A/N: Danke vielmals für die lieben Reviews... heute: Severus´ "Auferstehung" - man sollte den armen Kerl ja nicht ewig für tot halten, oder?
20. Wie Phönix aus der Asche.
Sie kehrten erst in das Haus am Grimmauldplatz zurück, als es draußen längst dunkel geworden war. Gähnend, erschöpft und mit staubigen Kleidern, aber mit dem großartigen Gefühl etwas geleistet zu haben, trottete die kleine Schar in die Küche hinunter.
Ron mit seinen langen Beinen war als erster unten und stand bereits am Herd, auf dem ein großer Kessel Suppe dampfte, freundlicherweise zubereitet von einer zartrosa beschürzten Fleur. Unternehmungslustig schwang er eine große Schöpfkelle und ließ die anderen dann in einer Art hungriger Prozession an sich vorbeiziehen, während er ihre ausgestreckten Teller mit Nudelsuppe füllte.
Seufzend ließ sich Hermine auf einen Stuhl am großen Tisch sinken, gegenüber von Snape, der soeben den Tagespropheten zur Seite legte, ließ den Zauberstab neben ihrem Teller auf den Tisch fallen und stöhnte: „Du liebes Bisschen, das war anstrengend… Ron, erinnere mich bitte, dass wir niemals anfangen, ein eigenes Haus zu bauen."
„Bauen ist leichter als reparieren", grinste dieser und plumpste auf den Stuhl neben ihr, einen reichlich gefüllten Brotkorb in der Hand, „sagt zumindest Dad, und der hat in beidem Erfahrung."
„Nun", kommentierte sein Vater mit einem Kichern, während er sich neben seinen jüngsten Sohn setzte, „bauen mussten wir nur einmal – aber mit jedem Kind kamen mehr Reparaturen dazu. Nicht wahr, Molly, Schatz?"
Alle lachten, und sogar um Molly Weasleys Lippen spielte ein amüsiertes Lächeln; doch es wurde rasch leiser in der Küche, als sie sich hungrig auf ihre Suppe stürzten und sich die nächsten paar Minuten aufs Essen konzentrierten. Danach verabschiedeten sich der Reihe nach Hermine, Neville, Luna und dann auch Ginny, um duschen und dann schlafen zu gehen. Arthur und Molly Weasley reisten mit Fleur per Flohpulver zurück zum Fuchsbau, wo der Rest der Familie auf sie wartete, während Minerva McGonagall den Kamin mit dem Ziel Hogsmeade betrat.
Harry und Ron blieben folglich allein mit Snape in der Küche zurück. Einen Moment herrschte unbehagliches Schweigen, während die drei das Geschirr wegräumten. Doch Harry war nicht gewillt, die gezwungene Stille anhalten zu lassen. Er öffnete einen Vorratsschrank und fragte an die beiden anderen gewandt: „Butterbier im Salon?" Mit einem auffordernden Blick zu Snape versuchte er diesem klar zu machen, dass seine Anwesenheit durchaus erwünscht war, und der hochgewachsene Mann nickte wortlos.
Kurz darauf – sie hatten dabei nicht einmal Mrs Black geweckt - saßen sie einträchtig in den gemütlichen Sesseln am Kamin, jeder mit einer Flasche in der Hand, und genossen den Feierabend.
„Und?" brach Snape schließlich das erneute Schweigen. „Wie geht es in Hogwarts voran?"
„Besser, als ich erwartet hätte", gab Harry zurück, während Ron ungeniert gähnte und ins Feuer sah, „es ist wirklich so, als würde das Schloss uns beim Wiederaufbau helfen. Man kann… etwas dort fühlen. Eine Art Kraft, die einfach überall ist, wie so ein Vibrieren." Er warf dem Älteren einen raschen Blick zu und nahm einen großen Schluck Butterbier, bevor er hinzufügte: „Sie sollten sich das mal ansehen. Es ist… unglaublich lebendig!"
Snape drehte nachdenklich seine Flasche zwischen den Fingern und sagte leise: „Vielleicht sollte ich das. Aber noch gibt es da ein Problem."
Ron wandte sich ihm zu und grinste. „Ja, ich glaub, wenn Sie da einfach auftauchen, gibt´s nen ganz hübschen Aufstand. Oder? Immerhin weiß außer uns niemand, dass Sie noch leben." Anscheinend erschrocken über seine eigene Courage, senkte er den Blick und schien in seinem Sessel versinken zu wollen, während sich seine Ohren knallrot färbten; doch Snape nickte nur langsam und ein wenig widerstrebend.
„Na, dann wird´s wohl Zeit, dass wir das endlich aufklären", erklärte Harry nachdrücklich und ignorierte bewusst den alarmierten Blick des älteren Zauberers, „wir sollten mit McGonagall und Kingsley reden. Die wissen am besten, wie man das anstellen könnte. – Außer, Sie sind noch nicht so weit?"
Einen Augenblick dachte er, Snape würde einfach aufstehen und sich in sein Zimmer zurückziehen. Doch zu seinem Erstaunen blieb dieser sitzen und schien über die Frage nachzudenken. Geduldig wartete Harry ab, nahm noch einen Schluck aus seiner Flasche und sah den ehemaligen Spion an.
„Ach, was soll´s", bemerkte Snape schließlich, leerte seine Flasche und stellte sie entschlossen auf dem kleinen Tisch ab. „Ich kann mich ja nicht bis an mein Lebensende verstecken, oder? – Ich werde wohl morgen mit Shacklebolt sprechen müssen."
