Hallo, hallo!
Wie geht es euch? Seid ihr gut aus den Ferien gekommen?
Ich will euch nicht lange aufhalten (Das würde mir gar nicht einfallen! ;D), aber ich will euch noch eine kleine Neuigkeit unterbreiten. Seit letzter Woche, seit dem 04.01.16, ist Cheshire Cat nun offiziell beendet! :) Das heißt natürlich, dass, wenn soweit mit meiner Beta und der Zeit alles hinhaut, wir uns noch auf einige Kapitel freuen können und die Geschichte mit 28 Kapiteln zu Ende gehen wird.
Nun aber viel Spaß.
Bis Sonntag! Eure Grim
Gila: Freut mich, wenn es dir wieder gefallen hat! Und verzeih doch bitte die langen Wartezeiten. Ich will gar keine Ausreden suchen oder vorbringen, ich hatte es schlicht und einfach vergessen. Ich hoffe, es war noch erträglich. :) Und ja: Ich hatte sehr schöne Weihnachten und auch ein tolles Silvester, obwohl ich wegen Krankheit etwas zurückstecken musste. Und du? Viel Spaß jetzt beim neuen Chapter! Übrigens: Wie wäre es, wenn du dich mal anmelden könntest. Dann könnte ich dir direkt bei den Reviews antworten! Alles Liebe und eine schöne Woche dir! Grim
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In Slytherin weiß man noch List und Tücke zu verbinden, doch dafür wirst du hier noch echte Freunde finden.
- „Der Sprechende Hut" in „Harry Potter und der Stein der Weisen" von Joanne K. Rowling (*1965)
„Ja! José Fernández hält den Schnatz! Er hat ihn! Er hat ihn wirklich!", brüllte Bagman über das Toben des Stadions hinweg. „Und Spanien siegt nach einem langen Spiel mit zweihundertsiebzig zu hundertzwanzig über Rumänien!"
Ginny sprang gemeinsam mit den anderen von ihrem Stuhl. Sie fiel Hermine in die Arme. „Hast du das gesehen?!", jauchzte die Rothaarige ihrer Freundin ins Ohr. „Er hat ihn echt gefangen!"
„Ich weiß!", schrie diese ganz außer sich zurück.
„Und das, obwohl er eigentlich nur einem Klatscher ausweichen wollte!"
„Ich weiß!", strahlte Hermine und löste sich von ihr, um Ron auf ihrer anderen Seite zu sich zu ziehen und ihm einen Kuss zu geben. Ginnys Bruder wurde röter als die Fahne der Spanier, während die Zwillinge ihm grölend auf den Rücken klopften und seine Freundin sich zu Harry drehte, um ihn ebenfalls zu drücken.
Auch seine Schwester grinste bei dem Anblick und sah zu Malfoy, der mit einem triumphierenden Feixen ganz ruhig dastand und dem spanischen Sucher mit anerkennenden Blicken folgte. Ginny rollte mit den Augen und schlug ihm gegen den Oberarm.
„Wach auf, Malfoy, und freu dich!", rief sie kichernd.
Er wandte sich zu ihr und musterte sie eingehend. Dann lächelte er, beugte sich etwas zu ihr vor und hob die Hand zum High five.
„Schlag ein", sagte er. Und mit laut klopfendem Herzen tat sie genau das.
Noch Minuten später, nachdem die Weasleys und ihre Gäste die Loge und das Stadion verlassen hatten, lagen sich Bill und Charlie in den Armen und sangen lautstark (und sehr schief) vor sich hin, wobei Fred und George mit ihren Zauberstäben Funken verschossen und Arthur, Harry und Fleur begeistert die Spielzüge Review passieren ließen.
Ginny ging mit einem Dauer-Grinsen neben Malfoy her, konnte sich dabei die beschwingten, federleichten Schritte aber nicht verkneifen.
Schließlich kamen sie an ihren Zelten an und verschwanden, immer noch lachend und johlend, darin.
Hermine, Fleur und sie machten sich fertig und irgendwann, schon einige Zeit nach eins, lagen sie still und glücklich in ihren Betten. Ginny lauschte den immer gleichmäßiger werdenden Atemzügen der beiden, selbst konnte sie aber nicht einschlafen. Sie starrte an die Zeltdecke und dachte an den Tag zurück.
