Aussprache
Wir schauten uns immer noch tief in die Augen.
Ich bemerkte gar nicht, wie Emmet sich von mir löste und aus dem Zimmer ging.
Genau wie die anderen.
In diesem Moment gab es nur Edward und mich.
Ich vergass wieder alles um mich herum.
Das Gedühl war wieder da.
Das kribbeln im Bauch und doch auch das Gefühl, dass ich ihn verletzt hatte.
Ich weiß nicht, wie lange wir uns in die Augen schauten, doch plötzlich kam er langsam auf mich zu und setzte sich neben mich aufs Bett.
Er löste nicht einmal seinen Blick von mir.
"Bella was ist los?" fragte er besorgt.
Was los war?
Ich hatte ihm das Herz gebrochen und er machte sich anscheinend Sorgen um mich und wollte wissen, was los war?
Wie konnte das sein?
Wie konnte er sich um mich Sorgen, obwohl ich ihm so weh getan hatte?
Wieso? Diese Frage brannte sich in meinem Kopf ein.
Ich versuchte wieder klar zu denken, doch bei seinen strahlend grünen Augen, die ich so vermisst hatte, fiel mir das mehr als schwer.
"Bella?" fragte er nun vorsichtig.
Sein süßer Atem kam mir entgegen und betäubte mich.
Ich schien ohnmächtig zu werden, so fühlte es sich auf jeden fall an.
Bella, du musst nun antworten, ermahnte ich mich.
"Ja?" brachte ich nur heraus.
Er schaute mich immer noch voller Sorge an.
Ich versuchte mich aus seinen Blick zu befreien, was mir schwer fiel, damit ich wieder klar denken konnte. Nach einigen Sekunden und verdammt viel Konzentration gelang es mir.
"Was los ist?" wiederholte ich eher für mich selber.
"Ja was ist passiert? Geht es dir nicht gut?" bohrte er weiter.
Wie konnte er hier so einfach sitzen und mich fragen, ob es mir nicht gut ging?
Wie konnte er all den Schmerz, den ich ihm zugefügt hatte so vergessen und überspielen?
Vor ein paar Stunden würdigte er mich keines Blickes und jetzt auf einmal sass ich hier allein mit ihm auf meinem Bett.
"Nein, doch, ach ich weiß nicht wie ich es sagen soll Edward" schluchzte ich.
Er schaute mich verdattert an. Er schien die Welt nicht mehr zu verstehen.
"Was denn jetzt? Bella, sag es mir bitte?!" flehte er mich an.
Edward war einfach unglaublich. Ich brach ihm das Herz und auf einmal reagierte er so.
"Also körperlich geht es mir gut, aber.. ach ich weiß nicht, ob ich dir das sagen soll. Ich will nicht..." ich stoppte.
"Was willst du nicht Bella?" fragte er weiter.
Er schaute mich immer fragender an.
Tausend kleine Fragezeichen schwirrten über seinen Kopf, das konnte ich genau sehen.
Wieso wollte er es wissen? Wieso wollte er, dass ich ihn weiter quälte?
"Also Edward, ich will dich nicht schon wieder verletzen. Mir ist heute was klar geworden. Ich wusste es schon die ganze Zeit, doch ich wollte es mir wohl nicht eingestehen." platzte es aus mir raus.
"Was denn Bella? Boah du bringst mich noch um, wenn du weiter so in Rätseln sprichst." beklagte er sich.
Jetzt fass all deinen Mut zusammen und sag einfach alles. Schlimmer als jetzt kann es eh nicht mehr werden Bella, ermahnte ich mich.
"Okay, ich liebe dich Edward. Und bevor du jetzt irgendwas sagst, hör mir bitte zu." ich stoppte kurz.
"Ich weiß, ich hab dir sehr weh getan und ich weiß, dass es nicht richtig ist, was ich hier gerade mache, doch ich kann nicht anders.