Harry und Ron sahen ihm mit offenen Mündern nach, während er den Salon verließ. „Nicht zu fassen", kommentierte Ron, als zwei Stockwerke weiter oben eine Tür geschlossen wurde, „er hat echt ein Talent für starke Abgänge, was? Bei Merlins Bart, ich hätte eigentlich gewettet, der würde eher an den Nordpol flüchten, als sich jemals wieder in der Öffentlichkeit zu zeigen. Ernsthaft, Mann, kannst du dir vorstellen, wie viel Rummel es um ihn geben wird?" Er sah einigermaßen beeindruckt drein, dann trank er ebenfalls sein Butterbier leer und stand auf: „Komm, lass uns auch schlafen gehen. Morgen haben wir wieder ne Menge zu tun."
Harry tat es seinem Freund gleich, und während sie die Treppen hinauf zu ihren Zimmern stiegen, meinte er: „Bin gespannt, wie groß der Artikel im Tagespropheten werden wird…" Ron feixte nur und verschwand in seinem Schlafzimmer.
Der Artikel war nicht nur riesig, sondern sogar in Farbe. Ein gewaltiges Foto, auf dem Kingsley Shacklebolt und Minerva McGonagall einen Severus Snape flankierten, der aussah, als wäre er am liebsten in einer winzigen Erdspalte versunken, füllte die gesamte erste Seite des Propheten. Da kein Platz mehr für eine Überschrift gewesen war, hatte man die Buchstaben der Einfachheit halber quer über die Beine der drei gesetzt:
ENDLICH DIE WAHRHEIT – Heimlicher Held des Phönixordens überlebt!
Der dazu gehörende Bericht erstreckte sich in reißerisch großen Buchstaben über die komplette zweite Seite:
Es grenzt an ein Wunder: Der Mann, der beinahe zwei Jahrzehnte im Untergrund für Albus Dumbledore und seinen Orden des Phönix gegen Du-weißt-schon-wen arbeitete, ist am Leben!
Severus Snape, bisher fälschlicherweise als ranghoher Todesser des Inneren Kreises um Du-weißt-schon-wen angesehen, wurde heute vom kommissarischen Zaubereiminister Kingsley Shacklebolt bei einem Empfang im Ministerium offiziell rehabilitiert und für sein Lebenswerk geehrt.
Bereits vor dem Angriff von Du-weißt-schon-wem auf Harry Potter und seine Familie trat der junge Snape in den Dienst des mittlerweile in der gesamten Zaubererwelt bekannten Ordens des Phönix und unterstützte in seiner wichtigen Funktion als Spion bei den Todessern die Bemühungen Albus Dumbledores, der Machtergreifung von Du-weißt-schon-wem entgegen zu wirken. (Bericht über den Phönixorden: Seite 3, mit Foto)
Seit damals verfolgte der mysteriöse Mann unbeirrbar und ohne Rücksicht auf sich selbst sein Ziel: die Todesser und ihren Herrn („Dunkler Lord") auszuspähen und dem Orden Bericht über ihre Aktivitäten zu erstatten. „Ohne seine unermüdlichen Bemühungen, unter Einsatz seines eigenen Lebens, hätte sich die Zauberergemeinschaft längst dem Einfluss des gefährlichsten Schwarzmagiers aller Zeiten und seiner Getreuen unterwerfen müssen", würdigte Shacklebolt die Arbeit von Snape.
In der Anfang Mai dieses Jahres ausgefochtenen, berühmten „Schlacht um Hog-warts" (wir berichteten) gelang es dem erfolgreichsten Spion der magischen Gemeinschaft nach Aussagen bekannter Ordensmitglieder, Harry Potter rechtzeitig all seine relevanten Erkenntnisse zuzuspielen, was dem Auserwählten den Sieg über Du-weißt-schon-wen ermöglichte. (Bilder zur Schlacht um Hogwarts: Seite 4)
Wurde bisher als sicher angesehen, dass Severus Snape diese seine Heldentat mit dem Leben bezahlen musste, so können wir diese Meldung nun glücklicherweise dementieren: Du-weißt-schon-wer habe, so Minerva McGonagall, kommissarische Leiterin der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei sowie langjähriges Mitglied des Phönixordens, Severus Snape zwar attackiert und ihn schwer verletzt zurückgelassen, doch durch eine glückliche Fügung des Schicksals blieb dem mutigen Untergrundkämpfer der Tod erspart.
Er habe sich in einem „sicheren Haus" des Ordens von dem beinahe tödlichen Angriff erholen können und sei nun bereit, der Hogwarts-Schule nach ihrer Wiedereröffnung (geplant für den ersten November dieses Jahres) wieder als Lehrer im Fach Zaubertränke zur Verfügung zu stehen. Im letzten Jahr hatte Professor Snape die Schule sogar übergangsweise geleitet, um die Schüler so gut wie irgend möglich vor brutalen Übergriffen einiger Todesser zu schützen, die von Du-weißt-schon-wem auf Schloss Hogwarts als Lehrer eingesetzt wurden. (Bericht zur Renovierung der Hogwarts-Schule: Seite 5)
Snape, der für ein ausführlicheres Interview momentan noch nicht zur Verfügung steht, sicherte bei einem Gespräch mit dem kommissarischen Zaubereiminister außerdem zu, mit seinen engagierten Kollegen vom Orden des Phönix die Aurorenzentrale des Ministeriums so lange aktiv unterstützen zu wollen, bis die Abteilung wieder komplett einsatzfähig sei.
Sein Hauptinteresse gelte allerdings der Ausbildung junger Hexen und Zauberer in der Hogwarts-Schule, um diese auf das Leben in der magischen Gesellschaft optimal vorzubereiten.
Berichte und Interviews mit weiteren Helden des Ordens folgen in den kommenden Ausgaben.
von Ihrem Sonderkorrespondenten
Xenophilius Lovegood