Klar, die Begegnungen mit Rita Kimmkorn und Richard waren nicht unbedingt die Schönsten gewesen, aber dafür war der Ausgang des Abends einfach unbeschreiblich. Spanien hatte gewonnen. Alle waren fröhlich gewesen. Sie hatte Malfoys Hand gehalten.
Mit einem Stöhnen zog sie sich das Kissen übers Gesicht. Sie hatte Malfoys Hand gehalten!
Sein blasses, spitzes Gesicht geisterte ihr durch den Kopf. Besonders seine Miene von vorhin, als er sie angelächelt hatte, ausnahmsweise ganz ohne diese sonst so kontrollierte Maske.
Sie musste zugeben … wenn es nach ihr ginge, könnte er sie ruhig öfter so ansehen. Und seine Hand … Sie war wärmer gewesen, als sie sie sich vorgestellt hätte.
Mit dieser Erinnerung in den Gedanken konnte sie noch eine ganze Weile nicht einschlafen. Schließlich glitt sie doch noch in einen traumlosen, aber keineswegs gefühllosen Schlaf. Denn sie spürte immer wieder seine Hand, die sich um ihre schloss.
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Am nächsten Morgen holte sie Arthur schon früh aus den Betten und scheuchte sie los, damit sie neues Feuerholz und Wasser für das Frühstück besorgten. Der Geruch von Eiern und Schinken breitete sich in der Luft aus und erweckte langsam die Lebensgeister der gähnenden und murrenden Weasleys.
Sie saßen gerade alle eng zusammengedrängt am Tisch im deutlich größeren Jungenzelt und Ginny stocherte in ihrem Essen herum, als sie aus den Augenwinkeln bemerkte, wie Malfoy sich zu ihrem Vater wandte.
Im Gegensatz zu allen anderen schien er ausgeschlafen zu haben, denn weder dunkle Schatten waren bei ihm zu erkennen, noch war er total zerzaust wie beispielsweise Harry, dem die Haare noch schlimmer zu Berge standen, als sonst.
„Ich habe gestern einen Freund von mir getroffen, Mr Weasley", erzählte Malfoy und sie beobachtete, wie ihr Vater aufmerksam den Kopf hob.
„Ach, wirklich?", fragte er interessiert. „Jemand aus Hogwarts?"
„Ja, Blaise Zabini, Sir. Er hat mich eingeladen, bei ihm Silvester zu verbringen – denken Sie, das wäre möglich?"
Arthur zögerte sichtlich und legte die Stirn in Falten.
„Nun …", meinte er, „ich weiß nicht. Das ist natürlich Ihre Entscheidung, aber wir haben bisher immerhin keine Spur von diesen Leuten und können nicht einmal mit Gewissheit sagen, ob sie es speziell auf Sie und die anderen bisherigen Opfer abgesehen haben oder es wieder versuchen werden … Es wäre riskant. Abgesehen davon haben Sie ihre Gesichter gesehen."
„Ich verstehe schon. Aber vielleicht wäre es ja sicherer, wenn jemand mich begleiten würde", meinte Malfoy zuversichtlich und warf einen Blick zu ihr. „Sie sollten wissen, dass Blaise mich zwar eingeladen hat, aber Ihre Tochter auch."
Ginny hörte, wie Ron sein Glas fallen ließ. Die restlichen Anwesenden sahen entweder schockiert oder heillos überrumpelt zwischen den beiden hin und her.
„Was!?", kam es irgendwann von Ron und einem seinen Schinken hinunterwürgenden Harry wie aus einem Mund, wobei Hermine kopfschüttelnd die Scherben mit einem nonverbalen Zauber zusammenfügte.
Arthur schaute nur kurz verwundert an dem Slytherin vorbei zu ihr und schob die Brille auf seiner Nase etwas höher. „Na ja, wenn das so ist und Ginny kein Problem damit hat, dann geht das … denke ich … in Ordnung …"
„Dad!", schnaubte Ron entrüstet, doch Fleur, die neben ihm saß, zerrte ihn an seinem Hemd auf seinen Stuhl zurück.
