplare überhaupt in ihrem Krankenflügel duldete; er nickte Sirius zu, als er sich wieder an Ron wandte.
„Fehlt ihm was?" wollte er wissen und gähnte offen, bemerkte Hermines tadelnden Blick und konnte sich doch nicht dazu durchringen, die Hand vor den Mund zu halten. Ron unterdessen schüttelte grinsend den Kopf, zuckte dann mit den Achseln.
„Wir haben ihn nur überredet, sich mal auf's Ohr zu hauen – wär fast umgekippt, als er hier auf dich aufgepasst und dir so ein komisches Getränk eingeflößt hat, seit du am Sonntag zusammengebrochen bist. Es war ja nicht mehr mit anzusehen, wie er dauernd diesen scheußlichen Sumpfnarzissenwurzeltee getrunken hat, um auf den Beinen zu bleiben!"
Träge nickte Harry und starrte nachdenklich auf das Nachbarbett, hätte beinahe unbewusst eine Grimasse geschnitten, als er sich an seine eigene Portion Sumpfnarzissenwurzeltee erinnerte, am Ende ihres sechsten Schuljahres; er hatte sie alles andere als genossen und zuckte mit den Achseln. Ohne hätten wir nach dieser Nacht die Prüfungen schmeißen können. Und nicht nur wir drei haben uns die Stunden um die Ohren geschlagen, während wir auf Informationen über den Angriff auf das Ministerium gewartet haben.
„Sonntag?" hakte er dann verdutzt nach, zog unzufrieden die Stirn kraus und wischte sich Sand aus den Augen; geistig schlief er wohl noch immer, hinter seiner Stirn schien erst alles langsam in Gang kommen zu müssen, und er verscheuchte den Gedanken daran, als wie gut sich Mrs. Weasleys Entschluss, Ron erst nach den Prüfungen zu erzählen, dass Percy vermisst wurde, auf eben diese ausgewirkt hatte. Merkwürdig, wie unbeteiligt man nach einigen Monaten darüber nachdenken konnte. Er hatte Percy nicht gut leiden können, aber dennoch hätte ihn das nicht kalt lassen können.
„Welcher Tag ist heute?" murrte er und zog die Bettdecke näher zu sich, wie um sich gegen die Antwort zu wappnen; im Augenwinkel bemerkte er den unangenehm berührten Blick, den Hermine und Ron wechselten.
„Wir haben Donnerstag abend", erklärte die junge Hexe zögerlich und fingerte eine braune Strähne aus der Stirn, mied stur Harrys Blick und zog ihre überkreuzten Knöchel unter den Stuhl neben dem Krankenbett zurück. So unbehaglich, dass es nicht mehr an der harten Stuhlplatte liegen konnte, doch Harry weigerte sich, noch länger darauf zu achten; beinahe von selbst zählten sich vor ihm die Tage ab, dass es ihn nicht gewundert hätte, hätte er die aus dem Kalender gerissenen Seiten vor sich gesehen.
„Ich war vier Tage lang bewusstlos?" platzte es irgendwann aus ihm heraus, als er realisierte was das bedeutete, und er starrte fassungslos ins Leere, bemerkte so nicht, wie seine beiden Freunde sich erneut ansahen, als hätten sie keine andere Reaktion erwartet. Aus dem Nebenbett kam ein leiser Schnarcher von Sirius, doch Harrys Pate schlief weiter, musste demnach wirklich verdammt müde sein.
Für einen Augenblick vergaß Harry sogar den Gras- und Holzgeschmack im Mund, der ihm langsam den Magen umdrehte, von dem er annahm, dass er durch das Getränk verursacht wurde, das sein Pate ihm verabreichte.
Vier Tage! fuhr es dem Jungen durch den Sinn, und er konnte es kaum fassen.
In seinem ganzen Leben war er noch keine vier Tage lang bewusstlos gewesen. Er überlegte, was überhaupt geschehen musste, damit ein Zauberer so lange wegtreten konnte; selbst nach dem Angriff der über hundert Dementoren in seinem dritten Jahr hatte Harry schon nach wenigen Stunden einen Hippogreif unter den Augen des Ministeriums stehlen und einen verurteilten Verbrecher befreien können ...
Doch mit der Zeit gewöhnte Harry sich an den Gedanken, und er fragte sich, wieso ihn das so überrascht hatte.
Bedauern breitete sich in ihm aus, als die Konturen des wunderschönen Tieres mehr und mehr verschwammen und es schließlich in der kühlen Schwärze verschwand, die das glühende, warme Licht in den letzten Tagen restlos verdrängt hatte.
Irgendwie hatte Harry es gewusst; als er von Smaragd geträumt hatte.
Obwohl – hatte er wirklich geträumt? Das alles – die Wärme, die Zuversicht, das Licht ... das wunderschöne, fremde und doch so vertraute Einhorn – waren ihm so real vorgekommen ... Das konnte er sich doch nicht alles nur erträumt und eingebildet haben? Den bitteren Nachgeschmack von Wald konnte er ja noch immer schmecken ...
„Hermine und ich sind die Bücher von Lesespaß für Zauberer weiter durchgegangen", riss ihn Ron plötzlich aus seinen Gedanken, setzte sich dem Mädchen gegenüber auf die Bettkante und zuckte abermals mit den Schultern, „haben aber leider nichts gefunden."
– „Dafür haben wir mit dem Kopierzauber deine Schularbeiten auf dem neuesten Stand gehalten", ergänzte Hermine und strahlte Harry an, als hätte der Junge – der bisher nicht einen Gedanken an den Unterricht verschwendet hatte – offensichtlich die Idee, sie für diese Nachricht freudestrahlend zu umarmen, und Harry nickte; wenigstens kam sein Gehirn nach dem Schreck schneller in Gang.
„Viel verpasst hast du nicht: In Verwandlung haben wir nur Beschwörungen wiederholt, und in Zaubertränke haben wir uns an den Vielsafttrank gewagt – dessen Zutaten du ja bereits kennst ..." Ron warf Harry einen verschwörerischen Blick zu, und Harry bemühte sich um ein Schmunzeln, als sie an die Weihnachtsferien der zweiten Klasse zurückdachten, als sie Malfoy als Crabbe und Goyle ausspioniert hatten. Nur dass sie deswegen – was Hermine anzunehmen schien – noch lange nicht den Trank brauen könnten.
Das Mädchen unterdessen fuhr begeistert mit ihrer Aufzählung fort: „... Zauberkunst ist wirklich nicht schwierig, Verteidigung gegen die dunklen Künste ist ausgefallen – in Duellieren allerdings hast du etwas faszinierendes verpasst. Wir haben mit der Analyse der Strategie des Gegners im Kampf und wirksame Gegenmaßnahmen angefangen. Aufzeichnungen liegen auf deinem Nachttisch im Schlafsaal, ich hab sie persönlich dort hingelegt."
– „Klingt interessant", erwiderte Harry und gähnte schon wieder müde – was ihn, jetzt da er von der Länge seiner Bewusstlosigkeit wusste, nicht überraschte; es kam häufig vor, dass viele Menschen wieder müde wurden, wenn sie länger im Bett blieben, als sie zum Ausschlafen brauchten, und er schnaubte trocken –, dann stutzte er und fragte das Mädchen mit einem erstaunten Seitenblick auf seinen Paten: „Warum ist Verteidigung denn ausgefallen?"
– „Weil Sirius sich freigenommen hat, um hier auf dich aufzupassen", entgegnete Hermine und legte missbilligend den Kopf schief, als sie Harry ansah, „Wir hatten dir doch bereits erzählt, dass er die ganze Zeit im Krankenflügel war!"
– „Damit hat er McGonagall provoziert, die doch für den Stundenplan zuständig ist", ergänzte Ron, und sein Grinsen schwand, während der Junge den Blick abwandte und sich verlegen durch die schulterlangen, roten Haare fuhr, „Die saß Dumbledore sowieso schon im Nacken, weil du während des Trainings zusammengebrochen bist."
– „Was soll das heißen?" fuhr Harry auf und blickte alarmiert von Ron zu Hermine, wieder zurück zu seinem Quidditchkapitän und schluckte; ihm gefiel nicht, wohin dieses Gespräch wanderte, doch Hermine schüttelte beruhigend den Kopf, als sie seinen besorgten Gesichtsausdruck bemerkte: „Keine Sorge. Professor Dumbledore hat ihn nicht gefeuert."