Ich liebe dich und ich habe einen anderen Freund, den ich nicht Liebe, da bin ich mir jetzt zu hundertprozent sicher. Aber ich will dir nicht noch mehr weh tun. Ich will das du glücklich bist. Solange ich hier wohne und du in Forks, haben wir keine Zukunft. Ich weiß einfach nicht, wie ich das erklären soll Edward. Ich schaff es nicht." platzte nun alles aus mir raus und die Tränen bahnten sich den Weg aus meinen Augen.
Er schaute mich überrascht an.
"Du liebst mich?" fragte er dann verdattert.
"Ja Edward Cullen, ich liebe dich noch immer. Ich hab es versucht zu unterdrücken, doch es geht nicht." gab ich traurig zu.
Einerseits war ich nun erleichtert, dass es raus war, andererseits hätt ich mich ohrfeigen können.
Ich tat ihm schon wieder weh. Ich konnte ihm im Moment keine Zukunft bieten. Ich konnte ihm nichts positives bieten.
Ich gab ihm nur den Schmerz.
Da umfassten mich schon seine starken Arme. Ich fühlte mich sofort wieder geborgen.
Es war ein unglaubliches Gefühl, dass sich in mir breit machte.
Ich war überwältigt.
Er hob mein Kinn an und schaute mir wieder tief in die Augen.
Ich verlor mich in seine Augen und meinte bis auf den Grund seiner Seele gucken zu können, so atemberaubend war Edward.
Da trafen auch schon unsere Lippen aufeinander.
Es war ein sehr inniger und leidenschaftlicher Kuss.
Dieser Kuss sollte nie enden.
Er löste sich kurz von mir.
"Bella, ich liebe dich auch. Auch wenn es nicht richtig ist, was wir hier gerade machen, da du ja einen Freund hast, will ich einfach nur die Stunden mit dir genießen, die ich bekommen kann." hauchte er mir ins Gesicht.
Ich fasste es nicht.
Hatte er das wirklich gerade gesagt?
"Edward, ich will nicht, dass du wegen mir leidest. Ich bin es nicht wert." erklärte ich ihm.
Doch da trafen seine Lippen schon wieder auf meine.
Wir verbrachten eine schöne Nacht zusammen. Redeten und küssten uns.
Wir wussten beide, dass es wohl die erste und letzte Nacht sein würde.
Wie gut, dass wir Gästezimmer hatten und meine Eltern darauf bestanden, dass die Cullens hier schlafen sollten.
Das ganze Wochenende war einfach nur ein Traum.
Ich verbrachte viel Zeit mit Edward.
Jerome wimmelte ich irgendwie ab, doch er verstand es, er wusste dass ich Zeit mit meiner alten Familie verbringen wollte.
Er wusste nur nicht, dass ich die meißte Zeit mit Edward verbrachte.
Ich hatte auch ein ziemlich schlechtes Gewissen deswegen, aber dem wollte ich mich erst stellen, wenn die Cullens wieder in Forks waren.
Franzi und Lis bekamen natürlich mit, dass ich mit Edward viel Zeit verbrachte, doch sie sprachen mich erstmal nicht darauf an.
Ich müsste ihnen hinterher eh alles erzählen. Ich hoffte nur, dass sie es verstehen würden.
Sie kannte nicht viel von dieser Bella, die ich war, als ich noch bei den Cullens wohnte.
Sie kannten nur die Isabella Swan aus Miami.
Das Wochenende ging viel zu schnell vorbei und es war ein Tränenreicher Abschied.
Edward bekam wieder diesen leeren Blick und auch ich fühlte mich so, als würde ein Teil meiner Seele für immer von mir gehen.
Also würde mein Herz in zwei Teile zerissen werden.
Doch es blieb uns leider keine andere Wahl. Ich musste damit Leben, dass ich Edward das zweite mal das Herz gebrochen hatte und womöglich nie wieder eine Chance bekommen würde.