„Wow, hätte nie gedacht, dass ausgerechnet Ginny mal in eine Schlangengrube eingeladen wird – nichts für ungut, Malfoy", nuschelte George und der Slytherin winkte lässig ab.
„Was bitte soll das denn heißen?", meldete sich Ginny.
„Er meint ja nur, dass er das von Charlie eher erwartet hätte", antwortete Fred gähnend für seinen Zwilling und schaufelte sich wieder ganz unbeteiligt Rührei auf seinen Teller.
„Ah, da wären mir aber echte Schlangen lieber als Slytherins", meinte Charlie ganz ernst und blinzelte Ginny verschwörerisch zu.
„Klopf, klopf! Was höre ich da von Schlangen und Slytherins?", ertönte es auf einmal hinter ihnen und die gesamte Truppe richtete ihre Aufmerksamkeit auf den im Eingang stehenden Blaise Zabini. Er trug im Gegensatz zu gestern allerdings wieder ein normales Shirt und Jeans.
„Zabini!"
„Blaise", seufzte Hermine, „das mit dem Anklopfen üben wir aber nochmal."
„Ach, Granger, hättest du keinen Freund und ich keinen anderen Geschmack, könntest du mich glatt mit deinem bahnbrechenden Charme verführen."
„Zabini, halt einfach die Klappe und komm wieder, wenn ich mein Essen genug verdaut habe, dass mir bei deinen Sprüchen nicht alles wieder hochkommt." Malfoy missbilligend mit der Zunge und wedelte mit der Hand Richtung Ausgang. „Wir sind noch nicht fertig mit dem Frühstück."
Ginny beobachtete verblüfft, wie der Latino Malfoy einfach ignorierte, um den Tisch herumkam und sich den Teller seines Freundes schnappte, den er schneller leer hatte, als dass der überhaupt hätte reagieren können.
„Zufrieden?", fragte er spöttisch. „Da du jetzt fertig bist, kannst du auch deine Sachen holen. Astoria erwartet uns in spätestens einer halben Stunde und ich glaube du weißt, was mit uns passiert, wenn wir auch nur eine Minute zu spät kommen …"
Malfoy verzog das Gesicht, nickte aber (zum großen Schock der Versammelten). Als er im Schlafbereich verschwunden war, ließ sich Zabini auf seinen Platz neben Ginny fallen und wandte sich ihr zu.
„Keine Sorge, du kannst ruhig weiteressen. Der gute Draco braucht nur leider immer so ewig, bis er fertig wird und mal ehrlich …", er beugte sich grinsend zu ihr vor, „es macht ziemlich Spaß, ihn etwas zu ärgern."
Die Mundwinkel der Rothaarigen zuckten ungewollt und um nicht loszulachen erwiderte sie schnell, noch während sie aufstand: „Schon gut, ich bin eh satt."
Eine Weile später waren sie und Malfoy bereit. Sie verabschiedeten sich von den anderen, die alle noch etwas perplex wirkten (im Falle von Ron: aussahen, als hätte sie ein Rendezvous mit Gilderoy Lockhart), und folgten Zabini vom Zeltplatz zu einem der bereitstehenden Portschlüssel. Auf dem Weg dorthin erklärte er Ginny: „Meine Mutter ist schon heute früh zurück nach Spanien gereist. Eigentlich kommt sie ja aus Costa Rica, aber seit sie meinen Vater da kennengelernt hat, verbringen wir fast jede Ferien dort, anstatt in unserem Haus hier in England. Er war Spanier, musst du wissen."
„Deine Mutter ist aber Witwe, oder?", erkundigte sich Ginny.
„Ja, schon, die beiden hatten sich davor aber bereits getrennt, dann hat er nämlich noch zweimal geheiratet und vor einigen Jahren ist er dann erst gestorben. Ich hatte allerdings weder mit ihm, noch seinen Familien besonders viel zu tun. Wenn du mich fragst, sind alle meine Halbgeschwister verwöhnte Bälger", meinte er mit einer genervten Miene und wirkte dabei ehrlich glücklich darüber, dass er sie nicht gut kannte.