Der Gedanke musste ihm wirklich mitten ins Gesicht geschrieben sein; doch dann besann er sich. Was hätte ein entlassener – an sich gesunder – Professor noch im Krankenflügel zu suchen? „Gerüchten zufolge haben Professor McGonagall und Sirius jedoch eine sehr ernste Unterhaltung miteinander geführt."
Während Harry erleichtert die angestaute Luft aus seinen Lungen entweichen ließ – er hatte nicht einmal bemerkt, dass er den Atem angehalten hatte –, übernahm Ron, wo Hermine geendet hatte: „Sind dann schließlich beim Training gelandet, und wieso du so hart trainieren musst. Sirius hat genauso dicht gemacht, wie dir gegenüber – hat erklärt, du würdest den Zauber nicht lernen können, wenn du aus irgendeiner Quelle erfährst, was du da eigentlich trainierst. Darüber haben sie dann eine Weile diskutiert."
– „Schließlich musste Professor McGonagall einsehen, dass sie auf diesem Weg nicht weiterkommt", nahm Hermine den Faden wieder auf und fingerte nervös an dem Buch in ihren Armen herum; als sie dies bemerkte, legte sie den dicken Wälzer sofort auf das Bett, „und hat sich an Professor Dumbledore gewandt, der vorgeschlagen hat, die Diskussion weiterzuführen, wenn du erfahren hast, wofür der Zauber gut sein soll. Wenn Professor McGonagall meint, er wäre den Aufwand nicht wert, würde Sirius, das hat sie versprochen, wirklich Ärger bekommen, wegen seiner Aufsichtspflicht gegenüber Schutzbefohlenen und deinem Zusammenbruch."
Nachdem was die Freundin da von sich gab musste McGonagall wirklich sauer sein; und Harry schluckte, hatte schließlich selbst schon Gelegenheiten durchlebt, in denen der Zorn der strengen Lehrerin sich gegen ihn selbst – und Ron, und manchmal Hermine – gerichtet hatte.
Doch andererseits musste Sirius in seiner eigenen Schulzeit genug Gelegenheiten gehabt haben, sich daran zu gewöhnen; als er im letzten Jahr den Karteikasten über Strafarbeiten für Snape ‚renoviert' hatte – eine eigene Strafarbeit – und sein Inneres jedes Mal ein bisschen mehr geschmerzt hatte, als er die Namen seines Vaters und seines Paten – von dem er damals noch nicht wusste, dass er noch am Leben war – lesen musste ... nun, nicht wenige davon stammten von McGonagall selbst.
„Was hat Sirius darauf erwidert?" fragte Harry, schluckte erneut, und er war sich nicht einmal sicher, ob er die Antwort überhaupt hören wollte; dies alles klang so ernst, dass er nicht hätte sagen können, ob der leise Windhauch und das resultierende Frösteln, das ihn die Bettdecke noch enger um sich ziehen ließ, von Hermines Worten oder der sich öffnenden Tür stammte, durch die die Krankenpflegerin gerade eintrat.
Auch er war sauer auf seinen Paten gewesen, erbost über das Training, und so viel mehr als McGonagall. Das musste er zugeben. Aber das war er nicht mehr; und dies auf die Taubheit in seinem Kopf schieben wollte er nicht, konnte er nicht einmal, denn ihre Überreste hatten sich verzogen.
„Merkwürdigerweise hatte er mit dieser Lösung überhaupt kein Problem", wunderte sich Hermine und zuckte mit den Achseln, bevor Madam Pomfrey sich anschickte, sie und Ron aus ihrem Refugium zu vertreiben; Harry tat es Hermine gleich und überlegte warum Sirius diese Drohung nicht mehr beunruhigte; warum ihn diese Information nicht mehr beunruhigte.
Der Zauber muss wirklich wichtig sein.
Als Harry das nächste Mal geweckt wurde, fühlte er sich wesentlich besser als beim letzten Aufwachen. Die Ruhe und Madam Pomfreys Heiltränke halfen ihm schnell über die körperliche Erschöpfung hinweg, die schließlich zu Harrys Zusammenbruch geführt hatte; auch wenn der Junge Aufenthalte auf der Krankenstation nicht mochte, musste er das wohl oder übel zugeben.
Trotzdem befand er sich noch immer im Krankenbett – er sollte sich eines mieten, vorreservieren lassen –, und die Krankenpflegerin hatte angedeutet, dass er noch einige Tage bleiben und sich erholen müsse; zu Harrys Überraschung hatte sein Pate diese Anordnung sogar unterstützt – er hatte erwartet, weitertrainieren zu müssen, sobald Sirius von dem Ende seiner Bewusstlosigkeit erfuhr, und der Junge seufzte, lehnte sich in seine Kissen zurück, während er über das Gespräch mit seinem Paten vom Vorabend nachdachte.
Mittlerweile unterrichtete Sirius wieder, doch wann immer es auf der Krankenstation etwas für das Erlernen des Zaubers zu erledigen galt – beispielsweise Harry mit diesem ekligen Zaubertrank zu füttern – wies er die Schüler einfach an, sich selbst zu beschäftigen; meist schickte er sie in die Gemeinschaftsräume, oder schon zum nächsten Klassenzimmer. Snape, hatte Ron erwähnt, soll ausgeflippt sein, als der Mutigste der Gryffindorerstklässler mitten in der Stunde an die Kerkertür klopfte und erzählte, Professor Black hätte sie schon mal vorgeschickt; der Nachwuchs hätte in diesem Moment wohl jedem anderen in diesem Schloss leid getan.
Beim Gedanken an den Zaubertrank, dessen Tasse noch auf dem Nachttisch stand, warf Harry einen Blick zur Seite, und als er feststellen musste, dass darin noch angetrocknete Schlammreste klebten, drehte sich ihm mit einem Mal der Magen um; doch auch wiederholtes Schlucken konnte den scheußlichen Nachgeschmack nicht vertreiben, und Harry unterdrückte nur mit Mühe den Drang, zu würgen.
„Was ist das, Sirius?" hatte der Junge gefragt und angewidert die Nase gerümpft, als er das dickflüssige, körnige Getränk, in dem eben in diesem Moment eine Blase zerplatzt war, gestern serviert bekommen hatte; dagegen roch Wolfsbann wie eine Delikatesse.
„Ein Trank, der dir hilft, den Zauber auszuüben!"
Im Gegensatz zu Harry schien Sirius der abstoßende Gestank kaum etwas auszumachen, und dem Jungen lief jetzt noch ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter beim Gedanken daran, welche Zutaten Sirius nach langem Zögern und „auf eigene Gefahr!" aufgezählt hatte: „Da drin sind Moos, Gräser, Äste, ein wenig Weidenrinde, Walderde und ein bisschen Schlamm. Ach ja, und das wichtigste – verbranntes Einhornhaar; verbrannt, denn anders könntest du das nicht trinken. Verdünnt mit Wasser, und ein paar magische Mittel, damit das Ganze eine schön magische Brühe gibt!"
Im nachhinein hätte Harry es vielleicht doch nicht so genau wissen wollen; vor allem, da Sirius ihm diese ‚Brühe' schon seit einigen Tagen einflößte ...
Jedenfalls hatte Sirius ihn angewiesen viel zu schlafen und jeden Tag dieses scheußliche Gebräu zu trinken, das Harry nicht einmal anrühren würde, hätte Sirius das nur eine Woche früher verlangt; er hätte es auch gestern nicht getrunken, wäre da nicht dieses zurückgewonnene Vertrauen in seinen Paten und der feste Vorsatz, das ausgesprochene Misstrauen wieder gutzumachen. Die Erinnerung, wie Sirius sich so stark gegen Merlin gewehrt hatte, bis dieser ihm endlich erklärte, dass er, Harry, diesen Zauber brauchen würde.
Und da Sirius behauptet hatte, der Matschtrank würde in Harrys Unterbewusstsein Assoziationen eines Waldes hervorrufen, die das Erscheinen des Einhorns erleichterten – es hatte lange genug gedauert, bis es Harry überhaupt geduldet hatte; ganze vier Tage, bis es ihn aus seiner Bewusstlosigkeit entließ.