„Jedenfalls reisen wir jetzt nicht nach Spanien, sondern nach Wales, zum Haus von Astoria. Dort verbringen wir immer Silvester – und Draci ist auch oft mit von Partie, nicht wahr?"
„Hm", brummte Malfoy nur zur Antwort, der schlecht gelaunt, die Hände in den Hosentaschen und mit seinem Gepäck über der Schulter, hinter ihnen herging. Verwundert stellte Ginny fest, dass er zu schmollen schien – das war schon wieder eines dieser Dinge, die sie erst jetzt an ihm kennenlernte. Ein Lächeln huschte kurz über ihr Gesicht, während sie den Blick Zabinis, den er ihr zuwarf, nicht mitbekam.
Der Portschlüssel, mit dem sie kurz darauf abreisten, war ein vom Schnee durchweichter, feuchter Karton, den anzufassen man den blonden Slytherin erst überreden musste. Letztlich schafften Zabini und sie es jedoch, und zwar keinen Moment zu früh, denn schon im nächsten verschwanden sie im Sog des magischen Transportmittels. Sie tauchten in einem kleinen Ort in Wales wieder auf, von dem sie Seit-an-Seit apparierten und sich vor einem großen Anwesen wieder fanden, das besonders durch seinen imposanten Garten auffiel, welcher mit all seinen Pflanzen, Hecken und Gewächsen einem Labyrinth ähnelte.
Ein Kiesweg führte zu der breiten Veranda und der bereits geöffneten Haustür, in der schon lächelnd und ihnen zuwinkend ein zierliches, dunkelhaariges Mädchen stand, das Ginny im Näherkommen als Astoria Greengrass erkannte. Das Erste, was diese tat, war auf die drei zuzurennen und Malfoy fast von den Füßen zu reißen, als sie ihm um den Hals fiel. Danach wandte sie sich an Zabini, der schon die Arme grinsend ausgebreitet hatte.
„Astoria!", sagte er begeistert.
Sie schenkte ihm nur einen höhnischen Blick, ignorierte ihn und begrüßte Ginny dann mit einer ebenso erfreuten Umarmung. „Schön, dass du da bist, Wea- … darf ich dich Ginevra nennen?"
„Ginny ist okay."
„Ach wirklich? Ginevra ist doch viel hübscher!", rief die Slytherin enttäuscht aus und nahm ihr, ganz selbstverständlich, ihre Sachen ab, wobei sie die Jungen tadelnd musterte. Dann legte sie einen Arm um Ginny und führte sie die Stufen hinauf.
„Du kannst mich übrigens gern Astoria nennen. Es ist so toll, mal ein Mädchen dazuhaben. Auf die Dauer sind die beiden ganz schöne Langweiler …"
„He! Das habe ich gehört!", schnauzte Zabini. Aus welchen Gründen auch immer wirkte er jetzt genauso verstimmt, wie Malfoy.
„Mit dir habe ich nicht geredet, Grobian! Meine Familie ist übrigens nicht da, Ginny, also sind wir vier ganz ungestört. Wenn du willst, kann ich dir das ganze Haus zeigen … oder wie wäre es mit einem Tee?"
„Also …"
„Schön wäre ein Stück von dieser leckeren Schokoladentorte, die da unschuldig in der Küche steht", säuselte Zabini, der seine Sachen abgestellt hatte und sich nun gähnend und sich streckend Richtung Küche begab.
„Finger weg, die ist für heute Abend", befahl Astoria in einem scharfen Tonfall und eilte ihm hinterher.
Ginny blickte ratlos zu Malfoy, der entspannt im Hausflur stehen geblieben war und sie mal wieder aus katzenartigen, grauen Augen beobachtete.
„Sie sind … lebendiger, als ich es von Slytherins erwartet hätte", meinte sie.
Er zuckte mit den Achseln. „Sie sind nur froh, sich wiederzusehen. Du solltest die beiden erleben, wenn sie sich länger als zwei Wochen nicht gesehen haben. Erst dann sind sie wirklich … hm, lebendig."