Hier hatte der Junge aufgehorcht – woher wusste Sirius von dem sagenhaft schönen Einhorn? – und eine entsprechende Frage gestellt; mit einer sehr ermutigenden Antwort, und Harry hatte innerlich gejubelt bei der Behauptung Sirius', dass das Erscheinen des Einhorns in Harrys Traum ein eindeutiges Zeichen für den Beginn der zweiten Trainingsphase darstellte, in der der Junge nun versuchen würde, dieses Einhorn aus seinen Träumen heraus zu holen und es zutraulich werden zu lassen – durch viel Meditieren und Zaubertränke. Während seiner Woche auf der Krankenstation erst der Matschtrank, wie der Junge ihn schon von Ekel erfüllt nannte, und danach einen, der seinen Geist öffnen würde.
Nebenbei würden Sirius und er weiter seine Sinne schärfen und mit dem Parcour fortfahren – sobald er das Krankenbett verlassen durfte –, allerdings bei weitem nicht so streng und zermürbend wie bisher! Eine wirklich gute Nachricht, fand Harry.
Kurz vor dem Rauswurf Madam Pomfreys – oh, wie Harry sich schonen musste! Er wollte immer noch die Augen verdrehen – hatte Sirius noch selbst ein Einhorn gerufen, genauso leuchtend und hell wie Smaragd, und nicht weniger angenehm.
Doch Harrys Pate hatte es als Rubin vorgestellt, sein Einhorn, und Harry hatte es streicheln dürfen und war dabei von einer heißen Wärme durchzuckt worden; jedoch kein Vergleich zu seinen Erfahrungen mit Smaragd, was, so Sirius, damit zusammenhing, dass Rubin nicht Harrys Einhorn war.
Harry seufzte tief, konnte es noch nicht richtig fassen, dass nun – endlich! – die erste Phase des Trainings abgeschlossen war. Viel zu lebendig zuckten die Erinnerungen an die eiskalte Wut, die ihn völlig ausgefüllt hatte, an diese entsetzliche Erschöpfung durch sein Bewusstsein, und ungemütlich drehte er sich zur Seite, versenkte den Kopf so tief wie möglich in dem weißen Kissen; erinnerte sich an Sirius' Worte vom Vorabend.
Damit das passiert, damit das Einhorn auftaucht ... das war nur möglich, wenn du zusammenbrichst.
In gewisser Weise hatte der Junge damals also recht behalten, als er sich einmal fragte, ob Sirius es direkt auf einen Kollaps seines Patenkindes anlegte, schoss es ihm mit einem Mal durch den Sinn, und obwohl er einen Grund hätte, wieder wütend zu werden, einen verflucht guten Grund sogar, wunderte es ihn nicht, dass er nichts dergleichen fühlte. Wenn Harry nun darüber nachdachte, konnte es ihn nicht erstaunen, dass es ihm nicht schwerer gefallen war, Sirius' Bitte nachzukommen.
Ich kann dir gar nicht sagen, wie leid es mir tut, wie sehr ich es gehasst habe, dich dazu treiben zu müssen – ich hoffe nur, dass du mir das verzeihen kannst, sobald du erfahren hast, wofür du den Zauber lernst.
Und auch wenn dies noch einige Wochen oder gar Monate dauerte, auch wenn der Ärger über das Training noch greifbar nahe lauerte, hatte Harry seinem Paten verziehen; bei dem offenen Blick, der Harry so eindringlich erfasst und andererseits doch irgendwie auch hilflos gewirkt hatte, der ihn regelrecht um Verzeihung angefleht hatte ... er hätte gar nicht anders gekonnt.
Ein unüberhörbares Knacken ließ Harry herumfahren; neben seinem Krankenbett saß Luna auf dem knarrenden Holzstuhl, der Harry geweckt hatte, und lächelte ihn verträumt an, und Harry versuchte, nicht rot anzulaufen.
Bis eben hatte er die Anwesenheit des Mädchens überhaupt nicht bemerkt. Ihre Füße hatte sie auf die Sitzfläche hochgezogen und die dünnen Arme darum gewickelt; ihre langen, zu einem Zopf verwobenen, blonden Haare – Harry musste zweimal hinsehen und blinzelte verwirrt – bändigte ein Gürtel, auf den Pergamentstücke und verzauberte Kirschen genäht waren.
„Guten Morgen, Harry", grüßte sie freundlich, klappte gedankenverloren die neueste Ausgabe des Klittererszu und legte das Heft verkehrt herum in ihren Schoß, sodass Harry einen Blick auf die Titelseitenstory erhaschen konnte. Natasha Toleen – unschuldiger Kürbisnarr oder gewiefter Feind; wie die Leidenschaft für Kürbisse dich nach Askaban bringt. Harry stutzte; was hatte der Klitterer denn jetzt wieder gedruckt?
„Hi", entgegnete der Junge nur und drängte den Gedanken an die seltsame Schlagzeile schnell in den Hintergrund, wusste nicht was er sagen sollte.
Mit Lunas Anwesenheit hatte er gewiss nicht gerechnet, und er fühlte sich leicht übertölpelt; auch wenn er das warme Gefühl nicht ignorieren konnte und wollte, das automatisch in ihm aufstieg, einfach weil ihn das Mädchen so verträumt anlächelte, ihn automatisch zurücklächeln ließ. Wenigstens sich selbst gegenüber musste er eingestehen, dass er sich über Lunas Besuch wirklich freute.
„Wie geht's dir?" fragte das Mädchen und legte den Kopf schief, „In der Schule erzählen sie, dass du auf einmal umgekippt bist. Ist dir ein Glisdeg über den Weg geflogen?"
– „Ja, ich – ein WAS bitte?"
– „Ein Glisdeg", wiederholte Luna mit der ihr eigenen Gelassenheit und zuckte mit den Schultern, „das sind hundeähnliche, unsichtbare Tiere, die dir eine Sonnenbrille aufsetzen, durch die du umfällst."
Sie nahm ihre Zeitung vom Schoß, blätterte ein wenig darin herum und hielt Harry dann verkehrt herum einen Artikel unter die Nase mit den Worten: „Hier kannst du etwas über sie lesen, welche Nahrung sie zu sich nehmen, wo sie hausen, wie sie sich fortpflanzen ... Also, geht's dir besser?"
– „Ähm, ja", gab Harry zurück, außerstande zu einer ausführlicheren Antwort angesichts dieser Selbstverständlichkeit, mit der Luna über eigentlich nicht existente Wesen redete; dann zuckte er jedoch mit den Achseln.
Allmählich sollte er sich an so was gewöhnt haben – spätestens nach der Zugfahrt zu Beginn seines sechsten Schuljahres! Er hatte vorher noch nie von einem Schlickschlupf gehört oder gelesen, den das blonde Mädchen mit klatschenden Händen wie eine Motte hatte verscheuchen wollen und dabei doch irgendwie liebenswert ausgesehen hatte. Harry spürte, wie er rot anlief über diesem Gedanken.
„Freut mich", erwiderte die Ravenclaw und legte die aufgeschlagene Zeitschrift auf ihren Kopf, lächelte Harry wieder an, und der junge Zauberer wünschte sich insgeheim, dass sich die Röte seiner Wangen nicht noch verdichtet hätte, während er sich ungewohnt leicht fühlte.
Dann erkannte er eine Karikatur in der Zeitung und griff dankend nach der Ablenkung: Einem Kürbiskopf mit knöchellangen Haaren, darunter ein kurvig geschwungener Körper in Ministeriumsroben, der ihn automatisch an Natasha denken ließ, und ihm kam die gerade gelesene Überschrift der Titelseite wieder in den Sinn.
„Darf ich da mal reinschauen?" bat er das Mädchen spontan und zeigte mit einem Kopfnicken in Richtung Klitterer. Lunas große Augen hellten daraufhin sofort auf, und sie überreichte ihm freudig die Zeitung.
NATASHA TOLEEN – UNSCHULDIGER KÜRBISNARR ODER GEWIEFTER FEIND
-Wie die Leidenschaft für Kürbisse dich nach Askaban bringt-
Vor ein paar Wochen wurde die Ministeriumsangestellte Natasha Toleen auf einem Todessertreffen gestellt. Lebenslange Haft in Askaban lautete das Urteil für Konspiration mit dem Feind, aber HAT SIE DAS VERDIENT?