„Sind die beiden ein Paar?", wollte Ginny unverblümt wissen, das fragte sie sich schon die ganze Zeit. Erst Sekunden später bemerkte sie entrüstet, wie Malfoys Schultern bei ihrer Frage vor unterdrücktem Lachen vibrierten.
„Nein, aber sie sind die Einzigen, die das auch glauben. Sie kennen sich seit ihrer Kindheit und hängen aneinander, wie ein altes Ehepaar. Schon immer."
„Aha", machte sie skeptisch und wandte sich ab, um die Gelegenheit zu nutzen, sich umzusehen.
Das Haus der Familie Greengrass war genauso geräumig, wie es von außen erschien. Ein breiter Hausflur führte in den Wohnbereich, von dem eine Tür in die Küche abging und ein weiterer Flur zu einer imposanten Treppe mit großen Stufen verlief. Alles war gehalten in einem dunklen, aber warmen Holz und die Schrägen an der Decke, sowie das Mansardenfenster über dem Eingang ließen alles ein wenig wirken, als wäre man in einem Dachgeschoss. Schon vom Garten aus war Ginny der spitze, schlossartige Bau aufgefallen. Eingerichtet waren die Räume in warmen Beige- und Rottönen, die sie an den Gryffindorturm erinnerten. So hätte sich Ginny jedenfalls nicht das Zuhause einer Slytherin ausgemalt.
„Und, wie findest du mein Heim? Ist bequem, oder?", sagte Astoria stolz, die jetzt wieder eintrat. „Draco meckert immer, dass ich zu gryffindormäßig einrichten würde, aber Rot ist halt meine Lieblingsfarbe. Und da meine Eltern praktisch das ganze Jahr über weg sind und meine Schwester die Herrschaft über die beiden Turmzimmer im nördlichen Bereich des Hauses hat, stört es sonst niemanden."
„Also ich finde es wirklich schön."
„Nicht?", schmunzelte sie und deutete zu den beiden Sofas, die sich an dem Kamin rechts von ihnen gegenüber standen. „Setzt euch doch schon mal, ich werde in der Zwischenzeit Tee aufsetzten. Ich hoffe, dir ist Schwarzer recht? "
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Nachdem die vier ihren Tee ganz nach Astorias Zufriedenheit ausgetrunken hatten, verschwanden Zabini und Malfoy nach draußen, um einige Besorgungen für den Abend zu machen, sodass die Slytherin die Gelegenheit bekam, Ginny das Haus zu zeigen.
Und so groß, wie sie das Haus sowieso schon geschätzt hatte, staunte sie trotzdem nicht schlecht über die vielen Räume, die sie zu Gesicht bekam. Neben einem Wintergarten und einer zusätzlichen Terrasse an der Hinterseite, gehörte noch eine kleine, gemütliche Bibliothek, die Schlafzimmer der Familie und ein Gästezimmer, in dem Zabini offenbar schlief, zum Repertoire. Nicht die beiden Turmzimmer zu vergessen, die sie schon im Kontext mit Daphne Greengrass erwähnt hatte.
Nach dieser Führung brachte Astoria sie zurück in die Bibliothek, wo sie sich in zwei Sesseln niederließen und die Dunkelhaarige noch mehr Tee trank. Wie Ginny feststellte, war sie verrückt nach Tee.
Die Gryffindor war ganz überrascht, dass sie sich so gut mit ihr verstand und vor allem, dass sie so herzlich aufgenommen wurde. Besonders, da sie ja nie etwas miteinander zu tun gehabt hatten, obwohl sie schon immer in einem Jahrgang gewesen waren. Soweit sich die Gryffindor erinnerte, hatten sie kaum je ein Wort gewechselt.
„... Dann hat Blaise eine ganze Woche nicht mehr mit mir geredet. Und das nur, weil ich gestolpert bin und aus Versehen der Salzstreuer in seine Suppe gefallen ist! Mal ehrlich, sich so darüber aufzuregen schafft auch nur er …" Astoria blickte mit einem traurigen Lächeln auf ihre Füße und das Lachen von eben verschwand langsam aus ihren Gesichtszügen. „Weißt du, er ist manchmal wirklich ziemlich gemein."