Zuverlässigen Quellen zufolge wurde die Vizeleiterin der Spionageabteilung des Ministeriums am fragwürdigen Abend in der Gesellschaft einiger Zauberer und Hexen in einem Lokal gesichtet (einer stellte sich erst kürzlich selbst als ehemaliger, unschuldig verurteilter Askabaninsasse heraus), wo sie – den Angaben des Kellners folgend – eine Schüssel Kürbiskompott nach der anderen verdrückte und der geliebte Nachtisch schließlich zu ihrem Verhängnis wurde.
Immerhin - so stellte sich heraus – hatte eine der Schüsseln, die sie in die Hand nahm, als Portschlüssel fungiert, den vermutlich Todesser verwendeten, um ihr auf ihrem geheimen Treffen einen für ihren Anführer, dessen Name nicht genannt werden darf, äußerst wichtigen Gegenstand zu entwenden, den sie angeblich bei sich trug.
Obige Quellen bestätigten, dass Mrs. Toleen tatsächlich etwas von großem Wert für den Dunklen Lord in ihrer Tasche hatte, diese aber im Restaurant zurückließ, sodass genannter ehemaliger Askabaninsasse es an einem sicheren, für Todesser unauffindbaren Ort verstecken konnte. Der anonyme Autor – der seinen Namen aus Angst um sein Leben nicht nennen möchte – weist an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass er weder weiß, was noch wo derzeit dieses Objekt ist.
Hoffen wir, dass das Ministerium diesen Irrtum bald korrigieren wird.
‚Hoffentlich lesen das keine Todesser!' dachte sich Harry tief seufzend und reichte das Magazin zurück an Luna, ‚Das würde sie direkt einladen, mal bei Sirius vorbeizuschauen!', und er wusste nicht, was er davon halten sollte, wo er doch diesbezüglich sowieso schon ein ungutes Gefühl hatte.
Vage glaubte er, sich an einen Traum zu erinnern, in dem Voldemort neue Informationen über den Zauber suchte, den sein Pate Harry beibringen wollte – verdammt sei die Verwandlungsstunde, als der Schwarze Lord in seinen Geist eindrang und davon erfuhr! Voldemort hatte – wissend, dass er von Harry keine neuen Fakten erwarten konnte – in diesem Traum sein Augenmerk auf Sirius geworfen – und Harry lief ein leiser Schauer den Rücken herauf; er hoffte deshalb umso mehr, dass es wirklich nur ein Traum war!
Wenn da nur nicht dieses ungute Gefühl tief in ihm wäre, wie eine dunkle Vorahnung ...
„Wirklich tragisch, nicht wahr?" stieß Luna gedankenverloren aus und starrte die Karikatur an, sie hatte sein Seufzen wohl versehentlich missinterpretiert, „Die arme Frau! Nur weil sie nach Kürbissen verrückt ist ..." Wie immer nahm das Mädchen die Artikel, die ihr Vater druckte, für bare Münze.
„Ich muss leider schon wieder gehen", meinte sie dann verträumt und lächelte zum Abschied, woraufhin in Harry gleich wieder diese angenehme Wärme aufstieg, einen Großteil seiner trüben Überlegungen verdrängte, während die Ravenclaw aufstand und sich ihre Zeitschrift in den Gürtel um ihre Hüften klemmte – nicht den in den Haaren, aber ihre Hüften waren wirklich nicht schlecht gebaut und fingen Harrys Blick etwas länger ein als er erwartet hätte.
Daraufhin fiel ihr Zauberstab auf den Boden, aber Luna hob ihn auf und steckte ihn wie selbstverständlich hinter das rechte Ohr. „Ich muss zu Pflege magischer Geschöpfe, was wirklich lustig ist, auch wenn Hagrid immer so gefährliche Tiere anschleppt, die teilweise eigentlich verboten sind ..."
Ihre Eigenheit, unangenehme Wahrheiten einfach auszusprechen, hatte Luna also auch nicht verloren, dachte Harry und grinste in sich hinein, während er sich mit einem leisen Stich des Bedauerns von dem Mädchen verabschiedete und sich in sein Kissen zurücksinken ließ, sich selbst kaum eingestand zu hoffen, dass Luna ihn bald wieder besuchen würde.
Wieder zog sich Smaragd langsam zurück. Wieder breitete sich Bedauern in Harry aus, als die Konturen des wunderschönen Tieres mehr und mehr verschwammen und es, diesmal nur nach Stunden, in der kühlen Schwärze verschwand.
Wieder wich der Geruch von dichtem Wald, moosüberzogenem Holz und erfrischendem Regen immer weiter in den Hintergrund, die Hitze ging ein weiteres Mal mit jeder Sekunde deutlich zurück, und nur der unangenehme Nachgeschmack im Mund blieb wie üblich. Ließ Harry an Waldboden und Gras denken und eine Grimasse schneiden – er bedauerte noch immer zu wissen, woraus der Matschtrank bestand.
Er schluckte und versuchte vergeblich, diesen scheußlichen Geschmack loszuwerden, wusste zugleich, dass er damit keinen Erfolg haben würde – doch der Reflex ließ sich nicht unterdrücken; er tauchte schneller und schneller aus dem unfassbar tiefen See auf, schoss immer weiter nach oben, bis er endlich Licht durch das Wasser glitzern sah und schließlich durch die glasklare Oberfläche brach ...
„Verdammt, wir haben nicht mehr Betten im Hauptquartier –"
Ein heiseres Donnern riss Harry aus seinem Traum, und blinzelnd öffnete er die Augen, suchte nach seiner Brille und sah sich dann in dem dunklen Raum um. Sein Blick fiel zuerst durch eines der Fenster, und er konnte Sterne blitzen sehen; so viele zeigten sich selten! Gerade eben fiel eine Sternschnuppe vom Himmel, mitten durch das Sternbild des großen Hundes, und Harry schloss schnell die Augen und wünschte sich etwas.
Er wusste nicht genau, wie spät es war, wann der letzte Besuch sich verabschieden hatten müssen; Ron und Hermine waren beim Eintreten beinahe mit Luna zusammengestoßen, und Harry erinnerte sich noch genau daran, wie sein bester Freund geschickt eine der Kirschen von Lunas Haargürtel gezupft und sich in den Mund gesteckt hatte, und er grinste.
Doch auch so wusste er, dass die Besuchszeit seit Stunden vorbei war, und er fragte sich, wer hier herumschrie und weshalb; er sollte nicht lange auf seine Antwort warten müssen.
„Wirst du wohl leiser sein, Moody?"
McGonagalls Stimme hatte die vorherige unterbrochen, und Harry fand endlich ganz aus der Traumwelt ins Hier und Jetzt zurück, als sie fortfuhr.
„Wir haben den Raum zwar mit einem Schweigezauber belegt, aber trotzdem musst du hier nicht diesen Lärm verursachen!"
Das durch das Fenster fallende Licht erlaubte es lediglich, die Umrisse der Betten auszumachen, doch am Ende des Raums hatte jemand eine Fackel entzündet, und Harry konnte somit einige sich bewegende Schatten erkennen, von denen einer gerade die Arme vor der Brust verschränkte und abfällig schnaubte.
„Jedenfalls bleibt uns gar nichts anderes übrig, als nach diesem drei mal verdammten Kampf heute schon wieder in den Krankenflügel auszuweichen, weil die Höhle nicht alle versorgen kann!" grummelte Moody mit gefährlichem Groll in der Stimme.
„Also beschwer dich nicht. Sirius, Lupin, ihr überlegt euch eine gute Ausrede für Poppy Pomfrey, verstanden!"
Während Harrys Pate kurz müde salutierte, nickte Remus nur und versenkte die Arme achselzuckend tief in seinen Robentaschen, bevor er mit dem Kopf in Richtung zweier Betten deutete und fragte: „Wie geht's den Zwillingen?"
Harry erschrak bei diesen Worten – Fred und George lagen verletzt auf der Krankenstation? Denn andere Zwillinge würde der Werwolf nicht meinen. Verdammt; hoffentlich hatten die beiden nichts Ernstes!
Wenn er in der Dunkelheit doch nur mehr erkennen könnte.
McGonagall unterdessen schüttelte nur flüchtig den Kopf und legte die Hände vor dem Bauch ineinander: „Eigentlich haben sie keine schweren Verletzungen, Poppy wird sie schnell wieder heilen können. Sie haben Rabastan Lestrange weit schlimmer zugerichtet, als er die beiden."
Ein Satz, der Moody mit grimmiger Zufriedenheit schnauben und Harry erleichtert durchatmen ließ.
„Aber wir können trotzdem nicht jeden Monat Verletzte des Phönixordens nach Hogwarts bringen!" nahm die Verwandlungslehrerin ihr ursprüngliches Thema wieder auf und hob schnell die Hand, um den Protest des ehemaligen Auroren zu unterbinden, „Das würde zu auffällig! Wir müssen die medizinischen Mittel im Hauptquartier verbessern –"
– „Oder Poppy Pomfrey endlich in den Orden aufnehmen, wie ich es schon lange vorgeschlagen habe", knurrte der ehemalige Auror und rollte mit seinem magischen Auge.
„Nein, McGonagall!" fuhr er dann auf und hieb so kräftig mit der Hand gegen die Tür, dass sie von Glück sagen konnten, dass Nacht war und niemand im Gang unterwegs sein würde; dieser hätte wohl eine Übernahme des Krankenflügels durch die Riesen vermutet. „Jetzt lass du mich mal ausreden!" wandte er sich dann grollend an die stellvertretende Schulleiterin.
„Smethwyck, dieser Narr, wird mit den Verletzten in letzter Zeit kaum noch fertig! Was machen wir, wenn ihm die Lage über den Kopf wächst, he? Überlegt euch lieber schon mal, wie ihr sie überreden wollt! Schon von dem Einbruch im Ministerium gehört?" wechselte er dann das Thema und ließ sein magisches Auge rollen, schnaubte kurz auf, als es wieder einmal stecken blieb.
– „Welcher Einbruch?" hakten Remus und Sirius im Chor nach, und Harry konnte in der Dunkelheit kaum erkennen, wie die beiden schnell einen stummen Blick wechselten.
Mad-Eye knurrte nur abfällig und zog einen Tarnumhang aus seiner Tasche, bevor er darauf einging: „Bellatrix Lestrange; hat Bleu-Rosé-Kugeln aus Lockharts Safe gestohlen, als der Mitternachtspause hatte. Lockhart hat die Gelegenheit natürlich sofort genutzt, um sich nach den Abteilungen für magische Strafverfolgung und magisches Transportwesen auch noch die Innere Sicherheit direkt zu unterstellen, damit das nicht mehr passiert."
Wütend schlug er mit der freien Hand gegen die Tür, wie um sie in kleine Stücke schlagen (als wäre sie und nur sie für die aktuelle Lage verantwortlich) und knurrte: „Und Scrimgeour, dieser Narr, findet das auch noch gut! Meint, dass Lockhart endlich Ordnung in den Laden bringt. Ha!"
Mit diesen Worten verschwand er durch die Tür aus der Dunkelheit des Zimmers in den noch finstreren Gang, und Remus beeilte sich, dem alten Mann zu folgen, um ihn durch den Schutzschild zu lassen.
Auch McGonagall verließ die Krankenstation, und während ihre Schritte an den hohen Wänden des Schlosses verhallten schloss Sirius die Tür hinter seiner Vorgesetzten, trat mit einem kurzen Blick auf die Zwillinge an ein Fenster. Die Arme tief in den Robentaschen versenkt starrte er gedankenverloren über die in der Finsternis versteckten Ländereien Hogwarts', ließ Harry stutzen, denn Sirius' momentanen, so nachdenklichen Gesichtsausdruck kannte er kaum – konzentriert, und ja, da glomm auch dieser beinahe vergessen geglaubte, gehetzte Askaban-Blick hinter den hellgrauen Augen seines Paten durch.
Genaugenommen, fiel Harry mit einem Mal auf, seit Moody Sirius' Cousine erwähnt hatte, und Bleu-Rosé-Kugeln und den Einbruch – und Harry fragte sich plötzlich beunruhigt, denn eine andere Erklärung fiel ihm nicht ein, welchen Zusammenhang es zwischen Lestrange in Askaban und Bleu-Rosé-Kugeln geben sollte.
„Fernsehlinsen?" wiederholte Harry erstaunt und hob die Brauen, blickte Fred nur fragend an und konnte es kaum erwarten zu erfahren, was es mit der neuesten Erfindung der Zwillinge auf sich hatte; den beiden war es in den letzten Monaten immer wieder gelungen, sich selbst zu übertreffen – angefangen bei dem Instant-Finsternispulver über die patentierten Tagträume, die Harry wirklich empfehlen konnte, bis zu den Bluffknallern und Ginnys lila Minimuff Arnold.
Zum Glück hatte Madam Pomfrey die drei eine Stunde allein gelassen, damit sie in der Küche etwas essen gehen konnte; Harry vermutete, dass sie sich nur von den durch die Anwesenheit der Zwillinge verursachten Strapazen erholen wollte, doch die kurze Auszeit war ihm nur recht – er saß schon viel zu lange nutzlos in diesem Krankenbett. Eine ganze, verflixte Woche!
Glücklicherweise – obwohl es makaber war, in diesem Zusammenhang von ‚Glück' zu reden, doch Madam Pomfreys Pflege brachte Harry mittlerweile auf die Palme – vertrieben die Zwillinge in den letzten beiden Tagen die Langeweile (und zum Teil die Krankenpflegerin), und Harry kroch neugierig unter seiner Decke hervor und rutschte an die Bettkante.
„Genau, Fernsehlinsen", bestätigte Fred begeistert und kramte in seinen Roben, die jemand fein säuberlich gefaltet in den Nachttisch zwischen ihren Betten gelegt hatte; dann zog er die Hand wieder hervor und präsentierte Harry stolz ein kleines, durchsichtiges und rundes Objekt auf der geöffneten Handinnenfläche. „Die weiterentwickelte Idee der Langziehohren, orientieren sich an den Kontaktlinsen der Muggel und übernimmt Eigenschaften von etwas, das sie als ‚Fernseher' bezeichnen – wirklich tolles Gerät, übrigens!"
– „Wir haben nur noch ein Problem mit der Sicherheit", ergänzte George breit grinsend, der das Bett neben dem seines Bruders belegte, und fuhr feierlich fort, „wenn wir die jetzt schon veröffentlichen, ... chrm, chrm, würden wir dem Feind nur die Möglichkeit geben, uns auszuspionieren!"
Auf Harrys verblüfften Blick hin zuckte er mit den Achseln, „Moodys Worte. Er hat uns dummerweise erwischt, als wir sie im Hauptquartier mit Lee ausprobieren wollten."
– „Irgendwie hat er aber schon recht", lenkte Fred ein und zuckte ebenfalls mit den Schultern, wobei Harry sich wieder einmal bewusst wurde, dass sich die Zwillinge nicht nur im Aussehen wie ein Klatscher dem anderen glichen.
„Aber bei dir ist das etwas anderes!" fügte er hinzu und grinste verschwörerisch, winkte dann seinem Bruder, und George sprang aus dem Bett und baute sich fröhlich vor Harry auf; er streckte die Arme aus, und in jeder Handfläche thronte eine Fernsehlinse.
„Eine verbindet dich mit Fred, die andere mit mir", erklärte er begeistert, während Harry neugierig die Objekte bestaunte und dann nach einem der beiden griff – er war schon sehr gespannt darauf, wie sie funktionierten, „sie reagieren auf deine Stimmenkommandos. Wenn einer von uns seine Linse einschaltet, siehst du automatisch das gleiche, was derjenige sieht – und hörst natürlich auch, was er hört. Wenn du deine einschaltest, sehen wir durch deine Augen und hören durch deine Ohren!"
– „Wow!" brachte Harry nur heraus, setzte sich die Linsen in je ein Auge, und als Fred seine Linse einschaltete und Harry die Augen schloss, hob er beeindruckt die Brauen, als er trotzdem die Krankenstation bis ins Detail erkennen konnte – unter anderem die verschiedenfarbigen Fläschchen, die Pomfrey vor dem Essen einfach in eine Ecke gestellt hatte mit der Absicht, sie später wegzuräumen, „Die sind klasse, danke!"
Er fragte gar nicht mehr nach, wie viel er dafür bezahlen musste; zwar war es ihm unangenehm, immer alles geschenkt zu bekommen, doch seine derartigen Bemerkungen stießen bei den Zwillingen auf taube Ohren – sie hatten ihm nicht vergessen, dass sie ihm das Startkapital für ihren Laden verdankten.