„Da ist er nicht der Einzige auf dieser Welt …", seufzte Ginny, wobei ihre Gedanken zu ihren Brüdern und seltsamerweise noch früher zu Malfoy wanderten. Dann, nach kurzem Schweigen: „Aber sag mal, kann ich dir eine Frage stellen?"
„Ja, sicher." Astoria sah wieder auf und blinzelte, als wäre sie gerade aus dem Schlaf gerissen worden.
Ginny überlegte nicht lange. „Kann es sein, dass du in Zabini verliebt bist?"
Eine Pause entstand.
„Ja", erwiderte Astoria gelassen und mit so entschlossener, selbstbewusster Miene, als würde sie eine simple, sachliche Frage im Unterricht beantworten. Sie stellte ihre Tasse auf den Tisch und lehnte sich in ihrem Sessel zurück, bevor sie ein Buch von einem Regalbrett griff und es Ginny reichte.
„Der Froschkönig?", fragte diese verwirrt.
„Das war einmal mein Lieblingsmärchen. Blaise und ich kennen uns seit unserer Kindheit. Ich weiß gar nicht mehr, wie es war, bevor wir uns kannten. Jedenfalls hat mein Vater mir irgendwann einmal gesagt, dass ein Junge zu uns spielen kommen würde, weil seine Mutter und meine Eltern etwas Geschäftliches zu besprechen hätten. Daphne war bei unser Großmutter, also war ich die Einzige, die er darum bitten konnte, besagten Jungen zu beschäftigen."
„Das war Zabini?"
„Natürlich. Zuerst war ich ein bisschen zurückhaltend, weil er mich mit diesem typisch arroganten Blick ansah, als wir uns vorstellten, aber dann sind wir rausgegangen, um am Bach zu spielen. Und da hat er mich reingeschubst. Ich glaube ja, es ist absichtlich gewesen, aber er behauptet bis heute das Gegenteil."
Ginny konnte sich an dieser Stelle ein Kichern nicht verkneifen und auch Astoria grinste breit.
„Jedenfalls wollte ich zuerst weinen, wie kleine Kinder das halt machen, aber dann habe ich es mir anders überlegt und ihn am Knöchel gepackt, um ihn ebenfalls hineinzuziehen. Pitschnass hat er mich wütend angestarrt und ganze fünf Minuten einfach stur geschwiegen und gestarrt und gestarrt …"
„Und dann?"
„'Prinzessin, ich will dir ja nicht zu nahe treten, aber du hast einen Frosch auf deinem Kopf.' Genau das hat er gesagt", zitierte Astoria, was Ginny nur ungläubig auflachen ließ.
„Nicht dein Ernst?"
„Ich fürchte doch. Allerdings saß da tatsächlich ein Frosch auf meinem Kopf und ich habe selbstverständlich erst einmal aufgeschrien und ihn übelst beschimpft, obwohl Blaise ja eigentlich nichts dafür konnte. Die nächsten Wochen haben wir uns immer wieder wegen dieser Geschichte gezankt, aber irgendwie kam er trotzdem jeden Tag zum Spielen und es wurde einfach so eine Art … na ja, Gewohnheit. Nenn es die Einsamkeit von zwei Kindern, deren Eltern und Geschwister kaum Zeit für sie haben. Seitdem habe ich ihn Grobian genannt. Ich glaube, etwa ein Jahr später hat mein Vater mir dann einen Frosch geschenkt und zuerst dachte ich, dass er sich über mich lustig machen will, aber dann habe ich mich an ihn gewöhnt. Und weil es irgendwie genauso wie mit Blaise war, habe ich eines Tages den Frosch angeguckt und gesagt: 'Weißt du, ich habe da einen Freund – du erinnerst mich an ihn. Er ist wie der Froschkönig: Auf den ersten Blick unausstehlich und ein unverschämter Grobian, aber eigentlich ganz niedlich, umso länger man ihn kennt.' Und seitdem heißt mein Frosch Grobian und ich … weiß, dass ich Blaise liebe."
Astoria seufzte. „Allerdings denke ich kaum, dass er genauso über mich denkt."