Fred winkte nur lässig ab. „Kein Problem –", begann er, schnitt sich jedoch selbst das Wort ab, als sich die Tür zum Krankenbereich öffnete, und während Harry flink zurück unter die Decke kroch, landete George mit einem gewaltigen Hechtsprung in seinem eigenen Bett in Erwartung einer Schimpftirade Madam Pomfreys – die drei hatten jedoch Glück, denn durch die Tür schob sich nicht die Krankenpflegerin, sondern Sirius, und Harry atmete auf.
„Mensch Sirius, altes Haus, erschreck uns das nächste Mal nicht zu Tode!" forderte George melodramatisch und ließ sich unter der Imitation des „Sterbenden Schwans" in sein Kissen zurückfallen; Fred, Harry und sein Pate lachten auf, und der Verteidigungslehrer antwortete trocken: „Poppy wird sicher nicht begeistert sein, dass ihr bloßer Anblick euch beinahe umbringt ... Gehen wir?" wandte er sich dann an Harry und hob eine Braue, während er bereits Harrys Nachttisch öffnete und seine Sachen mit dem Zauberstab in einer Tasche verstaute.
– „Wohin?" erwiderte der Junge verblüfft und wechselte einen stummen Blick mit den Zwillingen, die beide mit den Schultern zuckten – und dabei wieder vollkommen identisch aussahen. „Hat Madam Pomfrey mich entlassen und ich hab das verschlafen?" Das wäre eine Katastrophe! Eine Woche im Krankenflügel war kaum zu ertragen, und Harry konnte es kaum noch erwarten, das Krankenbett verlassen zu dürfen!
„Nein." Sirius erlaubte sich ein rasches Grinsen – welche trüben Gedanken ihn auch immer am Vorabend beschäftigt hatten, sie waren offenbar verflogen, oder besser erfolgreich beiseite geschoben worden –, bevor er die Tasche schloss und schulterte, während er Harrys Bettdecke zurückwarf. „Ich entlasse dich hiermit; bezieht sich auf das Zaubertraining. Was hälst du von einem Ausflug in den Verbotenen Wald? Einhörner suchen."
Harry – bei diesen Aussichten sofort Feuer und Flamme – sprang schnell aus dem Krankenbett und schlüpfte rasch in die Hausschuhe, dann zog er sich so flink wie ein Wiesel um und verabschiedete sich von den Zwillingen, als er auch schon mit Sirius auf dem Weg aus der Krankenabteilung war. Er hörte gerade noch, wie George hinter ihnen herrief: „Hey Sirius, wir wollen hier auch weg!"
Der Himmel hatte sich bereits blutrot gefärbt, als Harry und Sirius die Schatten des verbotenen Waldes hinter sich ließen und mit schnellen Schritten auf das Eingangstor zuhielten; selbst bis hier draußen konnte der Junge die Leckereien riechen, die die Hauselfen zubereitet hatten, und er schnupperte hungrig – der Ausflug hatte ihn mehr angestrengt, als er zugeben wollte, und so freute er sich auf ein ausgiebiges Abendessen. Er wusste nicht, wann er das letzte Mal eine Mahlzeit genießen konnte; Weihnachten, wenn er sich nicht täuschte, und dafür musste er Andromeda Tonks wirklich dankbar sein. Wäre es nach Kreacher gegangen, hätte Harry nicht einmal überlegen wollen, wovon ihm übler geworden wäre – dem traditionellen, gegrillten Dachs, dem gerupften Raben oder dem in einer Rotweinsoße gekochten Löwen. Sirius hatte sicher recht wenn er behauptete, diese Familie sei einfach nur krank gewesen.
Was jedoch nicht hieß, dass Harry auch nur eine Minute des verbrachten Nachmittags bereute; selbst in Hagrids Unterricht war der junge Zauberer nicht so nahe an eines der wunderschönen, weißen Tiere heran gekommen, und irgendwann würde er Sirius nach der Beschwörungsformel fragen müssen, die Harrys Pate leise vor sich hingemurmelt hatte, bis die ersten Einhörner vorsichtig die Köpfe hinter den Bäumen hervorschoben.
Alles in allem eine interessante Erfahrung, die ihm dabei helfen würde, sich mit Smaragd vertraut zu machen, so Sirius.
Mittlerweile hatten die beiden Hagrids Hütte passiert, und Harry glaubte, bald die Gerüche der einzelnen Speisen unterscheiden zu können, da hielt Sirius neben ihm abrupt inne; neugierig – und auch alarmiert, man konnte nie wissen – folgte Harry dem Blick des Paten bis zu einem rothaarigen Mann, der soeben durch das große Eingangstor Hogwarts' ins Freie kam, langsam die dunklen Stufen hinabschritt, denen man deutlich ansah, wie lange sie schon der Witterung trotzten.
Bis eben hatte er die Hand ans Kinn gelegt, gedankenverloren in die Ferne gestarrt, bis er Sirius und Harry bemerkte.
Nun straffte er wie von selbst die Schultern und zögerte, nur einen Moment. Selbst aus dieser Entfernung erkannte Harry, der die Hand bereits fest am Zauberstab unter seinen Roben hatte, die Vorsicht, die sich in seine aufmerksamen, grünen Augen stahl, während er unbehaglich an einem offiziell aussehenden Brief herumfingerte.
Ein Seitenblick zu Sirius, der den Fremden wohl nicht für eine Bedrohung hielt – sonst würde er ihn schon längst mit dem eigenen Zauberstab fixieren –, und Harry überlegte, ob er dem Mann einfach keine Beachtung schenken und ins Schloss gehen sollte; doch der Fremde zuckte flüchtig mit den Achseln und näherte sich, und ignorieren stellte keine Option mehr dar, überlegte Harry, während er seinen Griff fester um den Zauberstab unter seinen im Gegensatz zur Schuluniform regelrecht leichten Roben schloss, die am Nachmittag im verbotenen Wald einige kleine Risse davongetragen hatten.
„Suchen Sie jemanden?" erkundigte er sich vorsichtig und beäugte den schlanken Mann misstrauisch; der Fremde machte zwar einen netten Eindruck – und Harry konnte sich wirklich nicht vorstellen, dass er angreifen würde; nicht jetzt zumindest, und nicht sie. Aber es wäre nicht das erste Mal, dass dieser Eindruck täuschte. Immerhin hatte selbst Pettigrew einst sympathisch wirken müssen; man konnte nicht aufmerksam genug sein. Harry unterdrückte ein Schnauben, als er an Moody und seinen Lieblingsmahnspruch „Immer wachsam!" denken musste, und irgendwie passte der.
Ein langsames Nicken, mit dem der Rotschopf auf Sirius deutete, und Harrys Pate löste sich aus seiner Starre und bedeutete dem Jungen, dass er den Zauberstab wieder loslassen könne; nach kurzem Zögern folgte Harry der Anweisung – er war sich mittlerweile sicher, dass die beiden Erwachsenen sich kennen mussten, und wenn man sich die Überreste der Spuren Askabans aus dem Gesicht seines Paten dachte, waren die beiden nicht mehr nur gleich groß, sondern wohl auch ungefähr gleich alt.
„Altair Pepples."
Sirius flüsterte beinahe, atmete tief durch; bestätigte damit Harrys Verdacht, und seinem Gesichtsausdruck zufolge schien er den Fremden – Pepples – wirklich nicht erwartet zu haben.
Harry vertiefte seine Musterung, ließ den Blick über selbst im Winter noch angebräunte Haut schweifen – so unterschiedlich zu Sirius' ungesunder Blässe, damals in der Heulenden Hütte, nach seiner Flucht; oder zu seiner eigener Gesichtsfarbe, nach den Sommerferien bei den Dursleys. Doch den Gedanken, was seine Verwandten nach dem Verlust ihres Besitzes machten, verscheuchte er rasch, klemmte sich eine pechschwarze Strähne hinter ein Ohr, die der Wind erfasst hatte. Auch Pepples' halblanges Haar flatterte im seichten Wind, rote Haare, deren kupferfarbener Stich den Mann so anders als Ron und seine feuerrote Mähne wirken ließ.
Pepples indessen schenkte der seichten Brise keine Beachtung, er nickte nur und kratzte sich verlegen an der schiefen Nase.
„Es ist eine Weile her", begann er dann leise, lenkte einen Seitenblick auf Harry, und Sirius verstand, wandte sich an sein Patenkind und schickte es in die Eingangshalle, während die beiden sich unter einen nahe gelegenen Ahornbaum zurückzogen.
Die Neugierde zog Harry jedoch rasch wieder ins Freie; schnell kramte er seinen Tarnumhang hervor und schlüpfte darunter, bemühte sich darum, kein Geräusch zu verursachen, während er leise zurück vor das Schloss schlich. Er hatte ohnehin nur auf den obligatorischen Protest (denn nach diesem verflixten Sommer vor dem sechsten Schuljahr war er, laut Hermine, regelrecht besessen davon, alle möglichen Informationen aufzusaugen) verzichtet, weil er ihn in der Tasche wusste, bekam dennoch dumpfe Gewissensbisse, weil er nicht lauschen sollte, wenn das Gespräch ihn offensichtlich nichts anging, aber – nun ja – die Neugierde war stärker.
Die Sonne war mittlerweile hinter den Bergen im Westen versunken, hatte das satte Abendrot mit sich genommen und einen indigoblauen Himmel zurückgelassen, und Harry stellte sich vor eine nahe Bank; die ersten Sterne funkelten, und Pepples lehnte mit der Kehrseite an einem nackten Baum, ignorierte die Lichter aus dem Schloss und musterte Sirius, der seinerseits auf den dunkler werdenden See starrte, den auftauchenden Riesenkraken aber ebenso ignorierte wie die seichten Wellen, die der Wind gegen das Ufer trieb.
Er schien darüber nachzudenken, was er sagen sollte, abschätzen zu wollen, wie die Worte wirken würden; Harry beobachtete ihn dabei, während sich das Schweigen dehnte, und überlegte, woher Sirius diesen Mann kennen mochte. Welchen Grund es geben konnte, dass der Rotschopf nicht einfach mit der Sprache herausrückte.
Irgendwann schließlich, als die Stille unangenehmer wurde, zuckte Sirius mit den Achseln und wandte sich ohne den Blick vom fernen Ufer abzuwenden an seinen Besucher. Sein Patenkind musste die Ohren spitzen, um ihn überhaupt zu verstehen, und Harry unterdrückte den aus seiner Ungeduld resultierenden Drang, zu seufzen. „Dumbledore hat erzählt, dass du wieder als Auror arbeitest."
Ein ziemlich unverfängliches Thema, um ein Gespräch zu beginnen, überlegte Harry, und Pepples nickte daraufhin notdürftig, verschränkte die Arme vor der Brust und erklärte: „Seine Idee. Ich hab ihn aufgesucht, und er hat mir geraten, ins Aurorenbüro zurückzugehen. Alles weitere würde sich dann ergeben."
Dankbarkeit, wie über die Verzögerung eines heiklen Themas, klang in seiner Stimme mit.
Nicht weit entfernt stoben fünf oder sechs Thestrale durch die Baumkronen des verbotenen Waldes, und Sirius und Pepples fuhren simultan herum, die Finger schon an den Zauberstäben, entspannten sich dann, als sie die pferdeähnlichen Eulenjäger bemerkten und richteten ihre Blicke wieder auf Sirius beziehungsweise den See.
Harry schalt sich einen Moment – der Gedanke, dass ein Auror Thestrale sehen konnte, lag so nahe. Dann konzentrierte er sich wieder auf die beiden, wie er mit einem Mal begriff, ehemaligen Kollegen vor sich; sah erst jetzt, was er vorher hätte sehen müssen, und dieser Spannung zufolge, die sich durch die Luft zog, hatten sie damals, während des ersten Krieges, mehr sein müssen als bloß Kollegen.
Vielleicht sogar gute Freunde, und Harry begann zu ahnen, worauf Pepples hinaus wollte, und schluckte. Kein gutes Thema.
„Alles weitere?" hakte Sirius nach, strich sich nebenbei eine Haarsträhne aus der Stirn, die der aufkommende, kühle Wind dort hineinblies; Harry fluchte lautlos, als eben jener Windhauch an seinem Tarnumhang zog, und er wickelte den feinen Stoff noch enger um seinen Körper.
Pepples unterdessen zuckte nur mit den Achseln und folgte Sirius' Blick, doch auch er nahm keine Notiz von dem Riesenkraken, der spielerisch bunte Fische durch die Luft warf, sondern meinte seufzend: „Alles weitere. Ich hatte nach dir gesucht, da hat er mich für seinen Orden rekrutiert."
– „Wie schnell man doch immer in so etwas hineingerät." Sirius schnaubte trocken auf, bevor er die Hände hinter dem Rücken verschränkte und sich endlich von dem See losriss, um sich dem Auroren zuzuwenden, die stumme Frage nach dem speziellen Grund von Pepples' Besuch ins Gesicht geschrieben.
Dabei sah er eigentlich aus, als wollte er es gar nicht hören, wusste bereits, wo sie landen würden.
Pepples zögerte kurz, nur einen Moment, bevor er einen Schritt auf Sirius zutrat und Harrys Paten den Brief überreichte, den der junge Zauberer schon von weitem gesehen, jedoch vollkommen vergessen hatte.
„Dein offizieller Freispruch", erzählte er mit belegter Stimme und senkte den Blick zu Boden, wollte offensichtlich noch etwas hinzufügen; er fuhr sich durch seine halblangen Haare, und das peinliche Schweigen kehrte zurück und legte sich über die Ländereien Hogwarts', während Harry durch das geöffnete Tor die ersten Schüler in die Große Halle strömen hörte und der Geruch nach den leckeren Speisen sich verdichtete.
Doch auch sein Hunger war nicht stark genug, ihn fortzulocken, erst recht nicht jetzt, wo diese stumme Betretenheit über die Ländereien des Schlosses zurückkehrte und selbst auf ihn übergriff – obwohl er gar nicht dabei gewesen war, damals –, und so verharrte Harry eisern an Ort und Stelle und wartete auf das, was der Auror zu sagen hatte.
Eine Weile herrschte Stille, dann gab Pepples sich einen Ruck und sah wieder auf, und Harry erkannte nun deutlich, wie unwohl er sich fühlen musste. Bemerkte, wie Sirius sich versteifte – irgendwie hatte er es geahnt. „Tu uns beiden den Gefallen und schluck's runter!" erklärte Harrys Professor brüsk, „Crouch hat den verdammten Befehl erteilt!"
Die Schultern gestrafft, die Arme abwehrend vor der Brust verschränkt, als wäre das Thema damit beendet.
„Und ich hab ihn nie angezweifelt." Irgendwie schien Pepples fast froh zu sein, dass Harrys Pate seinen Brief noch nicht entgegengenommen hatte; so fingerte er nun wieder unbehaglich daran herum. Harry wusste wie gut es sich anfühlte, sich, wenn auch nur unbewusst, ablenken zu können, und auch wenn Pepples wirkte, als würde er liebend gern diese servierte Ausrede akzeptieren, wusste er doch, dass es nicht richtig wäre.
„Nicht als er dich stundenlang verhört hat und irgendwer erklärt hat, dass du alles abstreiten würdest", fuhr er also fort und schauderte verhalten beim Anblick der farblosen Schatten, die Harrys Pate zu unterdrücken suchte; er schluckte und ließ sich gegen den Ahornbaum zurücksinken.
„Scheiße, verdammt. Dawlish und ich haben dich abgeführt ... und ich muss mich entschuldigen, auch wenn du das nicht hören willst."
Eine Weile rührte sich keiner der beiden, und nur der kälter werdende Wind durchbrach gelegentlich die Stille, wenn er einen der Äste vom Boden erfasste und diesen durch die Luft wirbelte. Harrys Gedanken wirbelten auch, jedoch konnte er dafür nicht den Wind verantwortlich machen.
Er dachte über diesen Pepples nach, der ins Leere starrte und vermutlich vor ein paar Wochen Pettigrews Artikel in der Zeitung gelesen, sich auf der Suche nach Sirius an Dumbledore gewandt haben musste. Flüchtig fragte sich Harry, was Pepples wohl in den Jahren zwischen dem Kriegsende und dem heutigen Tag gemacht hatte – seine kräftigen Hände und der leicht gebeugte Rücken erinnerten Harry irgendwie an Madam Sprout und ihre Pflanzen; der Junge war nicht überrascht, dass sein Pate ihm dies später bestätigte, doch im Augenblick war das nicht wichtig.