Ginny riss die Augen auf und schüttelte den Kopf, was ihre neue Freundin aber nicht sehen konnte, da sie zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt zu sein schien.
„Du hast es ihm also nicht gesagt?"
„Nein, natürlich nicht! Wir sind beste Freunde, wieso sollte ich das aufs Spiel setzen?!"
Die Rothaarige legte ihr Kinn auf der Armlehne ihres Sessels ab und Astoria und sie seufzten einvernehmlich auf.
„Ich finde, du solltest es ihm sagen", meinte Ginny noch, dann schwiegen die beiden Mädchen eine Weile und tranken nachdenklich ihren Tee, doch als sie unten Schritte hörten, standen sie auf und gesellten sich zu den Jungen.
„Was ist das denn?!", rief Astoria aus, wieder ganz sie selbst, als sie die Kiste in Zabinis Armen und die vollen Einkaufstüten sah, die Malfoy auf dem Esstisch abstellte.
„Wir haben fürs Essen eingekauft – ich werde das Silvesteressen vom letzten Jahr noch übertreffen, versprochen!", verkündete der Latino zufrieden und machte sich schon daran, die Sachen auszupacken.
„Und was genau soll das werden, wenn man fragen darf? Ein Fünf-Gänge-Menü?"
„Nein, ich habe mich auf vier Gänge beschränkt. Für wen hältst du mich? Für einen Amateur-Koch?"
„Du kochst?", platzte es aus Ginny heraus, die genau wie Malfoy die Diskussion der beiden nur verfolgt hatte. Zabini grinste und zwinkerte ihr zu, als er an ihr vorbei in die Küche marschierte.
„Besser, als jeder andere, Baby."
„Na, das kann ja was werden …", nuschelte Astoria und hastete ihm hinterher. „Warte, Blaise, ich helfe dir!"
„Darauf kann ich verzichten!"
„Ach, halt doch die Fresse!"
„Selber, Froschmädchen! … He, lass das los, das brauche ich für mein Hähnchen á l'orange!"
Malfoy stöhnte auf und ließ sich auf dem Sofa nieder. Ginny kam darum herum, konnte aber das Grinsen nicht unterdrücken, als sie es sich auf dem anderen Sofa gemütlich machte. Sie hätte nie gedacht, dass der Blonde solche Freunde hatte, die dabei trotzdem noch so slytherinhaft waren. Aber sie freute sich darüber, es passte zu dem Draco Malfoy, den sie inzwischen kannte.
„Sie sind wirklich lebendig."
„Ja … leider."
„BLAISE!", schallte er erneut aus der Küche.
Ginny und Malfoy tauschten einen Blick und nun musste auch er ironisch lächeln. Als würde es alles erklären sagte er einfach: „Slytherins, Weaslette. Wir sind Slytherins."
Dann stand er auf und schlenderte gelassen aus dem Raum.
„Zabini, guck nicht so verdrießlich und pack die Sachen aus. Astoria, du bist miserabel im Kochen. Geh ins Wohnzimmer, überlass gefälligst uns die Sache. Und leg das Küchenmesser weg", erklang es von nebenan und verwundert stellte Ginny fest, dass Astoria wenige Augenblicke später tatsächlich aus der Küche marschierte und sich ihr gegenüber elegant zwischen zwei Kissen platzierte.
Malfoy blieb noch Minuten später verschwunden, nur das Geräusch von klapperndem Geschirr und Messern auf Schneidebrettern war zu hören.
„Kocht … Malfoy?", fragte Ginny schließlich ungläubig, als sie ihre Neugierde nicht mehr zurückhalten konnte.
„Ja, wieso?", erwiderte Astoria nur.
Ginny sah wieder zur Küchentür.
Sie hätte nie gedacht, dass Draco Malfoy kochen würde – früher hätte sie gesagt, dass er lieber seinen Zauberstab eintauschen würde, als selbst einen Kochlöffel in die Hand zu nehmen. Und es gab noch viel mehr, das sie nie mit ihm in Verbindung gebracht hätte, und was sie erst jetzt an ihm entdeckte.
Wer war Draco Malfoy also eigentlich wirklich?