Ihm schauderte, und er konnte, nein wollte, sich nicht einmal vorstellen, wie er sich fühlen würde, müsste er jemals eine solche Entschuldigung vortragen.
Allein der Gedanke, zwölf verdammte Jahre in Askaban; und ob man es nicht hätte verhindern können. Sich immer wieder einzureden, dass man es doch hätte sehen müssen, nie hätte zulassen dürfen, dass das geschieht. Sirius hätte bei der Überführung nach Askaban eine Minute gebraucht, um die Flucht zu ergreifen – und dann dem Freund gegenüberzustehen, dem man diesen einen Moment nicht gewährt hatte, eigentlich nicht einmal zu wissen, wie eine angemessene Entschuldigung aussehen könnte, während diese Schatten durch ohnehin schon graue Augen huschten; er konnte Pepples' Anspannung verstehen.
Harry dachte auch über Sirius nach, der nun, nach etlichen Sekunden, den Blick von Pepples wandte und stumm wieder auf das ferne, immer weiter in der heraufziehenden Dunkelheit versinkende Ufer starrte.
Natürlich würde er die Entschuldigung letztendlich annehmen – Harry war sowieso überrascht, wie selbstverständlich er mit Remus und Dumbledore wieder zusammengearbeitet hatte, nach seinem Ausbruch. Er hätte es gut nachvollziehen können, wäre dem nicht so gewesen.
Sirius hatte Pepples scharf angefahren, jedoch nur, dessen war Harry sich sicher, weil er nicht erinnert werden wollte; verdrängen wollte, und ehrlich, wer, der schon unter dem Einfluss von Dementoren gestanden hatte, wollte es ihm verübeln?
Und weil er diese mitleidigen Blicke hasste, die ihm die Leute automatisch zuwarfen, wenn sich diese gehetzten Schemen in seine Augen schlichen.
„Crouch hat den Befehl erteilt!" wiederholte Sirius irgendwann leise und zuckte mit den Schultern. Dann trat er einen Schritt auf Pepples zu und legte ihm einen Arm auf die Schulter, nickte nach einigen weiteren Sekunden des Schweigens und deutete ein Schmunzeln an, bevor er mit dem Kopf in Richtung der nächsten Parkbank zeigte und sich in Bewegung setzte.
Harry lächelte, hatte es gewusst, und grinste weil er den Stein beinahe hören konnte, der von Pepples Schultern fiel. Grinste noch breiter über Sirius; ihm musste klar gewesen sein, dass er das Thema so am schnellsten beenden konnte, und nun setzte er sich und schlug die Beine übereinander, vertiefte sich in den Brief des Ministeriums, den Pepples ihm erneut anbot.
„Ein Angebot, wieder als Auror zu arbeiten?" unterbrach Sirius irgendwann Harrys Gedankengang mit einem Hauch von Unglauben in der Stimme, ließ den Kopf des Jungen hochfahren kaum dass er selbst von dem dünnen Pergamentstück aufsah und musterte Pepples aufmerksam. Dieser nickte langsam, bei weitem nicht mehr so unbehaglich wie eben noch – und Sirius' Grobheit schien bereits vergessen –, bevor er sich nach vorne beugte, um die Ellbogen auf seinen Knien abzustützen, und während Sirius' Blick zurück zu dem in seiner Hand knisternden Pergament wanderte, um sicher zu gehen, nicht falsch gelesen zu haben, erklärte er: „Das Ministerium braucht jeden Mann! Vor allem, wenn der schon einen Krieg miterlebt hat und weiß, wie man kämpft."
Nur hier und da hörte man den Ruf eines Kauzes oder das Rascheln eines Tieres, magisch oder nicht, das durch den verbotenen Wald schlich – am Himmel zeigten sich nun zunehmend mehr Sterne, im Osten konnte man die Gipfel der Berge kaum mehr von den Ausläufern einzelner Wolken unterscheiden, und wieder senkte sich Schweigen über das Gelände von Hogwarts, bloß dass es diesmal eine angenehme Art der Stille gewesen wäre, hätte die friedliche Stimmung auch Harry einfangen können. Er schluckte – diese Wendung kam vollkommen unerwartet und versetzte ihm einen sanften Stich. Er wollte nicht, dass Sirius seinen Lehrposten aufgab, und – mehr als jetzt noch – täglich sein Leben riskieren würde; vermutlich könnte er sich, aus Gründen der Geheimhaltung, nicht einmal regelmäßig melden.
Erst recht nicht, nachdem er daran gewöhnt war, den Paten täglich zu sehen. Aber andererseits fiel ihm kein Argument ein, weshalb Sirius dieses Angebot ausschlagen sollte – ihm entgingen doch nicht die Blicke, mit denen er jeden der Artikel über Auroreneinsätze im Tagespropheten bedachte.
„Bist du dabei?" fragte Pepples leise nach, da Sirius noch immer keine Antwort von sich gegeben hatte, und blickte den anderen erwartungsvoll an.
Dieser senkte den Blick zurück auf den Brief und seufzte tief, bevor er müde den Kopf schüttelte; eine Reaktion, die weder Pepples noch Harry erwartet hätten, und während in dem jungen Zauberer Schuldgefühle hochkamen, weil er insgeheim froh über die Entscheidung seines Paten war, entfuhr dem Auroren ein verdutztes „Was!", bevor er verwirrt die Brauen zusammenzog.
„Wieso?" hakte er nach und schüttelte nun seinerseits – ungläubig – den Kopf, während Sirius unruhig auf der Bank hin und her rutschte, um sich eine bequemere Position zu suchen.
Sirius zuckte nur mit den Schultern. „Wegen Harry", gab er dann zu, strich sich, sichtlich unbehaglich, eine der schwarzen Strähnen aus der Stirn, die der Wind eingefangen hatte, und lächelte traurig, während er seinen ehemaligen Kollegen ansah. „Ich kann einfach nicht! Lange Geschichte, aber kurz gesagt muss ich Harry einen wichtigen Zauber beibringen. Und das geht nicht, wenn ich ihn nicht mehr unterrichte."
Pepples überlegte einen Moment, dachte über Sirius' Worte nach. Es war so offensichtlich, dass er etwas vollkommen anderes erwartet hatte, und auch Harry konnte einfach nicht Sirius' Gesichtsausdruck entgehen; diese silbergrauen Augen – Harry stellte zufrieden fest, dass sich die Dementoren wieder daraus verzogen hatten – ließen keinen Zweifel daran, wie gern der Eulen-Animagus das Angebot annehmen würde, und Harry schluckte gegen den plötzlichen Kloß im Hals an.
Dann glättete sich Pepples' Stirn wieder, und er nickte – verstand –, schien fast erleichtert als hätte er befürchtet, Sirius weigerte sich weil er dennoch nicht verziehen hatte, und lächelte. Dann erhob sich Sirius und bedeutete Pepples, ihm zu folgen, und die beiden verschwanden durch das große Eingangstor Hogwarts'.
Der junge Zauberer wartete noch ein paar Sekunden, dann folgte er ihnen, vorbei an der Großen Halle – war es wirklich nur Minuten her, dass diese Speisen so verlockend in seiner Nase gekitzelt hatten?
Erst als er sich auf sein Bett im Gryffindorturm fallen ließ, sich nach dem Tarnumhang seiner zerschnittenen Roben entledigen wollte, begriff er wirklich, was Sirius gerade wegen ihm aufgegeben hatte; Sirius verzichtete sogar darauf, wieder Auror zu werden, damit sein Patenkind diesen Zauber lernen könnte.
Obwohl er, augenscheinlich, nichts lieber tun würde als sich in diese Ministeriumsroben und den nächsten Kampf gegen Todesser zu stürzen; er hätte es nur zu gut verstanden, wenn sein Pate wenigstens länger gezögert, mit sich gerungen hätte, und irgendwo tief in Harry stieg ein warmes Gefühl auf und machte sich in ihm breit.
Die Entschlossenheit diesen Zauber zu lernen, die Harry nach dem Streit, oder besser der Versöhnung mit Sirius befallen hatte, wuchs bei diesem Gedanken noch weiter – ebenso wie das Schamgefühl über sein Verhalten –, und als er bald darauf schlief, musste der Junge zum ersten Mal nicht warten, bis Smaragd von sich aus Kontakt suchte; diesmal wich es nicht aus, als Harry sich näherte, um die Hand auf das seidige Fell zu legen.
